3. November 2009
Wie Hollywood Frauen Baseball erklärt
Frau Hepburn wundert sich übrigens an einer Stelle darüber, dass die gemeinsame Zeitung zwar gleich zwei Reporter zum Baseball schickt, aber nur einen an den provisorischen französischen Regierungssitz Vichy, von dem aus nach dem Überfall der deutschen Armee 1940 das teilbesetzte Land verwaltet wurde. Tracys Reposte ist ein Klassiker: "Vichy? Are they still in the league?"
24. Juni 2009
Brad Pitt kann's nicht ändern: Verfilmung von Moneyball gestoppt
Immerhin hat sportsbybrooks seitdem weiter recherchiert und eine schöne Fundsache aufgetrieben: ein Drehbuch, das der Dreh- und Angelpunkt der Auseinandersetzung zwischen Produzentin und Regisseur ist. Niemand vermag zu sagen, ob dies eine alte oder eine aktuelle Version ist. Aber sicher ist es nicht die, die Soderbergh zuletzt daraus gemacht hatte. Denn die war zum Stein des Anstoßes geworden.
Kompliziert? Wenn man mal die Blaumilchkanal-Welt von Hollywood wegstreicht, wo sich Produzenten weniger Gedanken über die Qualität von Stoffen machen als viel mehr darüber, wie man wieviel Publikum ins Kino locken kann und ob Frauen die Filme sehen wollen und ob man mit einem solchen Werk im Ausland die Lichtspielhäuser füllen kann, bleibt immer noch ein Lesestück (als pdf-Datei). Der Drehbuchautor ist übrigens kein Unbekannter. Steven Ziaillian hat Schindlers Liste, American Gangster, Gangs of New York und Mission:Impossible geschrieben. Die Szene über die alle reden, ist allerdings kein Meisterwerk. Da hat der Oakland A's-Manager Billy Beane in einem Restaurant Sex mit der Kellnerin, die ihm das Essen serviert hat.
Blick zurück: Die Meldung über den Einstieg von Brad Pitt ins das Projekt,
Blick zurück: Wie Oakland im Baseball gegen die reichen Clubs besteht
Kleines Extra: Autor Michael Lewis in einem Interview zu seinem Football-Buch The Blind Side.
30. Oktober 2008
Rocky's Stadt
Ein wahlloses Beispiel aus dieser Woche in Focus Online (gefunden über eine Google-Suche mit den drei Begriffen "Knappen", "Fohlen", "Hanseaten") möge genügen, um das Panorama der gängigen Sprachlandschaft in Erinnerung zu rufen. Es enthält auch noch solche Klassiker wie "Werks-Elf" und "Geißböcke".
Da fällt einem doch glatt ins Auge, wenn, wie heute auf faz.net geschehen, jemand bei der Umschreibung für den Namen der Stadt Philadelphia auf folgende Idee kommt: "die Stadt von Rocky Balboa". Rocky Balboa hat nie gelebt. Er ist eine Kunstfigur, die der Hollywood-Schauspieler Sylvester Stallone für seinen Film Rocky erfunden hat. Wer sich nicht an derartigen Gedankensprüngen stört, der hat plötzlich völlig neue Möglichkeiten, um in der Zukunft seine Artikel mit pop-culture-Material zu besprenkeln. Auch wenn die Leinwand- und TV-Helden in Deutschland eher dünn gesät ist. Ideen? Vorschläge? Bitte in der Kommentarspalte abliefern.
Blick zurück: In Philadelphia hat Rocky sogar einen Platz vorm Museum
19. Oktober 2008
Kommt Moneyball dank Brad Pitt ins Kino?
Deshalb möchte man auch nicht gleich das Gerücht denunzieren, wonach niemand anderer als Brad Pitt demnächst in der Verfilmung des Buchs Moneyball von Michael Lewis auftreten wird. Obwohl: Man reibt sich erstmal die Augen. Moneyball ist nämlich keine Erzählung, sondern ein Sachbuch. Es tauchen zwar klar umrissene Figuren auf (darunter die Leute, die dafür sorgen, dass die Oakland A's trotz i
Die Filmrechte für den Stoff waren 2004 an eine Hollywood-Firma verkauft worden. Seitdem ist nicht viel passiert. Von dem ersten Script war nämlich offensichtlich niemand begeistert. Also wird das Pferd jetzt anders aufgezäumt: Über die Besetzung der Hauptrolle. Das Gerede über die großen Namen gehört in Los Angeles zum täglichen Gossip-Programm. Denn anders bekommt man abseitige Filmideen gar nicht ins Gespräch.
Der wichtigere Teil der Nachricht allerdings ist nicht, dass Pitt involviert werden soll, sondern die Information, welcher Drehbuchschreiber sich an die Umsetzung des Themas machen soll: Steve Zaillian, der Mann, der für das Script von Schindlers Liste einen Oscar erhalten hat. Zaillian (links) hat einen hervorragenden Ruf. Sein erstes Drehbuch war Der Falke und der Schneemann, eine Geschichte, in dem sich zwei Milieus kreuzen: Drogenhandel und Spionage. Weitere Ausnahmeleistungen: das Script zu Zeit des Erwachsens (Awakenings), Das Kartell (Clear and Present Danger). Zu seinen Regiearbeiten gehört Searching for Bobby Fisher.Darüber, wieviel Geld einer von der Statur von Zaillian für das Drehbuch, kann man nur spekulieren. Genauso, ob es überhaupt dazu kommt. Denn wenn Pitt nicht zusagt (und kein anderer der sogenannten bankable stars), wird aus der Idee vermutlich so schnell überhaupt nichts werden.
24. Februar 2008
Vor der Oscar-Verleihung: Zwei Mc's im Vergleich
Ich habe mir vor ein paar Stunden No Country for Old Men angeschaut und mich gefragt, wie es überhaupt sein kann, dass ein derartiger Film so viel positives Echo auslöst. Ich werde den Verdacht nicht los, dass man in den USA in Ermangelung cineastisch wirklich bemerkenswerter Filmemacher an einer sinnentleerten Gewaltorgie der Brüder Joel und Ethan Coen einfach deshalb Gefallen findet, weil sie in ihrer unerhörten Absurdität - in manchen Momenten wenigstens - Nachdenklichkeit provoziert. Anders als in subtileren amerikanischen Gewaltdramen, wie etwa dem mit einem Oscar ausgezeichneten Film Crash, gelingt es jedoch der Dramaturgie nicht, aus den vielen Blutspuren irgendetwas erzählerisch Verbindliches und Zusammenhängendes herausfiltern. Blutspuren, die die beiden Brüder, die das Drehbuch geschrieben und den Schnitt besorgt haben, wie besoffen immer wieder als visuelles Element benutzen - sahen wir die nicht auch schon in Fargo?
Nach dem deutschen Trailer zu dem Film zu urteilen, ist die Synchronfassung vermutlich nicht mal oberflächlich interessant, sondern tendenziell banal und hohl. Denn sie raubt dem Ganzen auch noch die Zwischentöne, die sich aus den texanischen Akzenten und dem Klang der Sprachmelodie der Haupt- und Nebenfiguren ergeben. Eine Dimension, die zwar der Roman notgedrungen nicht hat, aber in der Kinoversion wenigstens eine gewisse Menschlichkeit der Charaktere herstellt. Erst die unterschiedlichen Stimmen vermitteln die Trostlosigkeit und den Wahnsinn der Geschichte. Nicht die vordergründig komplex konstruierte Jagd nach einem Koffer mit Millionen.
Das einzig Besondere in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass der Schriftsteller Cormac McCarthy vor kurzem sein allererstes Fernsehinterview gegeben hat. Das findet man auf YouTube nur zerlegt in Teilen. Es zeigt einen eher schüchternen Mann, der mit 74 Jahren doch wohl erstmals öffentlich über sein literarisches Erbe räsonnieren möchte. Zumal es bei dem Buch, um das das Interview kreist - der mit einem Pulitzerpreis ausgezeichnete Roman The Road, um einen privateren Stoff geht. Er nimmt Bezug nimmt auf ein Erlebnisse mit seinem eigenen, erst achtjährigen Sohn. Man darf davon ausgehen, dass der Filius seinen Vater überleben und sich später fragen wird, wie sein Erzeuger denn war und wie er dachte und schrieb. Oprah Winfrey, die den Versuch unternimmt, aus dem Autor ein paar kluge Gedanken über das Schreiben und das jahrelange Überleben als total verarmter Schriftsteller herauszuholen, ist allerdings keine besonders produktive Gesprächspartnerin. McCarthy versinkt zeitweilig fast in seinem Sessel, fühlt sich unwohl in seiner Haut und muss sich irgendwann gefragt haben, weshalb er sich nach all den Jahren der Medienabstinenz ausgerechnet auf diese Frau eingelassen hat.
Wer mehr anschauen möchte, sollte sich auf dieser Seite die einzelnen Folgen zusammenklauben.
Man kann auch Ian McEwan im Interview betrachten. Der Brite ist ein routinierter und medienbewusster Mensch, der mit Atonement vermutlich den Höhepunkt seiner Kunst erreicht hat (ab 26:10 Minuten).
Die Geschichte, die der Roman erzählt, hat Regisseur Joe Wright in einen dichten Bilderstrom mit vielen imaginativen Kameraeinstellungen umgewandelt. Der Film ist dadurch zusätzlich zur Überraschung am Ende zu einem wirklichen Kinowerk geworden. Anders als No Country mit seinen hakelnden Schnitten und seinen platitüdenhaften leeren Landschaften, die nur am Anfang als Stimmungsfänger eine Rolle spielen, geht bei Wright immer die Optik vor. Er zeigt dadurch, dass der Stoff selbst - die fatale Phantasie eines jungen Mädchens und ihr lebenslanger Versuch, Abbitte zu leisten - über mediokre visuelle Erklärungsmuster erhaben ist. Die kunstvollen Rücksprünge und Perspektivwechsel wirken stimmig und kommen ohne erklärende Hinweise aus. Die gekonnte Inszenierung der Gesten, Blicke und Berührungen gestattet es Wright, den Dialog in den Hintergrund gleiten zu lassen. Das Reden und der Klang der Stimmen sind hier nur halb so entscheidend. Jeden anderen Film hätte Keira Knightley, die offensichtlich ein begrenztes mimisches Repertoire besitzt und stur nur ein einziges Gesicht aufsetzt, an den Rand zur Müllkippe gebracht. Von solchen Gefahren bleibt diese Inszenierung verschont.
Keine Ahnung, wie die Leute ticken, die über die Vergabe der Oscars entscheiden. Vermutlich wird die Killerfigur, gespielt von dem Spanier Javier Bardem, in der Kategorie "Bester Nebendarsteller" gewinnen. Denn einen besseren Psychopathen haben wir schon länger nicht mehr gesehen. Aber das sollte es auch schon gewesen sein.
26. Januar 2008
Eddie Murphy hat es schon damals kommen sehen...
2. Januar 2008
Hau den Lucas
Aber vielleicht arbeiten die pfiffigen Engländer auch an einer Parodie dieses Machwerks. Was wiederum kein Problem wäre. Satire hat einen anderen Stellenwert. Sagen wir mal, wir hoffen, sie hauen den Lucas und veräppeln ihn (so wie die US-Sendung MadTV in diesem Clip). Denn wer den Krieg der Sterne ernst nimmt, der hat keine Sympathie verdient.
10. November 2007
Der Klingelbeutel: Für Brad ganz bestimmt federerleicht (aktualisiert)
Kann mal jemand da draußen, der in letzter Zeit in Spanien war, die wirre Welt dieses Pau-Gasol-Werbespots dechiffrieren? Hat die iberische Halbinsel den Anker eingeholt und schippert ins Nichts?
via Deadspin und AOL Fanhouse
Der Dollar ist nicht jedermanns Freund. Nicht mal, wenn er in dicken Bündeln daher kommt. Denn der Dollar fluktuiert. Im Moment zum Beispiel, da er gegen den Euro so anämisch aussieht wie noch nie, fühlen sich die europäischen Profis in den USA geknickt. Sie werden in Dollar bezahlt, aber wollen einen Teil des Geldes in Euro ausgeben/anlegen. Der Umtausch bringt derzeit vielen einen Verlust. Dann wiederum gibt es die kanadischen Eishockey-Clubs in der NHL. Die dürften sich insgeheim die Hände reiben. Denn die bezahlen aus Paritätsgründen ihre Spieler genauso wie die Teams in den USA in US-Dollar. Das war früher jahrelang eine zusätzliche Strafe für Clubs, die ohnehin schon wirtschaftlich zu kämpfen hatten. Warum? Wegen des Umrechnungskurses zwischen kanadischem und amerikanischem Dollar, der bedeutete, dass die Mannschaften im Norden tief in die Taschen greifen mussten. Neuerdings steht der kanadische Dollar so gut, dass man hoch im Norden ganz anders kalkulieren kann.
Der Absturz des Wechselkurses signalisiert, dass es mit der lange so hoch eingestuften Wirtschaftskraft der Vereinigten Staaten nicht mehr groß bestellt ist. Man darf wohl aus diesem Anlass dann noch einmal an dieses Buch erinnern: Weltmacht USA - ein Nachruf vom Franzosen Emmanuel Todd. Bei Amazon.de sollte man ein bisschen weiterlesen. So gibt es unter anderem diesen erhellenden Kommentar:
Nachtrag: Das neue Video von Jay-Z macht Leute in den USA seltsam nervös. Er benutzt einen Stapel 500er Euros als Stilmittel. Sicher: Früher hätte man dafür Dollarscheine genommen. Aber wer mehr in solche Ideen hineinliest, als vermutlich drin steckt, hat zuviel Zeit. Beim letzten Video war der Rapper in Monaco und gab Gas in europäischen Autos. Das hat auch niemanden gestört. Warum? Weil jedem Amerikaner klar ist, dass in den USA nur Fischkisten gebaut werden."Die Grundthese dieser Studie ist, daß die USA dabei sind, ihren Status als 'letzte verbliebene Supermacht' zu verlieren, weil sie die dafür erforderlichen militärischen, wirtschaftlichen und ideologischen Qualitäten nicht mehr aufbringen können....Die gegenwärtigen USA werden als 'räuberischer Staat' definiert, der selbst massive Industrie- und Außenhandelsdefizite aufweist, aber die Finanzen und Produkte aller anderen Staaten quasi wie ein Schwarzes Loch aufsaugt und seinen Reichtum im eigenen Land zu Lasten der Minderheiten und unteren Schichten ungerecht an eine superreiche antidemokratische Oberschicht umverteilt.
Aufgrund eingehender Analyse verschiedenerlei Daten und Vergleiche mit historischen Weltreichen gelangt Todd zu der Überzeugung, daß sich die Vereinigten Staaten innerhalb der nächsten Jahrzehnte zu einer Regionalmacht zurückbilden werden, während die EU im Bunde mit einem wiedererstarkten, aber zur Gutmütigkeit bekehrten Rußland gemeinsam mit Japan künftig das Weltgeschehen bestimmen wird."
16. Juli 2007
Von Manipulateuren und Magiern
Jeder manipuliert im Sport den Sport auf seine Weise. Das kann harmlos sein und irgendwie auch unterhaltsam wie der Umzug der Familie Beckham nach Los Angeles. Besonders wenn es so durchsichtig und karnevalsmäßig praktiziert wird wie in der amerikanischen Soccer League. Was manipuliert wird, ist die Erwartungshaltung von Sportfans und die Neugier von Zuschauern, die sich nur am Rand für Fußball interessieren (wenn überhaupt). Das erhoffte Resultat der Manipulation ist - im Fall der Anschutz Entertainment Group und der Los Angeles Galaxy, wo man das auch jedem offen erzählen würde - der Wertzuwachs von Immobilien (in diesem Fall der riesigen Stadionanlage in Carson, die 150 Millionen Dollar Baukosten verschlang und hohe Betriebskosten verursacht). Ob Beckham und Galaxy dabei Major-League-Soccer-Meister werden, ist den Anschutz-Leuten ziemlich egal.Die Vorgehensweise entspricht der Methode, die man in Los Angeles bereits hinreichend bei der Produktion und Vermarktung von Filmen ausgetestet hat. Sie funktioniert für die Filmindustrie, weil sich in diesem Rahmen niemand über die Illusionen und Realitätsstörungen einer sehenswerten Leinwandproduktion wundert. Gutes Kino, das weiß und akzeptiert jeder als Prämisse, ist eine Übung in Fantasie. Sehr viel Fantasie. Man denke nur an das Geschäftsmodell der Universal Studio Tour. Da wird der zahlende Besucher in Trambahnen durch eine Kulisse gefahren, von der behauptet wird, man habe sie bei spektakulären Hollywood-Produktionen benutzt. Tatsächlich wurde ein Großteil der Bauten eigens für die Besichtigungsrundfahrten gebaut - mit all den staunenswerten technischen Finessen und Überraschungen, die eine Tour erst interessant machen.
Die meisten Manipulationsversuche im Sport zielen nicht auf Effekthascherei und den Kampf um Aufmerksamkeit. Bei denen geht es den handelnden Personen darum, die Realität umzubauen und die Resultate zu beeinflussen. Das ist weit weniger harmlos, als die Täter wahr haben wollen. Denn entscheidend für den Erfolg der Manipulation ist, dass die Sportverantwortlichen und die Öffentlichkeit den Eingriff nicht erkennen. Transparenz würde die wahren Absichten des einzelnen Manipulateurs (oder einer ganzen Gruppe von Manipulaturen) als regelwidrig enthüllen. Als Äquivalenzbetrieb im Rest des gesellschaftlichen Alltags fallen einem solche Institutionen wie die Mafia ein. Oder Anrufratesendungen im deutschen Fernsehen, bei denen spielsüchtige Menschen um ihr Geld gebracht werden, während man ihnen vorgaukelt, sie hätten eine reelle Chance darauf, einen beachtlichen Preis zu gewinnen.
Die Beckhams und ihre Berater und ihre Handlanger erschüttern im Unterschied dazu zumindest nicht das Urvertrauen von Millionen in die Idee eines
sportlichen Wettbewerbs, dessen größter Reiz darin besteht, dass sein Ausgang ungewiss ist. Die ähneln darin eher besseren Magiern, die bei ihren Auftritten den Zuschauern vordergründig eine animierte Show bieten, um sie am Ende doch noch an der Nase herumzuführen und mit der ungelösten, aber spannenden Frage nach Hause zu schicken: Wie hat er (oder auch sie) das nur hinbekommen? Wir betrachten den Manipulateur David Beckham und seine Gattin deshalb bis auf weiteres genauso wie den Rest des amerikanischen Sportgeschehens: als eine andere - und ebenso harmlose - Version von diesem Mitschnitt einer verblüffenden Showeinlage von Ursula Martinez bei einem Komiker- und Kabarettistenfestival in Montreal. Es lohnt sich übrigens, sich ein bisschen ausführlicher mit der Arbeit der Engländerin zu beschäftigen. Sie parodiert mit ihrem radikal exhibitionistischen Stil mit viel Erfolg all das, was in dem gerade angebrochenen Jahrtausend mehr denn je die Menschen mehr denn beschäftigen wird: "die Obsession mit sich selbst, Identität und die Kunst des Auftritts". Würde Ursula Martinez so viel Geld mit ihrer Arbeit verdienen wie die Beckhams, wäre alles im Lot. Aber das bleibt pure Fantasie. Und mit purer Fantasie kommt man nirgendwo weiter. Nicht mal in Hollywood.
30. Januar 2007
Flüchtlinge, Fußball und ein Film: Demnächst in diesem Theater
Der Artikel hatte viele Elemente, die das Selbstbild der USA als aufrechte, hilfsbereite und stolze Insel in der Kakophonie von Krieg, Terror und Gewalt in anderen Teilen der Welt schwer ankratzen. Denn die meisten Amerikaner hätten sicher gedacht, dass Flüchtlinge, die mal gerade dem Tod in Afrika entkommen sind, in den Vereinigten Staaten besser behandelt werden. Aber alles, was sie kennenlernen, sind Vorurteile und massive Schwierigkeiten, die den psychologisch wichtigen Rettungsanker Fußball gefährden. Man braucht viel Zeit, um den Text zu lesen und ihn mit seinen vielen zusammengewirkten Lebensfäden zu begreifen. Erst recht, wenn man sich die Multimedia-Produktion anschaut - mit Unmengen von Fotos, einem erklärenden Text von Autor Warren St. John und den Tondokumenten, zu denen eine Motivationsnummer der Trainerin gehört, die ihre Burschen harsch angeht.
Hollywood-Produzenten lesen quer. So brach, wie das Wall Street Journal heute schreibt, innerhalb von Stunden nach dem Erscheinen der Geschichte ein enormer Wettstreit um die Filmrechte aus. Da alle wichtigen Figuren - die Zeitung, der Journalist und die Trainerin - klug genug waren, sich Agenten zu besorgen, kletterte der Preis für die Rechte auf 3 Millionen Dollar, ehe der Zuschlag erteilt wurde. Das Geld wird geteilt. Ein gewisses Quantum wird in eine Stiftung fließen, die die Trainerin aufgemacht hat, um ihren Kindern endlich einen vernünftigen Fußballrasen zu besorgen. Auch diese Wirtschafts-Geschichte ist lang, und man braucht viel Zeit, um sie zu lesen. Aber das lohnt sich ebenfalls. Nicht weil die Moral von der Geschichte sein könnte: In Amerika wird am Ende wie in Hollywood immer alles gut. Nein. Es handelt sich um ein Lehrstück in Sachen Medienrealität. Die Asylanten-Kinder sind bei all dem nur die Objekte, das Kanonenfutter, die Ware, der Stoff, an dem sich andere aufregen und ergötzen.
Mehr über das Thema: die Fugees-Website.