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16. Oktober 2008

Vitamin B(easley)

Nichts gegen Assistenztrainer am College. Schon gar nicht gegen gute. Aber 420.000 Dollar im Jahr als Gehalt an einer staatlichen Bildungseinrichtung für einen Job in der Basketballabteilung? Ist das nicht ein wenig exzessiv? Das sind ja fast schon Wall-Street-Dimensionen. Der Mann, der soviel kassiert, heißt Dalonte Hill. Sein Ticket bei Kansas State war seine gute Beziehung zu Michael Beasley, der soeben in die NBA verduftet ist. Hier gibt es eine vergleichende Statistik mit der Bezahlung von Assistenztrainern an anderen Universitäten mit erfolgreichen Basketballmannschaften. Ein Augenöffner. Die meisten verdienen mehr als die Professoren, die den Studenten wirklich etwas beibringen. Und zwar in den Fächern, in denen die Studenten am Ende auch noch einen Abschluss machen. Hill ist noch nicht lange in Manhattan (Kansas), aber lange genug, um sich eine kleine Alkohol-am-Steuer-Sache einzuhandeln. Wie lange war Beasley in Kansas State? Keine zwölf Monate. Wie lange wird Hill der Uni noch auf der Tasche liegen? Mehrere Jahre.

P. S. Das alles passiert unter demselben Dach, unter dem die beiden deutschen Basketball-Talente Lucca Staiger (Bild) und Fabian Böke mit einer einjährigen Sperre belegt wurden, weil sie in Deutschland in der zweiten Liga einer Mannschaft mit (schlecht bezahlten) Profis gespielt haben. Zumindest in seiner Heimat hat Staiger noch Freunde. Der Verband hat ihn eingeladen, sich in diesem Winter um einen Platz in der Nationalmannschaft zu bemühen. Das Problem: die Sichtung trifft genau in jene Zeit, in der er am College Iowa State gebraucht wird.

13. September 2008

Repressiv meets depressiv

Man sollte annehmen, dass die Verantwortlichen im College-Football andere Sorgen haben. Man denke nur an die grotesken Entwicklungen bei der Vergabe von Stipendien an Studenten, die vermutlich nicht mal richtig lesen und schreiben können, aber trotzdem von den Universitäten zugelassen werden. Aber wahrscheinlich ist das Problem wirklich lesen und schreiben. Sonst hätte das Athletic Department der University of Virginia nicht das Ausbreiten von selbst produzierten Schrifttafeln, Bannern, großen Zetteln etc. bei Spielen der Football-Mannschaft im eigenen Stadion verboten. Repressiv meets depressiv. Oder so.

Zum ersten Thema empfiehlt sich die Lektüre dieses Artikels im Indianapolis Star und das Herunterladen der dort verlinkten pdf-Datei. Denn sie zeigt das ganze Ausmaß der verkappten Manipulation, mit dem mit Steuergelder finanzierte Bildungseinrichtungen den eigenen Auftrag mit Football-Füßen und Stollenschuhen treten. Die Entschuldigung für das Verhalten ist überall die gleiche: Footbal produziert angeblich Überschüsse für den gesamten Sportbetrieb an den jeweiligen Division-I-Universitäten. Und wenn nicht Überschüsse (bei den Trainergehältern, Stpendien, Reisekosten, Baukosten für Stadien und Trainingsgelände sowieso ziemlich unwahrscheinlich), dann eben Prestige. Football-Universitäten sind berühmt und haben höheren Zulauf von High-School-Absolventen, lautet die Kalkulation, die zwar im Prinzip sicher stimmt, aber nirgendwo genau über eine ehrliche Buchhaltung durchgerechnet wird.

Die Football-Stipendiaten, die nicht genug in der Birne haben, um die eingeschlagenen Studiengänge abzuschließen, sind in dieser Maschine nur billiger Treibstoff. Sie kommen und schnüren die Stiefel, weil sie hoffen, von den NFL-Scouts entdeckt zu werden und irgendwann ihre Knochen für Geld hinzuhalten. Tatsächlich ist das Nadelöhr für den Nachwuchs ungeheuer klein. Keine zehn Prozent bekommen einen Profivertrag in einer Liga, die wiederum überhaupt kein Interesse daran hat, dass sich etwas ändert. Die NFL kann sich das Geld für jede Form des Unterbaus und der Nachwuchsarbeit sparen. Das Förderband finanzieren die Hochschulen, also der Steuerzahler und die Nicht-Sport-Studenten mit ihren inzwischen extrem hohen Gebühren.

Dass diese Manipulation kaum jemanden weiter aufregt und nicht mal die Professoren in den anderen Fakultäten auf die Straße und mit Protestbannern in die Stadien bringt, ist der eigentliche Skandal. Denn intellektuell hätten diese Hochschullehrer durchaus die Kapazität, den Mechanismus und die epidemische Systemerkrankung zu analysieren und zu desavouieren. Aber unter denen kommt es bestenfalls hin und wieder zu Einzelaktionen. Der Status Quo ist nun mal der Lieblingszustand der Mehrheit. Eine Haltung, die nur so lange funktioniert, wie das Schiff nicht Leck schlägt, auf dem man sitzt.

Dazu passt die jüngste Übersicht aus dem Wall Street Journal mit den Gehältern der College-Footballtrainer. Die Liste wird angeführt mit Boob Stoops von Oklahoma, der 3,6 Millionen Dollar im Jahr verdient. Sie stellt übrigens einen ziemlich kruden Versuch dar, die Gehälter für die Trainer gegen ihre Erfolgsbilanz aufzurechnen (man nimmt die Zahl der Stimmen aus dem AP-Poll als Rechengrundlage). Diese vermeintlich so neutrale Betrachtungsweise stellt jedoch überhaupt nicht den Wahnsinn in Frage, der als Grundströmung heutzutage College-Football beherrscht: Nämlich: Was soll das Ganze? Und wie kann es weitergehen?

Aus der Liste lässt sich folgende Hitparade der teuersten Fachkrâfte destillieren:

1. Bob Stoops, Oklahoma, 3,6 Millionen Dollar
2. Urban Meyer, Florida, 3,25 Millionen Dollar
3. Mack Brown, Texas, 2,8 Millionen Dollar
3. Pete Carroll, USC, 2,8 Milionen Dollar
5. Tom Tuberville, Auburn, 2.6 Millionen Dollar
5. Jim Tressel, Ohio State, 2,6 Millionen Dollar
7. Phillip Fulmer, Tennessee, 2,05 Millionen Dollar
8. Frank Beamer, Virginia Tech, 2,008 Millionen Dollar
9. Mark Richt, Georgia, 2.0 Millionen Dollar
10. Mike Bellotti, Oregon, 1,9 Millionen Dollar

20. Oktober 2007

Die Leibwächter machen Reibach

Nachdem vor ein paar Tagen ein netter Kommentator den Hinweis anbrachte, der Blogger könne ja vielleicht mal vorher auf einen bestimmten Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung hinweisen (anstatt hinterher, wenn die Zeitung längst vom Markt ist), probieren wir das heute mal: Das Thema am morgigen Sonntag dreht sich um ein Phänomen in der National Football League, wo in aller Stille die Offensive Linemen zur am zweitbesten bezahlten Berufsgruppe aufgestiegen sind. Am besten verdienen die riesigen Tackles auf der linken Seite (im Fall von rechtshändigen Quarterbacks), weil von dort durch die Pass Rusher die stärkste Gefahr droht. Der Mann, der dieses Entwicklung erstmals ausführlich darstellte, ist der Journalist Michael Lewis - in seinem Buch The Blind Side - Evolution of a Game. Lewis, der einst mit Wirtschaftsthemen reüssierte, hat eine feine Nase für Sportthemen. Er ist der Mann, der Money Ball geschrieben hat und damit auf das Talent von Managern aufmerksam machte, mit relativ kleinen Gehaltsbudgets starke Mannschaften auf die Beine zu stellen. Es war ihnen möglich, weil sie wussten, wie man das statistische Datenmaterial einzelner Spieler am klügsten auswertet und als Projektionsgrundlage für die Entwicklung eines Baseball-Profis nutzt.
Blick zurück: Ein Hinweis auf Money Ball aus Anlass der letzjährigen Baseball-Playoffs

5. Mai 2007

Beckhams Gehalt im Vergleich - Gewerkschaft legt offen

Die Gewerkschaft der Spieler in der amerikanischen Fußball-Liga hat beschlossen, dass es Sinn macht, die Gehälter von allen zu publizieren. Das bringt endgültig Klarheit in die Diskrepanz der Einkommen zwischen den Großverdienern wie David Beckham, der oberen Mittelschicht wie Claudio Reyna und dem Fußvolk, dass sich mit Beträgen zufrieden geben muss, für die ein Kicker in der Bundesliga nicht mal morgens in seinen Porsche steigen und zum Training fahren würde.

Was verdient also der frisch importierte galaktische Superstar als Aushängeschild der Liga? 6,5 Millionen Dollar, zusammengesetzt aus einem Basisgehalt von 5,5 Millionen und einem nicht näher erklärten garantierten Zuschlag von einer Million. Der mexikanische Stürmer Cuauhtemoc Blanco (Chicago Fire( steht mit 2,666 Millionen Dollar auf Rang zwei. Juan Pablo Ángel (New York Red Bulls) folgt mit 1,593 Millionen Dollar dahinter. Der Ex-Wolfsburger Reyna erhält bei den Red Bulls 1,25 Millionen Dollar und ist damit der Krösus unter den Amerikanern. Denn der bisherige Spitzenreiter Landon Donovan (Los Angeles Galaxy) liegt bei 900.000 Dollar, Eddie Johnson (Kansas City Wizards) bei 875.000 und das einstige Wunderkind Freddy Adu (Real Salt Lake) bei 550.000.

Wer wissen möchte, mit wie wenig sich der Rest zufrieden geben (muss), sollte hierhin gehen - zum Galaxy-Blog von The Offside. Dass die Gehaltsspirale sich so stark nach oben gedreht hat - trotz einer Salary Cap, die zum Sparen verpflichtet - wird ziemlich bald den Druck auf die Liga erhöhen, den Wasserträgern Beträge zu überweisen, von denen sie wenigstens leben können. Insbesondere, wenn die Beckham-Begeisterung in einen wachsenden Publikumszuspruch umschlägt. Mit dieser letzten Zahl betreffend Beckham muss die neulich hier auf der Basis einer AP-Meldung verbreitete Information korrigiert werden. Trotzdem gilt: Die Luftblase, die bei seiner Vertragsunterzeichnung in die Welt gesetzt wurde, ist endgültig als solche identifiziert.
Blick zurück: Der Beckham-Effekt sorgt deutlich für Mehreinnahmen
Blick zurück: Ein Vergleich zu den NBA-Spielern aus dem Info-Paket "Schlag nach bei American Arena"
Blick zurück: Noch ein Vergleich - die Gehälter der NHL-Profis aus Deutschland, Österreich und der Schweiz

5. April 2007

Wo die Zampano-Kultur ihre Blüten treibt

Wenn man die Zahlen nebeneinander legt, gehen einem plötzlich die Augen auf: College-Coaches in der obersten Kategorie der beiden populärsten Mannschaftssportarten Football und Basketball (genannt Division I oder auch I-A) verdienen im Schnitt etwa soviel wie die Trainer in den Profiligen NFL und NBA. Die Absurdität würde jedem Betriebswirtschaftstudenten im ersten Semester auffallen: Nicht nur verdienen die Übungsleiter an den Hochschulen inzwischen fünf bis zehnmal soviel wie die Präsidenten der Universitäten. Die Rechtfertigung für ihre extrem gute Entlohnung - dass sie mit ihren Teams Geld einspielen - hinkt. Der Blog Sports Economist nannte jetzt die Eckdaten, als er zu diesem Thema Andrew Zimbalist zitierte, einer der führenden Akademiker im Bereich Sport und Geld. "Das durchschnittliche I-A Football Team produziert im Jahr etwa 15 Millionen Dollar Umsatz; das durchschnittliche NFL erzielt etwa 160 Millionen Dollar. Wie kann ein College-Coach soviel Mehrwert erzeugen wie ein NFL-Coach?"

Die Antwort ergibt sich von selbst. Er tut es nicht. Sein Gehalt verdient er auf dem Rücken der Studenten, die allenfalls ein Stipendium bekommen (und mit der Hoffnung gefüttert werden, dass sie eines Tages bei den Profis einen gut dotierten Vertrag erhalten).

Spontan würde man denken: Es muss doch einen Weg geben, diesen Wahnsinn zu beenden und die Gehälter der Trainer zurückzufahren (das Geld könnten die Universitäten bestimmt an anderer Stelle gut gebrauchen). Aber dieser Weg wird wohl nicht von oben - von der NCAA - kommen, die den
Collegesport in den USA organisiert. Das käme einem Eingriff in solche Gebiete des bürgerlichen Rechts wie Vertragsfreiheit gleich und würde von jedem Gericht abgeschmettert.

Ein paar Stimmen sagen: Bezahlt den Studenten ein Honorar (und nehmt das Geld aus dem existierenden Topf). Das sorgt für mehr Balance. Aber an den Gedanken will niemand heran: Collegesport gilt als letzte Bastion des Amateurgedankens. Etwas, was das IOC jahrelang ebenso pflegte, bis man irgendwann die Illusion nicht mehr aufrecht erhalten konnte und Wege fand, sich dem Profiwesen zu öffnen.

Die Gehälter für College-Coaches fallen übrigens genauso extrem aus dem Rahmen wie die Entlohnung von Vorstandsvorsitzenden in großen und mittelgroßen amerikanischen Unternehmen. Die sind in den letzten 20 Jahren exorbitant gestiegen, während die Durchschnittsentlohnung von Angestellten kaum mit der Inflationsrate Schritt hält. Die Mechanismen sind ähnlich. Chef-Trainer und Unternehmenschefs profitieren von dieser Zampano-Kultur, die so tut, als wäre vor allem die Personality und die Leistungsfähigkeit an der Spitze der Pyramide für das Resultat zuständig. Wenn das so wäre, müssten Chefs Geld mitbringen, wenn Firmen Verluste machen oder sinkende Aktienkurse verbuchen. Aber das ist nicht der Fall. Solche Fehleistungen werden wegrationalisiert. Dafür werden dann gerne die Ameisen weiter unten im Haufen angeschwärzt. Selten genug, dass Chefs ihrer Posten enthoben werden. An den Colleges ist das ähnlich.

Nun gut, könnte man sagen, so funktioniert Kulturdarwinismus, und mit den Achseln zucken. Wenn man aber gleichzeitig sieht, wie Arbeiter und Angestelle darin sabotiert werden, sich ganz legal in Gewerkschaften zu organisieren (prominente Stichwörter sind hier Wal-Mart und neuerdings auch Starbucks), dann erkennt man, wie schwer es ist für Gegenkräfte, sich zu formieren und den Zampanos etwas wirksam entgegen zu stellen.

An den Universitäten gäbe es durchaus Potenzial für eine Rebellion - wenn schon nicht seitens der Studenten (die oft aus armen Verhältnissen mit schlechten Schulen kommen), dann seitens der Professoren in den anderen Fächern, deren Entlohnung sicher nicht annähernd so gut ist wie die der Trainer. Ein anderer Weg ist auch denkbar: die Absc
haffung von Sportstipendien., um diese Monstermannschaften auf die Beine zu stellen. Das haben die Universitäten, die Amerikas Collegesport erfunden haben - die Ivy-League-Hochschulen Harvard, Yale, Princeton, Dartmouth, Columbia - schon vor einer ganzen Weile getan. Die waren eben klüger als der Rest.

Nachtrag: Wenn sich an dem System nichts ändert, wird es demnächst noch mehr solcher Fälle geben wie in Toledo/Ohio, wo College-Footballspieler aus der Wetterszene ansgesprochen wurden. Für ein paar Geschenke sollten sie dafür sorgen, dass ihre Mannschaft verliert. Korruption wächst dort am besten, wo die Belohnung, relativ gesehen, am größten ist. Spieler, die kein Geld verdienen und stattdessen trotz Stipendium sogar noch draufzahlen müssen, sind sicher sehr leicht zu bestechen.
Blick zurück: Was die College-Trainer im Football verdienen
Blick zurück: College-Sportler verklagen Unis mit Hilfe von Gewerkschaften

24. Februar 2007

Beckhams wahres Gehalt in Los Angeles: 27,5 Millionen Dollar

Nachdem sich Associated Press die Mühe gemacht hat, mal mit ein paar Leuten zu reden, die den neuen Vertrag von David Beckham mit den Los Angeles Galaxy etwas besser kennen, entsteht das Bild von einem jämmerlich zusammengefallenen Soufflé. 27,5 Millionen Dollar ist demnach das Gehalt, das Becks für seine fußballerischen Leistungen in Kalifornien in den nächsten fünf Jahren bekommen wird. Ein Bruchteil der ursprünglich in die Welt gesetzten 250 Millionen. Dass irgendetwas an diesem Monsterbetrag nicht stimmen konnte, war von Anfang an klar. Es handelt sich um eine Best-Case-Scenario-Hochrechnung, für die der Engländer seine ihm gehörenden Namens- und Vermarktungsrechte einbringen musste. Dafür wird er mit Prozentanteilen von zukünftigen Verträgen entlohnt wird. Garantien gab es keine. Trotzdem wird Beckham nicht schlecht abschneiden. Galaxy hat bereits 5000 Jahreskarten verkauft und verhandelt über eine stattliche Summe bei der Trikotwerbung. Eine Einnnahme, an der Beckham ebenfalls beteiligt sein wird.
Blick zurück: Potenzielle Trikotsponsoren bieten reichlich
Blick zurück: Die offizielle Mitteilung: Becks wechselt nach Los Angeles
Blick zurück: Wirklich unvergesslich - das Beckham-Interview von Ali G.

2. Februar 2007

NFL News: London, Favre, Geld für Ex-Spieler

Das Wembley-Stadion wird Schauplatz des ersten NFL-Spiels außerhalb der Grenzen der USA sein, bei dem es um etwas geht. Die Mannschaften stehen ebenfalls fest: Wie schon spekuliert worden war, werden zwei Ostküstenteams gegeneinander antreten: die Miami Dolphins (offiziell die Heimmannschaft) und die New York Giants. Auch das Datum wurde am Freitag am Rande des Super Bowl offiziell bestätigt: der 28. Oktober. Die Zeit für den Kick-off passt bestens: 18 Uhr in London ist 13 Uhr im Osten der USA. Exakt die Uhrzeit, wenn die erste Hälfte der Sonntagsspiele angepfiffen werden. Fox wird übertragen. Hier die Meldung vor einiger Zeit über den Umstand, dass man bei der NFL den deutschen Footballfans mit der Entscheidung für London eine lange Nase dreht.

In einer Geschichte über Brett Favre, den Quarterback der Green Bay Packers in der Welt stand vor ein paar Wochen, dass er mit dem Footballspielen aufhört. Die Information kam verfrüht. Totgesagte leben länger. Solche Schnellschüsse gibt es manchmal. Die verwegenste Aussage des Textes ging allerdings in eine andere Richtung. Da hieß es, der 37jährige sei "vermutlich der beste Spielmacher, den die National Football League je gesehen hat". Zu solchen Schlüssen kann man nur kommen, wenn man Joe Montana nie spielen gesehen hat. Vielleicht kann man ihn in Berlin jetzt wieder vom Podest herunterholen, nachdem er angedeutet hat, dass er weitermachen will, ihn abstauben und noch einmal ganz genau anschauen.

Commissioner Roger Goodell hat bei seiner Pressekonferenz in Miami die Pensionsregelung für ehemalige NFL-Profis als Problemfall akzeptiert. Die Spielergewerkschaft konnte zwar im Laufe der Jahre im Rahmen der Tarifvertragsverhandlungen das innovative Grundprinzip durchsetzen, wonach ausgemusterte Spieler ab der Mitte ihres Lebens monatliche Zahlungen beziehen. Aber für viele ist das weniger als der bekannte Tropfen auf den heißen Stein. Über die gegenwärtige Situation gibt es einen guten Beitrag im Blog Sports Frog. Die Schätzungen über den finanziellen Bedarf, um jenen zu helfen, die zu einer Zeit gespielt haben, als es noch keine riesigen Gehälter gab: 8 Millionen Dollar im Jahr. Das entspricht mal gerade etwa dem Sechsfachen eines heutigen Durchschnittsgehalts (2005: 1,4 Millionen Dollar laut New York Times).

27. Januar 2007

NBA-Gehälter: Extrem verzerrte Welt

Wenn man sich die Zeit nimmt und sich die Liste der Spitzengehälter in der NBA anschaut, wird man sich über mehrere Dinge wundern: Weshalb steht Alan Houston auf Platz 2 (mit 20 Mio. Dollar), wo er doch seit Jahren nicht mehr spielt? Wieso findet man den Namen Steve Nash nicht unter den Top 20, der in den letzten beiden Jahren in der regulären Saison den Titel Most Valuable Player abgestaubt hat? Wie kommt es, dass das Gefälle zwischen dem Spitzenreiter (Kevin Garnett, 21 Mio. Dollar pro Saison) und dem 30. (Mike Bibby, 12,5 Mio. Dollar) derart radikal ausfällt? Und weshalb rappelt es in der oberen Region nur so von Namen, die noch KEINE NBA-Meisterschaft gewonnen haben - 26 von den 30 bestbezahlten?

Wir haben es hier mit dem Enigma einer Sportliga zu tun, die ihre Leistungsträger und attraktivsten Spieler weit weniger fair und ausgewogen behandelt, als das im Zeitalter von Salary Cap und Spielergewerkschaft der Fall sein sollte. Das kann auf die Dauer nicht gesund sein. Schon allein deshalb, weil alle Spieleragenten ständig über diesen Zahlen sitzen und bei Verhandlungen mit Clubs die Verzerrungen dazu ausnutzen, ihre eigenen Klienten in ein gutes Licht zu rücken. Denn offensichtlich kommen dabei immer jene Profis am besten weg, die das, was sie verdienen, am wenigsten verdienen. Man lobt ihnen ein Gehalt aus, das widerspiegelt, wieviel man von ihnen erwartet. Nicht was sie geleistet haben.

Das war übrigens in der NBA in der Tendenz schon immer so. Michael Jordan war in seiner besten Zeit bei den Chicago Bulls nicht der Top-Verdiener in der Liga. Und sein wichtigster Nebenmann Scottie Pippen hatte auch deshalb einen so sauren Gesichtsausdruck, weil er Zeit seiner Laufbahn nicht annähernd das bezahlt bekam, was ihm zugestanden hätte. Das waren die Jahre, in denen Collegeabsolventen die besten Deals abschließen konnten und jedes Jahr einen Gehaltsrekord nach dem anderen brachen, bis Commissioner David Stern per Tarifvertrag dem Unsinn ein Ende bereiten konnte.

Wie er gegen die gegenwärtige Dynamik und ihre Verzerrungen angehen will, hat er noch nicht verlauten lassen. Das Problem sitzt tief: Es gibt eine Reihe von Clubs, die Minus machen. In den meisten Fällen liegt das - rein bilanztechnisch gesehen - an den zu hohen Gehältern. Theoretisch ließe sich das sogar kompensieren. Aber nur, wenn die teuren Spieler tatsächlich den Erfolg haben, den man ihnen zugetraut hat. Dann kämen sie in den Playoffs weiter und die Clubs könnten attraktivere örtliche Fernsehverträge abschließen. Die Spekulation geht fast nie auf. Und, ach, was den Fall Alan Houston angeht: Der ist Sportinvalide. Auf seinen enormen Vertrag hat das nach den Bestimungen der NBA keinen Einfluß. Wie man bei den New York Knicks das Geld verschwendet, wurde hier bereits im November abgehandelt.

Quelle für das Zahlenmaterial: HoopHype, wo man auch eine Liste mit den Gehaltssummen der einzelnen Clubs findet.

1. Kevin Garnett Minnesota
$21,000,000
2. Allan Houston New York
$20,718,750
3. Michael Finley San Antonio
$20,154,625
4. Shaquille O'Neal Miami
$20,000,000
5. Chris Webber Philadelphia/Detroit
$18,307,008
6. Allen Iverson Denver
$18,281,250
7. Jason Kidd New Jersey
$18,084,000
Jermaine O'Neal Indiana
$18,084,000
9. Kobe Bryant LA Lakers
$17,718,750
10. Tim Duncan San Antonio
$17,429,671
11. Brian Grant LA Lakers/Boston
17,370,625
12. Stephon Marbury New York
$17,275,781
13. Grant Hill Orlando
$16,901,500
Tracy McGrady Houston
$16,901,500
15. Jalen Rose New York/Phoenix
$16,040,000
16. Ben Wallace Chicago
$15,680,000
Eddie Jones Memphis
$15,680,000
18. Antawn Jamison Washington
$15,101,626
Vince Carter New Jersey
$15,101,626
Dirk Nowitzki Dallas
$15,101,626
Paul Pierce Boston
$15,101,626
22. Baron Davis Golden State
$15,070,000
Shawn Marion Phoenix
$15,070,000
Steve Francis New York
$15,070,000
25. Ray Allen Seattle
14,611,570
26. Elton Brand LA Clippers
$14,248,000
27. Larry Hughes Cleveland
$13,363,012
28. Michael Redd Milwaukee
$13,260,000
29. Joe Johnson Atlanta
$12,744,190
30. Mike Bibby Sacramento
$12,500,000

18. November 2006

College-Football: Was die Trainer verdienen

Aus Anlass des Todes von Bo Schembechler, einer jener überragenden Trainerfiguren des amerikanischen Sports, hätte man sehr viele Anlässe über College-Football nachzudenken. Keiner liegt jedoch so klar auf der Hand wie dieser: die Jahreseinkommen all jener, die von Schembechlers Ruhm und Erfolgen indirekt profitieren. Die Beträge, die College-Coaches erhalten, sind nachgerade obszön. Hier die Liste der Top Ten, die die Seite College Sports by Charlie zusammengestellt hat:
1. Charlie Weis Notre Dame 3,3 Mio. Dollar
2. Pete Carroll USC 3 Mio.Dollar
3. Kirk Ferentz Iowa 2,85 Mio.Dollar
4. Mack Brown Texas 2,55 Mio. Dollar
5. Bobby Petrino Louisville 2,5 Mio. Dollar
6. Jim Tressel Ohio State 2,45 Mio. Dollar
7. Bob Stoops Oklahoma 2,4 Mio. Dollar
8. Tommy Tuberville Auburn 2,2 Mio. Dollar
9. Joe Paterno Penn State 2,1 Mio. Dollar
10. Phillip Fulmer Tennessee 2,05 Mio. Dollar

Das Wort "obszön" muss man nicht lange erklären. Fast alle diese Universitäten werden vom Steuerzahler finanziert und von den Studiengebühren der Studenten (Ausnahme: Notre Dame). Die Verantwortlichen der Bildungseinrichtungen erhalten sehr viel weniger Geld dafür, dass die Colleges überhaupt funktionieren. Und die Beträge sind nur die Spitze des Eisberges einer enormen Ausnahmelast, zu der Sportanlagen, Trainingsstäbe, Stipendien und Flugreisen zu den Auswärtsspielen gehören.
Blick zurück: Der Rüstungswettlauf unter den Colleges
Blick zurück: Wo der Nachwuchs der NFL herkommt

13. Oktober 2006

Der D-A-CH-Verband in der NHL

Immer mehr NHL-Profis stammen aus dem Einzugsbereich des Duden (hier als D-A-CH-Verband bezeichnet, weil es keinen gebräuchlichen zusammenfassenden Begriff gibt). Woanders kann man lesen, wie sie sich so so kurz nach Beginn der neuen Saison schlagen. Hier steht, was sie verdienen.

Deutsche Spieler

Christian Ehrhoff,
San Jose Sharks, 800 000 Dollar
Marcel Goc, San Jose Sharks, 775 000 Dollar
Jochen Hecht, Buffalo Sabres, 2 350,000 Dollar
Olaf Kölzig, Washington Capitals, 5 450 000 Dollar
Christoph Schubert, Ottawa Senators, 525 000 Dollar
Dennis Seidenberg, Phoenix Coyotes, 750 000 Dollar
Marco Sturm, Boston Bruins, 2 100 000 Dollar

Schweizer Spieler

David Aebischer, Montreal Canadiens, 1 900 000 Dollar
Patrick Fischer, Phoenix Coyotes, 575 000 Dollar
Martin Gerber,
Ottawa Senators, 3 700 000 Dollar
Mark Streit, Montreal Canadiens, 600 000 Dollar

Österreichische Spieler

Thomas Pöck, New York Rangers, 600 000 Dollar
Thomas Vanek, Buffalo Sabres, 942 400 Dollar

Darüberhinaus befinden sich einige Spieler bei den Farm-Teams, wohin sie am Anfang der Saison relegiert wurden. Quelle für die Gehälter: National Hockey League Players Association.

Cuban gibt dem kleinen General Fünf-Jahres-Vertrag

Nach nur einer vollen Saison als Trainer der Dallas Mavericks nutzte Avery Johnson die Gelegenheit zu einem neuen Vertragsabschluss. Er band sich für fünf Jahre an den Club und erhält dafürt insgesamt 20 Millionen Dollar. "Eine nette Geste seitens Mark", meinte Johnson, der noch vor 18 Monaten als Assistenzcoach neben Don Nelson auf der Bank gesessen hatte. Die Dallas Morning News stellte daraufhin eine Liste der Top-Gehälter in der NBA zusammen. Was fehlt: Larry Brown, der zur Zeit um 52 Millionen Dollar kämpft, die ihm die New York Knicks nach dem Rauswurf vorenthalten wollen:

Phil Jackson
, Los Angeles Lakers 12 Millionen Dollar
Pat Riley. Miami Heat, 9 Millionen Dollar
Gregg Popovich, San Antonio Spurs, 7 Millionen Dollar
Nate McMillan, Portland TrailBlazers, 6 Millionen Dollar
Jerry Sloan, Utah Jazz, 5,5 Millionen Dollar
Flip Saunders, Detroit Pistons, 5 Millionen Dollar
Jeff Van Gundy, Houston Rockets, 5 Millionen Dollar
Doc Rivers. Boston Celtics, 5 Millionen Dollar
Byron Scott, Charlotte Hornet, 4,5 Millionen Dollar
Eddie Jordan, Washington Wizard, 4,5 Millionen Dollar
George Karl, Denver Nuggets, 4,5 Millionenm Dollar
Avery Johnson, Dallas Mavericks, 4 Millionen Dollar

7. Oktober 2006

Abfuhr für die Yankees

Zweimal eine regelrechte Abfuhr in Folge. So was tut weh. Nun sehen die New York Yankees wie die überbezahlten Waisenknaben des amerikanischen Baseball aus. Und die Detroit Tigers gelten plötzlich als respektable Titelanwärter. Amerika ein Herbstmärchen. Nach den Red Sox (2004) und den White Sox (2005), die mit ihren World-Series-Erfolgen Jahrzehnte voller Enttäuschungen und unerklärlicher Leistungseinbrüche abhaken konnten, nun also die Tigers - auch so ein Club, dessen Glanzzeiten lange zurück liegen. Sie haben viermal die World Series gewonnen. Das letzte Mal 1984 gegen die San Diego Padres, die in der National League in der Serie gegen die St. Louis Cardinals mit 1:2 hinten liegen. Für die Tigers geht es am Dienstag gegen die Oakland A's in der American League Championship Series darum herauszufinden, wie gut sie wirklich sind. Die Yankees waren kein richtiger Test. 8:3 lautete der Sieg am Samstag im vierten Match, das die Serie mit 3:1 für Detroit entschied. Hier die Tabelle, die zeigt, welches Team wieviel Geld an seine Spieler bezahlt.

Gehaltsummen in Major League Baseball 2006 in Dollar

1. NY Yankees 198,662,180
2. Boston Red Sox 120,100,524
3. LA Angels 103,625,333
4. Chicago Sox 102,875,667
5. NY Mets 100,901,085
6. LA Dodgers 99,176,950
7. Chicago Cubs 94,841,166
8. Atlanta Braves 92,461,852
9. Houston Astros 92,101,503
10. San Francisco Giants 90,862,064
11. Seattle Mariners 87,924,500
12. Philadelphia Phillies 87,148,333
13. St. Louis Cardinals 86,912,217
14. Detroit Tigers 82,302,069
15. Baltimore Orioles 72,585,712
16. Toronto Blue Jays 71,915,000
17. San Diego Padres 68,897,179
18. Texas Rangers 65,129,570
19. Minnesota Twins 63,810,048
20. Washington Nationals 63,267,500
21. Oakland A's 62,322,054
22. Cincinnati Reds 59,162,015
23. Arizona Diamondbacks 58,884,226
24. Cleveland Indians 56,795,867
25. Milwaukee Brewers 50,540,000
26. Kansas City Royals 47,294,000
27. Pittsburgh Pirates 46,867,750
28. Colorado Rockies 40,791,000
29. Tampa Bay Devil Rays 35,417,967
30. Florida Marlins 14,344,500