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15. September 2008
"Die schönste Sportart, die es gibt"
Es gibt diesmal einen traurigen Grund, den Text von David Foster Wallace in der New York Times über Roger Federer noch einmal zu lesen. Es war ein grandioses Stück, das sich jeder sports writer mit Ambitionen hinter den Spiegel stecken darf. Der amerikanische Schriftsteller hat sich vor ein paar Tagen im Alter von 46 Jahren in seinem Haus in Kalifornien das Leben genommen. Wallace verstand eine Menge von Tennis, weil er es in jungen Jahren selbst intensiv gespielt hatte. Der Globe and Mail in Toronto, Kanadas beste Tageszeitung, hat dazu in seiner informativen Würdigung sehr viel mehr geschrieben und ein Zitat von ihm gefunden, dass seine Einschätzung gegenüber dem Spiel einfängt. Tennis sei "die schönste Sportart, die es gibt und die anspruchsvollste". Mehr über Wallace und den Roman Infinite Jest, der ihn auf die Landkarte katapultierte, hat Wikipedia. Auch in diesem Buch spielt Tennis eine Rolle. Das Buch ist fast so unverdaulich wie Ulysses von James Joyce. Aber manche Leute haben sich durchgearbeitet und ihn in die Reihe der besten 100 in den USA geschriebenen Romane der letzten 80 Jahre aufgenommen. Wallace's Buch über den Wahlkampf von John McCain des Jahres 2000, in dem er gegen George W. Bush verlor, war das letzte Stück, das im Juni publiziert wurde. Es war der Reprint eines Artikels für Rolling Stone von damals. Den Text hatte er nicht geändert, wohl aber seine Ansicht von McCain.
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10. November 2007
Zum Tod von Norman Mailer
Worüber denkt die Welt wohl heute lauter nach? Dass eine Assistentin von Linda Stein gestanden hat, dass sie ihre Arbeitgeberin im Affekt erschlagen hat? Dass Norman Mailer gestorben ist? Dass der Mann, der mal Chef der New Yorker Polizei war und beinahe der erste Chef der nach dem 11. September begründeten amerikanischen Mega-Sicherheitsbehörde mit dem komischen Namen Homeland Security geworden wäre, vermutlich ins Gefängnis muss? Oder über den Autoren-Streik in der Film- und Fernsehbranche, der das Land demnächst noch stärker bewegen wird, wenn man sich an den Wiederholungen leid gesehen hat und es aus der Produktionspipeline für die Kinos nur noch tröpfelt? Oder doch über die fallenden Aktienkurse, die eine gewisse Nervösität offenbaren, die man in den USA so gerne wegwischen würde?Das ist kein Samstag nach dem Geschmack eines Sportbloggers, der sich gerne auf die anstehenden Ereignisse aus der NFL und der NBA einlassen möchte. Obwohl man beim Nachdenken über Mailer und seine gigantische Schreibleistung natürlich unweigerlich bei seinen Texten über das Boxen landet. Oder zumindest - für Eilige - bei einem Interview wie diesem, das vor ein paar Jahren entstand und mit einem kleinen Foto dekoriert wurde, das Mailer beim Sparring zeigt. Mailer hat nie wieder ein besseres Buch geschrieben als Die Nackten und die Toten (obwohl er viele geschrieben hat). Er war als Reporter und Essayist einfach stärker, klarer, massiver und sprach da eine so deutliche Sprache. Was sich unter anderem in seiner Einschätzung vom Boxen widerspiegelt:

"Es ist einer gegen einen. Boxen hat deshalb viel mit Schach und Football zu tun. Über einem Schachspiel zwischen zwei guten Spielern hängt die Erniedrigung des Verlierens. Diese Erniedrigung ist beim Boxen sogar noch größer...Es ist fast wie ein ganz bestimmter Mut des Blutes, der sehr tief sitzt. Das fasziniert uns am Boxen. Es ist die Seite am Boxen, die von Leuten nicht verstanden wird, die sagen: 'Ich hasse Boxen. Es ist so brutal.' Es ist das Ausmaß an Intelligenz und Disziplin und Zurückhaltung, das dabei mitspielt. Deshalb betrachte ich Boxen als gesellschaftliches Gut und nicht als gesellschaftliche Krankheit."Blick zurück: Ein Mord, der einem nahe geht
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24. April 2007
David Halberstam - zur Erinnerung
Es ist fast keines der Bücher von David Halberstam auf Deutsch erschienen. Was bedeutet, dass in der Mitte von Europa so gut wie noch niemand etwas von einem der besten Journalisten und Autor seiner Generation gelesen oder gehört hat. Das darf man getrost bedauern, besonders an einem Tag wie diesem, an dem reihenweise die Nachrufe auf Halberstam erscheinen, der gestern bei einem Autounfall außerhalb von San Francisco an den Folgen schwerer innerer Verletzungen gestorben ist. Man sollte ihn nicht vergessen (und deshalb vielleicht das eine oder andere Buch von ihm auf Englisch lesen). Es gibt nicht so viele Leute, die den Pulitzer-Preis gewonnen haben. Die sich nicht scheuen, populäre amerikanische Präsidenten wie John F. Kennedy mit ihren Reportagen zu verärgern. Die eine geistige Spannbreite besitzen, mit denen sie ebenso intensiv und genau gesellschaftspolitische Themen (die Bürgerrechtsbewegung im Süden der Vereinigten Staaten), den Krieg in Vietnam (für die New York Times) und die unterschiedlichsten Spielfelder des professionellen Sports aufarbeiten. American-Arena-Lesern mit einer etwas tiefer gehenden Begeisterung für amerikanischen Sport kann man zumindest drei Bücher empfehlen:
• das letzte - über Football - Bill Belichick: The Education of a Coach,
• das über den Mann mit der Nummer 23, ohne den eine Firma wie Nike heute noch immer ein kleiner Hecht im Karpfenteich wäre: Playing for Keeps: Michael Jordan and the World He Made
• und Summer of '49, sein erster stimmungsvoller Spaziergang hinein in die mythische Vergangenheit des Baseballspiels, ein Buch, in dem er den Kampf zwischen den New York Yankees und den Boston Red Sox um den Titel in der American League nacherzählte.
Mir ist vor allem seine Stimme zu einem bleibenden Eindruck geworden. Er sprach langsamer als die Hektiker des Fernsehalltags, mit einer eigenwilligen Satzmelodie. Er hatte einen nasalen Ton und schaute, während er sprach, am liebsten ziemlich stur gerade aus. Weil er wusste, dass er in keinem Talk-Show-Gewitter auch nur einen Stich machen würde, sah man ihn nur in den ruhigen Sendungen - auf C-Span oder beim Public-Television-Interviewer Charlie Rose.
Laut International Herald Tribune war er in der Bay Area, um ein neues Projekt mit Sportbezug vorzubereiten: Es sollte sich mit dem NFL-Championship-Spiel im Dezember 1958 zwischen den Baltimore Colts und den New York Giants beschäftigen, das als eines der besten in der Geschichte der Sportart gilt. Halberstam wurde 73 Jahre alt.
Hier ein Fernsehinterview von 1999 mit Rose aus Anlass des Jordan-Buchs, das unter anderem der Frage nachgeht, wie ein junger schwarzer Athlet zur Identifikationsfigur schlechthin im amerikanischen Sport werden konnte.
• das letzte - über Football - Bill Belichick: The Education of a Coach,
• das über den Mann mit der Nummer 23, ohne den eine Firma wie Nike heute noch immer ein kleiner Hecht im Karpfenteich wäre: Playing for Keeps: Michael Jordan and the World He Made
• und Summer of '49, sein erster stimmungsvoller Spaziergang hinein in die mythische Vergangenheit des Baseballspiels, ein Buch, in dem er den Kampf zwischen den New York Yankees und den Boston Red Sox um den Titel in der American League nacherzählte.
Mir ist vor allem seine Stimme zu einem bleibenden Eindruck geworden. Er sprach langsamer als die Hektiker des Fernsehalltags, mit einer eigenwilligen Satzmelodie. Er hatte einen nasalen Ton und schaute, während er sprach, am liebsten ziemlich stur gerade aus. Weil er wusste, dass er in keinem Talk-Show-Gewitter auch nur einen Stich machen würde, sah man ihn nur in den ruhigen Sendungen - auf C-Span oder beim Public-Television-Interviewer Charlie Rose.
Laut International Herald Tribune war er in der Bay Area, um ein neues Projekt mit Sportbezug vorzubereiten: Es sollte sich mit dem NFL-Championship-Spiel im Dezember 1958 zwischen den Baltimore Colts und den New York Giants beschäftigen, das als eines der besten in der Geschichte der Sportart gilt. Halberstam wurde 73 Jahre alt.
Hier ein Fernsehinterview von 1999 mit Rose aus Anlass des Jordan-Buchs, das unter anderem der Frage nachgeht, wie ein junger schwarzer Athlet zur Identifikationsfigur schlechthin im amerikanischen Sport werden konnte.
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