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21. Dezember 2009

Federer kommt in den USA auf keinen grünen Zweig

Auch der Pool der von der Nachrichtenagentur AP befragten Kunden kann sich einfach nicht vorstellen, dass man Roger Federer zum "Sportler des Jahres" ausrufen sollte, wenn man diese Auszeichung ernst nehmen will. Die Abstimmung ergab, dass man lieber den amerikanischen NASCAR-Fahrer Jimmie Johnson auf den ersten Platz setzt. Das Besondere: ein Automobilrennfahrer wurde im Rahmen dieser Wahl noch nie ausgezeichnet.

Man darf wohl annehmen, dass man früher nicht im Traum darauf gekommen wäre, die Leistung eines Menschen zu würdigen, der stundenlang links herum im Oval herumdüst. Sicher, die Ausdauerleistung eines NASCAR-Piloten über den Verlauf eines stundenlangen Rennens verlangt gewisse körperliche Fitness. Aber sie verlangt beim besten Willen nicht annähernd so viel Geschick und Talent wie die eines Weltklassetennisspielers. Von den besonderen Qualitäten eines Roger Federer gar nicht zu reden. Man darf davon ausgehen, dass hier genauso wie bei Sports Illustrated schlichtweg die nationalistischen Interessen den Ausschlag geben und nicht sportanalytische Intelligenz. Natürlich kann man auch über Johnson eine Menge Gutes sagen, nicht zuletzt, dass er in den letzten vier Jahren den Sprint Cup gewonnen hat, also eindeutig der beste Pilot der Serie ist. Aber bis zu der Chase-Phase hatte er in diesem Jahr ganze drei Rennen gewonnen (von 24). Das sah nun wirklich nicht überragend aus. Wenn Federer so schlecht abschneiden würde, wäre allenfalls Zehnter der Weltrangliste. So streng sind im Tennis die Bräuche.

30. November 2009

Wie man sich lächerlich macht

Die einstmals ziemlich angesehene Sportzeitschrift Sports Illustrated arbeitet seit Jahren an einem Sinkflug, der nur zum Teil auf die Anziehungskraft des Internets zurückzuführen ist. Und auch nur zum Teil auf die Anstrengungen von ESPN, wo man mit einem zweiwöchentlich erscheinenden Magazin der wöchentlich publizierenden Konkurrenz auf den Fersen ist. So wie der Spiegel nie von Focus ernsthaft in Sachen journalistisches Angebot in die Enge getrieben wurde, sondern zu seinem eigenen größten Feind wurde, so hält man es auch bei SI: Was man selbst erledigen kann, das tut man. Und sei es die eigene Entleibung. Seppuku auf Raten, ganz stilvoll und ganz langsam. Wenn auch allerdings ohne den Charme der japanischen Samurai-Tradition, wo man mit dem Selbstmord im gesellschaftlichen Kontext seine Ehre wiederherstellen konnte.

Solche Selbstvernichtungsmechanismen ziehen in Redaktionen ein, sobald sie die wichtigste Währung ihres eigentlich überflüssigen Produkt ignorieren: ihre Relevanz. Im Fall von Sports Illustrated lässt sich das an einem simplen Beispiel zeigen. Da bemüht man sich seit ein paar Jahren, dem quer durch alle Sportarten betrachtet erfolgreichsten Athleten unserer Zeit den Titel "Sportler des Jahres" NICHT zu geben. So wurde in jenem Jahr, als die Miami Heat die Dallas Mavericks die NBA-Meisterschaft aus den Händen rissen, ein gewisser Dwayne Wade mit dieser Auszeichnung bedacht. Dann musste es unbedingt Brett Favre sein. Zwischendurch sah man sich genötigt, Schwimmer Michael Phelps zum Top-Mann des Jahres auszurufen. Und in diesem Jahr hat man auch wieder einen Pappkameraden gefunden: Derek Jeter von New York Yankees. Derek f...ing Jeter???

Irgendwo in der Internet-Walachei von si.com hat Redaktionsmitglied S. L. Price sanften Widerspruch deponieren dürfen. Es ist die simple Begründung dafür, weshalb man irrelevant wird, wenn man einen der besten Sportler aller Zeiten nicht würdigt. Schon gar nicht in dem Jahr, in dem er durch weitere Grand-Slam-Erfolge seinen Status zementiert hat.

30. August 2009

Monogram Man

Zum Auftakt der US Open am morgigen Montag hat sich die New York Times eine intelligente Geschichte über das Logo gegönnt, mit dem Roger Federer seit ein paar Jahren seine Welt definiert. Es sind die Buchstaben RF, die grafisch leicht bearbeitet wurden: Es fehlen ihnen die vertikalen Linien, was Menschen auf den ersten Blick ein Problem schafft: Sie müssen sich den Rest dazudenken, sonst verstehen sie nicht, was die Strichelei soll. Das Logo ist nicht nur ein Symbol für den Aufstieg des besten Tennisspielers aller Zeiten zu einem Emblem, sondern seine Entstehungsgeschichte der Beweis dafür, wie intensiv und präzise in den Köpfen von Marketingstrategen nachgedacht wird, um die Popularität und Werbewirksamkeit eines Sportlers auszuschlachten und gleichzeitig zu fördern. Das Markenzeichen hat dem Schweizer, dem in der Tennisbranche nicht eine Spur von Abneigung entgegen gebracht wird, übrigens zum ersten leicht stichelenden Spitznamen verholfen: Manche nennen ihn den Monogram Man (eine Ableitung des Filmtitels Marathon Man).

Die Autorin des Times-Artikels ist übrigens keine Sportjournalistin, sondern eine Mode- und Lifestyle-Autorin. Und das ist gut so. Wer weiß, was die Kollegen aus dem Schwatz-Schweiß-Metier daraus gemacht hätten?

Blick zurück: Logo raten

17. April 2009

Drei wie Pech und Schwefel

Die Bee Gees, Derek Jeter, Tiger Woods und Roger Federer in einem Werbevideo für die Rasierermarke Gillette. Die drei Sportler tragen die gleichen Klamotten und sehen allesamt in ihnen ziemlich daneben aus. Der Gag sind die Plateauschuhe des Schweizers. Muss man nicht gesehen haben. Ist aber nach ein paar Sekunden auch schon wieder vorbei. Besondere Erwähnung: die Landschaft und die U-Bahn zu Beginn des Spots. Szenen aus New York, die man als New Yorker natürlich gerne sieht. Übrigens in der Sonntagsausgabe der Schweizer Zeitung Südostschweiz kann man ein paar Gedanken und Infos für New-York-Reisende finden. Für den Falles, das sich jemand dafür interessiert...

15. September 2008

"Die schönste Sportart, die es gibt"

Es gibt diesmal einen traurigen Grund, den Text von David Foster Wallace in der New York Times über Roger Federer noch einmal zu lesen. Es war ein grandioses Stück, das sich jeder sports writer mit Ambitionen hinter den Spiegel stecken darf. Der amerikanische Schriftsteller hat sich vor ein paar Tagen im Alter von 46 Jahren in seinem Haus in Kalifornien das Leben genommen. Wallace verstand eine Menge von Tennis, weil er es in jungen Jahren selbst intensiv gespielt hatte. Der Globe and Mail in Toronto, Kanadas beste Tageszeitung, hat dazu in seiner informativen Würdigung sehr viel mehr geschrieben und ein Zitat von ihm gefunden, dass seine Einschätzung gegenüber dem Spiel einfängt. Tennis sei "die schönste Sportart, die es gibt und die anspruchsvollste". Mehr über Wallace und den Roman Infinite Jest, der ihn auf die Landkarte katapultierte, hat Wikipedia. Auch in diesem Buch spielt Tennis eine Rolle. Das Buch ist fast so unverdaulich wie Ulysses von James Joyce. Aber manche Leute haben sich durchgearbeitet und ihn in die Reihe der besten 100 in den USA geschriebenen Romane der letzten 80 Jahre aufgenommen. Wallace's Buch über den Wahlkampf von John McCain des Jahres 2000, in dem er gegen George W. Bush verlor, war das letzte Stück, das im Juni publiziert wurde. Es war der Reprint eines Artikels für Rolling Stone von damals. Den Text hatte er nicht geändert, wohl aber seine Ansicht von McCain.

25. August 2008

Witze beim Tennis: Wer lacht am letzten?

Wenn man liest, was sie in diesem Jahr aufgeboten haben, um eines der bedeutendsten Tennisturniere der Welt zu lancieren, fällt einem nichts mehr ein: Box-Promoter Don King bei einer Art von Wiegen mit Roger Federer und Rafael Nadal und eine Wrestling-Parodie für einen Werbespot, den man sich bei YouTube reinziehen kann. Was kommt als nächstes?

Hatten wir neulich nicht in Wimbledon eines der besten und spannendsten Tennisfinale aller Zeiten? Ach so, die allgegenwärtige Firma Nike ist verwickelt und bezahlt diesen Spaß – Titel Grapple in the Apple – mit dem einstigen Knacki Don King, der seine Boxer regelmäßig wirtschaftlich über den Tisch gezogen hat und berühmt ist für ein kreatives Idioten-Englisch und seine Beziehung zu Mike Tyson. Die Rolle der Ausrüsterfirma erklärt die Sache natürlich schon sehr viel besser. Denn die Marketing-Leute dieser Firma interessieren sich nicht für Tennis, sondern nur für den Verkauf von Paraphernalia. Das angesprochene Turnier, die US Open, hat übrigens heute angefangen.

via Awful Announcing

11. März 2008

Lohn für Gartenarbeit am Abend: Kappe in schwarz

Roger Federer, Teil 2: Der Bericht über die gestrige Abendveranstaltung im Madison Square Garden in der FAZ wurde online gestellt. Der Text erscheint gedruckt in der Mittwochausgabe. Tennis hat es im Garden schon viele Jahre nicht mehr gegeben. Nachdem die WTA-Tour abwanderte, weil das Jahresabschlussturnier der Besten beim anspruchsvollen New Yorker Publikum kaum noch Stimmung entfachte, wirkte die Showveranstaltung fast schon wie eine Wiedergeburt. Montags bei einem Spiel, in dem es um nichts geht. Und 19.000 Zuschauer pilgern in die Halle - das ist schon bemerkenswert. Die wurden dann auch noch in ihrer Lust auf Prommis bedient. Tiger Woods war da und sah meistens in die Tiefe des Raumes. Donald Trump wurde gesichtet, genauso wie Anna Wintour, die Chefredakteurin der Vogue. Ich sah den Medien-Tycoon Barry Diller und verwickelte dann noch den ehemaligen Bürgermeister David Dinkins beim Herausgehen in ein Gespräch. "Das ist der beste, den es je gab", sagte der ehemaliger Politiker, dem es die Stadt verdankt, dass nicht auch die US Open irgendwann abgewandert wäre, über Federer, den die New Yorker sicher irgendwann als einen der ihren adoptieren werden. Diese Eloquenz bei den Pressekonferenzen, ständig bereit zu einem Lächeln, ein gut aussehender Metrosexueller mit einer eigenen Parfümserie, der diesmal ganz in Schwarz spielte - das gab es noch nicht. Dagegen wirkt sogar ein Ur-New Yorker wie John McEnroe, der als Kommentator fürs Fernsehen dabei war, wie ein abgewetzter Stein. Später in der U-Bahn fand ich in der Tüte mit den Gastgeschenken eine schwarze Kappe mit dem Schriftzug, den ich am Morgen nicht auf Anhieb gedeutet hatte. Dessen Magie will ich demnächst mal antesten. In unserem Country Club gibt es sechs Tennisplätze und Mitglieder, die leidenschaftlich gerne dem gelben Ball hinterherlaufen. Die sollten zumindest neugierig werden.

10. März 2008

Logo raten

Roger Federer sah heute morgen bei der Pressekonferenz in einem Restaurant am Central Park ziemlich fit aus. Aber am fittesten wirkte die rote Kappe auf dem Kopf. Die sah aus, wie angeschmiedet. Man schaut die ganze Zeit drauf und denkt: Was soll dieses Logo, das aus einer Andeutung von zwei Buchstaben besteht bloß sagen? Ist das eine neue Sache von Nike? Und dann geht einem plötzlich ein Licht auf: Es sind die Anfangsbuchstaben von dem Mann unter der Kappe: RF. Und ja. Nike steckt dahinter. Federer sah nicht nur fit aus, sondern war auch locker drauf, was das Antworten von Fragen angeht. Pete Sampras, sein Gegner heute abend im Madison Square Garden, wirkte ebenfalls extrem gut gelaunt. Die Halle ist übrigens ausverkauft - 19.000 Leute wollen den Schaukampf sehen. Mehr darüber in umfangreichen Berichten in der Mittwochausgabe vom Tages-Anzeiger und von der FAZ.

25. Dezember 2007

Mal Federer treffen

Selbst die älteren und schon etwas abgeklärteren Mitglieder des amerikanischen Ski-Teams betrachten die Welt wie mit den Augen von Sportfans. Wie sagte Lindsey Vonn neulich, als sie ihr Bedauern darüber ausdrückte, dass sie es in diesem Jahr wegen weitreichender Trainingsverpflichtungen nicht nach Flushing Meadows geschafft hatte? "Ich wäre nur zu gerne bei den US Open dabei gewesen. Es wäre ein Traum für mich, einmal Roger Federer zu treffen." Wie anspruchslos.

Weil das noch nicht geklappt hat, liest sie derzeit das Buch, das René Stauffer über den Schweizer Tennisspieler geschrieben hat (Titel: Das Tennis-Genie, näheres weiter unten in der rechten Spalte bei den Buchempfehlungen). Und zwar auf Deutsch, obwohl das Buch inzwischen auch auf Englisch zu haben ist. Das hat jedenfalls der Kollege von der New York Times geschrieben, der allerdings in einem Satz gleich zwei Fehler produziert: Es handelt sich nicht um eine Autobiographie, und es ist nicht in der Mundart der Schweizer erschienen, sondern in der Schriftsprache des deutschen Sprachraums, auch Hochdeutsch genannt. Dass die Mitarbeiter der besten Zeitung der Welt schnell mal irgendetwas hinschludern, wussten wir ja schon (siehe die Desinformationskampagne vor dem Irak-Krieg). Aber zwei Schnitzer in einem Satz?

10. November 2007

Der Klingelbeutel: Für Brad ganz bestimmt federerleicht (aktualisiert)

Der Schweizer Tennismatador Roger Federer, der so aussieht, als ob er auf Jahre hinaus nicht mehr vom ersten Platz der Weltrangliste verschwinden wird, hat Hollywood im Visier. Nein, er will nicht selber vor die Kamera à la Elvis. Er malt sich aus, dass mal jemand sein Leben verfilmen könnte. Dann, ja, dann soll Brad Pitt ihn spielen. Der gleiche Pitt, der schon den österreichischen Nazi und Dalai-Lama-Lehrer Heinrich Harrer in Seven Years in Tibet gemimt hatte und der inzwischen 44 Jahre alt ist. Immerhin: Er hat auf der High School Tennis gespielt. Das Buch als Unterlage für einen Film gibt es allerdings bereits: René Stauffers Das Tennisgenie (siehe Randspalte).

Kann mal jemand da draußen, der in letzter Zeit in Spanien war, die wirre Welt dieses Pau-Gasol-Werbespots dechiffrieren? Hat die iberische Halbinsel den Anker eingeholt und schippert ins Nichts?

via Deadspin und AOL Fanhouse

Der Dollar ist nicht jedermanns Freund. Nicht mal, wenn er in dicken Bündeln daher kommt. Denn der Dollar fluktuiert. Im Moment zum Beispiel, da er gegen den Euro so anämisch aussieht wie noch nie, fühlen sich die europäischen Profis in den USA geknickt. Sie werden in Dollar bezahlt, aber wollen einen Teil des Geldes in Euro ausgeben/anlegen. Der Umtausch bringt derzeit vielen einen Verlust. Dann wiederum gibt es die kanadischen Eishockey-Clubs in der NHL. Die dürften sich insgeheim die Hände reiben. Denn die bezahlen aus Paritätsgründen ihre Spieler genauso wie die Teams in den USA in US-Dollar. Das war früher jahrelang eine zusätzliche Strafe für Clubs, die ohnehin schon wirtschaftlich zu kämpfen hatten. Warum? Wegen des Umrechnungskurses zwischen kanadischem und amerikanischem Dollar, der bedeutete, dass die Mannschaften im Norden tief in die Taschen greifen mussten. Neuerdings steht der kanadische Dollar so gut, dass man hoch im Norden ganz anders kalkulieren kann.

Der Absturz des Wechselkurses signalisiert, dass es mit der lange so hoch eingestuften Wirtschaftskraft der Vereinigten Staaten nicht mehr groß bestellt ist. Man darf wohl aus diesem Anlass dann noch einmal an dieses Buch erinnern: Weltmacht USA - ein Nachruf vom Franzosen Emmanuel Todd. Bei Amazon.de sollte man ein bisschen weiterlesen. So gibt es unter anderem diesen erhellenden Kommentar:

"Die Grundthese dieser Studie ist, daß die USA dabei sind, ihren Status als 'letzte verbliebene Supermacht' zu verlieren, weil sie die dafür erforderlichen militärischen, wirtschaftlichen und ideologischen Qualitäten nicht mehr aufbringen können....Die gegenwärtigen USA werden als 'räuberischer Staat' definiert, der selbst massive Industrie- und Außenhandelsdefizite aufweist, aber die Finanzen und Produkte aller anderen Staaten quasi wie ein Schwarzes Loch aufsaugt und seinen Reichtum im eigenen Land zu Lasten der Minderheiten und unteren Schichten ungerecht an eine superreiche antidemokratische Oberschicht umverteilt.

Aufgrund eingehender Analyse verschiedenerlei Daten und Vergleiche mit historischen Weltreichen gelangt Todd zu der Überzeugung, daß sich die Vereinigten Staaten innerhalb der nächsten Jahrzehnte zu einer Regionalmacht zurückbilden werden, während die EU im Bunde mit einem wiedererstarkten, aber zur Gutmütigkeit bekehrten Rußland gemeinsam mit Japan künftig das Weltgeschehen bestimmen wird."

Nachtrag: Das neue Video von Jay-Z macht Leute in den USA seltsam nervös. Er benutzt einen Stapel 500er Euros als Stilmittel. Sicher: Früher hätte man dafür Dollarscheine genommen. Aber wer mehr in solche Ideen hineinliest, als vermutlich drin steckt, hat zuviel Zeit. Beim letzten Video war der Rapper in Monaco und gab Gas in europäischen Autos. Das hat auch niemanden gestört. Warum? Weil jedem Amerikaner klar ist, dass in den USA nur Fischkisten gebaut werden.

12. September 2007

Clown auf dem Weg zum Olymp


Der Typ, der sich auf dem Weg befindet, die ewige Nummer eins der Tennisweltrangliste abzulösen, ist ein Clown. Noch jedenfalls. Im Video oben parodiert er seine Kollegen in der Umkleidekabine vor einem Zweit-Runden-Match der US Open (das er mühsam in fünf Sätzen gewann). Unten betätigt er sich als - schlechter - Karaokesänger (via The Big Lead). Novak Djokovic hatte am Sonntag im Finale insgesamt sieben Satzbälle, von denen er keinen verwandelte und deshalb glatt in nur drei Sätzen verlor. An seinen Spaßeinlagen liegt es nicht. Schon eher an Federer, der sich mittlerweile im Olymp der Weltsportstars mit seinem Kumpel Tiger Woods misst. Eine andere Liga also. Wie gut Woods am Sonntag war, stand gestern in der Druckausgabe der FAZ. Morgen gibt es dort auch noch eine Geschichte über das Engagement von BMW im amerikanischen Profigolf. Schon mal vorab: Es ist beachtlich. Genauso wie die Einschaltquote im US-Fernsehen war: Fast 3,7 Millionen Amerikaner haben die letzte Runde am Sonntag gesehen.

4. September 2007

Gedanken zum Labor Day - nachträglich

Wenn man liest,
dass Kobe Bryant zum Abschluss des Basketballturniers in Las Vegas im Wynn Champagner für 21.000 Dollar bestellt hat und
dass Roger Federer beim Friseur in Manhattan 800 Dollar lässt, damit sein Nike-Stirnband auf dem Tennisplatz besser zur Geltung kommt,
dann weiss man gleich wieder, dass man in einer anderen Liga spielt. Und das man die Bedeutung des amerikanischen Labor Day noch immer nicht richtig verstanden hat.

20. April 2007

Tennis für Gelangweilte: Federer und Nadal sind für halbe Sachen zu haben

Zugegeben, das Männertennis wirkte in letzter Zeit ein wenig langweilig, weil Roger Federer schier unbezwingbar schien. So langweilig wiederum, dass man gleich ein neues Turnierformat erfinden muss, nun aber auch nicht. Der Weltranglistenerste verlor zuletzt gleich zweimal gegen denselben Argentinier. Nun denn, auf Mallorca hat man das vielleicht noch nicht mitbekommen. Und so steigt am 2. Mai in Palma The Battle of the Surfaces, was ein furchtbarer englischer Titel für eine noch furchtbarere Idee ist: auf einer Seite des Platzes liegt Rasen, auf der anderen hat man Sand. Federers Gegner ist der Spanier Rafael Nadal, der auf dem langsameren Belag dem Schweizer sehr viel Schwierigkeiten bereitet. Falls das Konzept Erfolg hat, kann man sich noch viele solcher Duelle vorstellen: eine Hälfte in einer Halle, die anderer in knalliger Sonne. Die eine Hälfte an Land, die andere im Wasser.... (via deadspin)

Federer hat auch schon auf dem Dach eines Hotels gespielt. Gegen Agassi. So sah das damals aus:

Nachtrag: Roger Federer in Dubai gibt es jetzt auch am amerikanischen Kiosk. Die Zeitschrift Men's Vogue, sozusagen der kleine Bruder von GQ hat ihn dort besucht und ausführlich in gute Klamotten gesteckt. Mal abgesehen davon, dass ich weiterhin Leuten, die etwas über den Burschen wissen wollen, die Biographie von René Stauffer empfehle (siehe rechte Spalte weiter unten mit der Besprechung): Man kann natürlich auch einfach diesen Artikel lesen. Das wirklich Bemerkenswerte daran ist, dass sie Federer aufs Cover gepackt haben, obwohl die Sportart in den USA nicht halb so populär ist wie Golf und Federer als Ausländer noch zusätzlich unter Wiedererkennungmängeln leidet. Es zeigt sich jedoch, dass seine Agentur IMG geschickt genug ist, das ausgesprochen positive Image des Schweizers in Medienpräsenz umzusetzen. Zumal das Magazin Tiger Woods bereits verschossen hat. Und Schwestermagazin Details schon David Beckham verbraten hat.

28. März 2007

Noch einmal mit Gefühl: Cañas fertigt Federer ab

Irgendwie gut, irgendwie an der Zeit und irgendwie passend für einen Sommer mit seinen drei Grand-Slam-Turnieren in Paris, Wimbledon und New York, der sonst wieder ziemlich langweilig geworden wäre: Roger Federer ist besiegbar. Die amerikanischen Spieler, die ihn so gerne schlagen würden, hatten vermutlich längst aufgegeben, das Denkmal zu kippen. Nun macht ihnen ein Argentinier vor, wie's geht. Guillermo Cañas heißt er. Ist neulich nach einer Dopingsperre zurückgekehrt. Und putzte den Weltranglistenersten soeben im Achtelfinale von Key Biscayne zum zweiten Mal im zweiten Spiel innerhalb weniger Wochen und erneut auf einem Hartplatz. Diesmal brauchte er drei Sätze und gewann den Tie-Break im dritten Durchgang nur knapp. Aber das ändert nichts an der psychologischen Auswirkung für Federer und den Rest der Topspieler, die jetzt alle wissen, dass es einen Weg gibt, den genialsten Tenniskönner seiner Generation auzuhebeln. Der kam bislang gut ohne richtigen Trainer aus. Da sagen wir mal: No mas. Das Resultat von Key Biscayne aus der Sicht von Cañas: 7:6 (2), 2:6, 7:6 (5). Wie der Argentinier das Spiel sah: Hier die Mitschrift von der Pressekonferenz nach dem Erfolg bei den Tennis News.
Blick zurück: Die erste Niederlage schien noch unerklärlich

12. März 2007

Tennis: "Weiß nicht wie" schlägt "Ist nicht so schlimm"

Das sagte Guillermo Cañas am Sonntag in Indian Wells, nachdem er den scheinbar unbezwingbaren Dauer-Weltranglistenersten Roger Federer in zwei Sätzen mit 7:5, 6:2 geschlagen hatte:
"I don't know, I think it's, I don't know. Just I beat him. I enjoyed it. The real thing is, I don't know how I do it. But I think I played good."
Wenn also der Sieger nicht weiß, wie man als lucky loser ins Turnier rutscht und dann gegen Roger Federer gewinnt. Was weiß der Verlierer?
"A first-round match is always difficult. But I've had an incredible run, not losing in the first round for, I think, over two years. Sooner or later it had to happen, so it's OK, it's no problem."
Es war ein Spiel der zweiten Runde. Federer hatte für die erste ein Freilos erhalten. Cañas kommt übrigens aus Argentinien, musste bis Januar eine 15monatige Sperre wegen Doping absitzen und stand vor seiner Strafe auf Platz zehn der Weltrangliste. Vielleicht weiß der wirklich nicht wie man - ohne Arzneimittel - gewinnt.

12. Januar 2007

Die SportsCenter-Werbespot-Serie: Folge 3


Wenn Eitelkeit auf Kompetenz trifft und sich mit Selbstironie mischt, kommt vielleicht am Ende ein Dialog wie dieser dabei heraus: Roger Federer auf Besuch im Büro des SportsCenter-Moderators bei ESPN in Bristol, der auf eine unsinnige Frage eine freundliche Antwort geben möchte.

7. Dezember 2006

Erste Kritik an Magazin-Entscheidung gegen Federer

Die ersten kritischen Stimmen über die katastrophale Entscheidung von Sports Illustrated, nicht Roger Federer zum Sportsman of the Year zu küren, sondern Dwyane Wade von den Miami Heat (siehe hier), werden selbst in den USA laut. Das zwang Chefredakteur Terry McDonnell heute dazu, sich in der populären New Yorker Radio-Talk-Show Mike and the Mad Dog zu rechtfertigen. Zuhörer wie der Blogger von The Big Lead waren ohne Schwierigkeiten in der Lage, durch die lahme Rechtfertigungsrede ("Aber hat er den Grand Slam gewonnen?") zu schauen. Federer wurde aus folgenden Gründen nicht genommen: Mit ihm auf der Titelseite gibt es keinen Blumentopf an den Kiosken in den Vereinigten Staaten zu gewinnen, weil Tennis inzwischen eine Randsportart ist. Er kann aus Termingründen auch offensichtlich nicht zur Party des Magazins im Dezember antreten. Also suchte man nach jemand anderem.