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10. Dezember 2008

Smells like team spirit

Vasco da Gama muss absteigen. Ein Vorgang, der außerhalb der USA so alltäglich zum Ligasport dazu gehört, dass man darüber gar kein Wort verlieren muss (außer sich zu fragen: Wann wird das endlich abgeschafft und mit einem System ersetzt, das den wirtschaftlichen Gegebenheiten Rechnung trägt?) Aber so lange wollte dieser Fan der brasilianischen Mannschaft nicht warten. Er wollte mit abstürzen. Vom Dach des Stadions. Zum Glück gab es ein paar schnelle Helfer, die ihn von seinem Tun abbringen konnten. Dies sind die Fernsehbilder von den entscheidenden Minuten.

via Deadspin

15. September 2008

"Die schönste Sportart, die es gibt"

Es gibt diesmal einen traurigen Grund, den Text von David Foster Wallace in der New York Times über Roger Federer noch einmal zu lesen. Es war ein grandioses Stück, das sich jeder sports writer mit Ambitionen hinter den Spiegel stecken darf. Der amerikanische Schriftsteller hat sich vor ein paar Tagen im Alter von 46 Jahren in seinem Haus in Kalifornien das Leben genommen. Wallace verstand eine Menge von Tennis, weil er es in jungen Jahren selbst intensiv gespielt hatte. Der Globe and Mail in Toronto, Kanadas beste Tageszeitung, hat dazu in seiner informativen Würdigung sehr viel mehr geschrieben und ein Zitat von ihm gefunden, dass seine Einschätzung gegenüber dem Spiel einfängt. Tennis sei "die schönste Sportart, die es gibt und die anspruchsvollste". Mehr über Wallace und den Roman Infinite Jest, der ihn auf die Landkarte katapultierte, hat Wikipedia. Auch in diesem Buch spielt Tennis eine Rolle. Das Buch ist fast so unverdaulich wie Ulysses von James Joyce. Aber manche Leute haben sich durchgearbeitet und ihn in die Reihe der besten 100 in den USA geschriebenen Romane der letzten 80 Jahre aufgenommen. Wallace's Buch über den Wahlkampf von John McCain des Jahres 2000, in dem er gegen George W. Bush verlor, war das letzte Stück, das im Juni publiziert wurde. Es war der Reprint eines Artikels für Rolling Stone von damals. Den Text hatte er nicht geändert, wohl aber seine Ansicht von McCain.

7. Juni 2008

Doping: Kugeln statt Kanülen

Nachbarn haben vor ein paar Tagen in der texanischen Stadt Plano gehört, dass in einem Wohnhaus in ihrem Viertel geschossen wurde. Als die Polizei kam, fand sie im Schlafzimmer zwei Leichen: die des geständigen Doping-Dealers David Jacobs, der NFL-Profis beliefert hatte, und die seiner Freundin. Was zuerst aussah wie ein Doppelmord aus Rache, wirkt nach der Obduktion von Jacobs so als habe er zuerst seine Gefährtin umgebracht und dann sich selbst. Und zwar möglicherweise sehr planvoll und in dem Versuch, die Öffentlichkeit in die Irre zu führen. Denn zuerst gab er sich eine Kugel in den Bauch, dann in den Kopf. Über die Footballspieler, die er beliefert hat, ist wenig bekannt. Zumindest der Name von einem Offensive Lineman der Dallas Cowboys kursiert. Aber dessen Anwalt bestrietet, dass der illegal Substanzen genommen hat. Und das obwohl er im Rahmen der NFL-Dopingregeln schon einmal gesperrt wurde.

In den amerikanischen Kinos ist übrigens gerade ein sehr gut gemachter Dokumentarfilm zum Thema Anabolika angelaufen. Er heißt Bigger, Stronger, Faster und packt das Thema aus der Sicht von drei Brüdern an, die alle von der Wrestling-Kultur infiziert wurden und von denen sich zwei ohne Unterlass den Stoff geben. Die Hauptfigur, der zweitälteste der drei, versucht das Dilemma zu beschreiben und zu bewerten. Die besondere Qualität des Films besteht darin, dass er nicht versucht, die illegale Einnahme von Steroiden zu verketzern, sondern den eigenartigen Umgang der amerikanischen Gesellschaft mit dem Thema in den Griff zu bekommen. Dazu gehören Interviews mit Politikern, Wissenschaftlern und eine kuriose Begegnung mit Arnold Schwarzenegger, ein ehemaliger User und der einflussreichste Werbeträger für den fatalen Körperkult.

26. Mai 2008

Tipps fürs Verbrennen von Geld

Amerikas Athleten verdienen mittlerweile so viel Geld, dass sie Berater brauchen, um es zu verwalten. Sicher, man könnte es so anlegen wie die Chinesen das mit den Milliarden aus dem Handelsbilanzüberschuss mit Amerika machen. Sie kaufen Obligationen aus Washington. Festverzinslich. Mündelsicher. Aber das ist den meisten vermutlich zu langweilig. Von den Basketball-Profis, die zu einem erheblichen Teil den Lagerbestand ihrer Gage innerhalb weniger Jahre durchbringen, war hier schon mal die Rede. Die betrachten das Leben als Casino, wo jemand wie Charles Barkley dann gleich 400.000 Dollar verjubelt und nicht gleich bezahlen kann. Die Leute brauchen Rat, sagt der ehemalige Baseball-Profi Lenny Dykstra, der den unter anderem mit Hilfe einer edel gemachten Zeitschrift - Players Club - dem exklusiven Kreis zukommen lassen will (wirklich lesenswerte lange Geschichte über dieses Projekt und Dykstra im New Yorker vom März). Tipps vom einstigen Doper und Zocker (Bild links) zum Thema Geld? Der andere in seiner aktiven Zeit an Tonya Harding erinnerte?

Daran muss man unweigerlich an einem Tag denken, an dem einem die Nachricht vom Selbstmord eines Mannes in die Hände fällt, der allein mehrere NFL-Profis um 20 Millionen Dollar gebracht hat. Das Geld anderer Leute verbrennen ist nicht automatisch strafbar. Aber dieser Bursche, ein Harvard-Absolvent, scheint dabei ein paar Gesetze gebrochen zu haben und wurde verurteilt. Ehe er erfuhr, wie hoch die Strafe ausfallen würde, knüpfte er sich in seiner Zelle einen Strang aus Bettlaken. Trotz des Suizids noch nicht aus dem Schneider: die Spielergewerkschaft der NFL, die angeblich den schlechten Finanzberater noch weiter empfahl, als längst klar war, dass er nicht vertrauenswürdig ist.

14. August 2007

Sterben wie die Fliegen: Wrestler leben gefährlich

Wie so viele Seuchen verbreitete sich auch diese eher still und heimlich. Mittlerweile stehen die Signale auf Alarm: Besonders nachdem soeben in Tampa der nächste Muskelmann, der als sogenannter Wrestler sein Geld verdient hat, aus bislang noch nicht geklärten Gründen einfach gestorben ist. Brian Adams, genannt Crush, wurde mal gerade 44. Er hatte vor vier Jahren die Arbeit im Ring aufgeben müssen, nachdem er sich eine Wirbelsäulenverletzung zugezogen hatte. Adams gehört zu insgesamt fast 100 Toten aus der Wrestling-Szene seit 1985, die nicht das Rentenalter erreicht haben. Solch dramatischen Zahlen gibt es in keinem anderen Zweig der Unterhaltungsindustrie. Ein paar Fälle hat USA Today mal vor ein paar Jahren zusammengestellt, die einen klaren Trend zeigen: Missbrauch von Anabolika, Schmerztabletten und anderen Drogen holen die Kraftmenschen irgendwann ein. Das spektakulärste Ereignis war unlängst der Doppelmord des Kanadiers Chris Benoit, der im Juni in seinem Haus in Georgia zuerst seine Frau und seinen siebenjährigen Sohn umbrachte und anschließend sich selbst. Die jüngste Nachricht zu diesem Thema: Die Polizei ermittelt bei Benoits Arzt, der offensichtlich Rezepte en masse verschrieben hat.

Inzwischen scheint sich wenigstens der amerikanische Kongress für das Thema zu interessieren, nachdem sich die Betreiber der Veranstaltungsserien nicht um solche Dinge kümmern und schlechte Schlagzeilen nur als geschäftsschädigend abtun. Der wichtigste Kasper im Hintergrund ist Vince McMahon, über den man hier eine lange und kritische Abhandlung finden kann. Er wurde leider vor ein paar Jahren trotz eigenen Anabolika-Missbrauchs frei gesprochen. Wenn die Geschworenen damals etwas härter zugepackt hätten, wäre der Spuk vermutlich schon lange vorbei. Das Schicksal droht der Show-Disziplin ohnehin. Auf dem Vormarsch in den USA: Mixed Martial Arts (mehr darüber bei einer anderen Gelegenheit).

1. März 2007

Depression und Selbstmord nach Gehirnerschütterungen: die NFL sucht Antworten

Vor knapp zwei Jahren hatten Mitglieder des amerikanischen Kongresses angesichts der Enthüllungen aus dem BALCO-Skandal eine lobenswerte Idee: Sie luden eine ganze Baggage von Leuten aus dem Baseball-Milieu zu einer Ausschusssitzung vor und würzten das Ganze mit einer kleinen Vereidigungszeremonie: Die Wahrheit, nichts als die Wahrheit stand auf dem Spiel. An dem Tag hat sich nicht nur der ehemalige Home-Run-König Mark McGwire endgültig als unwürdiger Feigling entpuppt, sondern da kam zum ersten Mal ein Arzt zu Vorschein, den die Liga verpflichtet hatte, um ihre Dopingpolitik zu verteidigen. Sein Name: Dr. Elliot J. Pellman (Bild rechts). Die hart gesottenen Politiker ließen sich nicht lange beeindrucken von dem Mediziner, der ihnen erklären wollte, Major League Baseball habe eine weiße Weste und ein besseres Anti-Doping-Programm als andere Ligen.

Kurze Zeit später wurde über Pellman bekannt, dass er in seinem Lebenslauf ein paar zurechtgebogen hatte. So hatte er unterschlagen, dass er in Mexiko studiert hatte, und seine Rolle als Assistenzprofessor an einer medizinischen Hochschule geschönt. Damals hätten alle Ampeln angehen sollen, um Pellman den Abschied von seiner Hauptfunktion nahezulegen: seine Position als Teamarzt bei den New York Jets und den New York Islanders. Das ist jedoch noch immer nicht passiert. Nicht mal, nachdem er vor ein paar Tagen gezwungen wurde, als Vorsitzender eines Fachkomitees der National Football League für die Untersuchung der Folgen von Gehirnerschütterungen zurückzutreten.

Die Mühlen mahlen langsam. Immerhin scheint das Thema Gehirnerschütterungen in der NFL mehr emotionale Kraft zu entwickeln als Doping. Vor allem seitdem ein Neurologe in Pittsburgh den Selbstmord des 44jährigen ehemaligen NFL-Profis Andre Waters auf eine von zahlreichen Gehirnerschütterungen verursachten Depression zurückführte. Und seit ein Arzt von Ted Johnson, einem ehemaligen Linebacker der New England Patriots erklärt hatte, dass seine Gehirnerschütterungen der Grund für seine Depression und Ansätze zu Alzheimer sei.

Es besteht der Verdacht, dass Pellman und seine Kollegen die zu erwartenden gesundheitlichen Schäden wider besseres Wissen heruntergespielt haben. Bislang wurden Spieler regelmäßig nach schweren Kollisionen und sogar nach kurzen Augenblicken, in denen sie das Bewusstsein verloren hatten, wieder von ihren Trainern ins Spiel geschickt. In der NFL herrscht eine absolute Gladiatoren-Mentalität, die dafür sorgt, dass jeder Profi um seinen Platz in der Mannschaft fürchtet, wenn er sich in solchen Situationen weigert und seine Gesundheit höher einstuft. Spieler können jeder Zeit ihren Job verlieren und haben auch bei längerfristigen Verträgen keine Gehaltsgarantien, wie das etwa in der NBA oder der NHL üblich ist.