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9. September 2008

Falscher Jubel

Irgendwo auf der Welt muss ein Schiedsgericht sitzen, dass den inszenierten Jubel von Fußballspielern bewertet und Noten verteilt. Oder weshalb entwickeln Torschützen gleich nach dem Treffer diesen Pseudo-Rausch, in dem merkwürdige und völlig sinnlose Tänze und Showeinlagen aufgeführt werden, die überdies auch noch das Spiel aufhalten? Weil die Schiedsrichter so gerne ganz langsam zum Mittelkreis stiefeln, um mal richtig zu verschnaufen und gelassen auf die Jungs zu warten, die sich an der Eckfahne gegenseitig abgefingert haben?

Wohl kaum. Es muss etwas mit der einladenden Omnipräsenz der Kameras in den Stadien zu tun haben und der Logik einer Bildregie, die immer mehr das Drumherum berücksichtigt (darunter auch sogenannte reaction shots, die das Publikum zeigen und die WAGs und die Trainer, die hilflos am Rand herumzappeln). Das wird vermutlich alles noch schlimmer, ehe es wieder besser wird.

Viel schlimmer als im Fall von Fabian Espindola von Real Salt Lake in Major League Soccer geht wahrscheinlich aber gar nicht mehr. Der Argentinier springt jedes Mal eine Radwende plus Salto rückwärts, nachdem er den Ball im gegnerischen Tor untergebracht hat. So wie auch am Samstag in Carson gegen Los Angeles Galaxy. Problem Nummer eins: Bei der Landung verstauchte er sich den rechten Knöchel schwer und muss mindestens vier Wochen aussetzen. Problem Nummer zwei: Das Tor wurde wegen Abseits nicht gegeben. Wie die Übung aussieht, wenn sie gelingt, kann man in diesem Video sehen (im Anschluss an ein reguläres Tor). Entscheidende Stelle: ab 22. Sekunde (via The Big Lead und The Beautiful Game, wo man etwas voreilig behauptet hat, dass sich Espindola das Bein gebrochen hat).

24. Juli 2007

Benfica will den kleinen Adu

Freddy Adu, einst der Kinderstar des amerikanischen Fußballs, dann nur noch Kindskopf, der Ansprüche auf die Mitwirkung in der Nationalmannschaft anmeldete, weil er bei der WM in Deutschland dabei sein wollte, zieht endlich seiner Wege. Benfica Lissabon will den kleinen Techniker aus Ghana haben, dessen Geburtsurkunde vermutlich frisiert ist. Das lohnt sich in jedem Fall für Major League Soccer, das Adu seit Beginn seiner Profikarriere ein stattliches Gehalt von 550.000 Dollar pro Jahr bezahlt hat (Mit Einnnahmen aus Werbeverträgen kommt er auf mehr als 1 Million Dollar pro Jahr). Die Ablösesumme beträgt 7 Millionen Dollar und ist ein weiteres Beispiel dafür, dass die Liga - obwohl immer noch ein Minusgeschäft - durchaus zu investieren versteht. Adu war - außer in den ersten Wochen seines enorm gehypten Einstiegs bei DC United in Washington nie ein Publikumsmagnet, saß häufig auf der Bank und wurde schließlich an Real Salt Lake abgegeben. Adu ist angeblich im Juni 18 Jahre alt geworden. Kurioserweise mäkelt der oben gelinkte Blog herum, dass die Liga Fehler in seiner sportlichen Betreuung gemacht hat. Das klingt dann so, als ob der Spieler Adu nicht ebenso für das Einlösen von allerlei Erwartungen zuständig ist. Auffällig ist, dass er immer dann gut spielt, wenn die Konkurrenz auf dem Platz im Teenager-Alter ist (wie zuletzt bei der U-21-WM in Kanada). Im Einsatz gegen Ältere - selbst in der schlappen MLS - reichte es nicht.

14. Februar 2007

Nachgereicht: Fußball-News aus den USA

Aus der Abteilung "unwichtig, aber nicht völlig belanglos" (weil alle diese Notizen von der New York Times für erwähnenswert gehalten wurden und da wollen wir nicht meckern):

• Der Fußball-Club Real Salt Lake wird bleiben, wo er ist: Der Staat Utah rückt das Geld für den Stadionbau heraus, das die Lokalpolitiker nicht spendieren wollten (siehe Beitrag). Real Salt Lake ist der neue Arbeitgeber von Freddy Adu in Major League Soccer.

• Chivas USA, das Mexiko-Baby in der MLS, hat bekannt gegeben, dass sich zu einem offenen Training 6.000 Personen angemeldet haben. 2.000 wurden akzeptiert und werden ab Freitag durchleuchtet. Das Experiment, das dem Projekt ähnelt, das Los Angeles Galaxy letzte Woche durchgeführt hatte (siehe hier) wird vom spanischsprachigen Fernsehsender als Reality-TV-Miniseriere ausgeschlachtet. Die 60 vielversprechendsten Aspiranten dürfen am 24. Februar wiederkommen. Eine Woche danach geht es mit einem auf 24 reduzierten Teilnehmerfeld weiter. Der erste Preis: ein zwei Wochen-Vertrag mit der Möglichkeit, sich im Trainingslager in den Kader zu spielen und verpflichtet zu werden.

• Die südafrikanische Regierung versteht keinen Spaß (oder was es auch immer war, weshalb Carlos Alberto Parreira und sein Assistent Jairo Lopes César glaubten, sie könnten ohne ein vernünftiges Visum im Land arbeiten und leben). Sie waren im Januar eingereist und wären fast verhaftet worden. Inzwischen haben sie die richtigen Papiere. Der Job? Die Mannschaft der Gastgeber der WM 2010 auf Vordermann bringen.

• Der Mann, der sich auf Arsenals Fersen gesetzt hat, wurde hier bei seinem ersten Auftritt in der Arena nicht hinreichend skizziert. Über Stan Kroenke, 59 Jahre alt, sollte man nämlich zumindest soviel wissen: Als Schwiegersohn des Gründer der Einzelhandelskette Wal-Mart (der größte private Arbeitgeber in den USA, in Deutschland gescheitert) konnte er die ersten Millionen Spielgeld vom Konto der Ehefrau abzweigen. Heute gehören ihm: Die St. Louis Rams (NFL), die Denver Nuggets (NBA), die Colorado Avalanche (NHL) und Hallenmannschaften in den Sportarten Lacrosse und Arena-Football. Nicht zu vergessen die Colorado Rapids. Die werden im nächsten Monat nach London fliegen, um dort zu trainieren. So groß die Entfernung auch sein sein mag. Die Annäherung hat begonnen. Das Geld für Arsenal hat er.

30. Januar 2007

Real oder irreal - das ist hier die Frage

Wie real ist Real Salt Lake? Eher surreal. Oder vielleicht auch irreal. Das kommt davon, wenn man den Instinkten eines Mormonen in die Sandbüchse von Utah folgt und dort einen Fußballclub der Major League Soccer installiert. Denn dieser Club (eine franchise, wie das auf Englisch so schön heißt) mag zwar einen Namen haben, der sich gewaschen hat (Real) und einen Eigentümer, der früher in New York die Geschicke des Madison Square Garden mitsamt New York Knicks und New York Rangers lenkte (der Mormone Dave Checketts). Aber davon hat er noch kein vernünftiges Stadion und keine Steuerzahler, die bereit wären, dem Club das Stadion zu finanzieren. Als Checketts jetzt diese unangenehme Nachricht vernahm, kündigte er an: Das Team (jetzt noch realer dank Neuerwerb Freddy Adu) wird noch eine Saison in Salt Lake City bleiben und dann "wahrscheinlich verkauft". Die Jungs vom Fußball-Blog The Offside rechnen mit dem Schlimmsten - nicht nur mit einem Umzug, sondern auch mit einer Umbenennung in "AC Miami, Olympique Ontario oder Sporting San Antonio".

Wie empfindlich die Menschen in Utah sind, wenn es um öffentliche Gelder und Sport geht, dürfte hinreichend bekannt sein. Zu dem Bestechungsskandal, der mit den Winterspielen 2002 verknüpft ist, wäre es vermutlich nie gekommen, wenn die Bürger dort gesagt hätten: Wir ziehen die Spendierhosen an und geben dem IOC eine riesige Party. So kamen Privatleute ins Spiel, die im Hintergrund herumfingerten, um das Geschäftsereignis "Olympia" mit unlauteren Mitteln in die Region zu holen. Seitdem das ruchbar wurde, ist man in Salt Lake City noch empfindlicher geworden. Man hat Angst, dass jedwede schlechte Nachricht aus dem Mormonenland ein schlechtes Licht auf alle wirft.