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21. Dezember 2009

Zahnschmerzen

Es ist eigentlich ein merkwürdiges Testat für die Qualitäten des besten europäischen Basketballspielers, wenn seine Mannschaft an einem Tagen gegen die Cleveland Cavaliers gewinnt, an dem er pausieren muss. Aber das hatten wir schon. Einer der Gründe für solche kuriosen Resultate ist: Top-Teams wie die Cavaliers sind keine Roboter-Versammlungen. Sie haben in einer langen Saison wie der in der NBA einfach hin und wieder ihre schlechten Momente. Ein anderer allerdings ist, dass die Mannschaften gegen die Dallas Mavericks seit Jahr und Tag vor allem einen taktischen Ansatz pflegen: Dirk Nowitzki lahm legen. Wenn der nicht da kurzfristig nicht auf dem Platz steht, dann wissen die Gegner nicht gleich, wie sie sich auf eine solche Situation einstellen sollen.

Nowitzki fehlte aufgrund eines Zusammenpralls im Spiel gegen die Houston Rockets, bei demer auf dem Weg zum Korb seinem unmittelbaren Gegenspieler Carl Landry den Ellenbogen ins Gesicht gehämmert hatte. Mit dem Ergebnis: Landry brachen fünf Zähne ab. Zwei davon steckten anschließend in Nowitzkis Arm. Sie wurden noch in der Halle herausoperiert und die Wunde mit drei Stichen genäht. "Ich habe zu werfen versucht. aber es tut einfach zu weh", sagte die Nummer 42 41 nach dem Zwischenfall. Wie lange er aussetzen wird, steht noch nicht fest.

15. Dezember 2009

Pfuschen mit der Zentri-pfui-ge

Das hübsche an gründlichen Recherchen über die Arbeit von Ärzten: Sie werfen Licht auf ganz erstaunliche Reflexe, wie sie vermutlich auch in anderen Branchen existieren. Aber dort geht es meistens nicht um Leben und Tod. Man nehme den Fall des kanadischen Arztes Dr. Anthony Galea, der sich im Laufe der Jahre im Sportbereich eine beachtliche Reputation erarbeitet hat. Zur Zeit steht die vor allem aus einem Grund auf der Kippe: Er soll den Ermittlungen der Strafverfolgungsbehörden in seinem Heimatland zufolge den schmalen Grat zwischen gerechtfertigter therapeutischer Intervention und unmoralischer Leistungsmanipulation bei seinen Patienten überschritten haben.

Einen Tag später allerdings liest man in der New York Times, dass der Mann seinen guten Ruf womöglich gar nicht verdient hat. Denn zum Beispiel einer Reihe von Major-League-Baseballspielern, die sich bei ihm in Behandlung befunden haben, konnte er offensichtlich gar nicht helfen. Wir gehen aber mal davon aus, dass er seine teuren Rechnungen trotzdem liquidiert hat.

Wie wird ein Mann, der Leuten Blut abzapft, es durch eine Zentrifuge jagt und es als mit Plättchen-angereichertes Plasma in die verletzten und operierten Sehnen, Bänder und Muskeln injiziert, eigentlich zum Wunderdoktor? Wieso bestellt jemand wie Tiger Woods den Mann ins Haus und lässt ihn für teures Geld monatelang immer wieder einfliegen, wenn seine Methoden ganz offensichtlich keinen dauerhaften Erfolg produzieren konnten? Die Antwort auf eine solche Frage hat sehr viel mit dem Wirkungszusammenhang von Angebot und Nachfrage und dem von Public Relations und Reputations-Management zu tun. Es gibt keine Ärzte, die jedem bei jedem Leiden helfen können. Aber es gibt den Mythos des weißen Kittels, die bestens eintrainierte Verkaufsmasche von Medizinern, die nie allen alles versprechen, aber immer betonen, wie sehr sie es trotzdem versuchen.

Welche Alternativen hat der Hochleistungssportler denn auch, wenn er nicht seinem Körper mehr Zeit und vernünftige Ernährung gönnen will, um die im biologischen Bauplan verankerten Heilungsprozesse zu fördern? Soviele vermeintliche Wunderheiler gibt es selbst in den USA nicht. Und dort gibt es sehr viele ausgewiesene Spezialisten. Also lässt man sich bei der Entscheidung für den Sportarzt von anderen Dingen leiten. Zum Beispiel von einer Liste von Patienten, die ein erfolgreicher Arzt auf Anfrage vermutlich immer gerne Preis gibt. Dr. Galea zum Beispiel hat Alex Rodriguez betreut, ist der Mannschaftsarzt der Toronto Argonauts in der Canadian Football League, und er hat einen Praxispartner, der als Chiropraktiker in der Sportbranche einen Ruf wie Donnerhall genießt. Der kann einem notfalls auch Patienten ins Haus holen, so wie das im Fall von Tiger Woods geschehen sein muss, wenn die New York Times nichts falsch verstanden hat. "Enttäuscht von den Fortschritten bat im Februar Dr. Lindsay Dr. Galea, sich Woods anzuschauen. Der litt unter Larsen-Johansson-Krankheit [eine schmerzhafte Entzündungsreaktion des Ursprungs der Kniescheibensehne an der Spitze der Kniescheibe] und hatte Narbengewebe im Muskel entwickelt." Das sei üblich nach einer Außenband-Operation, meinte Dr. Mark Lindsay, der übrigens mit einer ehemaligen kanadischen Weltcup-Skifahrerin verheiratet ist und aus dem Teil der Welt sicher eine Menge über kaputte und geflickte Knie weiß. Und angeblich half der Schuß aus der Zentrifuge ja auch. Bis dann... irgendwann... doch nicht mehr.

Auch so etwas ist üblich: Denn tatsächlich gibt es für ärztliche Maßnahmen so gut wie keine Garantien. Erstens, weil die Diagnose oft nicht greift. Und zweitens, weil die Natur aus irgendeinem komischen Grund den Wissenschaftlern noch immer irgendwelche Schnippchen schlägt. Das wird dann meistens nur so gut wie nie den herumdokternden Ärzten aufs Butterbrot gestrichen. Weshalb es oft Jahre dauert, bis Kurpfuschern und Scharlatanen die Kundschaft davonläuft.

Immerhin scheint die Eigenblut-Injektion bestimmte Wirkungen zu haben, wenn auch womöglich nicht in dem Bereich der Gelenktherapie, in dem Dr. Galea sich seinen Namen gemacht hat. Sondern im Bereich der akuten, aber betrügerischen Form der Leistungsteigerung, die man aus Sicht der Sportethik gerne als Doping bezeichnet. Galeas Zentrifugalkräfte (und die seiner Kollegen) werden deshalb von der WADA beäugt.

Für 2010 gilt darum übrigens folgendes: Blood Spinning, wie die Behandlungsmethode üblicherweise genannt wird, ist verboten, wenn intramuskulär gespritzt wird. Andere Formen der Anwendung verlangen, dass die Sportler und ihre Ärzte der Dopingaufsicht dies mitteilen ("declaration of use"), um sich eine Ausnahmegenehmigung zu besorgen ("therapeutic use exemption"). Eine solche Regelung besagt nichts anderes als: ja, die Methode wirkt – um zu dopen.

Das hat man auch von Tiger Woods vernommen, der sich dem gestrigen Bericht der Times nach der ersten Fixe ins linke Knie zufolge derart stark vorkam, dass er auf einen Tisch hätte springen wollen. Geheilt war er nicht, aber Energie hatte der Junge im großen Stil.

29. November 2009

Der Klingelbeutel: Wendekreis des Hydranten


Die Aufzeichnung des Notrufs in Windermere/Florida wurde herausgegeben, durch den die Polizei und Ambulanz alarmiert wurde, nachdem Tiger Woods mit seinem Cadillac in der Nacht zum Freitag gegen einen Baum gefahren war. Der Name des Golfers wird in dem Telefonat nicht erwähnt. Der Name des Anrufers wurde ausgeblendet. Der Wagen sah an dem Abend übrigens so aus: Nicht so kaputt, dass man die hinteren Scheiben mit einem Golfschläger zertrümmern musste, um den Fahrer aus dem Wagen zu helfen.

• Rachel Uchitel ist nach Los Angeles geflogen und hat sich eine Anwältin genommen. Und zwar eine berühmte mit Namen Gloria Allred. Das sieht nach mindestens einer Klage gegen den National Enquirer aus, der die Geschichte mit der Tiger-Woods-Affäre in die Welt gesetzt hatte.

• Tiger Woods hat zwar erneut abgelehnt, mit der Polizei zu sprechen und statt dessen einen Anwalt an die Tür geschickt, wo der den Führerschein und den Versicherungsnachweis vorlegte und damit das Minimum an Kooperation an den Tag gelegt, das in Florida bei Verkehrsunfällen verlangt wird. Aber er hat sich zumindest an die Öffentlichkeit gewandt. Zitat: "Diese Situation ist mein Fehler. Und sie ist offensichtlich für meine Familie und mich beschämend. Ich bin ein Mensch. Und ich bin nicht perfekt. Ich werde ganz sicher dafür sorgen, dass dies nicht noch einmal passiert." Die Stellungnahme wurde auf seiner Webseite tigerwoods.com publiziert und ist nicht mehr als ein durchsichtiger Versuch, den Sachverhalt nicht aufzuklären. Deshalb sehr zu empfehlen: die neueste Kolumne von George Vecsey in der New York Times, die Woods unmissverständlich vorhält, dass er sein Image mit seinem Verhalten "geradewegs ins Rough, zwischen die Bäume und in den Teich" schießt: "Er sieht wie ein Mann aus, der etwas zu verbergen hat."

• Sein Privatleben hat Tiger Woods schon immer extrem gehütet (wir erinnern an folgenden Fall, für den der Schiffbauer seiner Yacht namens Privacy am Ende 1,6 Millionen Dollar an den Golfer zahlen musste). Aber hin und wieder dringen ein paar Dinge durch. Zum Beispiel seine Sonderwünsche auf Flugreisen: Er mag Bagels mit Erdnussbutter geschnittenen Bananen, ist allergisch gegen Knoblauch, verlangt nach Spielkarten und nach Action-Filmen zur Ablenkung. Seine Frau Elin hätte gerne Fiji-Wasser und ist auch beim Tee wählerisch: Earl Grey soll's schon sein (und zwar mit Honig).

• Der Artikel in der Montagausgabe der FAZ, der den Wissensstand vom frühen Sonntag zusammenfasst.

• Die bewachte Privatsiedlung Isleworth in Windermere außerhalb von Orlando, in die Woods zog, nachdem er Profi wurde, und die er auswählte. weil dort sein lebensälterer Freund Mark O'Meara lebte, ist normalerweise kein Schauplatz für spektakuläre Ereignisse. Das liegt an den Bewohnern, zu denen viele Profigolfer gehören und wohlhabende Athleten aus anderen Sportarten (einst wohnte hier auch Shaquille O'Neal, als er für die Orlando Magic spielte). Aber im September wurde die Ruhe erheblich gestört. Häusliche Gewalt von der ganz brutalen Sorte: Ein Mann brachte seine Frau mit einem Kopfschuss um. Akuter wirtschaftlicher Druck mag eine Rolle gespielt haben: Der mutmaßliche Täter soll seine monatliche Hypothek von knapp 17.000 Dollar nicht mehr bezahlt haben. Das Haus stand für 5,2 Millionen Dollar zum Verkauf. In Isleworth sind so einige Hütten auf dem Markt. Diese Seite hat Bilder und nennt Preise.

28. November 2009

Vollmers Kopfverletzung: Belichick schweigt

Sebastian Vollmer hat sich am Sonntag im Spiel der Patriots gegen die Jets verletzt. Er kehrte zwar nach einer Pause auf den Platz zurück. Aber seit Montag hat man ihn nicht mehr beim Training gesehen. Der offizielle Report des Clubs spricht von einer Kopfverletzung. Trainer Bill Belichick ließ sich am Samstag bei der Pressekonferenz nach dem letzten Training vor der Abreise nach New Orleans (am Montagabend findet dort die Begegnung gegen die noch ungeschlagenen Saints statt) nicht abringen, was den deutschen Footballprofi plagt. "Es ist das, was in dem Verletzungsbericht steht", sagte er und lächelte dabei. "Ist das eine Hilfe?"

Natürlich ist es keine. Aber so sind die Verhältnisse in der NFL (und auch in anderen Ligen wie der NHL). Die Mannschaften müssen keine genauen Angaben machen, nur sagen, ob der Einsatz eines verletzten Spielers wahrscheinlich oder fraglich ist. Das sind keine Informationen für den Gegner oder die Fans, sondern für die Buchmacher. Denn das gehört zu den Grundsätzen in der National Football League, dass man den Zockern gerne so weit entgegen kommt wie möglich.

Zurück zu Vollmer, der bereits in seiner ersten Profi-Saison in der Abwesenheit des verletzten Matt Light durch pure Leistung seinen Anspruch auf einen Stammplatz auf der Left-Tackle-Position unterstrichen hatte. Es spricht vieles dafür, dass er eine Gehirnerschütterung erlitten hat und dass man ihn wegen der neuen Aufmerksamkeit für solche medizinischen Probleme und der Gefahr für Dauer- und Spätschäden lieber schont. Light trainierte in dieser Woche zum ersten Mal.

16. August 2009

Kopftreffer

Deshalb tragen Baseballspieler Helme, wenn sie am Schlag stehen. Pitcher: Matt Cain, San Francisco Giants. Batter: David Wright, New York Mets. Geschwindigkeit des Balles: 145 km/h. Diagnose: Gehirnerschütterung.

Nachtrag: Die Sportfirma Rawlings hat einen neuen Helm für Baseballspieler entwickelt, der bei solchen Treffern den Kopf wirksamer vor der Wucht des Lederklopses schützt. Problem: Die Spieler sind womöglich zu eitel, um ihn zu tragen. Obwohl er Fluggeschwindigkeiten Stand hält, die etwa zehn Stundenkilometer höher sind als im Fall von Wright (via New York Times)

Nachtrag 2: So sieht es aus, wenn der Pitcher am Kopf getroffen wird. Auch das passierte am Wochenende und regt die Gemüter auf.

(via The Big Lead)

2. Dezember 2008

Nachladen: Es geht um Plaxico

Ich weiß nicht, ob das Wort Nachladen an dieser Stelle nicht missverständlich klingt. Aber der Schuss in den Oberschenkel in der Nacht zum Samstag in einem New Yorker Night-Club hat nicht nur Bürgermeister Bloomberg auf die Palme gebracht, sondern auch Jon Stewart in der Daily Show in Schwung. Alle hacken irgendwie auf Plaxico Burress herum, der eigentlich schon bestraft genug sein sollte. Aber halt: Tatsächlich drohen ihm im Fall einer Verurteilung mindestens dreieinhalb Jahre Gefängnis. Die Waffengesetze im Staat New York sind strenger als in anderen Landstrichen der Vereinigten Staaten.

30. November 2008

Früher begann der Tag mit einer Schusswunde, heute endet er damit

Richtig klar ist die Sache noch immer nicht. Sieht man mal davon ab, dass Wide Receiver Plaxico Burress im Krankenhaus war und dass er einen Anwalt hat, der mit ihm am Montag zur Polizei stiefeln will. Die Medienberichte sind sich zumindest so weit einig: Der NFL-Profi hatte eine Handfeuerwaffe dabei, als er am Freitag in einer New Yorker Kneipe war. Und mit der hat er sich selbst eine Schwusswunde im Oberschenkel zugefügt. Antonio Pierce, ein Mannschaftskollege von den New York Giants war wohl mit Burress zum fraglichen Zeitpunkt gemeinsam unterwegs. Der Mann mit dem kuriosen Vornamen gehört zu den eitlen Figuren in der Liga und steht anderen Wideouts wie Terrell Owens (Dallas Cowboys) und Chad Ocho Cinco (Cincinnati Bengals) kaum nach. Wie undiszipliniert Burress ist, wurde Ende September klar, als berichtet wurde, dass er in den fünf Jahren seiner Karriere in New York vom Club zwischen 40- und 50mal mit einer Geldbuße belegt wurde. Die Mannschaftsführung sah sich am Anfang der Saison gezwungen, die Daumenschrauben mit einer Spielsperre etwas anzuziehen. Zuletzt musste er schon früh mit einer Verletzung den Platz verlassen.

Nachtrag: Genau genommen handelt es doch um einen Schuß zum Tagesbeginn (Sorry, Mr. Wondratschek für die Konfusion). Die Szene spielte sich nämlich kurz nach Mitternacht ab. Was danach passierte, ist bester Lesestoff. Die New York Post hat das ganze Klavier gespielt und folgende Partitur rekonstruiert: Der Club hat den Zwischenfall nicht den Behörden gemeldet (verstößt gegen die Waffengesetze). Das Krankenhaus hat die Behandlung der Wunde nicht den Behörden gemeldet (verstößt gegen die Waffengesetze). Die Pistole vom Kaliber 40 wurde von der Polizei bei Burress in der Küche gefunden. Der Spieler und seine Freunde haben vor dem Gang ins Krankenhaus eine kleine Geschichte erfunden und dafür gesorgt, dass er sich unter falschem Namen registriert. Er wurde trotzdem vom Personal erkannt.

14. September 2008

Kaputte Knie (Teil 2)


Der schwergewichtige Cheftrainer der Universitäts-Football-Equipe von Notre Dame war vor seinem Wechsel in die Division I der Offensive Coordinator der New England Patriots in der NFL. Dort war er unter anderem für die Entwicklung von Quarterback Tom Brady zum besten Spielgestalter der Liga mitverantwortlich. Brady wurde vor einer Woche umgenagelt und wird Monate brauchen, um sich von den Folgen des gerissenen Außenbands im Knie zu erholen. Seine Saison ist zu Ende. Kurios, aber wahr: Eine Woche später widerfährt Weis, bei Amerikas erfolgreichster Football-Uni mangels Erfolg ziemlich unter Schuss, ein ähnliches Schicksal, als er im Match gegen Michigan an der Seitenlinie von einem eigenen Spieler umgerannt wurde. Er litt einen zweifachen Bänderriss im rechten Knie. Vor einer Woche hatte Weis Brady noch nette Genesungsgrüße getextet. Der Coach wird nicht ausfallen, sondern auf Krücken seine Arbeit abwickeln. Warum auch nicht? In dieser Saison läuft es erstmals seit seiner Amtsübernahme einigermaßen in South Bend. Das Video oben ist übrigens nichts für schwache Nerven.

P.S.: Weis gehört mit über 2 Millionen Dollar Jahresgehalt übrigens ebenfalls in die Top Ten der Geldschneider im College-Football. Er stand nur deshalb nicht auf der Liste, weil er für eine private Uni arbeitet. Die im letzten Eintrag erwähnten sind Angestellter von öffentlichen Bildungseinrichtungen.

9. September 2008

Falscher Jubel

Irgendwo auf der Welt muss ein Schiedsgericht sitzen, dass den inszenierten Jubel von Fußballspielern bewertet und Noten verteilt. Oder weshalb entwickeln Torschützen gleich nach dem Treffer diesen Pseudo-Rausch, in dem merkwürdige und völlig sinnlose Tänze und Showeinlagen aufgeführt werden, die überdies auch noch das Spiel aufhalten? Weil die Schiedsrichter so gerne ganz langsam zum Mittelkreis stiefeln, um mal richtig zu verschnaufen und gelassen auf die Jungs zu warten, die sich an der Eckfahne gegenseitig abgefingert haben?

Wohl kaum. Es muss etwas mit der einladenden Omnipräsenz der Kameras in den Stadien zu tun haben und der Logik einer Bildregie, die immer mehr das Drumherum berücksichtigt (darunter auch sogenannte reaction shots, die das Publikum zeigen und die WAGs und die Trainer, die hilflos am Rand herumzappeln). Das wird vermutlich alles noch schlimmer, ehe es wieder besser wird.

Viel schlimmer als im Fall von Fabian Espindola von Real Salt Lake in Major League Soccer geht wahrscheinlich aber gar nicht mehr. Der Argentinier springt jedes Mal eine Radwende plus Salto rückwärts, nachdem er den Ball im gegnerischen Tor untergebracht hat. So wie auch am Samstag in Carson gegen Los Angeles Galaxy. Problem Nummer eins: Bei der Landung verstauchte er sich den rechten Knöchel schwer und muss mindestens vier Wochen aussetzen. Problem Nummer zwei: Das Tor wurde wegen Abseits nicht gegeben. Wie die Übung aussieht, wenn sie gelingt, kann man in diesem Video sehen (im Anschluss an ein reguläres Tor). Entscheidende Stelle: ab 22. Sekunde (via The Big Lead und The Beautiful Game, wo man etwas voreilig behauptet hat, dass sich Espindola das Bein gebrochen hat).

8. September 2008

NFL: Kaputte Knie

Das erste Wochenende in der NFL hat mal wieder gezeigt, dass in dem Augenblick, in dem es beim Football auf die Beine geht, selbst die besten Bänder und Sehnen nicht mithalten können. Es liegt in der Natur der Sache. Trotz sehr vieler kleinteiliger Bestimmungen darüber, welche Tackles erlaubt sind und welche nicht, und trotz bester Absichten von gut geschulten Verteidigern, ihre Gegner nicht zu verletzen, bekommen vor allem zwei Gelenke bei den Angreifern die ganze Wucht der heranfliegenden Körpermassen ab: die Knie und die Knöchel. Tom Bradys Saison scheint bereits zu Ende, bevor sie wirklich angefangen hat, nachdem die erste Diagnose auf einen Außenbandriß lautete. Da werden die Patriots froh sein, wenn sie die Playoffs erreichen und nicht in der ersten Runde rausfliegen. Vince Young von den Tennessee Titans wird vielleicht nur ein paar Wochen fehlen. Er hat sich eine Bänderdehnung im Knie eingefangen.

Ein Problem, das die Liga bislang noch gar nicht ins Visier genommen hat: die Spieler werden immer schwerer. Was nicht nur die Knochen und Bändern von Gegnern ruiniert, die das enorme Gewicht abbekommen. Auch das Leben der Kolosse ist gefährdet. Die Statistik belegt, dass sie in einem stärkeren Maße als der Durchschnitt der Bevölkerung mit einem frühen Tod flirten, weil sie ihre eigenen Gesundheit aufs Spiel setzen.

Nachtrag: Es kursieren Videos von der Brady-Verletzung bei YouTube, aber die werden sicher alle immer wieder rasch gelöscht. Wegen Copyright und so.

18. Juni 2008

Tiger Woods: Dieses Jahr kein Golf mehr

Tiger Woods wird in dieser Saison an keinem Turnier mehr teilnehmen. Das hat vor wenigen Minuten AP gemeldet, nachdem der beste Golfer der Welt auf seiner Webseite die Nachricht bekannt gab. Das linke Knie ist nach den US Open mehr als ramponiert. Ein kaputtes Außenband (schon seit einem Jahr demoliert), zwei Ermüdungsbrüche im Wadenbein (neulich erlitten) rechnen sich zu einem ganz erheblichen Sachschaden hoch. Wieder sollen Ärzte ran. Also jene Berufsgruppe, auf deren Ratschläge der Weltranglistenerste so ungerne hört. Und dann ist erst mal Rehabilitation angesagt. Mit anderen Worten: Erstmals seit Beginn seiner Profi-Karriere werden wir Woods nicht bei den British Open, nicht bei der PGA Championship und nicht im Ryder-Cup erleben. Und was danach kommt? Wer weiß?

Übrigens geistert mir schon seit Tagen diese komische Erinnerung an Steffi Graf durch den Kopf. Deren letztes Match habe ich damals auch gesehen. In La Costa, nur ein paar Kilometer von Torrey Pines entfernt. Als sie damals die Tasche packte, erklärte sie, dass sie ihren verletzten Oberschenkel auskurieren und dann weiterspielen wolle. Daraus wurde nichts. Woods hat allerdings noch Ziele: Er hat erst 14 Majors gewonnen und steht damit um vier hinter Jack Nicklaus in der ewigen Bestenliste. Ehe er nicht Platz eins geschafft hat, wird er keine Ruhe geben.

12. Mai 2008

Kaputte Knie oder was war wohl Darwins Lieblingssport?

Wo wir gerade über Frauenfußball sprechen: Die Sportart hat in den USA eine enorme Reichweite. Millionen von Mädchen kicken in Schulmannschaften aller Altersgruppen quer durchs ganze Land. Da bleibt es nicht aus, dass sich einige von ihnen verletzen. Neu ist das nur für ehrgeizige Eltern von ehrgeizigen Kindern, die dachten, Fußball sei eine Art von Yoga-Klasse mit Ball. Das passiert vermutlich Leuten, die nicht mit dem Spiel aufgewachsen sind und die nicht sonntags um den Platz herumgeschlichen sind, wenn die Großen um Punkte kicken, immer auf der Flucht vor dem Kassierer mit der Zigarrenkiste und den numerierten Abreißfitzeln. Wenn mich nicht alles täuscht, kam schon damals immer wenigstens ein Sanitäter selbst zu Kreisligaspielen. Und durch die Arbeit an kaputten Knien erwirtschaftete sich die "Sportlerheilstätte" Hellersen ein paar Kilometer weiter ihren legendären Namen.

Wie gesagt: Neu ist das nur für Amerikaner. Die gehen dann gleich noch einen ganzen Schritt weiter und behaupten auch ohne abgesichertes Zahlenmaterial, dass Mädchen weit häufiger im Fußball Bänderrisse erleiden als Jungen. Das wäre nur halb so wild, wenn nicht die New York Times am Wochenende eine ganze Titelgeschichte in ihrem Magazin dazu verschwendet hätte, den unbewiesenen Sachverhalt durch meterlange Dönekes zu ersetzen und so zu tun, als sei das individuelle Verletzungsrisiko eine massive Gefahr für das soziale Wohlergehen einer Unzahl von Betroffenen (weil sie monatelang nicht mitmachen können und sich dadurch aus der Gruppe ausgeschlossen fühlen, die ihnen doch alles bedeutet). Und als sei es ein Risiko für ihre Aussichten auf ein über den Sport vorangetriebenes Stipendium an der Universität. Oder um es kürzer zu formulieren, was der Autor da murmelt: Mädchen, die Sport treiben, ruinieren womöglich ihr Leben, wenn ihnen nur jemand von hinten auf die Socken tritt.

Vor 30 Jahren hätte man mit solchem Kokolores vielleicht noch die emanzipatorischen Bemühungen um Mädchensport an die Wand fahren können. Inzwischen jedoch gibt es Frauen, die gleich montags den sorgsam zusammengekehrten Gedankenmix einfach auseinanderfieseln und auf das reduzieren, um was es geht: um einen Propagandaversuch.

Eine ganz andere Frage ist, ob Jungen UND Mädchen in den USA nicht womöglich viel zuviel trainieren und zuviel organisierten Sport betreiben. Es gehört nämlich zu den merkwürdigen Entwicklungen in diesem Land, dass man Kinder nicht einfach nachmittags sich selbst und ihrer eigenen Kreativität überlässt, sondern sie gezielt in Programme hineinschiebt, in denen es nur in zweiter Linie um Sport und Körperertüchtigung geht. In erster Linie geht es um die Züchtung von Selbstbewusstsein, Ehrgeiz und Zielstrebigkeit, also um den angewandten Darwin, der in den Vereinigten Staaten im menschlichen Zusammenleben ungefiltert zur Herausformung von Charakter und Persönlichkeit genutzt wird. Die Ellenbogen-Gesellschaft, die auf diese Weise perpetuiert wird, wurde vielerorts schon beschrieben und beklagt. Das müssen wir an dieser Stelle nicht noch einmal tun.

12. September 2007

Buffalo und Bill: Extreme in der NFL

Das erste Wochenende der NFL-Saison produzierte zwei extreme Fälle: die Verletzung eines Spielers der Buffallo Bills, dessen erste Prognose der schiere Horror war. Ärzte befürchteten, dass er für den Rest seines Lebens von der Schulter abwärts gelähmt bleiben würde. Seit gestern abend klingen die Aussichten sehr viel besser. Auch weil die Unfallmedizin immer besser wird. So wurde Tight End Kevin Everett innerhalb kurzer Zeit eine gut gekühlte Salzlösung gespritzt, die dafür sorgte, seine Körpertemperatur abzusenken. Der Prozess verhinderte Schwellungen in den kritischen Zonen des Rückenmarks.

Wie man allerdings den für seine cholerischen Anfälle bekannten Trainer der New England Patriots runterkühlen wird, ist noch nicht klar. Denn Bill Belichik und sein Stab wurden erneut dabei erwischt, Handzeichen einer gegnerischen Mannschaft mit Hilfe einer Videokamera aufzuzeichnen. So etwas ist sicher nicht halb so schlimm wie das Ausrichten von Hundekämpfen, zeigt aber wie weit der als großer Taktiker verehrte Coach geht, um sich so viele Vorteil wie möglich zu verschaffen. Was ist das Problem? Die NFL hat Regeln, wonach solches Verhalten schlichtweg verboten ist. Was ist das größere Problem? Belichick kann nicht so tun, als habe da ein kleiner Angestellter in seinem Laden aus freien Stücken ein bisschen Werkspionage betrieben, die ihm persönlich gar keinen Nutzen bringt. Die Sache war einem Offiziellen der New York Jets aufgefallen und wurde an die Liga weiter gemeldet. Die konfiszierte die Kamera und fand eindeutige Belege für das Fehlverhalten. Von den Patriots gab es noch keine Stellungnahme. Aber man kann sich vorstellen, warum: Erst mal wurde der arme Kameramann in Grund und Boden gestampft, weil er er so blöd war, sich erwischen zu lassen. Und als nächstes wird an einer Formulierung gebastelt, die den Eindruck erwecken soll, als habe die Führung keine Ahnung von dem gesetzlosen Treiben ihrer Mitarbeiter.

Sobald sich der von den Patriots geworfene Nebel verzogen hat, wird der Commissioner die Strafe verhängen. Die könnte happig ausfallen. Insider munkeln, dass die Liga für solches Treiben den Verlust von Draftplätzen verhängt.
Blick zurück: Die Rolle von Belichick in einem schmuddeligen Scheidungsprozess

31. August 2007

Die Beckham-Oper, Knöchelverzeichnis Nr. 6: "Done for the season"

Wie gewonnen so zerronnen? Die Bänderdehnung im Knie, die sich David Beckham am Mittwoch bei einem Pressschlag im Finale der SuperLiga-Begegnung gegen Pachuca zugezogen hat, verführt die Los Angeles Times zu folgender Spekulation: Die Neuanschaffung sei "done for the season". Die Bilanz: 310 Minuten in sechs Spielen für 6,5 Millionen Dollar Garantiegehalt. Damit geht der Schuss, den sich Los Angeles Galaxy und die Anschutz Entertainment Group ausgedacht haben, geradewegs nach hinten los. Beckham braucht sich nichts vorzuwerfen. Er kam bereits mit Verspätung (weil er die Saison in Spanien pflichtgemäß zu Ende spielen musste) und mit einem angeschlagenen Knöchel. Die Verletzung vom Mittwoch kam in einer Szene zustande, in der er sich in der Nähe des Pachuca-Strafraums um einen Abpraller bemühte und das Bein zum Schuss durchzog, anstatt in letzter Sekunde zurückzuziehen. Eine alltägliche Reflexentscheidung, die sich schon mal rächt. Mal abgesehen davon, dass nun viele Zuschauer murren werden, weil sie bereits Karten für weitere Spiele gekauft haben: die eigentliche Malaise ist einziehende landesweite Erwartungsenttäuschung, die durch das große Tingeltangel vorneweg provoziert wurde. Ein verletzter Star ist keine Werbung für die Sportart, die mit Beckham ihre Einschaltquoten im Fernsehen verfünffacht und ohne ihn weiter in der Bedeutungslosigkeit hängen bleibt. In der nächsten Saison wird sich der Neuigkeitseffekt längst verflüchtigt haben. Die Werbetrommeln werden verklungen sein. Noch schlimmer: Bis dahin werden mehr als sechs Monate ins Land ziehen. Eine lange fußballtote Zeit.

5. April 2007

NBA: Agent Zero ist kaum aus der OP, da bloggt er bereits

Keine Ahnung, was die Washington Wizards in diesem Jahr in den Playoffs gerissen hätten, wenn er dabei gewesen wäre. Nur soviel war seit Monaten klar: die Eastern Conference ist in dieser Saison so schwach, dass jede Mannschaft ins Finale kommen kann. Aber die besagten Wizards sicher nicht. Denn Gilbert Arenas wurde am Sonntag bei einem Zusammenprall mit Jake Voskuhl von den Charlotte Bobcats so schwer am Knie verletzt, dass er mindestens zwei Monate ausfällt. Die notwendig gewordene Meniskusoperation fand bereits statt. Den besten Informationsstand hat Don Steinberg ("Mr. Stone Mountain") vom D. C. Sports Bog, der berichtet, dass Arenas schon wieder bloggt. Bei den Wizards fehlt außerdem Caron Butler wegen einer gebrochenen Hand. Zum Trost hier der Werbespot von adidas. Der Sportausrüster hatte zuletzt eine ganze Serie mit Fußballern wie David Beckham und Lionel Messi und der Sprinterin Allyson Felix unter der Tagline "Impossible Is Nothing" herausgebracht. Darin erzählen die Stars jeweils, wie schwer es ihnen anfänglich in ihrer Karriere ergangen ist, und fabrizieren kleine und große Kinderzeichnungen, deren Charme die dünnbrüstige Theorie "Schwierigkeiten überwinden macht groß, stark und reich" auf attraktive Weise übertüncht.

Adidas hat eines dieses heute üblichen Extras - "Blick hinter die Kulissen der Werbespot-Studio-Session" - mit all den Sportlern ins Netz gestellt. Auch das Video ist zumindest einen Klick wert.

21. Dezember 2006

Nowitzki verletzt

Dirk Nowitzki hat im Spiel in Seattle eine ziemlich schwere Knöchelverletzung abbekommen. So sah es wenigstens in der Zeitlupenwiederholung bei ESPN aus. Er wurde von Chris Wilcox von den SuperSonics ganz klar ohne irgendeine Absicht getroffen, als der versuchte, in der Nähe des Korbes nach einem Rebound mit dem Ball in den Händen die Balance wieder zu finden. Es wäre ein Wunder, wenn es nicht mehr gewesen ist, als was der Mavericks-Masseur nach einer ersten Inspektion in der Umkleidekabine verlauten ließ: das wäre eine Bänderdehnung. Nowitzki wird in jedem Fall mehrere Spiele aussetzen müssen. Er hat in den letzten Jahren nur sehr selten gefehlt.

Ergänzung am Tag danach: Nichts gebrochen, sagen die Röntgenbilder und Dirk selbst gibt sich schon wieder zuversichtlich. Er sollte sich mal eine Pause gönnen und beide Beine hochlegen, anstatt schon wieder über den nächsten Einsatz nachzudenken. Die Mannschaft gewinnt auch ohne ihn. Zumindest gegen Seattle.