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5. Juli 2010

Meine Fresse

Aus der Serie "Wenn die andern feiern" kommt heute das Video der von der Begeisterung über ein einziges Tor. Die Hauptdarsteller: zwei völlig übermannte spanische Kommentatoren, die sich über das 1:0 von Villa gegen Paraguay nicht mehr einkriegen können. Einer von denen ist der gute José Antonio Camacho Alfaro, der einst bei Real Madrid als Verteidiger spielte und nach dem Ende der Karriere als Trainer viele Jobs inne hatte. Zu den Stationen gehörten die spanische Nationalmannschaft und irgendwann auch wiederum Real Madrid. Camacho arbeitet in Südafrika als Fernsehkommentator für den spanischen Sender Telecinco. Und das ganz sicher ohne Gefahrenzulage.

25. November 2009

Catch as catch can

FC Barcelona spielt am Wochenende nur 1:1 unentschieden bei Athletic Bilbao, gibt die Tabellenspitze an Real Madrid ab und verliert Leo Messi wegen einer Verletzung. Alles schlecht, oder? Aber nicht für alle Zuschauer. Die sahen einen der besten Anti-Flitzer-Einsätze aller Zeiten in der Kategorie "in Bekleidung". Wenn man auf diese Weise auch die Wettbetrüger einfangen könnte...

(via The Offside)

16. August 2008

Olympia-Live-Blog: Basketball USA gegen Spanien

10.21 h: Wir steigen beim Spielstand von 9:9 ein. Noch sechs Minuten im ersten Viertel zu spielen.

10:22 h: Kobe Bryant mit einem offensiven Foul fängt sich das zweite ein und muss auf die Bank.

10:23 h: Die Spanier verlieren vorne viel zu oft den Ball. 14:11 für USA nach einem Dreier von LeBron James.

10:24 h: Dies Spiel ist nur ein Leistungstest und Gradmesser dafür, wie stark die Amerikaner zuhause sich für die Ambitionen ihrer Basketball-Profis interessieren. Man könnte auch sagen: Es ist egal, wie's ausgeht.

10:28 h: 18:13 für die USA. Tempogegenstoß Dwayne Wade nach einem Steal.

10:30 h: Spanien hat neulich gegen China mit Feuer gespielt. Sie lagen mit 14 Punkten zu Beginn des letzten Viertels zurück und schafften noch die Verlängerung, wo sie gewonnen haben.

10:31 h: Mit 14 wurde er Profi, in ein paar Wochen wird er 18. Er heißt Ricky Rubio und hat heute seinen ersten großen Auftritt vor den Augen von hunderten von NBA-Scouts und Managern. 25:16 für die USA mit noch knapp 2 Minuten im ersten Viertel. Die Amerikaner sind flinker.

10:34 h: Yao Ming unter den Zuschauern. Er braucht mehrere Stühle. 29: 18 für die USA.

10:36 h: Marc Gasol sieht wirklich wie der Bruder von Pau aus. Bart und Haare und so weiter. Da werden sie sich in Memphis nicht so sehr umstellen müssen, wenn er denn auftaucht., nachdem sie Pau an die Lakers abgegeben hatten. 31: 22 – erstes Viertel zu Ende.

10:37 h: Gegen die Verteidgungsarbeit von Dwayne Wade und seine schnellen Hände, mit denen er den Angreifern den Ball aus der Hand fingert, haben die Spanier keine Mittel.

10:38 h: Wir sehen den entscheidenden Wurf aus dem Spiel der Chinesen gegen Deutschland. Chris Kaman, sah und siegte nicht. Veni, vidi, auf Wiedersehen.

10:40 h: Guter schneller Spielzug, der dafür sorgt, dass Tayshaun Prince am Rand ungedeckt zum Dreier antreten kann. Die Amerikaner sind heute aus der Distanz bedeutend besser als in den Spielen davor.

10:42 h: 36:26 für die USA. Dwight Howard zweites Foul. Kobe wieder im Spiel. Es gibt keinen populäreren Spieler der Amerikaner in China.

10:44 h: Technical Foul für Reyes, Kobe versenkt den Freiwurf. 39:38 für USA.

10:47 h: 45:31 mit einem Dreier von Kobe und noch sechs Minuten in der ersten Halbzeit.

10:48 h: Der populärste Basketballer handelt sich sein drittes Foul ein und muss wieder auf die Bank. Spanien mit 13 Turnovers. Wie hässlich.

10:51 h: Marc Gasol holt geschickt zwei Freiwürfe gegen Carmelo Anthony heraus. Nach dem zweiten rangelt Anthony mit einem anderen Spanier und bekommt Foul Nummer drei. Spielstand: 47:36.

10:53 h: Die Korbausbeute ist beachtlich. Das Spiel ist schnell. Die Amerikaner mit einem weiteren Dreier. Noch vier Minuten bis zur Halbzeit: 54:36.

10:56 h: LeBron James hat beschlossen, dauernd mit den Schiris zu diskutieren. Das kann nicht gut gehen. Diese Refs sind nicht US-freundlich. Während des Timeout redet der Sideline-Reporter über das spanische Schlitzaugen-Foto.

10:58 h: Zur Vorbereitung auf die Halbzeitpause erhalten wir die Werbespots, die uns durstig machen. Wie diesen:

10:59 h: 56:41 für die USA. Wenn die Fouls der Amerikaner nicht noch ins Gewicht fallen, bleibt das sehr einseitig hier.

11:05 h: Halbzeit in Peking – 61:45.

11:10 h: Die Medienlogik Amerikas: Das Vorrundenspiel im Basketball ist wichtiger als die 100 Meter in der Leichtathletik. Also muss man sich die Infos über den Sieger und den neuen Weltrekord hier besorgen (ganz weit unten bei den Kommentaren). Oder hier.

11:15 h: Jetzt doch Leichtathletik: Aber nur um die Spannung künstlich anzukurbeln. Man zeigt in einem eingespielten Beitrag Tyson Gay, der schon im Semifinale ausgeschieden ist. Was für eine miese Leistung. Hinterher kommt noch der Moderator mit der Ankündigung, dass das Halbfinale und Finale am Abend gezeigt werden – aus der Konserve. Da könnte einiges an Zeiten gelaufen werden, meint Jim Lampley, der das Resultat kennt. Verschweigen als Informationspolitik. Alles wie in China.

11:18 h: Anpfiff drittes Viertel.

11:24 h: Wie fahrig die Spanier spielen, kann man kaum beschreiben. Dauernd wird der riskante Pass probiert. Rudy Fernandez sitzt auf der Bank, nachdem er bei einem Sprung zum Korb aufs Steissbein geknallt ist. Er dachte, er sei gefoult worden. Die Zeitlupe lässt den Schluss zu, dass er beim Kampf um den Ball einfach die Balance verloren hat. 67:48.

11:26 h: Mal ein Wort zu den spanischen Trikots, die vorne die drei Buchstaben ESP mit einer schwungvollen Schrift präsentieren und in der Farbfolge rot-gelb-rot. Irgendwie denkt man an das Logo von ESPN und denkt: Sieht aus, als habe jemand einen Buchstaben vergessen. Hinten drauf: Vornamen statt Nachnamen. Wird das noch Trend?

11:29 h: Kobe Bryant muss nach Olympia noch unters Messer. Sehnenverletzung an einem Finger, die er schon lange mit sich herumschleppt. Interessiert sich jemand fürs Zwischenergebnis? Hier ist es: 74:55. Noch etwas mehr als vier Minuten auf der Uhr im dritten Viertel.

11:36 h: 80:60 mit zwei Minuten vor dem Ende des Viertels. Die Stimmung in der Halle ist schlapp. Das kommt davon, wenn zwei ungleiche Teams aufeinander treffen.

11:39 h: Marc Gasol, der die ganze Zeit schiebt und drückt, fängt sich sein viertes Foul unterm eigen Korb ein, als er gegen LeBron verteidigt. Geht auf die Bank.

11:47 h: 86:63 zum Beginn des vierten Viertels. Man interviewt Tina Thompson aus der US-Frauen-Nationalmannschaft, während die Redeemer wieder dem Ball hinterherlaufen. So interessant ist das Spiel....

11:51 h: Pflicht ruft. Post macht gleich zu. Ende der Durchsage für jetzt. Endergebnis später.

12:23 h: Nichts verpasst. Spannung gab's keine. 119:82 für die USA. Klarer geht's nicht. Ein erster Spielbericht aus Cleveland.

11. August 2008

Ein verräterischer Augen-Blick

Der Guardian, der das Foto ausgebuddelt hat und behauptet, es sei copyrightfrei (public domain), war dann doch ein wenig entsetzt über soviel Chuzpe (oder handelt es sich um machismo?). Das Bild lief als ganzseitige Anzeige in einer Sportzeitung. Aber dies ist Spaniens Jahr im Sport. Und so wächst das Selbstbewusstsein. Im Sport geht so etwas immer auf Kosten von anderen. Ob vordergründig oder hintenrum. Im spanischen Sport scheint Rassismus an der Tagesordnung. Die Zeitung nennt mehrere Beispiele (via deadspin).

Übrigens hätte der Golfer Sergio Garcia sicher gestern Padraig Harrington auch gerne eine Fratze geschnitten. Aber der Bursche zeigte erstaunlich viel Haltung, nachdem er bereits zum zweiten Mal in einem Jahr gegen denselben Mann um wenige Zentimeter ein wichtiges Turnier verloren hatte. Nach den British Open in Carnoustie 2007 (damals im Stechen), diesmal die PGA Championship in Oakland Hills. Harringtons Leistung – in Abwesenheit von Tiger Woods – ist bemerkenswert. Drei Siege bei den letzten sechs Majors. 'nuff said.

30. Juni 2008

Kunst und Katharsis

Am Tag danach hat in Deutschland eine Bestandsaufnahme stattgefunden, die angesichts der Geschwindigkeit, mit der diese Texte entstehen müssen, schlichtweg erstaunlich ist. Vor allem, wenn man die Gravitas berücksichtigt, die sich bei solchen Gelegenheiten einschleicht. Das muss man sich mal vorstellen: Da hat die liebste Mannschaft der Nation ein Match mit dem knappsten aller Ergebnisse mit 0:1 verloren. Und schon setzt es Analysen, die so tun, als sei Zeit für Katharsis.

Das Verlangen ist immer das Gleiche. Es entspringt dem Impuls einer enttäuschten Kritikergemeinde, die sich gewöhnlich sehr sachverständig und wohlwollend mit dem Fußball im Großen und im Kleinen beschäftigt. Aber nach den wochenlangen sorgenvollen Blicken über den Zaun am Rand des Mannschaftslagers im Tessin und dem permanenten Lugen durch die Ritzen dieses inszenierten Schweigens, bei dem jede Pressekonferenz und jedes Round-Table-Gespräch absolut nichts Neues produziert, mag der Kritiker nicht länger zurückhalten mit den Vorbehalten. Denn er weiß es und hat es schon immer gewusst, dass diese Niederlage symptomatisch und wegweisend zugleich war: "Die Probleme sind fundamentaler." (Ralf Köttker in der WELT). Vermutlich gibt es da nämlich mehr als jene "inneren Widersprüche und sportlichen Defizite" im Team, die Philip Selldorf (Süddeutsche Zeitung) erspäht hat. Mehr als den Irrglauben im Führungskader der Auswahl, wonach "Spiele schon allein aufgrund spielerischer und taktischer Klasse" gewonnen werden können (Michael Horeni in der FAZ). Es muss da noch irgendwo unter dem Rasen von Wien eine tiefe Wahrheit über die deutsche Mannschaft geben. Und die muss ausgebuddelt werden.

Nennen wir es den deutschen Reflex. Auch so eine Tugend wie die anderen, die im Rest der Welt gerne sterotyp den Nachkommen der Germanen zugesprochen werden. Und zwar Reflex im doppelten Sinne – als Nervenimpuls und als Ableitung von "Reflexion". In dem vorliegenden Fall gehören dazu Betrachtungen über Handlungsbedarf, allerlei Beschwerden, der Gestus des Analytischen und bei manchen auch das Insinuieren (etwa von massiven internen Meinungsunterschieden, die niemals als positiv bewertet werden. Meinungsunterschiede sind nach einer landläufigen Basisannahme professioneller Kritiker einfach Gift. Dialektik? Nein, danke.).

Wer vergessen hat, was Heinrich von Kleist mal in diesem Zusammenhang geschrieben hat, dem sei es noch einmal in Erinnerung gerufen: "Wir sehen, daß in dem Maße, als in der organischen Welt die Reflexion dunkler und schwächer wird, die Grazie immer strahlender und herrschender hervortritt." Der Umkehrschluss ist in diesem Zusammenhang noch reizvoller: Je mehr man bei der Betrachtung des Showgeschäfts aufs Nachdenken und auf Bespiegelungen verfällt, desto mehr verliert man den Blick für die Aufführung selbst.

Bei der Darbietung der deutschen Fußballer am Sonntag in Wien wäre dann doch wohl als allererstes mal festzuhalten, dass die Männer in Weiß-Schwarz wirklich nur Statisten waren. Mit anderen Worten: Sich mit ihnen zu beschäftigen und ihre mimischen Darbietungen zu charakterisieren oder auch noch gar zu interpretieren, wäre mithin so aussagestark wie die Kritik einer Aufführung der Verdi-Oper Nabucco, die sich hauptsächlich dem Gefangenenchor und seinen Mitgliedern widmet. In einem solchen Ensemble machen auch ganz ordentliche Sänger mit, aber um eine Analogie zu benutzen, die dem dogfood von allesaussersport abgeluchst ist: Im Chor landen jene, "die nicht die Werkzeuge und die Spielintelligenz" haben, "die im Spiel sich stellenden Probleme zu lösen": ein Solo hier, ein verdammt hohes C dort, eine Theatralik, die überzeugt, Timing, Einvernehmen mit dem Dirigenten des Orchesters etc.

Vielleicht klingt das komisch. Aber sollte man sich an einem solchen Tag nicht zuerst und überhaupt nur mit den wirklichen Stars auf der Bühne beschäftigen? Und herausfiltern, wo bei denen die Musik spielt und mit welchem Singsang die arbeiten? Auf der Suche nach deutschsprachigen Beiträgen, die sich vor und nach dem Finale mit dem spanischen Kunstwerk beschäftigen haben, konnte man tatsächlich so einiges lernen (Vielleicht kapieren es die nächste deutsche Nationalmannschaft und der DFB und der Jogi noch rechtzeitig vor der kommenden WM, vielleicht auch nicht):

"Tatsächlich ist Spaniens Kurzpassfußball allenfalls auf den ersten, oberflächlichen Blick selbstverliebt. In Wirklichkeit wissen sie ihn taktisch exzellent einzusetzen....Keine Elf bei der EM ließ weniger Torchancen zu...." Ronald Reng in der Financial Times

"Wir haben diesen Kader seit vielen Jahren verfolgt... Fàbregas machte als U17-Spieler bei einer unserer Endrunden erstmals auf sich aufmerksam. Wir haben verfolgt, wie die spanische Mannschaft den letzten U17-Wettbewerb in der Türkei gewonnen hat und es war eine der besten Leistungen, die ich je von einer Jugendmannschaft gesehen habe. Die Spanier werden weiterhin versuchen, die nächste Generation weiterzuentwickeln.....Man muss den Spanischen Fußballverband loben. Sie haben mit viel Arbeit und Einsatz die Spieler weiterentwickelt. Gestern Abend haben sie an ihrer Philosophie festgehalten, sie haben nicht versucht, etwas zu ändern. Sie sind nicht besonders groß gewachsen, deshalb muss man schnell, intelligent und technisch begabt sein.... Ihre Spielweise ist fantastisch kreativ. Es geht dabei um technische Qualitäten, Ballbesitz, brillante Kombinationen, und die Fähigkeit, selbst unter enormen Druck den Ball behaupten." Andy Roxburgh, Technischer Direktor der UEFA.

"Sie beherrschen unterschiedliche Formen des Angriffspiels. Als Konter-Kombinierer sind sie zu überfallartigen Angriffen genauso in der Lage wie zu geduldigen Passfolgen, bis ein Loch in der gegnerischen Abwehr gefunden ist. Ja, die Mannschaft von Aragonés kann sogar das schnelle und langsame Spiel in einem Angriffszug miteinander verbinden, den frühen Pass und den ganz späten." Christoph Biermann auf SpOn.

"Wir sind die Besten!“ tönt das Sportblatt Marca. „Klar schaffen wir das!“, heißt es bei As, Unterzeile: „Spanien erhebt den Fußball in den Rang der Schönen Künste.“ Dort also wollen sie hin, ins Museum, in die Kulturgeschichte. Ein höheres Ziel hatte noch niemand." Paul Ingendaay, FAZ.