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5. Juli 2010

Meine Fresse

Aus der Serie "Wenn die andern feiern" kommt heute das Video der von der Begeisterung über ein einziges Tor. Die Hauptdarsteller: zwei völlig übermannte spanische Kommentatoren, die sich über das 1:0 von Villa gegen Paraguay nicht mehr einkriegen können. Einer von denen ist der gute José Antonio Camacho Alfaro, der einst bei Real Madrid als Verteidiger spielte und nach dem Ende der Karriere als Trainer viele Jobs inne hatte. Zu den Stationen gehörten die spanische Nationalmannschaft und irgendwann auch wiederum Real Madrid. Camacho arbeitet in Südafrika als Fernsehkommentator für den spanischen Sender Telecinco. Und das ganz sicher ohne Gefahrenzulage.

4. Juli 2010

Ein Spiel, das mir nicht vertraut ist

Heute ein paar Anmerkungen über die Ereignisse im fernen Südafrika, wo eine deutsche Fußballnationalmannschaft einen Fußball spielt, dem man mit einer Anleihe aus dem amerikanischen Golf am nächsten kommt. Es ist der Satz, mit dem der legendäre Bobby Jones den jungen Jack Nicklaus beschrieb und den der alte Jack Nicklaus zitierte, als er über Tiger Woods sprach: ''He plays a game which I am not familiar with."

Es wäre schön, wenn wir im deutschen Fußball auch solche Grandseigneure hätten, die mit derart einfachen Mitteln den Generationen- und Klassenunterschied beschreiben würden, der sich in einer Golfnation wie den USA etwa alle dreißig Jahre abspielt. Aber in der Fußballnation Deutschland wird das kollektive Gedächtnis im entscheidenden Moment von Männern wie Franz Beckenbauer usurpiert. Dessen One-Liner sind bestenfalls zum Kichern und inzwischen Stoff für Parodisten.

Dabei waren mal gerade dieser Franz Beckenbauer und die ziemlich junge deutsche Mannschaft bei der WM 1966 eine ähnliche Offenbarung wie Jogis Jungs von 2010. Qualifiziert hatte man sich nur knapp (in Beckenbauers allererstem Länderspiel). Aber beim Turnier in England nahm diese auch taktisch modernisierte Mannschaft (im 4-3-3) Fahrt auf. Heute reden alle nur noch vom Wembley-Tor. Man wünschte sich, die Leute würden mehr von Beckenbauers Toren und von Helmut Hallers Blick fürs Spiel und seine Nebenleute reden. Und davon, dass diese Mannschaft einer Once-in-a-Lifetime-Gruppe von erlesenen englischen Spielern mehr als ebenbürtig war. Wolfgang Overath war damals 22, genauso wie Horst-Dieter Höttges. Sigi Held war 23 und hatte erst im Frühjahr 1966 zum ersten Mal eine Berufung erhalten. Wolfgang Weber war ebenfalls erst 23. Es war der Ausgangspunkt für jene kleine Fußball-Sinfonie, die mit dem Europameistertitel 1972 und dem WM-Titel 1974 ihre ganz beachtlichen Schlussakkorde produzierte.

Zurück zur Gegenwart (aber mit einem kleinen Schlenker). Der Sieg gegen Argentinien zeigte einen ähnlichen Quantensprung im deutschen Fußball an wie der Auftritt jener Mannschaft Mitte in den sechziger Jahren. Diese neue Generation von Spielern und die verantwortlichen Leute im Hintergrund haben das Zeug, sich nicht nur den Titel zu holen, sondern das auch noch mit Glanz zu tun (anders als diese grauenvoll anzusehenden Zweckmäßigkeits-Kicker der Jahre 1982, 1986, 1990 (und auch 2002). Zu den Weltmeistern von 1990 fällt mir immer nur diese eine Anekdote aus Hawaii ein, wo ich ein paar Jahre danach zufällig mit Pierre Littbarski im selben Hotel wohnte und im Interview den Faux-Pas produzierte und ihm sagte, er habe ja leider noch nie einen WM-Titel gewonnen. Natürlich hat er protestiert. Und ich war der Blamierte. Ich traute mich nicht, ihm zu sagen, weshalb mir das passiert war: Diese Mannschaft von 1990 hatte einfach nichts geleistet, was einem im Gedächtnis hängen geblieben war.

Wenn übrigens jemand schon nach diesen zwei Erfolgen gegen England und Argentinien davon spricht, es handle sich um die beste deutsche WM-Mannschaft aller Zeiten, der sollte bitte mal ins Archiv gehen und nach den Filmen von 1954 fahnden. Das Team besiegte damals im Halbfinale in Lausanne die favorisierten Österreicher mit 6:1 und produzierte im Endspiel in Bern gegen Ungarn eine phänomenale Leistung. Sollten Jogis Jungs allerdings ebenfalls Weltmeister werden, kann man die Vergangenheit auch ruhen lassen. Dann gehören sie sicher auf Platz eins in der ewigen Bestenliste.

Was in den vielen Betrachtungen über die Spiele und die Leistungen des Teams untergeht: Die FIFA-Statistiken zeigen an, dass keine Mannschaft schneller läuft. Das wäre abgesehen von der exzellenten Ballbeherrschung sicher einer der Gründe, weshalb man Gegner mit schwacher Antizipation schlecht aussehen lässt. Auffällig allerdings auch: Im Spiel gegen Ghana auf knapp 2000 Metern Höhe in Johannesburg wirkten alle müde. Auf Meereshöhe in Kapstadt und Durban scheinen sich hingegen die roten Blutkörperchen richtig gut auszutoben. Das Quartier liegt auf rund 1300 Metern. Da holt man sich die Reserven.

Übrigens haben andere Mannschaften diese Ausgangslage sicher auch im Blick gehabt. Argentinien hatte sein Quartier ebenfalls auf 1300 Meter Höhe. Und auch Spanien residiert in dieser Zone. In der Vorbereitung gingen die Mannschaften unterschiedlich mit der Herausforderung um. Eines der Probleme eines ständigen Pendelns zwischen oben und unten, sagt Dr. Andreas Rosenhagen, angeblich laut Die Welt ein Experte für Höhentraining im Profisport (was sich über Google irgendwie nicht abstützen lässt): "Wer aus der Höhe ins Tal kommt, kann die Leistungsfähigkeit nach ein bis zwei Tagen abrupt abfallen." (sic!)

Von der Höhe, auf der Thomas Müller gerade spielt, scheint er nichts gewusst zu haben.

P.S.: Die WM hat eine neue Generation von Fußballbegleitberichterstattung etabliert, die sich schon seit einer Weile anbahnte und ankündigte. Die neue Qualität: Es geht nicht mehr ohne das Rundum-Programm von allesaussersport, die Hintergrundinformationen von Jens Weinreich und die Einschätzungen von Spiel und Mannschaft aus der Feder von Oliver Fritsch auf Zeit Online.

2. Juli 2010

Patentrezept fängt mit Pate an

Die Nachrichten aus Australien über den Versuch, mit sehr viel Geld und sehr viel öligen Fingern den Zuschlag für die WM 2022 zu bekommen, bewegen sich langsam um den Globus in die richtige Richtung. Den besten Eindruck von den beteiligten Personen bekommt, wer sich bei Jens Weinreich einliest. Aber auch diese Geschichte im Guardian ist nützlich. Weniger wegen der Informationen als vielmehr als Signal. Nun warten wir auf die Amerikaner und die Arbeit von deren investigativen Sportjournalisten, die sich zuletzt zumeist auf Doping-Themen konzentriert haben. Die New York Times, die New York Daily News und ESPN haben inzwischen allesamt Reporter unter Vertrag, deren Ehre darin besteht, die vielen Facetten des Sportbetrugs aufzudecken. Der Grund für deren Interesse an dem Stoff ist bekannt. Die Amerikaner sind die aussichtsreichsten Konkurrenten der Australier für 2022 und haben eine stattliche Zahl an Promis aufgeboten, um sich in Szene zu setzen. Das Hauptargument: Riesige Stadien, die allesamt ausverkauft sein werden, und eine gute Organisation. Weitere Informationen zu den Bemühungen der Amerikaner gibt es in einem Text, den ich vor der WM für ein Dossier der Bundeszentrale für politische Bildung geschrieben habe.

30. Juni 2010

Der Klingelbeutel: Alle reden über LeBron. Nur Jon Stewart redet über Fußball

Die Uhr tickt langsam auf Mitternacht zu. Was in dieser Nacht Millionen von Leuten in den Bann schlägt. So wie an Silvester. Die NBA öffnet nämlich mit dem 1. Juli offiziell die Schleusen, damit sich endlich alle Clubs um die bereit stehenden Free Agents prügeln können. Der Preis ist heiß. Die meisten wollen wissen, was LeBron James machen wird. Bleibt er in Cleveland? Geht er in eine andere Stadt? Aber auch aus deutscher Sicht produziert die Sache ein bisschen Spannung. Wenn er wirklich wollte, hätte Dirk Nowitzki hervorragende Chancen, endlich einen Schlussstrich unter die zwölf enttäuschenden Jahre in Dallas zu ziehen und sich einem besseren Team anzuschließen. Eines mit LeBron James zum Beispiel. Oder auch eins mit Dwayne Wade. Hinweis: Zu dieser Gemengelage gibt es in der Donnerstagausgabe der FAZ einen ausführlichen Bericht (Nachtrag: steht jetzt auch online zur Verfügung). Hier ein Foto der beiden zusammen nach einem Spiel gegeneinander. Hier eines im Zweikampf unterm Korb.

• Jon Stewart hat heute seine gesamte Daily Show dem Fußball und der WM gewidmet. Im Studio waren Landon Donovan und Bob Bradley, die beide ein gewisses Leuchten abstrahlen. Was irgendwie komisch ist für Leute, die im Achtelfinale ohne vernünftige spielerische Ideen aus dem Wettbewerb gekegelt wurden. Stewart war im Studium Mitglied der College-Mannschaft und versteht sich als Botschafter der Sportart in den USA, wo nach dem Aus der eigenen Mannschaft das Interesse abgeflacht ist. So jemand fragt nicht wirklich kritisch nach und gibt der aufkeimenden Begeisterung für Fußball keinen Dämpfer.

Immerhin fand die Mannschaft mit dem Ghana-Spiel am Samstag zuhause einen überraschend großen Zuschauerzuspruch. Das Match erzielte nach Recherchen der Los Angeles Times eine Rekordeinschaltquote. 4,5 Millionen der insgesamt 19,4 Millionen amerikanischen Fernsehzuschauer sahen die Begegnung auf dem spanischen Kanal Univision. Der hatte den Vorzug, dass dort nicht ein gewisser John Harkes als Co-Kommentator im Einsatz war. Der Ex-Nationalspieler ist die einzige US-Stimme unter den vielen kompetenten Engländern an den Mikrofonen für ESPN und ABC und ein Seifenblasen-Produzent ersten Ranges.

22. Februar 2010

"...und eine schicke Zwischenlandung in Dubai"

Tief in seiner neuen Kolumne bei si.com hat Grant Wahl eine überraschende Petitesse versteckt:

"...imagine my surprise last week when I received offers for two all-expenses-paid trips (flights, hotels, meals) to South Africa: one in March by the South African World Cup organizing committee, and the other in April by official sponsor airline Emirates. (That one included business-class seats and a posh stop-over in Dubai.) Just so you know, SI has an ethics policy that forbids accepting such freebies, but the perks on offer are mind-blowing...."

Mal abgesehen, dass es Journalisten durchaus immer wieder solche Einladungen erhalten und auch annehmen, weil sie im Unterschied zu dem strengen Reglement im Verlag Time-Warner (zu dem Sports Illustrated gehört) nicht an solche Vorschriften gebunden sind: Wie nötig haben die Leute vom WM-Organisationskomitee und die Leute von der Sponsor-Luftverkehrsgesellschaft solche Public-Relations-Initiativen? Geht schon jetzt die Furcht bei den Verantwortlichen umher, dass die WM in Südafrika ein Schlag ins Prestige-Kontor wird, so dass man vorsorglich schon mal gutes Wetter machen will? Im selben Artikel kündigt Wahl übrigens an, dass sein Magazin vier Reporter zur WM schicken wird, so viele wie noch nie. Was sicher gerechtfertig ist, angesichts der Informationspipeline si.com und deren Konkurrenzsituation im Kampf gegen ESPN, Yahoo und FoxSports.

11. November 2009

Fußball-Power-Index: Silver sieht Gold

Wenn man bei der Präsidentschaftswahl vor einem Jahr den Ausgang der Abstimmung in 49 von 50 Staaten richtig vorausgesagt hat und das mit dem Hinweis auf eine kluge Auswertung vorhandener statistischer Daten begründen konnte, sollte man keine Zeit verschwenden und sich größeren Aufgaben zuwenden. Schließlich findet im nächsten Jahr die Fußball-Weltmeisterschaft statt. Eine Veranstaltung, bei der nur wenige der 32 Mannschaften ernsthaft für einen Titelgewinn in Frage kommen. Je weniger Aspiranten von echtem Schrot und Korn, desto leichter lässt sich das Thema zu einer prickelnden Versimplung zuspitzen: Wer wird es denn diesmal, wenn nicht Brasilien, Italien, Frankreich oder Deutschland?

Das weiß Nate Silver zu diesem Zeitpunkt natürlich auch noch nicht. Trotzdem hat er schon mal die Eckdaten für seinen Soccer Power Index zusammengetragen, der online von ESPN unters Volk gestreut wird. Natürlich kann man sich fragen, was denn wohl Nate Silver für statistische Werte abgreift und ob die Eckdaten einer seriösen Prüfung stand halten. Klar ist vermutlich nur eines: dass die Konkurrenz, die FIFA-Rangliste, einem überhaupt keine Anhaltspunkte über die relative Spielstärke einzelner Nationalmannschaften gibt. Weshalb eigentlich fast jede andere Auflistung zumindest genauso aussagerkäftig ist. Hier mal ein paar Beispiele, wie weit Silvers Kalkulationen die Tabelle durcheinanderwirbelt:

FIFA hat England auf sieben, Chile auf 17 und Uruguay auf 25. Silver, der sich einst im statistikbesessenen Baseball einen Namen gemacht hatte, gibt England den dritten Platz, Chile den achten und Uruguay den zehnten. Italien sackt vom vierten auf den zwölften Rang. Jogis Jungs werden auf dem sechsten Platz geführt, eine Position schlechter als in der FIFA-Liste. Das Silver-System berücksichtigt mehr als nur die Resultate der Spiele von Nationalmannschaften. Es bemuht sich auch um eine Gewichtung der Leistungen von Stammspielern im Rahmen ihrer Arbeit auf Clubebene in vier europäischen Ligen – England, Spanien, Italien und Deutschland. hier ist die aktuelle Tabelle. Und hier die Geschichte über Silver im Wall Street Journal.

16. September 2009

US-Liga pausiert während der WM

Major League Soccer hat eingesehen, dass es keinen Sinn hat, die reguläre Saison weiterlaufen zu lassen, wenn WM ist. Abgesehen davon, dass amerikanische Spieler in Südafrika dabei sein werden (die Qualifikation vorausgesetzt), die in der Liga fehlen würden, ist da ein simpler Konkurrenzfaktor. Die Spiele werden live in den USA übertragen, wo sich mehr und mehr Fans dafür interessieren. Zu denen gehören auch die Fans der spanisch sprechenden Minderheit, die zum Kern der Anhängerschaft von MLS-Teams gehören. Nun fehlt irgendwann nur noch ein Schritt – und der wäre mehr als angebracht: die Umstellung der Saison von der jetzigen Sommerperiode auf einen Kalender, den der Rest der Welt beherzigt. Vermutlich wird das nicht so einfach sein, solange man noch auf Football-Stadien angewiesen ist. Aber auch in diesem Bereich macht die Liga Fortschritte. Red Bull Arena vor den Toren von New York mit einer Kapazität von 25.000 Zuschauern wird im kommenden Frühjahr fertig sein.

2. Juli 2009

ESPN tanzt mit

ESPN ist es am Sonntag mit der US-Fußballnationalmannschaft ein bisschen wie dem Mädchen im Sterntaler-Märchen ergangen. Es regnete zwar kein Gold, aber dafür jede Menge Zuschauer. Das Spiel gegen Brasilien brachte fast vier Millionen an die Bildschirme. Eine Quote, die beinahe alle alten WM-Bestleistungen des Senders geschlagen hätte. Nun muss die Disney-Filiale nicht zwingend in Quoten rechnen, weil man dank des Finanzierungsmodells aus den Kabelgebühren, die aus den Taschen der Zuschauer kommen, und Werbung, ohnehin im Geld schwimmt. Außerdem hat man beginnend mit der EM eine preiswerte eurosportartige Übertragungskultur pefektioniert (die beiden Kommentatoren sitzen in Bristol/Connecticut am Monitor und nicht vor Ort). Trotzdem war die Angelegenheit signifikant. Denn der Confederations Cup hatte wenig mediale Begleitmusik. So war die Quote beim überraschend klaren Erfolg gegen Spanien noch relativ niedrig. Aber der Sieg machte selbst schlafmützige Zeitungen wach und neugierig auf mehr.

Für ESPN war das alles vor allem deshalb von Bedeutung, weil man die WM in Südafrika im kommenden Jahr mit sehr viel Aufwand abfeiern wird. Der Worldwide Leader will zeigen, dass er kompetent mit Fußball umgehen kann, um gegenüber potenziellen Rechtepartnern wie der Premier League letzte Zweifel auszuräumen, dass man bei den Amerikanern in schlechten Händen wäre. Teil des Aufwands ist ein reizvolles Projekt, über das Sports Illustrated jetzt ein paar Dinge verriet: "Zu den geplanten Features gehören Interviews von John Battsek und Michael Davies, zwei Producern hinter Once In A Lifetime, dem Dokumentarfilm über den Aufstieg und Fall von Pelé und den New York Cosmos aus dem Jahrt 2006, mit jedem noch lebenden Spieler, der ein Tor im WM-Finale geschossen hat (ESPN will aus den Interviews einen Dokumentarfilm machen)."

Nicht alle Kicker stehen für so etwas gerne zur Verfügung. Einige wollten Geld haben. Zu denen gehört sicher auch Pelé, der sich schon dem Cosmos-Projekt aus diesem Grund verweigerte. ESPN will jede teilnehmende Mannschaft übrigens in Form eines ausführlichen Einzelporträts vorstellen. Das klingt ziemlich klug. Denn andere Länder werden diesen Produktionsaufwand nicht finanzieren können und so vermutlich Verwertungsrechte an dem Material kaufen. So spielt der Sender womöglich für diesen außerordentlichen Extra-Aufwand sogar noch die Kosten wieder ein. Hier mein Lieblingsausschnitt aus dem Cosmos-Film: Franz Beckenbauer spricht über Rudolf Nurejew.

Ungeklärt bleibt die Frage: Wie hat der junge Beckenbauer eigentlich damals "andere Fakultät" auf Englisch übersetzt?

18. März 2009

Frauen-Liga startet auf Sparflamme

In den USA beginnt in diesen Tagen die Wiederbeatmung des Ligafußballs der Frauen. Das alte Projekt – genannt WUSA – hatte ruckizucki ganz viel Geld verbrannt und wurde eingestellt. Das Geld reichte immerhin für ein paar Sommeraufenthalte von mehreren deutschen Spielerinnen wie Doris Fitschen und Birgit Prinz. Die neue Version auf Sparflamme – Women's Professional Soccer – kommt ohne solche hochkarätigen Gastarbeiterinnen aus. Die Ausländerinen kommen diesmal hauptsächlich aus Brasilien. Die Frau, die uns hier vor einer Weile beschäftigte, nämlich die amerikanische Nationaltorhüterin Hope Solo, spielt in St. Louis. Einer der Investoren ist der NBA-Profi Steve Nash (Phoenix Suns), der privat am liebsten dem Fußball hinterherläuft.

Übrigens: die Amerikaner haben noch größere Pläne. Sie haben sich offiziell für die Ausrichtung der WM 2018 oder alternativ 2022 beworben. Dass es bereits 2018 klappen wird, ist mehr als unwahrscheinlich. Erstens weil 2014 Brasilien Ausrichter sein wird, was von der Zeitzonen-Dimension her (und damit fürs Fernsehen relevant) in der gleichen Achse liegt wie die Vereinigten Staaten. Außerdem ist England Kandidat und damit auf jeden Fall der Favorit für alle Romantiker. 2022 wiederum sieht die Sache schon viel besser aus.

11. Februar 2008

Nichts für angegriffene Herzen, wenn Deutschland spielt

Es klingt plausibel und alarmierend zugleich: Wissenschaftler, die sich das Datenmaterial aus den vier Wochen der Fußball-WM 2006 angeschaut haben, haben einen Zusammenhang zwischen den Spielen und der Anzahl der Herzinfarkte festgestellt. Die Untersuchung wurde inzwischen vom New England Journal of Medicine publiziert und erhielt damit das Siegel akademischer Akzeptanz. Die Erhebung fand heraus, dass immer dann, wenn die deutsche Mannschaft im Einsatz war, die Notärzte im Schnitt zu dreimal so vielen Männern gerufen wurden wie sonst und zu zweimal so vielen Frauen.

Das Auf und ab der Zahlen während des Turniers spiegelt sogar die Anforderungen wieder, denen sich Klinsmanns wackere Jungs ausgesetzt sahen. Am Abend des Polen-Spiels war weit mehr los als gegen Equador, als das Team auf dem Papier bereits eine Runde weiter war. Der Argentinien-Tag war Stress pur für die Zuschauer mit kardiologischen Befunden. Das Spiel gegen Italien brachte erneut einen Anstieg der Notfälle.

Die Autoren der Studie glauben nicht, dass es für die medizinische Seite von Bedeutung war, wie gut oder schlecht die deutsche Mannschaft spielte, sondern einfach nur wie spannend die Begegnungen waren. Spekulativ und voreilig sind aber die Rückschlüsse von Dr. Gerhard Steinbeck von der Ludwig-Maximilian-Universität in München, der an der Auswertung beteiligt war: "Ich kenne den Super Bowl ein wenig", sagte er der Agentur Associated Press. "Es ist nachvollziehbar, dass dann etwas ähnliches passiert." Er kennt ihn wohl zu wenig. Und die lockeren amerikanischen wohl noch weniger. Wenn deren Pumpe am Super-Bowl-Sonntags ausfällt, dann wegen zu viel Alkohol oder fettiger Ernährung. Kaum eine Mannschaft hat Fans, die bei diesem Spiel vor Spannung ganz vorne auf der Stuhlkante hin- und herschrubbern. Die vielen Unterbrechungen und Pausen machen selbst ein spannendes Football-Spiel wie zuletzt in Phoenix noch zu einer zerebralen Veranstaltung.

Das ist übrigens einer der Gründe, weshalb die Fußball-WM die populärere Sportveranstaltung ist. Da schlagen die Herzen einfach höher...

30. September 2007

Seltene Juwelen


Wenn die anderen feiern: Eine akzeptable Betrachtung aus brasilianischer Sicht zum Finale der Frauenfußball-WM enthält diesen interessanten Verweis auf die Geschichte der Männernationalmannschaft:
"Der Weg, durch den die Männer den Minderwertigkeitskomplex Ende der füjnfziger Jahre überwanden und zur größten Nationalmannschaft in der Welt wurden, war ähnlich wie hier. Es brauchte traumatische Niederlagen wie bei der WM 1950 [im eigenen Land] und eine Generation mit Talenten wie Pelé, Garrincha, Didi and Vavá. Diese Mannschaft hat Talent. Marta, Cristiane, Daniela sind allesamt seltene Juwelen. Und jetzt haben sie die unvergessliche Niederlage. Wenn diese Mädchen mal einen Titel gewinnen, dann zieht euch warm an. Brasilien wird die größte Nation im Frauenfußball."
(The Offside)

Zum Video: Es zeigt die Highlights mit dem amerikanischen Originallive-Kommentar. Der Elfmeter kommt erst bei 3:00 Minuten.

29. September 2007

Der Klingelbeutel: Ein Solo für Hope

Das deutet noch keine Epidemie an, was die beiden belgischen Tennisspieler da über Bestechungsgelder erzählt haben. Aber es signalisiert einen Trend. Der wurde durch die Dawidenko-Geschichte von neulich mit dem ersten prominenten Fall ans Tageslicht gebracht.

Amerika, Land der unbegrenzten Schadensersatzsummen, produziert jede Woche ein paar Verrückte, die sich mit solchen Meldungen in die Schlagzeilen hieven: Ein Dauerkartenbesitzer der New York Jets will die New England Patriots verklagen, weil ihr Trainer regelwidrig Videoaufzeichnungen von der gegnerischen Trainerbank gemacht hat und ausgerechnet bei einem Match gegen die Jets erwischt (und von der Liga bestraft) wurde. Die Summe? 184 Millionen Dollar.

Die Amerikaner wollen sich ernthaft um die Ausrichtung der Fußball-WM 2018 bewerben. Das hat Verbandspräsident Sunil Gulati in Schanghai unterstrichen. Und danach hat er von Don Sepp, dem Granden der FIFA, vernommen, dass sich der wünscht, dass China als potenzielles Ausrichterland gegenhält. Wer da wohl den kürzeren zieht? Das kleinere oder das größere Land? Wenn Blatter allerdings noch solange FIFA-Präsident sein sollte, muss man befürchten, dass die Association bis dahin implodiert. Noch zehn Jahre eines solchen verlustträchtigen Regimes hält keine Organisation aus. Und die WM von Südafrika, die ein Desaster werden könnte, steht erst noch vor der Tür. Übrigens streiten sich Kanada und Deutschland um die Frauen-WM 2011. Australien und ein südamerikanisches Land mit vier Buchstaben wollen mitbieten.

Das Foto zeigt übrigens amerikanische Fußballerinnen in besseren Tagen, als man sich für Werbepartner Nike in Positur warf und hoffte, in China zum dritten Mal Weltmeister zu werden. Das Spiel um den dritten Platz gegen Norwegen am Sonntag symbolisiert eine Zäsur. Die Mannschaft hat beschlossen, ihre Nummer eins im Tor vom Spiel auszuschließen, weil sie sich nach der Niederlage gegen Brasilien offenherzig darüber beklagt hatte, dass sie ohne erkennbaren Grund nicht vom Trainer aufgestellt wurde. Hope Solo - der Name scheint wirklich Programm - erklärte unter anderem, dass sie die Tore verhindert hätte. Und dass 2004 vorbei sei, eine Anspielung an den Goldmedaillengewinn der USA in Athen, wo ihre sehr viele ältere Nebenbuhlerin Brianna Scurry zwischen den Pfosten gestanden hatte. Während es unmittelbar nach der Brasilien-Pleite so aussah, als könne sich Coach Greg Ryan einen neuen Job suchen, wirkt nun alles so, als habe man den Sündenbock für die Niederlage gefunden: die Frau, die alles hält, bloß nicht ihren Mund.

21. Februar 2007

Amerikaner wollen Fußball-WM 2018 ausrichten

Der amerikanische Fußballverband hat die Absicht, sich um die Fußball-WM 2018 zu bewerben. Und zwar mit einem Hintergedanken: Man will der FIFA schon jetzt signalisieren, dass man notfalls bereits 2014 einspringen kann. Irgendetwas sagt den US-Funktionären, dass dem noch nicht benannten südamerikanischen Land (voraussichtlich Brasilien), am Ende die Puste ausgehen könnte. Die Vereinigten Staaten hatten 1994 zum ersten und bisher einzigen Mal eine Weltmeisterschaft ausgerichtet - mit einigermaßen Erfolg, vor allem was die wirtschaftliche Seite angeht (Zuschauerschnitt: 68.991 pro Spiel). Präsident Sunil Gulati hat das Gefühl, dass sich das noch steigern lässt, vor allem, was die Atmosphäre betrifft. "Wir sind mehr ein Teil des internationalen Sports als 1994", sagte er nach Angaben von ESPNSoccernet. Die WM legte das Fundament zur Gründung von Major League Soccer und eine bessere Jugendarbeit. Die Entwicklung ist inzwischen weiter gegangen. Die Liga hat für den Bau einer Reihe von mittelgroßen speziellen Fußballstadien gesorgt. Weitere architektonisch reizvolle Football-Arenen ständen ebenfalls zur Verfügung - in Städten wie Seattle, Houston, Detroit und Glendale, einem Vorort von Phoenix.