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2. Juli 2010

Patentrezept fängt mit Pate an

Die Nachrichten aus Australien über den Versuch, mit sehr viel Geld und sehr viel öligen Fingern den Zuschlag für die WM 2022 zu bekommen, bewegen sich langsam um den Globus in die richtige Richtung. Den besten Eindruck von den beteiligten Personen bekommt, wer sich bei Jens Weinreich einliest. Aber auch diese Geschichte im Guardian ist nützlich. Weniger wegen der Informationen als vielmehr als Signal. Nun warten wir auf die Amerikaner und die Arbeit von deren investigativen Sportjournalisten, die sich zuletzt zumeist auf Doping-Themen konzentriert haben. Die New York Times, die New York Daily News und ESPN haben inzwischen allesamt Reporter unter Vertrag, deren Ehre darin besteht, die vielen Facetten des Sportbetrugs aufzudecken. Der Grund für deren Interesse an dem Stoff ist bekannt. Die Amerikaner sind die aussichtsreichsten Konkurrenten der Australier für 2022 und haben eine stattliche Zahl an Promis aufgeboten, um sich in Szene zu setzen. Das Hauptargument: Riesige Stadien, die allesamt ausverkauft sein werden, und eine gute Organisation. Weitere Informationen zu den Bemühungen der Amerikaner gibt es in einem Text, den ich vor der WM für ein Dossier der Bundeszentrale für politische Bildung geschrieben habe.

16. August 2009

Olympic Network: Rückzieher der Amerikaner

Der NOK-Chef der Vereinigten Staaten hat in Berlin im Gespräch mit IOC-Chef Jacques Rogge einen taktischen Rückzieher gemacht. Das wird aus einer E-Mail deutlich, die soeben kurioserweise vom Chicagoer Bewerbungskomitee herausgegeben und an die Journalisten im Verteiler verschickt wurde. Man wolle nichts ohne die Zustimmung der IOC machen, versicherte Larry Probst, der Vorsitzende des NOK.

Der Streit dreht sich um eine Initiative der Amerikaner, in den USA zusammen mit dem Kabelanbieter Comcast einen eigenen Sportfernsehkanal zu eröffnen, der Olympic Network heißen soll. Als das Projekt vor einem Monat bekannt wurde, gab es nicht nur Widerspruch von NBC, dem Sender, der seit vielen Jahren für extrem viel Geld die amerikanischen Übertragungsrechte von den Olympischen Spielen besitzt. Auch beim IOC meldeten sich die Beschwerdeführer, die darauf aufmerksam machten, dass ein NOK (egal welches) aus eigener Kraft und im Alleingang so gut wie gar nichts darf, sobald die Markenrechte des IOC betroffen sind.

Die Angelegenheit wäre für sich genommen nur halb so interessant, wenn da nicht diese anhaltende Kontroverse um die Verteilung der Sponsoren und Fernsehlizenzen wäre, die den Amerikanern einen überproportional relativ hohen Anteil zubilligt (Begründung: aus den USA kommt auch überproportional mehr Geld in den großen Topf). Die anderen NOKs wollen mehr. Das USOC will nichts abgeben. Verkompliziert wird die Angelegenheit noch dadurch, dass sich Chicago um die Austragung der Sommerspiele 2016 bemüht und jedweder Gegenwind die Kandidatur gefährdet, Die Entscheidung wird im Oktober in Kopenhagen getroffen.

Hinweis in eigener Sache: Mehr zum Hintergrund der Entwicklungen und der Idee eines eigenen Fernsehkanals in einem Radiobeitrag, den ich im Juli für den Deutschlandfunk produziert habe.

29. Juli 2009

Sehnsucht nach dem kleinen Karo

Wenn man mal in Cooperstown und in der Baseball Hall of Fame gewesen ist, versteht man die besondere Stellung der Sportart in der amerikanischen Mythologie. Eine kleine, herausgeputzte Stadt am See in einer attraktiven Mittelgebirgslandschaft, die provinziell und traditionell zugleich wirkt, ist das perfekte Passepartout zu jener Mythologie wie sie von solchen kuriosen und gleichzeitig populären Politikern wie Sarah Palin beschworen wird. Die Mehrheit der Amerikaner mag in großen Städten wie New York und aufgedunsenen Agglomerationen wie Los Angeles und den in den Sand gebaggerten exurbanen Ausläufern von Metro-Wohnmaschinen wie Phoenix, San Diego oder Atlanta leben – die Idee, dass das real America, also das echte Amerika, woanders zuhause ist, lässt sich davon nicht beeinflussen. Die Sehnsucht nach dem kleinen Karo in einem so großen Land. Ja, die gibt es. Und sie ist stark.

Es gibt Vorläufer für diese Beharrlichkeit, die zeigen, dass man in den USA unter Selbstreflektion eben nicht so etwas versteht wie Vergangenheitsbewältigung, sondern so etwas wie eine geschönte und gefönte Nachbearbeitung der Realität. Geschichtsbewusstsein kommt so nicht zustande. Man denke nur an den langen Lauf der Cowboy-Filme in Hollywood und im Fernsehen. Bis in die siebziger Jahre wurde ohne Unterlass dieses Genre-Bild gefüttert, das zu dem Zeitpunkt mehr als hundert Jahre alt war und (von wenigen Ausnahmen abgesehen) zu keinem Zeitpunkt den authentischen Westen abzubilden versucht hatte, im gleichen Atemzug aber roboterhaft alle Klischees von Gut und Böse durchratterte.

Wie angenehm zu lesen, dass es im selben Land durchaus Stimmen gibt, die die Luftblase der Wohlanständigkeit und den aufgetragenen Lack des Klischees zum Platzen bringen. Konkret: Das Buch Cooperstown Confidential: Heroes, Rogues and the Inside Story of the Baseball Hall of Fame von Zev Chafets. Mit dem Anstrich "Confidential" produziert das Buch allerdings Erwartungen, die es nicht einlöst. Da wird nichts enthüllt, was nicht bereits bekannt wäre. Sondern einfach nur kompakt zusammengetragen, was oft gerne unter den Teppich gekehrt wird: Dass zu den in Cooperstown geehrten Baseballspielern Leute gehören, die als Drogenhändler verurteilt wurden oder sogar zugegeben haben, dass sie die Regeln ausgetrickst haben, um es in dieses Walhall der Sportart zu schaffen. Das passt übrigens ganz gut zu den aktuellen Diskussionen über die eventuelle Rehabilitation von Pete Rose (der als Trainer auf den Ausgang von Majore-League-Spielen gewettet hat) und die Stimmung gegen die gedopten Stars, denen man gerne die Aufwertung zur Sportlegende verweigern möchte. Man muss wohl nicht das Buch kaufen, aber man sollte vielleicht mal diese Besprechung in der New York Times lesen.

28. Juni 2009

US-Fußballnationalmannschaft: Diese Formation hat Potenzial

Es reicht noch nicht ganz, was die amerikanische Nationalmannschaft auf die Beine stellen kann. Jedenfalls nicht gegen Brasilien, das die USA in Johannesburg mit 3:2 schlagen konnte (und dabei noch vom Schiedsrichter um ein Tor gebracht wurde, als Howard in der 60. Minute den Ball von hinter der Linie an die Latte hochklatschte, von wo er ins Feld zurückprallte). Aber nach dem Spanien-Sieg im Halbfinale zeigten die Jungs erneut eine beachtliche Entwicklung: Sie haben zum ersten Mal opportunistische Angriffspieler, die viel aus wenig machen können, weil sie einen Blick für freie Räume entwickelt haben. Sie haben eine kopfballstarke robuste Verteidigung, deren Abpraller von den eigenen Spielern mit defensiven Mittelfeldaufgaben abgefangen werden, und einen erstklassigen Torwart (Tim Howard). Und so gingen sie auf ziemlich beeindruckende Weise mit 2:0 in Führung. Richtig gut: das zweite Tor von Landon Donovan, der einen schnellen Konter mit zwei gegen zwei einleitete und nach einer geschickten Körpertäuschung, bei der er die Flanke mit rechts annahm, mit links von der Strafraumkante aus abzog. Schwer zu sagen, ob diese US-Formation eine solche strukturelle Steigerung konservieren kann. In den Spielen der WM-Qualifikation gegen die Gegner aus Mittelamerika sahen sie meistens vergleichsweise ratlos aus. Da arbeiten sie meistens wie redliche Klempner mit großen Rohrzangen, um die Löcher aufzureißen, die sie brauchen. Es fehlt ihnen an kreativer Beweglichkeit und Intuition. Vielleicht können Trainer Bob Bradley und seine Leuten aus dem Südafrika-Trip etwas lernen. Diese Mannschaft hat Potenzial.

Wer den Spielverlauf nachlesen will: der Live-Blog-Text von Unprofessional Foul.

22. August 2008

Olympia-Live-Blog: Basketball USA gegen Argentinien

10:15 h: Das erste wirklich reizvolle Basketball-Match in Peking wird gleich angepfiffen: USA gegen Argentinien. Die Revanche liegt in der Luft.

10:18 h: Spanien hat im anderen Halbfinale Litauen geschlagen: 91:86

10:24 h: Die argentinische Mannschaft hat das höchste Durchschnittsalter im Turnier. aber wenn man die Gesichter in Nahaufnahme sieht, denkt man unweigerlich: Sie sind nicht nur alt, sondern auch ausgelaugt. 3:2 Für die USA nach knapp drei Minuten.

10:28 h: Argentinien hat im Prinzip nur sechs bis sieben Leute, mit denen man das Niveau der Amerikaner halten kann. Schnelle Fouls und frühe Müdigkeit könnten zum Problem werden. 7:4 für die USA nach viereinhalb Minuten.

10:32 h: Hübsches Duell: Bryant verteidigt eng gegen Ginobili, um ihm jeden Spielraum zu nehmen. Coach K nimmt eine Auszeit. Bryant nagelt einen Dreier von der Seite. Spielstand 12:4.

10:33 h: Ginobili handelt sich gegen Chris Paul sein zweites Foul ein, bleibt aber im Spiel.

10:35 h: Nun liegt Ginobili auf dem Boden und das Spiel ist unterbrochen. Er hält sich den Bereich oberhalb des linken Knöchels und humpelt leicht vom Platz. Er ist bei einem Dribble jemandem auf den Fuß getreten.

10:37 h: Den sechsten Turnover der Argentinier angelt sich Kobe und legt den Ball nach einem Sprint über den ganzen Platz in den Korb: 16:4. Noch zweieinhalb Minuten im ersten Viertel.

10:38 h: Das sieht nach einem Schlachtfest aus. 21:4. Und LeBron James darf an der Freiwurflinie noch zwei drauflegen.

10:41 h: James verfehlt zweimal. Nocioni erzielt einen Dreier. 21:7. Kein Hoffnungsschimmer. Zumal Nocioni mit Knieproblemen spielt und nur wenig eingesetzt werden kann.

10:43 h: Zwischenstand 27:9 mit 20 Sekunden im Viertel zu spielen. Chris Bosh wird gefoult und steht an der Linie zum And-One. 30:9. Nocioni kontert noch kurz vor dem Pfiff: Mit 30:11 geht's in die kurze Unterbrechung.

10:47 h: Die NBC-Kommentatoren reden das Match spannend: "Die Argentinier geben nicht auf. Die kämpfen bis zum Schluss. Das sind erfahrenene Spieler, die vor vier Jahren die Goldmedaille gewonnen haben." 32:13

10:49 h: Ob Ginobili noch mal kommt, weiß niemand. 34:16.

10:51 h: Nachdem sie vorne nicht mehr dauernd den Ball verlieren, lassen die Argentinier in der Defensive nach. Carmelo Anthony kann ungestört abziehen: 37:18.

10:53 h: Dwight Howard fängt sich sein zweites Foul ein. Argentinien darf für den Test des Viertels Freiwürfe schießen.

10:55 h: Noch sechs Minuten in der erste Hälfte. 37:25. Spannend ist das noch nicht, aber wenigstens nicht mehr so einseitig.

10:59 h: Die US-Mannschaft hat intensiv trainiert und sich vor dem Match auf die Lesitungsträger der Argentinier eingepolt. Jetzt sind sie draußen und der Gegner improvisiert/muss improvisieren. Plötzlich verlieren die Amerikaner den Faden: 37:29. Die den Faden verlierenden Amerikaner sind Basketballer, die auf Einzelleistungen und aufs Dribbling verfallen und den Ball nicht mehr laufen lassen.

11:03 h: Nocioni mit drei Fouls. Da verrinnen die Hoffnungen der Argentinier. Ginobili ist nicht mal auf die Bank zurückgekehrt.

11:05 h: 44:38 mit noch zwei Minuten auf der Uhr im zweiten Viertel.

11:08 h: 46:40. Die Amerikaner nehmen eine Auszeit und probieren mit drei Sekunden vor dem Ende der Halbzeit noch einen Spielzug, der etwas bringen soll.

11:10 h: 49:40, weil Carmelo drei Freiwürfe verwandelt, die ihn die Schiedsrichter sehr zum Unwillen der Zuschauer geschenkt haben.

11:22 h: Bevor's weitergeht: Ein anderer Blickwinkel auf die amerikanische Mannschaft. Ein Professor vom MIT hat das Wort.

11:37 h: 67:51. Die Amerikaner haben ihren Stil wiedergefunden. Nocioni hat vier Fouls. Oberto hat vier Fouls. Ginobili noch immer in der Umkleidekabine. Das sieht nach einer klaren Sache aus.

11:40 h: Noch vier Minuten im dritten Viertel. 68:53

11:47 h: 78:58 für die USA. Die Ordnung der Basketball-Welt ist so gut wieder hergestellt. Jetzt braucht das Redeem-Team nur noch den Sieg im Finale über Spanien.

11:49 h: Die Argentinier kommen auf 14 Punkte heran, durch einen Dreier von Delfino. NBC-Co-Kommentator Doug Collins sieht schon wieder einen Hoffnungsschimmer. Man mag ihm nicht glauben. Aber in der erste Halbzeit hatte er durchaus den richtigen Riecher.

11:52 h: Werbeunterbrechung in der kurzen Viertelpause. Und schon wieder muss es Marvin Gaye und die Nationalhyme für Nike sein. Nervt (siehe hier).

11:55 h: 84:69

11:58 h: Manu Ginobili ist mit 20,3 Punkten pro Match der erfolgreichste Scorer des Turniers. Aber man vermag nicht abzuschätzen, ob er dem Spiel eine Wende gegeben hätte. Er hatte zwei frühe Fouls und wurde von Kobe Bryant gut abgeschirmt. Noch etwas mehr als sechs Minuten zu spielen.

12:00 h: 88:73

12:03 h: 90:77

12:05 h: 96:79 mit etwas weniger als drei Minuten auf der Uhr.

12:07 h: Kobe Bryant darf sich ausruhen. Er hat 12 Punkte geliefert. 99:81

12:10 h: 101:81. Heute haben die USA die Freiwürfe verwandelt und ein extrem gutes Viertel abgeliefert. Das hat gereicht. Schlusssirene. 101:81 ist das Resultat. Argentinien spielt um Bronze gegen Litauen. USA gegen Spanien am Sonntag um Gold.

19. August 2008

Baseball in Peking: Knallhart


Es scheint zu den Eigenheiten von chinesischen Sportlern zu gehören, dass sie in Mannschaftssportarten gerne zu Mitteln greifen, die unweigerlich zum Platzverweis führen. Da waren zum Beispiel vor einem Jahr in England gleich zwei Zwischenfälle mit der Fußball-Olympiamannschaft. Ich schrieb in einem zweiten Eintrag: "Die Kicker aus Asien haben viel zu dünne Nerven für eine Sportart, bei der es gelegentlich ziemlich ruppig zugeht." Vor ein paar Tagen gegen Belgien gingen die Burschen schon wieder zur Sache – man tritt in die Weichteile. Im Baseball können ähnlich gezielte Attacken lebensgefährlich werden, wenn der Pitcher den Kopf des Batters trifft. Dieses Video zeigt nur einen Wurf aus dem Match der Chinesen gegen die Amerikaner, in dem sich die Heimmannschaft ganz offensichtlich extrem provoziert fühlte, nachdem die US-Spieler beim Kampf um Home Plate hemmungslos den Catcher aufs Korn genommen hatten. Die Amerikaner gewannen das Match haushoch, mussten aber einen Spieler ins Krankenhaus transportieren. In jedem Stadion in den USA hätten sich die Mannschaften eine Schlägerei geliefert. Aber Jacques Rogges olympischer Geist scheint das diesmal verhindert zu haben.

16. August 2008

Olympia-Live-Blog: Basketball USA gegen Spanien

10.21 h: Wir steigen beim Spielstand von 9:9 ein. Noch sechs Minuten im ersten Viertel zu spielen.

10:22 h: Kobe Bryant mit einem offensiven Foul fängt sich das zweite ein und muss auf die Bank.

10:23 h: Die Spanier verlieren vorne viel zu oft den Ball. 14:11 für USA nach einem Dreier von LeBron James.

10:24 h: Dies Spiel ist nur ein Leistungstest und Gradmesser dafür, wie stark die Amerikaner zuhause sich für die Ambitionen ihrer Basketball-Profis interessieren. Man könnte auch sagen: Es ist egal, wie's ausgeht.

10:28 h: 18:13 für die USA. Tempogegenstoß Dwayne Wade nach einem Steal.

10:30 h: Spanien hat neulich gegen China mit Feuer gespielt. Sie lagen mit 14 Punkten zu Beginn des letzten Viertels zurück und schafften noch die Verlängerung, wo sie gewonnen haben.

10:31 h: Mit 14 wurde er Profi, in ein paar Wochen wird er 18. Er heißt Ricky Rubio und hat heute seinen ersten großen Auftritt vor den Augen von hunderten von NBA-Scouts und Managern. 25:16 für die USA mit noch knapp 2 Minuten im ersten Viertel. Die Amerikaner sind flinker.

10:34 h: Yao Ming unter den Zuschauern. Er braucht mehrere Stühle. 29: 18 für die USA.

10:36 h: Marc Gasol sieht wirklich wie der Bruder von Pau aus. Bart und Haare und so weiter. Da werden sie sich in Memphis nicht so sehr umstellen müssen, wenn er denn auftaucht., nachdem sie Pau an die Lakers abgegeben hatten. 31: 22 – erstes Viertel zu Ende.

10:37 h: Gegen die Verteidgungsarbeit von Dwayne Wade und seine schnellen Hände, mit denen er den Angreifern den Ball aus der Hand fingert, haben die Spanier keine Mittel.

10:38 h: Wir sehen den entscheidenden Wurf aus dem Spiel der Chinesen gegen Deutschland. Chris Kaman, sah und siegte nicht. Veni, vidi, auf Wiedersehen.

10:40 h: Guter schneller Spielzug, der dafür sorgt, dass Tayshaun Prince am Rand ungedeckt zum Dreier antreten kann. Die Amerikaner sind heute aus der Distanz bedeutend besser als in den Spielen davor.

10:42 h: 36:26 für die USA. Dwight Howard zweites Foul. Kobe wieder im Spiel. Es gibt keinen populäreren Spieler der Amerikaner in China.

10:44 h: Technical Foul für Reyes, Kobe versenkt den Freiwurf. 39:38 für USA.

10:47 h: 45:31 mit einem Dreier von Kobe und noch sechs Minuten in der ersten Halbzeit.

10:48 h: Der populärste Basketballer handelt sich sein drittes Foul ein und muss wieder auf die Bank. Spanien mit 13 Turnovers. Wie hässlich.

10:51 h: Marc Gasol holt geschickt zwei Freiwürfe gegen Carmelo Anthony heraus. Nach dem zweiten rangelt Anthony mit einem anderen Spanier und bekommt Foul Nummer drei. Spielstand: 47:36.

10:53 h: Die Korbausbeute ist beachtlich. Das Spiel ist schnell. Die Amerikaner mit einem weiteren Dreier. Noch vier Minuten bis zur Halbzeit: 54:36.

10:56 h: LeBron James hat beschlossen, dauernd mit den Schiris zu diskutieren. Das kann nicht gut gehen. Diese Refs sind nicht US-freundlich. Während des Timeout redet der Sideline-Reporter über das spanische Schlitzaugen-Foto.

10:58 h: Zur Vorbereitung auf die Halbzeitpause erhalten wir die Werbespots, die uns durstig machen. Wie diesen:

10:59 h: 56:41 für die USA. Wenn die Fouls der Amerikaner nicht noch ins Gewicht fallen, bleibt das sehr einseitig hier.

11:05 h: Halbzeit in Peking – 61:45.

11:10 h: Die Medienlogik Amerikas: Das Vorrundenspiel im Basketball ist wichtiger als die 100 Meter in der Leichtathletik. Also muss man sich die Infos über den Sieger und den neuen Weltrekord hier besorgen (ganz weit unten bei den Kommentaren). Oder hier.

11:15 h: Jetzt doch Leichtathletik: Aber nur um die Spannung künstlich anzukurbeln. Man zeigt in einem eingespielten Beitrag Tyson Gay, der schon im Semifinale ausgeschieden ist. Was für eine miese Leistung. Hinterher kommt noch der Moderator mit der Ankündigung, dass das Halbfinale und Finale am Abend gezeigt werden – aus der Konserve. Da könnte einiges an Zeiten gelaufen werden, meint Jim Lampley, der das Resultat kennt. Verschweigen als Informationspolitik. Alles wie in China.

11:18 h: Anpfiff drittes Viertel.

11:24 h: Wie fahrig die Spanier spielen, kann man kaum beschreiben. Dauernd wird der riskante Pass probiert. Rudy Fernandez sitzt auf der Bank, nachdem er bei einem Sprung zum Korb aufs Steissbein geknallt ist. Er dachte, er sei gefoult worden. Die Zeitlupe lässt den Schluss zu, dass er beim Kampf um den Ball einfach die Balance verloren hat. 67:48.

11:26 h: Mal ein Wort zu den spanischen Trikots, die vorne die drei Buchstaben ESP mit einer schwungvollen Schrift präsentieren und in der Farbfolge rot-gelb-rot. Irgendwie denkt man an das Logo von ESPN und denkt: Sieht aus, als habe jemand einen Buchstaben vergessen. Hinten drauf: Vornamen statt Nachnamen. Wird das noch Trend?

11:29 h: Kobe Bryant muss nach Olympia noch unters Messer. Sehnenverletzung an einem Finger, die er schon lange mit sich herumschleppt. Interessiert sich jemand fürs Zwischenergebnis? Hier ist es: 74:55. Noch etwas mehr als vier Minuten auf der Uhr im dritten Viertel.

11:36 h: 80:60 mit zwei Minuten vor dem Ende des Viertels. Die Stimmung in der Halle ist schlapp. Das kommt davon, wenn zwei ungleiche Teams aufeinander treffen.

11:39 h: Marc Gasol, der die ganze Zeit schiebt und drückt, fängt sich sein viertes Foul unterm eigen Korb ein, als er gegen LeBron verteidigt. Geht auf die Bank.

11:47 h: 86:63 zum Beginn des vierten Viertels. Man interviewt Tina Thompson aus der US-Frauen-Nationalmannschaft, während die Redeemer wieder dem Ball hinterherlaufen. So interessant ist das Spiel....

11:51 h: Pflicht ruft. Post macht gleich zu. Ende der Durchsage für jetzt. Endergebnis später.

12:23 h: Nichts verpasst. Spannung gab's keine. 119:82 für die USA. Klarer geht's nicht. Ein erster Spielbericht aus Cleveland.

10. August 2008

Olympia-Live-Blog: Basketball USA gegen China

10:41 h: Mit etwas Verspätung Einstieg in ein Spiel, das bereits im ersten Viertel gezeigt hat, dass sich die Amerikaner etwas mehr anstrengen müssen, wenn sie hier einen bleibenden Eindruck hinterlassen wollen. Spielstand zum Ende des ersten Viertels: 20:16 für die All-Stars aus den USA.

10:45 h: yahoo Sports meldet, dass man mit einer unglaublichen Zuschauerzahl rechnet: eine Milliarde Menschen an den Fernsehgeräten weltweit (aber hauptsächlich in China).

10:47 h: Das Rezept der Chinesen bis jetzt: Sie spielen körperlich enorm robust und furchtlos. Die Schiedsrichter finden das in Ordnung. Die Zuschauer in der Halle natürlich auch. 31:29 für die USA der Zwischenstand knapp fünf Minuten vor dem Ende des zweiten Viertels. Timeout China.

10:50 h: Teamchef Jerry Colangelo (früher Besitzer der Phoenix Suns) im Interview im US-Fernsehen während des Timeout (statt Werbung): Blabla "wirklicher Stolz und Integrität" blabla "nicht selbstsüchtig und egoistisch" blabla "großartige Gruppe von Jungs" blabla "Sie sind vorbereitet, um zu gewinnen" blabla "Das größte Problem? Jedes Spiel" blabla. Die Goldmedaille im Sprechblasenblubbern geht an die USA.

10:52 h: 39:32 für die USA mit 2:40 Minuten vor Ende der Spielhälfte. Die Amerikaner können es nicht lassen: Ohne Dunks und Alley-Oops sind sie einfach nicht glücklich. Möglich wird das, weil die Chinesen bei ihren Angriffen sehr viele Abspielfehler produzieren oder den Korb nicht treffen. 45:32 für die USA nach einem 16:3-Lauf.

10:54 h: Basketball hat angeblich Fußball als Sportart Nummer eins in China abgelöst, sagen die US-Kommentatoren und sagen: "Kaum zu glauben". Dem möchte man von so weit weg zustimmen.

10:59 h: Halbzeitstand 49:37. Nachdem Kobe Bryant wegen Schrittfehler abgepfiffen wurde. Das hat Dwayne Wade vorher auch schon erlebt. In der NBA passiert das nie. Nicht, weil sie dort besser dribbeln, sondern weil man den Stars alles mögliche durchgehen lässt.

Halbzeit in Peking – eine gute Gelegenheit zu einem Abstecher zur deutschen Mannschaft und deren Söldner-Center Chris Kaman. Den wird man in den USA, wo man Kindern Vaterlandsliebe schon in der Schule eintrichtert, noch ziemlich auseinandernehmen. Wenn er sich wenigstens zu seiner neuen Wahl-Heimat bekennen würde. Aber nein. Das sind seine lauen Bekenntnisse (laut Michael Reinsch in der FAZ):
"Ich habe meinen amerikanischen Pass noch.“
"Meine Entscheidung ist nicht gegen die Vereinigten Staaten gerichtet.“
"Ich fühle mich schlecht, für Becky und für mich...Sie und ich wir sind Amerikaner. Wir wollen nur Basketball spielen.“ (Becky ist Becky Hammons, die Amerikanerin, die für Russland spielt).

Besonders reizvoll: Wenn Fahnenträger Dirk Nowitzki nicht mehr im deutschen Team spielen sollte, will er auch nicht mehr mitmachen. Vielen Dank Chris Kaman für die Offenheit. Wir hatten uns schon so etwas gedacht.

11:20 h: Die Amerikaner bauen nun doch langsam aber sicher ihren Vorsprung aus. 53:39.

11:23 h: Für das Vorrundenspiel der Chinesen gegen Deutschland ein Hinweis: Yao Ming ist nach seiner langen Verletzungspause noch immer nicht hundert Prozent fit. Das kann man nach mehr als der Hälfte und mit noch 5 Minuten im dritten Viertel ziemlich deutlich erkennen.

11:25 h: 56:43 mit 4:20 auf der Uhr. Die gut gefüllte amerikanische Trainerbank mit Coach K und dem neuen Knicks-Vorarbeiter D'Antoni wirkt ziemlich uninspiriert. Wenn diese Mannschaft auf einen technisch besseren Gegner trifft, müssen sie sich ein bisschen mehr zum Ein- und Auswechseln einfallen lassen.

11:27 h: Bester Spieler: LeBron James. Dwayne Wade wirkt deutlich verbessert. Kobe souverän. 65:48 mit rund zwei Minuten im dritten Viertel. Yao Ming hat etwas am rechten Knöchel abbekommen und geht auf die Bank.

11:32 h: Die beiden Kommentatoren Mike Breen und Doug Collins holen natürlich wie in der NBA nie auch nur Luft. Aber Breen besitzt diese angenehme distanzierte Haltung. Er klingt nie wie ein Cheerleader für eine Seite, sondern wie ein Basketball-Fan. Das funktioniert am Ende auch in diesem Setting ganz gut. 72:48 für die USA.

11:34 h: 26 Punkte Vorsprung für die Amerikaner am Schluss des dritten Viertels. Was am Anfang ein reizvoller Leistungsvergleich war, ist ziemlich einseitig geworden.

11:40 h: Carlos Boozer, Tayhaun Prince, Michael Redd - Zeit für Garbage Basketball. Spielstand: 79:50

11:42 h: NBC überträgt das Spiel an der Westküste der USA nicht live, sondern zeitversetzt. und das betrifft viele andere Wettbewerbe. Zum Thema tape delay eine Beschwerde für zwischendurch.

11:47 h: Zwischenstand 89:54. Kollektives Gähnen. In vier Minuten ist die Sache vorbei.

11:49 h: Da fällt mir plötzlich die interessanteste Reminiszenz des Tages ein: Kommentator Doug Collins war Mitglied der US-Nationalmannschaft, die bei den Spielen in München 1972 im Finale gegen die Sowjetunion von einer Allianz aus Funktionären und Schiedsrichtern über den Tisch gezogen wurde. Die Mannschaft verweigerte damals die Annahme der Silbermedaille und hat auch im Laufe der Jahre ihren Standpunkt nicht geändert.


11:55 h: Spiel in Peking vorbei. Endstand 101:70. Nächster Gegner für die USA: Angola am Dienstag.

7. Februar 2008

Football hängt die anderen Sportarten ab

Eine Umfrage bringt es an den Tag: Football ist mit Abstand die populärste Sportart in den USA (besonders wenn man die NFL und College addiert), Eishockey schließt wieder auf und die NBA wirkt nach einem Zwischenhoch vor ein paar Jahren wie eine Liga auf der Suche nach Publikum. Wenn ich David Stern wäre, würde ich mir ernsthafte Sorgen machen. Denn ein neuer Glamourspieler wie Michael Jordan ist nicht auszumachen. Dazu kommt: Der stete Zuwachs von guten Europäern und Südamerikanern hilft zwar dem Spiel und der Ausstrahlung der Liga in anderen Teilen der Welt (China ist sicher ein vielversprechender Markt für Fanartikel aller Art). Aber sie dürfte der Hauptgrund sein, weshalb sich die Amerikaner abwenden. Sport ist nun mal immer auch ein Spiegelbild des Nationalgefühls.

Die Umfrage ist auch deshalb aufschlussreich, weil sie die Entwicklung seit Mitte der neunziger Jahre nachzeichnet, die unter anderem den steten Zuwachs von NASCAR dokumentiert und abnehmede Interesse an Baseball, Pferderennen und dem Tennis der Männer (via The Big Lead)

5. Februar 2008

Zwei Tage nach dem Super Bowl: der Super Tuesday

Heute abend dürften wir und der Rest der Welt wissen, wer - mit aller größter Wahrscheinlichkeit - der nächste Präsident der USA wird. Klingt vermessen? Ja und nein. Wir werden ja im November sehen und können dann noch mal zurückblättern.

Was wir jetzt schon wissen:
Teil eins: Heute finden in mehr als 20 Bundesstaaten Vorwahlen in den beiden großen Parteien statt. Das Feld der Kandidaten ist zusammengeschmolzen. Bei den Demokraten sind es noch zwei: Präsidentengattin Hillary Clinton und Barack Obama. Bei den Republikanern sind es vier, aber mit zweien, die es unter sich ausmachen: John McCain und Mitt Romney. Da sich unter den teilnehmenden Staaten auch ein paar große befinden wie Kalifornien und New York, werden heute sehr viele Delegierte für die Nominierungsparteitage gewählt.

Teil zwei: Es zeigen sich Trends bei den Umfragen. Bei den Demokraten ein Kopf-an-Kopf. Bei den Republikanern ein entscheidender Popularitätszuwachs für John McCain, der im Jahr 2000 parteiintern gegen George W. Bush verloren hatte und damit automatisch einen Bonus haben sollte. So zeichnen sich für die Wahlen im November zwei Modelle ab: McCain gegen Clinton oder McCain gegen Obama. Die Prognose von dieser Stelle aus: im ersten Fall gewinnt McCain. Im zweiten gewinnt Obama.

Teil drei: Dubios wie so vieles am amerikanischen Wahlsystem, das inzwischen jedes Mal mehr als eine Milliarde Dollar nur an Werbung verschlingt (das meiste verdienen die Fernsehsender, die inzwischen in einer großen Koalition Wahlkämpfe im Stil von Sportveranstaltungen übertragen). Der Charakter der Auseinandersetzungen produziert die simpelsten Slogans und Wahlaussagen, die man sich nur vorstellen kann. Wenn überhaupt, geht es um Persönlchkeitsmerkmale, die allerdings null mit der ideologischen Ausrichtung zu tun haben. Typisch sind Figuren wie Joe Lieberman, der vor anderthalb Jahren bei den Vorwahlen der Demokraten in Connecticut um den Posten des Senators in Washington verlor, aber das Resultat nicht akzeptierte, weil er sich erhaben fühlt. Er gewann das Mandat als unabhängiger Kandidat und unerstützt jetzt McCain. Die pikante Note: Er war vor acht Jahren der Mann neben Al Gore für das Amt des Vize-Präsidenten, wäre also, wenn alles richtig gelaufen wäre und nicht rechtens, derzeit in seiner zweiten Amtsperiode der zweite Mann im Staate. (Wer übrigens mal wissen will, wie ein Chamäleon grinst, sollte sich Videos von Lieberman anschauen.)

Teil drei: Wo ist Al Gore und warum kandidiert er nicht? Der Mann hat seine Ansprüche auf das Amt schon mehrfach verraten. Wenn es jemals so etwas hätte geben müssen wie einen Oppositionsführer (ein Posten, der aufgrund des präsidialen und parlamentarischen Systems in den USA formal nicht existiert), dann war es Al Gore, der ab 2001 vier Jahre lang nichts anderes hätte tun sollen, als den Millionen von Wählern, die für ihn gestimmt hatten (und das waren mehr als die für Bush), dass er noch da ist, dass er wieder antritt, dass er bessere politische Ideen hat und dass er sich nicht von der derzeit regierenden Junta des militärisch-industriellen Komplexes ins Bockshorn jagen lässt). Es gab keinen legitimeren Kandidaten, denn schließlich hatte er die Wahl 2000 gewonnen. Aber er ließ sich bereitwillig in eine Ecke drücken, wo ihn die Medien als schlechten Verlieren brandmarken konnten. Aus der kam er nie wirklich wieder heraus. (Ich habe mich mit Gore vor einem Jahr ausführlich in der Zeitschrift FELDhommes beschäftigt, als er zumindest theoretisch noch hätte einsteigen können ins Karussell. Den Artikel gibt es nicht online. Ich hatte den Eindruck, dass ihm auch etwas fehlt, ähnlich wie Lieberman, nur nicht ganz so schlimm).

Teil vier: Super Bowl und Super Tuesday. Nicht nur im Kalender ganz nah beieinander. Auch im geistigen Spektrum der Medien und dadurch automatisch eine Dimension für die gesellschaftliche Wahrnehmung. In diesem Zusammenhang lohnt die Lektüre dieses Beitrags auf Internet und Politik: "Super Bowl vs. Super Tuesday". Dazu eine passende Kuriosität: Ausgerechnet heute werden die New York Giants ihre Konfetti-Parade am Broadway in Manhattan abhalten. Politik-Experten rechnen damit, dass so viele Zuschauer kommen, die dann wiederum keine Lust mehr haben, wählen zu gehen. Das hätte theoretisch in erster Linie einen Einfluss auf die Chancen von Hillary Clinton. Sie müsste als Senatorin von New York nämlich von den Sympathien her vorne liegen.
Blick zurück: Obama spielt Basketball

10. November 2007

Der Klingelbeutel: Für Brad ganz bestimmt federerleicht (aktualisiert)

Der Schweizer Tennismatador Roger Federer, der so aussieht, als ob er auf Jahre hinaus nicht mehr vom ersten Platz der Weltrangliste verschwinden wird, hat Hollywood im Visier. Nein, er will nicht selber vor die Kamera à la Elvis. Er malt sich aus, dass mal jemand sein Leben verfilmen könnte. Dann, ja, dann soll Brad Pitt ihn spielen. Der gleiche Pitt, der schon den österreichischen Nazi und Dalai-Lama-Lehrer Heinrich Harrer in Seven Years in Tibet gemimt hatte und der inzwischen 44 Jahre alt ist. Immerhin: Er hat auf der High School Tennis gespielt. Das Buch als Unterlage für einen Film gibt es allerdings bereits: René Stauffers Das Tennisgenie (siehe Randspalte).

Kann mal jemand da draußen, der in letzter Zeit in Spanien war, die wirre Welt dieses Pau-Gasol-Werbespots dechiffrieren? Hat die iberische Halbinsel den Anker eingeholt und schippert ins Nichts?

via Deadspin und AOL Fanhouse

Der Dollar ist nicht jedermanns Freund. Nicht mal, wenn er in dicken Bündeln daher kommt. Denn der Dollar fluktuiert. Im Moment zum Beispiel, da er gegen den Euro so anämisch aussieht wie noch nie, fühlen sich die europäischen Profis in den USA geknickt. Sie werden in Dollar bezahlt, aber wollen einen Teil des Geldes in Euro ausgeben/anlegen. Der Umtausch bringt derzeit vielen einen Verlust. Dann wiederum gibt es die kanadischen Eishockey-Clubs in der NHL. Die dürften sich insgeheim die Hände reiben. Denn die bezahlen aus Paritätsgründen ihre Spieler genauso wie die Teams in den USA in US-Dollar. Das war früher jahrelang eine zusätzliche Strafe für Clubs, die ohnehin schon wirtschaftlich zu kämpfen hatten. Warum? Wegen des Umrechnungskurses zwischen kanadischem und amerikanischem Dollar, der bedeutete, dass die Mannschaften im Norden tief in die Taschen greifen mussten. Neuerdings steht der kanadische Dollar so gut, dass man hoch im Norden ganz anders kalkulieren kann.

Der Absturz des Wechselkurses signalisiert, dass es mit der lange so hoch eingestuften Wirtschaftskraft der Vereinigten Staaten nicht mehr groß bestellt ist. Man darf wohl aus diesem Anlass dann noch einmal an dieses Buch erinnern: Weltmacht USA - ein Nachruf vom Franzosen Emmanuel Todd. Bei Amazon.de sollte man ein bisschen weiterlesen. So gibt es unter anderem diesen erhellenden Kommentar:

"Die Grundthese dieser Studie ist, daß die USA dabei sind, ihren Status als 'letzte verbliebene Supermacht' zu verlieren, weil sie die dafür erforderlichen militärischen, wirtschaftlichen und ideologischen Qualitäten nicht mehr aufbringen können....Die gegenwärtigen USA werden als 'räuberischer Staat' definiert, der selbst massive Industrie- und Außenhandelsdefizite aufweist, aber die Finanzen und Produkte aller anderen Staaten quasi wie ein Schwarzes Loch aufsaugt und seinen Reichtum im eigenen Land zu Lasten der Minderheiten und unteren Schichten ungerecht an eine superreiche antidemokratische Oberschicht umverteilt.

Aufgrund eingehender Analyse verschiedenerlei Daten und Vergleiche mit historischen Weltreichen gelangt Todd zu der Überzeugung, daß sich die Vereinigten Staaten innerhalb der nächsten Jahrzehnte zu einer Regionalmacht zurückbilden werden, während die EU im Bunde mit einem wiedererstarkten, aber zur Gutmütigkeit bekehrten Rußland gemeinsam mit Japan künftig das Weltgeschehen bestimmen wird."

Nachtrag: Das neue Video von Jay-Z macht Leute in den USA seltsam nervös. Er benutzt einen Stapel 500er Euros als Stilmittel. Sicher: Früher hätte man dafür Dollarscheine genommen. Aber wer mehr in solche Ideen hineinliest, als vermutlich drin steckt, hat zuviel Zeit. Beim letzten Video war der Rapper in Monaco und gab Gas in europäischen Autos. Das hat auch niemanden gestört. Warum? Weil jedem Amerikaner klar ist, dass in den USA nur Fischkisten gebaut werden.

22. Oktober 2007

Hopes Solo hat sich gelohnt: US-Coach darf packen

Das Programm für heute sah eigentlich vor, mich in die Telefonkonferenz einzuwählen, die der amerikanische Fußballverband für 16 Uhr New Yorker Zeit anberaumt hatte. Aber irgendwann vorher war ziemlich klar, dass dieser Termin ohne große Spannung ablaufen würde. Präsident Sunil Gulati wollte nur alleine auftreten, um sich zur Frauennationalmannschaft zu äußern. Von einem Auftritt von Trainer Greg Ryan war nicht die Rede. Und so war dann auch keine Überraschung, was wenig später als offizielle Mitteilung der Presseabteilung im Email-Eingangskorb landete: Coach Ryans Vertrag wird nicht erneuert. Der Mann, der ohne besondere Leistungsnachweise vor zwei Jahren in den Job hineingerutscht war, eine der - auf dem Papier - besten Mannschaften der Welt zu trainieren, darf sich eine neue Beschäftigung suchen. Die anspruchsvollen amerikanischen Fußballanhänger können froh sein, dass die Torfrau Hope Solo nach der Pleite bei der WM gegen Brasilien so offen den Mund aufmachte. Denn der von ihr heraufbeschworene Konflikt brachte mehr an den Tag als die pure Unfähigkeit von Ryan, der vor dem Halbfinale einen mysteriösen Goaliewechsel vornahm, der sich als Reinfall erwies. Es heizte eine Psychoterror-Stimmung in der Mannschaft an, die sich unsinnigerweise auch noch mit dem Trainer solidarisierte. So als ob es wirklich eine einzige Entschuldigung für seine Fehlleistung gegeben hätte. Gulati sah durch alles durch, zumal das Brodeln im Team nicht aufhören wollte, wo die gespenstige Abstrafaktion gegen Hope Solo, die beste Torfrau des Landes, in den letzten Wochen ständig weiterging. Er gab Ryan den Laufpass. Der Nachfolger/die Nachfolgerin darf nun im Hinblick auf die Olympischen Spiele in Peking im nächsten Jahr einen Schnitt im Kader machen, der allen gut tun wird. Vor allem den alteingesessenen Stammspielern, die glauben, sie hätten die Macht im Gruppenprozess.
Blick zurück: Gewalt nach Art des Hauses

21. Oktober 2007

Reisen nach Philadelphia? Besser nicht

Irgendjemand wollte es ganz genau wissen. Und nun wissen es auch die anderen: Philadelphia hat die unattraktivsten Einwohner von allen Großstädten der USA (wo dann auch solche Amerikaner residieren, die besonders wenig stilbewusst, wenig körperlich aktiv, wenig freundlich und wenig weltoffen sind). Man kann dank der vielen Autobahnen um Philadelphia bequem einen großen Bogen machen. Aber falls man das tut, um nach Washington zu kommen, ist das auch kein Trost. Die Hauptstadt Washington steht auf Platz zwei gleich hinter Philadelphia. Und dann kommt Dallas.

Ich bin im Laufe der Jahre tatsächlich in allen 25 Städten auf der vom Reisemagazin Travel & Leisure durch eine Umfrage unter 60.000 Leuten ermittelten Liste gewesen und würde mich erst mal persönlich mit einem Urteil zurückhalten. Was einem schwer fällt, wenn man mal gesehen hat, welche Frau die Besucher im offziellen Internet-Video von Philadelphia die potenzielle Besucher bezirzt: Soviel Schminke und soviel Getue, aber so schlecht angezogen und so schlecht frisiert - das ist schon ziemlich kurios.

Das Magazin bemüht sich ebenfalls um eine Relativierung, Man habe die Attraktivitität abgefragt und nicht die Unattraktivität und aus den Präferenzen ergebe sich dann eben zwangsläufig eine Rangliste. Und die Stadt, die am Ende unten steht, sei dann - nur - relativ gesehen weniger attraktiv. Akzeptiert.

Aber eine solche Wertschätzungshitparade bleibt trotzdem aussagekräftig. Anhand der Kategorie "Intelligenz" kann man übrigens erkennen, dass Städte mit attraktiven Menschen selten Leute mit Hirn anziehen. Das beste Beispiel ist Miami. Auf der anderen Seite gibt es Dallas. Da sind die Leute nicht nur unattraktiv, sondern auch noch überdurchschnittlich unterbelichtet. Weshalb wir jetzt zum ersten Mal verstehen, weshalb ein Mann wie Mark Cuban dort so viel Erfolg hat. In Dallas kommen Blender durch: "All hat, but no cowboy".

28. September 2007

Marta macht's


Das ist der Schnipsel, den sich nolookpass gestern beim Mitbloggen erhofft hatte:
"Marta spuckt ihrer Gegenspielerin, deren Namen ich nach Bitten ihrer Familie lieber nicht nenne, fußballerisch ins Gesicht, legt den Ball am Strafraumrand per Hacke rechts an ihr vorbei, sprintet links vorbei, noch ein Haken, Schuss - 4:0."
Die Szene ab 1:05 Minuten im Video. Davor aber auch noch sehenswert: eine tänzerische Einlage (0:48) von Marta. Fortsetzung folgt...am Sonntag im Finale gegen Deutschland.

18. September 2007

Globallermann

Für die meisten handelt es sich hier um einen alten Hut. Für die Amerikaner ist es irgendwie neu, überraschend, erklärungsbedürftig.....dass die Premier League überall in der Welt ein wachsendes Fernsehpublikum findet. Und deshalb durfte ein Korrespondent des Nachrichtenmagazins Time aus Hongkong über das Phänomen berichten und ein Korrespondent aus London ein paar Infos beisteuern. Daraus darf man ableiten, dass die Mehrheit des Publikums in den Vereinigten Staaten auch weiterhin nicht verstehen wird, worin die Faszination des Fußballspiels besteht. Was ja vielleicht ganz gut ist. Man stelle sich nur mal vor, dieses Land würde Fußballer der Premiumkategorie Tiger Woods, Michael Jordan oder Andre Agassi produzieren. Dann wäre die US-Nationalmannschaft ein Dauerkandidat für den WM-Titel. Wer will denn das? Die Engländer bestimmt nicht (via The Offside)
Blick zurück: Der Fernseh-Deal der Premier League in Asien

21. August 2007

Kobe und Co. in Las Vegas: Die glorreichen zwölf, die es richten sollen

Kobe Bryant, LeBron James, Carmelo Anthony, Amare Stoudemire, Dwight Howard, Jason Kidd, Chauncey Billups, Michael Redd, Mike Miller, Tyson Chandler, Tayshaun Prince, Deron Williams...die zwölf sollen es richten, bei der FIBA Americas Championship, damit damit die USA im nächsten Jahr bei den Olympischen Spielen in Peking mit einer Basketballmannschaft antreten kann, die dann vermutlich aus dem gleichen Kader besteht. Man muss kein NBA-Experte sein, um rasch zu festzustellen, wer da alles (aus welchen Gründen auch immer) fehlt: Shaquille O'Neal, Kevin Garnett, Ray Allen, Gilbert Arenas, Dwyane Wade, Tim Duncan, Ben Wallace, Shawn Marion (siehe Kommentar), Allen Iverson (siehe Kommentar), Stephon Marbury, Elton Brand, Tracy McGrady und so weiter und so fort. Zur Orientierung darüber, welches Kaliber an Spielern nicht zum Einsatz kommt: ein Blick auf das Power-Ranking des Fantasy-Basketball-Spezialisten Talented Mr. Roto. Was waren das noch für Zeiten, als für das sogenannte Dream Team die Top-Profis eingesammelt wurden, die anschließend der Welt vorexerzierten, wie gut die besten NBA-Spieler wirklich sind. Der einzige, der damals ohne sportlichen Grund geschnitten wurde: Isiah Thomas. Und zwar weil ihn Michael Jordan und Larry Bird (und vermutlich auch Magic Johnson) nicht leiden konnten.

13. Juli 2007

WM in Japan: Amerikaner machen deutsches Footballteam flach

Was soll man sagen? Außer dass Defensive End Jason Hoffschneider das alles bereits vorausgesehen und folgendermaßen formuliert hatte:"Wir sind so viel größer, so viel schneller, und wir verstehen Football sehr viel besser. Deshalb glaube ich, dass wir total dominieren werden." Und so nahmen die Amerikaner mit Hoffschneider (in diesem Sommer bei den Hamburg Blue Devils, siehe Kommentar) ihre deutschen Gegner bei der Football-WM am Donnerstag in Japan denn auch auseinander. Sicher, wenn Quarterback Joachim Ullrich nicht so oft gepatzt und Punter Steffen Dölger keinen Fehler gemacht hätte, wäre das Match vielleicht noch spannend geworden. So aber kassierten die Deutschen im Vorrundenspiel gegen die USA eine klar 7:33-Niederlage und dürfen nun um den dritten Platz gegen Schweden spielen. Die Vereinigten Staaten haben es bei ihrem ersten Auftritt bei einer WM mit Titelverteidiger Japan zu tun.

21. Februar 2007

Amerikaner wollen Fußball-WM 2018 ausrichten

Der amerikanische Fußballverband hat die Absicht, sich um die Fußball-WM 2018 zu bewerben. Und zwar mit einem Hintergedanken: Man will der FIFA schon jetzt signalisieren, dass man notfalls bereits 2014 einspringen kann. Irgendetwas sagt den US-Funktionären, dass dem noch nicht benannten südamerikanischen Land (voraussichtlich Brasilien), am Ende die Puste ausgehen könnte. Die Vereinigten Staaten hatten 1994 zum ersten und bisher einzigen Mal eine Weltmeisterschaft ausgerichtet - mit einigermaßen Erfolg, vor allem was die wirtschaftliche Seite angeht (Zuschauerschnitt: 68.991 pro Spiel). Präsident Sunil Gulati hat das Gefühl, dass sich das noch steigern lässt, vor allem, was die Atmosphäre betrifft. "Wir sind mehr ein Teil des internationalen Sports als 1994", sagte er nach Angaben von ESPNSoccernet. Die WM legte das Fundament zur Gründung von Major League Soccer und eine bessere Jugendarbeit. Die Entwicklung ist inzwischen weiter gegangen. Die Liga hat für den Bau einer Reihe von mittelgroßen speziellen Fußballstadien gesorgt. Weitere architektonisch reizvolle Football-Arenen ständen ebenfalls zur Verfügung - in Städten wie Seattle, Houston, Detroit und Glendale, einem Vorort von Phoenix.

10. Februar 2007

US-Fußball: Viele TV-Zuschauer und eine Partnerschaft mit Arsenal

Wenn das Interesse, dass ein Fußballspiel zwischen den USA und Mexiko erzeugt, irgendwie auf Major League Soccer überfackeln würde, wäre die Liga fein raus. Das sind die verblüffenden Einschaltquoten von der Begegnung, die am Mittwoch in Glendale in Arizona vor fast 65.000 Zuschauern stattfand und bei der es um nichts weiter ging: Der spanischsprachige Kanal Univision, der sich an in den Vereinigten Staaten lebende Einwanderer aus lateinamerikansichen Ländern richtet, hatte 6,1 Millionen Zuschauer, Platz zwei der ewigen Rangliste in der Geschichte des Senders. Der englischsprachige Kanal ESPN2 hatte 1 Millionen Zuschauer. Übrigens: die USA haben das Spiel mit 2:0 gewonnen. Es war die zweite Partie mit dem neuen Coach Bob Bradley, der Bruce Arena abgelöst hat und einsprang, als es keine Einigung mit Jürgen Klinsmann, der am stärksten für die Position favorisiert war.

P.S: Die Colorado Rapids haben mit Arsenal einen Kooperationsvertrag abgeschlossen. Hinter der Zusammenarbeit stecken allerlei Gedanken, darunter wohl auch eine Umwandlung des Namens des MLS-Clubs in Arsenal Colorado. Man will Trainer austauschen, sich gegenseitig mit Trainingsmöglichkeiten aushelfen (Denver liegt in der Höhe, was ein paar Tage lang ein ordentliches Sauerstoff-Plus wert ist, wenn man auf den Meeresspiegel zurückkehrt). Das Logo der Rapids wurde bereits überarbeitet und dem Stil des Londoner Clubs angepasst (via Sportsbiz - The Business of Sports Illuminated)

In England schwirren Gerüchte herum, dass Rapids-Besitzer Stan Kroenke Arsenal kaufen will. Was dem Modell einer ganzen Reihe von amerikanischen Sportunternehmen folgen würde. Zuletzt ging der FC Liverpool an einen US-Investor. Arsenals Trainer Arsene Wenger glaubt, wenn was dran wäre, dann wüsste er das und hat entsprechend dementiert.