• Es kommt wahrscheinlich immer darauf an, welche Brille man gerade aufhat: So sah eine angesehene Publikation in Israel das Staffelrennen über die 4mal100 Meter Freistil: "Zwei Juden und ein Schwarzer helfen Phelps, sich seinen olympischen Traum zu erfüllen." (via Sports Point, wo man titelte: "Eine Olympia-Schlagzeile, die selbst Blogger nicht nehmen würden").
• Wenn Kommentatoren im amerikanischen Fernsehen olympischen Sport hochjubeln müssen, gehen ihnen nicht gleich die Worte aus. Sie benutzen manche einfach nur etwas öfter. Slate hat die Liste und den Sap-o-Meter, um den Schmus einzuordnen. Die schlimmste Zeile bislang: Behind the smiles, they'll never be able to explain the sacrifices made, or adversities overcome." (Kursiv herausgehoben: drei Wörter von der schlimmen Liste in einem Satz)
via Deadspin
• Kaum zu glauben, aber blinde Athleten zelebrieren ihre Siege genauso wie Sportler mit voll funktionsfähigem Augenlicht. Und noch weniger zu glauben: dass es Wissenschaftler gibt, die solche Dinge untersuchen. Wobei: Schiedsrichter, die keine Tomaten auf den Augen haben, sich durchaus anders verhalten. Sie haben eine Tendenz, den Sportlern in roten Trikots zur Seite zu stehen. Diese Studie aus dem Jahr 2005 wurde übrigens in Münster verfertigt. Damals wurden Informationen von den Spielen in Athen aus den Kampfsportarten ausgewertet. Gut. Das wäre ein Anfang. Aber wie wäre es mal mit einer Untersuchung des Farbeinflusses beim Fußballspiel? (via SportsbyBrooks)
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12. August 2008
26. Februar 2008
Vom Lehrgeld und anderen falschen Sprachbildern
Memo an alle Medienarbeiter, die sich in der Zukunft mit dem deutschen Golfprofi Martin Kaymer beschäftigen werden. Da man in Deutschland ein solches Talent nur alle 20 Jahre oder mehr hat, wäre es da nicht angemessen, sich stilistisch ein bisschen an der Weltklasse des Sportlers zu orientieren und als ersten Schritt erstmal alle schiefen Sprachbilder und Metaphern zu beerdigen?
Wäre doch mal ein Arbeitsziel. Denn dann würde nie wieder geschrieben werden, dass Martin Kaymer bei einem Turnier Lehrgeld gezahlt habe. Der Mann hat bei dem fraglichen Turnier (in Tucson) nach dem Ausscheiden in der ersten Runde nichts bezahlt, sondern verdient: ein Preisgeld von 40.000 Dollar und 2,05 Weltranglistenpunkte. Und gut gespielt hat er dabei auch noch, wie dieselbe Meldung nur einen Satz später ausdrücklich konstatiert ("nahezu fehlerfrei").
Und dann würde der eher langsame, aber stetige Aufstieg des 23jährigen in den letzten 24 Monaten nicht mehr als kometenhaft bezeichnet. Mir sind ja Sterne schnuppe, aber nicht die verkorkste Verwendung ihrer Erscheinung am Firmament. Es gibt aperiodische und periodische Kometen, denen das "Aufsteigen" ziemlich schwer fallen dürfte. Was das Schicksal der ersten Sorte angeht, so fehlt der Astronomie die Möglichkeit, hinterherzujagen, um herauszufinden, was jenseits des Sonnensystems passiert. Die zweite Sorte ist auf einer Umlaufbahn unterwegs und ist manchmal, wie Hale-Bopp, ziemlich lange am Himmel zu identifizieren. Wo wir schon bei Phänomenen der Sternenkunde sind: Auch das Wort Shootingstar gilt es es auszurangieren. Damit bezeichnet man im Englischen Meteroide, die beim Eintritt in die Erdatmosphäre durch die entstehende Kompression aufleuchten, aber sich just dabei in ihre Bestandteile auflösen. Die Sternschnuppe ist das letzte Stadium des Meteroiden auf dem Weg nach unten. Wie soll das auf einen Sportler passen, der gerade am Anfang seiner Karriere steht?
A propos passen: Wie wäre es, wenn auch noch die ausgelatschte Vokabel von den "großen Fußstapfen" verbannt würde, die der Golf-Yeti Bernhard Langer angeblich hinterlassen haben soll. Kaymer hat nicht nur eine andere Schuhgröße. Er hat schon jetzt Leistungen vorzuweisen, die mindestens so bemerkenswert sind wie die frühen Erfolge von Langer. Man denke nur an die 59er Runde vor fast zwei Jahren bei einem Turnier. So etwas ist dem Mann aus Anhausen in seiner wahrlich bemerkenswerten Karriere nie gelungen.
Wäre doch mal ein Arbeitsziel. Denn dann würde nie wieder geschrieben werden, dass Martin Kaymer bei einem Turnier Lehrgeld gezahlt habe. Der Mann hat bei dem fraglichen Turnier (in Tucson) nach dem Ausscheiden in der ersten Runde nichts bezahlt, sondern verdient: ein Preisgeld von 40.000 Dollar und 2,05 Weltranglistenpunkte. Und gut gespielt hat er dabei auch noch, wie dieselbe Meldung nur einen Satz später ausdrücklich konstatiert ("nahezu fehlerfrei").
Und dann würde der eher langsame, aber stetige Aufstieg des 23jährigen in den letzten 24 Monaten nicht mehr als kometenhaft bezeichnet. Mir sind ja Sterne schnuppe, aber nicht die verkorkste Verwendung ihrer Erscheinung am Firmament. Es gibt aperiodische und periodische Kometen, denen das "Aufsteigen" ziemlich schwer fallen dürfte. Was das Schicksal der ersten Sorte angeht, so fehlt der Astronomie die Möglichkeit, hinterherzujagen, um herauszufinden, was jenseits des Sonnensystems passiert. Die zweite Sorte ist auf einer Umlaufbahn unterwegs und ist manchmal, wie Hale-Bopp, ziemlich lange am Himmel zu identifizieren. Wo wir schon bei Phänomenen der Sternenkunde sind: Auch das Wort Shootingstar gilt es es auszurangieren. Damit bezeichnet man im Englischen Meteroide, die beim Eintritt in die Erdatmosphäre durch die entstehende Kompression aufleuchten, aber sich just dabei in ihre Bestandteile auflösen. Die Sternschnuppe ist das letzte Stadium des Meteroiden auf dem Weg nach unten. Wie soll das auf einen Sportler passen, der gerade am Anfang seiner Karriere steht?
A propos passen: Wie wäre es, wenn auch noch die ausgelatschte Vokabel von den "großen Fußstapfen" verbannt würde, die der Golf-Yeti Bernhard Langer angeblich hinterlassen haben soll. Kaymer hat nicht nur eine andere Schuhgröße. Er hat schon jetzt Leistungen vorzuweisen, die mindestens so bemerkenswert sind wie die frühen Erfolge von Langer. Man denke nur an die 59er Runde vor fast zwei Jahren bei einem Turnier. So etwas ist dem Mann aus Anhausen in seiner wahrlich bemerkenswerten Karriere nie gelungen.
5. Oktober 2007
"Du Wahlbremer"
Beim Stöbern in den abgelegeneren Regionen des deutschsprachigen Sportgeschehens im Internet kam mir neulich ein Ausdruck über den Weg, der mich nicht mehr los lässt (call me crazy): der des Wahl-Bremers. Der Boxer Markus Beyer ist so einer. Und zwar in fast jedem Bericht (siehe hier oder hier oder hier). Man hat fast das Gefühl: Er ist der Inbegriff des Wahl-Bremers. Wenn da nicht der Armdrücker August Smisl wäre. Der Begriff kann ein Schimpfwort sein ("du Wahlbremer") - zumindest unter Ruderern. Und eine Anspielung auf die Herkunft der Person mit sich schleppen ("der irische Wahlbremer Ian Watson"), die das Problem der Einordnung noch komplizierter erscheinen lässt. Wahlbremer betrachten Bremerhaven als Ausland. Und legen irgendwann wert auf die Feststellung, dass sie sich zum Ex-Wahlbremer entwickelt haben und woanders wohnen. Fußballprofis, die von Werder geholt wurden, können in einem einzigen Artikel sowohl "Bremer" als auch "Wahl-Bremer" sein. Aber nur wenige sind das, was Thomas Schaaf ist: "Bremer durch und durch". Was man werden kann, selbst wenn man in Mannheim geboren ist. Und das stimmt einen irgendwie froh.
Es gibt sicher auch Wahl-Mannheimer und Wahl-Iren. Die ganze Welt ist voll von Leuten, die irgendetwas wählen. Ob in der Kneipe beim Bestellen des Biers. Oder bei der Bundestagswahl beim Bestellen der politischen Zukunft des Landes. Aber Wahl-Bremer sind die besten. Die haben einen Hauch von Durchhaltevermögen, mögen extrem kleine Denkmäler. Warten in dieser Jahreszeit sicher schon auf Grünkohl. Und sinnieren beim Blick weserabwärts, wohin das Wasser wohl fließt. Die große weite Welt wird einem Wahl-Bremer nicht viel bedeuten. Er hat sie bereits gefunden. Im kleinen Karo mit dem geschwungen W (ist in Bremen eine Raute, man gönnt sich ja sonst nichts).
Es gibt sicher auch Wahl-Mannheimer und Wahl-Iren. Die ganze Welt ist voll von Leuten, die irgendetwas wählen. Ob in der Kneipe beim Bestellen des Biers. Oder bei der Bundestagswahl beim Bestellen der politischen Zukunft des Landes. Aber Wahl-Bremer sind die besten. Die haben einen Hauch von Durchhaltevermögen, mögen extrem kleine Denkmäler. Warten in dieser Jahreszeit sicher schon auf Grünkohl. Und sinnieren beim Blick weserabwärts, wohin das Wasser wohl fließt. Die große weite Welt wird einem Wahl-Bremer nicht viel bedeuten. Er hat sie bereits gefunden. Im kleinen Karo mit dem geschwungen W (ist in Bremen eine Raute, man gönnt sich ja sonst nichts).
25. September 2007
Einmal Empire, immer Empire
Wer hat eigentlich den Engländern beigebracht, dass sie das Fußballspiel, das sie dereinst in ein Regelwerk gegossen haben, auf ewig von einer erhobenen (erhabenen? arroganten?) Warte aus betrachten dürfen? Spätestens seit der Klatsche 1953 gegen Ungarn (oder allerspätestens seit dem zusammengeschummelten WM-Sieg 1966) sollte doch wohl klar sein: England stellt bestenfalls die Stadien und die Zuschauer zur Verfügung. Den attraktiven Rest liefert der Rest der Welt. Wozu ja mittlerweile auch das Geld gehört, das Investoren aus Russland und den USA in die Premier League pumpen. Und die Knete von den Fernsehanstalten aus aller Welt, die die Übertragungsrechte für die Liga und die Champions League bezahlen.
Aber so sind sie eben. Einmal Empire, immer Empire. Mit allem pomp and circumstance. Den jüngsten Fall erlebt man dieser Tage aus Sicht der USA. Also dort, wo David Beckham auf der Ersatzbank sitzt. Nun beschäftigen sich plötzlich blokes und lads mit Major League Soccer und mit dem Englisch, das von amerikanischen Fernsehkommentatoren verbrochen wird. Unter dem Vorwand, man müsse englischen Lesern die farbigen Begriffskonstruktionen übersetzen, werden nun immer wieder irgendwelche Beginner's Guide to MLS Terminology-Listen verfasst, die eigentlich nichts anderes besagen sollen: die spinnen, die Amis. Das Armutszeugnis solcher Belehrungsversuche besteht vor allem darin, dass die herausgepflückten Beispiele überhaupt nicht gebräuchlich sind, sondern vielleicht hin und wieder einem einzelnen Moderator mit Kreativambitionen von der Zunge rollen. Kein Wunder, dass die wahren US-Fußball-Fans, die solche verzerrenden Traktate hassen, inzwischen zurückballern und erklären: die Briten erfinden Sachen. Das tun sie sicher nicht. Sie pflegen einfach nur ihren Napoleon-Komplex - nach Strich und Faden.
Aber so sind sie eben. Einmal Empire, immer Empire. Mit allem pomp and circumstance. Den jüngsten Fall erlebt man dieser Tage aus Sicht der USA. Also dort, wo David Beckham auf der Ersatzbank sitzt. Nun beschäftigen sich plötzlich blokes und lads mit Major League Soccer und mit dem Englisch, das von amerikanischen Fernsehkommentatoren verbrochen wird. Unter dem Vorwand, man müsse englischen Lesern die farbigen Begriffskonstruktionen übersetzen, werden nun immer wieder irgendwelche Beginner's Guide to MLS Terminology-Listen verfasst, die eigentlich nichts anderes besagen sollen: die spinnen, die Amis. Das Armutszeugnis solcher Belehrungsversuche besteht vor allem darin, dass die herausgepflückten Beispiele überhaupt nicht gebräuchlich sind, sondern vielleicht hin und wieder einem einzelnen Moderator mit Kreativambitionen von der Zunge rollen. Kein Wunder, dass die wahren US-Fußball-Fans, die solche verzerrenden Traktate hassen, inzwischen zurückballern und erklären: die Briten erfinden Sachen. Das tun sie sicher nicht. Sie pflegen einfach nur ihren Napoleon-Komplex - nach Strich und Faden.
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2. Mai 2007
Es gibt keine Angstgegner im amerikanischen Sport
Wenn man die zwei Worte "Dallas" und "Angstgegner" bei Google eingibt, wird eine lange Liste an Fundstellen mit Berichten aus den Online-Ausgaben deutscher Zeitungen und aus den Newsportalen hochgespielt. Die Liste wird mit jedem Spiel in der ersten Playoff-Runde zwischen den Mavericks und den Golden State Warriors länger. Meine Lieblings-Überschrift lautet "Angstgegner schockt Dallas...". Das Sprachungetüm kam aus Österreich, wo man eine sehr hübsche Formulierung für den ziemlich unsinnigen Begriff "reguläre Saison" verwendet, den ich mir in Zukunft vielleicht auch zu eigen machen werde: "Grunddurchgang" (ich benutze "reguläre Saison" aus lauter Hilf- und Phantasielosigkeit und würde mir das gerne abgewöhnen).
Aber zurück zum "Angstgegner". Die Houston Rockets haben offensichtlich ebenfalls einen - die Phoenix Suns. Genauso wie die Toronto Raptors - und zwar die Chicago Bulls. Die inflationäre Verwendung dieses Begriffs wäre nur halb so kurios, wenn es das Wort (beziehungsweise sein Äquivalent) überhaupt in den USA gäbe. Aber dem ist nicht so. Es existiert nur in Großbritannien ("bogey team"). Ein weiteres Beispiel für den alten Spruch von George Bernard Shaw, die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich seien ein Land, das durch eine gemeinsame Sprache geteilt sei.
Warum gibt es keine Angstgegner in den USA? Amerikanische Sportler und ihr Umfeld strotzen vor Selbstbewusstsein. Sie haben keine Angst vor niemandem. Sie sind die Meister des positiven Denkens und glauben an die Kraft der Emotionalität. Amerikaner sind Wettkampftypen, die danach streben, sich im entscheidenden Moment zu steigern und scheinbar unüberwindliche Hürden zu überwinden.
Manche sind trotzdem neidisch auf eine solche Vokabel, auch wenn sie nicht ganz genau verstehen, was sie bedeutet. Dies ein willkürliches Beispiel aus einem Schachforum: "The Germans have a rather splendid word ... angstgegner. I think this means an awkward opponent whom one always loses to despite roughly equal ratings, although I'm not sure of the exact literal translation."
Aber zurück zum "Angstgegner". Die Houston Rockets haben offensichtlich ebenfalls einen - die Phoenix Suns. Genauso wie die Toronto Raptors - und zwar die Chicago Bulls. Die inflationäre Verwendung dieses Begriffs wäre nur halb so kurios, wenn es das Wort (beziehungsweise sein Äquivalent) überhaupt in den USA gäbe. Aber dem ist nicht so. Es existiert nur in Großbritannien ("bogey team"). Ein weiteres Beispiel für den alten Spruch von George Bernard Shaw, die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich seien ein Land, das durch eine gemeinsame Sprache geteilt sei.
Warum gibt es keine Angstgegner in den USA? Amerikanische Sportler und ihr Umfeld strotzen vor Selbstbewusstsein. Sie haben keine Angst vor niemandem. Sie sind die Meister des positiven Denkens und glauben an die Kraft der Emotionalität. Amerikaner sind Wettkampftypen, die danach streben, sich im entscheidenden Moment zu steigern und scheinbar unüberwindliche Hürden zu überwinden.
Manche sind trotzdem neidisch auf eine solche Vokabel, auch wenn sie nicht ganz genau verstehen, was sie bedeutet. Dies ein willkürliches Beispiel aus einem Schachforum: "The Germans have a rather splendid word ... angstgegner. I think this means an awkward opponent whom one always loses to despite roughly equal ratings, although I'm not sure of the exact literal translation."
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