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2. Juli 2009

ESPN tanzt mit (2)

...und da dachten wir noch, die Burschen in Bristol haben alles im Griff inklusive Fußball. Und dann passiert so etwas. In einem ausführlichen Video-Essay des teuer bezahlten Rick Reilly über England und seine Sportkultur, in dem die alten Klischees über eine Monarchie aus dem Schrank gezogen werden, legt einer die falsche Platte auf. Statt God Save the Queen erklingt die Musik von Haydn, die den Rest der Welt bisweilen an die umstrittenen ersten Zeilen der ersten Strophe des dazugehörigen Textes von Fallersleben erinnert (und fast nie an die Orginalzeilen: "Gott erhalte Franz den Kaiser" aus dem habsurgischen Österreich). Kurios genug: die britische Nationalhymne war vor langer, langer Zeit auch mal in Deutschland im Einsatz sowie in der Schweiz und Russland.

Und nun schalten wir um nach Bristol. Reilly, take it away...





7. April 2009

Der Klingelbeutel: Obamas Wille geschehe


So sieht's aus in den USA: Der amtierende Präsident wird von ESPN vor dem K.O.-Turnier gefragt, wie es ausgeht, und er erklärt: North Carolina wird Meister. Gestern in Detroit wurde die Sache besiegelt. North Carolina gewann die NCAA Championship im Basketball. 89:72 bedeutet: ein ziemlich schnelles Spiel, in dem beiden Seiten im Angriff nicht lange fackelten. Gegner Michigan State hatte Sympathiepunkte, die nichts mit Basketball zu tun haben. Kein Bundesstaat leidet so sehr unter der akuten Krise und der wirtschaftlichen Abhängigkeit von der amerikanischen Autoindustrie. Die Arbeitslosigkeit liegt über 12 Prozent.

• Die Süddeutsche hat sich einem absoluten Minderheitenthema gewidmet: Sie berichtet über den Erfolg von Lacrosse in Deutschland. "Mehr und mehr etabliert" sagen sie, nachdem sie ganze 1600 Spieler ausgemacht haben. Gut zu wissen. Es gibt eine deutsche Nationalmannschaft. Und die war auch schon mal Europameister. Leider enthält der Bericht keinen Hinweis darauf, dass das Spiel in den USA und Kanada von zehntausenden von Mädchen gespielt wird (mit leicht modifzierten Regeln, denn die Sportart ist ruppig). Hier noch ein Link für Interessenten: Auch Lacrosse hat eine Hall of Fame. In Baltimore.

• Man durfte sich all die Jahre wundern, in denen immer mehr Sportveranstaltungen auf einen Tag in der Woche wanderten, den so manche christliche Konfession zum absolut freudlosesten von allen erklärt hatte, wo bleiben die Proteste? Sie waren einfach nur verstummt. Jetzt sind sie wieder da. Zumindest mit Blick auf den kommenden Sonntag, den österlichen. Und bezogen auf England und seine Traditionen, die da einst unverrückbar lautete: Sport? "Sonntags nie". Der nächste Erzbischof von Westminister, fast so etwas wie eine Eminenz, hat das Thema in die Öffentlichkeit getragen. Seiner Beschwerde an die Premier League liegt ein heftiges Argument zu Grunde. Die Liga würde die Gefühle ihrer Angestellten verletzen. Der Erzbischof ist Liverpool-Fan.

• Man kann das Thema Anabolika im Sport auch lustig sehen (wenn man zum Beispiel nicht über die medizinischen Folgen von Missbrauch nachdenkt). Und dann entwickelt man ein Online-Spiel wie dieses (via the Big Lead).

16. Dezember 2008

Eine Nationalmannschaft, die ihren Namen verdient hat

Da wächst zusammen, was zusammen gehört...
...und in 20 Jahren wird sich kein Mensch mehr fragen, weshalb es einmal anders war.

23. September 2008

Das Tor, das keines war

Die UNO tagt in New York und ignoriert die Finanzkrise ganz nonchalant und ihre Besucher verstopfen die Straßen von Manhattan. Tony Blair, der Sidekick, ohne den George Bush nicht den Mumm gehabt hätte, den Irak-Krieg anzuzetteln, sitzt bei Jon Stewart am Tisch und tut so als sei alles nur halb so schlimm. Dabei geht in Großritannien dieser Tage auch ganz gut die nervöse Post ab. Mit einem Schotten in 10 Downing Street, der demnächst den Hut nehmen wird und mit Blair den Kreis der Ruheständler verstärken.

Ach ja, und in der Premier League geht es auch nicht mit rechten Dingen zu. Der Trikotsponsor von Manchester United, der amerikanische Versicherungskonzern AIG, schwankt gefährlich und brauchte US-Steuersubventionen (die man sich in Washington gewöhnlich bei den Chinesen borgt) zum Überleben. West Ham verlor seinen Gönner XL. Überhaupt sinken die Einnahmen von Trikotsponsoren in der Liga, schreibt die International Herald Tribune. Alles schwächelt irgendwie. Aber das kann man noch toppen. Indem man Tore gibt, die gar nicht gefallen sind. Hier der jüngste Fall aus dem Match vom Samstag zwischen Reading und Watford, in den der jüngste approbierte Schiedsrichter im englischen Profi-Fußballbetrieb verwickelt war. Das Ganze fand zwar eine Stufe unter der Premier League statt, in der sogenannten Football League Championship, aber die Aufregung ist dennoch groß (via The Big Lead).

18. August 2008

Zirkus auf den Rängen

Ein bisschen Englisch-Unterricht für Fußball-Fans. Deuce of Davenport hat ein Bild von einem Match aus England zwischen Wellington United und Maidstone aufgespürt. Mit vier Jungs, die ihr Missfallen über ein ganz schlappes Tor, das ihr Torwart kassiert hatte, wie Zirkusartisten artikulieren. Der erste ganz links verbeugt sich zum C. Der Zweite liegt auf dem Rücken und formt ein U. Der Dritte kniet und schafft so zumindest ein stilisiertes N. Und der Typ ganz rechts breitet die Arme aus und sieht aus wie ein T. Um mit Country Joe in Woodstock zu brüllen? "What's that spelled?

28. Januar 2008

Capello macht reine

Fabio Capello ist mit der Aufgabe betraut worden, die englische Auswahlmannschaft zu verbessern. Und er nimmt sie offensichtich ernst. Da steht schließlich demnächst eine WM-Qualifikation an, wofür man ein solides Konzept und ein solides Team braucht. David Beckham kommt aus Sicht von Capello dafür nicht in Frage. Eine Erkenntnis, die innerhalb der nächsten Monate einen interessanten Effekt auf den Nachrichtenwert der Beckhams in der britischen Presse haben wird. Denn ohne die große Bühne mit dem Drei-Löwen-Team haben die Hollywood-Eskapaden des ehemaligen Spielführers nur noch Kurzmeldungszuschnitt. Und das dürfte Auswirkungen auf den Paparazzi-Ansturm haben. Denn die fotografieren nur, was die Redaktionen ankaufen. Capello sieht auch keine Hoffnung: Er hat "ernsthafte Zweifel über den Standard von Major League Soccer", schreibt der Guardian. Jetzt muss er nur noch einen Weg finden, dies Beckham zu verklickern.

In den USA arbeitet man aber zumindest an der Qualität der Flugreisen für Spieler. Die müssen im Prinzip mit regulären Maschinen fliegen, um die Kosten zu sparen (das Argument der Basketballer mit ihren langen Beinen fällt nicht ins Gewicht). Aber weil das für Beckham angesichts seines Bekanntheitsgrades eine Zumutung darstellt, wurde die Auflage jetzt ein bisschen gelockert. Jede Mannschaft darf zumindest für vier Trips ein Charter-Flugzeug mieten. Ein Hinweis: Die Flugzeit von Los Angeles nach New York oder Toronto beträgt fünf Stunden.

3. Januar 2008

Das Millionengrab Fünfte Liga

Ebbsfleet United sollte schon bald jedem im kicker-Leser-Land und darüberhinaus zum Begriff werden. Ebbsfleet United? Ja. Oder wenn nicht, dann wenigstens dieser Name: myfootballclub.co.uk, eine Webadresse für mittlerweile 26.000 Fußballanhänger, die den Gegenwert von rund 70 Dollar bezahlt haben, um ein echtes Team in der unteren Etage des englischen Ligaalltags zu erwerben.

An dem Projekt ist vieles bemerkenswert. Nicht zuletzt, dass 1.500 Anteilseigner in den USA sitzen, wie das Wall Street Journal gestern berichtete. Aber vor allem, dass diese Schar in Zukunft mit Hilfe von Online-Abstimmungen aus der Ferne das Schicksal des Clubs bestimmen will. Das ist nicht nur neu. Das ist auf eine faszinierende Weise nichts anderes als die Urform des Vereinskonzepts mit seinen Mitgliederversammlungen und Vorstandssitzungen. Wenn auch mit einem etwas anderen Dreh. Denn die Urdemokratie der Aktionäre wird so weit gehen, über die Anschaffung von Spielern (und logischerweise auch den Rauswurf) abzustimmen. Wahrscheinlich wird auch die jeweilige Aufstellung einem Votum unterworfen. Das nennt man Micro-Management. Und da sträuben sich jedem graduierten und nicht graduierten Absolventen der Betriebswirtschaft die Haare. Oder sie kichern leise. Was vermutlich die Reaktion der Leser des Journals ist, dem besten Wirtschaftsblatt weltweit.

Reporter Max Colchester hat viele interessante Details ausgegraben, die einem die Dimension der Unternehmung verdeutlichen: Der Club aus der Grafschaft Kent, der 2005 komplett auf "professional" umgestellt wurde, frisst pro Jahr umgerechnet rund 3 Millionen Dollar auf. Davon gehen zwischen 600.000 und 800.000 für Spielergehälter drauf. Wenn man aber nur 1.000 Zuschauer pro Spiel auf die Beine bekommt und kaum Sponsorenhilfe, dann rutscht man damit unweigerlich ins Minus. Anders gesagt: In einer solchen Konstellation ist es auch egal, wer bestimmt, welche Kicker eingekauft werden und wer spielt. Das Projekt kann wirtschaftlich gar nicht funktionieren.

Die Geldinfusion der Webinvestorengruppe wird bei umgerechnet rund 1,1 Millionen Dollar liegen, wie der Daily Telegraph berichtet, der ebenfalls Mini-Mitaktionär bei der Webaktion ist. Wenn nicht in Ebbsfleet, das regional unter anderem gegen Teams aus Oxford und Cambridge spielt, dann woanders. In Kent, derzeit Platz 9 in der Blue Square Premier Division, was die fünfte Klasse im englischen Spielbetrieb ist, träumt man derweil noch vom Aufstieg in die League 2, die nach den merkwürdigen euphemistischen Gebräuchen der Engländer nur die vierte Liga darstellt.

Nur eines allerdings ist wirklich sicher: Dass demnächst der Eurostar auf dem Weg zwischen London und Paris auf dem neuen Bahnhof in Ebbsfleet hält. Das Zugunternehmen ist der Sponsor des Clubs.

14. Oktober 2007

Spiel mir das Lied vom Doof


Wer solche Freunde hat, braucht sich über seine Feinde keine Sorgen mehr zu machen: Kenny Rogers (nein nicht der Baseball-Pitcher, der im letzten Jahr bei der World Series unangenehm aufgefallen ist, sondern ein weißhaariger und weißbärtiger Sänger, der seit Jahr und Tag in den USA herumtingelt und dabei gutes Geld verdient) hat sich über YouTube noch rasch an die englischen Rugby-Fans herangewanzt. Er hatte gehört, dass die Anhänger der Mannschaft, die sich bis ins WM-Finale durchgekämpft hat, eines seiner alten Lieder singen. Nun steht er da - im Trikot aus Britannia - und zeigt noch mal, wie ER die Melodie intoniert. Mit einer leicht angerauhten, aber auch schmalzigen Stimme (man denkt unweigerlich an Rex Gildo ohne Bart) und dem Spruch am Schluss: "Wenn ihr verliert, dann enterbe ich euch und ihr hört nie wieder von mir." Das war vor dem Sieg über Frankreich ("those French bastards") (via With Leather). Heißt das, dass sich Kenny Rogers vor dem Finale noch mal zu Wort meldet? Steht zu befürchten. Das gesamte Werk, vor Jahren mitgeschnitten bei einem Live-Auftritt, kann man hier finden.

Was Rogers überhaupt nicht begriffen hat: Dass man seinen Text für das Spiel gegen Australien hübsch und neckisch weiterentwickelt hat. Aber so etwas kann man wohl nicht verlangen.

Sehr zu empfehlen dieser Tage zum Thema Rugby-WM: allesaussersport.

25. September 2007

Einmal Empire, immer Empire

Wer hat eigentlich den Engländern beigebracht, dass sie das Fußballspiel, das sie dereinst in ein Regelwerk gegossen haben, auf ewig von einer erhobenen (erhabenen? arroganten?) Warte aus betrachten dürfen? Spätestens seit der Klatsche 1953 gegen Ungarn (oder allerspätestens seit dem zusammengeschummelten WM-Sieg 1966) sollte doch wohl klar sein: England stellt bestenfalls die Stadien und die Zuschauer zur Verfügung. Den attraktiven Rest liefert der Rest der Welt. Wozu ja mittlerweile auch das Geld gehört, das Investoren aus Russland und den USA in die Premier League pumpen. Und die Knete von den Fernsehanstalten aus aller Welt, die die Übertragungsrechte für die Liga und die Champions League bezahlen.

Aber so sind sie eben. Einmal Empire, immer Empire. Mit allem pomp and circumstance. Den jüngsten Fall erlebt man dieser Tage aus Sicht der USA. Also dort, wo David Beckham auf der Ersatzbank sitzt. Nun beschäftigen sich plötzlich blokes und lads mit Major League Soccer und mit dem Englisch, das von amerikanischen Fernsehkommentatoren verbrochen wird. Unter dem Vorwand, man müsse englischen Lesern die farbigen Begriffskonstruktionen übersetzen, werden nun immer wieder irgendwelche Beginner's Guide to MLS Terminology-Listen verfasst, die eigentlich nichts anderes besagen sollen: die spinnen, die Amis. Das Armutszeugnis solcher Belehrungsversuche besteht vor allem darin, dass die herausgepflückten Beispiele überhaupt nicht gebräuchlich sind, sondern vielleicht hin und wieder einem einzelnen Moderator mit Kreativambitionen von der Zunge rollen. Kein Wunder, dass die wahren US-Fußball-Fans, die solche verzerrenden Traktate hassen, inzwischen zurückballern und erklären: die Briten erfinden Sachen. Das tun sie sicher nicht. Sie pflegen einfach nur ihren Napoleon-Komplex - nach Strich und Faden.

13. September 2007

7 aus 50 (fast wie bei den Lottozahlen)

Es ist dringend an der Zeit, den geistigen Zustand der englischen Fußball-Journaille zu überprüfen. Oder wenigstens den der Burschen von der Times in London. Die haben eine Liste der 50 besten Trainer aller Zeiten zusammengepopelt. Und dabei nach einem undurchsichtigen Wertungsschema den Dummschwätzer (Copyright: Trainer Baade) zum besten deutschen Mann an der Linie ernannt. Hier die Platzierungen (Erster wurde Rinus Michels):
20. Franz Beckenbauer
31. Ottmar Hitzfeld
34. Helmut Schön
38. Sepp Herberger
40. Udo Lattek
42. Otto Rehhagel
50. Hennes Weisweiler
Wenn es noch mehr Leuten die Sprache verschlägt, bitte fleißig kommentieren. Die komplette Liste und die dazugehörigen Texte findet man hier. (via The Offside)

22. August 2007

Ein Adler und drei Löwen

Auch wenn es heute abend in Wembley um nichts geht: für die Engländer geht es natürlich in einem Match gegen Deutschland immer um etwas. Wie man an diesem Klassiker unschwer erkennen kann kann. Und damit geben wir ab nach London:

Mehr zur Geschichte des Songs ("Three Lions") und zu dieser Video-Version aus dem Jahr 1998 findet man hier. Eine sehr gute Zusammenstellung über die Vorberichterstattung zum Spiel gibt es bei indirekter-freistoss.de