19. April 2007

Golf: Auszeit für Annika - ihre Academy nimmt den Betrieb auf

Die Wirbelsäule eines Golfers wird auf eine Weise strapaziert, die selbst dann nicht gesund sein kann, wenn der Schwung sehr gut aussieht. Die beste Golferin der Welt, Annika Sörenstam, muss jetzt den Preis dafür bezahlen. Ärzte haben festgestellt, dass eine ihrer Bandscheiben eingerissen und vorgefallen ist. Die Schwedin muss pausieren und will dieses Jahr nur noch bei den Majors antreten. Die Verletzung hat vielleicht sogar etwas Gutes. Die Schwedin hat soeben die erste Annika Academy im Ginn Reunion Resort am Stadtrand von Orlando eröffnet. Damit dringt sie in die Fronde von Leuten wie David Leadbetter und Butch Harmon vor, den ich in der nächsten Woche in Las Vegas besuchen werde. Die Ausbildungseinrichtung wird sicher sehr viel Sympathien bei Frauen finden, die sich immer stärker für das Spiel begeistern, aber oft nicht mit den konventionellen Trainingsansätzen zufrieden sind. Das Team wird von Sörenstams Golflehrer Henri Reis sowie von ihrem deutschen Golffitness-Guru Kai Fusser (Foto, mit der ehemaligen British-Open-Siegerin Karen Stupples) geleitet, der seit Jahren in Orlando lebt und die Grundlage dafür gelegt hat, dass die 36jährige heute zu den Weitenjägern auf der LPGA Tour gehört.

Über Fusser habe ich übrigens für die Schweizer Golfzeitschrift DRIVE vor einer Weile ein ausführliches Porträt geschrieben. Hier ein paar Auszüge:
Dass ein Diplomingenieur für Seeverkehr aus dem Binnenland Rheinland-Pfalz der Trendsetter für die weltbesten Golferinnen werden konnte, gehört zu den typischen Geschichten aus Amerika. Hier können sich Männer mit Ideen, Ambitionen und den richtigen Kontakten innerhalb weniger Jahre eine Nische erkämpfen und erfolgreich ausbauen. So ist denn Fussers Lebensweg auch weniger einer Kombination aus Zufällen als das Resultat einer kontinuierlichen Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper. Das begann mit sieben Jahren, als er seinen ersten Expander geschenkt bekam und von da an mit Lust und Leidenschaft benutzte. Und es ging weiter über sein Engagement als Wasserskifahrer und in seinen Kontakten mit furchtlosen Wakeboard-Surfern, an denen er vor ein paar Jahren zum ersten Mal seine Theorien über die positiven Auswirkungen von einem spezifischen Kraftraining ausprobierte.....

....Die Ingredienzien von Fussers Intervention in den Trainingsablauf sind bemerkenswert und schlicht zugleich. So trainieren seine Klienten durchschnittlich nicht mehr als vorher. Was sie mehr an Zeit mit Hanteln und Medizinbällen aufwenden, gewinnen sie bei der Arbeit auf der Driving Range. Der Grund: Je größer die Elastizität und Stabilität der Muskulatur - desto weniger muss ein Spieler an seinem Schwung herumdoktern. Wichtig ist allerdings die Bereitschaft zu konsequenter und konzentrierter Fron: "Ich denke, dass viele Spielerinnen beim Workout zu zart behandelt werden", meint Fusser. "Sie sind Athleten. Sie sollten auch so wie Athleten trainieren."

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