Kluge Menschen haben endlich eine Möglichkeit gefunden, langwierige Prozesse abzukürzen und die Beweisaufnahme aufs Wesentliche zu reduzieren. Besser als Lügendetektoren und richtig gut fürs Fernsehgericht. Man möge doch einfach so genannte Körpersprache-Experten anheuern, die in der Lage sind zu beurteilen, ob ein Mensch die Wahrheit sagt oder nicht. Das jüngste Beispiel dafür, wie einfach und schnell man schwierige Fälle lösen kann, ist die Arbeit von Sally Chopping, die von einem Fernsehsender in Pittsburgh engagiert wurde, um sich den Auftritt von Ben Roethlisberger bei seiner Pressekonferenz anzuschauen. Dort hatte der Quarterback der Pittsburgh Steelers den Vorwurf eines sexuellen Übergriffs auf eine Hotelangestellte in Reno kategorisch zurückgewiesen. Ms. Chopping, durch ihren britischen Akzent als Charakterdarstellungs-Bewertungsinstitution ausgewiesen, kam zu einem klaren Resultat: Nicht schuldig. Der Mann sagt die Wahrheit.
Übrigens: Ms. Chopping lebt davon, Managern genau das beizubringen, was sie hier herausgefiltert hat – die überzeugende schauspielerische Leistung, mit der man in jeder Lebenslage dem Rest der Welt einen vormachen kann.
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25. Juli 2009
23. Juli 2009
Kompass in der Tunika
Der world wide leader befindet sich auf einem seltsamem Kurs. Als die Nachricht über die Zivilklage gegen Pittsburgh Steelers Quarterback Ben Roethlisberger die Runde machte, gab es zwei Tage lang kein einziges Wort auf ESPN. Der Fernsehsender hat einen eigenen News-Kanal und eine Aktualitäten-Show namens SportsCenter und kann sich nie herausreden und sagen, sie hätten keinen Platz gehabt. Zwei Tage, in denen sich nicht nur die Blogger wunderten: Was ist das für eine redaktionelle Politik? Wenn schwarze Football-Profis in Schwierigkeiten geraten, werden sogleich die Reporter in Marsch gesetzt oder zumindest die Meldungen vom AP-Ticker abgelesen. Wenn der Quarterback des amtierenden Super-Gewinners in schattigem Licht erscheint, hält man sich zurück. Mit Schweigen. Liegt das am Ende an der Hautfarbe der betreffenden Person und den Klischees im amerikanischen Alltag? Wer weiß? Inzwischen wurde berichtet.
(Nachtrag: Und Roethlisberger hat sich mit einer persönlichen Stellungnahme an die Öffentlichkeit gewandt, in der alles bestreitet. Fragen von Journalisten hat er keine beantwortet.)
Der Sender wirkt zunehmend wie gelenkt von einem klerikalen Übergremium mit irgendeinem moralischen Kompass in der Tunika. Das kann man an der Reaktion auf die Berichterstattung der New York Post in der Erin-Andrews-Sache erkennen. Das Boulevard-Blatt, das soviel Druckerschwärze produziert, dass man sich mit einer einzigen Ausgabe einen Schornsteinfeger-Look zum Karneval verpassen kann, hatte mal wieder die alte Nummer abgezogen: Empörung (über den bösen Videofilmer) und voyeuristische Geilheit (seht her, liebe Leser, so sieht die Frau nackt aus) in einem Aufguss. Bei ESPN, wo man ganz offensichtlich zum ersten Mal mit allen rechtlichen Mitteln und mit viel Dampf eine populäre Mitarbeiterin des Hauses verteidigt, führte das zu folgender Reaktion: Es wurden alle Sportreporter der Zeitung, die bislang als Experten bei allerlei Gelegenheiten eingesetzt wurden, auf die schwarze Liste gesetzt. Die Zeitung, die Rupert Murdoch gehört und eine politisch rechte Ausrichtung pflegt, lässt sich durch solche Schüsse vor den Bug nicht beeindrucken. In einer Meldung auf der meistgelesenen Klatschspalte Amerikas (Page Six), gab es die erste Retourkutsche: ESPN wurde als "Mickey-Maus-Sportnetwork" verspottet. Warum das? Der Sender gehört zum Unterhaltungskonzern Disney.
An den zwei Sachverhalten fällt einiges auf. Erstens: ESPN ist mächtig und übt die Macht auch aus. ESPN hat sehr schwammige Kriterien im Umgang mit Prinzipien. Was immer denn deutlich wird, wenn der Sender den Eiertanz zwischen Rechteverwerter und Cheerleader von Sport (zur Zeit ist das Baseball, Mondey Night Football, NBA, Major League Soccer, Collegesport) einerseits und distanziertem Journalismus andererseits hinbekommen muss. Ich bin gespannt, ob der neue Ombudsman Don Ohlmeyer zu diesen Themen etwas zu sagen hat. Gedanken zu dem alten Fernseh- und Fahrensmann hat dogfood bei allesaussersport bereits vor ein paar Tagen formuliert. Sollte man lesen, wenn man sich für den Sender interessiert, der zwar bei den Bundesliga-Rechten neulich nicht ins Geschäft kam, aber inzwischen im Land von Elizabeth Zwo mitmischt.
(Nachtrag: Und Roethlisberger hat sich mit einer persönlichen Stellungnahme an die Öffentlichkeit gewandt, in der alles bestreitet. Fragen von Journalisten hat er keine beantwortet.)
Der Sender wirkt zunehmend wie gelenkt von einem klerikalen Übergremium mit irgendeinem moralischen Kompass in der Tunika. Das kann man an der Reaktion auf die Berichterstattung der New York Post in der Erin-Andrews-Sache erkennen. Das Boulevard-Blatt, das soviel Druckerschwärze produziert, dass man sich mit einer einzigen Ausgabe einen Schornsteinfeger-Look zum Karneval verpassen kann, hatte mal wieder die alte Nummer abgezogen: Empörung (über den bösen Videofilmer) und voyeuristische Geilheit (seht her, liebe Leser, so sieht die Frau nackt aus) in einem Aufguss. Bei ESPN, wo man ganz offensichtlich zum ersten Mal mit allen rechtlichen Mitteln und mit viel Dampf eine populäre Mitarbeiterin des Hauses verteidigt, führte das zu folgender Reaktion: Es wurden alle Sportreporter der Zeitung, die bislang als Experten bei allerlei Gelegenheiten eingesetzt wurden, auf die schwarze Liste gesetzt. Die Zeitung, die Rupert Murdoch gehört und eine politisch rechte Ausrichtung pflegt, lässt sich durch solche Schüsse vor den Bug nicht beeindrucken. In einer Meldung auf der meistgelesenen Klatschspalte Amerikas (Page Six), gab es die erste Retourkutsche: ESPN wurde als "Mickey-Maus-Sportnetwork" verspottet. Warum das? Der Sender gehört zum Unterhaltungskonzern Disney.
An den zwei Sachverhalten fällt einiges auf. Erstens: ESPN ist mächtig und übt die Macht auch aus. ESPN hat sehr schwammige Kriterien im Umgang mit Prinzipien. Was immer denn deutlich wird, wenn der Sender den Eiertanz zwischen Rechteverwerter und Cheerleader von Sport (zur Zeit ist das Baseball, Mondey Night Football, NBA, Major League Soccer, Collegesport) einerseits und distanziertem Journalismus andererseits hinbekommen muss. Ich bin gespannt, ob der neue Ombudsman Don Ohlmeyer zu diesen Themen etwas zu sagen hat. Gedanken zu dem alten Fernseh- und Fahrensmann hat dogfood bei allesaussersport bereits vor ein paar Tagen formuliert. Sollte man lesen, wenn man sich für den Sender interessiert, der zwar bei den Bundesliga-Rechten neulich nicht ins Geschäft kam, aber inzwischen im Land von Elizabeth Zwo mitmischt.
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Rechtsstreit
7. Mai 2007
Unter falscher Flagge
Ich weiß, ich weiß - nicht schon wieder Pittsburgh. Aber das kommt davon, wenn man eine Football-Mannschaft hat, die respektabel spielt, und junge Frauen in seinem Weichbild beherbergt, die sich leichtgläubig von einem ehemaligen Autohändler weis machen lassen, dass er so aussieht wie a) Tight End Jerame Tuman oder auch wie b) Ersatz-Quarterback Brian St. Pierre oder wie c) der hinreichend bekannte Quarterback Ben Roethlisberger ("Big Ben"). Der Hochstapler hatte lange Erfolg und ließ sich von den Damen aushalten. Nun soll ihm der Prozess gemacht werden. espn.com hat die Geschichte (mit dem Foto des Missetäters, der auf den Namen Brian Jackson hört).
30. Oktober 2006
Big Ben: Ding Dong gegen Oakland
Ach ja, Ben Roethlisberger hat am Sonntag tatsächlich gespielt. Und zwar schlecht. Die Pittsburgh Steelers verloren mit ihm gegen die schlappste Mannschaft der Saison: die Oakland Raiders. Die Entscheidung, den Quarterback so kurz nach seiner schweren Gehirnerschütterung einzusetzen, war ein grotesker Fehler.
Blick zurück: Big Ben spielt auch mit Dröhnen im Kopf
Blick zurück: Big Ben spielt auch mit Dröhnen im Kopf
26. Oktober 2006
Big Ben spielt auch mit Dröhnen im Kopf
Ein Motorradunfall, bei dem er beinahe innerlich verblutet wäre, eine Blinddarmoperation vier Tage vor Beginn der Saison und am Sonntag dann auch noch eine schwere Gehirnerschütterung, wegen der minutenlang bewusstlos auf dem Rasen lag - das ist der Liste der gesundheitlichen Probleme eines der besten Quarterbacks der NFL. Er heisst Ben Roethlisberger, Spitzname Big Ben, spielt bei den Pittsburgh Steelers und besteht darauf, schier unverwüstlich zu sein. Obwohl die Ärzte das für Unfug halten und der 24jährige dabei seine Karriere aufs Spiel setzt, will er am kommenden Sonntag wieder spielen und trainiert seit ein paar Tagen wieder. Die normaler Therapie lautet: Bettruhe. Trainer Bill Cowher, der mit seinem Spielgestalter vor ein paar Monaten den Super Bowl gewonnen hatte, hätte die Autorität, Roethlisberger auf die Bank zu verbannen. Aber danach sieht es im Moment nicht aus. Motto: Wir quetschen die Zitrone aus, solange wir das können. Danach besorgen wir uns eine neue.
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