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25. Juli 2009

Was der Körper alles verrät

Kluge Menschen haben endlich eine Möglichkeit gefunden, langwierige Prozesse abzukürzen und die Beweisaufnahme aufs Wesentliche zu reduzieren. Besser als Lügendetektoren und richtig gut fürs Fernsehgericht. Man möge doch einfach so genannte Körpersprache-Experten anheuern, die in der Lage sind zu beurteilen, ob ein Mensch die Wahrheit sagt oder nicht. Das jüngste Beispiel dafür, wie einfach und schnell man schwierige Fälle lösen kann, ist die Arbeit von Sally Chopping, die von einem Fernsehsender in Pittsburgh engagiert wurde, um sich den Auftritt von Ben Roethlisberger bei seiner Pressekonferenz anzuschauen. Dort hatte der Quarterback der Pittsburgh Steelers den Vorwurf eines sexuellen Übergriffs auf eine Hotelangestellte in Reno kategorisch zurückgewiesen. Ms. Chopping, durch ihren britischen Akzent als Charakterdarstellungs-Bewertungsinstitution ausgewiesen, kam zu einem klaren Resultat: Nicht schuldig. Der Mann sagt die Wahrheit.

Übrigens: Ms. Chopping lebt davon, Managern genau das beizubringen, was sie hier herausgefiltert hat – die überzeugende schauspielerische Leistung, mit der man in jeder Lebenslage dem Rest der Welt einen vormachen kann.

18. März 2009

NFL: Botschafter in Dublin

Dan Rooney, der Eigentümer der Pittsburgh Steelers, hat einen neuen Job. Er wird Botschafter der Vereingten Staaten in Dublin. Es handelt sich um das Dankeschön von Barack Obama an einen Mann, der ihn schon früh im Wahlkampf unterstützt hat. Man fragt sich: Warum gibt es so etwas nicht in Deutschland? Franz Beckenbauer wäre doch ein idealer Diplomat und könnte seine Heimat doch in der Ferne viel besser vertreten und gleichzeitig der Welt erklären, wieso man in Deutschland immer noch so hervorragend Fußball spielt. Andere Figuren aus dem Sport hätten doch sicher ebenfalls das Format. Und man könnte auf diese Weise deren dann frei gewordenen Stühle wieder neu besetzen und müsste nicht warten, bis sie irgendwann im hohen Alter das Zepter abgeben.

11. Juli 2008

Packers oder Steelers oder was?

Nachdem wir demnächst bei den amerikanischen Präsidentschaftswahlen auf die Zielgerade einbiegen, ist es nur verständlich, dass die beiden Kandidaten die eine oder andere Anleihe beim Sport probieren. Sportbegriffe haben die Politikersprache schon vor langer Zeit infiltriert. Jetzt kommt die nächste Phase: Kandidaten, die ein intimes Verständnis für die jeweilige Sportart und sogar regelrechtes Interesse heucheln.

Das kann natürlich in die Hose gehen, besonders wenn mit jenseits der 70 schon Gedächtnislücken hat, die so groß wie Scheunentore sind. Wie John McCain. Der erzählte neulich in Pittsburgh eine Anekdote aus der schweren Zeit seiner Gefangenschaft im von den Amerikanern spöttisch genannten Hanoi Hilton während des Vietnam-Kriegs, wo er gefoltert wurde. Wenn sie auch ganz anders klang als die Version, die er einst in seinen Memoiren zu Papier gebracht hatte. In dem Buch hatte er erzählt, dass er, ein Marine-Pilot, den man in der Luft über Nord-Vietnam abgeschossen hatte, im Verhör Angriffsspieler der Green Bay Packers heruntergespult habe, als man ihn zwingen wollte, die Namen der Kollegen aus seiner Schwadron zu verraten. Anno 2008 wurde daraus plötzlich eine Liebeserklärung an die Pittsburgh Steelers und deren Verteidigungsreihe und erzwang eine peinliche Richtigstellung.

Der Republikaner McCain kann sich an vieles nicht erinnern, auch nicht an sein Votum im Senat, wonach er zwar dafür war, Medikamente wie Viagra für Männer als verschreibungspflichtig einzustufen, aber nicht Kontrazeptiva für Frauen, obwohl die sehr oft unter rein therapeutischen Vorzeichen verordnet werden. Die selektive Wahrnehmung der Welt ist für diesen Politikertypus nichts Neues und wird sich voraussichtlich noch bei weiblichen Wählern herumsprechen. Zumal McCain dafür ist, die Entscheidungsfreiheit von schwangeren Frauen in der Frage von Abtreibungen zu beenden. Bei diesem Thema hält es der Senator aus Arizona mit dem Papst.

Aber wir waren beim Sport und wollen deshalb noch ein Gerücht vermelden, wonach McCains formidabler Gegner Barack Obama einen Teil der Spendenmillionen, die er für seinen Wahlkampf ausgeben wird, einem Rennwagen-Team in der NASCAR-Serie um den Sprint Cup in den Rachen werfen will. Sports Illustrated vermeldet, dass er zunächst nur bei einem Rennen das Auto mit der Nummer 49 bepflastern will. Vorausgesetzt der Toyota mit Ken Schrader am Steuer qualifiziert sich. Vielleicht werden daraus auch mehrere Werbeauftritte. Die Idee ist nicht neu, aber sicher ihr Geld wert. Denn ein solcher Ausflug eines demokratischen Wahlkämpfers in eine feindliche Hochburg (sowohl die Betreiber als auch die Rednecks auf den Zuschauerrängen und den benachbarten Campingplätzen haben ein anderes Weltbild als Obama) wird sehr viel an Medienecho produzieren. Und es hilft auch noch dem Gegner: Die Eigentümer von Wagen Nummer 49 sind laut SI zwei "stramme Republikaner".

5. Januar 2008

NFL: Die ersten Wild-Card-Spiele machen Lust auf mehr

Zwei richtig gute Playoff-Spiele zum Auftakt der K.O.-Runde in der NFL machen Lust auf mehr. Die 14:35-Niederlage der Washington Redskins in Seattle wirkt klarer, als sie war. Die Mannschaft fand durchaus Mittel und Wege gegen die unglaublich schnelle und athletische Verteidigung der Seahawks und schaffte zwischendurch die Führung mit 14:13. Am Ende waren die Interceptions, die Quarterback Todd Collins warf, nicht wett zu machen. Der einzige Redskin, der in diesem Jahr noch mit von der Partie ist: Der tote Safety Sean Taylor, dessen Rückennummer alle Spieler auf dem Helm tragen. Ob er heute als der Top-Mann der Mannschaft der Begegnung einen anderen Dreh gegeben hätte? Wohl kaum. Die Offensivleistung war das Problem. Seattle spielt am kommenden Wochenende in Green Bay. Die Konstellation hat zumindest eine pikante Note: Seahawks-Coach Mike Holmgren hat bei den Packers deren letzten Super-Bowl-Sieg bewerkstelligt und sicher noch heute dort, wenn man ihm so viel Macht und Einfluss gegeben hätte wie in Seattle.

Rasierklingenscharf ging es in Pittsburgh zu, wo der Rasen mal ausnahmsweise trotz des schlechten Wetters halbwegs hielt und nicht zum Faktor wurde. Das vierte Viertel war großartig, rasant und spannend, weil die Steelers einen 18-Punkte-Rückstand aufholten und knapp drei Minuten vor Schluss zum 29:28 in Führung gingen. Die Jacksonville Jaguars hatten zu dem Zeitpunkt durchaus genug Zeit, um die Line of Scrimmage in den Field-Goal-nahen Bereich zu schieben. Aber wenn nicht Quarterback David Garrard bei einem 4th Down alles auf eine Karte gesetzt und mit dem Ball unterm Arm nach vorne gestampft wäre, hätte sich die Chance beizeiten erledigt. Die Quarterback-Entdeckung des Jahres legte nicht nur die zwei Yards zurück, die er brauchte, um seiner Mannschaft den Ballbesitz zu erhalten. Er schleppte das Ei fast unwiderstehlich über 32 Yards nach vorne und schlug dabei auf seinen riesigen Oberschenkel-Tröten noch einen wirkungsvollen Haken. Wenige Spielzüge machten die Jaguars mit eine Field Goal zum 31:29 den Sack zu.

Ihr Gegner in einer Woche steht noch nicht fest. Der hängt davon ab, wer am Sonntag im zweiten Wild-Card-Spiel der AFC gewinnt: die San Diego Chargers oder die Tennessee Titans. Leichter wird's auf keinen Fall. Denn es sind entweder die Indianapolis Colts oder die New England Patriots.

9. Dezember 2007

Die Fernsehpolitik der NFL: Wieder in der Sports Bar

Vor etwas mehr als einer Woche war's die Politik der NFL, die ihren eigenen Kanal popularisieren will und die einen auf diese Weise hinaus in die Kälte und in die Sports-Bar zwei Blocks weiter trieb. Heute war es der Umstand, dass der übertragende Sender - in diesem Fall CBS - bei der Auswahl der Begegnungen, die er in einem bestimmten Markt ausstrahlt, Vorfahrt für den örtlichen Club geben muss. In diesem Fall: Weil die unterirdischen New York Jets zur gleichen Zeit wie die Steelers und Patriots antraten und alle Karten ausverkauft waren, bekam ganz New York eine der schlechtesten Mannschaften der Liga aufs Auge gedrückt.

Vor anderen Kneipen standen bereits Schlangen, ehe die Übertragung der Hauptattraktion des Sonntags begann, die sich die Lokale über Satellit reinholen, wofür sie richtig Geld bezahlen. Unser Schuppen war einfach nur randvoll. Mit 60 zu 40 Sympathien zu Gunsten von Pittsburgh und Leuten in den entsprechenden T-Shirts. Die Stimmung war seltsam. Ein bisschen zu kräftig der Applaus, wann immer Roethlisberger etwas zustande bekam. Ansonsten nur Grundrauschen und Gebrabbel aus allen Ecken. Der amerikanische Fan am Sonntagnachmittag mit einem Glas Bier in der Hand ist und bleibt ein Kuriosum. Da flutet nichts an. Da ebbt nichts ab. Keine Gesänge und keine Erwartung. Nur Starren auf den Großbildschirm. Und wenn der Spielzug zu Ende ist, wird vielleicht mal kurz gebrüllt. Davon kann man sich angesichts der sich ewig in die Länge ziehenden Übertragungen beim besten Willen nicht mitreißen lassen. Ich ging in der Halbzeit und verfolgte den Rest des Spiels zuhause online.

Die Steelers schienen das gemerkt zu haben. Sie produzierten in der zweiten Halbzeit keinen einzigen Punkt mehr. Die Patriots machten aus dem 17:13, das noch einige Spannung versprach, ein 34:13. Sie verdoppelten ihre Punktzahl. Natürlich habe ich noch etwas Hübsches verpasst: zum Beispiel den Flea-Flicker-Spielzug zwischen Tom Brady und Randy Moss, bei dem der Pass bei Jabar Gaffney landete, der einen Touchdown produzierte.


Von der Live-Übertragung waren eine ganze Reihe von Städten ausgeschlossen. Nicht nur New York, Denver und Kansas City, die zur gleichen Zeit spielten, sondern auch San Diego (wo der örtliche Fernsehkanal selbstherrlich entschied, dass sich die Leute gefälligst für die Divison-Rivalen der Chargers zu interessieren haben: nämlich Denver und Kansas City), San Francisco (weil die 49ers ebenfalls die Bude voll bekommen hatten). Das soll gut sein für die Einschaltquote?

8. Dezember 2007

Pittsburgh oder Patsburgh?

Die Neigung amerikanischer Medien, vorab die Chancen einer Mannschaft bei einem Footballspiel auszuloten, funktioniert nach dem gleichen Schema. Das ist jenes, mit dem sie sich auch mit Basketball und Baseball beschäftigen. Man kratzt alles mögliche an Datenmaterial zusammen und tut so, als ob eine Footballsaison tatsächlich eine statistische Aussagekraft hat. Das sehen nicht mal Leute so, die sich wahnsinnig gerne aus fachlicher Sicht mit Zahlen und Wahrscheinlichkeitsberechnungen herummühen. Die NFL bietet einfach nicht genug an Stoff, um kümmerliche Quantitäten in Qualitäten umzudenken.

Aber was soll's? Sagen die Unersättlichen. Heute ist Samstag. Und morgen spielen die Pittsburgh Steelers gegen die New England Patriots. Und so müssen angeblich folgende Infos auf den Tisch: Die Steelers sind die Nummer eins in total defense und Nummer 2 gegen das Laufspiel. Aber niemand rechnet dieses merkwürdige Spiel gegen die Miami Dolphins auf durchweichten Rasen heraus, das mit dem Fußballresultat von 3:0 gewonnen wurde. Kassieren die Steelers in dem Match ihren Saisondurchschnitt von 15 Punkten, sieht die Bilanz nur noch halb so gut aus. Wer sich anschaut, gegen wen die Mannschaft bisher angetreten ist, stellt fest: Fast alles waren Schlapptüten vom Format der New York Jets (und gegen die hat man noch verloren). Der einzige Gegner von Belang bisher: die Seattle Seahawks (die hat man allerdings glatt abgefertigt). Mit anderen Worten: Wer behauptet, die Steelers hätten eine Superverteidigung, der träumt.

Mit dem Angriff sieht es nicht minder relativ aus. Aber da das Team im ersten Jahr von Ben Roethlisberger den Super Bowl gewonnen hat und Hines Ward immer noch von der Partie ist, wittern einige: Pittsburgh ist gefährlich. Das sind vermutlich die gleichen, die in den letzten beiden Wochen erlebt haben, wie New England gegen die Philadelphia Eagles und gegen die Baltimore Ravens ausgesehen hat. Und die jetzt schlussfolgern, wenn solche Teams einen Gegner an den Rand der Niederlage bringen können, der zuvor jeden Gegner aus den Angeln gehoben hat, dann müssen das auch die Steelers fertig bringen.

Nichts gegen die Wunschvorstellungen von Leuten, die darauf hoffen, dass die Patriots nicht ungeschlagen davon kommen. Da bislang nur eine Mannschaft eine Saison mit sauberer Weste absolviert hat - die Miami Dolphins anno 1972 - darf man davon ausgehen, dass selbst die besten Teams immer für einen Patzer gut sind. Aber das passiert eher selten gegen starke Gegner, weil dann meistens die Konzentration stimmt, sondern eher gegen Schwache, wenn Überheblichkeit einsetzt. Ist Pittsburgh stark oder schwach? Ich tippe mal, die Patriots fühlen sich herausgefordert. Erst recht nach dieser Provokation von Steelers-Verteidiger Anthony Smith: "Ja ich kann einen Sieg garantieren."

Zu den gröbsten Fehleinschätzungen der letzten beiden Wochen gehört, dass die Patriots in der Verteidigung schwächer geworden sein sollen. Der schärfsten und am besten koordinierten und schnellste Defense der Liga geht gegen Ende der Saison die Puste aus, obwohl sie vom besten Defensive Coordinator der Liga, einem gewissen Bill Belichick betreut werden? Wie wär's mit einer ganz anderen Erklärung: Die Eagles und Ravens verstehen es besser als die meisten Mannschaften, ihre Angriffsspielzüge zu kaschieren. Und beide hatten Quarterbacks im Einsatz, deren Tendenzen die Patriots mangels unmittelbarer Erfahrung nicht annähernd so gut vorab ausgelotet hatten. Roethlisberger kennt man aus dem Effeff.

Also setzen die Wetter auch auf New England - und zwar auf einen Sieg mit mindestens 10,5 Punkten Vorsprung, was man bei einem Point Spread von 48 auf 29:19 umrechnen kann (unter Verzicht auf den Dezimalstellen-Nullfünfer, der ja ohnehin nur aus mathematischen Gründen existiert). Der übertragende Sender CBS setzt allerdings noch immer auf Spannung. Weshalb man sich dort die Hände reibt über die Ansetzung. Nach Angaben von allesaussersport bringt NASN die Begegnung live (ab 22 Uhr deutscher Zeit).

4. Dezember 2007

NFL: Wenn man gegen die Patriots gewinnen will, darf man sich nicht selbst schlagen

Die NFL hat in diesem Jahr ein hübsches Programm auf die Beine gestellt: Die New England Patriots gegen alle. Theoretisch könnte so etwas langweilig sein. Besonders im Fall einer Mannschaft, die bisweilen eine Gegner derartig klar dominiert, dass dabei Basketballresultate herauskommen. Aber tatsächlich wird es von Woche zu Woche immer spannender. Die Affäre mit der Videokamera und den New York Jets war nur die Aufwärmphase. Dann kam das Match gegen die Indianapolis Colts, das als Revanche für die Niederlage der Patriots im Frühjahr fungierte und Football-Fans gestattete, sich ein Bild vom Leistungsstand der Mannschaft zu machen.

Der ist nicht wirklich berauschend, wie sich vor einer Woche erstmals in einem Match gegen die Philadelphia Eagles zeigte und gestern in einer Begegnung gegen die Baltimore Ravens erneut dokumentiert wurde. Sowohl die Eagles als auch die Ravens waren gut genug, die Spiele zu gewinnen. Beide Teams brachten es jedoch am Schluss nicht fertig, die völlig verdiente Führung über die Ziellinie zu bringen. Denn Quarterback Tom Brady braucht am Ende einer Partie nur ein paar Gelegenheiten für seine messerscharfen Würfe, um sich und den Seinen einen Sieg herauszuschnitzen.

Die letzten beiden Spiele waren formidables Theater. Denn es geht nicht um die alberne statistische Frage: Schafft es New England, ungeschlagen bis in den Super Bowl zu kommen? Sondern es geht um die Frage: Was muss ein Gegner alles auf die Beine stellen, um die beste Footballmannschaft Amerikas aus den Angeln zu heben? Eine Menge. Das steht fest. Man muss mit unglaublicher Energie und Kraft attackieren und sich auf das Laufspiel konzentrieren. Und man darf in der Defensive keine Fehler machen. Und seien es solche Fehler wie der Timeout vor dem Versuch der Patriots im letzten Viertel, einem vierten Down mit einem zu erkämpfenden Yard als Ausgangslage. Die Schiedsrichter pfiffen in dem Moment ab, als Bradys den Quarterback-Sneak vergölst hatte. Der Timeout wurde von der Ravens-Seitenlinie signalisiert. Die Spieler auf dem Feld waren extrem sauer. Sie lagen in Führung. Sie hätten den Ball zurückbekommen. Und sie hätten das Spiel nach Hause geschaukelt.

Nächsten Sonntag steht den Patriots ein weiterer Test bevor: die Pittsburgh Steelers, die ihnen womöglich in den Playoffs noch einmal über den Weg laufen werden.

14. August 2007

Ketchup fur die Steelers: Heinz, was sonst?

Die Footballsaison naht. Die NFL-Teams spielen sich warm. Michael Vick schaut zu. Pacman Jones verdient Geld bei den Wrestlern. Da freut man sch über solche Banalitäten wie die Liste mit jenen Forderungen, die die Pittsburgh Steelers an die Hotels in anderen Städten schicken, ehe sie sich auf Reisen begeben. So detailliert und lang die Aufstellung auch ist - Stichwort Ketchup ("must be Heinz") und Kopfkissen für Club-Eigentümer Dan Rooney ("must have foam rubber pillows") - so beruhigend ist sie. Sie enthält keine Wünsche betreffend Stripperinnen, Waffen oder Hundehaltung. Die Steelers sind eben zahm. (via With Leather)

7. Mai 2007

Unter falscher Flagge

Ich weiß, ich weiß - nicht schon wieder Pittsburgh. Aber das kommt davon, wenn man eine Football-Mannschaft hat, die respektabel spielt, und junge Frauen in seinem Weichbild beherbergt, die sich leichtgläubig von einem ehemaligen Autohändler weis machen lassen, dass er so aussieht wie a) Tight End Jerame Tuman oder auch wie b) Ersatz-Quarterback Brian St. Pierre oder wie c) der hinreichend bekannte Quarterback Ben Roethlisberger ("Big Ben"). Der Hochstapler hatte lange Erfolg und ließ sich von den Damen aushalten. Nun soll ihm der Prozess gemacht werden. espn.com hat die Geschichte (mit dem Foto des Missetäters, der auf den Namen Brian Jackson hört).

27. Februar 2007

Holyfield und andere Profisportler in riesigen Doping-Ring verwickelt

Mehr als 20 Ärzte, Apotheker und Geschäftsleute in Alabama, Texas, Florida und New York wurden bereits verhaftet oder werden es noch, um einen amerikaweiten Ring auszuheben, der mit Hilfe des Internets in einem enormen Ausmaß Anabolika und andere Arzneimittel unters Volk gebracht hat. Ausgangspunkt waren die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in Albany im Bundesstaat New York, die am Dienstag mit Hilfe von Bundespolizei und anderen Ermittlungsbehörden in Orlando eine in die Affäre verwickelte Apotheke durchsucht haben. Nach Angaben der Times Union in Albany gehen die Gewinne der Ringteilnehmer in die Millionen und könnten aufdecken, in welchem Maße auch professionelle Athleten beliefert wurden. Die Rede ist von gegenwärtigen und ehemalige Major-League-Baseball-Spielern, Ex-Schwergewichtsweltmeister Evander Holyfield, einem ehemaligen Bodybuilder, der den Mr. Olympia-Titel gewann, sowie von NFL-Profis und College-Sportlern. Offensichtlich ebenfalls verwickelt: ein Arzt, der für die Pittsburgh Steelers arbeitet und im letzten Jahr im großen Stil Testosteron und Wachstumshormone angeschafft haben soll.

Der Zeitungsbericht illustriert, weshalb sich die amerikanischen Behörden so schwer tun, den Kampf gegen den illegalen Handel mit Dopingmitteln aufzunehmen. Es ist zeitintensiv, alle über ganze Land verteilten Fäden zusammenzubringen. So wurde in diesem Fall die Apotheke von Fahndern überwacht, und ein Gericht gab der Polizei die seltene Genehmigung, ihre Telefongesspräche abzuhören. Anders als beim Handel mit harten Drogen werden die Täter gewöhnlich nur sehr milde bestraft. Ärzten, die blind und willig Rezepte ausstellen und das Geschäft zu ermöglichen, ist ebenfalls nur sehr schwer beizukommen. Der Steelers-Arzt, ein bestens beleumundeter Silbermedaillengewinner im Turmspringen bei den Olympischen Spielen in München, fiel den Ermittlern auf, weil er sich die Substanzen aus Orlando kommen ließ und mit seiner privaten Kreditkarte dafür bezahlte. Der Ladenpreis für die Ware liegt bei insgesamt rund 750.000 Dollar.

Die Apotheke in Orlando gehört dem Ehepaar Naomi und Stan Loomis, die beide vom Fach sind und im Jahr 2002 mit ihrem Betrieb einen Jahresumsatz von 500.000 Dollar auf die Beine gestellt hatten. Das Geschäft schwoll im vergangenen Jahr auf 35 Millionen Dollar an. Das Paar wurde in Handschellen aus ihrem Laden abgeführt.

21. Januar 2007

Eine Premiere: Der erste schwarze Trainer im Super Bowl

Der erste schwarze Trainer im Super Bowl: Das ist Lovie Smith, der mit den Chicago Bears die New Orleans Saints auseinandergenommen hat. So gut die Gäste aus Louisiana im Schneeregen von Soldier Field zwischendurch aussahen - am Ende produzierten sie zuviele Fehler, um die Schraubzwingen anzubringen. Am Anfang verloren sie häufiger den Ball und konnten froh sein, dass die Bears die sich eröffnenden Chancen nur zu drei Field Goals ummünzen konnten. Als die Saints fast aufgeholt hatten und alles auf der Kippe stand, machte Quarterback Drew Brees einen dummen Fehler und warf regelwidrig und mit Absicht den Ball weg. Das wird immer bestraft, aber ist am teuersten, wenn man dabei in der eigenen Endzone steht. Dann kostet es einen Safety (zwei Punkte für den Gegner) und man gibt den Ball mit einem Punt an den Gegner. Alle weiteren individuellen Fehlleistungen aufzuzählen, macht wenig Sinn. Die Mannschaft ist so gut wie noch nie und kam so weit wie noch nie. Was fehlte, war Cleverness, Abgeklärtheit, Erfahrung. 39:14 ist eine Packung und ein Resultat, das verdeckt, wie gut die Saints geworden sind (nachdem sie im letzten Jahr extrem schlecht waren). Über die Bears werden wir noch bei anderer Gelegenheit ein paar Worte verlieren. Sie haben heute über weite Strecken so gut gespielt wie am Anfang der Saison, als sie wie ein früher Favorit auf den Titel wirkten. Im November und Dezember war all das verschwunden - unter anderem auch, weil Quarterback Rex Grossman ziemlich viel Mist produzierte.

Aus Pittsburgh gibt es übrigens die Bestätigung - nach vielem Hin und Her -, dass der neue Trainer Mike Tomlin heißt, ein weiterer schwarzer Head Coach in der Liga und mit 34 Jahren der jüngste von allen. Was die Steelers an einem Mann mit einem Jahr NFL-Erfahrung (als Defensive Coordinator in Minnesota) finden, ist schwer herauszulesen. In den letzten Jahren haben sich die Männer auf diesem Stuhl in West-Pennsylvania sehr lange gehalten. Tomlin ist der dritte Head Coach in mehr las 30 Jahren. Normalerweise müsste die Entscheidung einen weiteren Mann auf den Arbeitsmarkt drängen: Russ Grimm, der als zweiter Mann in der Hierarchie übergangen wurde. Tomlin könnte dann komplett neu anfangen. Der anderen wichtige Trainer bei den Steelers - Ken Whisenhunt - wurde vor ein paar Tagen neuer Chef bei den Arizona Cardinals.
Blick zurück: Die Dampfwalze namens Bears am Anfang der Saison
Blick zurück: "Da Bears" - eine Liebeserklärung an einen Trainer und "sein" Team
Blick zurück: Der Höhepunkt der Saints-Saison
Blick zurück: Das Trainerkarussell in der NFL

4. Januar 2007

So gut wie sicher: Cowher nimmt in Pittsburgh den Hut

Die Pressekonferenz, die Bill Cowher für Freitag angesetzt hat, kann eigentlich nur eines heißen: dass der Trainer der Pittsburgh Steelers nach 15 sehr produktiven Jahren seinen Hut nehmen wird. Denn die Gerüchteküche liefert schon seit Tagen keine anderen Appetizer. Es ist bedauerlich, dass der Mann mit dem riesigen Kinn und dem enormen Energievorrat ausgerechnet nach einer schwachen Saison die Konsequenzen aus der schlechter gewordenen Beziehung mit dem Club-Management zieht. Denn Cowher hat im Laufe seiner Amtszeit nur dreimal solche Bilanzen abgeliefert. Neben dem Super-Bowl-Sieg im letzten Jahr steht unter anderem eine Finalteilnahme anno 1995 und Konjunkturphasen mit guten Playoffchancen. Außer Bill Belichik hat kein anderer Head Coach in der gleichen Zeitspanne (geprägt von einer harten Salary Cap mit enormen Restriktionen und ziemlicher Ausgeglichenheit in der Liga) ähnlich gut gearbeitet.

Niemand muss sich um ihn Sorgen machen. Sollte er wirklich sofort einen neuen Job haben wollen: Es gibt viele freie Stellen. Nach den Rauswürfen in Arizona, Atlanta, Oakland und dem schmählichen Abtritt von Nick Saban in Miami wird als nächstes der Posten bei den New York Giants frei und vermutlich auch der bei den Dallas Cowboys. Beide sind noch in den Playoffs beschäftigt, aber sehen nicht so aus, als ob sie weit kommen werden. Zu den weiteren Kandidaten für eine Luftveränderung gehören die Washington Redskins und die Cleveland Browns. Überflieger stehen nicht bereit, um die Vakanzen zu füllen. Cowher wäre überall die erste Wahl und würde das Geld geboten bekommen, das seinem Stellenwert entspricht, das man ihm in Pittsburgh aber vorenthält.

Ergänzung am Freitag nach der Pressekonferenz: Jetzt ist es offiziell. Er hat gekündigt.

30. Oktober 2006

Big Ben: Ding Dong gegen Oakland

Ach ja, Ben Roethlisberger hat am Sonntag tatsächlich gespielt. Und zwar schlecht. Die Pittsburgh Steelers verloren mit ihm gegen die schlappste Mannschaft der Saison: die Oakland Raiders. Die Entscheidung, den Quarterback so kurz nach seiner schweren Gehirnerschütterung einzusetzen, war ein grotesker Fehler.
Blick zurück: Big Ben spielt auch mit Dröhnen im Kopf

26. Oktober 2006

Big Ben spielt auch mit Dröhnen im Kopf

Ein Motorradunfall, bei dem er beinahe innerlich verblutet wäre, eine Blinddarmoperation vier Tage vor Beginn der Saison und am Sonntag dann auch noch eine schwere Gehirnerschütterung, wegen der minutenlang bewusstlos auf dem Rasen lag - das ist der Liste der gesundheitlichen Probleme eines der besten Quarterbacks der NFL. Er heisst Ben Roethlisberger, Spitzname Big Ben, spielt bei den Pittsburgh Steelers und besteht darauf, schier unverwüstlich zu sein. Obwohl die Ärzte das für Unfug halten und der 24jährige dabei seine Karriere aufs Spiel setzt, will er am kommenden Sonntag wieder spielen und trainiert seit ein paar Tagen wieder. Die normaler Therapie lautet: Bettruhe. Trainer Bill Cowher, der mit seinem Spielgestalter vor ein paar Monaten den Super Bowl gewonnen hatte, hätte die Autorität, Roethlisberger auf die Bank zu verbannen. Aber danach sieht es im Moment nicht aus. Motto: Wir quetschen die Zitrone aus, solange wir das können. Danach besorgen wir uns eine neue.