Nicht alles, was ESPN anfasst, wird zu Gold. Die Disney-Tochter schließt einen Teil ihrer Restaurant-Kette namens ESPN Zone. Auch der Laden am Times Square in New York ist betroffen. Was sicher nicht bedeutet, dass die dort gedrehten Segmente von nun an in der Provinz in Bristol gedreht werden. ESPN The Magazine, das bislang in einem Gebäude unweit des Empire State Building untergebracht war, hingegen wandert ab. Vielleicht werden die ziemlich großzügigen Räumlichkeiten dort für die Fernseharbeit gebraucht.
• Man sollte nicht meinen, dass ein einziger Mann einen derart starken Einfluss auf den Ausgang eines WM-Spiels haben kann. Aber wenn einer bei vier Begegnungen auftaucht und die vier Mannschaften, die er unterstützt, aus dem Turnier fliegen, sieht das schon nach ziemlich schwarzer Magie aus. Der Falls des Todesengels Mick "You Can't Always Get What You Want" Jagger – dokumentiert in Bild (Teil 1) und Text (Teil 2).
• Wunder dauern etwas länger: Christiano Ronaldos Sohn ist Amerikaner. Wann der für Red-White-and-Blue antritt? Vielleicht 2030.
Posts mit dem Label ESPN werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label ESPN werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
5. Juli 2010
23. Februar 2010
Von Rechten und Rechnen: Das IOC kommt in den USA unter Preisdruck
Die amerikanischen Teilnehmer der Olympischen Spiele haben derzeit doppelt zu tragen. Sie müssen nicht nur – so wie immer – ihre Nominierung rechtfertigen und ihre Sponsoren zufrieden stellen. Ihre perspektivisch sehr viel wichtigere Rolle ist die von Stimmungskanonen für die Zukunft der Bewegung. Warum? Das IOC hatte dereinst beschlossen, sich in den USA nicht mehr ausschließlich beim Sender NBC gütlich zu halten, sondern eine offene Bewerbung um die Fernsehrechte 2014 und 2016 anzuberaumen.
Teil eins der taktischen Überlegung ging nicht auf. Chicago bekam nicht den Zuschlag für die Sommerspiele 2016, sondern Rio de Janeiro, womit das Interesse der US-Fernsehzuschauer an der Veranstaltung automatisch um einige Ticks gesunken sein dürfte. Teil 2 funktioniert schon sehr viel besser. Die amerikanischen Sportler sind die erfolgreichsten in Vancouver und gestatten es NBC, viele patriotisch eingefärbte Bilder abzusondern. Bisheriger Höhepunkt: Der Eishockey-Sieg der USA gegen Kanada in der Vorrunde am Sonntag, übertragen vom Kabel-Ableger MSNBC, wo sich 8,2 Millionen Zuschauer die Live-Übertragung gönnten (die an der Westküste zeitversetzt ausgestrahlt wurde.)
Doch was da glänzt, ist nicht wirklich Gold. Oder sagen wir mal: Geld. 200 Millionen Dollar wird NBC bei diesen Spielen an Verlusten anhäufen, schreibt das Sports Business Journal in einem aktuellen Abriss über den Stand der Dinge. Ein Betrag, bei dem irgendwann die Top-Buchhalter einschreiten, denen man jahrelang ständig etwas vom Zusatznutzen und Werbeeffekt und Prestigewert der Spiele einreden konnte. Der hinreichend bekannte Rupert Murdoch hatte es ihnen im Herbst lange vor den Spielen und bereits laut und deutlich vorgerechnet: "Abgesehen von all der Propaganda und so – ich will niemanden einen Lügner nennen – aber keiner hat bisher damit Geld verdient." Wobei in der Welt des Kommerzfernsehens Verdienen immer so geht: Man muss Werbung verkaufen. Ganz viel Werbung. Für stolze Preise. Und das auch dann, wenn die Wirtschaft in einer Krise hängt und auf die unbeschwerte Stimmung drückt. So wie jetzt.
Kein Geld verdienen ist nicht immer ein Argument. Das zeigt man in Murdochs-Imperium in anderen Teilen der Welt: Einige seiner Sky-Töchter sind durchaus bereit, die IOC-Großveranstaltungen zu alimentieren. Aber dabei handelt es sich um Brutto-Beträge, die geringer sind als die Verluste von NBC.
Der einzige amerikanische Sender, der nicht Werbung verkaufen muss, um ein Rechtepaket von der Größenordnung des IOC-Angebots zu rechtfertigen (also auch kein Geld "verdienen" muss), ist ESPN. Der finanziert sich im wesentlichen über Gebühren, die die Kabelfernsehkunden bezahlen. Und er schwimmt nicht nur im Geld, sondern er verfügt über die Infrastruktur, eine Großveranstaltung wie die Olympischen Spiele aus dem Stand zu übertragen. Doch – und das zeigte sich bisher beim Engagement im europäischen Fußball – in der Chefetage dort spielt niemand Hasard. Man bot neulich bei den Bundesligarechten mit, aber pokerte nicht besonders hoch. Und der Einstieg in das Geschäft mit der Premier League kam über einen Umweg zustande. Über die Pleite des Rechteinhabers Setanta, der sich verkalkuliert hatte. So etwas spart viel Geld.
In diesem Zusammenhang sind die Signale aus dem Sports-Business- Journal-Artikel in Sachen IOC denn auch unübersehbar. ESPN scheint interessiert, demnächst beim IOC ein Angebot abzugeben. Aber nicht um jeden Preis. Denn vorher könnte ein ganz anderes Paket auf den Tisch kommen: Das extrem populäre College-Basketball-Meisterschaftsturnier, das seit Jahr und Tag von CBS betreut wird. Offensichtlich macht sich die NCAA Gedanken, ob sie nicht im April aus dem laufenden Elf-Jahres-Vertrag aussteigen soll (obwohl ihr für die kommenden drei Jahre 2,1 Milliarden Dollar garantiert sind) und die Sache neu ausschreiben. Irgendjemand muss den Collegesport-Verantwortlichen gesteckt haben, dass in diesem kompakten Rechtestapel noch sehr viel Luft nach oben ist. Kommt es dazu, saugt die NCAA allerdings automatisch Milliarden aus dem amerikanischen Markt der Sportfernsehrechte, der trotz aller andersgelagerten Hoffnungen zur Zeit nicht weiter wächst.
Die Auswirkungen auf die Gebote für die Spiele 2014 und 2016 kann man sich ausmalen. Statt eines Einnahmeanstiegs, wie ihn sich Jacques Rogge erhofft, wird es bestenfalls ein Null-Wachstum geben. Wenn nicht sogar ein Absinken. So wie die Spiele de facto nur noch ausgerichtet werden können, weil die Steuerzahler vor Ort die Rechnung bezahlen (und vorher jeweils von den örtlichen Bewerbungskomitees düpiert werden, die immer wieder behaupten, die Veranstaltung würde Profit abwerfen), so zeigt sich nun, dass andere Teile des Finanzierungskonzepts "Olympische Spiele" nicht länger aufgehen werden. Es sei denn, aus bevölkerungsreichen Ländern wie China und Indien kommen demnächst enorme Zuwächse aus dem Fernsehrechte-Topf. Theoretisch möglich. Aber ziemlich unwahrscheinlich.
Teil eins der taktischen Überlegung ging nicht auf. Chicago bekam nicht den Zuschlag für die Sommerspiele 2016, sondern Rio de Janeiro, womit das Interesse der US-Fernsehzuschauer an der Veranstaltung automatisch um einige Ticks gesunken sein dürfte. Teil 2 funktioniert schon sehr viel besser. Die amerikanischen Sportler sind die erfolgreichsten in Vancouver und gestatten es NBC, viele patriotisch eingefärbte Bilder abzusondern. Bisheriger Höhepunkt: Der Eishockey-Sieg der USA gegen Kanada in der Vorrunde am Sonntag, übertragen vom Kabel-Ableger MSNBC, wo sich 8,2 Millionen Zuschauer die Live-Übertragung gönnten (die an der Westküste zeitversetzt ausgestrahlt wurde.)
Doch was da glänzt, ist nicht wirklich Gold. Oder sagen wir mal: Geld. 200 Millionen Dollar wird NBC bei diesen Spielen an Verlusten anhäufen, schreibt das Sports Business Journal in einem aktuellen Abriss über den Stand der Dinge. Ein Betrag, bei dem irgendwann die Top-Buchhalter einschreiten, denen man jahrelang ständig etwas vom Zusatznutzen und Werbeeffekt und Prestigewert der Spiele einreden konnte. Der hinreichend bekannte Rupert Murdoch hatte es ihnen im Herbst lange vor den Spielen und bereits laut und deutlich vorgerechnet: "Abgesehen von all der Propaganda und so – ich will niemanden einen Lügner nennen – aber keiner hat bisher damit Geld verdient." Wobei in der Welt des Kommerzfernsehens Verdienen immer so geht: Man muss Werbung verkaufen. Ganz viel Werbung. Für stolze Preise. Und das auch dann, wenn die Wirtschaft in einer Krise hängt und auf die unbeschwerte Stimmung drückt. So wie jetzt.
Kein Geld verdienen ist nicht immer ein Argument. Das zeigt man in Murdochs-Imperium in anderen Teilen der Welt: Einige seiner Sky-Töchter sind durchaus bereit, die IOC-Großveranstaltungen zu alimentieren. Aber dabei handelt es sich um Brutto-Beträge, die geringer sind als die Verluste von NBC.
Der einzige amerikanische Sender, der nicht Werbung verkaufen muss, um ein Rechtepaket von der Größenordnung des IOC-Angebots zu rechtfertigen (also auch kein Geld "verdienen" muss), ist ESPN. Der finanziert sich im wesentlichen über Gebühren, die die Kabelfernsehkunden bezahlen. Und er schwimmt nicht nur im Geld, sondern er verfügt über die Infrastruktur, eine Großveranstaltung wie die Olympischen Spiele aus dem Stand zu übertragen. Doch – und das zeigte sich bisher beim Engagement im europäischen Fußball – in der Chefetage dort spielt niemand Hasard. Man bot neulich bei den Bundesligarechten mit, aber pokerte nicht besonders hoch. Und der Einstieg in das Geschäft mit der Premier League kam über einen Umweg zustande. Über die Pleite des Rechteinhabers Setanta, der sich verkalkuliert hatte. So etwas spart viel Geld.
In diesem Zusammenhang sind die Signale aus dem Sports-Business- Journal-Artikel in Sachen IOC denn auch unübersehbar. ESPN scheint interessiert, demnächst beim IOC ein Angebot abzugeben. Aber nicht um jeden Preis. Denn vorher könnte ein ganz anderes Paket auf den Tisch kommen: Das extrem populäre College-Basketball-Meisterschaftsturnier, das seit Jahr und Tag von CBS betreut wird. Offensichtlich macht sich die NCAA Gedanken, ob sie nicht im April aus dem laufenden Elf-Jahres-Vertrag aussteigen soll (obwohl ihr für die kommenden drei Jahre 2,1 Milliarden Dollar garantiert sind) und die Sache neu ausschreiben. Irgendjemand muss den Collegesport-Verantwortlichen gesteckt haben, dass in diesem kompakten Rechtestapel noch sehr viel Luft nach oben ist. Kommt es dazu, saugt die NCAA allerdings automatisch Milliarden aus dem amerikanischen Markt der Sportfernsehrechte, der trotz aller andersgelagerten Hoffnungen zur Zeit nicht weiter wächst.
Die Auswirkungen auf die Gebote für die Spiele 2014 und 2016 kann man sich ausmalen. Statt eines Einnahmeanstiegs, wie ihn sich Jacques Rogge erhofft, wird es bestenfalls ein Null-Wachstum geben. Wenn nicht sogar ein Absinken. So wie die Spiele de facto nur noch ausgerichtet werden können, weil die Steuerzahler vor Ort die Rechnung bezahlen (und vorher jeweils von den örtlichen Bewerbungskomitees düpiert werden, die immer wieder behaupten, die Veranstaltung würde Profit abwerfen), so zeigt sich nun, dass andere Teile des Finanzierungskonzepts "Olympische Spiele" nicht länger aufgehen werden. Es sei denn, aus bevölkerungsreichen Ländern wie China und Indien kommen demnächst enorme Zuwächse aus dem Fernsehrechte-Topf. Theoretisch möglich. Aber ziemlich unwahrscheinlich.
Labels:
ESPN,
Fernsehrechte,
NBC,
Olympische Spiele,
Rupert Murdoch
11. November 2009
Fußball-Power-Index: Silver sieht Gold
Wenn man bei der Präsidentschaftswahl vor einem Jahr den Ausgang der Abstimmung in 49 von 50 Staaten richtig vorausgesagt hat und das mit dem Hinweis auf eine kluge Auswertung vorhandener statistischer Daten begründen konnte, sollte man keine Zeit verschwenden und sich größeren Aufgaben zuwenden. Schließlich findet im nächsten Jahr die Fußball-Weltmeisterschaft statt. Eine Veranstaltung, bei der nur wenige der 32 Mannschaften ernsthaft für einen Titelgewinn in Frage kommen. Je weniger Aspiranten von echtem Schrot und Korn, desto leichter lässt sich das Thema zu einer prickelnden Versimplung zuspitzen: Wer wird es denn diesmal, wenn nicht Brasilien, Italien, Frankreich oder Deutschland?
Das weiß Nate Silver zu diesem Zeitpunkt natürlich auch noch nicht. Trotzdem hat er schon mal die Eckdaten für seinen Soccer Power Index zusammengetragen, der online von ESPN unters Volk gestreut wird. Natürlich kann man sich fragen, was denn wohl Nate Silver für statistische Werte abgreift und ob die Eckdaten einer seriösen Prüfung stand halten. Klar ist vermutlich nur eines: dass die Konkurrenz, die FIFA-Rangliste, einem überhaupt keine Anhaltspunkte über die relative Spielstärke einzelner Nationalmannschaften gibt. Weshalb eigentlich fast jede andere Auflistung zumindest genauso aussagerkäftig ist. Hier mal ein paar Beispiele, wie weit Silvers Kalkulationen die Tabelle durcheinanderwirbelt:
FIFA hat England auf sieben, Chile auf 17 und Uruguay auf 25. Silver, der sich einst im statistikbesessenen Baseball einen Namen gemacht hatte, gibt England den dritten Platz, Chile den achten und Uruguay den zehnten. Italien sackt vom vierten auf den zwölften Rang. Jogis Jungs werden auf dem sechsten Platz geführt, eine Position schlechter als in der FIFA-Liste. Das Silver-System berücksichtigt mehr als nur die Resultate der Spiele von Nationalmannschaften. Es bemuht sich auch um eine Gewichtung der Leistungen von Stammspielern im Rahmen ihrer Arbeit auf Clubebene in vier europäischen Ligen – England, Spanien, Italien und Deutschland. hier ist die aktuelle Tabelle. Und hier die Geschichte über Silver im Wall Street Journal.
Das weiß Nate Silver zu diesem Zeitpunkt natürlich auch noch nicht. Trotzdem hat er schon mal die Eckdaten für seinen Soccer Power Index zusammengetragen, der online von ESPN unters Volk gestreut wird. Natürlich kann man sich fragen, was denn wohl Nate Silver für statistische Werte abgreift und ob die Eckdaten einer seriösen Prüfung stand halten. Klar ist vermutlich nur eines: dass die Konkurrenz, die FIFA-Rangliste, einem überhaupt keine Anhaltspunkte über die relative Spielstärke einzelner Nationalmannschaften gibt. Weshalb eigentlich fast jede andere Auflistung zumindest genauso aussagerkäftig ist. Hier mal ein paar Beispiele, wie weit Silvers Kalkulationen die Tabelle durcheinanderwirbelt:
FIFA hat England auf sieben, Chile auf 17 und Uruguay auf 25. Silver, der sich einst im statistikbesessenen Baseball einen Namen gemacht hatte, gibt England den dritten Platz, Chile den achten und Uruguay den zehnten. Italien sackt vom vierten auf den zwölften Rang. Jogis Jungs werden auf dem sechsten Platz geführt, eine Position schlechter als in der FIFA-Liste. Das Silver-System berücksichtigt mehr als nur die Resultate der Spiele von Nationalmannschaften. Es bemuht sich auch um eine Gewichtung der Leistungen von Stammspielern im Rahmen ihrer Arbeit auf Clubebene in vier europäischen Ligen – England, Spanien, Italien und Deutschland. hier ist die aktuelle Tabelle. Und hier die Geschichte über Silver im Wall Street Journal.
Labels:
ESPN,
Fußball,
Fußball-Weltmeisterschaft,
Statistik
9. Oktober 2009
Für ESPN gibt Sandra Gal ihr letztes Hemd
Das Rumoren rund um die Body-Ausgabe der amerikanischen Sportzeitschrift ESPN - The Magazine wird immer lauter. Für das Gegenstück zur Swimsuit Issue von Sports Illustrated, die seit Jahren ein Auflagenbringer und Dickschiff für Anzeigen ist, hatte die Redaktion dank bester Kontakte nur wenige Schwierigkeiten, Sportler zu finden, die das frivole Spiel mit den voyeuristischen Blicken des Publikums mitmachen und sich ganz oder teilweise nackt abbilden lassen. Um die Neugier zu steigern, sickern seit Wochen immer wieder Namen nach draußen. Besonders heiß gehandelt wurde Danica Patrick, die bereits für SI posiert hatte. Die jüngste Meldung besagt, dass die Mixed-Martial-Arts-Kämpferin Gina Carano auf den Titel kommt. Also jene Athletin, die sich neulich umständlich hinter mehreren Handtüchern versteckte, als sie sich beim Wiegen der Unterwäsche entledigte.Seit ein paar Tagen ist ein von ESPN während der Fotosessions produziertes Video im Internet zu sehen, das andeutet, wieviel Aufwand getrieben wurde, damit sich am Ende selbst die Nackten keine wirkliche Blöße geben. Im Video-Verschnitt nur ganz kurz zu sehen: der kleine deutsche Beitrag zu der riesigen Produktion. Die Profi-Golferin Sandra Gal, die bei der Modelagentur Wilhelmina einen Vertrag hat, posiert zusammen mit ihren Kolleginnen Anna Grzebien und Chrstina Kim auf einem Golfkarren (via Linksgolfer). Spekulationen um den Auftritt hatte es bereits vor Wochen gegeben. Auch in Deutschlands Fachorgan GOLFmagazin. Wie sich der Linksgolfer-Blogger zu recht mokiert: Das wichtigste an dem Vorgang hatte man dort nämlich gar nicht verstanden, als man meldete, die Golferin sei "auf dem amerikanischen Sender ESPN in der Sendung 'Bodies'" abgelichtet worden, "die sich ganz auf nackte Sportstars konzentriert". Dass der Medienkonzern seit Jahren ein erfolgreiches Magazin druckt, hat sich wohl noch nicht überall herumgesprochen.
Um was geht es überhaupt: Na, um dieses Foto, das in dem Mini-Auflösungs-Online-Flash-Video als Standbild eingestrippt wurde. Wenn die Polizei dieses Bild für Fahndungszwecke benutzen wollte, hätte sie Schwierigkeiten. Die Gesichter der drei Personen sind so gut wie gar nicht zu erkennen. Aber die BILD-Zeitung wird's schon richten. Solche Sachen sind ein gefundenes Fressen für den Boulevard.
30. September 2009
Die Dampfwalze kommt in Fahrt
Die Dampfwalze namens ESPN hat den Markt der lokalen Sportberichterstattung in den USA im Blick und wird den Tageszeitungen in den großen amerikanischen Städten schwer zu schaffen machen. Und nicht nur den Zeitungen in ihrer Printform, sondern vor allem bei den Online-Ausgaben. Einen Teil der Wegbegradigungen wird man in Form von Verpflichtungen von bekannten Sportjournalisten erleben, denen das Medienunternehmen gewohnheitsmäßig mehr bezahlt als die Verlage das wollen oder können. Einen anderen Teil werden wir im Rückzug der Zeitungsredaktionen von klassischer täglicher Team-Berichterstattung erleben. Der Kostendruck wäre schon ohne die aktuelle Anzeigenflaute enorm.
Das kann man beklagen oder mitleidig kommentieren wie The Big Lead das heute getan hat. Das kann man aber auch als Chance für ein paar andere Leute begreifen. Denn dies wirkt wie die bislang beste Gelegenheit, für talentierte Blogger mit Blick für den lokalen Stoff und einer news-orientierten Aufarbeitung des Sportgeschehens die Tür zu einer wirtschaftlich tragfähigen Perspektive. Entweder als integraler Bestandteil von existierenden Zeitungsseiten oder als Allein-Leistung.
Warum lohnt es sich, schon heute darüber zu reden? Weil ähnliche Entwicklungen auch auf Deutschland zukommen werden. Vor allem dann, wenn ESPN beschließt, in den deutschen Markt einzusteigen.
Blick zurück: ESPN-Partner im Testmarkt Boston – der Besitzer der Patriots
Blick zurück: Zumindest Yahoo scheint dem Konkurrenten gewachsen
Das kann man beklagen oder mitleidig kommentieren wie The Big Lead das heute getan hat. Das kann man aber auch als Chance für ein paar andere Leute begreifen. Denn dies wirkt wie die bislang beste Gelegenheit, für talentierte Blogger mit Blick für den lokalen Stoff und einer news-orientierten Aufarbeitung des Sportgeschehens die Tür zu einer wirtschaftlich tragfähigen Perspektive. Entweder als integraler Bestandteil von existierenden Zeitungsseiten oder als Allein-Leistung.
Warum lohnt es sich, schon heute darüber zu reden? Weil ähnliche Entwicklungen auch auf Deutschland zukommen werden. Vor allem dann, wenn ESPN beschließt, in den deutschen Markt einzusteigen.
Blick zurück: ESPN-Partner im Testmarkt Boston – der Besitzer der Patriots
Blick zurück: Zumindest Yahoo scheint dem Konkurrenten gewachsen
28. September 2009
ESPN erobert Boston: Kraft mit Freude
Die Konzentration aufs Wesentliche sieht im Sport bisweilen so aus: Ein reicher Unternehmer investiert in einen oder mehrere Clubs. Und damit die Einnahmemöglichkeiten optimiert werden, kümmert er sich auch noch um die Medienauswertung. Beispiel: Robert Kraft und die New England Patriots (Football) und New England Revolution (Fußball).
Die Konzentration auf das Wesentliche sieht aber bisweilen gleichzeitig auch noch so aus: Der Mega-Medienkonzern Disney, der mit ESPN das Informationsangebot im Sport beherrscht und der als Nächstes in den lokalen Märkten der amerikanischen Großstädte den Zeitungen das Wasser abgräbt, arbeitet hier und da mit den Betreibern solcher Clubs eng zusammen. In diesem Fall: Mit der Kraft Sports Group, die in Boston das Anzeigengeschäft für die neue Web-Initiative des Konzerns übernehmen wird.
Eine mögliche Folge: Noch mehr Gegenwind für den Boston Globe, der ohnehin schon beinahe pleite gegangen wäre. Welche Eisen noch geschmiedet werden, um die Konkurrenz zu schwächen? Wir werden sehen.
Die Konzentration auf das Wesentliche sieht aber bisweilen gleichzeitig auch noch so aus: Der Mega-Medienkonzern Disney, der mit ESPN das Informationsangebot im Sport beherrscht und der als Nächstes in den lokalen Märkten der amerikanischen Großstädte den Zeitungen das Wasser abgräbt, arbeitet hier und da mit den Betreibern solcher Clubs eng zusammen. In diesem Fall: Mit der Kraft Sports Group, die in Boston das Anzeigengeschäft für die neue Web-Initiative des Konzerns übernehmen wird.
Eine mögliche Folge: Noch mehr Gegenwind für den Boston Globe, der ohnehin schon beinahe pleite gegangen wäre. Welche Eisen noch geschmiedet werden, um die Konkurrenz zu schwächen? Wir werden sehen.
Labels:
Boston Globe,
ESPN,
Medien,
New England Patriots
15. September 2009
Der Klingelbeutel: Was Wie wo macht
Wir warten auf den Gretzky-Dokumentarfilm, den ESPN Anfang Oktober ausstrahlen will. Titel: Kings Ransom. Hier eine erste Einschätzung der Arbeit von Filmemacher Peter Berg.
• Die kleine Fernsehreporterin Suzy Kolber ist die unfreiwillige Namensgeberin des Blogs Kissing Suzy Kolber, wozu es eine schlichte Entstehungsgeschichte gibt (ein offensichtlich betrunkener Joe Namath rückte ihr während eines Live-Interviews allzu nahe). Nach ihrem Einsatz nach dem Auftaktsieg (25:24) der New England Patriots gestern gegen die Buffalo Bills, der auf mirakulöse Weise zustande kam, sollte man sich nicht wundern, wenn es bald schon wieder einen Blog gibt, der auf ihre Arbeit anspielt. So etwas wie: Running with Suzy Kolber. Vor laufender Kamera mühte sie sich auf geradezu kuriose Weise ab, Quarterback Tom Brady direkt nach dem Schlusspfiff eine Frage zu stellen. Der wollte nämlich unbedingt in die Kabine joggen. Also musste Kolber mitjoggen. Die Szene zeigt einmal mehr, dass das Konzept, sogenannte Sideline Hotties im Sportfernsehen einzusetzen, ein Schuss in den Ofen ist. Es ist nicht Kolbers Fehler, die als Studiomoderatorin sehr gute Arbeit macht. Es ist die Denke der Fernsehverantwortlichen. Übrigens das inzwischen klassische Namath-Interview fand am Rande eines Patriots-Spiels statt (via The Big Lead).
• Michelle Wie bloggt – und das klingt anders, als der normale Kram, de
n Sportler von sich geben. Natürlich muss man einrechnen, dass die junge Frau erst 19 Jahre alt ist und ihre Weltsicht von nur wenigen ungebremsten Erfahrungen geprägt ist. Der Blog ist anonym. Aber wer sie auf Twitter verfolgt, konnte Spuren finden, die den Schluss zulassen, dass sie die Autorin ist.
• Selten genug: ein Profisportler mit Sinn für Politik und Geschichte. Cornerback Domonique Foxworth von den Baltimore Ravens hat eine ganze Sammlung von Memorabilia angehäuft, die die Menschenrechtsbewegung der schwarzen Amerikaner in den sechziger Jahren dokumentiert, die von Figuren wie Martin Luther King und Malcom X angeführt wurde. Den Fund hat die New York Times ausgegraben.
• Die kleine Fernsehreporterin Suzy Kolber ist die unfreiwillige Namensgeberin des Blogs Kissing Suzy Kolber, wozu es eine schlichte Entstehungsgeschichte gibt (ein offensichtlich betrunkener Joe Namath rückte ihr während eines Live-Interviews allzu nahe). Nach ihrem Einsatz nach dem Auftaktsieg (25:24) der New England Patriots gestern gegen die Buffalo Bills, der auf mirakulöse Weise zustande kam, sollte man sich nicht wundern, wenn es bald schon wieder einen Blog gibt, der auf ihre Arbeit anspielt. So etwas wie: Running with Suzy Kolber. Vor laufender Kamera mühte sie sich auf geradezu kuriose Weise ab, Quarterback Tom Brady direkt nach dem Schlusspfiff eine Frage zu stellen. Der wollte nämlich unbedingt in die Kabine joggen. Also musste Kolber mitjoggen. Die Szene zeigt einmal mehr, dass das Konzept, sogenannte Sideline Hotties im Sportfernsehen einzusetzen, ein Schuss in den Ofen ist. Es ist nicht Kolbers Fehler, die als Studiomoderatorin sehr gute Arbeit macht. Es ist die Denke der Fernsehverantwortlichen. Übrigens das inzwischen klassische Namath-Interview fand am Rande eines Patriots-Spiels statt (via The Big Lead).
• Michelle Wie bloggt – und das klingt anders, als der normale Kram, de
• Selten genug: ein Profisportler mit Sinn für Politik und Geschichte. Cornerback Domonique Foxworth von den Baltimore Ravens hat eine ganze Sammlung von Memorabilia angehäuft, die die Menschenrechtsbewegung der schwarzen Amerikaner in den sechziger Jahren dokumentiert, die von Figuren wie Martin Luther King und Malcom X angeführt wurde. Den Fund hat die New York Times ausgegraben.
Labels:
Baltimore Ravens,
Blogging,
Domonique Foxworth,
ESPN,
Film,
Football,
Michelle Wie,
Suzy Kolber,
Tom Brady,
Wayne Gretzky
8. September 2009
ESPN will die Olympiarechte
Wenn man viel verdient, kann man seine enormen Einnahmen für die Acquise von allerlei teuren Gutsle ausgeben. Das tut ESPN dieser Tage. Die Fortschritte im Bereich Fußball in Europa, wo man vor ein paar Wochen in die Premier League einstieg, sind da vermutlich nur ein Anfang (und waren einer der Faktoren, weshalb man sich neulich bei allesaussersport mit der Frage beschäftigte, ob die Disney-Tochter nicht demnächst DSF übernimmt). Ich skizzierte in den Kommentaren mal folgende Überlegungen zum Thema:"ESPN in Deutschland wäre zunächst mal ein kleiner Fisch im Teich. Aber ganz und gar nicht chancenlos. Zieht man mal ab, dass sie die Nuancen des deutschen Themenmarktes nichts so gut einschätzen können – so dürfte das die enorme Medienkompentenz der Macher schnell wettmachen. Außerdem denkt man dort stets mittelfristig und langfristig. Minimum bis zum nächsten Bundesliga-Fernsehvertrag in ein paar Jahren. An dem Tag, an dem sie die Senderechte haben, sind sie am Ziel. Und sie wissen auch, dass die ihnen nicht in den Schoß fallen werden.... ein ESPN gelenktes DSF [wird] den Rechteinhabern immer mehr bieten als bloßes Hochhypen und Abnudeln von Sport. Die wissen, wie man Hintergrund und Konstanz journalistisch und markenphilosophisch herstellt, um einen Dauerkunden an sich zu binden."
Vielleicht muss DSF auf den Inhalator aus den USA noch etwas warten. Demnächst werden die Fernsehrechte für die Olympischen Spiele verhandelt. Der Sender will ernsthaft für den amerikanischen Markt mitbieten. Gegen den Kanal NBC, der seit Jahren im Sattel saß, aber neulich die Chance verstreichen ließ, vorzeitig einen neuen Exklusiv-Vertrag abzuschließen, und gegen Fox. Um die IOC-Gesprächspartner zubeeindrucken, liess man via USA Today verlauten, wie man sich die Übertragungen von der Fußball-WM im nächsten Jahr aus Südafrika vorstellt: als Großereignis mit allen Schikanen.
26. August 2009
ESPN: Eine Forde-Setzungsgeschichte
Es macht den Leuten bei der Disney-Tochter offensichtlich nichts aus, dass die Nähe zwischen Subjekt (Autor, siehe Bild) und Objekt (Sportikone)
zu einer heuchlerischen Sicht der Dinge führt. Was nicht nur schlecht ist, wenn man entscheidet, tagelang nicht über die Klage gegen einen NFL-Quarterback zu berichten oder andere negativen Nachrichten ignoriert. Es ist ganz besonders schlecht, wenn man einen narzistischen Maniac wie Rick Pitino deckt, der seitdem seine außerehelichen Aktivitäten publik wurden, so tut, als sei er das Opfer und nicht etwa ein ganz durchschnittlicher Trieb-Täter, der mal eben zwischendurch in Restaurants der Stadt Lousville wildfremde Frauen begattet.Pitino, der vermutlich im Prozess gegen die mutmaßliche Erpresserin Karen Sypher (links in einem Screenshot von einem Interview mit Good Morning America von TV-Sender ABC) aussagen wird, aber bislang lieber den Mund
gehalten hatte, ist heute um 15 Uhr komplett ausgerastet und hat eine kurze Pressekonferenz gegeben. Er attackierte die Medien und nicht etwa die Polizei, die die Vernehmungsprotokolle mit seinen Aussagen der Ortszeitung zur Verfügung gestellt hatte: "Alles, was gedruckt worden ist, alles, was berichtet worden ist, alles, was an dem Tag, an dem Teddy Kennedy gestorben ist, in den Nachrichten gebracht wurde, ist eine Lüge. Eine Lüge."Pitino, der pro Jahr mehr als zwei Millionen Dollar verdient, ist im Prinzip nicht mehr tragbar. Und zwar aus einem eher nebensächlichen Grund. Je mehr die Öffentlichkeit von Sypher erfuhr – sie hatte nach der Sexkapade einen Anruf Pitinos auf ihrem Anrufbeantworter aufgezeichnet und die Aufnahme neulich einem örtlichen Fernsehsender gegeben, ihre Vergewaltigungsanschuldigungen wurden von der Polizei als nicht glaubwürdig eingestuft, Aufnahmen von Gesprächen mit den Ermittlern, die heute publiziert wurden, zeigen einen Menschen mit einer deutlichen Persönlichkeitsstörung – desto mehr regen sich die Zweifel an Pitino. Verfügt der Mann überhaupt über eine Spur von Menschenkenntnis? Sollte der wirklich die Kinder anderer Leute betreuen?
Man darf davon ausgehen, dass der Coach mit seinem jüngsten Auftritt eigentlich nur noch eine Strategie verfolgt: sich gegenüber der Leitung der Universität so zu positionieren, dass sie ihn feuern muss. Und dass er bei einer solchen Auseinandersetzung nicht den 3,6 Millionen Dollar Bonus verliert, der ihm laut Vertrag 2010 ausgeschüttet werden soll.
Übrigens das Buch von Pitino und Forde trägt einen seherischen Titel: Rebound Rules. Auch wenn der Trainer gezwungen werden sollte, in Louisville sein Amt aufgeben muss, wird er nach einer Pause woanders wieder auftauchen. Der Mythos des erfolgreichen College-Magiers ist ungebrochen. Solche Leute sind unbesiegbar. Hier noch eine Hörprobe aus dem Buch.
Blick zurück: Wie man bei ESPN mit Leuten umgeht, die man nicht mag
Blick zurück: Die Pitino-Saga, Teil 1
Blick zurück: Die Frau, die Michael Jordan per Blog hinterherlief
Labels:
College-Basketball,
ESPN,
Louisville,
Medien,
Rick Pitino
18. August 2009
Der Klingelbeutel: Magazine zu verschenken
Die Kanadier hatten enorme Schwierigkeiten, ein Trikot für ihre Olympia-Eishockeynationalmannschaft zu entwerfen. Es gab fünf Versuche. Und das obwohl man in Kanada normalerweise nur mit zwei Farben und einem Symbol (dem Ahornblatt) arbeitet. Das IOC will außen drauf keine Logos der Hersteller mehr sehen. Da will man als Veranstalterland natürlich nicht unangenehm auffallen. Trotzdem wird in Geschichten über solche Dinge gerne der Name der Firma genannt, die die Produkte herstellt. Das muss an Werbung reichen.
• Schwer zu sagen, ob solche Methoden die Moral im Trainerstab der Los Angeles Raiders kurz vor Beginn der neuen NFL-Saison verbessert. Aber ernsthaften Gerüchten zufolge hat der neue Cheftrainer Tom Cable einem Assistenten eine gesemmelt. Der musste daraufhin ins Krankenhaus. Im Club tut man so, als seien solche Dinge reine Privatangelegenheit. Mal sehen...
• ESPN The Magazine schien lange auf einem unwiderstehlich erfolgreichen Weg und zu einem gewissen Teil verantwortlich für den langsamen Abstieg von Sports Illustrated. Das Cross-Branding und der knapper und und frischer anmutender journalistischer Auftritt kamen zwar sehr koffeinhaltig rüber, aber im letzten Jahr kletterte man auf eine Auflage von stattlichen 2 Millionen verkauften Exemplaren. Seitdem muss das Blatt die Grenze des Wachstums erreicht haben. Die neuesten Supersonderangebote an die Abonnenten klingen so, als habe man keine Angst die Postille wie ein Postwurfsendung zu verschleudern. Für einen Dollar für ein ganzes Jahr – mithin über 120 Dollar weniger als der nominelle Preis für alle 26 Ausgaben zusammen, der pro Ausgabe behi 5 Dollar liegt – ist man dabei. Zwar werden in den USA die Zeitschriftenabonnements traditionell sehr billig abgegeben, um auf diese Weise die Auflage nach oben zu bringen und so das Anzeigengeschäft anzukurbeln. Aber solch eine ruinöse Preispolitik kann sich kein Verlag leisten. Das sieht so aus, als ob man bei ESPN Geld aus anderen Abteilungen nehmen würde und das Magazin subventionieren. Finanziell möglich ist das durchaus. Die Disney-Tochter erwirtschaftet pro Jahr mehr als zwei Milliarden Dollar Gewinn. Ob solche Dumpingaktionen überhaupt vom amerikanischen Wettbewerbsrecht her erlaubt sind, kann ich nicht beurteilen. In Deutschland ginge das jedenfalls nicht (via The Big Lead).
• Die Zahl der Ausländer in den Baseball Minor Leagues ist gewaltig angeschwollen. Der Hintergrund ist ein Gesetz, das unter Präsident Bush verabschiedet wurde und die Visa-Restriktionen aufhob, die einst für ein ziemlich knappes Kontingent an Zuwanderern gesorgt hatte. Über die jungen deutschen Spieler, die davon profitieren, demnächst mehr.
• Schwer zu sagen, ob solche Methoden die Moral im Trainerstab der Los Angeles Raiders kurz vor Beginn der neuen NFL-Saison verbessert. Aber ernsthaften Gerüchten zufolge hat der neue Cheftrainer Tom Cable einem Assistenten eine gesemmelt. Der musste daraufhin ins Krankenhaus. Im Club tut man so, als seien solche Dinge reine Privatangelegenheit. Mal sehen...
• ESPN The Magazine schien lange auf einem unwiderstehlich erfolgreichen Weg und zu einem gewissen Teil verantwortlich für den langsamen Abstieg von Sports Illustrated. Das Cross-Branding und der knapper und und frischer anmutender journalistischer Auftritt kamen zwar sehr koffeinhaltig rüber, aber im letzten Jahr kletterte man auf eine Auflage von stattlichen 2 Millionen verkauften Exemplaren. Seitdem muss das Blatt die Grenze des Wachstums erreicht haben. Die neuesten Supersonderangebote an die Abonnenten klingen so, als habe man keine Angst die Postille wie ein Postwurfsendung zu verschleudern. Für einen Dollar für ein ganzes Jahr – mithin über 120 Dollar weniger als der nominelle Preis für alle 26 Ausgaben zusammen, der pro Ausgabe behi 5 Dollar liegt – ist man dabei. Zwar werden in den USA die Zeitschriftenabonnements traditionell sehr billig abgegeben, um auf diese Weise die Auflage nach oben zu bringen und so das Anzeigengeschäft anzukurbeln. Aber solch eine ruinöse Preispolitik kann sich kein Verlag leisten. Das sieht so aus, als ob man bei ESPN Geld aus anderen Abteilungen nehmen würde und das Magazin subventionieren. Finanziell möglich ist das durchaus. Die Disney-Tochter erwirtschaftet pro Jahr mehr als zwei Milliarden Dollar Gewinn. Ob solche Dumpingaktionen überhaupt vom amerikanischen Wettbewerbsrecht her erlaubt sind, kann ich nicht beurteilen. In Deutschland ginge das jedenfalls nicht (via The Big Lead).
• Die Zahl der Ausländer in den Baseball Minor Leagues ist gewaltig angeschwollen. Der Hintergrund ist ein Gesetz, das unter Präsident Bush verabschiedet wurde und die Visa-Restriktionen aufhob, die einst für ein ziemlich knappes Kontingent an Zuwanderern gesorgt hatte. Über die jungen deutschen Spieler, die davon profitieren, demnächst mehr.
Labels:
Baseball,
Eishockey,
ESPN,
Kanada,
NFL,
Oakland Raiders,
Olympische Spiele,
Trikots
5. August 2009
Über die Integrität des Sportjournalismus
Wir haben noch immer nichts vom neuen Ombudsman bei ESPN gelesen. Worauf wartet der eigentlich?In der Zwischenzeit mehren sich die Stimmen von Leuten aus dem amerikanischen Sportjournalismus, die sich mit der Macht und der Rolle des Konglomerats kritisch beschäftigen. Natürlich liegt das zuerst einmal am Verhalten von ESPN selbst (siehe Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit hier und hier). Aber es liegt vermutlich auch daran, dass erfolgreiche Sportblogs wie Deadspin und The Big Lead schon seit einer Weile am Lack der omnipotenten Disney-Tochter kratzen. Auch das ist eine neue Medienrealität und mit verantwortlich dafür, dass ein beachtlicher Teil des jungen Publikums einen eher zynischen Blickwinkel gegenüber dem Gesamtpaket und seinen Protagonisten entwickelt hat. Solche Regungen mögen den mächtigen Männern in Bristol/Connecticut egal sein, denn die sind sicher nicht minder zynisch bei dem Versuch unterwegs, ihre Position im Markt weiterauszubauen.
Etwas anderes sind Meinungsäußerungen wie die heute bei National Public Radio von Frank Deford, einem der namhaften Sportautoren des Landes, der einst die Redaktion der ambitionierten Sporttageszeitung The National leitete und in langen Texten in Sports Illustrated und anderen seinen besonderen Sinn für die Qualität von Sportgeschichten hinreichend unter Beweis gestellt hat. Sein Wort hat Gewicht. Deford charakterisiert die Stellung von ESPN so: Das wäre als würde die Zeitschrift Vogue nicht nur über Mode berichten, sondern auch noch die wichtigstem Modeschauen veranstalten. Und als würde das Wall Street Journal nicht nur das Geschäft der Börse beobachten und kommentieren, sondern Rechte an den Informationen über die Aktienkurse besitzen. Der Höhepunkt der Kameraderie: ESPN leiste in seiner Allianz mit Starsportlern, die sich bereitwillig für – witzige – ESPN-Werbung zur Verfügung stellen der ganzen Branche einen Bärendienst: "Es mindert die Integrität des gesamten Sportjournalismus herab."
Besonders diese Vorwurf hat Deford dann nicht weiter ausgeführt. Aber man fragt sich jetzt: Wird Ombudsman Ohlmeyer nun den Sender verteidigen? Oder haut erin die gleiche Kerbe? Wir sind gespannt.
Labels:
ESPN,
Frank Deford,
Medien,
Sportjournalismus
4. August 2009
Hau den Ocho Cinco? Der haut zurück
Vor nicht ganz einem Jahr war Chad, der Football-Clown, ein Riesenthema. Dass jemand seinen Nachnamen ganz offiziell in eine spanische Version seiner Rückennummer umwandelt, das hatte es noch nicht gegeben. Die Welt ist also sensibilisiert für neue Eskapaden von Herrn Ocho Cinco, die denn auch nicht auf sich warten lassen. Der Junge twittert wie ein besengter Eber und lädt reihenweise twitterpics hoch. Weil er keine Angst vor schlechter Presse hat, gehören Journalisten zu seinen Lieblingsgegnern ("I can help you make a name for yourself Kriegel", schrieb er vor ein paar Minuten an die Adresse eines Reporters von foxsports.com in einem sarkastischen Ton).Journalisten und diese Spezies von Meinungslieferanten, die das amerikanische Fernsehen auch analysts nennt. Einer von denen ist der ehemalige NFL-Profi Mark Schlereth, der für ESPN arbeitet und von dieser Kanzel aus ständig seine Meinung zu allem und jedem loslassen kann. Offensichtlich reicht ihm das nicht, sonst hätte er sich nicht auf eine twitter-Schlacht mit dem besagten Football-Clown eingelassen. Für Blogs wie The Big Lead sind solche Online-Dispute ein gefundes Fressen. Was wiederum dem Football-Clown gefallen dürfte. Er hat schon jetzt über 80.000 Leser und schickt so manchem von denen in dem auf 140 Anschläge gedrängten Schreibstil kurze Kommentare.
Sehr empfehlenswert zum Thema twitter und die NFL-Profis, die sich mit diesem Kommunikationsspielzeug eine völlig neue Artikulationsplattform geschaffen haben: der Beitrag heute auf allesaussersport.
Nachtrag: ESPN hat etwas dagegen, wenn sich seine redaktionellen Angestellten und Mitarbeiter auf fremden Internet-Seiten tummeln, egal ob Blogs oder twitter. Die entsprechende Anweisung zeigt, dass man in diesem Haus eine kulthafte Politik der Außendarstellung pflegt.
27. Juli 2009
ESPN: Konsequentes Abstrafen
Vor ein paar Tagen hat sich ein Leser anonym beschwert, weil ihm eine Formulierung in einem Text über ESPN nicht gepasst hat: Geschrieben stand da, dass der Sender so wirke, als werde er mittlerweile "von einem klerikalen Übergremium mit irgendeinem moralischen Kompass in der Tunika" gelenkt. Ich hatte in diesem Zusammenhang an die politischen Verhältnisse im Iran gedacht (man kann sich auch andere Theokratien ausmalen), wo von oben nach unten regiert wird und alles seinen geordneten Gang geht, solange niemand muckt oder etwas verändern will.
Wie das im Prinzip funktioniert, wissen wir. Wie es ein Sender umsetzt, nicht so gut. Immerhin hat sich heute Mike Freeman bei CBS Sports zur Wort gemeldet und folgende Einschätzung abgeliefert:
"Nach Angaben mehrerer Leute bei ESPN sind bis zu hundert Leute – überwiegend Journalisten – vom ESPN verbannt worden oder werden zur Zeit verbannt. Die Zahl könnte höher sein."
Kein Medienunternehmen habe sich "so stalinistisch in der Behandlung abweichender Meinungen" gezeigt, schrieb Freeman, der ein Buch über die Geschichte des Senders geschrieben hat, in dem auch der interne Umgang mit dem Thema "sexuelle Nötigung" abgehandelt wird. Freeman geht in seinem Vorwurf allerdings weiter. Auch das NFL Network, das zwar der Liga gehört, aber in den höheren Etagen eine Reihe von Ex-ESPN-Leuten beschäftigt, scheibt sich an dem Boykott bestimmter Journalisten zu beteiligen.
Die absichtsvolle Abstinenz schließt ganz offensichtlich auch die beiden profiliertesten amerikanischen Sport-Blogs ein: Deadspin und The Big Lead.
Warum ist das alles von Belang? Der Sender mit seinen Tentakeln im Print-, Radio- und Online-Sektor ist eine Geldmaschine und inzwischen so groß und einflussreich, dass es kein Gegengewicht im US-Mediengeschäft mehr gibt. Zwar halten in manchen Bereichen die großen Networks wie CBS, NBC und Fox (ABC gehört wie ESPN zu Disney) noch eine gewisse Position, weil sie im Rechtgeschäft für eine Reihe von Sportarten noch hinreichend mithalten können. Aber die sich abzeichnende Konsolidierung dieses Mediensegments, vor dem die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des ganzen Landes nicht Halt machen werden, werden die Position des Kabelanbieters weiter stärken. Ehe nicht NBC Universal, das einen umfangreichen Kanal-Mix betreibt, ernsthaft in den Wettbewerb einsteigt, wird es kein ernsthaftes Gegengewicht geben. Der Sender ist allerdings zur Zeit noch immer auf die Olympischen Spiele fixiert, wo er sich eine Stellung als Monopolist aufgebaut hat. Für andere Ambitionen scheinen die Ressourcen zu knapp. Man macht NHL-Eishockey nur als schnelle Drive-in-Kost, hat nur ein bescheidenes Bein im NFL-Geschäft und konzentiert sich ansonsten hauptsächlich auf Tennis und Golf. Vermutung von dieser Stelle aus: Da die Fernsehrechte für die Olympischen Spiele nach 2012 in London noch nicht vergeben sind und der Austragungsort der Sommerspiele 2016 noch nicht feststeht, könnten sich ab Oktober neue Kräftefelder auftun. Prognose: Sollte Chicago bei der Kandidatur verlieren, wird es für NBC keinen Grund mehr geben, sich mit diesem enormen Drahtseilakt zu beschäftigen., bei dem man eine Milliarde Dollar ausgeben muss, um etwas mehr als eine Milliarde Dollar einzunehmen.
Wie das im Prinzip funktioniert, wissen wir. Wie es ein Sender umsetzt, nicht so gut. Immerhin hat sich heute Mike Freeman bei CBS Sports zur Wort gemeldet und folgende Einschätzung abgeliefert:
"Nach Angaben mehrerer Leute bei ESPN sind bis zu hundert Leute – überwiegend Journalisten – vom ESPN verbannt worden oder werden zur Zeit verbannt. Die Zahl könnte höher sein."
Kein Medienunternehmen habe sich "so stalinistisch in der Behandlung abweichender Meinungen" gezeigt, schrieb Freeman, der ein Buch über die Geschichte des Senders geschrieben hat, in dem auch der interne Umgang mit dem Thema "sexuelle Nötigung" abgehandelt wird. Freeman geht in seinem Vorwurf allerdings weiter. Auch das NFL Network, das zwar der Liga gehört, aber in den höheren Etagen eine Reihe von Ex-ESPN-Leuten beschäftigt, scheibt sich an dem Boykott bestimmter Journalisten zu beteiligen.
Die absichtsvolle Abstinenz schließt ganz offensichtlich auch die beiden profiliertesten amerikanischen Sport-Blogs ein: Deadspin und The Big Lead.
Warum ist das alles von Belang? Der Sender mit seinen Tentakeln im Print-, Radio- und Online-Sektor ist eine Geldmaschine und inzwischen so groß und einflussreich, dass es kein Gegengewicht im US-Mediengeschäft mehr gibt. Zwar halten in manchen Bereichen die großen Networks wie CBS, NBC und Fox (ABC gehört wie ESPN zu Disney) noch eine gewisse Position, weil sie im Rechtgeschäft für eine Reihe von Sportarten noch hinreichend mithalten können. Aber die sich abzeichnende Konsolidierung dieses Mediensegments, vor dem die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des ganzen Landes nicht Halt machen werden, werden die Position des Kabelanbieters weiter stärken. Ehe nicht NBC Universal, das einen umfangreichen Kanal-Mix betreibt, ernsthaft in den Wettbewerb einsteigt, wird es kein ernsthaftes Gegengewicht geben. Der Sender ist allerdings zur Zeit noch immer auf die Olympischen Spiele fixiert, wo er sich eine Stellung als Monopolist aufgebaut hat. Für andere Ambitionen scheinen die Ressourcen zu knapp. Man macht NHL-Eishockey nur als schnelle Drive-in-Kost, hat nur ein bescheidenes Bein im NFL-Geschäft und konzentiert sich ansonsten hauptsächlich auf Tennis und Golf. Vermutung von dieser Stelle aus: Da die Fernsehrechte für die Olympischen Spiele nach 2012 in London noch nicht vergeben sind und der Austragungsort der Sommerspiele 2016 noch nicht feststeht, könnten sich ab Oktober neue Kräftefelder auftun. Prognose: Sollte Chicago bei der Kandidatur verlieren, wird es für NBC keinen Grund mehr geben, sich mit diesem enormen Drahtseilakt zu beschäftigen., bei dem man eine Milliarde Dollar ausgeben muss, um etwas mehr als eine Milliarde Dollar einzunehmen.
23. Juli 2009
Kompass in der Tunika
Der world wide leader befindet sich auf einem seltsamem Kurs. Als die Nachricht über die Zivilklage gegen Pittsburgh Steelers Quarterback Ben Roethlisberger die Runde machte, gab es zwei Tage lang kein einziges Wort auf ESPN. Der Fernsehsender hat einen eigenen News-Kanal und eine Aktualitäten-Show namens SportsCenter und kann sich nie herausreden und sagen, sie hätten keinen Platz gehabt. Zwei Tage, in denen sich nicht nur die Blogger wunderten: Was ist das für eine redaktionelle Politik? Wenn schwarze Football-Profis in Schwierigkeiten geraten, werden sogleich die Reporter in Marsch gesetzt oder zumindest die Meldungen vom AP-Ticker abgelesen. Wenn der Quarterback des amtierenden Super-Gewinners in schattigem Licht erscheint, hält man sich zurück. Mit Schweigen. Liegt das am Ende an der Hautfarbe der betreffenden Person und den Klischees im amerikanischen Alltag? Wer weiß? Inzwischen wurde berichtet.
(Nachtrag: Und Roethlisberger hat sich mit einer persönlichen Stellungnahme an die Öffentlichkeit gewandt, in der alles bestreitet. Fragen von Journalisten hat er keine beantwortet.)
Der Sender wirkt zunehmend wie gelenkt von einem klerikalen Übergremium mit irgendeinem moralischen Kompass in der Tunika. Das kann man an der Reaktion auf die Berichterstattung der New York Post in der Erin-Andrews-Sache erkennen. Das Boulevard-Blatt, das soviel Druckerschwärze produziert, dass man sich mit einer einzigen Ausgabe einen Schornsteinfeger-Look zum Karneval verpassen kann, hatte mal wieder die alte Nummer abgezogen: Empörung (über den bösen Videofilmer) und voyeuristische Geilheit (seht her, liebe Leser, so sieht die Frau nackt aus) in einem Aufguss. Bei ESPN, wo man ganz offensichtlich zum ersten Mal mit allen rechtlichen Mitteln und mit viel Dampf eine populäre Mitarbeiterin des Hauses verteidigt, führte das zu folgender Reaktion: Es wurden alle Sportreporter der Zeitung, die bislang als Experten bei allerlei Gelegenheiten eingesetzt wurden, auf die schwarze Liste gesetzt. Die Zeitung, die Rupert Murdoch gehört und eine politisch rechte Ausrichtung pflegt, lässt sich durch solche Schüsse vor den Bug nicht beeindrucken. In einer Meldung auf der meistgelesenen Klatschspalte Amerikas (Page Six), gab es die erste Retourkutsche: ESPN wurde als "Mickey-Maus-Sportnetwork" verspottet. Warum das? Der Sender gehört zum Unterhaltungskonzern Disney.
An den zwei Sachverhalten fällt einiges auf. Erstens: ESPN ist mächtig und übt die Macht auch aus. ESPN hat sehr schwammige Kriterien im Umgang mit Prinzipien. Was immer denn deutlich wird, wenn der Sender den Eiertanz zwischen Rechteverwerter und Cheerleader von Sport (zur Zeit ist das Baseball, Mondey Night Football, NBA, Major League Soccer, Collegesport) einerseits und distanziertem Journalismus andererseits hinbekommen muss. Ich bin gespannt, ob der neue Ombudsman Don Ohlmeyer zu diesen Themen etwas zu sagen hat. Gedanken zu dem alten Fernseh- und Fahrensmann hat dogfood bei allesaussersport bereits vor ein paar Tagen formuliert. Sollte man lesen, wenn man sich für den Sender interessiert, der zwar bei den Bundesliga-Rechten neulich nicht ins Geschäft kam, aber inzwischen im Land von Elizabeth Zwo mitmischt.
(Nachtrag: Und Roethlisberger hat sich mit einer persönlichen Stellungnahme an die Öffentlichkeit gewandt, in der alles bestreitet. Fragen von Journalisten hat er keine beantwortet.)
Der Sender wirkt zunehmend wie gelenkt von einem klerikalen Übergremium mit irgendeinem moralischen Kompass in der Tunika. Das kann man an der Reaktion auf die Berichterstattung der New York Post in der Erin-Andrews-Sache erkennen. Das Boulevard-Blatt, das soviel Druckerschwärze produziert, dass man sich mit einer einzigen Ausgabe einen Schornsteinfeger-Look zum Karneval verpassen kann, hatte mal wieder die alte Nummer abgezogen: Empörung (über den bösen Videofilmer) und voyeuristische Geilheit (seht her, liebe Leser, so sieht die Frau nackt aus) in einem Aufguss. Bei ESPN, wo man ganz offensichtlich zum ersten Mal mit allen rechtlichen Mitteln und mit viel Dampf eine populäre Mitarbeiterin des Hauses verteidigt, führte das zu folgender Reaktion: Es wurden alle Sportreporter der Zeitung, die bislang als Experten bei allerlei Gelegenheiten eingesetzt wurden, auf die schwarze Liste gesetzt. Die Zeitung, die Rupert Murdoch gehört und eine politisch rechte Ausrichtung pflegt, lässt sich durch solche Schüsse vor den Bug nicht beeindrucken. In einer Meldung auf der meistgelesenen Klatschspalte Amerikas (Page Six), gab es die erste Retourkutsche: ESPN wurde als "Mickey-Maus-Sportnetwork" verspottet. Warum das? Der Sender gehört zum Unterhaltungskonzern Disney.
An den zwei Sachverhalten fällt einiges auf. Erstens: ESPN ist mächtig und übt die Macht auch aus. ESPN hat sehr schwammige Kriterien im Umgang mit Prinzipien. Was immer denn deutlich wird, wenn der Sender den Eiertanz zwischen Rechteverwerter und Cheerleader von Sport (zur Zeit ist das Baseball, Mondey Night Football, NBA, Major League Soccer, Collegesport) einerseits und distanziertem Journalismus andererseits hinbekommen muss. Ich bin gespannt, ob der neue Ombudsman Don Ohlmeyer zu diesen Themen etwas zu sagen hat. Gedanken zu dem alten Fernseh- und Fahrensmann hat dogfood bei allesaussersport bereits vor ein paar Tagen formuliert. Sollte man lesen, wenn man sich für den Sender interessiert, der zwar bei den Bundesliga-Rechten neulich nicht ins Geschäft kam, aber inzwischen im Land von Elizabeth Zwo mitmischt.
Labels:
Ben Roethlisberger,
Erin Andrews,
ESPN,
New York Post,
Rechtsstreit
21. Juli 2009
Blondinen bevorzugt
Vor ein paar Tagen wurde Erin Andrews das Opfer ihres Berufs. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn Erin Andrews läuft in den USA unter sideline reporter. Und das bedeutet, dass man bei einem Baseballspiel einer ständig drohenden Gefahr ausgesetzt ist: dass man von einem herumirrenden Ball getroffen wird. Ein Baseball ist ein steinhartes Objekt aus Kork und Leder und hat schon so manchen Spieler schwer verletzt. Erin Andrews erlitt zum Glück nur eine Prellung am Kinn und wurde ins Krankenhaus gebracht. Inzwischen scheint die Sache verheilt. Es gab ein paar Meldungen auf den Seiten von amerikanischen Sportbloggern, die mit einer auffallenden Hingabe das Wohl und Wehe der blonden Fernsehfrau verfolgen. Das war's.
Am Wochenende wurde Erin Andrews Opfer ihres Ruhms. Einer Bekanntheit und Popularität, die sehr wenig mit ihrer Fähigkeit zu tun hat, vor laufender Kamera gerade Sätze zu formulieren, sondern mit ihrem Aussehen. Wie wichtig das ist, erkennt man schon an der gängigen Kategorisierung jener Arbeit, die Erin Andrews erledigt, wenn sie während der Liveberichterstattung von Spielen Trainer und Akteure interviewt. Man nennt die Leute (inzwischen sind es überwiegend Frauen): sidelinehotties. Niemand ist hotter als Erin Andrews.
Deshalb schlug auch die Aktion ihres Arbeitgebers ESPN große Wellen, nachdem ein durch eine kleine Öffnung in der Wand (womöglich auch durch das Guckloch in der Tür) eines Hotelzimmers geschossenes Video von ihr im Internet zu kursieren begann. An dem Video ist nur eines bemerkenswert: Erin Andrews trägt keine Kleidung und bedient damit – ungewollt und ohne es verhindern zu können – die erotischen Phantasien einer ganzen Generation von jungen Sportfans, die auf einer reichen Diät aus ESPN-Berichten und Blog-Beiträgen groß geworden sind. Das Video, obwohl von den meisten Seiten angesichts der möglichen rechtlichen Konsequenzen, sofort wieder getilgt, geistert auch noch weiter herum. Cache-Links helfen den unerbittlichen Suchern, die in den letzten beiden Tagen die nackte Erin Andrews zum Spitzenreiter der Such-Charts gemacht hatten.
Das heißt, die Prognose von letztem Jahr – "Es wird nicht mehr lange dauern, und Leute werden Sportübertragungen anschauen, um Erin Andrews zu sehen. Nicht wegen des Sports." – ist damit eingetroffen. Wer sich für die Hintergründe des Phänomens interessiert, sollte sich die alte Geschichte zu Gemüte führen. Sie selbst wurde damals mit den Worten zitiert: " I don’t look at myself as a sex object. I’ve never carried myself in that way." So unschuldig. So naiv. So lange her.
Dies ist ein anderes Video mit der Dame, in dem ein College-Trainer beim Interview versucht, ihr etwas sehr nahe zu treten.
Am Wochenende wurde Erin Andrews Opfer ihres Ruhms. Einer Bekanntheit und Popularität, die sehr wenig mit ihrer Fähigkeit zu tun hat, vor laufender Kamera gerade Sätze zu formulieren, sondern mit ihrem Aussehen. Wie wichtig das ist, erkennt man schon an der gängigen Kategorisierung jener Arbeit, die Erin Andrews erledigt, wenn sie während der Liveberichterstattung von Spielen Trainer und Akteure interviewt. Man nennt die Leute (inzwischen sind es überwiegend Frauen): sidelinehotties. Niemand ist hotter als Erin Andrews.
Deshalb schlug auch die Aktion ihres Arbeitgebers ESPN große Wellen, nachdem ein durch eine kleine Öffnung in der Wand (womöglich auch durch das Guckloch in der Tür) eines Hotelzimmers geschossenes Video von ihr im Internet zu kursieren begann. An dem Video ist nur eines bemerkenswert: Erin Andrews trägt keine Kleidung und bedient damit – ungewollt und ohne es verhindern zu können – die erotischen Phantasien einer ganzen Generation von jungen Sportfans, die auf einer reichen Diät aus ESPN-Berichten und Blog-Beiträgen groß geworden sind. Das Video, obwohl von den meisten Seiten angesichts der möglichen rechtlichen Konsequenzen, sofort wieder getilgt, geistert auch noch weiter herum. Cache-Links helfen den unerbittlichen Suchern, die in den letzten beiden Tagen die nackte Erin Andrews zum Spitzenreiter der Such-Charts gemacht hatten.
Das heißt, die Prognose von letztem Jahr – "Es wird nicht mehr lange dauern, und Leute werden Sportübertragungen anschauen, um Erin Andrews zu sehen. Nicht wegen des Sports." – ist damit eingetroffen. Wer sich für die Hintergründe des Phänomens interessiert, sollte sich die alte Geschichte zu Gemüte führen. Sie selbst wurde damals mit den Worten zitiert: " I don’t look at myself as a sex object. I’ve never carried myself in that way." So unschuldig. So naiv. So lange her.
Dies ist ein anderes Video mit der Dame, in dem ein College-Trainer beim Interview versucht, ihr etwas sehr nahe zu treten.
11. Juli 2009
Yahoo hält ESPN in Schach
Manche Völker hören dieser Tage laute und vernehmliche Signale. Zum Beispiel die Leute von Sparty and Friends, wo man sich sehr aufmerksam mit der Arbeitsleistung der Sportreporter der Internetplattformen Yahoo und ESPN beschäftigt. Das Kriterium, das dort für eine Analyse zu Grunde gelegt wird, ist nicht Intelligenz, Schreibstil oder die Attitüde gegenüber Sport und Stars. Es sind die guten alten Journalisten-Tugenden Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit. Das sind übrigens zwei Eigenschaften, die in der Hetze des Medienalltags stets im Konflikt zueinander stehen. Wer schneller sein will als die Konkurrenz, wird bei der Genauigkeit der Information rasch mal fünf gerade sein lassen, weil er sich nicht die Zeit nimmt, das Gehörte von mehreren Quellen bestätigen zu lassen. Wer Wert auf akkurates Berichten legt und nicht verlacht werden will, weil er zu früh am Abzug war, landet im Rennen um die Breaking-News-Ehre schnell auf dem zweiten Platz.
Im Internet, dieser rasanten Infoschleuder, verdient der rasende Reporter meistens trotzdem mehr an Lorbeeren. Denn da draußen wartet eine große hungrige Masse am Computer, inzwischen längst auf den Nachrichtenempfang über Feeds und ähnliche Automatismen eingestellt. Wer da zuerst kommt, erhält mehr Clicks. Wer mehr Clicks bekommt, gewinnt bei der Werbekundschaft.
ESPN war da bislang aufgrund seiner Struktur einfach immer im Vorteil. Der Sender kann sich aufgrund seiner ertragreichen zahlreichen anderen Plattformen – Fernsehen, Radio, Magazin – ein Heer von Zuträgern leisten, die fast alle von der gleichen Scoop-Mentalität beseelt sind. Das Unternehmen hat in den letzten Jahren fleißig profilierte Schreiber und sogar Blogger von draußen eingekauft und dabei immer wieder signalisiert: Wir sind groß und mächtig und wir wollen das auch bleiben. Auf der Strecke geblieben bei diesen aggressiven Manövern ist die Konkurrenz von Sports Illustrated, die einst den Goldstandard im Sportjournalismus darstellte – und zwar vor allem, weil sie nicht auf das schnelle Geschäft setzte, sondern auf das ausführliche und nachdenkliche Programm. Die Marke Sports Illustrated ist so gut wie verbrannt, trotz zahlreicher Ankäufe von guten Journalisten. Aus dem Magazin wurde nie eine Anlaufadresse im Internet, was angesichts der enormen Aktivtität im Hause Disney langsam zu einem richtigen Problem geworden sein dürfte.
Bei Yahoo hat man dagegen keine Stunde geschlafen, sondern an einem Anspruch gebastelt, der angesichts der schwachen Stellung gegenüber dem Google-News-Konkurrenten geradezu erstaunlich ist. Die Logik war simpel: Als schlichter Aggregator à la Google kann man sich im Sport nicht profilieren. Da braucht man eigene Arbeitsbienen, eigenständige Themensetzung und muss denn auch oft genug vor allen anderen die Nachricht haben – exklusiv. Die durch diese Überlegungen entstandene Konstruktion reicht nicht, um den standhaften Erfolg zu erklären. Bei Sparty deutete ein Kommentator an, was auch wichtig ist: Leser nicht zu nerven und zu überfordern. Das Angebot muss übersichtlich serviert werden. Und es bringt nicht viel, jedem Nachrichtenpups ein Video einzuspielen, das der Nutzer erst mal abstellen muss, wenn er genervt ist. Die Fantasy-Sports-Komponente kommt dazu. Yahoo gilt hier als führend. Bei der hier verlinkten Messung aus dem Mai dieses Jahres steht zwar ESPN ganz oben, aber wenn man die frei nachfolgenden Yahoo-Werte zusammenrechnet, kann man erkennen, wer stärker ist.
ESPN hat bestimmt nicht die Absicht, die Hände in den Schoß zu legen. So wurde neulich ein regionales Konzept angeschoben, um ähnlich wie eine Tageszeitung mit ihrem Lokalteil eine Dienstleistungsebene einzuziehen, die neue Nutzer ansprechen könnte.
Im Internet, dieser rasanten Infoschleuder, verdient der rasende Reporter meistens trotzdem mehr an Lorbeeren. Denn da draußen wartet eine große hungrige Masse am Computer, inzwischen längst auf den Nachrichtenempfang über Feeds und ähnliche Automatismen eingestellt. Wer da zuerst kommt, erhält mehr Clicks. Wer mehr Clicks bekommt, gewinnt bei der Werbekundschaft.
ESPN war da bislang aufgrund seiner Struktur einfach immer im Vorteil. Der Sender kann sich aufgrund seiner ertragreichen zahlreichen anderen Plattformen – Fernsehen, Radio, Magazin – ein Heer von Zuträgern leisten, die fast alle von der gleichen Scoop-Mentalität beseelt sind. Das Unternehmen hat in den letzten Jahren fleißig profilierte Schreiber und sogar Blogger von draußen eingekauft und dabei immer wieder signalisiert: Wir sind groß und mächtig und wir wollen das auch bleiben. Auf der Strecke geblieben bei diesen aggressiven Manövern ist die Konkurrenz von Sports Illustrated, die einst den Goldstandard im Sportjournalismus darstellte – und zwar vor allem, weil sie nicht auf das schnelle Geschäft setzte, sondern auf das ausführliche und nachdenkliche Programm. Die Marke Sports Illustrated ist so gut wie verbrannt, trotz zahlreicher Ankäufe von guten Journalisten. Aus dem Magazin wurde nie eine Anlaufadresse im Internet, was angesichts der enormen Aktivtität im Hause Disney langsam zu einem richtigen Problem geworden sein dürfte.
Bei Yahoo hat man dagegen keine Stunde geschlafen, sondern an einem Anspruch gebastelt, der angesichts der schwachen Stellung gegenüber dem Google-News-Konkurrenten geradezu erstaunlich ist. Die Logik war simpel: Als schlichter Aggregator à la Google kann man sich im Sport nicht profilieren. Da braucht man eigene Arbeitsbienen, eigenständige Themensetzung und muss denn auch oft genug vor allen anderen die Nachricht haben – exklusiv. Die durch diese Überlegungen entstandene Konstruktion reicht nicht, um den standhaften Erfolg zu erklären. Bei Sparty deutete ein Kommentator an, was auch wichtig ist: Leser nicht zu nerven und zu überfordern. Das Angebot muss übersichtlich serviert werden. Und es bringt nicht viel, jedem Nachrichtenpups ein Video einzuspielen, das der Nutzer erst mal abstellen muss, wenn er genervt ist. Die Fantasy-Sports-Komponente kommt dazu. Yahoo gilt hier als führend. Bei der hier verlinkten Messung aus dem Mai dieses Jahres steht zwar ESPN ganz oben, aber wenn man die frei nachfolgenden Yahoo-Werte zusammenrechnet, kann man erkennen, wer stärker ist.
ESPN hat bestimmt nicht die Absicht, die Hände in den Schoß zu legen. So wurde neulich ein regionales Konzept angeschoben, um ähnlich wie eine Tageszeitung mit ihrem Lokalteil eine Dienstleistungsebene einzuziehen, die neue Nutzer ansprechen könnte.
2. Juli 2009
ESPN tanzt mit (2)
...und da dachten wir noch, die Burschen in Bristol haben alles im Griff inklusive Fußball. Und dann passiert so etwas. In einem ausführlichen Video-Essay des teuer bezahlten Rick Reilly über England und seine Sportkultur, in dem die alten Klischees über eine Monarchie aus dem Schrank gezogen werden, legt einer die falsche Platte auf. Statt God Save the Queen erklingt die Musik von Haydn, die den Rest der Welt bisweilen an die umstrittenen ersten Zeilen der ersten Strophe des dazugehörigen Textes von Fallersleben erinnert (und fast nie an die Orginalzeilen: "Gott erhalte Franz den Kaiser" aus dem habsurgischen Österreich). Kurios genug: die britische Nationalhymne war vor langer, langer Zeit auch mal in Deutschland im Einsatz sowie in der Schweiz und Russland.
Und nun schalten wir um nach Bristol. Reilly, take it away...
Und nun schalten wir um nach Bristol. Reilly, take it away...
Labels:
England,
ESPN,
Nationalhymnen,
Rick Reilly
ESPN tanzt mit
ESPN ist es am Sonntag mit der US-Fußballnationalmannschaft ein bisschen wie dem Mädchen im Sterntaler-Märchen ergangen. Es regnete zwar kein Gold, aber dafür jede Menge Zuschauer. Das Spiel gegen Brasilien brachte fast vier Millionen an die Bildschirme. Eine Quote, die beinahe alle alten WM-Bestleistungen des Senders geschlagen hätte. Nun muss die Disney-Filiale nicht zwingend in Quoten rechnen, weil man dank des Finanzierungsmodells aus den Kabelgebühren, die aus den Taschen der Zuschauer kommen, und Werbung, ohnehin im Geld schwimmt. Außerdem hat man beginnend mit der EM eine preiswerte eurosportartige Übertragungskultur pefektioniert (die beiden Kommentatoren sitzen in Bristol/Connecticut am Monitor und nicht vor Ort). Trotzdem war die Angelegenheit signifikant. Denn der Confederations Cup hatte wenig mediale Begleitmusik. So war die Quote beim überraschend klaren Erfolg gegen Spanien noch relativ niedrig. Aber der Sieg machte selbst schlafmützige Zeitungen wach und neugierig auf mehr.
Für ESPN war das alles vor allem deshalb von Bedeutung, weil man die WM in Südafrika im kommenden Jahr mit sehr viel Aufwand abfeiern wird. Der Worldwide Leader will zeigen, dass er kompetent mit Fußball umgehen kann, um gegenüber potenziellen Rechtepartnern wie der Premier League letzte Zweifel auszuräumen, dass man bei den Amerikanern in schlechten Händen wäre. Teil des Aufwands ist ein reizvolles Projekt, über das Sports Illustrated jetzt ein paar Dinge verriet: "Zu den geplanten Features gehören Interviews von John Battsek und Michael Davies, zwei Producern hinter Once In A Lifetime, dem Dokumentarfilm über den Aufstieg und Fall von Pelé und den New York Cosmos aus dem Jahrt 2006, mit jedem noch lebenden Spieler, der ein Tor im WM-Finale geschossen hat (ESPN will aus den Interviews einen Dokumentarfilm machen)."
Nicht alle Kicker stehen für so etwas gerne zur Verfügung. Einige wollten Geld haben. Zu denen gehört sicher auch Pelé, der sich schon dem Cosmos-Projekt aus diesem Grund verweigerte. ESPN will jede teilnehmende Mannschaft übrigens in Form eines ausführlichen Einzelporträts vorstellen. Das klingt ziemlich klug. Denn andere Länder werden diesen Produktionsaufwand nicht finanzieren können und so vermutlich Verwertungsrechte an dem Material kaufen. So spielt der Sender womöglich für diesen außerordentlichen Extra-Aufwand sogar noch die Kosten wieder ein. Hier mein Lieblingsausschnitt aus dem Cosmos-Film: Franz Beckenbauer spricht über Rudolf Nurejew.
Ungeklärt bleibt die Frage: Wie hat der junge Beckenbauer eigentlich damals "andere Fakultät" auf Englisch übersetzt?
Für ESPN war das alles vor allem deshalb von Bedeutung, weil man die WM in Südafrika im kommenden Jahr mit sehr viel Aufwand abfeiern wird. Der Worldwide Leader will zeigen, dass er kompetent mit Fußball umgehen kann, um gegenüber potenziellen Rechtepartnern wie der Premier League letzte Zweifel auszuräumen, dass man bei den Amerikanern in schlechten Händen wäre. Teil des Aufwands ist ein reizvolles Projekt, über das Sports Illustrated jetzt ein paar Dinge verriet: "Zu den geplanten Features gehören Interviews von John Battsek und Michael Davies, zwei Producern hinter Once In A Lifetime, dem Dokumentarfilm über den Aufstieg und Fall von Pelé und den New York Cosmos aus dem Jahrt 2006, mit jedem noch lebenden Spieler, der ein Tor im WM-Finale geschossen hat (ESPN will aus den Interviews einen Dokumentarfilm machen)."
Nicht alle Kicker stehen für so etwas gerne zur Verfügung. Einige wollten Geld haben. Zu denen gehört sicher auch Pelé, der sich schon dem Cosmos-Projekt aus diesem Grund verweigerte. ESPN will jede teilnehmende Mannschaft übrigens in Form eines ausführlichen Einzelporträts vorstellen. Das klingt ziemlich klug. Denn andere Länder werden diesen Produktionsaufwand nicht finanzieren können und so vermutlich Verwertungsrechte an dem Material kaufen. So spielt der Sender womöglich für diesen außerordentlichen Extra-Aufwand sogar noch die Kosten wieder ein. Hier mein Lieblingsausschnitt aus dem Cosmos-Film: Franz Beckenbauer spricht über Rudolf Nurejew.
Ungeklärt bleibt die Frage: Wie hat der junge Beckenbauer eigentlich damals "andere Fakultät" auf Englisch übersetzt?
25. Juni 2009
Das Kornheiser-Syndrom
Was passiert, wenn Journalisten Stars werden und sehr viel Geld verdienen? Dann entwickeln sie einen Sinn für die Medienarbeit, die nicht mehr viel mit Journalismus zu tun hat, aber ganz viel mit Eitelkeit und Narzismus. Es dürfte schwer sein, sich dem zu entziehen. Amerikanische Wertkategorien wie Erfolg (messbar in Geld) und Aussehen (messbar in Popularität) gekoppelt mit dem enormen Tempo des Wirtschaftssystems und dem riesigen potenziellen Markt von mehr als 300 Millionen Verbrauchern beeinflussen schlichtweg jeden. Sagen wir mal: fast jeden. Ausnahmen wie den Einsiedler J. D. Salinger da oben in New Hampshire, der seit Jahren allen Versuchen widerstanden hat, sich auch nur in der Öffentlichkeit zu zeigen, gibt es natürlich auch. Aber die sind sehr selten.
Im Sportjournalismus ist die Lust auf Selbststilisierung eher neu, wurde aber keineswegs von ESPN erfunden. Die Disney-Tochter spielt das Instrumentarium einfach nur aus. Die Imageaufwertung von profilierten Sportschreibern geht auf eine langjährige hochwertige Arbeit bei Sports Illustrated zurück, wo man einen Reportagestil entwickelt und gepflegt hat, der dem profanen Milieu Sport den Stempel von Nachdenklichkeit und Analysetiefe aufdrückte. So konnte eine Buchserie wie "The Best American Sportwriting" entstehen. Die Hinwendung von Qualitätszeitungen wie New York Times und Washington Post zu einer anspruchsvolleren Beschäftigung mit Sportthemen hatte einen zusätzlichen Effekt. Dort konnten Kolumnisten ihr Profil schärfen. Nicht jeder von diesen exponierten Figuren hat den Hang dazu, aus jedem Fenster hinaus auf die Straße hinabzubrüllen. Aber sehr viele können es nicht lassen. Was oft – zumindest kurzfristig – durchaus der eigenen Karriere nützen kann.
So sind solche Biographien wie Stephen A. Smith entstanden, der am meisten verlachte Sportschreiber des Landes. Der hatte zwischendurch sogar seine eigene Fernsehtalkshow bei ESPN und durfte während des Obama-Wahlkampfs bei anderen Sendern seine Ansichten zu politischen Themen äußern. Der Mann hat nichts Interessantes zu sagen. Er besteht aus nichts anderem als attitude. Seine Fahrkarte hatte er beim Philadelphia Inquirer gelöst, als er es verstand, sich in den Allen-Iverson-Jahren bei den 76ers als Basketball-Journalist in den Vordergrund zu spielen. Sein Abstieg begann, als er seinen Job bei der Zeitung verlor, wo man keine Lust mehr hatte auf im Blackberry hastig getippte und eingesandte Texte.
Wir könnten auch über Mike Lupica reden, den kleinen Vielschreiber, der den Chef des Sportreporter-Corps mimt, wenn sonntags bei ESPN diese Quasselrunde zusammensitzt. Der Mann scheint noch im Sattel zu sitzen, weil er sich zumindest jeden Tag hinreichend anstrengt und nicht mit anderen Medien-Outlets flirtet.
Etwas ähnliches ist Tony Kornheiser nicht gelungen. Nach dem Aufstieg hin zu Pardon The Interruption und zu Monday Night Football (wo angeblich er in den Sack gehauen hat, vielleicht war es ja auch ganz anders, who knows?) kam die Schattenseite ins Spiel. Die Washington Post hatte keine Lust mehr auf einen Mitarbeiter, dessen Texte sie den Lesern nicht mehr allzu oft präsentieren konnte. Das akzeptiert man bei dieser Zeitung nur bei einem: dem angesehenen Ex-Watergate-Reporter Bob Woodward, der nur noch Bücher schreibt, das dort akkumulierte Wissen zwischendurch für sich behält, aber bei Erscheinen der Werke dem Blatt jeweils einen Vorabdruck gewährt. Kornheisers aktuelles Lamento fällt vergleichsweise milde aus. Wenn auch die Verteidigungsrede einen Grad an Selbstüberschätzung verrät, der uns zum eingangs aufgeworfenen Phänomen zurückbringt. Zitat: "...wenn Michael Wilbon und Tony Kornheiser keine Marke für die Washington Post sind, was wäre es dann?"
Ich nehme an, dass Wilbon, der noch viel für die Zeitung schreibt, aber längst bei seinen vielen Auftritten vor den Fernsehkameras die Aura eines Pfaus ausstrahlt, schon bald seinen Kolumnistenposten verliert. Zeitungen, die Auflagen einbüßen und (noch stärker) Anzeigenumsätze, haben eine Strukturkrise zu bewältigen, die eitle Luxusgeschöpfe, die sich nicht mehr als Dienstleister, sondern als Stars betrachten, nicht länger finanzieren kann. Hinter dieser Entwicklung verbirgt sich das Ende einer Ära. Das Prestige, das man sich durch die Arbeit für Zeitungen und Zeitschriften erarbeiten kann, geht ebenfalls flöten. Das neue Erfolgsprodukt (und springen wir jetzt mal zur Verdeutlichung nach Deutschland) ist so etwas wie Rheinische Post Online, die sich nicht daran stören, dass ihnen das journalistische Format fehlt, um ein gutes Produkt abzuliefern, und dass sie zum Lachsack einer medienkritischen Kundschaft werden. Sie laufen Klickzahlen hinterher. Typisch: eine der Hauptverantwortlichen und ihre Berichte aus ihrer Freizeit in einem prätentiösen vollgefaselten Blog. Autorenleistung? Fehlanzeige. Wie sagt man hierzulande? When you live by the sword you die by the sword.
Im Sportjournalismus ist die Lust auf Selbststilisierung eher neu, wurde aber keineswegs von ESPN erfunden. Die Disney-Tochter spielt das Instrumentarium einfach nur aus. Die Imageaufwertung von profilierten Sportschreibern geht auf eine langjährige hochwertige Arbeit bei Sports Illustrated zurück, wo man einen Reportagestil entwickelt und gepflegt hat, der dem profanen Milieu Sport den Stempel von Nachdenklichkeit und Analysetiefe aufdrückte. So konnte eine Buchserie wie "The Best American Sportwriting" entstehen. Die Hinwendung von Qualitätszeitungen wie New York Times und Washington Post zu einer anspruchsvolleren Beschäftigung mit Sportthemen hatte einen zusätzlichen Effekt. Dort konnten Kolumnisten ihr Profil schärfen. Nicht jeder von diesen exponierten Figuren hat den Hang dazu, aus jedem Fenster hinaus auf die Straße hinabzubrüllen. Aber sehr viele können es nicht lassen. Was oft – zumindest kurzfristig – durchaus der eigenen Karriere nützen kann.
So sind solche Biographien wie Stephen A. Smith entstanden, der am meisten verlachte Sportschreiber des Landes. Der hatte zwischendurch sogar seine eigene Fernsehtalkshow bei ESPN und durfte während des Obama-Wahlkampfs bei anderen Sendern seine Ansichten zu politischen Themen äußern. Der Mann hat nichts Interessantes zu sagen. Er besteht aus nichts anderem als attitude. Seine Fahrkarte hatte er beim Philadelphia Inquirer gelöst, als er es verstand, sich in den Allen-Iverson-Jahren bei den 76ers als Basketball-Journalist in den Vordergrund zu spielen. Sein Abstieg begann, als er seinen Job bei der Zeitung verlor, wo man keine Lust mehr hatte auf im Blackberry hastig getippte und eingesandte Texte.
Wir könnten auch über Mike Lupica reden, den kleinen Vielschreiber, der den Chef des Sportreporter-Corps mimt, wenn sonntags bei ESPN diese Quasselrunde zusammensitzt. Der Mann scheint noch im Sattel zu sitzen, weil er sich zumindest jeden Tag hinreichend anstrengt und nicht mit anderen Medien-Outlets flirtet.
Etwas ähnliches ist Tony Kornheiser nicht gelungen. Nach dem Aufstieg hin zu Pardon The Interruption und zu Monday Night Football (wo angeblich er in den Sack gehauen hat, vielleicht war es ja auch ganz anders, who knows?) kam die Schattenseite ins Spiel. Die Washington Post hatte keine Lust mehr auf einen Mitarbeiter, dessen Texte sie den Lesern nicht mehr allzu oft präsentieren konnte. Das akzeptiert man bei dieser Zeitung nur bei einem: dem angesehenen Ex-Watergate-Reporter Bob Woodward, der nur noch Bücher schreibt, das dort akkumulierte Wissen zwischendurch für sich behält, aber bei Erscheinen der Werke dem Blatt jeweils einen Vorabdruck gewährt. Kornheisers aktuelles Lamento fällt vergleichsweise milde aus. Wenn auch die Verteidigungsrede einen Grad an Selbstüberschätzung verrät, der uns zum eingangs aufgeworfenen Phänomen zurückbringt. Zitat: "...wenn Michael Wilbon und Tony Kornheiser keine Marke für die Washington Post sind, was wäre es dann?"
Ich nehme an, dass Wilbon, der noch viel für die Zeitung schreibt, aber längst bei seinen vielen Auftritten vor den Fernsehkameras die Aura eines Pfaus ausstrahlt, schon bald seinen Kolumnistenposten verliert. Zeitungen, die Auflagen einbüßen und (noch stärker) Anzeigenumsätze, haben eine Strukturkrise zu bewältigen, die eitle Luxusgeschöpfe, die sich nicht mehr als Dienstleister, sondern als Stars betrachten, nicht länger finanzieren kann. Hinter dieser Entwicklung verbirgt sich das Ende einer Ära. Das Prestige, das man sich durch die Arbeit für Zeitungen und Zeitschriften erarbeiten kann, geht ebenfalls flöten. Das neue Erfolgsprodukt (und springen wir jetzt mal zur Verdeutlichung nach Deutschland) ist so etwas wie Rheinische Post Online, die sich nicht daran stören, dass ihnen das journalistische Format fehlt, um ein gutes Produkt abzuliefern, und dass sie zum Lachsack einer medienkritischen Kundschaft werden. Sie laufen Klickzahlen hinterher. Typisch: eine der Hauptverantwortlichen und ihre Berichte aus ihrer Freizeit in einem prätentiösen vollgefaselten Blog. Autorenleistung? Fehlanzeige. Wie sagt man hierzulande? When you live by the sword you die by the sword.
28. Mai 2009
Wenn Kobe arbeitet
Das jüngste Werk von Spike Lee hat verhältnismäßig wenig Wirbel produziert. Was sicher auch auch daran liegt, dass es nicht im Stil einer Kinopremiere hochgepeitscht wurde, sondern auf ESPN lief. Einfach so, ohne Werbeunterbrechung. Von dieser Stelle aus wird es zu dem Streifen keinen Kommentar geben, weil mich die Hagiographie von Sportlern nicht interessiert. Nur so viel: Spike Lee ist neben Woody Allen der berühmteste Basketballfan der New York Knicks, seine Filme spiegeln die Lebensumstände und die historischen Figuren des schwarzen amerikanischen Alltags wieder. Seine Rolle als Gestalter von frühen Michael-Jordan-Spots für die Schuhe der Firma Nike half dem jungen Jordan, aber auch dem Regisseur. Sein neues Ding, der Kobe-Bryant-Film mit dem Titel Kobe Doin' Work ist die Nachahmung einer Idee, in der Zinedine Zidane aufwändig mit vielen gleichzeitig auf ihn gerichteten Kameras porträtiert wurde.
Aber weil wir gerade Playoffs haben und die Lakers gestern mit 3:2 in der Serie gegen Denver in Führung gingen und Kobe damit nur noch einen Sieg braucht, um in die Finalserie zu kommen, wollen wir das Thema nicht verschweigen. Hier ein ausführlicher Text vom Dienstag, der in seiner überschrift die Prämisse verrät. Er heißt Defending Kobe Doin' Work. Man kann zu dem Thema aber auch die Abhandlung von Bill Simmons auf ESPN lesen, die das Projekt im Kontext würdigt und verreißt: "Das ist die Art und Weise, wie man die Medien nutzt. Kontrolliere den Zugang, nutze einen eigenen Filter, sage nichts Grundlegendes, spiele eine Rolle, schlachte die Erträge aus."
Aber weil wir gerade Playoffs haben und die Lakers gestern mit 3:2 in der Serie gegen Denver in Führung gingen und Kobe damit nur noch einen Sieg braucht, um in die Finalserie zu kommen, wollen wir das Thema nicht verschweigen. Hier ein ausführlicher Text vom Dienstag, der in seiner überschrift die Prämisse verrät. Er heißt Defending Kobe Doin' Work. Man kann zu dem Thema aber auch die Abhandlung von Bill Simmons auf ESPN lesen, die das Projekt im Kontext würdigt und verreißt: "Das ist die Art und Weise, wie man die Medien nutzt. Kontrolliere den Zugang, nutze einen eigenen Filter, sage nichts Grundlegendes, spiele eine Rolle, schlachte die Erträge aus."
Labels:
Dokumentarfilm,
ESPN,
Kobe Bryant,
Spike Lee
Abonnieren
Posts (Atom)