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21. August 2008

Hope hält

Es hat ein Jahr gedauert. Aber jetzt dürfte jedem endlich klar geworden sein, dass der amerikanische Trainer vor einem Jahr bei der WM in China einen katastrophalen Aussetzer hatte, als er erst Torwart Hope Solo gegen Brasilien auf die Bank setzte und anschließend eine drakonische Behandlung der jungen Frau durchdrückte, weil sie sich öffentlich über die Fehlentscheidung beklagt hatte. Die Geschichte im Detail kann man nachlesen. Die aktuelle Nachricht dazu geht so: Hope Solo hat im Spiel um die Goldmedaille den Kasten sauber gehalten. Gegen Brasilien. Ohne sie hätte die Mannschaft das Match, das nach Verlängerung 1:0 endete, abgegeben. Zum Glück verlor der Trainer vor ein paar Monaten seinen Job. Es gibt also doch noch so etwas wie Gerechtigkeit?

6. Dezember 2007

Wird Solo wieder Nummer eins?

Beim Blog The Offside ist man so optimistisch zu glauben, dass die Akte Hope Solo geschlossen werden kann. Und alles nur, weil der amerikanische Fußballverband eine Pressemitteilung herausgab, wonach sie zusammen mit ihrer Konkurrentin Briana Scurry zum ersten Trainingslager der neuen Trainerin Pia Sundhage eingeladen wurden. Vielleicht ist die Übungsleiterin nicht nachtragend. Zumal sie ihren Job dem Aufstand verdankt, der rund um die fatale Entscheidung ihres Vorgängers bei der WM in China entstand, die Stammtorhüterin Solo ohne Grund gegen Brasilien auf die Bank zu setzen. Dessen Vertrag wurde nämlich nicht erneuert. Aber die anderen Spielerinnen, die anschließend die Hasskampagne gegen die klageführende Torfrau betrieben, sind immer noch da. Und werden wohl auch bis zu den Olympischen Spielen in Peking nicht ausgemustert.

22. Oktober 2007

Hopes Solo hat sich gelohnt: US-Coach darf packen

Das Programm für heute sah eigentlich vor, mich in die Telefonkonferenz einzuwählen, die der amerikanische Fußballverband für 16 Uhr New Yorker Zeit anberaumt hatte. Aber irgendwann vorher war ziemlich klar, dass dieser Termin ohne große Spannung ablaufen würde. Präsident Sunil Gulati wollte nur alleine auftreten, um sich zur Frauennationalmannschaft zu äußern. Von einem Auftritt von Trainer Greg Ryan war nicht die Rede. Und so war dann auch keine Überraschung, was wenig später als offizielle Mitteilung der Presseabteilung im Email-Eingangskorb landete: Coach Ryans Vertrag wird nicht erneuert. Der Mann, der ohne besondere Leistungsnachweise vor zwei Jahren in den Job hineingerutscht war, eine der - auf dem Papier - besten Mannschaften der Welt zu trainieren, darf sich eine neue Beschäftigung suchen. Die anspruchsvollen amerikanischen Fußballanhänger können froh sein, dass die Torfrau Hope Solo nach der Pleite bei der WM gegen Brasilien so offen den Mund aufmachte. Denn der von ihr heraufbeschworene Konflikt brachte mehr an den Tag als die pure Unfähigkeit von Ryan, der vor dem Halbfinale einen mysteriösen Goaliewechsel vornahm, der sich als Reinfall erwies. Es heizte eine Psychoterror-Stimmung in der Mannschaft an, die sich unsinnigerweise auch noch mit dem Trainer solidarisierte. So als ob es wirklich eine einzige Entschuldigung für seine Fehlleistung gegeben hätte. Gulati sah durch alles durch, zumal das Brodeln im Team nicht aufhören wollte, wo die gespenstige Abstrafaktion gegen Hope Solo, die beste Torfrau des Landes, in den letzten Wochen ständig weiterging. Er gab Ryan den Laufpass. Der Nachfolger/die Nachfolgerin darf nun im Hinblick auf die Olympischen Spiele in Peking im nächsten Jahr einen Schnitt im Kader machen, der allen gut tun wird. Vor allem den alteingesessenen Stammspielern, die glauben, sie hätten die Macht im Gruppenprozess.
Blick zurück: Gewalt nach Art des Hauses

16. Oktober 2007

Gewalt nach Art des Hauses: Psychoterror gegen Hope Solo

Die eine bemerkenswerte und zugleich befremdliche Episode von der Frauen-Fußball-WM ist hier schon mal angeklungen. Die psychische Gewalt, mit der die amerikanische Mannschaft damals zurückschlug, nachdem Torfrau Hope Solo öffentlich den Trainer kritisiert hatte (weil er sie ohne Grund ersetzt hatte und das Spiel gegen Brasilien jämmerlich in die Hosen ging) lässt sich jedoch erst allmählich zusammenpuzzeln. Solo wurde nicht nur von der Teilnahme am Spiel um den dritten Platz ausgeschlossen. Sie durfte nicht mit dem Team zusammen essen, nicht mit ihm trainieren, durfte nicht mit ihnen zusammen ihre Medaille für den dritten Platz entgegennehmen und musste alleine von China nach Hause zurückfliegen. Jetzt saß sie zwar offiziell als Ersatz in einem Freundschaftsspiel gegen Mexiko auf der Bank, aber gleich nach dem Schlusspfiff marschierte sie alleine davon, nachdem während des gesamten Spiels nur eine Mannschaftskollegin mit ihr gesprochen hatte.

Die Reaktion, die vermutlich von den älteren Spielerinnen wie Kristine Lilly vorangetrieben wurde, um eine Fascho-Stimmung zu rechtfertigen, die über alles hinausgeht, was denkende Menschen in den USA akzeptieren, hat zu unglaublich intelligenten und kritischen Kommentaren in jenen Sportblogs geführt, die das Thema pflegen. Am deutlichsten war dieser bei der New York Times: Die "Kleinkrämerei und Brutalität gegenüber einem Mannschaftskollegen" sei etwas, was man im Jahr 2007 nicht mehr für möglich gehalten habe. "Das wirft den Frauensport im wahrsten Sinne des Wortes zurück und gibt all denen Munition, die Frauen nicht beim Softball oder Basketball oder Golf oder Eishockey oder Lacrosse zuschauen, weil Frauen 'einfach keine richtigen Sportler sind'."

Der Verband hat sich bisher um die Frage gedrückt, ob der eigentliche Übeltäter in diesem Theaterstück, der völlig überforderte Trainer Greg Ryan, den auslaufenden Vertrag verlängert bekommt. Vermutlich warten die noch ab, ob sich die Sache vor alleine einrenkt. Vielleicht sollte Hope Solo mal lieber einen Anwalt konsultieren, anstatt sich dauernd zu entschuldigen. Wofür sie seit einem Vierteljahr gespielt hatte, erfährt man aus diesem Video (Vorsicht, da rollen Tränen):