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21. Oktober 2009

Jermaine Jones kann kommen

Gestern schon kurz getwittert: Jermaine Jones hat von der FIFA seine Papiere erhalten und darf nun für die USA spielen. Da er zur Zeit aufgrund einer Verletzung pausiert, wird er ganz bestimmt nicht in den nächsten Länderspielen zum Einsatz kommen. Aber es ist unbestritten, dass er sich auf dem Radarschirm von Trainer Bob Bradley befindet. Einen Fußballer mit seinen mentalen Qualitäten haben die Amerikaner nicht. Ob sie ihn im Rahmen ihrer Chemie überhaupt gut absorbieren könnten, steht auf einem anderen Blatt. Als die Nachricht von den Absichten des Schalkers laut wurde, kam es bereits zu einer ersten Kontroverse. Natürlich hat sich Jones dank der FIFA nun eine Chance verbaut: einen Rückweg zu Jogi's Jungs gibt es nicht.

Die Reaktionen auf die jüngste Nachricht in der amerikanischen Blogosphäre:
Soccer by Ives
Prost Amerika Soccer
Yanks Abroad

15. Oktober 2009

US-WM-Qualifikation: Spätes Leid für Costa Rica

Die Amerikaner haben gestern spät in der Nachspielzeit beim WM-Qualifikationsheimspiel gegen Costa Rica zum 2:2 ausgeglichen. Das Tor hatte Wirkung. Nicht für die Amerikaner, die nach dem Sieg in Honduras bereits für Südafrika gebucht waren, sondern für Honduras. Die sind ebenfalls im nächsten Jahr sicher dabei. Der Treffer zwang Costa Rica in die Playoff-Auseinandersetzung mit Uruguay, das sich zur gleichen Zeit gegen Argentinien die Butter vom Brot nehmen ließ.

Das US-Team musste ohne den vielversprechen Stürmer Charlie Davies antreten, der kurz vor dem Spiel bei einem schweren Autounfall außerhalb von Washington verletzt wurde und womöglich seine Karriere nicht fortsetzen kann.

2. Juli 2009

ESPN tanzt mit

ESPN ist es am Sonntag mit der US-Fußballnationalmannschaft ein bisschen wie dem Mädchen im Sterntaler-Märchen ergangen. Es regnete zwar kein Gold, aber dafür jede Menge Zuschauer. Das Spiel gegen Brasilien brachte fast vier Millionen an die Bildschirme. Eine Quote, die beinahe alle alten WM-Bestleistungen des Senders geschlagen hätte. Nun muss die Disney-Filiale nicht zwingend in Quoten rechnen, weil man dank des Finanzierungsmodells aus den Kabelgebühren, die aus den Taschen der Zuschauer kommen, und Werbung, ohnehin im Geld schwimmt. Außerdem hat man beginnend mit der EM eine preiswerte eurosportartige Übertragungskultur pefektioniert (die beiden Kommentatoren sitzen in Bristol/Connecticut am Monitor und nicht vor Ort). Trotzdem war die Angelegenheit signifikant. Denn der Confederations Cup hatte wenig mediale Begleitmusik. So war die Quote beim überraschend klaren Erfolg gegen Spanien noch relativ niedrig. Aber der Sieg machte selbst schlafmützige Zeitungen wach und neugierig auf mehr.

Für ESPN war das alles vor allem deshalb von Bedeutung, weil man die WM in Südafrika im kommenden Jahr mit sehr viel Aufwand abfeiern wird. Der Worldwide Leader will zeigen, dass er kompetent mit Fußball umgehen kann, um gegenüber potenziellen Rechtepartnern wie der Premier League letzte Zweifel auszuräumen, dass man bei den Amerikanern in schlechten Händen wäre. Teil des Aufwands ist ein reizvolles Projekt, über das Sports Illustrated jetzt ein paar Dinge verriet: "Zu den geplanten Features gehören Interviews von John Battsek und Michael Davies, zwei Producern hinter Once In A Lifetime, dem Dokumentarfilm über den Aufstieg und Fall von Pelé und den New York Cosmos aus dem Jahrt 2006, mit jedem noch lebenden Spieler, der ein Tor im WM-Finale geschossen hat (ESPN will aus den Interviews einen Dokumentarfilm machen)."

Nicht alle Kicker stehen für so etwas gerne zur Verfügung. Einige wollten Geld haben. Zu denen gehört sicher auch Pelé, der sich schon dem Cosmos-Projekt aus diesem Grund verweigerte. ESPN will jede teilnehmende Mannschaft übrigens in Form eines ausführlichen Einzelporträts vorstellen. Das klingt ziemlich klug. Denn andere Länder werden diesen Produktionsaufwand nicht finanzieren können und so vermutlich Verwertungsrechte an dem Material kaufen. So spielt der Sender womöglich für diesen außerordentlichen Extra-Aufwand sogar noch die Kosten wieder ein. Hier mein Lieblingsausschnitt aus dem Cosmos-Film: Franz Beckenbauer spricht über Rudolf Nurejew.

Ungeklärt bleibt die Frage: Wie hat der junge Beckenbauer eigentlich damals "andere Fakultät" auf Englisch übersetzt?

24. Juni 2009

USA schlägt Spanien 2:0

So etwas sieht man nicht alle Tage. Und ESPN ist live dabei. Die amerikanische Fußballnationalmannschaft schenkt in Südafrika den Spaniern zwei Tore ein und hält einem wuchtigen Ansturm stand. Mit dem 2:0 steht die die USA im Finale des Confed Cups. Ohne Michael Bradley von Borussia Mönchengladbach. Der erhielt kurz vor Schluss eine rote Karte, weil er mit gestrecktem Bein und Sohle in einen Kampf um den Ball eingestiegen war. Nur soviel: Wenn man erlebt hat, wie schwer sich die Mannschaft in der WM-Qualifikation gegen mittelamerikanische Gegner getan hat, durfte man so etwas nicht erwarten. Der Gegner: Südafrika oder Brasilien.

Schlechte Nachricht: Vier deutsche Sportjournalisten wurden bei einem Unfall auf der Fahrt zum Spiel schwer verletzt und wurden in Krankenhäuser eingeliefert. Um wen es sich handelt, ist noch nicht bekannt (via Kommentar bei allesaussersport).

Nachtrag: Die amerikanischen Tore auf Video (spanischer Kommentar)

14. Juni 2009

Dreist, gemein, brutal

Das kommt sowieso auf Wiedervorlage, dass Jermaine Jones als amerikanischer Nationalspieler die Fahrkarte zur WM in Südafrika lösen will. Hier erst mal nur eine erste Resonanz aus den USA:

Die New York Times hat den Namen noch nicht richtig drauf.
"Sie sind nicht allein, wenn Sie noch etwas über James [sic!], einen Mittelfeldspieler von Schalke 04 in der Bundesliga gehört haben."
Immerhin Englisch kann er, meint das Blatt aus bester Quelle zu wissen. “'Ich verstehe es, aber ich kann es nicht gut sprechen'", sagte Jones über die Sprache seines Vaters, "ehe er ziemlich gut in passablem Englisch sprach."

Soccer by Ives vermutet Gerangel um einen Stammplatz: "Die am besten besetzte Position in der amerikanischen Nationalmannschaft wird demnächst noch besser besetzt sein."
"Ein dreister defensiver Mittelfeldspieler mit einer unglaublichen Athletik und einer hinlänglich bekannten gemeinen Ader."

Major League Soccer Talk liefert eine Einschätzung des Leistungsvermögens: "Abgesehen von den Pluspunkten von Jones inklusive der Tatsache, dass er Stammspieler in einem europäischen Spitzenclub ist, ist er ein Fall für den Psychologen. Anders als Jose Torres, der andere jüngste Konvertit, verfügt er über keine besonders guten technischen Fähigkeiten und ist ein wenig der brutale Typ, der gut in die Bundesliga passt, aber ein Problem im Kampf mit lateinamerikanischem Flair haben könnte."

Vielleicht wäre es an der Zeit, mal von Herrn Wieland vom Königsblog die Sache genauer erklärt zu bekommen.

21. August 2008

Hope hält

Es hat ein Jahr gedauert. Aber jetzt dürfte jedem endlich klar geworden sein, dass der amerikanische Trainer vor einem Jahr bei der WM in China einen katastrophalen Aussetzer hatte, als er erst Torwart Hope Solo gegen Brasilien auf die Bank setzte und anschließend eine drakonische Behandlung der jungen Frau durchdrückte, weil sie sich öffentlich über die Fehlentscheidung beklagt hatte. Die Geschichte im Detail kann man nachlesen. Die aktuelle Nachricht dazu geht so: Hope Solo hat im Spiel um die Goldmedaille den Kasten sauber gehalten. Gegen Brasilien. Ohne sie hätte die Mannschaft das Match, das nach Verlängerung 1:0 endete, abgegeben. Zum Glück verlor der Trainer vor ein paar Monaten seinen Job. Es gibt also doch noch so etwas wie Gerechtigkeit?

28. Juli 2008

Der K-u-K-u-K ruft

Das K-u-K-u-K-Regime (Coach K, Kobe und Kidd). Der Bericht über die amerikanische Basketballnationalmannschaft, der in der vergangenen Woche in der gedruckten Ausgabe der FAZ erschien (und zwar vor dem Kanada-Spiel, bei dem die Jungs einen sehr unterhaltesamen Gig ablieferten), ist nun online erschienen.
Blick zurück: Was Coach K verdient
Blick zurück: Das Coach K-Porträt aus Anlass der WM vor zwei Jahren

6. Dezember 2007

Wird Solo wieder Nummer eins?

Beim Blog The Offside ist man so optimistisch zu glauben, dass die Akte Hope Solo geschlossen werden kann. Und alles nur, weil der amerikanische Fußballverband eine Pressemitteilung herausgab, wonach sie zusammen mit ihrer Konkurrentin Briana Scurry zum ersten Trainingslager der neuen Trainerin Pia Sundhage eingeladen wurden. Vielleicht ist die Übungsleiterin nicht nachtragend. Zumal sie ihren Job dem Aufstand verdankt, der rund um die fatale Entscheidung ihres Vorgängers bei der WM in China entstand, die Stammtorhüterin Solo ohne Grund gegen Brasilien auf die Bank zu setzen. Dessen Vertrag wurde nämlich nicht erneuert. Aber die anderen Spielerinnen, die anschließend die Hasskampagne gegen die klageführende Torfrau betrieben, sind immer noch da. Und werden wohl auch bis zu den Olympischen Spielen in Peking nicht ausgemustert.

16. Oktober 2007

Gewalt nach Art des Hauses: Psychoterror gegen Hope Solo

Die eine bemerkenswerte und zugleich befremdliche Episode von der Frauen-Fußball-WM ist hier schon mal angeklungen. Die psychische Gewalt, mit der die amerikanische Mannschaft damals zurückschlug, nachdem Torfrau Hope Solo öffentlich den Trainer kritisiert hatte (weil er sie ohne Grund ersetzt hatte und das Spiel gegen Brasilien jämmerlich in die Hosen ging) lässt sich jedoch erst allmählich zusammenpuzzeln. Solo wurde nicht nur von der Teilnahme am Spiel um den dritten Platz ausgeschlossen. Sie durfte nicht mit dem Team zusammen essen, nicht mit ihm trainieren, durfte nicht mit ihnen zusammen ihre Medaille für den dritten Platz entgegennehmen und musste alleine von China nach Hause zurückfliegen. Jetzt saß sie zwar offiziell als Ersatz in einem Freundschaftsspiel gegen Mexiko auf der Bank, aber gleich nach dem Schlusspfiff marschierte sie alleine davon, nachdem während des gesamten Spiels nur eine Mannschaftskollegin mit ihr gesprochen hatte.

Die Reaktion, die vermutlich von den älteren Spielerinnen wie Kristine Lilly vorangetrieben wurde, um eine Fascho-Stimmung zu rechtfertigen, die über alles hinausgeht, was denkende Menschen in den USA akzeptieren, hat zu unglaublich intelligenten und kritischen Kommentaren in jenen Sportblogs geführt, die das Thema pflegen. Am deutlichsten war dieser bei der New York Times: Die "Kleinkrämerei und Brutalität gegenüber einem Mannschaftskollegen" sei etwas, was man im Jahr 2007 nicht mehr für möglich gehalten habe. "Das wirft den Frauensport im wahrsten Sinne des Wortes zurück und gibt all denen Munition, die Frauen nicht beim Softball oder Basketball oder Golf oder Eishockey oder Lacrosse zuschauen, weil Frauen 'einfach keine richtigen Sportler sind'."

Der Verband hat sich bisher um die Frage gedrückt, ob der eigentliche Übeltäter in diesem Theaterstück, der völlig überforderte Trainer Greg Ryan, den auslaufenden Vertrag verlängert bekommt. Vermutlich warten die noch ab, ob sich die Sache vor alleine einrenkt. Vielleicht sollte Hope Solo mal lieber einen Anwalt konsultieren, anstatt sich dauernd zu entschuldigen. Wofür sie seit einem Vierteljahr gespielt hatte, erfährt man aus diesem Video (Vorsicht, da rollen Tränen):

30. August 2007

Das Nike-lodeon spielt komische Töne


Wir haben damit einen Tiefpunkt in der Werbung für Fußballschuhe und Trikots erreicht: ein PR-Manager, der einen Text abliest und nicht mal das gut hinbekommt, nimmt sich selbst mit einer Kamera auf und stellt das Video ins Internet. Solchen Humor muss man erstmal haben, um von dort aus nicht auf die Qualität des Projekts selbst zu schließen - den Reisebus, der für die amerikanische Frauennationalmannschaft werblich unterwegs ist. Jener Teil der Kampagne, den Trainer Baade ausgelotet und gelobt hatte ("Warum sehe ich so etwas Gelungenes... nie von deutschen (National-)Mannschaften?") finde ich auch gut. Aber das hier? Das soll adidas Angst machen?

19. August 2007

US-Team in Las Vegas: Olympia im Visier

Die Tatsache, dass sich zur Zeit in Las Vegas eine Handvoll der besten amerikanischen Basketballer versammeln, um sich auf ein ziemlich wichtiges Turnier vorzubereiten, scheint momentan kaum jemanden zu interessieren. Komisch eigentlich: Das NBA-All-Star-Wochenende vor ein paar Monaten an gleicher Stelle produzierte einen Riesenrummel (und ein paar Nebengeräusche). Nun sind Kobe Bryant und LeBron James und Carmelo Anthony und Jason Kidd in der Stadt und fliegen quasi unter jedem Radarschirm. Das verspricht nichts Gutes für die Einschaltquoten des Qualifikationsturniers, das in der kommenden Woche in Las Vegas beginnt und den offiziellen Namen "FIBA Americas Championship" trägt. Dieser Name wirkt aus US-amerikanischer Sicht mehr als mysteriös. Denn erstens kennt man in diesem Land nur ein Amerika (sein eigenes) und keine vielen Americas. Und zweitens hat hier noch niemand etwas von FIBA gehört. Mit anderen Worten: Wenn man nicht weiß, um was es geht, kann man auch keine Neugier entwickeln. Dabei geht es um eine ganze Menge. Nämlich um die Qualifikation für die Oympischen Spiele in Peking im nãchsten Jahr. Die zu verpassen wäre für die USA nicht nur aus sportlicher Sicht eine Katastrophe. Die Chefs des Fernsehsenders NBC, die viel Geld für die Übertragungsrechte der Spiele ausgegeben haben, würden vermutlich aus dem Fenster ihres Hochhausturms im Rockefeller Center von Manhattan springen. Und die Jungs vom Sportausrüster Nike in den leider viel zu flachen Teich auf ihrem Campus in Beaverton. Denn die setzen vollends darauf, ihre Klamotten, aus Anlass der Spiele auf dem chinesischen Milliarden-Markt mit Figuren wie LeBron James zu vermarkten.

Die Leistung der Nationalmannschaft bei der WM in Japan im letzten Jahr hat nicht gerade für Optimismus gesorgt. Auch wenn die Gegner aus den Americas (am stärksten ist Brasilien) eigentlich nicht das Zeug haben sollten, den Erfindern der Sportart die Tour zu vermasseln. Immerhin kann man die Spiele der US-Mannschaft live im Fernsehen verfolgen.

28. Juni 2007

Was man alles lernt, wenn man lange genug beim HSV auf der Bank sitzt

Angeblich trägt sich Benny Feilhaber mit Abwanderungsgedanken. Er ist noch bis 2008 beim HSV unter Vertrag, kann also nicht so einfach weglaufen. Seine Einsatzquote war minimal. Seine Torausbeute: Zero. Jetzt schießt er ein Tor für die USA gegen Mexiko (im Finale des CONCACAF-Gold-Cups) und auf einmal sehen ihn viele mit anderen Augen. Auch Trainer Huub Stevens, der gesagt haben soll: "Schade, dass er so lange weg ist und viel von der Vorbereitung verpasst." Das Tor zeigen wir hier mit spanischem Orginalkommentar:

Und dann wollen wir noch hinzufügen: Vielleicht sollte Feilhaber viel häufiger in der amerikanischen Nationalmannschaft spielen. Da entfaltet er wenigstens Wirkung und Selbstvertrauen und sitzt nicht dauernd auf der Bank. Die Gelegenheiten dazu kommen noch: im Rahmen der Copa America. Obwohl, beim weiteren Nachdenken, fragt man sich: Vielleicht kann man beim HSV auf der Bank sitzend das Toreschießen lernen. Irgendwoher muss er es ja haben...
Blick zurück: Wie sich ein Jung-Profi aus Amerika in der Bundesliga fit hält

19. Dezember 2006

ManU-Mann für USA?

Das wird sich Jürgen Klinsmann nur noch mit einem Lächeln anschauen: Nach einem Bericht im Londoner Massenblatt The Sun ist der Portugiese Carlos Queiroz zur Zeit der Favorit für den Posten des amerikanischen Nationaltrainers. Queiroz arbeitet unter Sir Alex Ferguson als Assistent bei Manchester United und war schon einmal in den USA - im Sommer 1996 als Coach der inzwischen in Red Bulls umgetauften MetroStars.

8. Dezember 2006

Klinsmann und die Folgen: Trecker in den Dreck gefahren

An einem Tag wie diesem möchte man wirklich nicht Jamie Trecker (Bild) sein. Denn wenn man zuerst den vermeintlich verbindlichen Scoop heraussemmelt, der besagt, dass der neue Trainer der eigenen Nationalmannschaft ganz gewiss und auf jeden Fall Jürgen Klinsmann heißen wird, weil einem das von Insidern brühwarm so zugesteckt wurde, dann steht man plötzlich ziemlich bekleckert und allein da. Trecker schreibt bei foxsports.com über Fußball. Das ist eigentlich eine unbefangene Aufgabe. Denn noch immer interessieren sich viel zu wenige Leser in den USA für das Themenfeld. Und so kann man schreiben, was man möchte, und muss sich keine Gedanken über Konkurrenzdruck und andere journalistische Konstellationen machen.

Aber wenn es um den Top-Trainer im Land geht - das ist dann doch von einem anderen Kaliber. Da muss man nicht nur Leute interviewen. Da muss man auch mal rechtzeitig herausfinden, ob das wohl stimmt, was man erzählt bekommt. Und wenn es sich als Falschmeldung herausstellt, muss man klein beigeben. Trecker probiert momentan noch die Methode, die die republikanische Regierung in Washington so gerne praktiziert ("Angriff auf das World Trade Center? Wie konnten wir dann denn vorher wissen? Vernichtungswaffen im Irak? Wie konnten wir denn wissen, dass sie keine haben? Bürgerkrieg auf Bagdads Strassen? Wie konnten wir denn wissen, dass sich die Sunnis und Shiiten nicht mögen?") Trecker behauptet: Alle hätten geschockt auf den Klinsmannschen Rückzug reagiert. GESCHOCKT. Hat da wirklich ein einsamer Mann aus Huntington Beach in einem einsamen Moment eine einsame Entscheidung getroffen? Oder haben all jene im Umfeld des Verbandes, die sich wünschten, dass Klinsmann kommt, einfach nur nicht richtig hingehört?

Die Kommentarspalte seines Blogs wird sich Trecker sicher nicht so gerne anschauen. Er habe als "Senior Soccer Writer" die "größte Geschichte des Jahrzehnts komplett falsch" berichtet, schimpfte einer. Seine Glaubwürdigkeit sei auf alle Zeiten kaputt. Ein anderer meinte: "Wenn dich FoxSoccer als Senior Soccer Writer behält, zeigt das einen Mangel an Hingabe zur Wahrheit" auf seiten seines Arbeitgebers. Mit anderen Worten: Der Kopf soll rollen.

Die gesamte Kommentarseite ist ein Besuch wert. Sie unterstreicht, wie und auf welchem Niveau man in den USA inzwischen mit dem Thema Fußball und dem Meinungsmedium Internet umgeht: schnell, ernsthaft und kompetent.

Mehr zum Thema Klinsmanns Rückzug auf faz.net. Der Artikel erscheint in der Samstagausgabe.

7. Dezember 2006

Klinsmann-Watch: Herr K. verzichtet

Das lange Warten ist zu Ende. Jürgen Klinsmann verzichtet auf den Posten als Nationaltrainer der Amerikaner und macht die Entscheidung in einer Stellungnahme gegenüber ESPN offiziell. Details wollte er nicht verraten. Mehr in der Samstagsausgabe der FAZ. Es muss da mehr geben...Verbandspräsident Gulati hat für Freitagmittag New Yorker Zeit eine Telefonkonferenz für Medienleute angesetzt. Wir werden lauschen.

5. Dezember 2006

Klinsmann-Watch: Insider sagen, er macht's

Seit Wochen posaunen wir hier immer nur das gleiche: Jürgen Klinsmann wird der nächste Trainer der amerikanischen Fußballnationalmannschaft. Heute schiebt nun erstmals einer der bestinformierten Insider in den USA, Jamie Trecker von FoxSports, eine ordentliche Schippe Kohlen auf dieses Flämmchen. In seiner ausführlichen Meldung gibt es unter anderem Interna (unter Berufung auf mehrere nicht namentlich genannte Quellen) und eine handfeste Prognose: In zwei Wochen wird der Schwabe offiziell den Posten übernehmen.

Die Details in Kürze:
• Klinsmann gibt seine langjährige Beziehung zu adidas auf, um das Imageproblem vom Tisch zu bekommen, dass er mit einer Mannschaft haben würde, die komplett von Nike eingekleidet und stark finanziell unterstützt wird.

• Es hat eine Einigung über die Macht- und Einflusssphären gegeben. Vorgänger Bruce Arena hatte viel zu sagen, mochte aber nicht hören. So soll die Beziehung zwischen ihm und Generalsekretär Dan Flynn so zerrüttet gewesen sein, dass sie kaum noch miteinander redeten.

• Säuernis scheint es vor allem bei jenen Spielern aus dem Kader zu geben, die nicht in Europa unter Vertrag sind. Denn die lang hinausgezögerte Entscheidung hat dazu geführt, dass die Nationalmannschaft seit der verpatzten WM keine Spiele mehr ausgetragen hat. Damit sind den Aspiranten, die in der US-Liga ohnehin nicht gut bezahlt werden, einige Summen an Antrittsgeldern flöten gegangen.

Trecker wörtlich weiter: "Jetzt wird Klinsmann erst einmal über Weihnachten ein paar Flitterwochen genießen. Er wird wahrscheinlich die nächsten ein, zwei Monate in diesem Starbucks in Orange County verbringen und Spielern Emails schicken und Scouts verpflichten, die die bislang übersehenen Amerikaner in Skandinavien und England beobachten sollen. Wenn er klug ist, wird er eine Reform des Jugendprogramms zu einer Priorität machen, solange er innenpolitisch am meisten Einfluss nehmen kann."
Blick zurück: Holt Klinsmann Buchwald ins Betreuerteam?

4. Dezember 2006

Klinsmann-Watch: Besuch von Buchwald in den USA

Reuters meldet soeben, dass Guido Buchwald demnächst in Japan den Büttel hinwirft. Er hat zwar noch keinen Plan für seine berufliche Zukunft. Allerdings hat er Reisepläne: "Ich glaube, ich werde nach Amerika fahren, um Jürgen zu sehen", verriet er. Die beiden ehemaligen Mannschaftkollegen sind sich noch immer sehr gewogen. Klinsmann wollte Buchwald ursprünglich in den Betreuerstab der Nationalmannschaft für die WM holen.

Der 45jährige ehemalige Verteidiger und legendäre Maradona-Killer hatte in den neunziger Jahren seine Spielerkarriere bei Urawa in der J-League beendet und in den letzten drei Jahren denselben Club verantwortlich betreut. Er muss eine nähnlich kontemplative Seite besitzen wie Klinsmann, sonst hätte er nicht solche Sätze parat wie: "Ich brauche etwas Zeit, um die letzten drei Jahre zu analysieren. Du suchst immer nach Wegen, um dich als Trainer zu verbessern." Amerikas Klinsmann-Team wäre sicher eine Verbesserung.

Wir bleiben am Ball. Müssen wir auch, wenn solche Giganten wie Sport-Bild, die Netzeitung oder sportal solche Sachen berichten. Da wusste man vor zwei Tagen noch rein gar nichts und tat so, als würde der Schwabe von den Japanern erstmal zum Halbgott erhoben. Die wirklichen Schlafmützen sitzen übrigens bei dpa.

21. November 2006

Klinsmann-Watch: Frisches zum Tauziehen

Das Pekerman-Gerücht hat amerikanische Journalisten aufgeschreckt. Sie wissen zwar auch nichts Genaueres, aber bleiben mit ihrer Auffassung am Ball, dass nur einer neuer US-Trainer werden kann: Der Mann, der es schon die ganze Zeit werden soll.

Soccer365.com: "Die Erwartungen sind so stark, dass alles andere als Klinsmannns Unterschrift bei einigen als Versagen auf Seiten der USSF angesehen wird."

Sports Illustrated Fußball-Fachmann Grant Wahl:
"Ich schreibe seit Juli, dass Klinsmann der richtige für den US-Job ist. Und ich denke noch immer, dass er der klare Favorit ist."

Los Angeles Times: "Es darf erwartet werden, dass Jürgen Klinsmann der neue Trainer der amerikanischen Nationalmannschaft wird. Die offizielle Erklärung wird wahrscheinlich in einer oder zwei Wochen kommen."

18. November 2006

Klinsmann out, Pekerman in? Die Gerüchtemühle dreht sich weiter

Die Website Teamtalk.com meldet, dass Jürgen Klinsmann nicht neuer Trainer der US-Nationalmannschaft wird. Der Nachfolger von Bruce Arena, der nach der WM mit Ablaufen seines Vertrags aus der Position ausgeschieden war, soll José Pekerman werden. Der Informationsdienst bezieht sich auf eine Veröffentlichung in der mexikanischen Zeitung La Opinion, wonach es nach Auskunft von Verbandspräsident Sunil Gulati nur noch "kleine Stolpersteine" geben soll. Mittlerweile ging der vakante Posten des mexikanischen Nationaltrainers, für den Klinsmann ebenfalls im Gespräch war, an Hugo Sanchez, der schon länger als populärer ehemaliger Mittelstürmer des Landes um die Aufgabe gebuhlt hatte. Die erste amerikanische Zeitung - San Diego Union-Tribune - hat allerdings im Rahmen eigener Recherchen das angebliche fait accompli als Gerücht geoutet. Denn die mutmaßliche Konstellation, dass dem ehemaligen argentinischen Nationalcoach, der kein Englisch spricht, der aus Argentinien stammende Trainer der Colorado Rapids Fernando Clavijo zur Seite stehen wird, wurde von dem persönlich dementiert.

Ergänzung am 21. November: Sunil Gulati hat offiziell dementiert, La Opinion solche oder ähnliche Informationen gegeben zu haben. Die Zeitung streut schon länger Gerüchte über das Personalkarussell im US-Fußball, die nichts mit der Realität zu tun haben. Das Blatt heißt "Meinung" und macht Meinung.

15. November 2006

Ende Januar spielt US-Nationalteam erstmals wieder - Klinsmann oder nicht

Die amerikanische Nationalmannschaft wird am 20. Januar ihr erstes Match seit dem kläglichen Aus bei der WM austragen. Das Freundschaftsspiel gegen Dänemark ist für das Home Depot Center in Carson in der Nähe von Los Angeles angesetzt. Laut einer Meldung von yahoo wird der erste offizielle Einsatz des neuen Trainers - Klinsmann oder nicht.