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2. Juli 2010

Patentrezept fängt mit Pate an

Die Nachrichten aus Australien über den Versuch, mit sehr viel Geld und sehr viel öligen Fingern den Zuschlag für die WM 2022 zu bekommen, bewegen sich langsam um den Globus in die richtige Richtung. Den besten Eindruck von den beteiligten Personen bekommt, wer sich bei Jens Weinreich einliest. Aber auch diese Geschichte im Guardian ist nützlich. Weniger wegen der Informationen als vielmehr als Signal. Nun warten wir auf die Amerikaner und die Arbeit von deren investigativen Sportjournalisten, die sich zuletzt zumeist auf Doping-Themen konzentriert haben. Die New York Times, die New York Daily News und ESPN haben inzwischen allesamt Reporter unter Vertrag, deren Ehre darin besteht, die vielen Facetten des Sportbetrugs aufzudecken. Der Grund für deren Interesse an dem Stoff ist bekannt. Die Amerikaner sind die aussichtsreichsten Konkurrenten der Australier für 2022 und haben eine stattliche Zahl an Promis aufgeboten, um sich in Szene zu setzen. Das Hauptargument: Riesige Stadien, die allesamt ausverkauft sein werden, und eine gute Organisation. Weitere Informationen zu den Bemühungen der Amerikaner gibt es in einem Text, den ich vor der WM für ein Dossier der Bundeszentrale für politische Bildung geschrieben habe.

16. Oktober 2008

Test-Spiele ganz privat

Das Wort Ballgefühl hat in Fußballerkreisen in Simbabwe eine neue Bedeutung erhalten: Dank Henrietta Rushwaya und einer Geschichte, die über sie seit Kurzem zirkuliert. Die gute Henrietta ist Geschäftsführerin des Fußballverbandes des Landes und soll sich in dieser Rolle das Recht ausbedungen haben, ein paar Nationalspieler höchstpersönlich zu testen. Im Bett. Darunter: Manchester City-Stürmer Benjani Mwaruwari. Die Andeutungen reichen aber noch weiter. Auch Medienleute sollen bei der Dame schon sehr weit vorgefühlt haben, die einen Ruf als dominierende Person hat. Das alles macht wohl auch deshalb die Runde, weil die intimeren Begegnungen in Hotels stattfinden. Das Personal ist offensichtlich nicht besonders diskret (via Unprofessional Foul, wo man auch ein Foto hat). Henrietta amtiert noch immer, trotz einer solcher Vorwürfe aus der Vergangenheit, zu denen Diebstahl gehört. Und massive Medienschelte. Die politischen Verhältnisse und die virulente Gewalt im Land sind keine guten Voraussetzungen, die Eigenheiten der Funktionärin aufs Genaueste zu untersuchen.

24. Januar 2008

Warten auf das Urteil für den Pfeifenheini

Wir warten weiter auf das Urteil gegen den NBA-Schiedsrichter Tim Donaghy, der mit seinen Kontakten zur Mafia die Liga in Bestechungs- und Betrugsverdacht gebracht hat. Warum die Verkündung des Strafmaßes, die für den 25. Januar angesetzt war, erneut hinausgeschoben wurde, lässt sich nicht nachvollziehen. Es darf spekuliert werden, dass der Ex-Referee erst mal noch den Staatsanwälten als Zeuge im Rahmen assoziierter Verfahren zeigen muss, dass er auf den richtigen Weg zurück gefunden hat. Gut für ihn. Schlecht für uns. Wir wissen noch immer nichts Genaues über seinen Modus operandi.
Blick zurück: Ab nach Canossa - wie man in Deutschland den Fall abgehandelt hat

20. Juli 2006

Juventus Scandal

Korruption auf Italienisch. Aus aktuellem Anlass.

Vetternwirtschaft

So steht's ganz offiziell und nüchtern auf der Website www.sportnetzwerk.org:
Am 10. Juli ist das erste Buch des sportnetzwerks erschienen. Der Sammelband Korruption im Sport - Mafiose Dribblings, organisiertes Schweigen, für den 24 Journalisten, Wissenschaftler, Juristen und Sportfunktionäre aus neun Ländern zwei Dutzend Kapitel zugearbeitet haben, umfasst 320 Seiten.
Mein persönlicher Beitrag ist im Vergleich zu den anderen Texten eher bescheiden und weit weniger brisant. Er beginnt auf Seite 289: "Vetternwirtschaft jeder Art" - ein ausführlicher Bericht über den größten Skandal in der Geschichte des amerikanischen NOK. Die Affäre zeigt vieles. Unter anderem wie eine angeblich so transparente Institution des Sports ohne Aufsicht aus den Medien und dem Parlament alle ethischen Grundsätze ignoriert.

Mehr über das Buch (18,60 Euro) findet man hier.

Was ist das sportnetzwerk? Ein erstes ernsthaftes Kontrastprogramm zu einer inhaltlich anspruchslosen Berufsorganisation, dem Verband deutscher Sportjournalisten, dessen Repräsentanten sich auf den Schlips getreten fühlen, weil dieser vorerst lose Zusammenschluss eine Diskussion drängender sportjournalistischen Themen voranzutreiben versucht. Es geht um die Suche nach besseren Inhalten: um Recherche statt Quote, Distanz statt Nähe, um Analyse statt Stimmungsmache, um Berichterstattung statt Präsentation.