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9. Juli 2009

Musikvideos: Raus dem gemachten Bett

Gestern kursierte in den USA die Meldung, wonach sich eine der beiden Urheberrechtsgesellschaften der Musikbranche nicht nur an YouTube schadlos halten (der Streit wird zur Zeit vor Gericht ausgetragen), sondern sich auch mit Webseiten-Betreibern anlegen will, solche YouTube-Videos einbetten. Damit kommt die fragliche Firma zwar möglicherweise nicht durch. Aber wer das ausfechten und sich dagegen wehren will, braucht gute Anwälte und viel Geld. Wer das nicht hat, lässt wohl erst einmal besser die Finger von den Videos und koppelt die alten wieder aus. Exakt das ist hier passiert.

Wie sich beim Hausputz herausstellte, gab es manche der Song-Darbietungen (meistens von Live-Aufnahmen und keine MTV-artigen Kunstproduktionen) auch bei YouTube nicht mehr, weil irgendjemand interveniert hatte. Weshalb ich in solchen Fällen einfach gar nichts gemacht habe. In den anderen habe ich ein Link zur entsprechenden YouTube-URL gesetzt. Man kann die Aufnahmen also immer noch finden. Es ist damit alles nur ein Hauch umständlicher geworden. Die Linksammlung in der rechten Spalte weiter unten musste natürlich umgetauft werden. Sie heißt jetzt: Beiträge über Musiker und Musik. Denn die Texte selbst blieben unverändert.

11. September 2007

Der Visionär


Vor ein paar Wochen war an dieser Stelle schon mal von Kige Ramsey die Rede, einem jungen Burschen aus Kentucky, der sich zum Maskottchen der amerikanischen Sportbloggerszene hochgearbeitet hat. Sein neuestes Werk allerdings könnte ihn noch sehr viel weiter bringen. Ramsey setzte sich vor dem ersten NFL-Spieltag vor die Kamera und prognostizierte den Ausgang von 14 Spielen (die von ihm verehrten Tennessee Titans ließ er bewusst aus). Resultat? 14 richtige Vorhersagen. Das schafft keiner von den Fernsehprofis. Und die bekommen dafür auch noch viel Geld (via Deadspin)
Blick zurück: Wir stellen vor - Kige Ramsey von YouTube Sports

6. Mai 2007

Premier League verklagt YouTube

Das betrifft manche mehr, manche weniger. Aber weil wir hier im Google/YouTube-Land leben und solche Entwicklungen mit erhöhtem Interesse verfolgen, sagen wir mal so: Das betrifft uns eher mehr, dass die englische Premier League gegen die Mutter aller Internet-Videos vor Gericht zieht. Man will Urheberrechte in Sachen Fußball geltend machen. Warum die wohlhabendste Liga der Welt die Klage in New York eingereicht hat, ist nicht ganz klar. London liegt doch viel näher. Aber das muss mit den Besonderheiten der amerikanischen Gesetze zu tun haben und den Hoffnungen, die man sich in England macht, dass diese Gesetze einer Liga einen dicke derbe Kneifzange in die Hand geben. Der neue Dreh in der Argumentation lautet, dass Google/YouTube seine Nutzer ermuntern würde, sich Videos anzuschauen. Mal schauen, wie weit sie damit kommen. Bislang hat sich das Unternehmen konsequent an die geltenden Bestimmungen gehalten und stets konsequent Dinge vom Server geworfen, wenn Beschwerdeführer aus den Medien oder von Ligen, aus Plattenfirmen etc. mit den entsprechenden Forderungen um die Ecke kamen. Ein Verhalten, das zumindest zeigt, dass man in Kalifornien nicht auf taube Ohren macht. Über die Höhe des behaupteten Schadens ging aus dieser Geschichte im Scotsman nichts hervor. Die Informationen werden sicher in den nächsten Wochen noch etwas konkreter.

19. April 2007

100.000 Dollar Strafe fürs falsche Käppi


Erst hat einer kein Glück, und dann kommt auch noch Pech dazu. So ist es Brian Urlacher ergangen, der als Linebacker der Chicago Bears den langsamen Leistungsanstieg der Mannschaft bis hin zum Super-Bowl-Niveau personifiziert. Denn zuerst verlor er mit seiner Verteidigung recht sanglos das diesjährige Finale gegen das Laufspiel der Indianapolis Colts. Und nun kam auch noch eine Strafe von 100.000 Dollar dazu. Urlacher hatte am Media Day eine Kappe mit einem Sponsoren-Logo getragen, das nicht von der National Football League autorisiert war. Gatorade ist der offizielle Sponsor. Der Linebacker trat mit "vitaminwater" an (siehe auch den Bären-Werbespot mit Urlacher oben). Die NFL hat eine Preisliste für solche Verfehlungen: Bei einem normalen Spiel kostet das 10.000 Dollar. Beim Pro Bowl 50.000 Dollar. Die NFL wacht so akribisch und eiesenhart wie kaum ein anderes Sportunternehmen in der Welt darauf, dass sich niemand in ihrer Reichweite irgendwelche Freiheiten herausnimmt.

Die lustigste Geschichte ist nachwievor der Streit mit einer Jura-Professorin in New York, die in ihrem Blog nichts anderes getan hatte, als das Video vom Copyright-Verweis der Liga aus dem Abspann von Fernsehübertragungen zu zeigen. In dem Schnipsel wird sinngemäß gesagt, dass jeder andere Gebrauch des TV-Materials als zu privaten Zwecken nicht gestattet ist. Das war der NFL bereits zuviel, zumal sich Wendy Seltzer kritisch mit der Frage beschäftigte, ob die Liga mit ihren Copyright-Ansprüchen überhaupt im Recht sei. Denn die Gesetze in den USA besagen, dass man das Urheberrecht nicht total restriktiv anwenden kann. Es gibt eine sogenannte Fair-Use-Klausel, die unter anderem gestattet, dass Akademiker und Lehrer (und natürlich auch die Medien in einem journalistisch definierten, engen Rahmen) das geschützte Material verwenden dürfen, ohne um Erlaubnis zu bitten und ohne Lizenzen zu zahlen. Seltzer wollte im Rahmen ihrer Arbeit klar machen, dass Urheberrechte-Inhaber gerne übertreiben, wenn sie deklarieren, was alles erlaubt ist und was nicht.

Die NFL verlangte von YouTube, dass sie das Belegvideo sperren. Seltzer kennt aber auch die Rechtssituation, so weit sie in den USA für das Internet angewendet wird. Und so berief sie sich in ihrer Gegenwehr auf einen Paragraphen, der Firmen dazu zwingt, das Material wieder zugänglich zu machen, wenn der erste Antragsteller gar kein Recht hat, den Zugang zu verweigern. YouTube reagierte darauf Wochen später wie von Ms. Seltzer gewünscht. Dann kam es zu einer neuen Runde, in der die NFL so tat, als gäbe es die Professorin gar nicht. YouTube knickte wieder ein. Nach einer erneuten Intervention wurde das Video Anfang April wieder freigeschaltet. Wendy Seltzer hatte darauf hingewiesen, dass sich die NFL vor Gericht mit ihr streiten muss, wenn sie sich durchsetzen wollen. Darauf scheint die Liga erst einmal zu verzichten. Den ganzen Vorgang kann man im Blog der Dame nachlesen.

7. April 2007

Neue Studie: Geschütztes Material spielt auf YouTube nicht die Rolle, wie behauptet

Es war keine perfekte Studie, aber eine, die zumindest erklären könnte, weshalb Google ziemlich cool auf die Milliarden-Klage von Viacom reagiert hat. Vidmeter hat ermittelt, dass die Clips bei YouTube mit Aufnahmen von alten und neuen Fernsehsendungen ein geringer Anteil der gesamten Aktivitität repräsentieren. Ihr Anteil liegt bei unter zehn Prozent aller gespeicherten Videos. Und bei den angeklickten Videos liegt ihre Quote sogar nur bei sechs Prozent. Mit anderen Worten: Die alte Behauptung, dass YouTube vor allem bewegte Bilder von Amateuren für Amateure sind - die sogenannte Community - ist damit mehr als bestätigt. Damit kann man bei der Mutterfirma Google auf jeden Fall folgendes Argument locker aus dem Feld schlagen: copyrightgeschützes Material sei die eigentliche Attraktion und das Lockmittel schlechthin für das Internetpublikum. Die New York Times (man muss sich kostenlos einloggen), die sich heute zu dieser Studie geäußert hat, weist darauf hin, dass die Daten im Detail nicht völlig abgesichert sind. Aber dass der Trend am Ende in die Gegenrichtung deuten wird, glaubt niemand. Auf die anhängige juristische Auseinandersetzung wird das einen gewissen Einfluss haben. Unter anderem auch, um das Ausmaß des behaupteten Schadens zu ermitteln. Auf der anderen Seite hat die Studie festgestellt, dass Viacom die am stärksten ausgeschöpfte Quelle bei den geschützten Videos war. Die Firma hat tatsächlich hinreichend Grund, sich zu wehren.

2. November 2006

Google-Hupf: Der Ball ist rechteckig?

Der Hinweis beim Kollegen vom Nachspiel auf die Geschichte im Handelsblatt über den großen Handfeger, der seit ein paar Wochen bei Google copyrightgeschütztes Videomaterial vom Server wedelt, bringt einen dazu, aus amerikanischer Sicht auf folgende Umstände aufmerksam zu machen:

• Die Sache ist in den USA juristisch überhaupt nicht geklärt. Wie Google zurückfighten wird und ob, werden wir sehen. Entscheidend wird sein: Hat Google für YouTube und ähnliche Dienstleistungen eine Geschäftsstrategie? Lohnt sich deshalb für Google der Kampf, darauf zu pochen, dass Leute, die YouTube-Videos anschauen, die Schnipsel aber gar nicht herunterladen können (also sie auch nicht kopieren, was einen erheblichen urheberrechtlichen Unterschied bedeutet)? Neben der Strategie gibt es natürlich noch das taktische Verhalten. Das wird von vielen Dingen abhängen, unter anderem auch davon, wie der Streit mit den Buchverlegern um das Scannen von urheberrechtlich geschützten Büchern ausgeht. Das wird von Google schon fleißig betrieben und ist im Prinzip die weitaus bedeutendere Baustelle als ein Disput mit den großen Sportligen.

• Was die deutschen Fußball-Rechteinhaber versuchen, ist von der Sorte: Das sind die Nachahmer, die in den Zeitungen oder im Fernsehen etwas lesen und glauben, das brächte etwas, wenn sie es auch probieren. Hierzu wäre folgendes zu sagen: Die Fußball-Bundesliga wird es schwer haben, sich in den USA juristisch durchzusetzen. Weshalb? Weil es derartig viel an Anwaltsgebühren kostet und sehr wenig bringen wird. Google zeigt nämlich im Moment, dass sie sich korrekt verhalten. Sie reagieren, wenn jemand moniert, und fegen. Niemand kann sie zwingen, eine Instanz von tausenden von Heinzelmännchen einzuführen, die jedes Video vor dem Hochladen auf urheberrechtliche Probleme hin überprüfen. Das wäre nach amerikanischen Rechtsverständnis unreasonable. Zumal der Schaden nachweislich gering ist. Wieviel Geld büßt denn die Fußball-Bundesliga wirtschaftlich ein, wenn Fans Szenen aus Spielen hochladen? Wie groß ist im Vergleich dazu der Werbewert? Und wie sieht es mit jenen Firmen aus, die YouTube bewusst dazu verwenden, um Werbung zu machen?

• Die Prognose aus New York: Am Ende wird alles auf ein Modell hinauslaufen, dass Apple mit iTunes erfolgreich entwickelt hat. Der Nutzer zahlt kleine Beträge, ein Teil davon geht an die Rechteinhaber. Und Firmen wie Google werden Verträge mit den Rechteinhabern machen, die das regeln. Dumm für alle, die es lieber kostenlos hätten. Aber auch naiv zu glauben, dass so etwas auf Dauer funktioniert.

Zur Zeit läuft auf der Parallelschiene ein anderes Thema, das gerne in einen Topf geworfen wird, aber dabei schlichtweg falsch aufbereitet wird: Die Bundesliga macht Jagd auf Blogger, die mit der Videokamera im Stadion irgendwelche Szenen aufnehmen und anschließend in Podcasts etc. einbauen. Dazu habe ich eine ausführliche Stellungnahme in der Kommentarspalte des Fan-Faktor-Blogs abgeliefert. Wer keine Lust oder Zeit hat, die zu studieren, hier die Kernaussagen:

Die Liga versucht Blogger ins Bockshorn zu jagen, weil die kein Geld haben, um sich gegen unberechtigte Unterlassungsbegehren zu wehren. Der Konflikt ist nämlich kein Streit um Urheberrechte. Die gehören den filmenden Bloggern. Und auch kein Streit um die Benutzung des Wortes Bundesliga. Da hat die Liga nichts einzufordern. Das Wort gehört allen. Das Problem ist ein rein vertragsrechtliches. Wer im Stadion filmt, obwohl er eine Eintrittskarte gekauft hat, die ihm das untersagt, verstößt gegen diese bindende Vereinbarung. Gegen einen solchen Verstoß wäre allerdings allenfalls ein Hausverbot legitim. Alles andere wäre überzogen und sollte auch von keinem Richter akzeptiert werden.

Mit anderen Worten: Wer die subversive Politik der Nadelstiche in Richtung Liga vorantreiben will, macht weiter wie bisher. Wer sich mit den Ligabossen arrangieren will, versucht, eine Form der Lizensierung hinzubekommen. Wer PR für seinen Blog haben will, sucht die kalkulierte Konfrontation. Es könnte sich lohnen.

20. Oktober 2006

"Schneller als eine Prostituierte mit Parkinson"

Viel Spaß mit YouTube, solange es noch so viel zu bestaunen gibt. Nach Recherchen des New Yorker Medienblogs Gawker arbeiten die neuen Besitzer tag und nacht daran, den Bestand zu reduzieren:
"the newly-Googlified YouTube is pulling stuff quicker than a prostitute with Parkinson's in a handjob factory".
Die Furcht vor Copyright-Klagen scheint die treibende Kraft zu sein.

16. Oktober 2006

Medienkonzerne erwägen Klage gegen YouTube

Das Wall Street Journal berichtet heute darüber, dass mehrere große amerikanische Medienkonzerne Google verklagen wollen, um der Verwendung von gesendetem Material bei YouTube einen Riegel vorzuschieben. Das wäre jene Attacke, über die Mavericks-Besitzer Mark Cuban schon seit Wochen unkt. Parallel verhandeln die beteiligten Unternehmen jedoch über Absprachen, die eine Nutzung des Materials gestatten würden. Das Abwarten der Medienriesen kann man nur als geschickt bezeichnen. Denn bei Google gibt es Geld zu holen. Bei YouTube regierten die Kirchenmäuse (die jetzt dank eines Riesenaktienpakets ziemlich reich sind).

Der spannende Teil der Entwicklung ist die Diskussion darüber, ob YouTube nach amerikanischem Recht wie Napster einzustufen ist. Die Zeitung zitiert Fred von Lohmann, einen Anwalt, der für die Electronic Frontier Foundation in San Francisco arbeitet und sagt: "Es sieht aus, als ob YouTube auf relativ festem juristischen Boden steht." Harvard-Professor John Palfrey warnt jedoch: YouTube dürfte eigentlich nicht jene Safe-Harbor-Bestimmung im amerikanischen Urheberrecht für sich in Anspruch nehmen können, die analog zur Arbeit von Bibliotheken die Betreiber von Digital-Archiven unter bestimmten Bedingungen vor finanziellen Ansprüchen von Autoren und Produzenten schützt. Spätestens dann, wenn eine Firma mit ihrer Archiv-Leistung Geld verdient, gerät sie in den grauen Bereich, in dem Schadensersatzsansprüche durchaus zum Thema werden können. Wie hoch ist der Schaden? 150 000 Dollar pro Video, das ohne Genehmigung auf dem Server sitzt und angeschaut werden kann.