Mit ein bisschen Verspätung. Dafür etwas gründlicher: Die Causa Gilbert Arenas, der nach einem ironisch gemeinten Auftritt neulich vor einem Spiel der Washington Wizards auf unbestimmte Zeit von NBA Commissioner David Stern gesperrt wurde. Der Artikel in der FAZ geht auch auf den Spannungszustand zwischen dem antiautoritären Aufbegehren junger Sportler ein, die sich über die Konsequenzen ihres Tuns nicht im Klaren sind, und einem paternalistischen Groß-Wesir, der nervös über alles wacht, was dem sauberen Image der Liga schaden könnte. Die Liste dessen, was in der NBA alles nicht erlaubt ist, ist ellenlang. Allerdings gehört auch das Waffentragen in einer Halle (oder im Mannschaftsbus) dazu. So steht es im Tarifvertrag, den sich die Spieler vermutlich nur selten genau genug anschauen. Sehr zu empfehlen zum selben Thema: Die ausführliche Kritik an Stern, die Tom Scocca in Slate formuliert. Untertitel: "Weshalb sich David Stern schlimmer benimmt als Gilbert Arenas". Kernaussage: "Waffengewalt ist ernst. Aber Gilbert Arenas ist nicht Waffengewalt. Wenn die letzten Berichte stimmen, war er unbewaffnet, der jemand anderem vorschlug, er könne ihn mit einer ungeladenen Waffe erschießen. Das war dumm und möglicherweise ein Verstoß gegen die Gesetze, aber nicht besonders gangsta. Wenn es um das Image der Liga geht, sollte sich der Commissioner weniger Sorgen über Ron Artest und mehr über Tim Donaghy Sorgen machen. Falls Arenas die Integrität der NBA bedroht, dann nicht durch seine Handfeuerwaffen, sondern weil er zu einer Gruppe von Stars gehört, deren Hang zum Wetten und zum Glücksspiel außer Kontrolle geraten ist."
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13. Januar 2010
13. Dezember 2008
NBA in Seattle: Stern rudert zurück

Bild: http://etchasketchist.blogspot.com (used by permission)
Das taktische Rudern hat begonnen. In Zeiten, in denen die NBA Mitarbeiter entlässt, in denen Mannschaften wie die Atlanta Hawks in gähnend leeren Hallen spielen. Und in denen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auf Jahre hinaus der Mega-Kirmes namens kommerzieller Mannschaftssport den Traum vom Leben auf dem fliegenden Teppich verleiden werden, muss man politisch denken. Die Banken und Autofirmen haben keine Scham und denken so: Sie fassen in solchen Zeiten dem amerikanischen Steuerzahler direkt und unverblümt in die Tasche. Was sollen sie auch machen? Die Seifenblase ist geplatzt. Und neue Ideen haben sie keine.
Die NBA hat auch keine neue Idee. Sie funktioniert schließlich seit Jahren, wenn auch zyklisch, entlang dem Auf und Ab, das vom Auftauchen und Verschwinden von überragenden Stars bestimmt wird. Selbst das Nach-Michael-Jordan-Loch, das ziemlich tief war, wurde irgendwann überwunden. Mit Kobe Bryant und LeBron James und den Celtics.
Ohne eine vernünftige Idee schiebt natürlich auch die NBA ihre Finger richtig Honigtopf. Aber eher stickum. Aktuelles Beispiel: David Stern, der noch vor einigen Monaten so tat, als habe man ihm persönlich das schüttere Haar gekrümmt, als man sich weigerte, den SuperSonics eine neue Halle zu bauen, und als er so wirkte, als habe man in der Stadt auf Generationen den Anspruch auf ein Team verwirkt und als er wie eine beleidigte Leberwurst den Umzug nach Oklahoma City durchwinkte. Derselbe David Stern signalisiert plötzlich, dass er durchaus weiß, dass seine Liga beim besten Willen viel zu viele Clubs hat, von denen einige ordentlich Geld verlieren und keine Überlebenschance besitzen (im Moment am meisten bedroht: die Charlotte Bobcats, die in einer Stadt zuhause sind, die von der Bankenkrise massiv durchgeschüttelt wird). Der weiß, dass er es sich nicht leisten kann, solche Märkte wie Seattle zu ignorieren.
Und so hat er in seinen öffentlichen Bekundungen umgeschaltet, weg von der Säuernis. "Think positive" lautet das Motto. Die Wahrscheinlichkeit für ein NBA-Team dort wachse mit den Plänen für eine neue Arena ("Ich bin sicher, die wird es geben"). Die Wirtschaft gehe durch "bestimmte Störungen", sagte er in jener vorsichtigen, abwägenden Art, die er in den vielen Jahren als Commissioner kultiviert hat. Aus jenen Störungen entwickelten sich jedoch vielleicht "Gelegenheiten für einige Städte, und vielleicht gehört Seattle dazu". Man habe auf jeden Fall Seattle noch immer auf dem Zettel und habe "mit Leuten dort gesprochen." Hört. Hört.
P. S. Nur wenn tatsächlich im Rahmen bestimmter Fristen ein neues Team nicht in Seattle angesiedelt wird, muss der Pirat, der die SuperSonics nach Oklahoma City abgeschleppt hat, seine Vertragsstrafe bezahlen. Dazu und zum Umzug des Clubs sehr viel mehr in einem Beitrag für den Deutschlandfunk, den ich zum Anfang der Saison produziert hatte.
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16. Mai 2008
O. J. Mayo: Jetzt kommt das große Kleckern
Der finanzielle Ertrag für einen Stipendiaten an der University of California liegt in einem hohen fünfstelligen Bereich: 35.810 Dollar kostet die Studiengebühr pro Jahr und für ein Zimmer plus Essen in der Mensa muss man 10.858 Dollar draufschlagen. Das ist für einen jungen Menschen, der sich ernsthaft um einen Studienabschluss bemüht, eine exorbitante Summe Geld. Erst recht, wenn man es mit vier multipliziert. Vier Jahre - solange studiert man in den USA bis zum Basisabschluss, dem sogenannten bachelor degree.Aus der Sicht von einem jungen Menschen wie O. J. Mayo bedeutet die Ersparnis gar nichts. Der würde als begabter Basketballspieler lieber gleich nach dem Abschluss der High School seinen Namen in den Draft-Hut werfen und darauf hoffen, dass es ihm so ergeht wie den NBA-Profis Kobe Bryant, Kevin Garnett, LeBron James und so manchem anderen. Das sind Spieler, die ohne den Umweg über das College direkt in die beste Basketball-Liga der Welt eingestiegen sind. Dass die drei Genannten derzeit die Aushängeschilder der NBA sind, macht die Sache noch dubioser. Die Sache? Die Entscheidung von Commissioner David Stern, dass man im Alter von 18 Jahren noch nicht alt genug ist, um von einem seiner 30 Teams angeheuert werden zu können.
Ob die Restriktion sportlich begründet ist oder nicht oder ob sie nicht sogar rechtswidrig ist, soll an dieser Stelle nicht das Thema sein. Sondern vielmehr, welche Auswirkungen sie auf den Collegesport hat, der auf den einen Seite einem puristischen Amateurgedanken von anno dunnemals nachhängt und auf der anderen Seite ein riesiger Entertainmentbetrieb geworden ist - mit enormen Fernsehlizenzen und Zuschauerzahlen. Studentensport, ja. Aber in seinem angeblichen Edelmut und seiner angeblichen Reinheit so sehr verklärt, dass sich das Volk locker darüber hinwegsetzt, dass das Leistungsniveau dessen, was sie da sehen, deutlich unter dem der Profis liegt.
Die erste Auswirkung der NBA-Politik geht so: Spieler wie O. J. Mayo oder Greg Oden sind gezwungen, wenigstens ein Jahr an einem College zu verbringen und sich in das Leben dort einzufügen, obwohl sie nichts anderes im Sinn haben, als endlich mit den big guns um die Wette zu ballen. Abgesehen von dem Stipendium dürfen sie keine Geld- oder Sachgeschenke annehmen, die irgendetwas mit Sport zu tun haben. Keine Agenten treffen. Mit keinem Club über irgendeine Vorabsprache verhandeln. Sie sind die modernen Galeerensklaven eines Systems, das ihnen nur eine Chance ließe: ein Jahr aussetzen oder nach Europa gehen und dort spielen. Das jedoch kommt aus Vermarktungsgründen nur für die wenigstens in Frage. Sie wollen sich schließlich exponieren. Wie gesagt: Collegesport genießt eine enorme Beachtung.
Natürlich kann man den meisten selbstbewussten 18jährigen nicht einfach sagen, wo's lang geht. Regeln hin oder her. Und so wagten wir schon vor einem Jahr, als jene Geschichte über Mayo bekannt wurde, eine Prognose: "O. J. Mayo, das vielgepriesene Basketballtalent, das soeben seine High-School-Karriere beendete, und sein guter Freund, der den Kontakt zu Tim Floyd und USC in Los Angeles strickte, könnten gemeinsam noch in einen tiefen Topf Tinte geraten.") Heute stehen wir am Rand des Tintentopfes und weisen auf den neuesten Stand hin (besonders in den Kommentaren wird eine ganze Menge Müll hochgespielt, von dem niemand weiß, ob er stimmt),
Für Mayo bleibt die Sachlage ziemlich schlicht. Ihn kann die Aufsicht von der NCAA nicht belangen, auch wenn er gegen die Regeln verstoßen haben sollte. Denn er wird sicher in der ersten Draft-Runde von einem notleidenden NBA-Club verpflichtet. Ganz anders sieht es mit der Universität aus. Und wo wir schon dabei sind: Das ganze System gehört in Frage gestellt. David Stern, der als einer der Hauptschuldigen zu betrachten ist, sieht sich allerdings nicht in der Verantwortung. Er hat bereits eine neue Idee: Das Mindestalter auf 20 hochzuschrauben.
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12. März 2008
Wenn die NBA in die Stadt kommt: Angst vor Egomanen und Schießereien
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Die Identifikation der Fans vor Ort mit Mannschaften aus den großen US-Ligen wird ganz offensichtlich stark überschätzt. Sicher. Die Club-Eigentümer tun immer so, als sei eine Stadt ohne Teams in den Oberhäusern des amerikanischen Sports nur ein Kaff zweiter oder dritter Kategorie. Und viele Bewohner sehen das ebenso. Deshalb kommen immer wieder diese Förderungsmaßnahmen zustande, bei denen die Politiker Steuergelder ausgeben, um riesige Hallen oder Stadien zu bauen und im Prinzip in die gleiche Falle tappen. Denn es handelt sich um irre Subventionen, die sie anderen Wirtschaftszweigen nie zukommen lassen würden. Gut geht es bei so etwas immer nur den Sportlern, deren Gehälter inzwischen ins Unermessliche steigen. Und den Club-Eigentümern.
Seattle wird also ohne die SuperSonics kein bisschen leiden. Jedenfalls nicht an angeknackstem Selbstwertgefühl. Und nicht an Langeweile. Vielleicht werden sich die Bewohner der Stadt demnächst sogar amüsieren, wenn der offensichtlich unabwendbare Umzug vollzogen ist. Und zwar über die Bewohner von Oklahoma City, die zwar gefragt wurden, ob sie mit ihren Steuern die existierende Halle ausbauen wollen und mehrheitlich zustimmten. Aber einige sagten neulich zum ersten Mal den örtlichen Medien öffentlich, was sie denken und dass im Bible Belt die Uhren anders ticken: "We don't want the NBA, with its image problems, fatherless children, egomaniacs and shootings. No thanks", hieß es.
Die Liga von David Stern hat offensichtlich nicht das saubere Image, was man in Oklahoma gerne mit Sport verbindet. Einige glauben, dass die Anwesenheit der Spieler irgendwie die Kriminalität in die Höhe treiben wird und das Image der Stadt nach unten ziehen. Hören wir da vielleicht eine gewaltige Portion unverhohlenen Rassismus durch? Der Schreiber dieses Artikels findet es überhaupt nicht angebracht dass seine Mitbewohner so schlecht über die NBA reden. Nach allem, wie gut sich die New Orleans Hornets bei ihrem zweijährigen hurricanebedingten Abstecher benommen haben.
David Stern spielt in all dem eine dubiose Rolle. Er hat nichts dagegen, dass der Club umzieht und in eine Stadt wechselt, in der er spätestens in sechs Jahren am Stock gehen wird (so wie die Eishockey Clubs in Nashville und Columbus). Er zeigt damit sein wahres Gesicht: das eines Menschen, der Stromlinie den Weg des geringsten Widerstandes geht (via Sports Media Watch).
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5. März 2008
NBA-Expansion nach Europa: Nicht in den nächsten zehn Jahren
Image: http://etchasketchist.blogspot.com (used by permission)Vor ein paar Wochen rotierte ein Gerücht, wonach NBA-Commissioner David Stern während des All-Star-Weekend in New Orleans seine Pläne für eine Expansion nach Europa enthüllt. Als ich am selben Wochenende in Deutschland von einer Kollegin gefragt wurde, was denn wohl an dem Gerücht dran sei, musste ich gestehen, dass ich das auch nicht weiß. Daß der amerikanische Schreiber, der das Thema lanciert hatte, aber in der Branche als unzuverlässig gilt. Und dann habe ich eine ganze Liste von Dingen heruntergerattert, weshalb die Liga KEINEN Ableger in Europa auf die Beine stellen wird.
Der wichtigste ist eine Kombination von zwei Dingen: Ohne Fernsehgelder von amerikanischem Zuschnitt (wo sollen die herkommen bei dieser dünnen Zuschauerdecke?) und ohne sogenannte expansion fees, die neue Clubs aufbringen müssen, damit sie zugelassen werden (inzwischen sicher mehr als 200 Millionen Dollar pro Team) - also ohne richtig viel Kohle ist es piepegal, ob man irgendwann in Europa große Hallen hat.
Nun gut. Der Commissioner hat in New Orleans nichts erzählt, aber dafür jetzt bei einem Abstecher nach Portland gesprochen. Hier der Dialog, der im Rahmen einer improvisierten Pressekonferenz stattfand - ausnahmsweise auf Deutsch übersetzt, um zu dokumentieren, wie vage das alles geblieben ist:
"Frage: Sie haben über die Expansion nach Europa in der Vergangenheit gesprochen. Was ist der Zeitrahmen dafür und für die Zukunftsaussichten?
David Stern: Ich habe einen Zeitrahmen von einem Jahrzehnt gesetzt, weil ich nicht denke, dass es morgen passiert. Aber es ist eine Tatsache, dass es AEG [Anschutz Entertainment Group] gibt, die das Staples Center [in Los Angeles] gebaut haben. Sie haben eine Arena in London gebaut. Sie bauen in Berlin. Sie gießen die Fundamente für eine Arena in Rom. Real Madrid und FC Barcelona haben Pläne für neue Arenen. Deshalb sehe ich eine Zeit, in der es Hallen im NBA-Stil geben wird. Ist das genug? Nein. Wir müssen dafür sorgen, dass die Zuneigung der Fans zu unserem Sport etwas wert ist, dass sie sich wirklich hinreichend dafür interessieren und dass die Einnahmesituation an den Punkt kommt, dass sie eine NBA-Mannschaft tragen kann. Sollte das alles passieren, und ich denke, ein Jahrzehnt ist im Moment der richtige Zeitrahmen, kann ich mir eine Division mit fünf Mannschaften in Europa ausmalen. Und ich meine eine Division, die spielt....das ist nicht meine Idee. Das wurde mit von einem Spanier vorgeschlagen, der gesagt hat, die Division sollte in einem Jahr im Osten spielen und im nächsten im Westen. Das macht das Reisen einfacher. Was weiß ich? Aber es eine interessante Idee. Und es ist keine große Sache von Boston nach Paris zu reisen. Ich sage dass zu einer Gruppe von Reportern, die weiß, wie weit es ist von Portland nach Orlando oder Boston ist. Das ist ziemlich interessant und anregend, darüber zu reden, über etwas, das noch ein Jahrzehnt weit weg ist, wenn man 65 ist."
Alles klar? Stern macht AEG keine Zusagen, nicht mal Versprechungen. Wenn man in Europa nicht hunderttausende von Basketballanhängern motivieren kann, wird man die Finger von der Expansion lassen. Und: Wir sollten jetzt zehn Jahre lang einfach nicht mehr spekulieren, was die NBA macht. Nicht mal in unseren Träumen...
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26. Januar 2007
Republikaner wollen Schilling schicken
Es hat bereits einige Sportler gegeben von Rang und Namen gegeben, die sich in der amerikanischen Politik festsetzen konnten. Demokraten wie der Basketball-Olympiasieger und NBA-Profi Billl Bradley, der es in den Senat in Washington schaffte. Republikaner wie Jim Bunning, zur Zeit einer der beiden Senatoren des Staates Kentucky, der als Baseball-Pitcher bei den Detroit Tigers, Philadelphia Phillies, den Pittsburgh Pirates und den Los Angeles Dodgers sein Geld verdiente und es bis in die Hall of Fame brachte. Das heißt: Wenn seit gestern das Gerücht die Runde macht, dass Curt Schilling von den Boston Red Sox eventuell gegen einen ausgewachsenen Politiker in den Wahlkampf ziehen wird, dann ist das überhauipt nicht abwegig. Schilling, Mitglied der Mannschaft, die im Jahr 2004 erst die verhassten New York Yankees aus den Playoffs warf und dann gegen die World Series gewann, ist eine Legende. Damals pitchte er mit einem frisch operierten Fuß, dessen Wunde noch immer blutete. Die verschmierte Socke kann man bereits in der Hall of Fame in Cooperstown bestaunen.Dass der 40jährige Schilling, ein Freund von George Bush, das auch noch schafft, gilt als ausgemacht. Allerdings wäre der Gegner etwas härter als die Batter-Elite der American League. Es handelt sich um John Kerry, der vor zwei Jahren nur knapp die Präsidentschaftswahlen verlor. Er hat schon öfter in dem stark demokratisch ausgerichteten Bundesstaat Massachusetts schwierige Wahlen gewonnen. Schilling, der vor zwei Jahren vor einem Ausschuss in Washington zum Thema Doping in Major League Baseball vorgeladen wurde und sich damals rechtschaffen zierte, äusserte sich denn auch erst mal eher skeptisch über die Vorstellung. Er sei zwar Wähler, aber passe wohl nicht so ganz in die politische Szene.
Und weil wir gerade so schön drin sind: Hier ist eine Liste für die totalen Insider, die jeden Tag NASN inhalieren und sich übers Internet mit den Kommentatoren des amerikanischen Sportmediengeschäfts beschäftigen. Deren politische Denke lässt sich unschwer an ihrem Spendenverhalten ablesen. Sports Media Watch hat sich ein paar namhafte Figuren herausgesucht und aufgelistet. Das Original-Kompendium gibt es hier. Die verblüffendste Zahl ist die hinter dem Namen von NBA Commissioner David Stern, der ein sehr ordentliches Gehalt bezieht. Der hat seit 1978 stattliche 837 200 Dollar in politische Kampagnen gesteckt. 98 Prozent davon ging an Demokraten. Die Republikaner bekamen nichts.
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12. Dezember 2006
NBA geschäftlich: "Wir treten auf der Stelle"
Lesestoff für Menschen, die versuchen Mark Cuban, seinen Geschäftssinn und seine Denkansätze zu verstehen (um auf diesem Weg festzustellen, ob und wie das ihre Beziehung zu Dirk Nowitzki und den Dallas Mavericks berührt): Seine neueste Blog-Schreibleistung beschäftigt sich - unter anderem - mit dem generellen Geschehen in der NBA und der Ausrichtung auf das internationale Geschäft. In dem mäandernden Text, in dem er über Erkenntnisse und Geschäftsprinzipien aus seiner Erfahrung als "entrepreneur" (ein grässliches Wort) meditiert. Sein Fazit: "Wir treten auf der Stelle" ("...we are treading water..."). Und: "Wir riskieren, mehrere wichtige Schlachten zu verlieren." Und dann noch das: der Tritt vors Schienbein des Commissioners, ohne seinen Namen zu nennen und ohne ihm konkret irgendetwas vorzuhalten: "Die NBA muss versuchen, jemanden zu finden, der in jede dieser Schlachten führt und sie gewinnt."
Was das heißt? Schwer zu sagen. Außer, dass Cubans Schmusekurs in Sachen David Stern der letzten Wochen wohl vorbei ist. Der Commissioner scheint nach seiner Ball-Arie verwundbarer denn je. Wir bleiben dran. Das riecht nach Aufstand und Umsturz (via True Hoop)
Was das heißt? Schwer zu sagen. Außer, dass Cubans Schmusekurs in Sachen David Stern der letzten Wochen wohl vorbei ist. Der Commissioner scheint nach seiner Ball-Arie verwundbarer denn je. Wir bleiben dran. Das riecht nach Aufstand und Umsturz (via True Hoop)
27. Oktober 2006
NBA Commissioner Stern mahnt Waffennarren
Zuerst war da der Zwischenfall mit Stephen Jackson in Indianapolis, der ihm eine Anklage wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit eingehandelt hat und ihn möglicherweise ins Gefängnis bringt. Dann kam die Episode mit Sebastian Telfair von den Boston Celtics, der im Verdacht steht, in New York in eine Schießerei verwickelt gewesen zu sein, in der ein Rapper namens Fabolous verletzt wurde. Und so sah sich NBA-Commissioner genötigt, die Spieler darauf hinzuweisen, dass sie zwar einerseits durchaus Waffen besitzen dürfen, die aber andererseits nicht bei sich haben dürfen, sobald sie in ihrer Rolle als Angestellte eines Clubs unterwegs sind. Das betrifft die Sporthallen, Trainingsanlagen, die Busse und Hotelzimmer auf Reisen und offizielle Auftritte bei Veranstaltungen aller Art. So steht es im Tarifvertrag.Stern gab bei der Gelegenheit ebenfalls zum Besten, dass Menschen mit Schusswaffen wohl zu Unrecht glauben, dass sie sich mit ihnen schützen können und sich sicherer fühlen. “Es handelt sich um eine weit akzeptierte Statistik, dass deine Chancen erschossen zu werden, dramatisch steigen, wenn du eine Waffe trägst."
Die Perversion der Diskusssion könnte nicht stärker illustriert werden als durch den Kommentar von Richard Jefferson (New Jersey Nets), der darauf hinwies, dass Vizepräsident Richard Cheney vor einem Jahr straflos einem Jagdgefährten eine Ladung Schrot ins Gesicht schießen konnte, während sich Stephen Jackson nur gegen einen Schlag ins Gesicht zur Wehr gesetzt habe. Auf gut amerikanisch heißt so etwas double standard. Mit anderen Worten: Es werde mit zweierlei Maß gemessen. Er sagte es nicht klar und deutlich, ließ aber keinen Zweifel daran, was er meinte: Ein weißer Politiker darf, was ein schwarzer Sportler noch lange nicht kann.
Übrigens: Nicht nur Stephen Jackson hatte eine Pistole dabei, als die Polizei kam, sondern auch zwei seiner Kameraden von den Indiana Pacers, die ihn an diesem Abend begleiteten. Alle drei hatten die Waffen in ihren Autos gelassen und nicht mit in den Strip Club genommen, in dem sie sich bis nachts um drei vergnügten.
Bild: Officer.com - Shaquille O'Neal inspiziert eine Mosquito der Firma Sigarms während der International Association of Chiefs of Police Conference im September in Miami Beach (via Journal-Times)
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Blick zurück: Die erste Meldung über den Zwischenfall in Indianapolis
17. Oktober 2006
NBA-Expansion: China das Land der Zukunft
Sports Illustrated-Autor Jack McCallum hat unsere Einschätzung von vor ein paar Tagen bestätigt: Wenn die NBA expandiert, dann in China. "Wir würden dort in sechs Monaten die Hallen gebaut bekommen", sagt Commissioner David Stern. Das es den Asiaten an Basketballtradition mangelt, ist eher positiv. Der Nährboden sei viel fruchtbarer als in Europa, wo es ein ganzes Konglomerat an unterschiedlichen Sportinfrastrukturen gibt und es Jahre dauert, bis die 20 000 Zuschauer fassenden Unterhaltungspaläste stehen, ohne die es der Liga an einer vernünftigen Plattform mangelt. McCallum, der die NBA seit Jahrzehnten intim kennt, tippt: "Die NBA wird 2010 in China sein. Es wird in kleinem Rahmen stattfinden, aber Geld abwerfen." (via True Hoop)
8. Oktober 2006
NBA-Expansion nach Europa nicht in naher Zukunft
Die Idee von einer europäischen Division der NBA mit Mannschaften in Madrid, London, Moskau, vielleicht auch in Köln gibt es schon eine Weile. Doch so konkret wie in diesen Tagen wurde daran wohl noch nie gearbeitet. Vor ein paar Tagen erhielt NBA Commissioner David Stern ein offizielles Papier, in dem Real Madrid das Konzept einer Europa-Abteilung mit fünf Mannschaften und 41 Heimspielen auf dem alten Kontinent vorstellt. Stern traf am Donnerstag Real-Vize José Sanchez und den ehemaligen NBA-All-Starspieler Vlade Divac aus Serbien, der neuerdings Reals Basketball-Abteilung leitet.
Stern sah es mit Freuden, obwohl er die Entscheidung sowieso nicht treffen wird. Solche Dinge obliegen den Clubeigentümern, die zuerst einmal wissen wollen: Was bringt es uns? Ich weiß schon, was Mark Cuban sagen wird: Dass es gar nichts bringt.Was es Real Madrid brächte, ist klar. Die Königlichen bauen eine neue große Halle, die 2008 fertiggestellt sein soll. Stern wies darauf hin, dass eventuelle zukünftige Gespräche ohne irgendeinen konkreten Zeithorizont ablaufen werden. Wenn überhaupt, dann sei wohl alles erst in einem Jahrzehnt spruchreif. Dann dürfte Stern längst pensioniert sein.
Während dessen zeigen europäische Clubs, dass sie sich nicht länger vor den Amerikanern verstecken müssen. Bareclona fertigte die Philadephia 76ers ab (109:104). Und ZSKA Moskau verpasste den Los Angeles Clippers ein blaues Auge (94:75). Bei den Russen spielen Leute wie der Amerikaner David Vanterpool, der bei den Washington Wizards NBA-Erfahrung gesammelt hatte und Theodoras Papaloukas, der bei der WM mit der griechischen Nationalmannschaft den Amerikanern den Weg ins Finale verlegte.
4. Oktober 2006
Kampf um 52 Millionen Dollar
Larry Brown kämpft noch immer um die 52 Millionen Dollar Gehalt, die ihm seiner Meinung nach aufgrund des Rauswurfs bei den New York Knicks zusteht. Wir erinnern uns. Larry Brown ist der Trainer der Athener US-Olympiamannschaft, der bei seiner Wanderschaft quer durch die USA jede Mannschaft besser gemacht hat, die er in den Händen hatte, und dafür vor zwei Jahren in Detroit mit dem Titelgewinn endlich auch belohnt wurde. Besser gemacht hat der Mann, der als Spieler Gold 1960 in Rom gewann und als Coach auch eine US-Meisterschaft im Collegebasketball zu Buche stehen hat (mit Kansas) wirklich alle - außer eine Truppe aus lauter Unbelehrbaren: die New York Knicks.Die hatten ihn nur wenige Monate zuvor aus Detroit weggelotst, wo es ebenfalls einen Streit um ausstehende Gehaltszahlungen gab. Die Knicks wollten Brown, der als exzellenter Pädagoge und Psychologe gilt, weil sie seit einer Weile mit einer der teuersten Mannschaften der Liga nichts anderes auf die Beine bekommen als eine unterirdische Saison nach der anderen. Der Retter wurde schon bald zum Blitzableiter - besonders für Stephon Marbury, der überschätzte und extrem teure Point Guard, und eine Gurkenleistung, die man schon nicht mehr begreifen kann. Nach dem Ender der Saison wurde Brown gefeuert, weil er angeblich gegen Regularien des Clubs verstoßen hatte. So hatte er mit Journalisten über Personaldinge geredet, obwohl er einen Maulkorb verpasst bekommen hatte, und er soll sich darum gekümmert haben, Kontakte zu anderen Clubs anzubahnen, um Spieler zu tauschen. Das wäre im Normalfall eine gute Tat. Die Knicks und ihr glückloser Manager Isiah Thomas betrachteten es jedoch als Amtsanmaßung.
Der Gehaltsstreit kreist um die Frage: Steht Brown angesichts solcher Verfehlungen noch Geld zu oder nicht? Die Frage wird von NBA-Commissioner David Stern entschieden, der als Schiedsrichter angerufen wurde und eine bindende Entscheidung treffen wird. Ein Kompromiss ist ausgeschlossen. Er wird entweder für Brown oder gegen ihn entscheiden. Browns Chancen stehen nicht schlecht. Denn die Vorwüfe an seine Adresse wurden erst nach der Kündigung erhoben nicht vorher. Mit anderen Worten: Sie können nicht die Basis für den Rauswurf gewesen sein, sondern nur nachgereichte, zusammengezimmerte Rechtfertigungen
Die erste Verfahrensphase mit zwei Tagen der Anhörung beider Seiten ging nach Informationen der New York Daily News gestern zu Ende. Mit einer Entscheidung ist so schnell nicht zu rechnen. Brown wird derweil nicht darben. Er gehört seit Jahren zu den bestbezahlten Coaches der NBA.
Noch ein Post Scriptum: Isiah Thomas, der vor einer Weile von einer Angestellten beschuldigt worden war, sie sexuell genötigt zu haben, hat das Problem noch nicht vom Hals. Es wird zwar kein Strafverfahren geben, aber die Frau kann mit einer ganz erheblichen Abfindung rechnen. Das hat eine Behörde, die sich um Diskriminierung am Arbeitsplatz kümmert, klar gemacht. Das Geld sollten die Knicks noch haben, vor allem, wenn sie von David Stern einen Freifahrtschein bekommen.
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