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17. September 2009

Boston-Celtics-Mann will nach Washington – in den Kongress

Als Nachfolger für den unlängst verstorbenen Edward Kennedy im amerikanischen Senat bewerben sich zahlreiche Interessenten. Zu denen gehört auch der Miteigentümer der Boston Celtics. Der Mann heißt Stephen Pagliuca und ist Mitglied der Demokratischen Partei, deren Kandidaten in Massachusetts traditionell die Mehrheit der Stimmen für sich gewinnen. Mit anderen Worten: Die eigentliche Hürde für den Multimillionär, der nebenbei in den Vorständen von fünf anderen Firmen sitzt, sind deshalb die parteiinternen Vorwahlen. Seine Gegner sind langjährige Politiker. Im Kongress wäre Pagliuca nicht der einzige NBA-Mann. Dort sitzt seit 1988 Herb Kohl, der Besitzer der Milwaukee Bucks. Auch er ist Mitglied der Demokratischen Partei.

11. Oktober 2008

Diagnose: Krebs


Sie wurde vom Hallensprecher als "Amerikas bekannteste Eishockey-Mutter" angekündigt und vom Publikum herzhaft ausgebuht. Dann drehte man im Wachovia Center in Philadelphia die Filmmusik auf und ertränkte das störende Geräusch von den Rängen. Das alles war Sarah Palin vermutlich ganz egal, als sie den symbolischen Akt vollzog und den Puck fallen ließ, während von beiden Seiten die Kapitäne der New York Rangers und Philadelphia Flyers brav in die Kameras der Fotografen grinsten. Photo-Op ist Photo-Op. Und zwei ihrer Kinder durften auch noch mit aufs Eis.

Dann verschwand sie wieder, die winkende Mutter mit ihren zwei Töchtern: das Symbol für all das, was in in den USA in die verkehrte Richtung läuft. Sie mag inzwischen berühmt sein (und berüchtigt wegen ihrer politischen Ideen und ihrer geistigen Flachbrüstigkeit). Sie mag aus Angst vor den Fragen von Reportern nur noch Termine wahrnehmen, bei denen man die neugierigen Journalisten auf Abstand hält. Sie mag nach Art der Heckenschützen auch weiterhin Millionen von Rassisten aufstacheln, um den ersten schwarzen Präsidenten aus dem Weißen Haus herauszuhalten. Aber in Philadelphia und Umgebung wird sie niemanden davon überzeugen, dass sie die bessere Wahl wäre. Sie ist nicht nur ein "tödlicher Krebs" für die Partei der Republikaner, wie der konservative politische Kommentator David Brooks vor ein paar Tagen feststellte. Sie ist das Symptom für jenen Zynismus, in dem sich Leuten aalen, die in den letzten acht Jahren ganz wunderbar von der Politik dieser Partei profitiert haben, während der Rest des Landes und der Bevölkerung nur ausgeplündert wurde.

P. S.: Das Wachovia Center wird sicher demnächst einen anderen Namen erhalten. Zwei Banken – CitiGroup und WellsFargo – befinden sich im Streit darüber, wer das Finanzinstitut übernehmen darf, das in den letzten Wochen wie so viele große Firmen wie ein desorientierter Wal an Land gespült wurde. Nachtrag: WellsFargo hat den Zuschlag bekommen.

P. P. S.: Wenn hier schon von Krebs die Rede ist: Der Mann, der Sarah Palin ausgesucht hat, um ihn im Fall des Falles als Präsident nachzufolgen, hat mehrere Hautkrebs-Episoden hinter sich. Die schlimmste im Jahr 2000, als ihm Ärzte aus der linken Gesichtshälfte neun Lymphknoten entfernten. John McCain ist 72 Jahre alt und aufgrund dieser Vorgeschichte eindeutig in der Gefahr, irgendwann komplett von der Krankheit übermannt zu werden. CNN berichtete jetzt im Detail über das wenige, was der Politiker bislang an die Öffentlichkeit gelassen hat. Ein Präsident, der mit 72 das Amt antritt, wäre mit Abstand der älteste Politiker in der Geschichte des Landes. Der bislang älteste war Ronald Reagan mit 69 bei seiner Einschwörung und mit Anzeichen von Alzheimer in den letzten Jahren seiner Regentschaft.

1. Oktober 2008

Das blaue Wunder

Man könnte denken: Wir bewegen uns in die richtige Richtung:
via Talking Points Memo

16. September 2008

McCains Worte zum Sport


Kandidat John McCain hat seine Sitzung bei ESPN hinter sich. Man redet über Boxen, über Ultimate Fighting und über die Rolle des Kongresses im Kampf gegen Doping. Soundbites für die Massen im Sinne der Gleichbehandlung. Barack Obama hatten wir schon neulich (via Awful Announcing)

10. September 2008

Sportler und Wahlkampf: Die meisten halten sich zurück

Nur wenige Tage nach den beiden Parteitagen in Denver und St. Paul und knapp zwei Monate vor dem Wahltag hat sich Sports Illustrated mal mit der Frage beschäftigt, ob sich die reichen Sportler von heute für Politik interessieren oder sich sogar auf irgendeine Weise einbringen. Die Zahl der prominenten Beispiele lässt den Schluss zu, dass Amerikas Profis eher indifferent und desinteressiert sind. Und das obwohl sie zum Beispiel als Bestensverdiener in den oberen Zonen der Steuerprogression logieren und eine beachtliche Menge Geld an den Staatshaushalt abführen. Leider versteckt Autor L. Jon Wertheim ganz hinten in seinem Artikel eine bemerkenswerte Initiative aus dem Eishockey, über die kaum jemals etwas publiziert wurde. Das Engagement im Bereich Umweltschutz hat der kanadische NHL-Profi Andrew Ference angeschoben. Viele Profikollegen haben sich vom Verteidiger der Boston Bruins überzeugen lassen und machen mit.

26. August 2008

Die Demokraten bringen den Ball ins Spiel


Am Montagabend hatte Craig Robinson seinen bisher größten Auftritt. Der Basketballtrainer von Oregon State stellte in der riesigen Halle in Denver, in der normalerweise Colorado Avalanche und die Denver Nuggets spielen, mit einer kurzen Ansprache seine Schwester vor: Michelle Obama, die Ehefrau des Präsidentschaftskandidaten Barack Obama. Die Demokraten halten in dieser Woche ihren Parteitag ab, der nach monatelangem innerparteilichem Wettstreit den Wahlkampf offiziell eröffnet. Obama wird am Donnerstag die Rede halten, mit der der Startschuss fällt. Aber zurück zu Robinson, der einst an seinem zukünftigen Schwager die Theorie ausprobierte, dass man an dem Stil, wie jemand Basketball spielt, seine Persönlichkeit ablesen kann. Die New York Times hat ihn bereits 2007 interviewt und dieses Video produziert, um die Familieninterna abzufragen. Damals arbeitete er noch für die Brown University in Rhode Island. Der 46jährige Robinson war einer der besten Spieler in der Geschichte von Princeton (wie Brown eine Ivy-League-Universität) und verdiente zwei Jahre lang in Europa als Profi sein Geld.

Das Video oben zeigt ESPN-Schwatzkopf Stuart Scott im Interview mit Obama und in ein paar Szenen, in denen die beiden Basketball spielen. Wahrlich keine Offenbarung, dieses Treffen. Aber wenigstens warf Scott eine Frage auf, die wirklich von kritischer Bedeutung ist: Für welche Mannschaft ist der aus Chicago stammende Obama, falls die Cubs und die White Sox die World Series erreichen? "White Sox. That's Baseball."
Blick zurück: Der Basketballer Barack Obama hat mal klein angefangen
Blick zurück: Gedanken zum Wahlkampf

11. Juli 2008

Packers oder Steelers oder was?

Nachdem wir demnächst bei den amerikanischen Präsidentschaftswahlen auf die Zielgerade einbiegen, ist es nur verständlich, dass die beiden Kandidaten die eine oder andere Anleihe beim Sport probieren. Sportbegriffe haben die Politikersprache schon vor langer Zeit infiltriert. Jetzt kommt die nächste Phase: Kandidaten, die ein intimes Verständnis für die jeweilige Sportart und sogar regelrechtes Interesse heucheln.

Das kann natürlich in die Hose gehen, besonders wenn mit jenseits der 70 schon Gedächtnislücken hat, die so groß wie Scheunentore sind. Wie John McCain. Der erzählte neulich in Pittsburgh eine Anekdote aus der schweren Zeit seiner Gefangenschaft im von den Amerikanern spöttisch genannten Hanoi Hilton während des Vietnam-Kriegs, wo er gefoltert wurde. Wenn sie auch ganz anders klang als die Version, die er einst in seinen Memoiren zu Papier gebracht hatte. In dem Buch hatte er erzählt, dass er, ein Marine-Pilot, den man in der Luft über Nord-Vietnam abgeschossen hatte, im Verhör Angriffsspieler der Green Bay Packers heruntergespult habe, als man ihn zwingen wollte, die Namen der Kollegen aus seiner Schwadron zu verraten. Anno 2008 wurde daraus plötzlich eine Liebeserklärung an die Pittsburgh Steelers und deren Verteidigungsreihe und erzwang eine peinliche Richtigstellung.

Der Republikaner McCain kann sich an vieles nicht erinnern, auch nicht an sein Votum im Senat, wonach er zwar dafür war, Medikamente wie Viagra für Männer als verschreibungspflichtig einzustufen, aber nicht Kontrazeptiva für Frauen, obwohl die sehr oft unter rein therapeutischen Vorzeichen verordnet werden. Die selektive Wahrnehmung der Welt ist für diesen Politikertypus nichts Neues und wird sich voraussichtlich noch bei weiblichen Wählern herumsprechen. Zumal McCain dafür ist, die Entscheidungsfreiheit von schwangeren Frauen in der Frage von Abtreibungen zu beenden. Bei diesem Thema hält es der Senator aus Arizona mit dem Papst.

Aber wir waren beim Sport und wollen deshalb noch ein Gerücht vermelden, wonach McCains formidabler Gegner Barack Obama einen Teil der Spendenmillionen, die er für seinen Wahlkampf ausgeben wird, einem Rennwagen-Team in der NASCAR-Serie um den Sprint Cup in den Rachen werfen will. Sports Illustrated vermeldet, dass er zunächst nur bei einem Rennen das Auto mit der Nummer 49 bepflastern will. Vorausgesetzt der Toyota mit Ken Schrader am Steuer qualifiziert sich. Vielleicht werden daraus auch mehrere Werbeauftritte. Die Idee ist nicht neu, aber sicher ihr Geld wert. Denn ein solcher Ausflug eines demokratischen Wahlkämpfers in eine feindliche Hochburg (sowohl die Betreiber als auch die Rednecks auf den Zuschauerrängen und den benachbarten Campingplätzen haben ein anderes Weltbild als Obama) wird sehr viel an Medienecho produzieren. Und es hilft auch noch dem Gegner: Die Eigentümer von Wagen Nummer 49 sind laut SI zwei "stramme Republikaner".

6. Juli 2008

Auch ein Blogger findet mal ein Rice-Korn

In einem Interview mit der golfenden Außenministerin Condoleezza Rice hat Blog-Meister Dan Steinberg eulenspiegelhaft einen hübschen Hinweis auf einen älteren Beitrag von ihm eingebunden, der zeigt, dass Barack Obama bei Sportlern einen Sympathiebonus genießt. Man möchte an dieser Stelle noch mehr über die Frau sagen (und nicht über ihren Amtskollegen auf diesem Foto). Eine Frau, die dem amtierenden Präsidenten der USA anno 2000 eine Einweisung in die internationale Politik gab und die später vor dem Untersuchungsauschuss des Kongresses zum 11. September so tat, als sei jemand wie sie – der "Sicherheitsberater" Dr. Rice – zwar klug genug, um alles mögliche zu wissen, aber auf jeden Fall zu blöd, um eins und eins zusammenzurechnen und ein paar Terroristen das Handwerk zu legen, die seit Monaten im Land herumreisen. Aber das sparen wir uns und freuen uns auf den Tag, an dem sie endlich von der Bühne verschwindet. Rice war als Kind übrigens eine ambitionierte Eiskunstläuferin. Obama ein Basketballer.

22. Februar 2008

Der Trainer, der nichts zu gewinnen hat, ist der Sieger

Die Leser haben gesprochen. Der beste Sport-Blog-Beitrag des Jahres 2007 ist:
Ein Trainer, der nichts zu gewinnen hat.
Der Text von Oliver Fritsch (Direkter Freistoss) erhielt mit relativ klarem Vorsprung die meisten der 486 abgegebenen Stimmen: nämlich 140. Auf dem zweiten Platz landete
Die Tonstörung namens Godefroot
von dogfood (Kai Pahl), ein Text, den er für seinen Blog allesaussersport geschrieben hatte. Das Resultat: 109 Stimmen.
Dritter wurde der Comic
Hochzeitstag
von dülp (Christian Dülpers) vom Bolzplatz mit 60 Stimmen.
Die drei hatten sich schon früh im Laufe der Woche von den anderen zur Wahl gestellten Beiträgen abgesetzt und holten zusammen mehr als 60 Prozent aller Stimmen.

Das wichtigste an der Aktion: Dass die nominierten Beiträge sicher ein bisschen länger im Bewusstsein der bloglesenden Öffentlichkeit verharren werden. Denn mehr als tausend Besucher - wir könnten sie auch Multiplikatoren nennen - haben sich für die Wahl interessiert. Einen Tag vor der Oscar-Verleihung in Los Angeles hätte man natürlich auch gerne ein paar Figurinen oder Pokale zu vergeben. Aber das steckt noch nicht drin. Vielleicht wird eine Neuauflage dieses Wettbewerbs im kommenden Jahr so etwas auf die Beine stellen können.

Es fügte sich übrigens ganz gut, dass die Sportbloggerei vor einer Woche in Dortmund bei der Sportjournalisten-Konferenz im Institut für Journalistik der TU Dortmund zum ersten Mal von Vertretern der Branche stärker und klarer wahrgenommen wurde. Auch das ein Anfang, der vermutlich zu der Erkenntnis inspirierte, dass sich in diesem Bereich noch sehr viel mehr an Initiative abspielen muss. Es sieht so aus, als ob zumindest im Sportnetzwerk die Bereitschaft da ist, die Online-Dimension im Medienalltag stärker ins Visier zu nehmen.

Dank an alle, die sich beteiligt haben, und Glückwunsch an den Gewinner.

5. Februar 2008

Zwei Tage nach dem Super Bowl: der Super Tuesday

Heute abend dürften wir und der Rest der Welt wissen, wer - mit aller größter Wahrscheinlichkeit - der nächste Präsident der USA wird. Klingt vermessen? Ja und nein. Wir werden ja im November sehen und können dann noch mal zurückblättern.

Was wir jetzt schon wissen:
Teil eins: Heute finden in mehr als 20 Bundesstaaten Vorwahlen in den beiden großen Parteien statt. Das Feld der Kandidaten ist zusammengeschmolzen. Bei den Demokraten sind es noch zwei: Präsidentengattin Hillary Clinton und Barack Obama. Bei den Republikanern sind es vier, aber mit zweien, die es unter sich ausmachen: John McCain und Mitt Romney. Da sich unter den teilnehmenden Staaten auch ein paar große befinden wie Kalifornien und New York, werden heute sehr viele Delegierte für die Nominierungsparteitage gewählt.

Teil zwei: Es zeigen sich Trends bei den Umfragen. Bei den Demokraten ein Kopf-an-Kopf. Bei den Republikanern ein entscheidender Popularitätszuwachs für John McCain, der im Jahr 2000 parteiintern gegen George W. Bush verloren hatte und damit automatisch einen Bonus haben sollte. So zeichnen sich für die Wahlen im November zwei Modelle ab: McCain gegen Clinton oder McCain gegen Obama. Die Prognose von dieser Stelle aus: im ersten Fall gewinnt McCain. Im zweiten gewinnt Obama.

Teil drei: Dubios wie so vieles am amerikanischen Wahlsystem, das inzwischen jedes Mal mehr als eine Milliarde Dollar nur an Werbung verschlingt (das meiste verdienen die Fernsehsender, die inzwischen in einer großen Koalition Wahlkämpfe im Stil von Sportveranstaltungen übertragen). Der Charakter der Auseinandersetzungen produziert die simpelsten Slogans und Wahlaussagen, die man sich nur vorstellen kann. Wenn überhaupt, geht es um Persönlchkeitsmerkmale, die allerdings null mit der ideologischen Ausrichtung zu tun haben. Typisch sind Figuren wie Joe Lieberman, der vor anderthalb Jahren bei den Vorwahlen der Demokraten in Connecticut um den Posten des Senators in Washington verlor, aber das Resultat nicht akzeptierte, weil er sich erhaben fühlt. Er gewann das Mandat als unabhängiger Kandidat und unerstützt jetzt McCain. Die pikante Note: Er war vor acht Jahren der Mann neben Al Gore für das Amt des Vize-Präsidenten, wäre also, wenn alles richtig gelaufen wäre und nicht rechtens, derzeit in seiner zweiten Amtsperiode der zweite Mann im Staate. (Wer übrigens mal wissen will, wie ein Chamäleon grinst, sollte sich Videos von Lieberman anschauen.)

Teil drei: Wo ist Al Gore und warum kandidiert er nicht? Der Mann hat seine Ansprüche auf das Amt schon mehrfach verraten. Wenn es jemals so etwas hätte geben müssen wie einen Oppositionsführer (ein Posten, der aufgrund des präsidialen und parlamentarischen Systems in den USA formal nicht existiert), dann war es Al Gore, der ab 2001 vier Jahre lang nichts anderes hätte tun sollen, als den Millionen von Wählern, die für ihn gestimmt hatten (und das waren mehr als die für Bush), dass er noch da ist, dass er wieder antritt, dass er bessere politische Ideen hat und dass er sich nicht von der derzeit regierenden Junta des militärisch-industriellen Komplexes ins Bockshorn jagen lässt). Es gab keinen legitimeren Kandidaten, denn schließlich hatte er die Wahl 2000 gewonnen. Aber er ließ sich bereitwillig in eine Ecke drücken, wo ihn die Medien als schlechten Verlieren brandmarken konnten. Aus der kam er nie wirklich wieder heraus. (Ich habe mich mit Gore vor einem Jahr ausführlich in der Zeitschrift FELDhommes beschäftigt, als er zumindest theoretisch noch hätte einsteigen können ins Karussell. Den Artikel gibt es nicht online. Ich hatte den Eindruck, dass ihm auch etwas fehlt, ähnlich wie Lieberman, nur nicht ganz so schlimm).

Teil vier: Super Bowl und Super Tuesday. Nicht nur im Kalender ganz nah beieinander. Auch im geistigen Spektrum der Medien und dadurch automatisch eine Dimension für die gesellschaftliche Wahrnehmung. In diesem Zusammenhang lohnt die Lektüre dieses Beitrags auf Internet und Politik: "Super Bowl vs. Super Tuesday". Dazu eine passende Kuriosität: Ausgerechnet heute werden die New York Giants ihre Konfetti-Parade am Broadway in Manhattan abhalten. Politik-Experten rechnen damit, dass so viele Zuschauer kommen, die dann wiederum keine Lust mehr haben, wählen zu gehen. Das hätte theoretisch in erster Linie einen Einfluss auf die Chancen von Hillary Clinton. Sie müsste als Senatorin von New York nämlich von den Sympathien her vorne liegen.
Blick zurück: Obama spielt Basketball

3. Januar 2008

Peyton Manning hat ein Herz für Politik

Heute abend beginnt mit der ersten parteiinternen Abstimmung in Iowa das lange Wahltheater um die Position im Weißen Haus. Nachdem der gegenwärtige Amtsinhaber zusammen mit seinen Freunden das Land hinreichend ausgeplündert hat (Steuersenkungen für Reiche, Riesenaufträge rund um das Irak-Abenteuer an die Kumpane, Jobs in der Verwaltung des Landes für Adabeis, die's nicht können), sollte man auf Besserung hoffen. Aber die unsägliche Verknüpfung von Geld und Stimmenfang führt auch diesmal nur dazu, dass sich am Ende Kandidaten durchsetzen, die gar nichts wollen und gar nichts können. Schon gar nicht den Abstieg der US-Wirtschaft im globalen Sackhüpfen in die zweite Liga verhindern. Aber wir haben ja sonst keine Probleme, nicht wahr?

Ach, ja, Geld: Auch Sportler und Sportmanager haben den Kandidaten Geld gespendet. Und da solche Akte der politischen Willensbildung auf Listen auftauchen, kann man das dann hinterher auch nachlesen. Die Arbeit, die Informationen zusammenzutragen, hat sich der Blog Deadspin gemacht, was wir sehr löblich finden:

Wer die Zahlen wissen will, sollte dort weiterlesen. Hier nur Auszüge aus der Liste der Spender und Empfänger:


Republikanische Partei

Rudy Giuliani: George Steinbrenner, Brian France, Jeff Gordon, Alex Rodriguez.
John McCain: Roger Goodell, Jerry Reinsdorf, Jerry Jones, Robert Kraft, George Bodenheimer.
Mitt Romney: Robert Kraft, Vin Scully.
Fred Thompson: Peyton Manning.

Demokratische Partei

Hillary Clinton: David Stern, Maloof Brothers, James Dolan.
Chris Dodd: Bud Selig, Dick Ebersol, George Bodenheimer, Jim Calhoun.
John Edwards: Scott Boras.
Barack Obama: Juanita Jordan, Jerry Reinsdorf, Stephon Marbury, Emmitt Smith, Phil Jackson.

Interessant: die Doppelspender Bodenheimer (ESPN-Chef), Reinsdorf (Bulls- und White-Sox-Besitzer) und Kraft (Eigentümer der New England Patriots). Die würden wahrscheinlich im Casiono auch auf einfache Chance setzen, um bloß nichts zu verlieren.

19. November 2007

Der Klingelbeutel: Meineid, Deineid, Seineid

Nachdem die Staatsanwaltschaft von San Francisco Anklage gegen den Baseballprofi Barry Bonds wegen Meineid erhoben hat, lohnt es sich, den Scheinwerfer auf den Ermittler zu richten, der seit mehreren Jahren den BALCO-Fall auf allen Haupt- und Nebengeleisen vorangetrieben hat. Da wir das bereits im Jahre 2004 in der FAZ getan haben, fällt es etwas schwer, das alles noch mal zu wiederholen. Also hier dann ein Blick auf die aktuelle Geschichte in der New York Times. Sie bringt ein seltendes Foto von jenem Strafverfolger, der Marion Jones und Victor Conte und vielen anderen unerbittlich nachgesetzt hat.

Hinreichend bekannt unter Leuten, die den amerikanischen Sport verfolgen: Der Fluch, den jemand vefällt, wenn er auf dem Titel der Zeitschrift Sports Illustrated aufgetaucht ist. Und der Madden Curse, der etwas mit dem populären Football-Videospiel zu tun hat. Jetzt neu: Die geschäftsschädigende Wirkung der anspruchsvollen Zeitschrift The New Yorker, die neulich den mächtigen Baseball-Agenten Scott Boras in einem wirklich lebenswerten Porträt ausleuchtete. Der Autor hatte Zeit und Zugang. Nun feuerte der Pitcher Kenny Rogers Boras und beschloss, Vertragsserhandlungen alleine zu führen. Und auch sein prominentester Mandant - Alex Rodriguez oder auch A-Rod genannt - marschiert auf eigenen Wegen.

Das war kein gutes Wochenende für Boston: die Fußballer von New England Revolution haben die Meisterschaft verpasst. Und die bislang ungeschlagenen Celtics aus der NBA mussten die erste Niederlage hinnehmen. Angesichts der vorausgegangenen Erfolgsserien (noch intakt: der streak der Patriots in der NFL) und der Meisterschaft der Boston Red Sox werden plötzlich junge Republikaner ganz hibbelig. Einer glaubt: Präsidentschaftskandidat Mitt Romney (war bisher Gouverneur in Massachusetts, davor Chef des Organisationskomitees der Olympischen Spiele von Salt Lake City) habe demnach ebenfalls die besten Karten, um die Vorwahlen zu gewinnen, die im Januar beginnen. Kann schon sein. Der bislang populärste Konkurrent in seiner Partei, der ehemalige New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani, hat noch sehr viele Probleme vor sich. Und dass der angebliche lebenslange Yankees-Fan neulich erklärte, er halte den Red Sox bei der World Series die Daumen, hat seine Populariät auch nicht befördert. Dafür wurde er als eindeutiger Opportunist geoutet.

26. Januar 2007

Republikaner wollen Schilling schicken

Es hat bereits einige Sportler gegeben von Rang und Namen gegeben, die sich in der amerikanischen Politik festsetzen konnten. Demokraten wie der Basketball-Olympiasieger und NBA-Profi Billl Bradley, der es in den Senat in Washington schaffte. Republikaner wie Jim Bunning, zur Zeit einer der beiden Senatoren des Staates Kentucky, der als Baseball-Pitcher bei den Detroit Tigers, Philadelphia Phillies, den Pittsburgh Pirates und den Los Angeles Dodgers sein Geld verdiente und es bis in die Hall of Fame brachte. Das heißt: Wenn seit gestern das Gerücht die Runde macht, dass Curt Schilling von den Boston Red Sox eventuell gegen einen ausgewachsenen Politiker in den Wahlkampf ziehen wird, dann ist das überhauipt nicht abwegig. Schilling, Mitglied der Mannschaft, die im Jahr 2004 erst die verhassten New York Yankees aus den Playoffs warf und dann gegen die World Series gewann, ist eine Legende. Damals pitchte er mit einem frisch operierten Fuß, dessen Wunde noch immer blutete. Die verschmierte Socke kann man bereits in der Hall of Fame in Cooperstown bestaunen.

Dass der 40jährige Schilling, ein Freund von George Bush, das auch noch schafft, gilt als ausgemacht. Allerdings wäre der Gegner etwas härter als die Batter-Elite der American League. Es handelt sich um John Kerry, der vor zwei Jahren nur knapp die Präsidentschaftswahlen verlor. Er hat schon öfter in dem stark demokratisch ausgerichteten Bundesstaat Massachusetts schwierige Wahlen gewonnen. Schilling, der vor zwei Jahren vor einem Ausschuss in Washington zum Thema Doping in Major League Baseball vorgeladen wurde und sich damals rechtschaffen zierte, äusserte sich denn auch erst mal eher skeptisch über die Vorstellung. Er sei zwar Wähler, aber passe wohl nicht so ganz in die politische Szene.

Und weil wir gerade so schön drin sind: Hier ist eine Liste für die totalen Insider, die jeden Tag NASN inhalieren und sich übers Internet mit den Kommentatoren des amerikanischen Sportmediengeschäfts beschäftigen. Deren politische Denke lässt sich unschwer an ihrem Spendenverhalten ablesen. Sports Media Watch hat sich ein paar namhafte Figuren herausgesucht und aufgelistet. Das Original-Kompendium gibt es hier. Die verblüffendste Zahl ist die hinter dem Namen von NBA Commissioner David Stern, der ein sehr ordentliches Gehalt bezieht. Der hat seit 1978 stattliche 837 200 Dollar in politische Kampagnen gesteckt. 98 Prozent davon ging an Demokraten. Die Republikaner bekamen nichts.
Blick zurück: Sport und Politik - Sieger und Verlierer

8. November 2006

Wahlen in den USA: Totale Absage an die Republikaner

Wir hatten Wahlen gestern, bei denen usa-weit über eine ganze Reihe von Gouverneursposten, das gesamte Repräsentantenhaus in Washington und ein Drittel der zweiten Kammer, genannt Senat, abgestimmt wurde. Es sieht im Augenblick nach dem lange erhofften Umschwung aus. Klar ist: die Demokraten haben die Mehrheit im Repräsentantenhaus geholt. Sie können die Republikaner im Senat ebenfalls aus den Angeln heben, wenn folgende Dinge passieren: Sie gewinnen die noch nicht entschiedenen extrem knappen Entscheidungen in Montana und Virginia, wo die Kandidaten jeweils einen hauchdünnen Vorsprung haben. Aber das ist noch nicht alles: Zwei unabhängige, überwiegend demokratisch gesonnene Senatoren müssen sich auch noch auf ihre Seite schlagen. Dann sitzen sie dort ebenfalls am Hebel.

Die beiden Ex-Football-Profis, über die hier vor einer Weile zu lesen war, haben sich folgendermaßen aus der Affäre gezogen: Der Republikaner Lynn Swann verlor in Pennsylvania klar gegen den amtierenden Gouverneur. Demokrat Heath Shuler, gewann seinen Wahlkreis in North Carolina und kehrt nach Washington zurück, wo er einst bei den Washington Redskins in der NFL nur wenig Ehre einlegen konnter. Everybody gets a second chance.

15. Oktober 2006

Politwerbung auf NASCAR-Auto

Viele Fotos sagen mehr als tausend Worte. Dieses Foto sagt eigentlich sehr wenig. Vor allem, wenn man nicht weiß, wer Heath Shuler ist (ein ehemaliger NFL-Quarterback). Was congress ist (in diesem Fall jene Kammer des amerikanischen Parlaments, das gemeinhin auch Abgeordnetenhaus genannt wird, die andere ist der Senat). Und um was für ein Fahrzeug es sich hier handelt: ein Rennwagen aus der NASCAR Busch Series, also aus der zweiten Liga der populären amerikanischen Stock Car Welt, deren Termine freitags beziehungsweise samstags live im Fernsehen übertragen werden. Jetzt kommt der eigentliche Clou. Die meisten Fans sind Rednecks, Republikaner oder noch schlimmer. Besonders beliebtes Symbol: die Fahne, mit der die Südstaaten sich im 19. Jahrhundert abspalteten und den Bürgerkrieg provozierten, in dem es unter anderem darum ging, die Sklaverei beizubehalten.

Shuler ist Demokrat. Das heißt, er verfügt über eine aufgeklärtere Sicht der Welt. Er tritt in einem Distrikt im westlichen North Carolina an, der Urheimat der NASCAR-Welt. Die Erfolgsaussichten waren bis vor kurzem gering. Aber die vom Irak-Krieg und permanenten Betrugs- und Vertuschungsskandalen gebeutelten Republikaner könnten in diesem Jahr (die Wahlen sind Anfang November) sogar Sitze verlieren, die sie seit 40 Jahren in Erbpacht verwaltet hatten. So stark ist der Gegenwind. Shuler ist zwar als Football-Profi wohlhabend geworden, aber war nie besonders erfolgreich. Die meiste Zeit verbrachte er bei den Washington Redskins.

In Pennsylvania bewirbt sich übrigens noch ein ehemaliger Football-Profi, Lynn Swann, der in den siebziger Jahren zu den überragenden Pipttsburgh Steelers gehörte, als Kandidat der Republikaner um ein wichtiges Amt. Er will Gouverneur werden und den demokratischen Amtsinhaber verdrängen. Umfrageergebnisse besagen, dass daraus nichts werden wird.