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28. März 2009

Weinreich vs. DFB: So weit, so gut

Jens Weinreich hat es bereits vor einer Weile vermeldet, und einige Online-Medien haben nachgezogen: Der Rechtsstreit zwischen ihm und Theo Zwanziger und dem DFB ist beendet. Die unmittelbare Reaktion bei vielen Interessierten war, sich zu fragen: Wer hat gewonnen und wer hat verloren? Oder werten wir das Ganze als Remis?

Das ist die typische Betrachtungsweise von Kommentatoren vor allem im Fernsehen, wo man gerne gleich nach Ereignissen wie Wahlen alles auf einen einfachen Nenner zuspitzen will. Ich verstehe den Reflex, und doch finde ich ihn nicht besonders hilfreich. Schon gar nicht in diesem Fall, bei dem man sich Zeit nehmen sollte und mit den Details beschäftigen. Was ziemlich einfach ist. Denn Jens Weinreich hat sie ausführlich und mit der ihm eigenen konsequenten Transparenz auf seiner Webseite dargestellt.

Wer sich diese Details genauer anschaut, wird feststellen, dass Metaphern aus dem Fußball nicht annähernd wiedergeben, was im Rahmen der Auseinandersetzung passiert ist.

Ich darf also noch einmal daran erinnern, was Jens Weinreich erlebt hat (und wir durch ihn dank seiner Bloggeraktivitäten herausgefunden haben). Manches daran wird nicht neu klingen, weil ich es so oder so ähnlich schon einmal formuliert habe. Aber das bedeutet nicht, dass man bei dieser Gelegenheit darüber hinwegsehen sollte.

Zu den Kernerfahrungen gehört:

1. Man kann sich gegen ungerechtfertigte Angriffe eines mächtigen Verbandes sehr wohl zur Wehr setzen. Selbst gegen eine so massive Maschine im Machtkomplex des Sportgeschäfts wie den DFB, der offensichtlich zum ersten Mal ziemlich konsequent testen wollte, ob man und wie man einen einzelnen (freien) Journalisten effektiv platt machen kann. (Ich sehe deshalb gerade in dieser Passage der gemeinsamen Presseerklärung eine besondere Ironie. Wenn der DFB ausdrücklich erklärt, dass er "zu keinem Zeitpunkt [Weinreich] in seiner Arbeit als kritischer Sportjournalist behindern wollte", dann heißt das zumindest, das dieser Verdacht legitim war.)

2. Die Blogger-Öffentlichkeit spielt eine wachsende Rolle im Medienalltag, wozu auch die Setzung und das Durchsetzen von Themen gehört, die die Etablierten sonst ignorieren würden. Dieser Fall hat diesen Tatbestand ganz deutlich gemacht.

3. Kritische Haltung im Sportjournalismus gegenüber dem Gegenstand (und die dazugehörigen Informationen) sind Teil einer Dienstleistungsethik, die von einem ständig größer werdenden Publikum honoriert wird. Also wie beim sogenannten Kartoffeltheorem, das da lautet: „Nun sind die Kartoffeln da, nun werden sie auch gegessen“. So gibt der nicht ganz zuverlässige, aber zu Orientierungszwecken durchaus nützliche Zähler beim Blog-Sucher auf google.de mehrere tausend Fundstellen an, wenn man den Namen "Jens Weinreich" eingibt. Das sind Fundstellen, die dokumentieren, wie viele Menschen die Auseinandersetzung nicht nur wahrgenommen, sondern aufgegriffen und sich mit ihrem Publikum darüber ausgetauscht haben. Ich hoffe doch sehr, dass demnächst eine Doktorarbeit geschrieben wird, die diesen in die Tiefe und die Breite gegangenen Vorgang erfasst, beschreibt und auszählt.

4. Dieses Echo entspricht jener Stimmung, die Weinreichs Spendenaufruf produzierte: Fast tausend Spender und eine Summe, die zumindest seine Anwalts- und Gerichtskosten zu decken in der Lage war. Dieses Maß an ganz praktischer Solidarität gehört zu den neuen Stärken dieses ganz besonderen und sehr geschätzten Publikums. Da werden Umrisse einer funktionierenden Gegenöffentlichkeit erkennbar.

5. Aber auch das gehört zu den Erfahrungen: Als größte Überraschung empfinde ich die Reaktion (oder besser Nicht-Reaktion) auf den Vorgang aus dem Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS), der offensichtlich einen solchen Musterfall weder zum Anlass nimmt, intern die Lage der Berufsgruppe zu reflektieren noch weitergehende Lehren zieht. Zu den weitergehenden Lehren gehört nach meiner Ansicht unter anderem der Bedarf für einen Solidaritätsfonds, der in einer Organisation mit so vielen Mitgliedern aus Beiträgen finanziert werden könnte. Niemand erwartet, dass mit einem Fonds auch Nichtmitglieder (wie Weinreich oder ich – er ist ausgetreten, ich war nie drin) unterstützt werden. Aber was ist, wenn ein muckraker aus dem eigenen Verein in die Bredouille kommt? Sollte dem nicht ganz praktisch unter die Arme gegriffen werden? Wo doch die Stellenstreichungen grassieren und bald noch mehr Freie um ihre Existenz kämpfen...

6. So wie es in diesem Fall nie nur um Jens Weinreich und seine ganz persönliche Meinungsfreiheit gegangen ist, so geht es auch in anderen zukünftigen Auseinandersetzungen mit dem Machtkomplex Sport nie nur um den Einzelfall. So kann man bei der Attacke gegen die Hartplatzhelden eine ähnliche Tendenz erkennen. Diesmal argumentiert eine Nebenstelle des Kartells, das offiziell als steuerbefreiter eingetragener Verein daherkommt, mit dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb. Eine geschickte Zangenbewegung, die von zwei Gerichten akzeptiert wurde. Ich konnte inzwischen die OLG-Urteilsbegründung lesen und muss sagen: scary. Darin bezeichnet das Oberlandesgericht Stuttgart die Videoausschnitte von Amateurspielen, wie sie die Hartplatzhelden in ihrem Portal zeigen als "rechtswidrig entstandene Aufnahmen" und sieht keinen tiefgreifenden Unterschied zwischen Wettbewerb und unlauterem Wettbewerb.

Noch eine etwas persönlicher gefärbte Anmerkung: Ich habe eine Einigung zwischen Jens Weinreich und dem DFB schon vor mehreren Monaten für sinnvoll gehalten (und das im privaten Rahmen auch gesagt) und bin deshalb auch froh, dass es sie nun gibt (unabhängig von den Details der tatsächlichen Übereinkunft, denn es gibt immer das eine, was man will, und das andere, was man kann). Unsere Rolle als kritische Berichterstatter und unser Erfolg in der Sensibilisierung anderer für eine kritische Haltung gegenüber den Oligarchen im Sport zeigt sich vor allem in der Breite und nicht in der Spitze. Wenn ein einzelner Fall drei Jahre die Gerichte und die Öffentlichkeit beschäftigt, wirkt das mit ihm verbundene Thema im Laufe der Zeit nur noch kleinkariert. Leider. Aber wer wollte bezweifeln, dass es im auf schön und allgemeinwohlig machenden organisierten Fußball (und im Rest vom Sport) nicht noch mehr aufzuzeigen und zu kritisieren gibt.

Das wäre alles ganz anders, wenn die vorhandenen formaldemokratischen Strukturen das leisten würden, was sie leisten sollen: eine Kontrolle jener Leute, die sich bis ganz nach oben gehangelt haben und dort ihre persönlichen Interessen und den pompösen Gestus ihres Lebensstils durchsetzen. Aber das tun sie nicht.

4. März 2009

Der Klingelbeutel: Die Walze kommt wieder in Bewegung

Dann wollen wir die alte müde Walze mal wieder ins Rollen bringen. Vielleicht quietscht es noch ein bisschen, bis wieder alles rund läuft.

Aus dem Töpfchen mit den frischeren Sachen:
Dallas-Mavericks Mark Cuban ist nach mehr als einer halben Saison aus Anlass einer fraglos grottigen Vorstellung seiner Mannschaft gegen Oklahoma City Thunder endlich der Kragen geplatzt. Wenn sich die Spieler nicht mehr anstrengen, stehen alle Jobs zur Disposition, auch der vermeintlich unverzichtbare Dirk Nowitzki. Wollen wir schon mal spekulieren, wohin Nowitzki getauscht wird? Leider steht ein Job überhaupt nicht zur Disposition: der des Teambesitzers.

Quarterback Kurt Warner hat gepokert und ganz gut ab geschnitten. Nachdem ihm die Arizona Cardinals zunächst bis zum Ende der Saison keinen neuen Vertrag angeboten hatten, obwohl sie ohne ihn die Super-Bowl-Erfahrung wohl auch weiterhin nur aus dem Fernsehen bezogen hätten (mit ihm hätten sie ihn fast gewonnen), hatten sie jetzt ein Einsehen. 23 Millionen Dollar über zwei Jahre auf dem Papier sind für Warner drin. Garantiert sind allerdings nur 10 Millionen Dollar. Eine solche Differenz ist typisch für die NFL, die, obwohl die körperlich brutalste von allen populären Mannschaftssportarten, die unromantischste Einstellung über die Einhaltung von Versprechen seitens der Clubbesitzer pflegt. Wenn einem Eigentümer oder Manager die Nase eines Spielers nicht mehr passt, kann er sich von ihm trennen und muss nicht bis zum Ablauf der ursprünglich vereinbarten Vertragsfrist weiterzahlen.

Ehe Rupert Murdoch den Laden übernahm, dachte man beim Wall Street Journal, dass es klug wäre, weibliche Leser aufzutreiben und ans Blatt zu binden. Und so entstand eine sehr brauchbare Wochenendbeilage, die nicht nur Frauen neugierig machte. Aber nun wird gegengesteuert. Das Wirtschaftsorgan mit der zweithöchsten Auflage von allen Tageszeitungen in den USA (hinter USA Today und vor der New York Times) will auch den Männern mehr bieten. Sechs Tage in der Woche wird es einen Sportteil geben. Dass der Themenkontext Wirtschaft und Sport untrennbar verwoben ist, sollte niemanden neu sein. Und dass man daraus publizistisch noch viele heiße Funken schlagen kann, ebensowenig. Aber was der Wahrheitsfindung dient (um mal mit Fritz Teufel einfach einen an die Wand zu malen), dient noch lange nicht der Gewinn- und Verlustrechnung. Mal sehen.

A propos Wahrheitsfindung. Es brummt einem noch im Ohr aus dem letzten Jahr, dass ein gewisser Theo Zwanziger öffentlich erklärte, er sei kein Prozesshansel. Inzwischen wissen wir nämlich, dass es sich damit wohl nur um eine schlichte Absichtserklärung gehandelt haben kann. Nicht um eine ehrliche und redliche Einschätzung seiner Neigungen und Ambitionen im Kampf um die Kommunikationsherrschaft. Mit seinem Geschwätz von gestern darf man dem Mann, der zwischendurch sogar seinen Rücktritt für den Fall ankündigte, dass er den Rechtsstreit mit Jens Weinreich verliert, aber vermutlich nicht kommen. Vom Rücktrittsgedanken ist er schließlich auch wieder zurückgetreten. Das wäre ja auch zu schön gewesen, wenn der Präsident des DFB seinen eigenen Worten eigene Taten folgen lassen würde. Das Dumme ist allerdings, dass der ohne Not von diesem Prozesshansel mit allen anwaltlichen Mitteln verfolgte Journalist Jens Weinreich, davon nichts hat. Im Gegenteil. Seine eigenen Anwalts- und Gerichtskosten steigen mit jedem neuen Verfahren und jedem neuen Versuch, die Wahrheitsfindung in dem seit Monaten brodelnden Streit hinauszuzögern. Kollege Weinreich hat angesichts der wirtschaftlichen Belastung erstmals um Hilfe nachgesucht. Das Sportnetzwerk und viele Blogger haben den Wink aufgenommen und den Ruf nach Unterstützung und Solidarität aufgegriffen. Es sollte allerdings an der Zeit sein, sich darüberhinaus wirksame Aktionen einfallen zu lassen, die das Verhalten und das Vorgehen der DFB-Spitze bloßstellen und kritisieren. Mehr dazu in den kommenden Tagen. Wer Lust und eigene Ideen hat, kann sich jetzt schon per E-Mail melden.

Die beste Quelle für den aktuellen Stand ist Jens Weinreichs eigene Webseite, wo er seit Monaten über alle Details berichtet. Überraschend kernig: der Kommentar von Stefan Niggemeier. Eine gute Ergänzung: Weinreichs Interview mit den 11 Freunden, das von der Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung nachgezogen wurde.

8. Dezember 2008

Was steckt hinter der Eigendemontage des Fußballfunktionärs Theo Zwanziger?

In der Sache Theo Zwanziger gegen Jens Weinreich, Präsident des Deutschen Fußballbundes gegen freier Journalist, hat es inzwischen die eine oder andere Klärung gegeben. Zum Beispiel ist nun klar, wie die veröffentlichte Meinung in Deutschland den als "Demogogen-Streit" etikettierten Vorfall einstuft: Pro Weinreich, contra Zwanziger. Klar ist auch, wieso der Fall ein derartiges Echo ausgelöst hat: Ganz normale Menschen machen sich Sorgen, wenn die Führungskräfte eines Machtzentrums von der Statur des DFB Personen mit Anwaltspost eindecken, sobald diese Menschen in Blogs im Rahmen der ihnen zustehenden Freiheitsrechte ihre Meinung äußern.

Klar ist auch: Es hätte durchaus andere Möglichkeiten gegeben, Widerspruch gegen die Weinreichsche Wertung kund zu tun. Zum Beispiel hätte sich Theo Zwanziger mit einem eigenen Kommentar bei
direkter-freistoss.de auf eine adäquate Weise wehren können. Aber das entsprach dereinst im Juli nicht der Gutsherrenart im Umgang mit dem Internet. Und tut es wohl auch noch immer nicht. Jetzt droht er sogar mit Rücktritt vom Amt, wenn er den Prozess verliert, den er noch gar nicht angestrengt hat.

Klar ist auch: Richter haben das Gebäude aus lauter Anmaßungen sowohl de facto als auch de jure auf ein rechtschaffenes Maß gestutzt. Jetzt sieht es nur noch aus wie eine Bastelarbeit aus dem Stabilbaukasten. Viele Löcher. Wenig Schrauben. Und von denen musste der DFB neulich noch ein paar herausdrehen, als er seine ominöse Pressemitteilung umtextete. Merke: Eine Einstweilige Verfügung schafft durchaus Rechtsrealitäten, auch wenn Theo Zwanziger diese Realitäten im Interview gerne als Muster ohne besonderen Wert einstuft ("
eine vorläufige Beurteilung"). Oder wie er heute sagte: „Die einstweiligen Verfügungen waren schlecht vorbereitet. Da wurde nur der bloße Begriff geklärt.“ Der bloße Begriff, also der, der im Duden steht, ja, der ist geklärt. Alles klar?

Ja und nein. Klärungsprozesse dauern oft ziemlich lange. Besonders dann, wenn klar wird, dass zum Beispiel in der Otto-Fleck-Schneise zu Frankfurt die eine Hand nicht immer weiß, was die andere tut. Einerseits soll da Kommunikationsdirektor Harald Stenger, Autor der besagten Pressemitteilung, vom Umfummeln von Wikipedia-Einträgen "dringend" abraten. Andererseits sind die Fingerabdrücke für einen neuerlichen Eingriff nicht zu übersehen. Sonst hätte es nicht diese Platzsperre gegeben. Was jenseits aller Klarheiten die Frage aufwirft: Wer und was steckt eigentlich wirklich hinter dem absurden, nicht endenwollenden Angriff auf die Reputation des Journalisten und hinter der erstaunlichen Eigendemontage eines Funktionärs, der intern immer als unumstritten galt? Theo Zwanziger himself? Man mag das gar nicht glauben.

Bei Jens Weinreich im Blog hat neulich erwin den springenden Punkt in einem Kommentar folgendermaßen eingekreist: "Anlässlich der Wikipediamanipulationen finde ich es ja mittlerweile geradezu trollig, wie der DFB als einziger darauf beharrt, es wäre in irgendeiner Form plausibel oder naheliegend, Herrn Zwanziger oder sein Auftreten in die Nähe der Volksverhetzung zu rücken .... da nicht einmal im Entferntesten ein inhaltlicher Zusammenhang zur Volksverhetzung besteht frage ich mich dann doch, worin der Treffer eigentlich bestanden hat. Sind das nur verletzte Eitelkeiten von jemandem, der Kritik nicht mehr gewohnt ist ? Ist es einfach Angst, vor dem Internet und Formen der Öffentlichkeit, die Kontrolle und Herrschaft nicht mehr ermöglichen ? Oder geht es gar womöglich um noch mehr, und man sieht handfeste wirtschaftliche Interessen bedroht ? Ich weiß es nicht, aber die Frage stellt sich."

Ja, die Frage stellt sich wirklich. Denn die zwei ausführlichen Interviews, die Theo Zwanziger in der Sache gegeben hat (hier und hier), um sich mit offenem Visier als Betroffener zu inszenieren, sowie die Pressekonferenz von heute mit einem wilden Spruch (
"Demnächst heißt es, ich sei ein Massenmörder, nur hat es keine Leichen gegeben.") haben bei so manchem den Eindruck hinterlassen, als sei der erfahrene Jurist und Verwaltungsexperte und ehemalige Landespolitiker ein Mensch, der sich nicht gerne tief in eine Materie einarbeitet. So sagte er gegenüber Oliver Fritsch neulich: "Ich habe unsere juristischen Schriftsätze nicht verfasst. Ehrlich gesagt, hab ich sie gar nicht exakt verfolgt." Und Christopher Keil von der Süddeutschen Zeitung wurde auf folgende Weise ins Bild gesetzt: "Deshalb habe ich auch sofort gesagt, die Sache hat sich erledigt, als mich unser Vizepräsident Rainer Koch auf eine Internetdarstellung von Herrn Weinreich aufmerksam machte, aus der hervorging, dass er mit dem Begriff "Demagoge" nicht das gleiche Verständnis wie ich hatte. Und dies hat dann sein Anwalt uns gegenüber nochmals klargestellt. Damit war für mich der Vorgang beendet, deshalb haben wir auch keine Unterlassungsklage erhoben." Wie man weiß, soll die nun doch noch erhoben werden, die Klage, "nunmehr sorgfältig vorbereitet".

So kommt es, dass er in seinen Aussagen zu dem Themenkomplex meistens wie ein gesprächiger, um nicht zu sagen leutseliger Herr wirkt. Wie jemand, der zwar um seinen Ruf besorgt ist, aber am liebsten eher hemdsärmelig argumentiert. Man nehme die Gießen-Episode, die in der SZ ausführlich angesprochen wird und dadurch ein Fallbeispiel für den Umgang von Theo Zwanziger mit dem Konzept der Faktenlage wurde. So behauptet er, dass sich der Chefredakteur des Gießener Anzeiger bei ihm entschuldigt habe und insinuierte damit, dass sich der gestandene Journalist von der Berichterstattung in seiner eigenen Zeitung distanziert hatte. Davon kann gar nicht die Rede sein. Man könnte annehmen: Zwanziger hat entweder noch nie einen Prozess führen müssen, auf den sich unsereins mit gestochen scharfen Argumenten vorbereiten würde. Oder er mag sich nicht streiten und wirft lieber mit Nebelkerzen.

Wenn hinter dem Präsidenten nur ein einzelner Pressesprecher stände, würde man sich fragen: Ist der vielleicht die treibende Kraft? Stachelt der den Theo Zwanziger auf, um seinen Präsidenten mit publizistischem Offensivgeist in Stellung zu schieben? Aber beim DFB gibt es tatächlich noch einen weitaus wichtigeren Menschen: den Generalsekretär. Das ist der oberste Posten in der Hierarchie der bezahlten Kräfte. Inhaber dieses Amtes ist Wolfgang Niersbach, einst Mitarbeiter des Sport-Informations-Dienstes, dann DFB-Pressesprecher, später an der Seite von Franz Beckenbauer der Hauptverantwortliche für die Ausrichtung der Fußball-WM 2006. Über ihn weiß man sehr wenig. Außer, dass ihm nachgesagt wird, dass es sich bei ihm "
um einen beharrlichen Menschen handelt, der mit Gewieftheit seine Ziele verfolgt. Und seine Karriere."

SEINE Karriere. Klingt interessant. Man sollte mithin davon ausgehen, dass dieser Wolfgang Niersbach in der Spanne von Jahren sehr viel gelernt hat auf dem Paternoster des Funktionärsbetriebs, der Leute wie ihn mit einer erstaunlichen Unvermeidlichkeit nach oben trägt. Er wird eine Meinung haben zu der öffentlich und in deutschen Gerichtssälen ausgetragenen Auseinandersetzung um die Interpretation des Wortes Demagoge. Und diese Meinung ist die Crux. Wenn Wolfgang Niersbach mal eine Meinung hat, dann handelt es sich nämlich schnell um eine "
Grundposition" (siehe sein Anschreiben vom 14. November). Und mit einer "Grundposition" kann man nur auf eine Weise umgehen: Man muss sie "offensiv darstellen".

Das Darstellen überlässt man als erfolgreicher Spitzenfunktionär gemeinhin übrigens anderen Leuten. Das wirkt einfach besser. Niersbach hat das bisher ganz gut hinbekommen. Hätte er nicht neulich jene Aussendung unterzeichnet, die an hundert und mehr Multiplikatoren in Politik und Gesellschaft ging, hätte man seine Rolle als Kraftrad nicht mal erspäht. Womöglich bedauert er diesen Umstand noch heute – angesichts der massiven Gegenreaktion wäre das zu verstehen. Auf jeden Fall hält er sich seitdem wieder bedeckt und lässt andere die Arbeit machen. Eine Arbeit, die auf eine erstaunlich konsequente Weise den Ruf von Theo Zwanziger unterminiert.

Ist das interessant? Wäre Wolfgang Niersbach bereits am Ziel seiner beruflichen Wünsche angekommen, sicher nicht. Dass er neulich nicht ins UEFA-Exekutivkomitee befördert werden wollte, sollte einen nicht verwirren. Das Spiel, das Zwanziger und er spielen, als ständen sie vor einer Drehtür ("Nach dir, nein, nach, dir, nein, nach dir.") gehört zu den Usancen. Es wirkt honett und ebnet dem Präsidenten den Weg nicht nur nach oben, sondern auch nach draußen. Und wie heißt wohl der Nachfolger von Zwanziger? Ich würde wetten, es werden sich genügend finden, die sagen werden: "Wolfgang, mach du's."

Dazu muss der fragliche Posten natürlich erst mal frei werden. Das passiert allerdings nicht so schnell, wenn man dem nominell Ranghöheren dabei offen den Ast absägt. Das geht anders. Man umarmt die Menschen, die man beerben will, mit Solidaritätserklärungen und Lobpreisungen und wiegt sie in dem Gefühl, dass man ihnen nicht mal im Traum einen raschen Abgang wünscht.

Jeder mag seine eigenen Visionen davon entwickeln, auf welche Weise demnächst der Job wieder frei wird, den Theo Zwanziger zur Zeit inne hat und der im Jahr 2010 per Wahlakt für drei Jahre neu vergeben wird. Und welcher Name den Landesfürsten als erstes bei der Konklave einfallen wird. Bei der Wahl zum Generalsekretär hatte Niersbach übrigens keinen Gegenkandidaten. Warum sollte sich diesmal jemand gegen ihn stellen? Die Sache ist doch klar: Es gibt keinen besseren für den Job.

16. November 2008

Wenn Vasen wackeln

Man entdeckt Blogs meistens nicht zufällig, sondern auf der Suche nach Informationen, die man nicht in den klassischen Quellen findet. Mein Aha-Erlebnis liegt schon eine Weile zurück. Es war im Sommer 2005, als es die amerikanische Journalistin Judith Miller vorzog, monatelang ins Gefängnis zu gehen, anstatt sich zu einer Zeugenaussage in einem Ermittlungsverfahren zu bequemen, durch das ein ganz besonders infames Beispiel des Machtmissbrauchs der amerikanischen Regierungsspitze aufgeklärt werden sollte – die Preisgabe der Identität der hochrangigen CIA-Mitarbeiterin Valerie Plame. Die allgemeine Informationslage im Mainstream war damals von Zurückhaltung geprägt, insbesondere bei der New York Times, bei der Miller in Lohn und Brot stand. Das Vakuum war groß, aber es wurde von einer Reihe von Blogs gefüllt, darunter von dem des Journalismus-Professors Jay Rosen von der Columbia University in New York.

Ich werde das Gefühl nicht los, dass in der letzten Woche in Deutschland in einem etwas anderen Themensegment und auf etwas niedrigerem Niveau etwas ähnliches passiert ist: Dass viele Menschen, die sich für Fußball und für Sportmedien interessieren, entdeckt haben, was Blogs leisten können. Ich bin mir zwar sicher, dass die Autoren vom Spiegel, die neulich in einem ausführlichen Artikel über das "Blog-Entwicklungsland" Deutschland gelästert haben ("Hier regieren allenfalls Beta-Blogger statt massenmediale Alphatiere") diesen Vorgang genauso abtun werden wie das auch in anderen, sogenannten Qualitätsmedien gerne geschieht. Aber ich nehme das schon länger nicht mehr ernst. Solche Darstellungen entspringen dem mangelhaften Neugierverhalten in deutschen Redaktionen, wo das Vergnügen der (fest angestellten) Journalisten daran, sich mit dem eigenen Bauchnabel und dem Status Quo zu beschäftigen, größer ist als das Interesse daran, die Verschiebung der tektonischen Platten unter ihren eigenen Füßen zu vermessen.

Andere Leute werden trotzdem gespürt haben, was da am Wochenende – einem leichten Erdbeben gleich – in der deutschen Medienlandschaft passiert ist. Sie haben gesehen, wie da ein paar Vasen im Regal gewackelt haben, als sie beim Spaziergang durch das alternative Informationsangebot die Geschichte rund um das Vorgehen des Deutschen Fußballbundes gegen einen kritischen Journalisten zusammengetragen haben. Das Wackeln könnte noch stärker werden, wenn der Hauptbetroffene, der Kollege Jens Weinreich, die Attacke der DFB-Spitze mit rechtlichen Schritten beantwortet. Denn wenn der Fall eine Gewissheit produziert hat, dann diese: Die Machtmenschen aus Frankfurt, gewohnt nach alten Medienregeln mit der undifferenzierten Kraft eines King Kong herumzuwüten, haben in diesem (von ihnen ohne Not aufgeworfenen) öffentlichen Streit ganz schlechte Karten. Sie müssen aufgrund ihres eigenen Mangels an Realitätssinn einen ziemlich starken Imageverlust befürchten.

Und alles nur wegen dieser neuen Kommunikationsplattform namens Blogs, die vom Establishment so gerne belächelt oder ignoriert werden. Blogs sollten hiermit dem letzten Skeptiker eine ernsthafte Lektion in Sachen Medienrealität erteilt haben: Ohne sie hätte die ganze Sache nie begonnen, wäre sie nicht öffentlich abgehandelt worden und wäre die verlogene Kampf- und Kampagnenmentalität der DFB-Spitze wohl kaum aufgedeckt worden. Ich weiß nicht, wieviele tausende von Lesern sich auf Blogs wie diesem oder diesem oder diesem oder diesem oder meinetwegen auch bei American Arena einen Eindruck von der Geschichte gemacht haben und anschließend den Links gefolgt sind, um die Dokumente, die Screenshots, die Argumente und die Kommentare zu verfolgen. Aber ich habe durchaus eine gewisse Vorstellung von der Zahl der Neugierigen und von ihrem Interesse am Thema. Auch hier kamen schließlich viel mehr Leser als sonst vorbei.

Das würde sich qualitativ kaum messen lassen, würde man nur den Mainstream auswerten. Es gab bislang nur Geschichten in der Financial Times, der Frankfurter Rundschau und ein Kommentar im Deutschlandfunk. Und sie alle haben einen entscheidenden medienimmanenten Mangel: So ausführlich und detailliert sie auch sein mögen, sie stellen nicht jene Transparenz her, die durch die Arbeit von Jens Weinreich selbst produziert wurde. Die Argumentation des Landgerichts Berlin gegen Zwanzigers Antrag auf Einstweilige Verfügung (kann man hier finden). Der Vorfall in Gießen (Zwanziger wirft einem Journalisten "demagogische Fragen" vor) wird hier abgehandelt und verlinkt. Die Frage, ob Weinreich tatsächlich eine irgendgeartete Erklärung abgegeben hat, die Zwanziger dazu brachte, von der geplanten Klage abzusehen – kann man anhand dieser Kopie eines Schreibens seines Anwalts sehr viel besser beantworten. Das alles setzt einen neuen Standard für Belegarbeit im kritischen Journalismus. Genauso wie die Informationen, die man aus dem ausführlichen Interview von Oliver Fritsch mit Theo Zwanziger destillieren konnte. Genauso wie Stefan Niggemeiers Analyse der am Freitag von Generalsekretär Wolfgang Niersbach losgetretenen Kampagne gegen Jens Weinreich.

Ohne diese Arbeit hätte die Presseerklärung des DFB am Freitag vermutlich eine Flut von Agenturberichten und eine beachtliche Resonanz in den Zeitungen ausgelöst. Welche nicht weiter involvierten Sportjournalisten hätten schon das Wort des mächtigen Fußballverbands angezweifelt und die infame DFB-Aktion durch eigene Recherchen und Telefonate auseinandergepflückt? In den USA gibt es ein altes Zitat aus dem Kampf gegen Korruption und Machtmissbrauch, das sehr gut illustriert, was die neue Medienrealität leisten kann (und in den USA bereits nach Kräften leistet, siehe Wahlsieg von Barack Obama): "Sonnenlicht ist das beste Desinfizierungsmittel". Geprägt wurde der Spruch von Verfassungsrichter Louis Brandeis, der damit unter anderem meinte: die glaubwürdigsten und am meisten respektierten Organisationen arbeiten in einer Atmosphäre bewusster Offenheit. Da wo das nicht geschieht, muss die Transparenz von anderen hergestellt werden.

8. November 2008

Der gütige Oligarch

Die erste Reaktion von Menschen, die sehen, mit was für einer läppischen Beschwerde ein studierter Jurist wie DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger (Bild) einen Journalisten vor Gericht zerrt, pendelt zwischen Überraschung und Verständnislosigkeit. Es liegt hauptsächlich an dem Streitpunkt: der Interpretation eines Begriffs, den der ehemalige CDU-Politiker und Steuerinspektor Zwanziger auf Teufel komm raus mit der Geschichte des Dritten Reichs verbindet.

Dieser Teil der Geschichte ist allerdings schon vor einer Weile passiert und wäre im Prinzip längst abzuhaken. Aber seit ein paar Tagen hat die Angelegenheit ganz andere Dimensionen erhalten. Die Chronologie:

In einem ersten Durchlauf wurde dem Fußball-Funktionär von zwei von ihm angerufenen gerichtlichen Instanzen ausführlich erklärt, dass er falsch liegt. Nicht nur habe er das Recht von Jens Weinreich (Bild links) zu akzeptieren, ihn als "unglaublicher Demagoge" zu bezeichnen. Sondern vermutlich auch noch sehr viel mehr: Ein Kritiker dürfe im öffentlichen Meinungskampf einer freiheitlichen Demokratie "seine Meinung grundsätzlich auch dann äußern, wenn sie andere für 'falsch' oder für 'ungerecht' halten", schrieb das Landgericht Berlin, als es den Antrag auf eine einstweilige Verfügung ablehnte. Weinreichs Charakterisierung sei eine "zulässige Meinungsäußerung..., die keinen schmähenden Charakter hat".

Diesen Rückschlag kann Dr. Zwanziger nicht akzeptieren. Weinreich soll gefälligst zu Kreuze kriechen oder einen Prozess in Kauf nehmen und mit beidem in die Enge getrieben werden. Das wissen wir, weil der DFB-Präsident Oliver Fritsch (Bild rechts), dem Betreiber des Blogs Direkter Freistoß, auf dessen Seiten der Kommentar publiziert wurde, ein ausführliches Interview gegeben hat. In dem gab der Fußball-Funktionär deutlich zu erkennen, dass er rechts- und beratungsresistent ist. Was viele Gründe haben kann, nicht nur den, dass er trotz allen behaupteten Nachschlagens nicht herausfand, wie der von ihm zitierte Duden den Begriff "Demagoge" tatsächlich erklärt (mehr dazu bei Stefan Niggemeier).

Man ist geneigt zu sagen: Dr. Zwanziger muss ein schrulliger Typ sein. Doch irgendetwas an seinem Verhalten gibt einem das Gefühl, dass da mehr im Busch ist. Es gibt Hinweise darauf, dass er als Inhaber eines Prestigeamtes ein Exempel statuieren möchte, das mit der vorliegenden Sache gar nichts zu tun hat.

Indiz eins: Seine Anwalts- und Prozesskosten übernimmt der DFB, auch wenn er den Rechtsstreit verliert. Er trägt also nur ein Risiko, und das ist klein: dass er sich lächerlich macht. Wogegen er sich prophylaktisch schon mal mit dem Fritsch-Interview zu schützen versuchte. Wie? In dem er sich selbst zum Opfer stilisierte und als großzügiger, ehrenwerter Herr. Schuld an allem sei der Journalist, suggerierte Zwanziger: "Wenn Herr Weinreich nicht will, dass ich mich von ihm als Volksverhetzer denunziert verstehe, dann soll er mir zwei Zeilen schreiben, dann ist die Sache vom Tisch. Und dann können wir uns gerne zum Interview treffen, und er kann mir die kritischsten Fragen stellen." Anmerkung: Einen Volksverhetzer hatte Weinreich den DFB-Präsidenten überhaupt nicht genannt. Was soll also die Aufforderung zum Kniefall?

Indiz zwei: Dr. Theo Zwanziger weiß, wie Medien funktionieren. Sonst würde er nicht mit dem Begriff der "Kommunikationsherrschaft" herumhantieren, den er in diesem Sommer offensichtlich zum ersten Mal eingesetzt hat ("Wenn sie die Kommunikationsherrschaft nicht haben, sind sie immer Verlierer.") Er hat im Fritsch-Interview die erbetene Erläuterung sehr schwammig formuliert. Und wir dürfen also auch weiterhin annehmen, dass er mit dem Begriff "Herrschaft" eine Deutung verbindet, wie sie der Soziologe Max Weber formuliert hat: "Herrschaft soll heißen die Chance, für einen Befehl bestimmten Inhalts bei angebbaren Personen Gehorsam zu finden." Gehorsam wäre mithin der Gegenentwurf von Herrschaft.

Ich schrieb dazu in einem Kommentar im Oktober im Direkten Freistoß: "Wir haben es hier übrigens nach meiner Einschätzung mit der Geschäftspolitik von Oligarchen und ihrer Anmaßung zu tun, unbotmäßigen Kritikern und Kreativen das Leben schwer zu machen, damit die irgendwann die Lust verlieren." Und malte schon mal schwarz an die Wand: "Da es so viele unterbeschäftigte Anwälte gibt, sollte man davon ausgehen, dass da über die juristische Schiene noch viel mehr kommt." Ich bin kein Hellseher. Aber ein paar Tage später wurde die Prophezeiung wahr: Der Doktor der Jurisprudenz will weiter prozessieren.

Indiz drei: Das Verhalten und das Verhältnis von Dr. Theo Zwanziger zur Person Dietmar Hopp, in dessen Bundesliga-Club sein Sohn Ralf beschäftigt ist und dessen noch zu bauendes Stadion in Sinsheim bereits den Zuschlag für die Frauen-Fußball-WM 2011 erhalten hat. Es gibt in der Öffentlichkeit keine Belege für unsaubere Absprachen. Aber das Geflecht beginnt einer Interessensgemeinschaft zu ähneln, wie sie für machtpolitisch gefestigte Oligarchien bezeichnend ist. Was der Rest der Welt zu den gegenseitigen Gefälligkeiten sagt, wird kommunikationsherrschaftlich plattgebügelt. Und sei es mit einer Gegenfrage: "Warum eigentlich diese Unterstellung?"

Ja, warum eigentlich? Warum muss sich ein gütiger Oligarch, der einen steuerbefreiten Verband leitet und sich selbst für eine reine Seele hält (Zitat: "Ich bin ein Mensch, der seine Aufgaben gewissenhaft angehen möchte.") eigentlich vor der Öffentlichkeit rechtfertigen – über die Redlichkeit seines Tuns, über seine Erwerbstätigkeit, über seine Ansichten zur Meinungsfreiheit und seine Rolle auf dem Verschiebebahnhof millionenschwerer Sportbusiness-Interessen? Wie konnten wir so anmaßend werden, ihm andere als die von ihm postulierten Absichten zu unterstellen? Warum kann er nicht von uns allen ohne jede Skepsis auf dem Schild getragen werden, auf dem sich Oligarchen der eigenen Standortbestimmung nach so gerne häuslich einrichten wollen (bis der geriatrische Super-GAU oder der Tod sie aus dem Amt befördert)?

Auf Dr. Theo Zwanziger, der als Fußball-Funktionär immer hübsch nach oben gerutscht ist, muss die ganze Geschichte erheblich Eindruck gemacht haben. Er hat nämlich laut einem Zeitungsbericht, der von Anwesenden im Kern bestätigt wurde, bei einer Podiumsdiskussion am 6. November in Gießen Fragen des Moderators, Deutschlandfunk-Sportredakteur Herbert Fischer-Solms, mit einem Wort belegt, dass er als Anspielung an die Nazi-Zeit versteht. Mit dem Wort "demagogisch". Der Vorgang wäre Indiz vier für die Arbeitshypothese, die wir uns seit ein paar Tagen zusammenbasteln: Dr. Theo Zwanziger, der ambitionierte Kommunikationsherrscher, möchte Worte als ehrverletzend einstufen lassen, wenn er von anderen kritisiert wird, aber sie jeder Zeit nach eigenem Gutdünken benutzen. Das Muster kennen wir schon. Es ist so ähnlich wie die „verlogene Argumentation des deutschen Fußballkartells“ (Weinreich) in Sachen Fernsehrechte.