19. April 2009
Was an den anderen Baustellen los ist
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des amerikanischen Sportinvestors Tom Hicks, der in Liverpool und Dallas engagiert ist (Deutschlandfunk mp3-Stream)
Der Erfolg der Dallas Mavericks im ersten Playoff-Match gegen die San Antonio Spurs offenbart eine überraschende Erkenntnis: Das Team hat das Zeug zu gewinnen, wenn Nowitzki auf der Bank sitzt (Online-Version des Artikels aus der Montagausgabe der FAZ).
Die Porträts der fünf besten NBA-Profis aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung als zehnteilige Klickstrecke.
8. Juni 2008
NBA-Finalserie: Nostalgie plus Star-Power
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung von heute, 8. Juni
"Von dem alten Kontrast im Spielstil der beiden Teams ist nichts geblieben. Die Lakers waren mit ihrer Showtime-Offensive und ihrem Hollywood-Publikum stets auf Entertainment bedacht, während die Celtics eher nüchtern und eckig spielten. Trotzdem etikettieren viele Beobachter die herbeigesehnte Finalserie als Neuauflage der alten Rivalität. Die Sentimentalität zeigt Wirkung. Nachdem die Liga in den letzten Jahren, in denen die San Antonio Spurs regelmäßig mit ihrem methodischen Basketball den Goldpokal holten und die Einschaltquoten massiv absackten, machte allein die Aussicht auf eine Lakers-Celtics-Serie in den ersten Play-off-Runden Millionen von Zuschauern neugierig. Im Vergleich zum vergangenen Jahr stiegen die Zahlen um mehr als zwanzig Prozent. Der Trend nach oben dürfte nicht nur an der Grundkonstellation liegen - eine Best-of-seven-Serie zwischen zwei populären Mannschaften von der West- und der Ostküste - und auch nicht an den nostalgischen Erinnerungen der älteren Fans. Der größte Reiz besteht in den Protagonisten auf dem Spielfeld. Da ist auf der einen Seite Kobe Bryant, der unbestritten populärste Spieler der NBA, der nach einem Sommer, in dem er das Team verlassen wollte, dank der Verpflichtung des Spaniers Pau Gasol einen erstklassigen Nebenmann erhalten hat und zum Führungsspieler gereift ist.
Auf der anderen Seite: Kevin Garnett, der beste Allround-Spieler in der NBA, der nach Art eines braven Kärrners jahrelang in Minneapolis seine Mitspieler mitschleppte, ohne auch nur je in die Nähe eines Titels gekommen zu sein. Sein Wechsel nach Boston war die spektakulärste Spielertauschaktion der vergangenen zwanzig Jahre. Eingerahmt wird der defensivstarke Reboundspezialist von den beiden erfahrenen und wurfstarken Mannschaftskameraden Ray Allen und Paul Pierce, die ebenfalls noch nie ihr ganzes Können zeigen konnten, weil sie noch nie im Finale standen."
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 5. Juni
"... anders als Bryant, der in seiner Karriere bereits dreimal Meister war, haben die drei sich und ihren Fans noch eine Menge zu beweisen.Wie viel, das können sie jeden Abend beim Blick hinauf unter die Decke der Halle sehen. Da oben hängen, schön ordentlich aufgereiht, wie Wäsche auf der Leine, jede Menge Stofftücher. Auf einigen steht jeweils das Jahr, in dem die Celtics in der 62-jährigen Geschichte der NBA Meister wurden - 16 Mal, so viel wie kein anderes Team. Die anderen tragen die Namen ehemaliger Spieler, deren Rückennummer aus Respekt vor ihrer Leistung offiziell aus dem Verkehr gezogen wurde.
Keine Mannschaft hat im Laufe der Jahre auf diese Weise so viele Profis geehrt wie die Boston Celtics. Von 00 bis 35 wurde so gut wie jede Zahl zu den Akten gelegt. Als vor sechzehn Jahren die 33 von Larry Bird in einer speziellen Feierstunde unters Dach gehievt wurde, hatte kaum jemand gedacht, dass der Traditionsklub, sportlich gesehen, am Ende der Fahnenstange angekommen sei. Man rechnete mit ein paar Jahren des Wiederaufbaus, um rasch an die Glanzzeiten anzuknüpfen. Doch daraus wurde nichts. Mit dem Abgang von "Larry Legend" begann in Boston eine lange Durststrecke.
Dass die in diesem Winter endlich zu Ende ging, liegt nicht nur an Kevin Garnett, der mit der 5 eine der wenigen niedrigen Nummern trägt, die die Celtics noch frei haben. Es liegt auch an Kevin McHale, dessen 32 ebenfalls unter Decke hängt. Der ist heute Manager der Minnesota Timberwolves und bot in dieser Funktion im letzten Sommer seinem alten Klub das Kernstück für eine neue Ära an. Jenen All-Star Kevin Garnett nämlich, dessen Karriere unter McHales Aufsicht eher bescheiden verlaufen war."
24. April 2008
Ansichten über Kobe
19. April 2008
Warten auf Gegenwind
A propos voreingenommen: So einseitig wie Neal Pollack in Slate würde ich auch gerne häufiger an ein Thema herangehen. Erst recht bei dieser MVP-Sache in der NBA. Aber am Ende wurde aus meiner Beschäftigung mit dem gleichen Stoff ein eher zarter Versuch, herauszuarbeiten, dass dieser Tage der extrem überschätzte Kobe Bryant zum angeblich wertvollsten Spieler der Saison hochgeschrieben wird. Die inneren ph-Werte von Pollack hat eben nicht jeder. Der angesprochene Text erscheint übrigens morgen in der gedruckten Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Kommentiert werden darf gerne auch hier. Je mehr desto besser.
9. Februar 2008
Mehr über Shaq
Nachtrag am Montag: Der Text wurde heute online gestellt. Wer mag, klickt hier.
18. Juni 2007
Gedrucktes Allerlei
Die FAZ hatte zum Auftakt der US Open in der letzten Woche mein Interview mit dem australischen Vorjahressieger Geoff Ogilvy gedruckt. Der Text wurde online gestellt. Auch wenn er diesmal nicht vorne mitmischen konnte: Der Australier gehört zu den Sportlern, die was zu sagen haben. In dem Interview kamen leider einige Dinge zu kurz. Darunter Ogilvys große private Leidenschaft. Er spielt Hard-Rock-Gitarre - unterwegs im Hotel eingestöpselt in den Laptop und mit Kopfhörern. Und er ist der Vorzeigegolfer für Sportausrüster Puma, deren Zusammenarbeit mit der schwedischen Firma J. Lindeberg leider zu Ende geht. Die Schuhkollektion war hervorragend.
Des weiteren: Am heutigen Montag erscheint die Print-Ausgabe mit einem Bericht über Juan Pablo Montoya. Ob faz.net mitzieht, lässt sich in diesem Augenblick nicht sagen.
Nachlesen kann man hingegen einen Artikel über das finanzielle Ausmaß der Floyd-Landis-Verteidigung im Doping-Verfahren von Malibu. Der war Teil eines umfangreichen Doping-Dossiers im Züricher Tages-Anzeiger am letzten Freitag.
8. Februar 2007
Der Landis-Prozess kommt nicht in die Gänge
"So hurtig Landis im Juli 2006 auf der 17. Etappe nach seinem schweren Einbruch vom Vortag nach Morzine hinaufgeradelt ist, so langsam kommt also nun die Sportjustiz in die Gänge."Es lohnt sich trotzdem, den ganzen Artikel zu lesen.
Blick zurück: Eine Meldung im Oktober mit den Arena-Links zur Vorgeschichte
15. Oktober 2006
Vier auf einen Streich - worüber ein Blogger sonst noch schreibt
Über den Schwimmer Michael Phelps (erschienen am 14. Oktober):
Der Rest der Welt interessiert ihn nicht, solange alles nach Plan läuft. "Das einzige, was mir wichtig ist, bin ich." Dieses Ich scheint auch noch Jahre nach dem Ende der Pubertät in einem Körper zu stecken, der nicht für das Leben an Land geschaffen wurde. Wer ihm an diesem Morgen ausgiebig zuschaut, der sieht einen fast schüchternen Menschen mit linkisch wirkenden Bewegungen und Gesten. In Momenten im Scheinwerferlicht, in denen Amerikaner gerne aus sich herausgehen, wirken seine Erklärungen maschinell vorgefertigt. Dazu gehört die Verbreitung von Allgemeinplätzen, wie sie Bob Bowman von sich gibt, der ihn als Elfjährigen in einem Vorort von Baltimore entdeckt hatte: "Mein Trainer sagt: Deine größte Stärke ist deine größte Schwäche." Der Coach hat mal Kinderpsychologie studiert und wird schon wissen, wovon er redet.
Was an seiner Stärke so schwach sein soll, läßt sich an diesem Morgen nicht ermitteln. Als er sich aus der Trainingsjacke schält und den langen Oberkörper mit den enorm ausladenden Schultern freilegt und ins Becken geht und sich in dem ruhigen Wasser der für ihn abgeteilten Bahn in Bewegung setzt, fällt nur eines auf: Phelps, wahrscheinlich der großartigste Stilist, schwimmt nicht. Er gleitet, wie von einer unsichtbaren Kraft angeschoben anstrengungslos dahin. Nur die Arme, die in langsamem Takt mechanisch wie die Schaufeln einer Wassermühle aus der Tiefe kommen und wieder verschwinden, verraten, daß zu dieser Art der Fortbewegung auch grobmotorische Elemente gehören.
Über das erste Rennen des ehemaligen Formel-1-Fahrers Juan Pablo Montoya in Talladega/Alabama (9. Oktober 2006):
Irgend etwas an der Art und Weise, wie ein amerikanisches Stock-Car-Rennen abläuft, muß Juan Pablo Montoya in den letzten Jahren gefehlt haben. Sonst wäre er nicht am Freitag in Talladega so euphorisch aus seinem Auto gestiegen: "Ich habe noch nie in meinem Leben so viel Spaß gehabt", sagte er. "Es ist irre. Du gehst ständig aufs Ganze." Der Dodge Charger mit der Nummer 4 zeigte am Ende Spuren der vergnüglichen Hatz, auf der der ehemalige Formel-1-Pilot so viele Autos überholt hatte, daß er nicht mehr mit dem Zählen nachgekommen war. "Es waren sicher 40", meinte er. Also alle.Über die aufgeblähten Trainerstäbe in der National Football League, die inzwischen zu einem organisatorischen Problem werden (9. Oktober 2006):
Heute beschäftigen mehr als die Hälfte der 32 NFL-Klubs achtzehn und mehr Assistenztrainer. Ein beachtlicher Wert, selbst wenn man bedenkt, daß ein NFL-Team einen Kader von 53 Spielern hat.Über den Entwicklungsstand der National Hockey League ein Jahr nach dem Ende des Tarifstreits, dem eine ganze Saison zum Opfer fiel (6. Oktober 2006):
Diese Planstellenzahlen gehen nicht nur ins Geld; die wohlhabenden Washington Redskins haben auf diesem Gebiet in diesem Jahr mit insgesamt 11 Millionen Dollar an Gehalt für einen zwanzigköpfigen Trainerstab einen neuen Ligarekord aufgestellt. Die Aufblähung des Personals produziert inzwischen logistische Probleme während der Meisterschaftsspiele am Spielfeldrand. Denn dort dürfen sich laut den Statuten - abgesehen von den offiziell gemeldeten Spielern - nur maximal 25 weitere Angehörige des Teams aufhalten, damit das Gedränge nicht zu groß wird. Festzulegen, wer von den Assistenten gebraucht wird und wer nicht, ist nicht das einzige Problem. Auch technisch stößt man an Grenzen. "Jeder will einen Kopfhörer", meint Herman Edwards, der die Kansas City Chiefs betreut und einen kollegialen Umgang mit seinem Mitarbeiterstab pflegt.
Tatsächlich ist die beste Eishockeyliga der Welt, deren Spieler inzwischen zur Hälfte aus Europa kommen, mal gerade aus dem Gröbsten heraus. Das nächste Problem lautet: der NHL fehlt es, vor allem in den Vereinigten Staaten, wo die Mehrzahl der Klubs residieren, an Bildschirmpräsenz. Wenn Mannschaften wie die Hurricanes und die Sabres aufeinandertreffen, schalten quer über die gesamten Vereinigten Staaten nur 300 000 Zuschauer ein. Das sind jene Unentwegten, die im Dschungel des Kabelangebots den Kanal mit dem komischen Namen Versus gefunden haben, der die Übertragungsrechte besitzt. Versus wurde in diesem Sommer eigens umgetauft (von Outdoor Life Network), aber an seinem Status als Minderheitenanbieter konnte das nichts ändern. Unter diesem Image leidet die NHL mehr denn je.
So haben zwei der größten Tageszeitungen des Landes, die "New York Times" und die "Los Angeles Times", in deren Verbreitungsgebieten insgesamt fünf Teams zu Hause sind, zu einer deutlichen Sparmaßnahme gegriffen: Sie schicken keine Reporter mehr zu Auswärtsspielen mit und verwerten statt dessen das ziemlich dürre Material der Nachrichtenagentur Associated Press. "In unserem Markt ist es eine Randsportart", sagt der Sportchef der "Los Angeles Times".
21. August 2006
Wenn Leser etwas zu sagen haben
Auch die Qualität der Reaktionen ist beeindruckend. Offensichtlich haben Menschen, die sich für politisch und gesellschaftlich interessantere Themen interessieren, mehr zu sagen und wollen es denn auch ausführlich tun. Demgegenüber vermitteln die Diskussionen rund um Sport eher den Blick vom Stammtisch. Getreu des alten Spruchs, dass die meisten Sportanhänger den geistigen Radius eines Bierdeckels besäßen. Es wäre schön, wenn sich das alsbald mal ändert. Ob auf diesen Seiten hier oder woanders ist ganz egal.
Leser allerdings sind seltsame Lebewesen. Irgendetwas in ihrem Innern sagt ihnen, dass sie die Dinge besser wissen und besser beurteilen können als die Berichterstatter, von denen sie tagtäglich beliefert werden. Ganz typisch war der Kommentar zum Blogger-Artikel von einem Menschen, der die Washington Post online liest und der schrieb:
"Ich sitze in Wiesbaden und nicht in Washington, DC und weiß trotzdem mehr über den Stand der Dinge in Connecticut als die Frankfurter Allgemeine mit ihren Korrespondenten in DC. Sehr enttäuschend und schade."Der Knick in der Optik von Leuten, die aus der Ferne ein paar Quellen betrachten und anschließend davon überzeugt, dass sie etwas von der Materie verstehen, wird uns Medienproduzenten noch mehr zu schaffen machen denn je. Vor allem mit dem deutschen Publikum, das von einer erheblichen Oberlehrerhaftigkeit geprägt ist. Und zwar leider von der unkritischen Art. Ich erinnnere mich noch an die giftige Wortwahl eines Lesers, der glaubte, dass der Inhalt in der einen Quelle, die er kannte - ein Buch aus dem Eichborn-Verlag - amtlichen Zuschnitt hatte. Und so warf er mir und der Zeitung alles mögliche vor. Vor allem die Unfähigkeit zu recherchieren. Es ging um das Entstehen des Namens World Series im Baseball. Eine alte Frage, die neulich von den Kollegen von Wortwelt noch einmal aufgebracht und beantwortet wurde.
Ich habe damals mehrere Quellen ausgewertet und bestätigt gefunden, dass der Leser mit seinen aufsässigen Vorhaltungen ("dieses subtile Stück anti-amerikanischer dumpfer Vorurteile” und “arrogante Törichtheit”) sowohl in der Sache als auch im Umgangston komplett daneben lag. Ich habe mich trotzdem in der Antwort um einen konzilianten Ton bemüht. Man will seine Leser ja nicht vor den Kopf schlagen, woraufhin sie mit einem Telefonanruf das Abo kündigen.
Aber davon abgesehen: Die Geschwindigkeit, mit der Informationen um den Globus reisen, und die wachsenden Zugriffsmöglichkeiten auf die unterschiedlichsten Quellen werden den Alltag von Auslandskorrespondenten wie unsereins vermutlich radikal verändern. Unsere Leser haben Ansprüche. Und wir werden uns denen nicht entziehen können. Und hinter der über Jahre angehäuften Autorität des Blattes, das in seiner Werbung den Spruch pflegt, "Dahinter steckt bestimmt ein kluger Mensch", werden wir uns auch nicht verstecken können.
Die Zeiten sind vorbei.
Link zum Artikel Die Königsmacher über die Politblogger in den USA in der FAZ vom 21. August 2006