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30. Mai 2009

Stakes ohne Stute

Die Stute, die Amerikas Galoppsportanhänger fasziniert hat, wird nicht am dritten Rennen der Triple-Crown-Serie teilnehmen. Dafür wird sie in der Frauenzeitschrift Vogue auftauchen, abgelichtet von einem Prominentenfotografen, der Angelina Jolie ziemlich grungy abgelichtet hat. Das gab's noch nie, passt aber zu dieser kuriosen amerikanischen Pferdeliebe, die sich schon bei Barbaro ins Extreme gesteigert hatte. Rachel Alexandra ist vermutlich das beste Pferd des aktuellen Derby-Jahrgangs, konnte das aber beim Kentucky Derby nicht zeigen, weil sie am Vortag im Stutenrennen – den Kentucky Oaks – an den Start ging und dort mit Riesenvorsprung gewann. Sie gewann allerdings den zweiten Renntermin, das Preakness in Baltimore, mit einer Länge gegen den Kentucky-Derby-Sieger Mine That Bird.

Dass sie nicht in Belmont laufen wird, bringt das Rennen um seine Hauptattraktion. Die Entscheidung kann man allerdings verstehen. Die Belmont Stakes sind die längste Strecke der drei Termine. Da sie pausiert, kann der Jockey wieder umsatteln. Der ist die eigentliche Kursiosität der letzten Wochen. Er heißt Calvin Borel, kommt aus Louisiana und ritt Rachel Alexandra in den Oaks zum Sieg, saß am nächsten Tag auf Mine That Bird, ritt in Baltimore die Stute und gewann den direkten Vergleich gegen Mine That Bird und steigt nun wieder um – zurück auf den Wallach. Sollte er in New York gewinnen, hätte er eine Novität geschafft. Die Triple Crown im Sattel von zwei unterschiedlichen Pferden.

Borel beim Kentucky Derby:

Borel beim Preakness:

Borel im Interview.

21. April 2008

Hut ab vor Huselius: Er ist Pferdewetten-Millionär

In der National Hockey League wird ziemlich gut bezahlt. Aber für das Geld muss man arbeiten. Hart arbeiten. Da ist es wahrscheinlich gar nicht so blöd hin und wieder ein bisschen von dem Geld bei Pferdewetten zu riskieren. Vor allem, wenn man dann noch den Gegenwert von einer Million kanadischen Dollars gewinnt. Das hat der Schwede Kristian Huselius hinbekommen, der für die Calgary Flames spielt. Gut spielt, wie dem Reporter von der Ortszeitung auffiel, der die Geschichte exklusiv in die Welt hinausposaunte. Trabrennen in Schweden. Wer hätte gedacht, dass da man große Kasse machen kann? Gut für Huselius, Teil eins: Er verdient nur 1,4 Millionen Dollar im Jahr. Gut für Huselius, Teil zwei: Die Flames haben in der ersten Playoff-Runde ein siebtes Spiel herausgekämpft und treten am Dienstag in San Jose an, um die Sache zu Ende zu bringen. Die Sharks (mit Christian Ehrhoff, der andere Deutsche Marcel Goc wird zur Zeit von Trainer Ron Wilson nicht gebracht) sind im Prinzip die bessere Mannschaft. Aber was heißt das schon?

17. Januar 2008

Gretchen ist ein Aschenputtel

Die meisten Leute würden sicher sagen: Hey, es handelt sich um die Asche von einem toten Pferd. Wegwerfen, verstreuen, fertig. Nicht so schnell, sagt das tapfere Gretchen, dass sich monatelang mit der Entscheidung herumplagte: Schläfern wir Barbaro ein oder nicht? So was will überlegt sein. Gut überlegt sein. Und so steht die Urne noch immer irgendwo herum und ist nicht standesgemäß deponiert. Ein Museum soll die Überreste erhalten. Aber bloß welches? (via Deadspin)

19. Oktober 2007

Der Klingelbeutel: Jäger und Sammler

Endlich schreibt mal einer der Paparazzi in Los Angeles darüber, wie es ist, wenn man es zu seinem Beruf gemacht hat, Tag für Tag Fotos von den Beckhams zu schießen. Danach hat man Mitleid mit den Beckhams UND den Fotografen und fragt sich, wie isses nur möglich und wo wird das alles enden? (via The Big Lead)

Wie macht man Vollblüter schneller? Offensichtlich mit der einen oder anderen Dosis Kobra-Gift. Aus irgendeinem Grund fand man das in den USA allerdings kurz vor dem Breeders Cup eher unangebracht und hat dem Mann mit dem Stoff im Kühlschrank - dem Franzosen Patrick Biancone - gesagt, er brauche gar nicht erst zu kommen. Die sieben Galopprennpferde, die er trainiert und die für den Cup gemeldet wurden, werden jemand anderem in Obhut gegeben.

South Carolina? Muss man nicht hin. Kann man durchfahren. Drüber fliegen. Links liegen lassen. Es sei denn, man möchte mal wissen, wie das ist, wenn man auf der Suche nach einer einzigen Verkaufsstelle für die New York Times an gefühlten 80 Kirchen vorbei fährt. Denn davon haben sie zum Schaufeln. Bildung? Eher nicht. Stört die Praxis der Verdummteufelung der Welt. Aber dann das: Humor, der weiter geht, als was man von normalen Zeitungen gewöhnt ist. Die Ortszeitung in Columbia veräppelt Football Head Coach Steve Spurrier von der sehr verehrten College-Mannschaft der örtlichen Universität, der für Millionen von Dollar verpflichtet wurde, nachdem er in der NFL (bei den Washington Redskins) für viele Millionen von Dollar gezeigt hatte, was er alles NICHT kann (via SportbyBrooks).

Das Bild des Tages hat die New York Times, um das Ende der Ära Joe Torre bei den New York Yankees zu illustrieren. Dem hatte man vor zwei Tagen einen Ein-Jahres-Vertrag zu gekürzten Bezügen angeboten. Was der Erfolgs-Manager dankend ablehnte. Warum auch nicht? Niemand streicht Derek Jeter oder A-Rod das Gehalt.

29. Mai 2007

Im Bikini über die Pferderennbahn


Sport in den Grenzbereichen von gutem Geschmack und körperlicher Belastung hat bislang noch viele Gestaltungsmöglichkeiten ungenutzt verstreichen lassen. Aber das wird sich sukzessive ändern - je langweiliger etwa die Finalspiele der NBA sind oder die Baseballsaison oder Boxen. Man denke nur an dieses 200-Meter-Rennen von Frauen im Bikini auf einer Pferderennbahn in Inglewood/Kalifornien. Niemand interessiert sich dafür, wer läuft und wer gewinnt, aber wenn die Frau in Führung kurz vor dem Ziel kopfüber in den Sand schießt, finden es es alle lustig und laden es bei YouTube hoch (via deadspin).

7. Mai 2007

Toto-Tricks für Anfänger: Kaufe alles, zahle dick drauf


Churchill Downs
Originally uploaded by Daniel Light.

Es kostete am Samstag exakt 13.680 Dollar, um beim Kentucky Derby mit Wettscheinen über den Mindestbetrag von 2 Dollar jeden denkbaren Einlauf auf den Plätzen eins, zwei und drei zu tippen. Es waren 20 Pferde am Start. Der Rest ist pure Mathematik. Die Einlaufwette, in den USA Trifecta genannt, ist attraktiv (wegen der Quote) und schwierig zu gewinnen, wenn Außenseiter das Rennen machen. Gut, dachte sich der Mann aus Rochester im Bundesstaat New York, dann kaufe ich einfach Wettscheine für alle denkbaren Permutationen. Das Resultat nach dem Sieg von Street Sense? Der Tot0 zahlte nicht mehr 400 Dollar. Der Mann war um mehr als 13.000 Dollar ärmer. Hier die Auszahlungsbeträge für einen erfolgreichen 2-Dollar-Wettschein in den vergangenen Jahren, die zeigen, dass die Strategie nur selten aufgeht:
2006: 11.418,40 Dollar
2005: 133.134,80 Dollar
2004: 987,60 Dollar
2003: 664,00 Dollar
2002: 18.378,20 Dollar
2001: 12.238,40 Dollar
(via Democrat and Chronicle)
Blick zurück: Der Vorbericht zum Derby mit Schwerpunkt Barbaro


5. Mai 2007

Der Stammbaum-Club hat hohen Besuch

Ein Jahr nach dem überragenden Sieg von Barbaro beim Kentucky Derby findet heute in Louisville die Neuauflage statt. Und obwohl eine neue Generation von Dreijährigen am Start ist, wollen fast alle nur über Barbaro reden, der letzten Mai ein Rennen später in Baltimore mehrere komplizierte Beinbrüche erlitt und dann doch irgendwann trotz enormer und teurer Bemühungen in einer tiermedzinischen Klinik in Pennsylvania eingeschläfert werden musste (mehr über das Phänomen Barbaro in diesem Artikel in der FAZ aus dem Januar) Bis der vor kurzem geborene Bruder von Barbaro so weit ist und zeigen kann, ob in ihm das Potenzial eines guten Galoppers steckt, wird noch sehr viel Zeit vergehen. Die Nachricht von seinem Entstehen zeigt jedoch, dass sich die Barbaro-Besitzer einige Hoffnungen machen und auf jeden Fall jene Tierliebe weiter anstacheln werden, die in der Zucht von Vollblütern auf einen seltsamen biologischen Mythos reduziert wird: den Stammbaum. Da passt es ganz gut, dass sich Fernsehkameras heute bei der Live-Übertragung vermutlich auf eine Person konzentrieren werden, die in der Loge von Churchill Downs sitzt und die den Amerikanern im letzten Jahr mit Hilfe eines oscar-preisgekrönten Kinofilms (The Queen) wurde. Pferdefreundin Elizabeth II., Repräsentantin der alten, anderswo längst auf die Müllhalde der Geschichte geworfenen Prinzips, wonach Herkunft und Abstammung darüber entscheiden, welche Rolle jemand in der Gesellschaft spielt. Die gute Frau sieht übrigens inzwischen verdammt alt aus. Aber das wird die US-Regie nicht bremsen. Aus Ermangelung echten Adels herrscht in der ehemaligen Kolonie eine unausrottbare Faszination mit der Familie Windsor, die während der Zeit mit Diana ihre Blüten trieb.
Blick zurück: Barbaro - die Projektionsfläche

31. Januar 2007

Der Tod eines Pferdes

Man kann sich vorstellen, wie die ersten Professoren in den Journalismus-Abteilungen amerikanischer Colleges (ja, das ist ein Fach zum Studieren, mit Abschluss und so) die Liste für die Seminararbeiten noch einmal redigieren und dieses Thema einflicken: Wie kommt es, dass ein halbes Tausend Leute auf der Online-Seite der New York Times in der Kommentarspalte den Tod eines Pferdes betrauern? Und was haben sie zu sagen? Diese sonst so hellwachen, aufgeschlossenen, kritischen Leser der bedeutendsten Tageszeitung der Welt? Sie reden über "schöne und zerbrechliche Kreaturen" und dass sie "gelegentlich geweint" haben, als sie die Nachricht gehört haben und so weiter und so weiter. Es handelt sich zwar nicht um eine ähnliche ausgeprägte Massenhysterie wie beim Tod von Prinzessin Diana, aber um einen ähnlichen Impuls, der in dieser medial so intensiv vernetzten Welt das Verhalten und den emotionalen Haushalt von Millionen von Menschen steuert. Und jeder der das komisch findet, muss sich als herzloser Geselle beschimpfen lassen. Wir trauern....weil es so weit kommen konnte.
Blick zurück: Die Nachricht mit ihren Querverweisen

29. Januar 2007

Barbaro eingeschläfert

Nachdem es lange Zeit so ausgesehen hatte, als ob sich Kentucky-Derby-Sieger Barbaro von seinen schweren Hinterhandbrüchen, der Hufrehe und den zahlreichen veterinärmedizinischen Eingriffen erholen könne, gaben die Besitzer heute auf. Der Hengst wurde einer Meldung von AP zufolge am Montagmorgen in der Klinik in Pennsylvania eingeschläfert, in der er in all den Monaten seit seinem Unfall beim Preakness in Baltimore betreut worden war. Das ist auch das Ende einer seltsamen Barbaro-Verehrung, die sich im Laufe des Sommers im Internet hochgeschaukelt hatte. Aus der Ferne kamen nicht nur Grüße, sondern immer wieder auch Geschenkkörbe mit Karotten und Blumen für den mittlerweile Vierjährigen, der bis zu seinem schweren Unfall zu den vielversprechendsten amerikanischen Galopper der letzten 50 Jahre gehörte. Er hatte jedes Rennen gewonnen, in dem er angetreten war.

Die FAZ publizierte diese Geschichte vor wenigen Tagen über den Kult. Hier ist der erste Arena-Beitrag zum Thema aus dem November. Hier gibt es das YouTube-Video von dem Zwischenfall auf der Rennbahn. Das ist die Kopie der Liveübertragung auf NBC, die das gesamte Rennen zeigt. Wer es gewonnen hat? Den Namen haben sich viele gar nicht gemerkt: Bernadini hieß er. Er hatte sechs Längen Vorsprung.

2. November 2006

Pferdeflüsterer jetzt auch online

Der Spruch war abgehalftert und durchgeritten: Man möge das Denken den Pferden überlassen, lautete der. Denn die hätten den größeren Kopf. Trotzdem müssen jede Menge Amerikaner immer noch daran glauben. Würden sie sonst Pferden schreiben, damit die Stoff zum Denken haben? Das heißt: Eigentlich schreiben sie nur einem - dem Kentucky-Derby-Sieger Barbaro - und zwar besonders intensiv per Message Board bei der Veterinärabteilung der University of Pennsylvania im Internet, wo der Hengst seit seinem schweren Beinbruch und mehreren Operation stetige gesundheitliche Fortschritte macht. Aber dieser Vollblüter steht seit dem Zwischenfall stellvertretend für die ganze vernarrte Tierliebe in diesem Land, die sicher bedeutend höher ist als die Wertschätzung für Menschen von, sagen wir mal, irakischer Herkunft. Sagte jemand Pferdeflüsterer? Dem Vierbeiner wird inzwischen eine gute Prognose gegeben: Nächste Woche soll der Gipsverband abgemacht und durch eine Manschette ersetzt werden. Als denkendes Pferd hat Barbaro sicher schon die Presseerklärung für diesen besonderen Anlass schon getextet. Jetzt muss er sie nur noch ausspucken.