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15. Mai 2009

Der Klingelbeutel: Game Set Match-Fix

• Es handelt sich nicht um eine Enthüllungsgeschichte der ersten Kategorie. Aber um einen sehr illustrativen Einblick in das Hirn von Menschen, die professionell auf den Ausgang von Tennisspielen wetten und darüber nachdenken, Spieler zum Manipulieren zu bewegen. Hauptfigur: ein Russe, der sich aufs Frauentennis spezialisiert hat (via the Big Lead).

• Michael Phelps war wegen der Marihuana-Posse ein paar Monate offiziell gesperrt. Jetzt ist er wieder da. Er sieht fit aus, sagen die Experten.

• Dreh dich nicht um, denn der Plumpsack geht rum: Nike streicht massiv Stellen. adidas nicht.

19. November 2008

Der Klingelbeutel: Hoppe, hoppe Ryder

• Das ist doch mal eine gute Nachricht: Bernhard Langer hat die Funktionärsriege im deutschen Golf auf seine Seite gebracht und lässt ausrichten, dass man sich für Deutschland um den Ryder-Cup 2018 bewirbt. Das ist noch lange hin, wird aber schon bald von einem Gremium der European Tour entschieden. Alle anderen Termine zwischen jetzt und dann sind bereits vergeben. Wenn es mit dem Projekt nicht klappt, kommt erst wieder 2022 in Frage, weil der Ryder-Cup nur alle zwei Jahre und im steten Wechsel mal an einem Austragungsort in den USA und mal an einem in Europa ausgespielt wird. Für Deutschland spricht, dass die bisherigen Wettkämpfe auf europäischer Seite (außer 1997 in Spanien und 2006 in Irland) immer nur in Großbritannien ausgetragen wurden, die Mannschaften jedoch längst ein ganz anderes Flavor haben. Es spricht auch dafür, dass man mit Martin Kaymer einen Repräsentanten hat, der in den kommenden Jahren Stammspieler im Team werden dürfte. Den Rest muss Langer selber hinbekommen (was angesichts der Sympathie, die er international genießt, nicht so schwierig sein wird). Der Knackpunkt: Es muss ein neuer Platz gebaut werden, die sowohl sportlich als auch von der infrastrukturellen Anbindung und der Zuschauerkapazität her passt. Man darf davon ausgehen, dass Bernhard Langer rund um diesen Problemkreis hinter verschlossenen Türen bereits einige Pflöcke eingeschlagen hat.

Hiobsbotschaften aus Vancouver 15 Monate vor den Olympischen Winterspielen: Es gibt finanzielle Schwierigkeiten, die durch die derzeitige Finanzkrise noch größer werden können. Der kanadische Steuerzahler wird es ausbaden.

• Die NFL und das Wettgeschäft: Am Sonntag ging das Match zwischen den Pittsburgh Steelers und den San Diego Chargers auf merkwürdige Weise zu Ende. Zum Leidwesen von tausenden, die mit Millionen von Dollar gewettet hatten.

30. Mai 2008

Top, die Wette gilt?

Des einen närrisches Vergnügen ist des anderen Konspirationstheorie. Oder: Wenigstens ein Spieler bei den Los Angeles Lakers hat am Donnerstagabend beim Spiel gegen die San Antonio Spurs nicht gewusst, wie in Las Vegas die Wetten auf den Ausgang des Spiels stehen. Sonst hätte er nicht mit der Schlusssirene einen Dreier versenkt, der nichts mit Sieg und Niederlage zu tun hatte, aber ganz viel mit dem Spread. Hätte Sasha Vujacic einfach nur den Ball in der Hand behalten und nicht geworfen, hätten die Lakers das Match mit 97:92 gewonnen und die Buchmacher wären sehr zufrieden gewesen. Denn zum Beispiel das MGM Grand hatte die Partie bei weniger als 7,5 Punkte Differenz zu Gunsten von LA. Der Slowene hebelte die Zahl auf 8. Mit anderen Worten: Er schob den Spread mit dem Schlussresultat über die magische Grenze des Abends.

Der Pfiff an der Sache: Es gilt in der NBA als ungehörig, dass am Ende einer bereits entschiedenen Partie der Sieger noch massiv Punkte draufbrät. Damit wird nach einer Grundregel aus dem Stammbuch der Sportlerehre der Verlierer unnötig vorgeführt und enteiert. Was also war das Motiv von Sasha? Showtime?

Von hier lässt sich übrigens fast nahtlos überleiten zu einem anderen Aspekt der Sportlerehre. Europas und Südamerikas Basketballer haben in der NBA eine Gepflogenheit populärer gemacht, die aus dem Fußball kommt und dort meistens als "Schwalbe" oder auch als dive tituliert wird. Die Basketballer kennen eine eigene Variante: den sogenannten Flop. Dabei tut der leicht touchierte Spieler so, als sei er massiv bedrängt oder gestoßen worden und stolpert und geht auf dramatische Weise zu Boden. Flops sind in den USA und Kanada (im Eishockey) extrem verpönt. Man steckt weg. Man schlägt vielleicht auch mal zurück. Aber man versucht nicht den Schiedsrichter und das Publikum theatralischen Einlagen zu beeinflussen. Und damit das so bleibt, will die NBA ab der nächsten Saison Flopper nach dem Spiel bestrafen. Das könnte dann das endgültige Aus der San Antonio Spurs bedeuten, die am Donnerstag als amtierende Meister aus dem Wettbewerb gedrängt wurden. Kein Team hat mehr Flopper: Tony Parker, Manu Ginobili, Bruce Bowen und Robert Horry dürften ohne solch dramatische Opfer-Szenen nur noch halb so viele Freiwürfe bekommen. Das reicht nicht. um in der NBA oben mitzuspielen.

21. April 2008

Hut ab vor Huselius: Er ist Pferdewetten-Millionär

In der National Hockey League wird ziemlich gut bezahlt. Aber für das Geld muss man arbeiten. Hart arbeiten. Da ist es wahrscheinlich gar nicht so blöd hin und wieder ein bisschen von dem Geld bei Pferdewetten zu riskieren. Vor allem, wenn man dann noch den Gegenwert von einer Million kanadischen Dollars gewinnt. Das hat der Schwede Kristian Huselius hinbekommen, der für die Calgary Flames spielt. Gut spielt, wie dem Reporter von der Ortszeitung auffiel, der die Geschichte exklusiv in die Welt hinausposaunte. Trabrennen in Schweden. Wer hätte gedacht, dass da man große Kasse machen kann? Gut für Huselius, Teil eins: Er verdient nur 1,4 Millionen Dollar im Jahr. Gut für Huselius, Teil zwei: Die Flames haben in der ersten Playoff-Runde ein siebtes Spiel herausgekämpft und treten am Dienstag in San Jose an, um die Sache zu Ende zu bringen. Die Sharks (mit Christian Ehrhoff, der andere Deutsche Marcel Goc wird zur Zeit von Trainer Ron Wilson nicht gebracht) sind im Prinzip die bessere Mannschaft. Aber was heißt das schon?

14. August 2007

NBA-Wettskandal und Vicks Anklage: Schuldgeständnisse?

Noch immer keine Details darüber, wie der beschuldigte NBA-Schiedsrichter Tim Donaghy den Ausgang von Spielen manipulierte. Dafür aber ein Gerücht, dass AP aus mehreren Quellen bestätigt sieht: Der Referee wird sich am Mittwoch in Brooklyn schuldig bekennen. Mehr darüber, wenn es mehr gibt.

Ähnlch kryptisch ist die Lage rund um Quarterback Michael Vick und seine Anklage wegen Tierquälerei und Betreiben von verbotenen Hundekämpfen. Angeblich sind zwei weitere Mitangeklagte im Begriff, Geständnisse abzulegen, um auf diese Weise einen Prozess und längere Gefängnisstrafen zu vermeiden. Und noch angeblicher soll auch Vick mit so etwas liebäugeln. Sein Hauptproblem: Er muss sich mit der NFL arrangieren, um auch nach einer eventuellen Strafe wieder Football spielen zu können (es gibt da einige prominente Fälle in der Vergangenheit, die das sehr geschickt gelöst haben).
Blick zurück: Der Wett-Skandal bekommt Konturen
Blick zurück: Gedanken zum Kampf schwarzer Quarterbacks in der NFL
Blick zurück: Anklage gegen Vick

3. August 2007

Wettmafia jetzt auch im Tennis aktiv?

Die Burschen vom FBI haben mit ihrer Mafia bestimmt schon genug zu tun. Aber sie wären trotzdem sicher gut beraten, sich auch mal näher diesen Fall anzuschauen: In dem hat das britische Wettbüro Betfair am Donnerstag auf die Tatsache reagiert, dass sie auffallend viel Geld auf einen Sieg des Tennisspielers Martin Vassallo Arguello aus Argentinien (Nummer 87 der Weltrangliste) über Nikolai Dawidenko (Nummer 4 der Weltrangliste) erhielten und der Argentinier tatsächlich gewann, weil der Russe im dritten Satz eines Spiels im Turnier im polnischen Zopot aufgab. Angeblich war er verletzt. Die Wetter erhielten alle ihre Einsätze zurück. Die Geschichte riecht mehr als schlecht.

28. Juli 2007

Wenn der Mafiosi erzählt: NBA-Skandal aus Sicht eines Fachmanns

Wirklich sehr empfehlenswert: ein Lesestück bei espn.com, in dem ein ehemaliger Mafiagangster erzählt, wie man im Basketball manipuliert, um beim Wetten Geld zu verdienen. Seine Geschichte von damals wurde von Martin Scorsese im Film Goodfellas umgesetzt. Das Interview wirkt authentisch und nicht kummermäßig getürkt. Der Mafia-Mann mutmaßt darin übrigens, dass der verdächtigte NBA-Schiedsrichter Tim Donaghy nicht alleine gearbeitet hat. Wettbetrug im Sport ist etwas komplizierter und braucht gewöhnlich ein paar Mitwisser und Mittäter, damit es klappt. Man sollte aber auch die Kommentare lesen (und auch den unteren Abschnitt des hier gelinkten Wikipedia-Eintrags). Mit der Reputation des Ex-Mafiosi ist es nicht gut bestellt.

23. Juli 2007

NBA-Wettskandal: Ein Name und mehr Indizien

Inzwischen gibt es weitere Indizien dafür, dass an dem Wettskandal in der NBA etwas dran ist. Die Liga hat bestätigt, dass der Schiedsrichter, gegen den ermittelt wird, Tim Donaghy heißt. Der hat sich einen Anwalt genommen und wird in dieser Woche zum Verhör beim FBI antreten. Des weiteren wurde bekannt, dass Donaghys Name bei einer Abhöraktion gegen Mitglieder einer Mafia-Organisation in Philadelphia auftauchte. Der 40jährige Donaghy lebte bis vor kurzem noch in Philadelphia, wohnt jetzt in Florida und kündigte in der letzten Woche nach 13 Jahren angesichts der Vorwürfe seinen Job. Die Gerüchteküche brodelt. Er soll angeblich selbst von einer erheblichen Wettleidenschaft geplagt sein und Schulden haben. Die Analyse seiner Pfeifleistung ergibt, dass er schon immer zu den merkwürdigen Fällen gehörte. Aber: Eindeutige Hinweise auf Manipulationsversuche hat offensichtlich noch keiner aus dem legalen Zweig des Wettgeschäfts ausmachen können.

Da muss nichts heißen. Denn die Experten haben als Ausgangsmaterial nur die Quoten und sogenannten Point Spreads von Wetten aus Las Vegas, wo man sehr genau über die legalen Aktivitäten wacht. Sehr viel wahrscheinlicher wäre, dass man den Referee dazu benutzt hat, so zu pfeifen, dass sich sein Verhalten bei illegalen Wettabschlüsse um große Summen auswirkt.

Ich habe in einer Geschichte für die heutige Ausgabe der FAZ das amerikanische Wettsystem ein wenig erklärt:
Im Basketball wie in vielen anderen Mannschaftsportarten auch wird in den USA während der monatelangen regulären Saison anders als im deutschen Fußball-Toto kaum auf Sieg oder Niederlage gesetzt. Die populärste Wette ist die auf die Punktedifferenz (“Point Spread”), mit der der Favorit gewinnen wird. Dieses Schema ist besonders anfällig für geschickte und schwer nachweisbare Manipulationen. Das gilt insbesondere für eine Sportart wie Basketball, in der die Punktzahl pro Begegnung hoch ist, die Leistung einiger weniger Mitwirkender sich jedoch relativ stark auf das Resultat auswirkt, während das Spieltempo den Blick auf einzelne Aktionen verwischt. Der klassische Betrugsfall ist das sogenannte “Point Shaving”, bei dem ein oder mehrere Spieler der stärkeren Mannschaft bewusst Korbwürfe knapp verziehen oder den Ball vertändeln, um die eigene Punktausbeute zu reduzieren, ohne jedoch dabei den Sieg zu riskieren.

Kaum jemand hatte bisher für möglich gehalten, dass sich gut verdienende NBA-Profis mit ihren Millionengehältern zu derartigen Manipulationen anwerben lassen. Allenfalls Collegespieler, die kein Geld verdienen, schienen in Gefahr. Schiedsrichter galten ebenfalls als unverdächtig. In der NBA erhalten die Unparteiischen pro Saison je nach Erfahrung und Einsatzumfang zwischen 90.000 und 225.000 Dollar. Obendrein wird jedes Match von drei Referees gepfiffen, und zwar in ständig wechselnden Kombinationen.

Während eines Spiels kann sich die einzelne Schiedrichterleistung jedoch durchaus entscheidend niederschlagen: Je mehr Freiwürfe einer Mannschaft zuerkannt werden, desto größer ist ihre Chance, ihr Punktekonto aufzubessern. Gleichzeitig werden Spieler, die zahlreiche persönliche Fouls verbucht haben, von ihren Trainern au
s dem Spiel genommen. Sobald Leistungträger betroffen sind, kann eine Partie rasch kippen.
Solange es aber keine Informationen darüber gibt, ob und, wenn ja, wie manipuliert wurde, bleibt alles reine Spekulation. Die NBA-Spitze ist allerdings übers Wochenende hellwach geworden. Das Gerücht, dass Spiele verschaukelt werden, kratzt am Lack des Milliardenunternehmens.

Nachtrag: Eine erste Auffälligkeit wurde inzwischen dokumentiert: Donaghy ist Mr. Whistle.

20. Juli 2007

Bericht über Wett-Mafia: Hat NBA-Schiedsrichter Spiele verschoben?

Man sollte die Meldung mit Vorsicht genießen (und nicht nur weil sie in der New York Post steht, Rupert Murdochs Version der Bild-Zeitung ). Man muss sie vor allen Dingen erst einmal herunterrechnen. Dann wird aus der Überschrift NBA in a "Fix" nämlich dieses: Dass das FBI ermittelt, ob ein Schiedsrichter in der Basketballliga Geld auf Basketballspiele gewettet hat, darunter "welche, in denen er in den letzten zwei Spielzeiten im Einsatz war". Das wäre, falls zutreffend zwar schlecht für die NBA, aber nicht halb dramatisch wie die Hoyzer-Enthüllungen aus dem deutschen Fußball. Denn in der NBA wird jede Begegnung von drei Unparteiischen gepfiffen. Wenn nur einer manipuliert, sind die Aussichten auf Erfolg nicht sehr groß. Aber auf der anderen Seite muss man davon ausgehen, dass die Ermittler nicht deshalb auf das Thema gestoßen sind, weil ihnen langweilig war und sie sich beim abendlichen Bier angesichts merkwürdiger Schiedsrichterentscheidungen gefragt haben: Könnte da vielleicht die Mafia dahinter stecken? Und die dann beschlossen haben: Lasst uns das mal genauer untersuchen. Vermutlich lief die Geschichte, zu der es bislang von den Behörden offiziell noch keine Stellungnahme gibt, etwa anders. Gewöhnlich tauchen solche Erkenntnisse im Rahmen anderer Ermittlungen auf. Wir nehmen mal an: Da hat jemand aus der Branche der illegalen Wettgeschäfte, als er in irgendeiner Angelegenheit zum Verhör vorgeladen war, den G-Men etwas freiwillig erzählt, um sich als potenzieller Angeklagter in eine bessere Position zu bringen.

Interessant aus Sicht von Sportfans ist allerdings: Ist das Ganze ein Einzelfall? Oder ist womöglich ein kleiner Ring Referees verwickelt? Und haben sie gemeinsam versucht, Spiele zu verschieben? Die Mafiosi und der - bislang nicht namentlich bekannte - Schiri sollen nach Angaben der Post in der nächsten Woche verhaftet werden. Dann werden tausende von Basketballanhängern durch die Spielstatistiken gehen und herauzulesen versuchen, ob es etwas Verdächtiges und Auffälliges gab. Bis dahin warten wir mal ab.
Blick zurück: NBA-Schiedrichter pfeifen je nach Hautfarbe des Spielers anders
Blick zurück: Sperre für einen Pfeifenkopf
Blick zurück: Was Profi-Schiedsrichter in den USA verdienen

18. Juli 2007

NFL-Quarterback Michael Vick auf die Anklagebank

Bis zu sechs Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe von bis zu 350.000 Dollar sind eine Menge Holz. Vor allem für das Ausrichten von Hundekämpfen. Aber das ist typisch für die USA, wo bei vielen Vergehen und Verbrechen exorbitante Strafandrohungen für relativ unbedeutende Aktivitäten im Spiel sind. Man nennt das Prinzip "Abschreckung". Es funktioniert nie, nicht mal bei Leuten mit einigermaßen Grips und Weitblick. Ob Michael Vick über Grips und Weitblick verfügt, wage ich nicht zu beurteilen. Dass jemand über ein beachtliches Talent verfügt, auf der intelligentesten Position einer Footballmannschaft, nämlich als Quarterback, zu bestehen, heißt ja nicht, dass er den Rest des Alltags überreißt. Im Gegenteil. Vick, mit 13 Millionen Dollar pro Jahr der am besten entlohnte Footballprofi nach Peyton Manning, wirkt bisweilen wie jemand, der denkt, dass er nach anderen Regeln lebt als der Durchschnittsbürger. Nun wurde er angeklagt, nachdem die Spurenfahndung den Garten seines Hauses auf der Suche nach Leichen von misshandelten Hunden umgegraben hatten. Die Anklageschrift bezieht drei weitere Verdächtige mit ein. Die NFL reagierte verhalten. Vicks Webseite reagierte noch gar nicht. Die Vorgeschichte aus Sicht eines amerikanischen Bloggers, der gewohnheitsmäßig hinter jedem Baum rassistische Amerikaner sieht, die versuchen, erfolgreiche Schwarze in den USA fertig zu machen.
Blick zurück: Die erste Meldung über die Probleme von Vick
Blick zurück: Die Nike-Connection und die Sache mit dem Decknamen "Ron Mexico"

30. Mai 2007

Verzwickt, verrückt, vervickt: Die Pitbull-Mafia und der Quarterback

Es ist das Los der Begabten: Sie sind oft ziemlich gelangweilt, weil sich die Welt um sie herum extrem langsam dreht. Nicht alle allerdings kommen dann auf die Idee, sich für Kampfhunde zu interessieren. So wie Michael Vick, der Quarterback der Atlanta Falcons. Das Thema beschäftigt inzwischen sogar die Behörden, die einen Durchsuchungsbefehl für ein Grundstück in Richmond/Virginia erwirkt haben, auf dem sie 30 eingebuddelte Hundeleichen vermuten. Das Haus haben sie schon inspiziert - und zwar im Rahmen einer Drogenfahndungsaktion. Bei der Gelegenheit entdeckten sie mehr als 60 Hunde, die Mehrheit Pitbull-Terrier, und einige Gegenstände, die den Verdacht aufkommen ließen, dass Vick Hundekämpfe organisiert. Der Footballprofi hat die Schuld auf Verwandte geschoben, denen er das Haus überlassen habe. Recherchen von ESPN zufolge sind auch andere Schlussfolgerungen möglich. Vick soll in einen illegalen Ring verwickelt sein, der Kampftermine ausrichtet, bei denen pro Fight mehr als 30.000 Dollar gesetzt werden.
Blick zurück: Der Arena-Post, in dem Vick als Nike-Werbefigur auftritt und über seine Genitalherpes-Affäre und seinen Spitzname berichtet wird. Wir nannten ihn "ziemlich überschätzt". Davon rücken wir nicht ab.
Blick zurück: Quarterback Tom Brady macht Schlagzeilen wegen zwei Frauen - eine heißt Giselle
Blick zurück: Quarterback Ben Roethlisberger lebt gefährlich

7. Mai 2007

Toto-Tricks für Anfänger: Kaufe alles, zahle dick drauf


Churchill Downs
Originally uploaded by Daniel Light.

Es kostete am Samstag exakt 13.680 Dollar, um beim Kentucky Derby mit Wettscheinen über den Mindestbetrag von 2 Dollar jeden denkbaren Einlauf auf den Plätzen eins, zwei und drei zu tippen. Es waren 20 Pferde am Start. Der Rest ist pure Mathematik. Die Einlaufwette, in den USA Trifecta genannt, ist attraktiv (wegen der Quote) und schwierig zu gewinnen, wenn Außenseiter das Rennen machen. Gut, dachte sich der Mann aus Rochester im Bundesstaat New York, dann kaufe ich einfach Wettscheine für alle denkbaren Permutationen. Das Resultat nach dem Sieg von Street Sense? Der Tot0 zahlte nicht mehr 400 Dollar. Der Mann war um mehr als 13.000 Dollar ärmer. Hier die Auszahlungsbeträge für einen erfolgreichen 2-Dollar-Wettschein in den vergangenen Jahren, die zeigen, dass die Strategie nur selten aufgeht:
2006: 11.418,40 Dollar
2005: 133.134,80 Dollar
2004: 987,60 Dollar
2003: 664,00 Dollar
2002: 18.378,20 Dollar
2001: 12.238,40 Dollar
(via Democrat and Chronicle)
Blick zurück: Der Vorbericht zum Derby mit Schwerpunkt Barbaro


4. Februar 2007

Super Bowl: Buchmacher und Wetter setzen auf die Colts - das könnte ins Auge gehen

Die ganze Sache mit der Statistik im Sport ist ziemlich wertlos, wenn man am Ende einer Analyse auf folgende Erkenntnis kommt: “Aber die Wahrheit ist, dass jeder etwa 50 mal gewinnen würde, wenn sie 100mal im Super Bowl spielen würden." Der Mann, der das laut New York Times von heute sagt, heisst Scott Berry, war früher mal Statistik-Professor an der Universität Texas A&M in College Station und wurde von der Zeitung gefragt, wie er denn die Auseinandersetzung zwischen den Indianapolis Colts und den Chicago Bears einschätzt. Die Vorgabe lautete: Wer gewinnt? Die Mannschaft mit der besseren Offense (Colts) oder das Team mit der besseren Defense (Bears)?

Mal abgesehen davon, dass jeder nicht etwa 50mal gewinnen kann, da es kein Unentschieden im Super Bowl gibt, sondern im Falle einer statistischen Nivellierung exakt 50mal gewinnen wird, denn sonst gäbe es einen Pegelausschlag in die eine (Offense) oder andere (Defense) Richtung, ist schon der Denkrahmen ziemlich blöd: 100 Super Bowls? Wann und wie werden die ausgetragen? Nacheinander? Jedes Jahr einer? Würden nicht bei einer solchen Versuchsanordnung irgendwann Verletzungen eine Rolle spielen (wer wird statistisch häufiger verletzt: Angreifer oder Verteidiger?) oder der zunehmende körperliche Verschleiß?

Solche Aussagen wirken wirklich nicht besonders werbewirksam für die Zunft der Arithmetiker, die langsam aber sicher Fortschritte in der Akzeptanz bei informationshungrigen Trainerstäben, Wettern und Fans macht. Zumal der Herr Professor auch noch erklärt, dass die bisher 40 Super Bowls keine besonders aussagekräftige Datenmenge abwerfen würden. Der Mann drückt sich. Dabei braucht er doch gar nicht die Zukunft voraussagen, sondern nur die Wahrscheinlichkeitsdimension errechnen.

Times-Reporter Smith hatte im Unterschied dazu keine Schwierigkeiten, auf ein paar historische Erkenntnisse zu verweisen: die Angriffsmaschine Buffalo Bills in den neunziger Jahren - viermal nacheinander im Super Bowl, viermal abgewatscht von Mannschaften mit einer Verteidigungsreihen, die im Laufe der regulären Saison bereits gezeigt hatten, dass sie wirkungsvoller arbeiten als die Defensive der Bills . Die Erfolge der San Francisco 49s unter Bill Walsh: drei Super-Bowl-Siege. Lag's nur an den Zauberkunststückchen von Joe Montana und der Empfangsstation Jerry Rice? Die Statistik besagt: Die Mannschaft war jeweils auf dem Papier bereits in der regulären Saison in der Defensive stärker als ihre Gegner im Finale.

Interessant? Ja und nein.

Nein, weil kein Spiel der Logik vorausgegangener historischer Datenansammlungen folgt. Es findet auf der Basis seiner ureigenen Vorgaben statt. Zu denen gehören das Wetter, die Platzverhältnisse vor Ort, die Fitness - körperlich und geistig - der Spieler und (nicht zu vergessen) der Trainer. Ja, weil die Buchmacher und die Wetter mit ihren Einsätzen landauf, landab den Colts einen ziemlich klaren Sieg zutrauen. Angesichts dessen fragt man sich: Nach welchen Kriterien riskieren Leute ihr Geld? Beschäftigen sie sich vorher mit den Parametern des Spiels oder spielen sie einfach nur Lotto?

Die Bears müssten die Favoriten sein. Die Bears, nicht die Colts.

Aber was prophezeit mein Lieblingsstatistiker David Berri von Wages of Win? Einen Sieg der Colts. Er lehnt sich so weit aus dem Fenster, dass man sich fragt, ob er alles liest, was er selber schreibt. Seine Prognose: 30:13 für Manning und seine Kohorte. Macht siebzehn Punkte Differenz. Das ist stattlich. Dabei hat er in seinem jüngsten Beitrag einen klugen Gedanken formuliert, der seiner eigenen Vorhersage ins Gehege kommt: Wenn man die beiden Quarterbacks Peyton Manning und Rex Grossman vergleicht (worauf ja die Pro-Colts-Spekulationen zurückgehen), kommt man zu folgender Erkenntnis: Grossman hat in den Playoffs besser gespielt als Manning. Man muss sich nur mal die Zahl der Interceptions anschauen. Und wenn eines bei einem Football-Spiel alles über den Haufen werfen kann, dann Ballverluste (durch Fumbles oder Interceptions).
Blick zurück: Die Entscheidungen der Trainer im Lichte der Statistik
Blick zurück: Schon vor Beginn der Playoffs gab es eine Prognose zu diesem Thema. Die Bears haben ihren Teil getan. Sie stehen im Finale

31. Januar 2007

Super-Bowl-Weisheiten, Folge 13: Das Milliardenspiel

"Im letzten Jahr wurden zum Super Bowl etwa 94,5 Millionen Dollar legal als Wetteinsätze in den Casinos von Nevada verbucht, die einzige Stelle, wo das Gesetz Sportwetten erlaubt. Die American Gaming Association, der Verband der Casino-Industrie, schätzt, dass Amerikaner jedes Jahr illegal bei der wichtigsten Football-Veranstaltung zwischen fünf und sechs Milliarden Dollar wetten. "
Aus einem Bericht im Wall Street Journal über das verbotene Vergnügen, das den Super Bowl erst zu einem Ereignis macht, bei dem fast jeder in den USA ein bisschen mitfiebert, und den neuesten Ableger dieser Freizeitbeschäftigung: Online-Wetten.