
Die Burschen von
outsports.com sind nicht scheu. In ihrer Selbstdarstellung erklären sie ihren Standort klipp und klar: "
Outsports ist ein Muss für alle in den etablierten Medien geworden, die mehr über das Thema Sexualität und Sport wissen wollen." Sie wissen nicht nur mehr. Sie spekulieren auch gerne mehr.
So kann man derzeit in der Geschichte über den Ex-NBA-Profi John Amaechi und sein offenes Bekenntnis zu seiner Homosexualität einen Hinweis auf einen Beitrag aus dem April 2001 finden, in dem darüber gemutmaßt wurde, welche Spieler und Ex-Spieler aus der Basketballszene schwul sein könnten.
Die Liste bestand damals aus zehn Namen und ist noch immer verfügbar. Zumindest in einem Fall weiß ich aus Gesprächen mit Homosexuellen, dass sie die Einschätzung teilen - die meisten haben einen geschulten Blick für den Gestus und die Körpersprache von In-the-Closet-Gays.
Amaechi war damals auch auf der Liste. Auf Platz 6.
Mit welchem Stigma schwule Sportler leben, wurde aus den Reaktionen von NBA-Spielern deutlich. Hier die Stellungnahme von LeBron James, einem Hoffnungs- und Imageträger, der mit 22 Jahren noch nicht ganz die aalglatte nichtssagende Art eines Tiger Woods oder Michael Jordan beherrscht (via
Sports On My Mind):
"Mit Mannschaftkameraden brauchst du Vertrauen. Und wenn du schwul bist und das nicht zugibst, dann bist du nicht vertrauenswürdig."
Eine andere Art und Weise, nur scheinbar durchdacht und intelligent, um homosexuelle Männer herunterzumachen. Denn wie kann einer nicht vertrauenswürdig sein, wenn er etwas nicht zugibt, was solange kein Thema ist, solange er es nicht zugibt?
Das Thema Amaechi und der seelische Druck von Schwulen und Lesben, in den Umkleidekabinen der Welt ihre Identität zu verleugnen, ist in den USA ein riesiges Thema. Ein Blick auf die deutschen Basketball-Blogs könnte einem das glatte Gegenteil glauben machen.
Hoopnation murmelt etwas von "Mid-Season Awards", als ob es so das überhaupt gäbe. Dazu ein Foto einer üppig ausgestatteten Dame (keine Basketballspielerin, nehmen wir an) mit Schnullermund und einem T-Shirt
Vote or Die. Die
Basketball-Blogs schweigen ebenfalls, haben aber noch unter "neueste Artikel" eine Abhandlung über die "Die Schlägerei im Madison Square Garden" aus dem Dezember, die es auch nicht gab (es war nicht mehr als ein heftiges Geschubse, bei dem ein einziger Schlag ausgeteilt wurde, der nicht mal richtig traf). Johannes Berendt von
Click and Roll auf der deutschen Seite von
nba.com hat auch andere Sorgen. Er bereitet seine Leser "behutsam auf das 56. All-Star Weekend vor", als wäre jede andere Form der Einstimmung einfach zu riskant.
Crossover ("Das Online-Basketball-Magazin"), mit einem Rattenschwanz von Namen im Impressum, hat auch noch niemanden gefunden, der das Thema anpacken will. Man diskutiert lieber solche hochbrisanten Fragen wie: "Bist du süchtig?" Wonach? Nach einer gelb-braunen Pille "in deinen Fingern", von der offensichtlich eine nicht näher bezifferte Gruppe von seelisch kranken Basketballfans abhängig sind. Was für eine Pille? Das vermag der Blog auf 100 Zeilen nicht zu sagen. Man muss vermuten, es handelt sich um den Ball.
Auch
Eurosport sitzt auf den Händen sowie die fetzigen Stehgeiger von
SpOn, die lieber die Geschichte von dem Bar-Zwischenfall aus Indianapolis ausschlachten, in den ein paar Pacers verwickelt waren, die aber zunächst noch alles abstreiten. So muss dann eine Frage erlaubt sein? Haben all die NBA-verrückten Blogger und Schreiber eine dunkle Brille auf, wenn es um Stoffe geht, in denen ein gesellschaftliches Problem angesprochen werden muss? Oder finden Sie das Thema - der erste ehemalige NBA-Spieler, der sich öffentlich zu seinem Schwulsein bekennt - einfach nicht wichtig? Nicht signifikant? Nicht erhellend? Falls ja, dann gute Nacht.
Blick zurück: Einer kommt aus dem Kleiderschrank - der erste Amaechi-Beitrag