Posts mit dem Label Homosexuelle werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Homosexuelle werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

18. Februar 2007

Amaechis Buch: Eine erhellende Kritik

Die drakonische Maßnahme von Commissioner David Stern, Ex-All-Star Tim Hardaway von den Festivitäten in Las Vegas auszuschließen, hatte den erhofften Effekt. Das Thema "Schwule in der NBA" ist damit so gut wie völlig aus der Berichterstattung verschwunden. Das ist der Lauf der Dinge. Ehe die Angelegenheit aber völlig vom Radarschirm verschwindet, hier ein Zitat aus der Buchkritik des Online-Magazins Slate, das aus den Memoiren von John Amaechi eine bemerkenswerte Beobachtung herauszog, die das Ganze I-Love-this-Game-Gedöns der Liga als pure Inszenierung einstuft.
"Die interessanteste Enthüllung in Man in the Middle hat nichts mit Homosexualität zu tun. Der extrem isolierte Ameachi sagt, dass er mit anderen Spielern zumindest in einem Punkt übereinstimmt: Darin dass sie Sport als Mittel zum Zweck betrachten. Er schreibt, dass die Profis das Spiel aus vielen Gründen betreiben - Geld, Ruhm, Groupies, Selbstwertgefühl - aber dass nur sehr wenige Spieler Basketball lieben. 'Der Fan zuhause... will, dass wir das Spiel so lieben wie er', schreibt er. 'Wenn er wüsste, warum wir wirklich die Sportart betreiben, würde er sie vielleicht nicht mögen. Er würde vielleicht noch nicht mal zuschauen.'"
Amaechi stellt in seine Buch keine Spekulationen darüber an, wer noch alles in der NBA schwul sein könnte. Er wagt nicht mal eine Behauptung über den Prozentsatz. Er war wohl immer ein sehr distanzierter Teilnehmer in einem Betrieb, zu dem er sich schon aus andere Gründen nicht sehr hingezogen fühlte. Slate-Autor :
"In Man in the Middle wirkt Amaechi wie ein Intellektueller - eine Kreatur, die der NBA fast so fremd ist wie ein Schwuler."



Vielleicht sollte dieses Fernsehinterview das Ganze abrunden: John Amaechi in der Sendung Real Time auf HBO mit Bill Maher, einem der am schärfsten denkenden politischen Komiker in den USA. Es gibt dem Thema nicht nur ein Gesicht, sondern auch eine Stimme. Und es ist bedeutend besser als das Video mit dem nackten Tim Hardaway in der Umkleidekabine zu zeigen, das Deadspin ausgegraben hat. Obwohl es unterstreicht eines der Statements, das Amaechi bei Real Time macht: angesichts des narzistischen Verhaltens so vieler NBA-Profis fragt sich mancher Homosexueller: Wer ist hier eigentlich schwul? (Video gefunden auf The Largest Mionority)

15. Februar 2007

Ex-NBA-Profi Tom Hardaway: "Ich hasse Schwule"


Nachdem eine Reihe von amerikanischen Bloggern aus dem gestrigen Radio-Interview mit Tim Hardaway zitiert haben, war es nur eine Frage der Zeit, bis ein Mitschnitt auftaucht. YouTube macht's möglich. Wer nicht weiß, um was es geht: Der Ex-NBA-Profi John Amaechi hat sich vor ein paar Tagen aus Anlass der Veröffentlichung seiner Memoiren als erster Basketballer in den USA dazu bekannt, homosexuell zu sein. Das Echo auf die Nachricht war beachtlich, aber nicht überwältigend. Die meisten aktiven Spieler lavierten sich so elegant wie möglich durch, als sie zu dem letzten großen Tabu-Thema des Sports befragt wurden. Ex-All-Star Tim Hardaway, einst bei den Golden State Warriors, später bei den Mimai Heat, ist der erste aus dem Milieu, der furchtlos durchblicken ließ, was er denkt: "Ich hasse Schwule", sagte er am Mittwoch in einem Radiointerview, das in Miami ausgestrahlt wurde. Seine Begründung wirft zum ersten Mal in der aktuellen Diskussion ein Licht darauf, wie groß die Furcht vor körperlicher Nähe in den Umkleidekabinen ist. So als hätten die meisten - riesige muskelbepackte Kerle - eine permanente Angst davor, von homosexuellen Mitspielern belästigt, wenn nicht sogar überwältigt und sexuell mißbraucht zu werden. Eine Angst, die vermutlich einer der Auslöser für die tiefe Verunsicherung von heterosexuellen Männern im Umgang mit Schwulen ist. Hardaway: "Wenn du zwölf andere Spieler in der Umkleidekabine hast, die aufgebracht sind und sich nicht konzentieren können und sich immer über ihn [den schwulen Kameraden] in der Kabine oder auf dem Spielfeld Sorgen machen, dann ist es schwer für deine Mannschaftskollegen zu gewinnen und ihn als Mitglied der Mannschaft zu akzeptieren.
Blick zurück: Die Reaktionen auf Amaechis Bekenntnis. Übrigens haben in Deutschland inzwischen einige Medien über das Thema berichtet.

14. Februar 2007

Freddy Mercury und Queen: "We Are the Champions"

Als neulich die Geschichte mit dem ehemaligen britischen NBA-Profi John Amaechi hochkam, der sich als erster Profi-Basketballer in den USA öffentlich zu seiner Homosexualität bekannte und ein Buch veröffentlichte, hatte Mark Cuban mal wieder einen seiner gefürchteten Geistesblitze. Diesmal funkte es in der Dallas Morning News: "Von der Vermarktung her gesehen solltest du dich outen, wenn du zufälligerweise schwul bist und unglaublich reich werden willst. Du würdest für mehr Amerikaner zum Held als du das als Sportler sein könntest. Und das würde bedeuten, dass du Geld verdienen kannst." Merke: Es kann richtig viel bringen, schwuler Sportler zu sein. Die Stigmatisierung erträgst du mit einem Lächeln. So wie Mark Cuban das eben erträgt, dass ihn jeder für einen durchgeknallten Typen hält und von NBA-Commissioner David Stern mit Geldstrafen belegt wird. Wie man sieht: er verkauft sich und seine Arbeit bestens und verdient auf diese Weise Geld wie Heu.

Schwer zu sagen, weshalb einem in einem solchen Moment der Song We Are the Champions einfällt. Sicher nicht, weil Freddy Mercury, der an AIDS zugrunde, Geld wie Heu verdient hat. Eher, weil man sich fragt, wie seine Karriere verlaufen wäre, wenn er von Anfang an öffentlich zu seiner Homosexualität gestanden hätte. Und was dann mit diesem Lied geworden wäre: We Are the Champions, die Sport-Hymne schlechthin. Es gibt keine bessere Aufnahme von Freddy Mercury und Queen bei YouTube als den Mitschnitt vom Live-Aid-Konzert in Wembley 1985. Energie pur. Bühnepräsenz. Hervorragender Sound auch ohne Soundcheck. Mercury starb vor 15 Jahren.

8. Februar 2007

Reaktionen auf Amaechis Bekenntnis: Ganz viel Geklapper in den USA und Schweigen in Deutschland

Die Burschen von outsports.com sind nicht scheu. In ihrer Selbstdarstellung erklären sie ihren Standort klipp und klar: "Outsports ist ein Muss für alle in den etablierten Medien geworden, die mehr über das Thema Sexualität und Sport wissen wollen." Sie wissen nicht nur mehr. Sie spekulieren auch gerne mehr. So kann man derzeit in der Geschichte über den Ex-NBA-Profi John Amaechi und sein offenes Bekenntnis zu seiner Homosexualität einen Hinweis auf einen Beitrag aus dem April 2001 finden, in dem darüber gemutmaßt wurde, welche Spieler und Ex-Spieler aus der Basketballszene schwul sein könnten. Die Liste bestand damals aus zehn Namen und ist noch immer verfügbar. Zumindest in einem Fall weiß ich aus Gesprächen mit Homosexuellen, dass sie die Einschätzung teilen - die meisten haben einen geschulten Blick für den Gestus und die Körpersprache von In-the-Closet-Gays. Amaechi war damals auch auf der Liste. Auf Platz 6.

Mit welchem Stigma schwule Sportler leben, wurde aus den Reaktionen von NBA-Spielern deutlich. Hier die Stellungnahme von LeBron James, einem Hoffnungs- und Imageträger, der mit 22 Jahren noch nicht ganz die aalglatte nichtssagende Art eines Tiger Woods oder Michael Jordan beherrscht (via Sports On My Mind):
"Mit Mannschaftkameraden brauchst du Vertrauen. Und wenn du schwul bist und das nicht zugibst, dann bist du nicht vertrauenswürdig."
Eine andere Art und Weise, nur scheinbar durchdacht und intelligent, um homosexuelle Männer herunterzumachen. Denn wie kann einer nicht vertrauenswürdig sein, wenn er etwas nicht zugibt, was solange kein Thema ist, solange er es nicht zugibt?

Das Thema Amaechi und der seelische Druck von Schwulen und Lesben, in den Umkleidekabinen der Welt ihre Identität zu verleugnen, ist in den USA ein riesiges Thema. Ein Blick auf die deutschen Basketball-Blogs könnte einem das glatte Gegenteil glauben machen. Hoopnation murmelt etwas von "Mid-Season Awards", als ob es so das überhaupt gäbe. Dazu ein Foto einer üppig ausgestatteten Dame (keine Basketballspielerin, nehmen wir an) mit Schnullermund und einem T-Shirt Vote or Die. Die Basketball-Blogs schweigen ebenfalls, haben aber noch unter "neueste Artikel" eine Abhandlung über die "Die Schlägerei im Madison Square Garden" aus dem Dezember, die es auch nicht gab (es war nicht mehr als ein heftiges Geschubse, bei dem ein einziger Schlag ausgeteilt wurde, der nicht mal richtig traf). Johannes Berendt von Click and Roll auf der deutschen Seite von nba.com hat auch andere Sorgen. Er bereitet seine Leser "behutsam auf das 56. All-Star Weekend vor", als wäre jede andere Form der Einstimmung einfach zu riskant. Crossover ("Das Online-Basketball-Magazin"), mit einem Rattenschwanz von Namen im Impressum, hat auch noch niemanden gefunden, der das Thema anpacken will. Man diskutiert lieber solche hochbrisanten Fragen wie: "Bist du süchtig?" Wonach? Nach einer gelb-braunen Pille "in deinen Fingern", von der offensichtlich eine nicht näher bezifferte Gruppe von seelisch kranken Basketballfans abhängig sind. Was für eine Pille? Das vermag der Blog auf 100 Zeilen nicht zu sagen. Man muss vermuten, es handelt sich um den Ball.

Auch Eurosport sitzt auf den Händen sowie die fetzigen Stehgeiger von SpOn, die lieber die Geschichte von dem Bar-Zwischenfall aus Indianapolis ausschlachten, in den ein paar Pacers verwickelt waren, die aber zunächst noch alles abstreiten. So muss dann eine Frage erlaubt sein? Haben all die NBA-verrückten Blogger und Schreiber eine dunkle Brille auf, wenn es um Stoffe geht, in denen ein gesellschaftliches Problem angesprochen werden muss? Oder finden Sie das Thema - der erste ehemalige NBA-Spieler, der sich öffentlich zu seinem Schwulsein bekennt - einfach nicht wichtig? Nicht signifikant? Nicht erhellend? Falls ja, dann gute Nacht.
Blick zurück: Einer kommt aus dem Kleiderschrank - der erste Amaechi-Beitrag

7. Februar 2007

Super-Bowl-Nachlese: Snickers-Werbespot nach Protesten zurückgezogen


Das Thema Homosexualität und Sport kommt in den USA jetzt erst richtig in Fahrt. Just zu jenem Zeitpunkt, da sich der erste Ex-NBA-Profi zu seinem Schwulsein öffentlich bekennt und in einem Buch seine Erfahrungen in der Liga schildert, hat sich das Thema im Nachgang des Super Bowl auf andere Weise hochgeschaukelt. Wer verstehen will, um was es geht, muss sich den Werbespot anschauen, der während der Übertragung am Sonntag ausgestrahlt wurde: Da beugen sich zwei Mechaniker über den Motorraum und teilen sich einen Schokoriegel der Marke Snickers. (Die hatten früher mal richtig witzige sportbezogene Commercials. Dieser ist extrem daneben.) Aber weiter im Text: Jeder der beiden hat ein Ende des Riegels im Mund und kaut sich vorwärts, bis sich ihre Lippen berühren. Plötzlich begreifen, dass dies auch als Kuss verstanden werden könnte und als unmännlich. Und so schlägt einer vor, dass sie etwas sehr Männliches tun: sich unter Schmerzen riesige Büschel Haare von der Brust reißen, um diesen Spuk vergessen zu machen. Das ist die Pointe. Mehr nicht. Produktionskosten: 2 Millionen Dollar. Kosten für die Ausstrahlung: 2,5 Millionen Dollar.

Die Kontroverse dreht sich darum, dass sich viele Homosexuelle von einer solchen Darstellung verächtlich gemacht fühlen und dies auch laut kundtun. Also hat die Mutterfirma Mars den Spot vom Markt genommen, anstatt ihn weiter einzusetzen, schreibt die Washington Post. Man habe einfach nur lustig sein wollen, aber niemanden kränken. Lustig ist die Werbewirkung einer solchen Diskussion. Die erreicht ihren eigentlichen Zweck. Die Erinnerung an einen eingeführten Namen wachrütteln.
Blick zurück: Der erste ehemalige NBA-Spieler sagt: Ich bin schwul

6. Februar 2007

Einer kommt aus dem Kleiderschrank: Homosexuelle im Sport

Neulich haben die Leute von Rund in Deutschland ziemlich viel Aufmerksamkeit mit einer Geschichte über Homosexualität im Fußball erzeugt. Selbst das Frühstücksfernsehen wollte es genauer wissen und lud einen Vertreter des Magazins zu einem langen, aber ziemlich dünnen Interview ins Studio. Der Grund, weshalb solche Gespräche so dünn sind, ist ganz einfach: Wer keine Namen nennen kann oder will, kann keine Belegarbeit leisten. Und das ist die Aufgabe von Journalismus zuallererst - die ganz konkrete, nachvollziehbare Darstellung des Sachverhalts - nicht das Konzept, eine wirklich kitzlige Angelegenheit seelsorgerisch mit dem Mantel der Anonymität zu bedecken. Das soll niemand als Vorwurf an das Magazin bewerten, wo man sich zumindest die Mühe macht, das Thema überhaupt anzupacken. Das ist Kritik an einer Haltung, die glaubt, diese Art von Aufklärung sei wirklich hilfreich. Dazu müssen die schwulen Männer und lesbischen Frauen wohl schon selber ins Rampenlicht treten und sagen, was sie zu sagen haben. Nur so kam die Frauenbewegung in Gang ("Ich habe abgetrieben" - eine Attacke gegen die Strafandrohungen des damaligen Paragraphen 218) und nur so (man denke an Rosa von Praunheim und seinen ersten Film "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation in der er lebt") wurden Gleichberechtigungsbewegungen losgetreten, zu deren Resultaten es gehört, dass es heute in vielen Ländern den Status der Ehe oder Alternativen zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern gibt. Was hätte sich geändert, wenn die Protagonisten in den letzten 30 Jahren zu feige gewesen wären, um öffentlich zu sagen, dass sie keine Lust mehr haben, sich als Menschen zweiter Klasse zu fühlen? Nichts wäre passiert.

In den USA kursieren seit gestern Spekulationen, dass sich ein ehemaliger NBA-Spieler zu dem Schritt durchgerungen hat und aus dem Kleiderschrank herauskommen will, wie das hier so schön heißt ("coming out of the closet"). Vorwitzige Blogs nennen bereits einen Namen und bringen Bilder und sind sicher, dass es sich um einen Mann aus Großbritannien handelt, der bei den Utah Jazz unter Vertrag war. Das kann richtig sein oder auch falsch (was sicher grenzenlos peinlich wäre). Aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Nur so bekommt das Thema - Homosexuelle im Sport - ein Gesicht. Das Gesicht des Reporters von Rund, der eine Geschichte über das Thema schreibt, kann das nicht leisten.

Ergänzung am Mittwoch, einen Tag danach: Der fragliche Spieler heißt John Amaechi. Das hat sein Pressemann offiziell verlautbart und wurde von AP gemeldet. Die Blogger hatten richtig spekuliert.