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21. November 2009

Lecker Mädchen

Wenn man als erster Sportler von einem erstklassigen Eiskrem-Hersteller mit einer eigenen Sorte geehrt wird, muss schon irgendetwas an diesem Athleten dran sein. Zumindest kann Hannah Teter Gedichte schreiben. Und sie hat auch keine Probleme, sie zu rezitieren. Mit solchen und anderen Auftritten, bei denen sie immer so aussieht, als könnte sie keiner Fliege etwas antun, macht sie seit dem Olympiasieg von Turin in der Halfpipe hervorragende Geschäfte. Teter und die besagte Eiskremfirma Ben & Jerry's kommen übrigens beide aus dem kleinen Bundesstaat Vermont. Genauso wie die erfolgreiche Snowboard-Company Burton. Was zeigt, dass in den USA auch abseits der ausgetretenen Pfade bemerkenswerte Erfolge entstehen.

Das Gedicht hat den Titel Wise Eyes. Die Eiskremsorte hat den Namen Hannah Teter's Maple Blondie. Was auf eine weitere Errungenschaft von Vermont hinweist: Auf den Ahorn-Syrup, den man in dem Landstrich jeden Winter in rauhen Mengen abzapft und verarbeitet.
Blick zurück: Die Nackedei-Bildchen auf den Brettern von Burton

16. Dezember 2008

Schlechte Zeiten – gute Zeiten

Ich nehme an, dass hier eine Reihe von Lesern vorbeikommen, die sich durchaus für die Entwicklungen der Bloggerei interessieren. Und vor allem über das Potenzial dieser neuen Form einer irgendwie unstrukturierten, aber dennoch unablässigen Mitteilsamkeit. In den USA sind das inzwischen Millionen. Von denen sitzen hunderttausende an ihren Computern und schreiben. Der Rest sitzt an Computern und liest und fügt Kommentare hinzu.

Ja, Millionen. Wenn man die Bloggerei nur aus dem Blickwinkel der deutschen Medienentwicklungen betrachtet, erhält man hingegen ein ganz anderes Bild. Da kann man bestenfalls von Zehntausenden reden. Irgendetwas an der deutschen Mitteilsamkeit (die sich an und für sich von der amerikanischen überhaupt nicht unterscheidet) produziert das Milieu des kleinen Kreises. Was ist damit gemeint? Das sind zuallererst Salonmedien, in denen Menschen mit inhaltlichen Ansprüchen etwas inszenieren, in dem sich nur ein gewisser, gehobener Ausschnitt des Publikums mit seinen Interessen widergespiegelt sieht. Dagegen spricht ganz und gar nichts. Das Kommunizieren im kleinen Kreis hat sogar seine Qualitäten. Es sind schließlich Gehversuche. Und die werden nur Leuten gelingen, die einen Sinn für mediale Hin und Her haben. Aber auf große Klickraten kommt man auf diese Weise nicht.

Das Phänomen erinnert einen an unterschiedliche Phasen in der Nachkriegszeit. An die mageren Jahre bemühter (west)deutscher Schriftstellerei in den Siebzigern und Achtzigern, die von den zwangskasernierten Autoren in der DDR qualitativ um Längen leicht und locker geschlagen wurde. Und an die irrsinnige Blüten treibende Zeit des deutschen Autorenfilms, der damals von Fernsehgeldern und Steuersubventionen getragen wurde und Filme entstehen ließ, die auf dem Papier und in den entscheidenden Gremien Wirkung entfalteten. An der Kinokasse waren mehr als 90 Prozent lupenreine Flops. Es kursierte damals die Geschichte von einem Film (dessen Titel mit beim besten Willen nicht mehr einfällt), der nach weniger als einer Woche und keinen hundert Zuschauern total für immer aus der Distribution verschwand. Viele dieser Arbeiten waren einfach nur bemüht, wenn nicht sogar regelrecht schlecht und sorgten dafür, dass sich irgendwann der einflussreiche Kritiker der Zeit, Hans-Christoph Blumenberg, nachdem er sich das Treiben lange mit sehr viel Wohlwollen angeschaut hatte, an die Schreibmaschine setzte und die längst fällige Abrechnung zusammentippte. (Blumenberg wurde später selber Regisseur und gehört heute zu den besten im Land. Damals wurde er von vielen Subventionskünstlern verrissen). Zehn Jahre waren da bereits ins Land gezogen. Zehn verlorene Jahre.

Bücher und Filme kann man mit der Bloggerei auf der fundamentalen Ebene überhaupt nicht vergleichen. Man braucht keine Finanziers, man hat keine technischen Herstellungskosten und und muss sich nicht durch die klassischen Vertriebswege plagen. Aber auf einer anderen Ebene sind die drei Medienkonstellationen durchaus miteinander zu vergleichen. Ohne ein zahlenmäßig nennenswertes Publikum können sie sich nicht durchsetzen. Nicht im Buchmarkt, nicht in den Kinos. Und nicht im Internet.

Das ist besonders in diesen Tagen von Belang. Denn die massive wirtschaftliche Flaute bietet vielen low-cost-Produzenten enorme Chancen auf exakt diesem Markt. Nehmen wir New York. Klar, Wall Street entlässt hochbezahlte Leute. Die Auswirkungen von dort auf andere Branchen sind deutlich zu spüren. Die Autobranche leidet auch. Shops mit teuren Klamotten machen zu. Aber meine Pizzeria um die Ecke in New York meldet mehr Kundschaft. Wal-Mart, der billige Jakob mit dem Schund aus China, hat Umsatzzuwächse in einer Größenordnung von zehn Prozent. Merke: Wenn die Zeiten schlecht sind, substituieren Verbraucher und weichen auf preiswertere Anbieter von Waren und Dienstleistungen aus. Ich wette, Aldi, die bereit smit tausend Filialen im Land sind, und die ebenfalls Aldi gehörende qualitativ darüber angesiedelte Kette Trader Joe, haben Expansionspläne. Sie bieten die Preise, die Leute zu zahlen bereit sind. Und die Qualität ist in den meisten Fällen durchaus akzeptabel.

Zurück zu diesem Thema: Blogger sind die kostengünstigsten Informations- und Meinungslieferanten im Medien-Mix. Und als Konsequenz sicher auch die preiswertesten im Anzeigen/Werbegeschäft. Und so profitieren sie in den USA tatsächlich in einem kleinen, aber auffälligen Rahmen von der Krise (während die Riesenverlage Leute entlassen müssen, weil die Anzeigenumsätze einbrechen und aufgrund der krassen Sparmaßnahmen zunehmend schwächere Produkte herstellen). Man kann davon ausgehen, dass sich dieses Phänomen auch in Deutschland zeigen wird. Dass Werbeagenturen anfangen werden, ihre Kunden auf neue und preiswertere Wege einzunorden, um die Botschaften und Slogans unters Volk zu streuen.

Natürlich passieren solche Umwälzungen nicht von heute auf morgen und bedeuten, dass sich Blogger der Werbewirtschaft öffnen müssen (genauso wie die Werbewirtschaft begreifen muss, dass sie über Blogs ein intelligentes, neugieriges Publikum erreichen kann, dass die für das gleiche Geld nirgendwo sonst antreffen wird). Aber ich dachte, so kurz vor Weihnachten, wäre es schon mal ganz gut, etwas Optimistisches zu verbreiten.

30. September 2008

Bewusstseinsspaltung als Geschäftsmodell

In der Sprache der Washingtoner Politik heißt so etwas to play it both ways, wenn jemand versucht, die beiden Positionen in einem unüberbrückbaren Meinungsunterschied einzunehmen. Den passenden Ausdruck für die Werbeindustrie wird es sicher auch geben. Denn wenn eine Firma wie Sony Erickson einerseits Fußballfans in Werbespots lächerlich macht und andererseits einen Haufen Geld ausgibt, um bei der WM 2010 als Sponsor mitzumachen, fällt so etwas den Leuten natürlich auf. Peyton Manning, der in vielen Werbefilmen auftaucht, aber nie überzeugt, weil er eine furchtbare, gepresste Art des Redens pflegt, wird einem durch solche Auftritte nicht sympathischer (via The Big Lead)

11. September 2008

Die Hier-Bin-Ich-Strategie

Für alle, die sich etwas unter einem soft launch vorstellen können und die sich für das Wohl und Wehe des größten Sportausrüsters der Welt interessieren: Der alte Slogan Just Do It wird wohl allmählich wirklich zu alt. Der neue ist im Anmarsch. Vorerst nur für die Zielgruppe "Frauen in Europa", von denen vermutlich sehr viele an den schicken Puma-Sachen hängen oder vielleicht auch an Adidas oder deren Tochterfirma Reebok. Die neue Aussage heißt Here I Am und wird in New York schon jetzt verspottet. Dort denkt man bei der Zeile an schlechten Sex. Unsereins denkt an die Scorpions. Aber wahrscheinlich war das die Idee: Jeder soll an etwas anderes denken und trotzdem immer auch an Nike.

29. Januar 2008

Online-Sportmedien in den USA: Investitionen zahlen sich aus

Hier ist mal wieder eine Zahl, die Verantwortlichen in Verlagen, Fernsehanstalten und anderen ambitionierten Schaltstellen altehrwürdiger, eingerosteter Medienpipelines wach machen könnte: Sportseiten im Internet haben im Jahr 2007 in den USA einen Werbeumsatz von mehr als 500 Millionen Dollar erzielt. Die Projektion von hier und heute aus lautet: Das wird sich in den kommenden vier Jahren verdoppeln. Warum es das tut, ist leicht zu verstehen. Die Medienverbraucher vor allem in der so begehrten Zielgruppe 25 bis 49, Untergruppe männlich, schalten ein. Und zwar im großen Stil. Dafür wie man sie einfängt, gibt es viele Ansätze. Vier sind in den Vereinigten Staaten besonders weit voraus: yahoo!, ESPN, AOL und Fox. Die eigentliche Überraschung bislang ist der Erfolg von yahoo! sagt dieser Artikel aus dem Wirtschaftsmagazin Fast Company. Dort sind mittlerweile 50 richtig gute Leute, darunter hervorragende Autoren, fest unter Vertrag. Der Arbeitsbereich Blogs wurde soeben von Jamie Mottram übernommen, der vorher bei AOL das Fanhouse aufgebaut hatte.

Man darf sich bis auf weiteres ausmalen, dass sich in Deutschland niemand mit Einfluss und Visionen für solche Entwicklungen interessiert. Man braucht sich nur die jüngsten Debatten um Jessens Video-Blog und die ekligen Kommentare anzuschauen, die er sich eingefangen hat. Die Debatten (nicht die ekligen Kommentare) wirken tatsächlich so, als gäbe es aus Sicht des Medien-Establishments derzeit nur eine vordringliche Aufgabe: Kontrollmechanismen und Sperrgitter einzurichten, um die ungelenkte und forsche Masse der Leser zu bremsen, die sich online ihre Wege bahnt und breit trampelt. So als wäre am Internet und an seinen neuen Informationsvermittlungsentwicklungen vor allem eines falsch: Dass es nicht von einer großen Koalition der Bildungsbürger, Kulturhoheits- und Bedenkenträger zu einer Schablone der Langeweile und Deformation degradiert werden kann. Dass es nicht in diesen prototypischen Bahnhofskiosk verwandelt werden kann, dem Sinnbild des deutschen Medienelends: Er bietet viel Buntes. Aber sucht man nach Substanz, findet man nichts, was einen interessiert.

Dabei: Wenn man sich wirklich mal mit den USA beschäftigt, wird man erkennen, dass sich auch Internet kommerziell erfolgreiche Konzepte durchsetzen werden, die idealistischeren Anbietern das Publikum abjagen werden. Und der werbetreibenden Industrie das Geld. Mit anderen Worten: Auch die die ungelenkte und forsche Masse aus dem Internet lässt sich lenken. Dazu braucht man aber Leute, die erstmal begreifen, was online passiert. Und die nicht denken, es handele sich dabei um eine Kopie des Gedruckten.

30. Dezember 2007

Möbelkette verschenkt Ware, wenn die Packers den Super Bowl gewinnen

Von all den Dingen, die man zwischen Weihnachten und Neujahr erledigen kann, gilt das Kaufen von Möbeln nicht unbedingt als besonders vordringlich. Das weiß natürlich auch die Fonti-Familie in Wisconsin, die acht Möbelgeschäfte betreibt. Und deshalb hat man sich eine besondere Idee ausgedacht. Wer bis zum 1. Januar einschließlich kommt und einkauft, muss nichts bezahlen, wenn die Green Bay Packers Anfang Februar den Super Bowl gewinnen. Die NFL-Mannschaft aus Wisconsin spielt in dieser Saison so gut wie schon lange nicht mehr und gilt als sichere Bank für das Conference-Finale der NFC. Das Risiko, bei diesem Werbegag Geld zu verlieren, ist also gar nicht mal so gering. Die Ladenkette macht keine Auflagen. Kunden können so viel ordern, wie sie wollen. Die Firma hat sicherheitshalber eine Versicherung abgeschlossen, um den Schadensfall zu begrenzen.

25. Oktober 2007

Ballistik für Filzfans

Tennis wird erst in Tateinheit mit Sachbeschädigung so richtig schön. Oder: Wie die ATP wildfremde Leute davon überzeugen will, dass sie beim nächsten Turnier mit Roddick und Federer einschalten.
via ballhype.

30. August 2007

Das Nike-lodeon spielt komische Töne


Wir haben damit einen Tiefpunkt in der Werbung für Fußballschuhe und Trikots erreicht: ein PR-Manager, der einen Text abliest und nicht mal das gut hinbekommt, nimmt sich selbst mit einer Kamera auf und stellt das Video ins Internet. Solchen Humor muss man erstmal haben, um von dort aus nicht auf die Qualität des Projekts selbst zu schließen - den Reisebus, der für die amerikanische Frauennationalmannschaft werblich unterwegs ist. Jener Teil der Kampagne, den Trainer Baade ausgelotet und gelobt hatte ("Warum sehe ich so etwas Gelungenes... nie von deutschen (National-)Mannschaften?") finde ich auch gut. Aber das hier? Das soll adidas Angst machen?

3. Juli 2007

Biathlon für Zyniker - Werbung für einen Fernsehkanal


Biathlon ist nicht spannend. Weshalb sich vermutlich schon so mancher zuhause auf der Couch überlegt hat, wie man es spannender machen kann. Hier eine Idee aus Frankreich, die zumindest mal in einen Werbesport umgegossen wurde, damit man sie evaluieren kann (dies ist die Version mit einem englischen Kommentator). Warnung: Der Clip ist etwas für Zyniker, denen es im Sport viel human zugeht. Aber sicher auch eine Möglichkeit, um den nãchsten Austragungsort der Winterspiele zu ermitteln. Erst recht, nachdem der Norweger Gerhard Hellberg erzählt hat, wie unredlich es dieser Tage bei der Vergabe zugeht. Die Lektion aus der Erfahrung rund um die Bewerbung von Salt Lake City will niemand anwenden. Ehrliches Buhlen scheint aus der Mode gekommen zu sein. Die Entscheidung für 2014 wird am Mittwoch im Rahmen einer IOC-Veranstaltung in Guatemala getroffen.

27. April 2007

Ein Illusionskünstler arbeitet für die NBA. Gut für die Quote?

Wo war David Blaine vor einem Jahr, als ihn die Dallas Mavericks bestimmt gerne eingesetzt hätten, um den Miami Heat vorzumachen, dass sie die meisterliche Mannschaft sind? Er war wohl beschäftigt. In diesem Jahr wurde er von der NBA zumindest für einen Werbespot zur Finalserie verpflichtet, der am letzten Wochenende in Philadelphia gedreht wurde. Wer ist David Blaine und warum Philadelphia, wo die 76ers zu Hause sind, die es nicht mal bis in die Playoffs geschafft haben? Teil eins lässt sich beantworten: Wofür gibt es schließlich Wikipedia. Er hat mal als Magier angefangen und produziert seit ein paar Jahren Stunts, die es jedes Mal bis ins Fernsehen schaffen: Er hat sich 1999 in New York sieben Tage in einem gläsernen Sarg einbuddeln lassen, er hat sich 2000 mehrere Tage am Times Square in einen Eisblock einschließen lassen. Er hat sich 2003 in London 44 Tage in einem weit sichtbaren Plexiglas-Verschlag aufgehalten. Dann kam die Unterwasser-Arie in einer gläsernen Kugel im Jahr 2006. Was es für die NBA sein wird, wissen wir noch nicht. Nur dass es nicht halb so lange gedauert haben kann.

25. April 2007

Der Golf-Werbespot, den keiner sehen soll: Alkohol am Steuer


Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Leute von TaylorMade die kleine Provokation bewusst geplant haben, um ihre Werbefigur John Daly und den neuen Maxfli-Ball ins Gespräch zu bringen. Aber wenn man sich den Werbespot mal genauer anschaut, wird man das nicht mehr annehmen. Er ist einfach zu schlecht. Der dicke fette Golfer Daly ist ein schlechter Sänger. Das Ambiente, in dem er gezeigt wird, ist so was von daneben. Aber: Dank YouTube kann sich jetzt das Publikum in den USA selbst eine Meinung bilden. Dies nachdem der Fernsehsender CBS sich geweigert hatte, den Commercial auszustrahlen und ein paar Zeitungen dies als Akt der Zensur vermeldet hatten. Was stört die TV-Leute? Dass Daly mit Bier herumhantiert, während er eine Golfkarre fährt. Verdacht auf Alkohol am Steuer - oder so. Natürlich könnte man die Stelle herausschneiden, ohne damit die künstlerische Substanz dieser Arbeit zu reduzieren. Aber vorläufig tut man bei der adidas-Tochter TaylorMade so, als würde das die Integrität dieses Machwerks ruinieren.

27. März 2007

Die alte Krankheit des Fußballmarketings: Vergleiche mit anderen Sportarten

Der Fernsehsender ESPN probiert es in diesen Tagen mit seiner Werbung für Major League Soccer mit einem alten edukativen Stilmittel. Drei Commercials (abrufbar hier in der ESPN MediaZone) wurden gebastelt. Und jeder nimmt eine andere populäre Sportart auf den Kieker - Baseball, Football, Basketball - und zeigt anhand von ein paar Zeichnungen und einer Sammlung von Spielszenen, dass Fußball die Pluspunkte dieser Sportarten durchaus besitzt. Das Problem sei nur, dass die Zuschauer das alles einfach noch nicht wüssten, sagt die Zeile am Schluss: "You're a fan. you just don't know it yet". Das wird die eingefleischten amerikanischen Fußballfans fuchsen. Denn eine solche Ausrichtung bedeutet, dass der Sender bei den Übertragungen vor allem das Publikum ansprechen will, die noch keine Stammkunden sind. Und unter dieser Plage leidet die Fußballberichterstattung seit Jahrzehnten. Viele hatten wohl gehofft, dass sich die Prioritäten mit Beckhams Eintreffen ändern. Nicht hier. Nicht jetzt (via The Offside).

24. März 2007

Der Beckham-Effekt: Erstmals Fernsehgeld für US-Fußball-Liga

Beckham macht's möglich: Zwischen 3,5 und 5 Millionen Dollar soll der Trikotsponsoren-Vertrag bis 2011 jedes Jahr bringen, den Los Angeles Galaxy mit der Nahrungsergänzungsmittel-Firma Herbalife abgeschlossen hat. Das schrieb das Wall Street Journal am Freitag (online nur für Abonnenten erhältlich), das überraschenderweise ein relativ positives Licht auf den Club und Major League Soccer warf und die Geschichte als Aufmacher im Marketplace-Bund druckte. Überschrift: "US Fußball-Liga hofft endlich ein Tor zu schießen". Positiv herausgehoben wird der Vertrag mit der Bundesliga, der neue Wettbewerb zwischen MLS-Clubs und Mannschaften aus Mexiko, die Zusammenarbeit zwischen den Colorado Rapids und Arsenal und die Tatsache, dass die Liga erstmals richtiges Geld vom Fernsehen bekommt: 20 Millionen Dollar pro Saison. Die Zuversicht, die aus dem Artikel spricht, wird die Ligaverantwortlichen freuen: Das Blatt hat eine Auflage von mehr als einer Million pro Tag und ist Pflichtlektüre von allen, die in der Finanzindustrie und in Topmanagementpositionen arbeiten. Die Einkünfte aus dem Herbalife-Vertrag liegen damit ein gewaltiges Stück unter der Zahl, die vor ein paar Wochen als Spekulation in die Welt gesetzt wurde.

16. März 2007

Dirk und Steve - warum haben sie keine lukrativen Werbeauftritte?

Der sehr lesenswerte amerikanische Blog sports media watch hat eine Frage aufgeworfen, die sich nicht erst seit dem brillanten NBA-Spiel zwischen den Dallas Mavericks und den Phoenix Suns am Mittwoch aufdrängt, das die beste Einschaltquote der laufenden Saison erzielte. Wieso haben Steve Nash und Dirk Nowitzki eigentlich keine Werbeverträge mit Firmen, die die Basketballprofis in Werbespots einsetzen? LeBron James hat es, und der ist nicht mal ein MVP-Kandidat. Dwayne Wade hat es, dabei kann seine Mannschaft froh sein, wenn sie in die Playoffs kommt. Allen Iverson hat es, und der ist nicht mal der beste Mann in seiner neuen Mannschaft am Fuß der Rocky Mountains. Eigentlich hat man nur bei Shaquille O'Neal das Gefühl, das alles passt: die Erfolge der Vergangenheit, der Bekanntheitsgrad, seine humorvollen Sprüche und seine Reklame für Produkthersteller.

Bei der Antwort auf die Frage stößt man zu erst einmal auf ein paar offensichtliche Aspekte: Nash und Nowitzki sind Ausländer. Gegen die wird zwar in den USA nicht diskriminiert. Aber einen Beliebtheitswettbewerb gewinnen Zugereiste nur ganz selten (von Ausnahmen wie dem Chinesen Yao Ming abgesehen - siehe sein Werbeauftritt für eine Kreditkartenfirma hier). Obendrein sind Nash und Nowitzki zwei ernsthafte Menschen, die sich schwer tun in einer Rolle als Werbefiguren. Man denke nur Nowitzkis NBA-Spot vor zwei Jahren, als er einen Mann spielte, der seiner großen Liebe - der Meisterschaftstrophäe - permanent Nachrichten auf dem Anrufbeantworter hinterlässt.

Nash hat außerdem einen ausgeprägten politischen Sinn und ganz offensichtlich das Gefühl, dass er als Basketballer bereits hinreichend Geld verdient.

Was sports media watch geflissentlich vernachlässigt, ist, dass die beiden ein anderes Merkmal gemeinsam haben: die weiße Hautfarbe. Das heißt: Sie entsprechen nicht dem Klischeebild des Basketballprofis von heute, das von Michael Jordan mit Hilfe von Nike und Spike Lee in eine neue Ikonographie umgetütet wurde. Den genialsten Werbespruch von allen entwickelte die Getränkemarke Gatorade mit ihm: "Be Like Mike". Wie Mike kann aber nur sein, wer so aussieht wie er, so spielt wie er und so erfolgreich ist wie er.

Der Umdenkprozess wird wohl noch eine Weile brauchen. Denn zur Zeit hat eine andere Debatte rund um die Liga begonnen, angeschoben von schwarzen Bloggern, die hinter jeder restriktiven Maßnahme der NBA-Spitze (Stichwort: Bekleidungskodex) Rassismus wähnen. Auch die Invasion ausländischer Spieler, obwohl die keineswegs alle weiß sind, erhält gerne den Stempel Rassismus. Die Kampagne läuft unter anderem auf dem Blog Sports On My Mind, wo eine pseudo-akademische Debattenkultur gepflegt wird, deren Protagonisten so tun, als bräuchten sie für ihre Unterstellungen und Mutmaßungen weder Belege noch konsequentes analytisches Denken. Im Chor singt Scoop Jackson von espn.com mit, der zwar exponiert arbeitet, aber deshalb noch lange nicht die Notwendigkeit sieht, sich sprachlich und intellektuell weiterzuentwickeln. Eine Liga, die womöglich irgendwann durchaus wieder weniger als 80 Prozent schwarze Spieler haben könnte, weil die Ausländer sich sportlich bestens schlagen und mit mehr Mannschaftsgeist spielen, wird in diesen Kreisen auf Schritt und Tritt der Diskriminierung bezichtigt. Eine solche Grundstimmung, die sich auch gegen schwarze Autoren mit Denkkapazität und sozialem Verantwortungsbewusstsein wie Jason Whitlock richtet, entspricht vorerst ganz offensichtlich dem Mainstream. Wahrscheinlich müssen Soziopathen wie Ron Artest oder schießwütige Spieler wie Stephen Jackson erst noch richtig ausrasten, ehe das Gerede von den 40 Million Dollar Slaves ein Ende hat.
Rückblick: Gedanken zum NBA-All-Star-Wochenende in Las Vegas
Rückblick: Schwarze Profis - reich, aber ohne soziales Bewusstsein

3. März 2007

Zirkus Fabiano und seine Football-Elefanten


Eine hübsche Idee sehr attraktiv umgesetzt: Der brasilianische Stürmer Luis Fabiano vom FC Sevilla in einem Werbespot der Sportartikelfirma Penalty, in dem er sich mit einer Dampfwalze aus American-Football-Spielern misst und das Lederei so geschickt jongliert, dass er auch damit locker trifft. Vielleicht eine Anregung an die Trainer der NFL, mal ihre Kicker etwas trickreicher einzusetzen? (via The Offside)

21. Februar 2007

Beckham macht's möglich: Rekordhonorar für Galaxy-Trikotwerbung

Mark Zeigler in der San Diego Union Tribune meldet heute, dass Los Angeles Galaxy einen schönen Schnitt beim Vertrag mit einem Trikotsponsor machen wird. Danach geht es um eine Einnahme von 49 Millionen Dollar für fünf Jahre. Aussichtsreichste Aspiranten sind Citibank und Herbalife (ein Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln). Die Clubs in der amerikanischen Fußball-Liga werden in diesem Jahr erstmals Werbeaufschriften auf der Brust tragen. Bisher hatte man die Logos dezent auf dem Rücken der Spieler untergebracht.
Blick zurück: Das Thema Werbung auf der Brust

11. Februar 2007

Die SportsCenter-Werbespot-Serie: Folge 5

Es war an der Zeit, mal wieder einen dieser kuriosen ESPN-SportsCenter-Werbespots aufzulegen. Es brauchte allerdings einen Anlass. Der wurde heute gefunden: Die Sendung strahlt soeben ihre 30.000. Folge aus - in einem aufgespeckten Jubiläumsformat. Wer ist treibende Kraft hinter alle dem: Der Athlet.

7. Februar 2007

Super-Bowl-Nachlese: Snickers-Werbespot nach Protesten zurückgezogen


Das Thema Homosexualität und Sport kommt in den USA jetzt erst richtig in Fahrt. Just zu jenem Zeitpunkt, da sich der erste Ex-NBA-Profi zu seinem Schwulsein öffentlich bekennt und in einem Buch seine Erfahrungen in der Liga schildert, hat sich das Thema im Nachgang des Super Bowl auf andere Weise hochgeschaukelt. Wer verstehen will, um was es geht, muss sich den Werbespot anschauen, der während der Übertragung am Sonntag ausgestrahlt wurde: Da beugen sich zwei Mechaniker über den Motorraum und teilen sich einen Schokoriegel der Marke Snickers. (Die hatten früher mal richtig witzige sportbezogene Commercials. Dieser ist extrem daneben.) Aber weiter im Text: Jeder der beiden hat ein Ende des Riegels im Mund und kaut sich vorwärts, bis sich ihre Lippen berühren. Plötzlich begreifen, dass dies auch als Kuss verstanden werden könnte und als unmännlich. Und so schlägt einer vor, dass sie etwas sehr Männliches tun: sich unter Schmerzen riesige Büschel Haare von der Brust reißen, um diesen Spuk vergessen zu machen. Das ist die Pointe. Mehr nicht. Produktionskosten: 2 Millionen Dollar. Kosten für die Ausstrahlung: 2,5 Millionen Dollar.

Die Kontroverse dreht sich darum, dass sich viele Homosexuelle von einer solchen Darstellung verächtlich gemacht fühlen und dies auch laut kundtun. Also hat die Mutterfirma Mars den Spot vom Markt genommen, anstatt ihn weiter einzusetzen, schreibt die Washington Post. Man habe einfach nur lustig sein wollen, aber niemanden kränken. Lustig ist die Werbewirkung einer solchen Diskussion. Die erreicht ihren eigentlichen Zweck. Die Erinnerung an einen eingeführten Namen wachrütteln.
Blick zurück: Der erste ehemalige NBA-Spieler sagt: Ich bin schwul

4. Februar 2007

Super Bowl bei CBS: Beckham im NFL-Werbespot

Fazit: Am Spielstand ändert sich nichts mehr. 29: 17. Super Bowl XLI kann zugekorkt werden. An der Reputation von Tony Dungy ändert sich wahrscheinlich schon etwas. Auf eine stille, solilde Weise. Man muss Peyton Manning nicht mögen. Man kann ihn eigentlich gar nicht mögen. Aber sein Trainer, das ist eine andere Geschichte. Der hat als Spieler mit den Pittsburgh Steelers Super Bowl XIII gewonnen. Und nun als Trainer. Das gibt es so selten wie den Titelgewinn bei der Fußball-WM als Spieler und Trainer (Stichwort: Franz Beckenbauer). Er ist erst der Dritte nach Mike Ditka (als Trainer mit den Chicago Bears) und Tom Flores (als Coach mit den Raiders), dem das gelungen ist. Er ist statistisch gesehen der erfolgreichste Head Coach, wenn man seine Bilanz der letzten zehn Jahre mit seinen Kollegen vergleicht. Er ist der weise Herr mit der halben Glatze und einem vorragenden Kinn, der in einer Zunft der Schreihälse alle Unkenrufer im Teich versenkt hat. Er war zweimal im Championship Game gescheitert. Jetzt stand er auf dem Treppchen und nahm die Lombardy-Trophy in Empfang.

Dungy musste nicht zaubern. Die Bears hatten keine Vorstellung davon, wie man die Colts auseinander nehmen oder stoppen kann. Das geht auf die Kappe von Lovie Smith. Rex Grossman trifft ebenfalls Schuld. Den sollten sie in der Off-Season abgeben oder in die zweite Reihe stellen.

Viertes Viertel: Die resignative Feststellung Sekunden später: Grossman produziert nach einer ganzen Reihe von Fehlern den größten von allen. Ein langer Pass, der beim Gegner landet und mit einem kräftigen Sprint vom Colts-Spieler (Hayden) in die Endzone transportiert wird. Spielstand 29:17 für Indianapolis. Nun brauchen die Bears zwei Touchdowns. Woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Die Kurzfassung am Ende des dritten Viertels: Chicago spielt schlecht genug, um gerechterweise aussichtslos zurückzuliegen. Chicago braucht nur einen weiteren Touchdown und kann in Führung gehen. So etwas gibt es. Die Welt ist komisch. Wie sie das aber schaffen wollen, ist allerdings nicht zu erkennen.

Kick-off: Und ich sag' noch: Niemand hat Hester auf dem Zettel. Jetzt sicher: 7:0 für Chicago nach 14 Sekunden.

Vornweweg: Das wäre nicht nötig gewesen. Die NFL produziert einen Werbespot, in dem David Beckham - im Anzug, ein Glas in der Rechten - von einem Party-Gast gefragt wird: "Und du bist ein Football-Profi?" Andere Promis: Martha Stewart, die berühmte Küchenfee, und Jimmy Fallon, früher bei Saturday Night Live. Lahm, aber überraschend.

Es wurden Wetten auf die Länge der Billy-Joel-Version der Nationalhymne angenommen. Wie konnten Leute nur denken, er braucht länger als geplant. Die Düsenjäger kamen eine Sekunde, nachdem er den letzten Ton angestimmt hatte, übers Stadion geschossen. Die hätten nicht gewartet, bis er fertig ist. Die Gesangsleistung: sehr lahm, angsteinflößend im hohen Bereich. Der Mann hat nichts mehr drauf. Was Prince wohl bieten wird?