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19. Mai 2008

Butter vom Brot

Die Phoenix Suns ließen sich ihre Butter gleich in der ersten Begegnung gegen die San Antonio Spurs vom Brot nehmen. Die New Orleans Hornets erst im siebten Spiel ihrer Serie. Das Resultat war dennoch das gleiche. Jene Mannschaft, die gestern in den entscheidenden Situationen zwei Argentinier, einen Franzosen und einen Mann von der Karibik-Insel St. Croix ins Rennen schickte und damit so unamerikanisch war wie der Senatsausschuss für unamerikanische Machenschaften es vor über 50 Jahren, steht im Westen im Conference-Finale. Gegen die Los Angeles Lakers dürfte die Mannschaft in dieser Form sogar eine echte Chance haben. Und sollte sie die Endspielserie erreichen, muss man sie zum Favoriten erklären. Niemand in der NBA spielt emotionsloser, abgebrühter, unbeeindruckter, mannschaftsmäßiger als der amtierende Meister. Nichts fürs Auge und irgendwie traurig. Aber wahr.

17. April 2008

Dirk und das Glück

Morgen in der gedruckten Ausgabe der FAZ, aber schon jetzt online: Der Vorbericht zu den NBA-Playoffs über die Dallas Mavericks und ihren Gegner, die New Orleans Hornets. Dallas sein Nowitzki gab es übrigens heute morgen live im Rahmen einer Telefon-Pressekonferenz am Rohr, wovon jedoch aus Termingründen nichts mehr in den Artikel einfließen konnte. Seine Einschätzungen hätten, ehrlich gesagt, den Text nicht bereichert. Der gute Dirk redet bei seinen Antworten - egal, um was es geht - an den kitzligen Stellen leider oft von Glück und Unglück, also von metaphysischen Gegebenheiten, die alles und nichts erklären. Auch für seine rasche Rehabilitation nach der schweren Knöchelverletzung machte er vor allem sein Glück verantwortlich. Er hat darüberhinaus die Fähigkeit entwickelt, die jeweils aktuelle Lage zu kosmetisieren. Letztes Jahr, als sie als mit Abstand beste Mannschaft in die Playoffs gingen und dann gegen die Golden State Warriors untergingen, fand er den Leistungsdruck völlig in Ordnung. Diesmal ist alles anders, aber genauso probat. Nicht zu den Favoriten zu gehören, ja, das sei gut. Merke: Es ist wahrscheinlich immer gut, Dirk Nowitzki zu sein. Come rain or come shine.

16. April 2008

Mavericks gegen New Orleans

Die Dallas Mavericks haben sich in die Playoffs gehangelt und spielen dort gegen einen Gegner, gegen den sie am Mittwochabend im letzten Spiel der Tabellen-Saison sehr gut aussahen: Die New Orleans Hornets. Die Konstellation ist nur halb so reizvoll wie die gegen die Golden State Warriors im vergangenen Jahr. Aber trotzdem wird es einiges zu schreiben geben. Zuerst mal in der FAZ (Freitagausgabe). Und dann je nach dem Fortgang der Ereignisse auch hier. Schade um Don Nelson, der diesmal nur einen neunten Platz herausholte und nicht jene Begeisterung entfachen konnte, an die man sich so gerne gewöhnt hätte. Verlierer machen wehmütig. Weshalb wohl auch die Süddeutsche Pat Riley und den Miami Heat einen ausführlichen Bericht gewidmet hat. Riley gehört zu den Dinosauriern der Trainerzunft, der bald nur noch als Skelett (mit gegelten Haaren) im Museum zu bewundern sein wird. Phil Jackson, der alte Rivale von Riley, hingegen bastelt an einem Ausrufezeichen für eine außergewohnliche Karriere. Er könnte mit den Lakers einen neuen Rekord für Meisterschaftserfolge von NBA-Trainern aufstellen und dürfte alles andere als persönliche Niederlage empfinden. LA ist durch Pau Gasol effektiv zu einem Team geworden, dass jeden Gegner besiegen kann.

11. April 2008

MVP-Mauschelei um Kobe

Die Lobbyisten aus dem journalistischen Umfeld der NBA sind an der Arbeit. Jeder zweite scheint Kobe Bryant zum MVP hochschreiben zu wollen. Der Versuch ist nicht strafbar, aber extrem dämlich. Denn wenn man für die Wahl überhaupt irgendwelche Kriterien anwendet, zum Beispiel jene, die bei der Wahl von Dirk Nowitzki im letzten Jahr eine Rolle spielten (bester Mann im besten Team der regulären Saison), dann kommt Bryant nicht in Frage. Dann wäre Kevin Garnett an der Reihe, der in Boston für das Wunder mit verantwortlich ist, über das kam noch jemand schreibt, weil es inzwischen als Normalzustand empfunden wird (Nach dem Motto: Hey, Jesus, kannst du diesen Wein mal auf Flaschen ziehen, den du da immer aus diesem Wasser in Kana machst? Der schmeckt gut. Davon hätten wir gerne mehr. Denn an den haben wir uns ziemlich schnell gewöhnt). Oder Chris Paul bekommt den Zuschlag, weil man einen Spieler in der stärkeren Western Conference auszeichnen möchte. New Orleans ist nicht nicht nur besser als die Lakers. Es hat auch den längeren Weg aus dem Keller der Tabelle hinter sich. Oder denken die Leute, dass der ganze Erfolg der Hornets auf die Rechnung von Byron Scott geht? Das wäre dann aber Grund genug, ihn zum Coach des Jahres ernennen. Ehrlich gesagt: Dass das passiert, ist kaum zu erwarten. Auch Scott fehlen die Lobbyisten, die im Moment wohl eher Doc Rivers von den Celtics favorisieren, obwohl der nun wirklich nicht viel macht - außer die Mannschaft spielen zu lassen, ohne groß zu stören.

Nicht in diesem Zusammenhang, aber trotzdem eine Erwähnung wert: Die Dallas Mavericks haben sich für die Playoffs qualifiziert. Der Knöchel von Dirk Nowitzki scheint unverwüstlich. Und es sieht für die erste Runde nach einer Auseinandersetzung gegen die Lakers oder die San Antonio Spurs aus. Eine Niederlage wäre nicht so blamabel wie die Chose im letzten Jahr.

6. November 2007

There is a (half empty) house in New Orleans

Warum der Anführer der Crew, die neulich die Seattle SuperSonics für 350 Millionen Dollar gekauft hat, sich in das Projekt verbissen hat, ist klar: Er will eine Mannschaft nach Oklahoma bringen, wo man seit dem Intermezzo der New Orleans Hornets sehr an einem NBA-Team interessiert ist. Notfalls auf Kosten der eigenen Reputation, wie Ex-Sonic Ray Allen neulich anmerkte. Das würde ja alles noch Sinn machen, wenn sie statt des Clubs im Nordwesten die Hornets umtopfen würden (die nach den nicht besonders bemerkenswerten Gründerjahren in Charlotte 2002 in die Hafenstadt in Louisiana gezogen waren und in der schlimmsten Zeit nach der Überflutung durch Hurricane Katrina in Oklahoma City gerne zu Gast waren). Denn dort sind die Verhältnisse wirklich beklagenswert. In der Halle, die ein Fassungsvermögen von 18.000 hat kamen am Freitag zum Spiel gegen die Portland TrailBlazers mal gerade 9187 Zuschauer. Das war ein neues Tief.

New Orleans ist übrigens die Stadt, die vor langer Zeit mal eine NBA-Mannschaft mit dem Namen Jazz beheimatete. Die behielt den Namen und wanderte 1979 in die Wüste von Utah aus. Dort geht es ihr vergleichsweise gut. Das Team ist die einzige sportliche Attraktion weit und breit (sieht man mal ab von den Wintersportanlagen in den Bergen).

Der Kampf um das Team in Seattle wird vermutlich vor Gericht enden. Die neuen Eigentümer wollen nicht nur weg, sondern auch noch aus dem laufenden und gültigen Mietvertrag aussteigen. Die Stimmung ist nicht gut in der Stadt. Auch deshalb nicht, weil die Forderungen nachgerade absurd sind.
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