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16. April 2009

Spielplanungsplanspiele für Fortgeschrittene

Wenn Religion und Sport einander über den Weg laufen, kommt es bisweilen zu seltsamen Meinungsverschiedenheiten. Die Beschwerde des anglikanischen Geistlichen haben wir noch in Erinnerung. Diese Meldung gehört in das gleiche Eingangskörbchen: Diesmal geht es um die jüdischen Fans eines New Yorker NFL-Clubs und die Frage: Wann spielt eine Mannschaft und vor allem auch wo, wenn es Feiertage gibt, an denen der gläubige Mensch sein Haus nicht verlassen darf.

7. April 2009

Der Klingelbeutel: Obamas Wille geschehe


So sieht's aus in den USA: Der amtierende Präsident wird von ESPN vor dem K.O.-Turnier gefragt, wie es ausgeht, und er erklärt: North Carolina wird Meister. Gestern in Detroit wurde die Sache besiegelt. North Carolina gewann die NCAA Championship im Basketball. 89:72 bedeutet: ein ziemlich schnelles Spiel, in dem beiden Seiten im Angriff nicht lange fackelten. Gegner Michigan State hatte Sympathiepunkte, die nichts mit Basketball zu tun haben. Kein Bundesstaat leidet so sehr unter der akuten Krise und der wirtschaftlichen Abhängigkeit von der amerikanischen Autoindustrie. Die Arbeitslosigkeit liegt über 12 Prozent.

• Die Süddeutsche hat sich einem absoluten Minderheitenthema gewidmet: Sie berichtet über den Erfolg von Lacrosse in Deutschland. "Mehr und mehr etabliert" sagen sie, nachdem sie ganze 1600 Spieler ausgemacht haben. Gut zu wissen. Es gibt eine deutsche Nationalmannschaft. Und die war auch schon mal Europameister. Leider enthält der Bericht keinen Hinweis darauf, dass das Spiel in den USA und Kanada von zehntausenden von Mädchen gespielt wird (mit leicht modifzierten Regeln, denn die Sportart ist ruppig). Hier noch ein Link für Interessenten: Auch Lacrosse hat eine Hall of Fame. In Baltimore.

• Man durfte sich all die Jahre wundern, in denen immer mehr Sportveranstaltungen auf einen Tag in der Woche wanderten, den so manche christliche Konfession zum absolut freudlosesten von allen erklärt hatte, wo bleiben die Proteste? Sie waren einfach nur verstummt. Jetzt sind sie wieder da. Zumindest mit Blick auf den kommenden Sonntag, den österlichen. Und bezogen auf England und seine Traditionen, die da einst unverrückbar lautete: Sport? "Sonntags nie". Der nächste Erzbischof von Westminister, fast so etwas wie eine Eminenz, hat das Thema in die Öffentlichkeit getragen. Seiner Beschwerde an die Premier League liegt ein heftiges Argument zu Grunde. Die Liga würde die Gefühle ihrer Angestellten verletzen. Der Erzbischof ist Liverpool-Fan.

• Man kann das Thema Anabolika im Sport auch lustig sehen (wenn man zum Beispiel nicht über die medizinischen Folgen von Missbrauch nachdenkt). Und dann entwickelt man ein Online-Spiel wie dieses (via the Big Lead).

20. August 2008

Jux mit Jesus

Tiger Woods liegt irgendwo in Florida auf der Couch und hat sein operiertes Bein hochgelegt. Heilung braucht Zeit. Und wir müssen warten. Aber zum Glück gibt es die Jungs vom Videospiel-Hersteller EA, die verwöhnen uns in der Zwischenzeit mit den Träumen davon, wie der wiederhergestellte Woods im nächsten Jahr auf die Tour zurückkehren und spielen wird. Ball in Rae's Creek in Augusta? Kein Problem. Der Übergolfer kann auch auf Wasser wandeln. Hier der Jesus Shot (via Deadspin), der das Phänomen beschreibt (aber nicht mit Hinweisen aus dem Neuen Testament ausführlich erklärt):

EA hat die Gelegenheit genutzt und ein Video herausgebracht, dass den Spaß anhand der Originalaufnahmen dokumentiert. Witz komm raus:

In anderen Bibel-News: Der Trainer der amerikanischen Bogenschützen findet die Opfer für seinen missionarischen Eifer im eigenen Team. Die Sache ist nicht nur heikel, weil da jemand seine Machtstellung ausnützt, um seine Form der Gehirnwäsche zu praktizieren. In den USA gilt die strikte Trennung von Staat und Kirche. Und das gilt auch für die Aktivitäten im öffentlich geförderten und steuerbegünstigten Sport.

22. Februar 2008

Die unheilige Allianz

Wenn in der NBA eine ganze Mannschaft umgebaut wird, um einem Talent wie LeBron James neue Hilfskräfte zuzuführen, taucht als erstes immer die Frage auf: Wird die Maßnahme wirklich halten, was sich der Team-Manager von ihr verspricht? Aber dies ist vor allem eine Frage der Perspektive. Würde die Mannschaft noch so spielen, wie vor ein paar Monaten, als sie die Finalserie gegen die San Antonio Spurs erreichte, wäre die Aktion nicht so einschneidend ausgefallen. Aber die Cleveland Cavaliers haben irgendwann danach ganz viel Dampf gelassen (ähnlich wie die Chicago Bulls). Da macht es Sinn, sich neu zu orientieren, egal, ob die Umrüstung noch vor den Playoffs den erhofften Aufschwung bringt oder nicht. Denn man muss in Cleveland permanent zumindest einen Menschen davon überzeugen, dass man sich für sein Wohlergehen interessiert: den besagten LeBron James. Denn der könnte andernfalls eines baldigen Tages dem Club und der Stadt den Rücken zu drehen. Sportstars zieht es meistens unweigerlich in die Metropolen.

Die Dimension der inszenierten Sportlerpersönlichkeit LeBron James werden übrigens immer bizarrer. Das jedenfalls wird einem klar, wenn man sich zu dieser Seite durchklickt, wo die überzogenen und nicht immer bibelfesten Anspielungen seitens der Firma Nike analysiert werden. Die Firma hat offensichtlich beschlossen, den Status ihres neuen Aushängeschilds zu einer quasi-religiösen Figur bis zum Exzess zu betreiben. In China scheint man damit auf die Nase zu fallen. Der Blog Moderately Cerebral Bias spricht davon, dass der gezeigte Werbespot sogar verboten wurde.
Blick zurück: Sport in Cleveland

15. Oktober 2007

Der Klingelbeutel: Orthodox am Grill

Wie läuft bei orthodoxen Juden eine Tailgate-Party vor einem NFL-Spiel in Wisconsin ab? Total kosher auf dem Grill und außerdem werden noch ein paar Gebete gesprochen.

Die Kamera, die von den Fernsehleuten seit einer Weile in der Luft über dem Spielfeld hin und hersausen lässt, bleibt leider nicht immer oben. Am Sonntagabend im Match der Seattle Seahawks gegen die New Orleans Saints hätte sie fast Quarterback Matt Hasselbeck gefällt. Das Spiel wurde für zehn Minuten unterbrochen, damit die Apparatur wieder installiert werden konnte.

Wir können wohl mittlerweile ohne Übertreibung sagen, dass Michelle Wie Männer verschleißt. Nicht auf dem Golfplatz und vermutlich auch nicht in der Koje. Aber im Geschäftsleben. Soeben warf der zweite Agent in zwei Jahren das Handtuch (via SportsbyBrooks). Über den Rest ihres verkorksten Wochenendes gibt es morgen (Dienstag) in der Print-Ausgabe der FAZ ein kurzes Extempore - mit ein paar Ausführungen zu Bettina Hauert. Die beiden haben in Bighorn vier Tage lang eisenhart gegeneinander um die Rote Laterne gekämpft. Hauert bekam die Laterne. Mit einem Schlag Rückstand.

Vor genau 50 Jahren kam Jack Kerouacs Roman On the Road heraus, in dem die Rastlosigkeit, die die amerikanische Nachkriegsgeneration erfasst hatte, auf eine eindrückliche Weise zu Papier gebracht wurde. Kerouac hatte im April 1951 eine riesige Papierrolle in seine Schreibmaschine gespannt und den Text in einer einzigen endlosen Sitzung in drei Wochen heruntergetippt. Die beiden Hauptfiguren "trampen, springen auf Güterzüge auf, fahren mit Greyhound-Bussen, auf LKW-Pritschen oder mit gestohlenen Autos quer über den nordamerikanischen Kontinent und zurück, von New York City, über Chicago, Salt Lake City, Kalifornien nach Mexiko und schließlich nach New Orleans". Man muss unweigerlich an solche Gewaltleistungen denken, wenn man liest, dass vor kurzem der neue Geschwindigkeitrekord für die Durchquerung der Vereinigten Staaten im Auto offiziell anerkannt wurde. Von New York nach Sant Monica in Kalifornien in 31 Stunden und 4 Minuten. Der Fahrer heißt Alex Roy. Das Auto: ein modifizierter BMW M5. Die Durchschnittsgeschwindigkeit: 89 Meilen pro Stunde, also mas o menos 144 km/h. Man sieht auf einer solchen Jagd nicht viel vom Land. Und man muss sich verdammt vor der Polizei hüten. Aber darin besteht ja bei einem solchen Trip der Spaß. Denn auf den Autobahnen liegt die Geschwindigkeitsbegrenzung bei 65 Meilen pro Stunde (via Gizmodo)

17. Juli 2007

Warnung an alle "Sport Nuts": Das kann noch übel enden

Keine Ahnung, wieviele Gelbe Karten sogenannte "Sports Nuts" vor jenem ominösen Tag (Judgement Day) erhalten, an dem über sie zu Gericht gesessen wird. Aber wahrscheinlich zählt diese Ermahnung seitens eines nicht näher bekannten amerikanischen Plakatfuzzis nicht dazu, sonst könnten ESPN, Deadspin und unsereins bald den Laden dicht machen und mit all den anderen Übeltätern zusammen (Babymörder, Sexsüchtige, Mormonen, Lügnern, Hexen etc.) eine Gewerkschaft gründen (via weirdbiz).

23. Oktober 2006

Wer's glaubt, wird selig

Die Nervensägen aus der amerikanischen Sektenwelt sind überall - auch auf Golfplätzen (weiß ich aus eigener Erfahrung) und jetzt auch bei Veranstaltungen mit Tiger Woods. Bei einem Nike-Termin mit reichen Gästen wurde er gefragt: "Hast du Jesus als deinen Herrn und Heiland akzeptiert? Und falls nicht, würdest du es tun?" Woods hat sich angewöhnt, durch alle gesellschaftspolitischen Minenfelder mit Leichtigkeit durchzutänzeln. Also wies er diesmal darauf hin, dass seine Mutter Buddhistin ist. Und das deren Religion ebenso Teil seiner Kindheit war wie die christliche Überzeugung seines Vaters. Welche er favorisiert oder ob er überhaupt an irgendetwas anderes glaubt außer an die Kraft seines Schwungs und die Herrlichkeit seiner wie an einer Schnur gezogene Putts, war dabei nicht herauszufinden. Er praktiziere beide Glaubensrichtungen lautete sein salomonisches Statement. Wer soll das denn glauben? Doppelt genäht hält besser?

17. Oktober 2006

Zündstoff für London: Ramadan während der Spiele

Jede Woche etwas Neues im Kulturkampf zwischen dem Alltagsbetrieb der überwiegend säkularen westlichen Welt und den scheinheiligen Ansprüchen anderer Kulturen. Heute: Weil die Olympischen Spiele des Jahres 2012 in London vom 27. Juli bis 12. August stattfinden, haben Sportler aus islamisch geprägten Ländern ein Problem: Von 21. Juli bis 20. August ist Ramadan, der heiligste Monat des islamischen Kalenders. Das könnte, wenn man eine Zahl von 2004 zu Grunde legt, etwa ein Viertel aller Teilnehmer betreffen. Vorausgesetzt sie sind allesamt Anhänger und keine Lippenbekenner.

Die ersten Nörgler meldeten sich bereits zu Wort. So etwa ein gewisser Massoud Shadjareh, Vorsitzender der Islamic Human Rights Commission in London: "Sie würden das auch nicht an Weihnachten ausrichten. Es ist genauso dumm, es während des Ramadan zu tun." Und dann noch dieser Sahneklecks: "Es zeigt einen völligen Mangel an Bewusstsein und Einfühlungsvermögen." Quelle: Daily Mail

Richtig. Baron de Coubertins Erben haben absichtlich die Sommerspiele so gelegt, dass sie nicht im Winter stattfinden können - aus Furcht vor dem Vatikan und den wiedergeborenen amerikanischen Christen. Sie haben auch dafür gesorgt, dass Athleten ganz viel Kleidung tragen, weil das mit dem Nacktsein in der Antike gegen heutige Moralvorstellungen verstößt. Aber Rücksicht auf die Vorstellungen von Moslems nehmen sie nicht, weil......weil sie Angst haben, dass sonst zuviele Goldmedaillen nach Pakistan und Indonesien gehen.

Mal abgesehen davon, dass der Koran offensichtlich Hinweise darüber enthält, wie Menschen mit den Vorschriften umgehen sollen, wenn es ihnen schwer fällt, sie einzuhalten (an anderen Tagen nachholen). Verlangen Leute wie Shadjarfeh demnächst, dass die Wettkämpfe jeden Tag mehrfach und pünktlich unterbrochen werden, damit Athleten beten können? Werden sie einfordern, dass halbnackte Schwimmerinnnen aus den Fernsehübertragungen ausgeblendet werden?

Für Leute, die das alles weniger ernst nehmen: