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26. August 2009

ESPN: Eine Forde-Setzungsgeschichte

Ist das eigentlich normal, dass ein Journalist, der zusammen mit einem bekannten Trainer ein Buch (links) geschrieben hat, als Berichterstatter eines Medienunternehmens wie ESPN fungiert, wenn exakt dieser Trainer in Schwierigkeiten ist? Falls es nicht normal sein sollte, müsste Pat Forde von seinem Auftraggeber aus der journalistischen Arbeit zum Thema Rick Pitino zurückgezogen werden. Was aber vermutlich nicht passieren wird, denn bei ESPN agiert man mit einem Verhaltenskodex, der selektiv das schöne auflackierte Imagebewusstsein pflegt.

Es macht den Leuten bei der Disney-Tochter offensichtlich nichts aus, dass die Nähe zwischen Subjekt (Autor, siehe Bild) und Objekt (Sportikone) zu einer heuchlerischen Sicht der Dinge führt. Was nicht nur schlecht ist, wenn man entscheidet, tagelang nicht über die Klage gegen einen NFL-Quarterback zu berichten oder andere negativen Nachrichten ignoriert. Es ist ganz besonders schlecht, wenn man einen narzistischen Maniac wie Rick Pitino deckt, der seitdem seine außerehelichen Aktivitäten publik wurden, so tut, als sei er das Opfer und nicht etwa ein ganz durchschnittlicher Trieb-Täter, der mal eben zwischendurch in Restaurants der Stadt Lousville wildfremde Frauen begattet.

Pitino, der vermutlich im Prozess gegen die mutmaßliche Erpresserin Karen Sypher (links in einem Screenshot von einem Interview mit Good Morning America von TV-Sender ABC) aussagen wird, aber bislang lieber den Mund gehalten hatte, ist heute um 15 Uhr komplett ausgerastet und hat eine kurze Pressekonferenz gegeben. Er attackierte die Medien und nicht etwa die Polizei, die die Vernehmungsprotokolle mit seinen Aussagen der Ortszeitung zur Verfügung gestellt hatte: "Alles, was gedruckt worden ist, alles, was berichtet worden ist, alles, was an dem Tag, an dem Teddy Kennedy gestorben ist, in den Nachrichten gebracht wurde, ist eine Lüge. Eine Lüge."

Pitino, der pro Jahr mehr als zwei Millionen Dollar verdient, ist im Prinzip nicht mehr tragbar. Und zwar aus einem eher nebensächlichen Grund. Je mehr die Öffentlichkeit von Sypher erfuhr – sie hatte nach der Sexkapade einen Anruf Pitinos auf ihrem Anrufbeantworter aufgezeichnet und die Aufnahme neulich einem örtlichen Fernsehsender gegeben, ihre Vergewaltigungsanschuldigungen wurden von der Polizei als nicht glaubwürdig eingestuft, Aufnahmen von Gesprächen mit den Ermittlern, die heute publiziert wurden, zeigen einen Menschen mit einer deutlichen Persönlichkeitsstörung – desto mehr regen sich die Zweifel an Pitino. Verfügt der Mann überhaupt über eine Spur von Menschenkenntnis? Sollte der wirklich die Kinder anderer Leute betreuen?

Man darf davon ausgehen, dass der Coach mit seinem jüngsten Auftritt eigentlich nur noch eine Strategie verfolgt: sich gegenüber der Leitung der Universität so zu positionieren, dass sie ihn feuern muss. Und dass er bei einer solchen Auseinandersetzung nicht den 3,6 Millionen Dollar Bonus verliert, der ihm laut Vertrag 2010 ausgeschüttet werden soll.

Übrigens das Buch von Pitino und Forde trägt einen seherischen Titel: Rebound Rules. Auch wenn der Trainer gezwungen werden sollte, in Louisville sein Amt aufgeben muss, wird er nach einer Pause woanders wieder auftauchen. Der Mythos des erfolgreichen College-Magiers ist ungebrochen. Solche Leute sind unbesiegbar. Hier noch eine Hörprobe aus dem Buch.

Blick zurück: Wie man bei ESPN mit Leuten umgeht, die man nicht mag
Blick zurück: Die Pitino-Saga, Teil 1
Blick zurück: Die Frau, die Michael Jordan per Blog hinterherlief

14. August 2009

Der Klingelbeutel: Rehabilitation ist schwierig

Michael Vick hat bei den Philadelphia Eagles unterschrieben. Damit haben wir neben Terrell Owens und den Buffalo Bills ein zweites Dauerthema, das die NFL-Experten beschäftigen wird. ie Dauerwurst Brett Favre rückt damit auf einen Schlag endlich nach ganz hinten in den Ballschrank.

• Das Thema "Rick Pitino hat Sex mit einer Frau in einem Restaurant und gibt ihr ein paar Wochen später Geld für eine Abtreibung" bietet das perfekte Material aus dem sonst so lupenreinen College-Basketball für eine weitergehende Boulevardisierung der Sportberichterstattung. Der Fall kam ins Rollen, weil die Dame ganz offensichtlich mit den 3000 Dollar, die ihr der Coach der Mannschaft von Louisville gezahlt hatte, nicht zurecht kam und ihn zu weiteren "Geschenken" nötigen wollte. Eine Art von Erpressungsversuch, könnte man auch sagen. Was den angeht, wird die gute Frau vermutlich im Gefängnis landen. Denn die Gesetze in den USA sehen für vieles ziemlich hohe Strafen vor. Aber auch Pitino dürfte nicht schadlos davon kommen. Dabei geht es nicht nur um die Libido eines verheirateten und hochbezahlten Trainers, der die Aufsichtsperson und das Vorbild für junge Sportler ist, die offiziell zu hohen Verhaltensstandards angehalten werden. Sondern vor allem um das Stichwort "Abtreibung" - damit kann man in weiten Teilen der Vereinigten Staaten ganze Bevölkerungskreise gegen sich aufbringen. Vermutlich auch im Bundesstaat Kentucky. Pitino hatte die pikanten Details übrigens nicht freiwillig der Öffentlichkeit anvertraut. Die kamen aufgrund einer Anfrage der örtlichen Zeitung ans Tageslicht. In den USA gibt es auf Bundesebene, aber auch in den meisten Staaten, Gesetze, die es gestatten, dass man Einsicht in die Akten der Behörden nehmen darf. In dem Fall handelt es sich um Vernehmungsprotokolle der Polizei aus ihren Emittlungen rund um Erpressungsversuch. Wer sich für die Protokolle interessiert, kann sie bei Smoking Gun als pdf-Dateien herunterladen.

• Nach dem schlechten WM-Qualifikationsspiel der Amerikaner in Mexiko (1:2) hatte Landon Donovan zumindest eine Erklärung für seine Leistung: Er hat sich die Schweineinfluenza eingehandelt. Mutmaßlicher Übertragungsweg: zwei Galaxy-Mitarbeiter, die vom Virus in Boston bei den New England Revolution angesteckt wurden. Für die USA war das Resultat auch deshalb nicht gut, weil die Aspiranten in der Sechser-Tabelle näher zusammengerückt sind. Drei kommen weiter. Jedes Team hat noch vier Begegnungen abzuwickeln.

• Für Michael Phelps sind die Tage, an denen er nicht in einem Becken schwimmt, kein Vergnügen. Egal, was er macht, ob er tätowierte Barfrauen anbaggert oder Marihuana inhaliert – immer ist jemand zur Stelle, der die Nachricht ausplaudert. Diesmal ist es die Meldung von einem Autounfall, bei dem Phelps unverletzt blieb. Wer den Crash verursacht hat, steht noch nicht fest.

• Und der Sieger im diesjährigen Sportler-Wettbewerb "Die Reise nach Jerusalem" heißt? Quentin Richardson. Der Basketballprofi wurde zwischen dem Ende der letzten NBA-Saison und heute bereits viermal getradet. Der Trip begann bei den New York Knicks, ging über die Memphis Grizzlies, die Los Angeles Lakers und die Minnesota Timberwolves. Sein derzeitiger Arbeitgeber sind die Miami Heat. Jerusalem, here we come.