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28. August 2009

Ehrhoff zu den Vancouver Canucks

Christian Ehrhoff ist der beste deutsche Eishockeyspieler in der NHL (auch dann, wenn Marco Sturm nicht verletzt ist). Und die San Jose Sharks waren in den lezten Jahren eine der besten Mannschaften in der Liga. Aber solche Feststellungen müssen Spieler und Teams in jedem Frühjahr auf dem Eis unter Beweis stellen. Und da haben die beiden – der Verteidiger mit dem enormen Angriffspensum und sein Club – am Ende stets gepatzt. Diese Serie ging gestern mit einer für den nordamerikanischen Sport typischen Maßnahme definitiv zu Ende. Ehrhoff wurde zusammen mit dem Mannschaftskollegen Brad Lukowich im Tausch für zwei jüngere und billigere Spieler an die Vancouver Canucks abgegeben. Geld war ganz offensichtlich das Hauptproblem. Denn die harte Salary Cap der NHL zwingt die Manager vor jeder Saison zm Rechnen. Ehrhoff hat einen Vertrag, der ihm für die nächsten beiden Jahre jeweils 3,1 Millionen Dollar garantiert. US-Dollar wohlgemerkt, völlig unabhängig davon, wo der Wechselkurz zum kanadischen Dollar gerade steht.

Mehr über Ehrhoffs Zeit in San Jose stand im Frühjahr in diesem Artikel in der FAZ.

Nachtrag: Die San Jose Mercury News konnte mit Ehrhoff reden, der zu dem Tausch sagte: "Ich war nicht total überrascht, aber natürlich bis du erstmal geschockt, wenn du getradet wirst." Vancouver ist übrigens eine angenehme Stadt mit viel Lebensqualität. Die Olympischen Spiele im nächsten Jahr wirbeln bei den Canucks das Programm durcheinander. Das liegt nicht an der Spielpause, die den NHL-Profis gestattet, für ihre Nationalmannschaften anzutreten, sondern daran, dass die Mannschaft wochenlang am Stück auswärts antreten muss. Die Halle gehört zu den Veranstaltungsorten der Winterspiele und muss vorher mit zahlreichen Umbaumaßnahmen auf olympisches Niveau gebracht werden. "Auswärts" ist für ein Team wie Vancouver mit ellenlangen Reisen verbunden. Eine längere, aber kompakte Zeit unterwegs sorgt allerdings dafür, dass man in jedem Fall im Vergleich zum klassischen Reiseplan, weniger Zeit im Flugzeug verbringt. Nur mal als Anhaltspunkt für Leute, die denken, Aserbeidschan liegt weit weg : Flugzeit Vancouver - New York: fünf Stunden.

Marcel Goc, der vor einem Jahr in San Jose nicht mehr als einen Ein-Jahres-Vertrag herausholen konnte, spielt in der kommenden Saison auch für einen neuen Club. Er wechselt zu den Nashville Predators. Viel Geld gibt es nicht. 550.000 Dollar im Rahmen eines Two-Way-Vertrages bedeutet: Wenn er ins Farm Team muss, reduziert sich die Apanage noch mehr.

14. August 2009

Der Klingelbeutel: Rehabilitation ist schwierig

Michael Vick hat bei den Philadelphia Eagles unterschrieben. Damit haben wir neben Terrell Owens und den Buffalo Bills ein zweites Dauerthema, das die NFL-Experten beschäftigen wird. ie Dauerwurst Brett Favre rückt damit auf einen Schlag endlich nach ganz hinten in den Ballschrank.

• Das Thema "Rick Pitino hat Sex mit einer Frau in einem Restaurant und gibt ihr ein paar Wochen später Geld für eine Abtreibung" bietet das perfekte Material aus dem sonst so lupenreinen College-Basketball für eine weitergehende Boulevardisierung der Sportberichterstattung. Der Fall kam ins Rollen, weil die Dame ganz offensichtlich mit den 3000 Dollar, die ihr der Coach der Mannschaft von Louisville gezahlt hatte, nicht zurecht kam und ihn zu weiteren "Geschenken" nötigen wollte. Eine Art von Erpressungsversuch, könnte man auch sagen. Was den angeht, wird die gute Frau vermutlich im Gefängnis landen. Denn die Gesetze in den USA sehen für vieles ziemlich hohe Strafen vor. Aber auch Pitino dürfte nicht schadlos davon kommen. Dabei geht es nicht nur um die Libido eines verheirateten und hochbezahlten Trainers, der die Aufsichtsperson und das Vorbild für junge Sportler ist, die offiziell zu hohen Verhaltensstandards angehalten werden. Sondern vor allem um das Stichwort "Abtreibung" - damit kann man in weiten Teilen der Vereinigten Staaten ganze Bevölkerungskreise gegen sich aufbringen. Vermutlich auch im Bundesstaat Kentucky. Pitino hatte die pikanten Details übrigens nicht freiwillig der Öffentlichkeit anvertraut. Die kamen aufgrund einer Anfrage der örtlichen Zeitung ans Tageslicht. In den USA gibt es auf Bundesebene, aber auch in den meisten Staaten, Gesetze, die es gestatten, dass man Einsicht in die Akten der Behörden nehmen darf. In dem Fall handelt es sich um Vernehmungsprotokolle der Polizei aus ihren Emittlungen rund um Erpressungsversuch. Wer sich für die Protokolle interessiert, kann sie bei Smoking Gun als pdf-Dateien herunterladen.

• Nach dem schlechten WM-Qualifikationsspiel der Amerikaner in Mexiko (1:2) hatte Landon Donovan zumindest eine Erklärung für seine Leistung: Er hat sich die Schweineinfluenza eingehandelt. Mutmaßlicher Übertragungsweg: zwei Galaxy-Mitarbeiter, die vom Virus in Boston bei den New England Revolution angesteckt wurden. Für die USA war das Resultat auch deshalb nicht gut, weil die Aspiranten in der Sechser-Tabelle näher zusammengerückt sind. Drei kommen weiter. Jedes Team hat noch vier Begegnungen abzuwickeln.

• Für Michael Phelps sind die Tage, an denen er nicht in einem Becken schwimmt, kein Vergnügen. Egal, was er macht, ob er tätowierte Barfrauen anbaggert oder Marihuana inhaliert – immer ist jemand zur Stelle, der die Nachricht ausplaudert. Diesmal ist es die Meldung von einem Autounfall, bei dem Phelps unverletzt blieb. Wer den Crash verursacht hat, steht noch nicht fest.

• Und der Sieger im diesjährigen Sportler-Wettbewerb "Die Reise nach Jerusalem" heißt? Quentin Richardson. Der Basketballprofi wurde zwischen dem Ende der letzten NBA-Saison und heute bereits viermal getradet. Der Trip begann bei den New York Knicks, ging über die Memphis Grizzlies, die Los Angeles Lakers und die Minnesota Timberwolves. Sein derzeitiger Arbeitgeber sind die Miami Heat. Jerusalem, here we come.

2. Juli 2009

Ron Artest sagt: Er geht zu den Lakers

Ron Artest sagt, er wechselt von den Houston Rockets zu den Los Angeles Lakers. Die offizielle Bestätigung steht noch aus. Wenn es sich bewahrheitet, ist das ein erstaunlicher Schachzug des amtierenden Meisters, der dem Team die Chance gibt, die eigene Position in der Liga zu konsolidieren. Die Rockets hätten beinahe die Lakers in den Playoffs aus dem Rennen geworfen. Die Auswirkungen der vielen Rochaden, die zur Zeit in der NBA ablaufen, sind nicht ganz leicht zu prophezeien. Nicht jede Mannschaft, die sich neue Leute holt, wird durch die Anschaffung besser. Hauptaugenmerk von dieser Stelle aus: Was machen die Portland TrailBlazers, das beste Nachwuchsteam der Liga? Basteln die auch? Oder setzen sie auf Kontinuität? Aktionismus prägt das Bild in Detroit und Milwaukee, wobei man den Pistons zutrauen kann, dass sie durch die Bewegungen besser werden. Die Bucks sind und bleiben ein Lottery-Team.

25. Juni 2009

Shaq muss wandern – von einem Ort zum andern

Wenn der Handlungszwang zu groß wird, kommt so etwas dabei heraus: Ben Wallace, Sasha Pavlovic und ein Draft-Platz plus eine Summe Bargeld für Shaquille O'Neal. Das ist das Arrangement zwischen den Cleveland Cavaliers und den Phoenix Suns, das beiden Mannschaften auf unterschiedliche Weise NICHT hilft, sondern nur an der Optik bastelt. In Phoenix ist es die Optik der Gehaltsstruktur, weil man in O'Neal einen extrem teuren Center hatte. Jetzt kann man ein Sparprogramm fahren. In Cleveland ist es die Anmutung einer Lösung für ein Problem auf dem Platz. Und das funktioniert auch nur unter einer Bedingung: Dass O'Neal nicht verletzt zuschauen muss. Aber der Umbau sorgt wirklich für nicht mehr als ein Heftpflaster. Dass LeBron James jetzt manchmal den Ball an jemanden in Korbnähe abgeben kann, der ihm diesen Ball dann wieder zuwirft, führt gegen die beste Verteidigungsarbeit der Liga, also das, was die Los Angeles Lakers zuletzt gezeigt haben, zu nicht mehr als Geplänkel. Tempogegenstöße mit O'Neal? Viel Glück, möchte man da sagen. Die letzte Mannschaft, die noch etwas von diesem einst wirklich ganz bemerkenswerten und wirkungsvollen Spieler hatte, war Miami Heat. Lang, lang ist's her. Immerhin: Die Gerüchte um einen Wechsel von Yao Ming sind damit vom Tisch.

20. Juni 2009

Kavaliere der Landstraße gesucht

Es ist ein bisschen zu mühsam, dem Knistern der Gerüchtemühle rund um die Cleveland Cavaliers zu folgen. Klar ist nur soviel: Die Mannschaft ist nicht gut genug, um LeBron James dabei zu helfen, den Olymp der NBA zu erklimmen. Und: Der Club offeriert mit Ben Wallace (einst Meister in Detroit, dann bei den Chicago Bulls in Verwahrung) und Sascha Pavlovic gleich zwei Spieler, um sich im Tausch etwas Besseres zu holen. Die Kollegen aus den amerikanischen Medien, die ihre Ohren intensiv auf die Gleise gepresst haben, scheinen aber nur zu hören, was sich selbst wünschen. Dass die Cavaliers einen guten Center holen. Also wurde zunächst Shaquille O'Neal gehandelt. Was ein völlig unsinniger Trade wäre. O'Neal verdient irre Summen und ist inzwischen nur noch ein Schatten seiner ursprünglichen Platzpräsenz.

Also kam ein neuer Name auf – der von Yao Ming. Das macht nach einer schlichten Arithmetik Sinn, weil nämlich neulich chinesische Investoren mit einer Einlage in den Club eingestiegen sind. Chinesisches Geld für chinesische Sportler in Amerika? Das klingt nach "Deutsche esst deutsche Bananen". Ganz abgesehen davon, könnte Ben Wallace einfach seinen Rücktritt erklären, wofür es ebenfalls Anzeichen gibt. Dann fällt der ganze Luftballon einer Tauschaktion in sich zusammen, und Cleveland müsste sich auf dem Markt der Free Agents verstärken. Dort ist zur Zeit nicht viel zu holen. Ich tippe mal, dass eher diese Lösung ausgekocht wird: Antawn Jamison von den Washington Wizards geht nach Cleveland. Aber diese Spekulation ist so gut wie jede andere auch.

14. November 2008

Dirk und die Luftveränderung

Die Geschichte über den seltsamen Saisonbeginn der Dallas Mavericks in der Donnerstagausgabe der FAZ enthielt keinerlei Geheimwissen (mal abgesehen von dem schon etwas älteren Gerücht aus dem Umfeld der Mannschaft, das bislang noch nirgendwo groß gelaufen war, wonach Avery Johnson letztes Jahr Dirk Nowitzki abgegeben hätte, wenn er dafür Kevin Garnett oder Kobe Bryant bekommen hätte). Aber sie enthielt ein Gedankenspiel, das man in der Beschäftigung mit dem Team nicht mehr länger vom Tisch fegen kann. Wie werden Mark Cuban und das Management des Clubs auf die Resultate reagieren, nachdem knapp zehn Prozent der Saison absolviert sind und die Zeit allmählich drängt? Antwort (zugegeben sehr spekulativ): Mit einem Trade. Denn dass sie Trainer Rick Carlisle feuern, der erst seit ein paar Wochen seinen Job macht, ist quasi ausgeschlossen.

Sobald man aber über einen Trade nachdenkt, der substanziell etwas an der Lage ändern soll, muss man auch den Namen Dirk Nowitzki nennen.

Erstens: Der Club bekommt für niemanden mehr Gegenwert als für ihn.

Zweitens: Josh Howard ist zwar ein nut case, aber zur Zeit in Dallas auf jeden Fall sein Geld wert (wenn er gerade mal nicht verletzt ist).

Drittens: Jason Kidd ist keine Verstärkung, aber wer will den haben? Ganz abgesehen von der Trade-Mathematik, die verlangt, dass der Tauschpartner einen Gehaltsgegenwert abgeben muss, für den man angesichts des Verdienstniveaus von Kidd unglaubliche Verrenkungen anstellen muss (man erinnere sich an den Tausch der Mavericks mit den Nets, der fast nicht zustande gekommen wäre).

Viertens: Die chronische Notlage auf der Center-Position wird man nicht durch irgendeinen anderen NBA-Center beenden können. Auf dem Markt schwirren keine reizvollen Alternativen herum. Was man sich ertauschen kann, gehört in die Preisklasse Joakim Noah. Alles nur Leute mit Potenzial. Wer will so lange warten, bis die wirklich gut sind?

Fünftens: Alle kleinen Bastelarbeiten an der Zusammensetzung der Mannschaft machen einen Bogen um den großen Problemkreis: Dirk Nowitzki als Leistungsträger und Kapitän spielt (mal abgesehen vom Saisonauftakt, als er glänzte) nicht wie ein Leistungsträger und Kapitän. Ehrlich gesagt: Der Mann braucht – nach zehn Jahren Dallas – eine Luftveränderung. Wenn die Geschichte mit Don Nelson nicht so verfahren wäre, würde ich denken: Den Golden State Warriors müsste der 30jährige und sein Vertrag hervorragend ins Konzept passen. Aber wie feilscht man mit seinem eigenen Sohn (Donnie ist der Basketball-Chef in Dallas)? Und wie verhandelt man mit einem Mann (Mark Cuban), der einem nicht die Butter aufs Brot gönnt?

Sechstens: Andere denken neuerdings ähnlich: "At what point do you consider trading Dirk and just starting over?" (The Big Lead). Einer bringt den "Discount Superstar" bereits mit Detroit in Verbindung ("drei Monate davon entfernt, zu einem 1991er Tom Chambers zu werden"). Oder sie erwägen es, aber halten es für eine schlechte Maßnahme. Interessant: In Deutschland überlassen die Publikationen das Nachdenken über den Stand der Dinge offensichtlich lieber ihren Kommentar-Schreibern. Beispiele: am Freitag in der Welt und in Spox.

4. November 2008

Mythos wandert weiter

Es gibt sicher ganz viele gute Gründe, wieso diese Woche in der NBA diese schräge Tauschaktion zustande kam. Die Gründe auf Seiten der Denver Nuggets wollen einem noch am ehesten einleuchten. Das Team hat auf diese Weise endgültig zugegeben, dass das Experiment Allen Iverson gescheitert ist, und sich statt dessen mit Chauncey Billups einen mannschaftsdienlichen Spielmacher geholt. Was Iverson in Detroit ausrichten soll, bleibt einem schleierhaft. Scorer hat das Team genug. Sollen die in den nächsten Wochen auf dem Platz herumstehen und zuschauen wie der Neue seinen Wirbel entfacht? Ist das der Weg zum Titel?

So viel steht fest: Der Mythos Iverson ist einfach nicht totzukriegen. Es sei denn, man lebt in Philadelphia und mit den 76ers, wo man ohne die answer schon im Frühjahr eine wichtige Frage beantworten konnte. Man erreichte im April zum ersten Mal seit 2005 wieder die Playoffs. (beim Aus in der ersten Runde gegen Detroit in sechs Spielen sah die Mannschaft relativ stark aus). Es geht also nach oben. Die Mannschaft wurde im Sommer noch mit Elton Brand aufgepolstert und wirkt nun wie ein sehr respektabler Outfit für die Eastern Conference.

15. August 2008

Von Stadt zu Stadt

Aus der Abteilung "Manchmal kommt es schneller, als man denkt": Der NBA-Profi Damon Jones saß am Mittwochmorgen im Fernsehstudio von ESPN in Bristol und diskutierte mit seinem Gesprächspartner die Frage: Wie kommt es eigentlich, dass die Cleveland Cavaliers so wenig man Kader herumbasteln. Wenn LeBron James (zur Zeit in Peking aktiv) demnächst wirklich mal die NBA-Meisterschaft gewinnen will, braucht er doch Verstärkung, oder etwa nicht? Kurze Zeit später, auf dem Weg zum Flughafen, saß Jones in einer Limo, und der Fahrer hat ihm erzählt: Damon, du bist gerade von den Cavaliers zu den Milwaukee Bucks geschippert worden. Der hatte die Nachricht bei einem Telefongespräch mit seinem Sohn aufgeschnappt, der bei ESPN arbeitet. Jones war drei Jahre in Cleveland und rechnet nicht damit, dass er an seinem neuen Arbeitsplatz die Trainingsjacke ausziehen muss. Point Guards wie ihn hat man dort genug (via SportsbyBrooks)

2. August 2008

Auf leisen Socken

Nur einen Tag nach dem Trade, der Manny Ramirez nach Los Angeles expedierte, hat man in Boston sehr gute Arbeit abgeliefert und die vielen Facetten aufgeblättert, die zu der Aktion führten. Zu den Neuigkeiten in der Geschichte gehörte, dass der Agent des Outfielders kurz nach dem Vollzug der Transaktion mitteilen ließ: Ramirez, der eine No-Trade-Klausel in seinem Vertrag hat, habe sich alles anders überlegt und wolle doch in Boston bleiben und – viel wichtiger – sich fortan mannschaftsdienlicher gerieren. Diese Information, die man im Umfeld von Club-Manager Theo Epstein vermutlich sehr gerne an wissbegierige Journalisten weitergegeben, um den teuren vorfristigen Abschied von einem Arbeitsverweigerer und Clown zu rechtfertigen, der an seinen guten Tagen unzweifelhaft zu den Leistungsträgern der Red Sox gehörte.

Solche atmosphärischen Aspekte des Geschäfts gehören in Boston wohl einfach dazu. Die Beziehung von Medien und Fans zum Club und den wichtigen Spielern ist intensiver als in anderen Städten in den USA. Leute, die einst in Boston zentrale Bausteine der Mannschaft waren, haben sich nach ähnlichen Tauschaktionen oft genug über die Taktik des Club-Managements beschwert. Auch dazu hatte der Boston Globe heute ein paar Zitate – aus dem Mund von Nomar Garciaparra zum Beispiel (Shortstop und Ehemann von Fußball-Halbgöttin Mia Hamm). Auch er habe nicht die Stadt verlassen wollen. Mit anderen Worten: Schuld an der abrupten Luftveränderung von damals hatte angeblich das Management der Red Sox. Pitcher Derek Lowe erinnerte sich ebenfalls nur ungerne an der Ausbürgerung aus der Red Sox Nation.

Denn auch wenn die Kohle in Los Angeles stimmt: Die Beachtung, die ein Baseballprofi in der Stadt findet, steht in einem reziproken Verhältnis zu den Vorstellungen von der Magie der Metropole im Showgeschäft. Die Basketballspieler der Lakers sind Stars in der Stadt. David Beckham zieht einen Schweif von Paparazzi hinter sich her. Dagegen fällt der Stellenwert der Dodgers ziemlich ab. Immerhin haben sich die wirtschaftlichen Eckdaten in den letzten Jahren verbessert. Der Club machte jahrelang im großen Stil Verluste, inzwischen bleibt auch wieder Geld in der Kasse. Die beste Invesition der jüngeren Vergangenheit: die 60 Millionen Dollar, die in eine Renovierung des Stadions gesteckt wurden. Man sieht: Es geht auch ohne einen Neubau, wenn der Eigentümer nicht auf großformatige Subventionen spekuliert. Sportlich zehrt das Team von der Vergangenheit. Und wir reden nicht von der Zeit in Brooklyn und dem schmählichen Umzug, sonder von den siebziger und achtziger Jahren, als die Mannschaft in der National League zu den Spitzenclubs gehörte. Letzten November wurde Joe Torre als Manager verpflichtet, der vorher bei den New York Yankees an den Gang getan wurde, weil die Mannschaft zu lahm geworden war und ganz offensichtlich frischen Wind brauchte. Für die Playoffs wird es jedoch nur dann reichen, wenn man in der schwachen Western Division den Arizona Diamondbacks die Taellenspitze abjagen kann. Beim ersten Auftritt von Ramirez gegen die Diamondbacks am Freitag hätte man dabei einen guten Schritt nach vorne tun können. Die Dodgers verloren mit 1:2.

13. Juli 2008

Starbury-Schuh-Firma hat Konkurs angemeldet

Die Idee hatte etwas Verführerisches: Eine Firma bringt einen extrem preiswerten, tauglichen Basketballschuh für 15 Dollar auf den Markt, arbeitet mit einem bekannten NBA-Spieler als Werbefigur und eröffnet einen Laden nach dem anderen, um Sportbekleidung und Sportmode für Leute mit ganz, ganz niedrigem Einkommen zu verkaufen. Die Idee scheint auf falschen Voraussetzungen aufgebaut gewesen zu sein. Steve & Barry's, das Unternehmen hinter dem Starbury-Schuh, hat Konkurs angemeldet. Die Entwicklung betrifft auch andere Vertragspartner wie etwa Venus Williams. Die Chefs der Company schieben ihre Probleme auf den gegenwärtigen wirtschaftlichen Abschwung in den USA, der die Zielgruppe in den Niedrigeinkommen-Schichten stärker betrifft als die Prestige- und Luxusklientel. Vor allem die stark gestiegenen Benzin-Preise schneiden in vielen Familien ins Budget. Aber theoretisch sollte dies sogar ein Pluspunkt für die Kette sein, die mehr als 200 Läden betreibt. Denn für Schnäppchen-Produkte gibt es auch in schlechen Zeiten einen Markt. Nur kommen die Kunden dann aus etwas besser situierten Kreisen.

Sogenannte Analysten im Umfeld von Wall Street sind denn auch der Auffassung, dass es sich hierbei um eine Ausrede handelt. Vermutlich konnte das ganze Konzept nie funktionieren, weil die Margen nicht da waren. Wie Steve & Barry's trotzdem die Banken beschwatzt haben, um Geld für ihre Expansionspläne zu bekommen, ist noch nicht bekannt. Sie stehen mit 135 Millionen Dollar in der Kreide. Ein Konkursverfahren bedeutet nicht zwingend das Ende einer Firma. Wenn die Gläubiger auf ihre Forderungen verzichten oder (in der Hoffnung auf eine spätere Tilgung) umschulden, hat eine Firma eine Überlebenschance. Genauso wie Stephon Marbury, der ein Jahr vor dem Ablauf seines Vertrages mit den New York Knicks, vermutlich noch immer für den einen oder anderen NBA-Club interessant sein wird. Nicht aus sportlichen Gründen – jede Mannschaft, zu der Marbury stößt, spielt schlagartig schlechter – aber aus salary-cap-technischen Gründen. Die spannende Frage der nächsten Wochen wird deshalb lauten: Wieviel an Gegenwert werden die Knicks bei einem Trade erhalten? Und ab wann akzeptieren sie das Unvermeidliche? Dass sie für ihren Point Guard so gut wie nichts Brauchbares bekommen werden (via SportsByBrooks).

20. Februar 2008

Der Magier ist da

Den Kidd-Trade und den Dallas Mavericks werden die meisten wohl mittlerweile im Blickwinkel der Frage abgehandelt haben: Macht der Neue Nowitzki und Co. besser? Die Antwort darauf haben wir schon vor mehreren Tagen versucht, als sich die Transaktion abzeichnete. Der Artikel in der morgigen Printausgabe der FAZ dröselt das Thema aus einer Perspektive auf, die vor allem den Nichtfachleuten und den Leuten mit einem Elephantengedächtnis etwas bietet: Wir erinnern an das katastrophale Versagen von Mark Cuban, einen der besten Playmaker der NBA zu halten. Was die Hälfte des Geldes gekostet hätte, das er jetzt Jason Kidd und über die Luxury Tax an die anderen Clubs bezahlt. Der Artikel ist nicht online gestellt (Nachtrag einen Tag später: Es gibt ihn jetzt bei faz.net). Hier der Einstieg in den Text:
"Als Mark Cuban vor vier Jahren einen der besten Spielmacher der National Basketball Association ziehen ließ, setzte er sich an den Computer und schrieb einen langen Sermon von mehr als 4000 Worten für sein Internet-Tagebuch “Blogmaverick”. Die ellenlange Rechtfertigung dafür, weshalb er Steve Nash nicht einen Vertrag mit einer angemessenen Gage angeboten hatte, vernebelte die eigentlichen Gründe für seine Entscheidung: Der Eigentümer der Dallas Mavericks hielt den damals 30-jährigen Kanadier einfach für zu alt, um ihm eine Entlohnung zu garantieren, wie er er sie Nashs bestem Freund Dirk Nowitzki ohne weiteres zahlen wollte.

Für seinen damaligen Geiz zahlt Cuban noch heute. Nicht nur weil Nash bei den Phoenix Suns zweimal in Folge zum wertvollsten Spieler der NBA avancierte und er im entscheidenden Moment in Dallas fehlte, um dem Team im Frühjahr 2006 zu einer Meisterschaft zu verhelfen. Seit Dienstag dieser Woche kippt der selbstbewusste Basketballunternehmer das Geld förmlich mit beiden Händen aus, um das Leistungsloch zu stopfen, das damals entstand. Der Empfänger: Jason Kidd, der seine Profikarriere 1994 in Dallas begonnen hatte. Sein Alter: Er wird in einem Monat 35. Seine Entlohnung: 19,4 Millionen Dollar pro Saison und damit der viertteuerste Profi in der NBA...."

Und weil's so schön war: Hier noch mal die Szene mit Avery Johnson und Jason Kidd in jener Zeit, als der Spielmacher zum ersten Mal in Dallas spielte:

5. Februar 2008

Pau-Wow in La-La-Land

Der zweite massive Trade der Saison in der NBA zeigt ganz direkt und deutlich Wirkung. Pau Gasol war in seinem ersten Spiel nach dem Wechsel von den Memphis Grizzlies zu den Los Angeles Lakers ein wichtiger Faktor. 105:90 gegen die New Jersey Nets. Produktionsanteil: 24 Punkte.

Gasol sieht zwar in diesem Halbgalopp immer so aus, als ob er kurz davor ist, über sein eigenen Beine zu stolpern oder als ob er den eckigen Gehstil von seinem neuen, hüftlahmen Trainer Phil Jackson imitiert. Aber der Eindruck täuscht. Der Mann hat ein Auge für seine Nebenleute und einen guten Zug zum Korb. Man nennt so etwas einen hohen Basketball-IQ. Und der Spanier passt in die Mischung. Die Western Conference hat damit einen klaren neuen Favoriten erhalten. Die Lakers sind in dieser Kombi in den Best-of-Seven-Playoff-Serien nicht zu schlagen. Fernsehmann Marv Albert, der das Spiel gegen die New Jersey Nets übertrug, berichtete hinterher, dass Kobe happy ist. "Es gibt einen Gott", soll er gesagt haben. Das muss dann der gleiche Gott sein, der Shaq nach Miami transferierte und jetzt die Ungerechtigkeit seines Tuns einsieht. Oder gibt es am Ende doch mehrere?

Gasol ist 2,13 Meter groß und erst ganze 27 Jahre alt. In Memphis wäre er versauert. Jetzt kann er wirklich zeigen, was er kann.

30. Januar 2008

Kidd nach Dallas: Tauschmasse gesucht

Nach etwas mehr als einer halben Saison hat sich an dem Grundproblem der Dallas Mavericks nichts geändert. Dirk Nowitzki braucht Hilfe. Sonst wird es auch in diesem Jahr nichts mit dem Gipfelsturm. Das derzeitige Tabellenbild ist da beileibe kein Trost. Im Gegenteil: Es zeigt eine ganze Gruppe von tauglichen Aspiranten, die in der Lage sein dürften, in einer Best-of-Seven-Serie fast jede andere Mannschaft vom Parkett zu schubsen. Egal ob in der ersten, zweiten oder der dritten Runde.

Eine Person wird in diesen Tagen immer wieder als nützliche Verstärkung ins Gespräch gebracht: Jason Kidd von den New Jersey Nets, der selbst im relativ hohen Alter von fast 35 Jahren noch immer in jedem Spiel Chancen auf einen Triple Double hat, weil er einfach schneller denkt und handelt, als die meisten Basketballer neben ihm. Dass man in Dallas darüber nachdenkt, Tauschmasse ins Fenster zu stellen, um Kidd zu bekommen, ist kein Geheimnis. Da die Mannschaft ohnehin überdurchschnittlich gut bezahlt, kann man sich auch ausmalen, wie rasch man die 19 Millionen Dollar, die Kidd in dieser Saison verdient, ausbalanciert. Man steckt nur die Herren Terry und Stackhousein eine Tüte und legt einen Draft-Pick obendrauf und hat schon alles beieinander, was man braucht.

Die Crux sind die Wünsche der Nets, die sich dem Vernehmen nach auf Josh Howard kapriziert haben, der sich zum All-Star gemausert hat und noch gar nicht mal so teuer ist. Das Tauziehen könnte so weit gehen, dass man einen dritten Club als Katalysator braucht, um die Aktion durchzuziehen. Zumal die Mavericks nicht nur jemanden wie Kidd brauchen, sondern dringend die Verbindungen zu dem teuren Nichtsnutz Erick Dampier kappen sollten. Den scheinen die Nets aber nicht zu wollen (kann man verstehen).

Was hat sich geändert, als das Thema erstmals für größere Schlagzeilen sorgte? Kidd hat sich deutlich genug geoutet und verlangt nach Luftveränderung. In Dallas kennt er sich aus. Dort hat seine NBA-Karriere begonnen.

10. Dezember 2007

Abra-Kidd-Abra: Dallas sucht Magier

Nostalgiker im Umfeld der NBA gibt es reichlich. Das liegt daran, dass so viele Ex-Spieler Trainer werden. Oder Manager. Oder Radio- und Fernsehkommentatoren. Und sie alle mit einem Auge Richtung Vergangenheit schielen, weil damals alles angeblich immer viel besser, attraktiver, entspannter, redlicher war. Nun, ja. Als Jason Kidd damals in der Mitte der neunziger Jahre noch in Dallas spielte, gab es vor allem eins: Stress. Denn trotz allen Potenzials schienen er und zwei andere hoch gehandelte junge Spieler - Jim Jackson und Jamal Mashburn - nicht miteinander zurecht zu kommen. Sie spielten zwar im günstigsten Fall einen schnellen, attraktiven Ball, aber taten nur wenig für die Verteidigung. Die Konstellation war nachgerade trostlos.

Nun wollen die Spekulationen nicht abreißen, dass derselbe Jason Kidd, der sich einst als Schmollmeister betätigte und dann über Phoenix bei den New Jersey Nets landete und das Team zweimal ins Finale führte, seine Karriere dort beenden wird, wo sie anfing: in Dallas. Daran scheint der Fort Worth Star-Telegram zu glauben. Und auch die Chicago Tribune, deren Trade-Gerüchte man aber schon seit langem mit Vorsicht genießen muss. Und die Salt Lake Tribune, auch wenn es andere Quellen gibt, die das Ganze für eine Ente halten.

So viel steht fest: Die Mavericks können nicht mehr länger so tun, als sei die Mannschaft, die man derzeit beeinander hat, in der Lage, sich selbst aus dem Mittelmaß herauszumanövrieren. Die schon vor langer Zeit monierte Vor-Saison-Propaganda von Leuten wie Dirk Nowitzki wirkt im Nachhinein nur noch bräsig. Oder warum sind die Jungs nicht in der Lage, das zu beweisen, was der amtierende MVP behauptet hatte, der noch nie in seinem Leben irgendetwas in Frage gestellt hat: "Wir haben auch so eine gute Mannschaft, die stark genug ist"?

Aber zurück zu den Gedankenspielen: Was soll der 34jährige Kidd in Dallas ausrichten, wenn sich sonst nichts ändert? Und wenn man dafür mehr abgeben muss als Jason Terry und Erick Dampier? Eine solche Maßnahme macht nur Sinn, wenn man im gleichen Atemzug weiter umbaut und sich einen Spieler holt, der unterm Korb etwas ausrichtet.

Hier der Videoschnipsel für wahre Nostalgiker passend zu diesem Post: Kidd für Dallas gegen Avery Johnson für die San Antonio Spurs.

27. Oktober 2007

Verdirkte Welt

Nächste Woche beginnt die neue NBA-Saison, auf die man sich allmählich auch im deutschsprachigen Raum einstimmt. Am Sonntag gibt es in der FAZ einen Text, der sich mit dem merkwürdigen Verhältnis von Avery Johnson und Dirk Nowitzki in Dallas beschäftigt, das der Grundstein dafür ist, dass der Trainer ständig so tut, als habe er lernbedürftige Schüler zu betreuen, die nicht richtig Basketball spielen können. Der MVP wiederum denkt gar nicht daran, die Verantwortung zu übernehmen und drückt sich vor dem dringend notwendigen Aufstand gegen Johnson. Die beiden werden auf diese Weise noch viel Spaß aneinander haben. Zumal Nowitzki dem Spiegel (via NBA-Blog) deutlich gemacht hat, dass er ganz offensichtlich das Kernproblem gar nicht erkennt. Er habe zwar nach der Saison alles in Frage gestellt - "sogar die ganze Karriere". Aber alles, was am Ende dabei herauskam, war die Feststellung: "Wir haben auch so eine gute Mannschaft, die stark genug ist." Eine Mannschaft, die auf keiner Position verstärkt wurde, in der er keine Nebenleute hat, die ihn in der Rolle des Scorers zuverlässig unterstützen können. Und keinen vernünftigen Center, der unterm Korb die Arbeit macht. Das soll reichen? Wer macht hier eigentlich wem was vor?

Der andere Text wird in der SonntagsZeitung in der Schweiz erscheinen und die Chicago Bulls und Boston Celtics behandeln, die nach Expertenansicht die stärksten Rivalen um den Top-Platz in der Eastern Conference sein werden. Die Bulls liegen den Schweizern natürlich auch deshalb nahe, weil dort Nationalspieler Thabo Sefolosha spielt, dessen Option auf ein drittes Vertragsjahr soeben von Chicago wahr genommen wurde.

Sowohl Dallas als auch Chicago sind noch immer die vielversprechendsten Kandidaten für einen Deal mit den Los Angeles Lakers in Sachen Kobe Bryant. Die Signale sind aber eher schwach. Die Bulls müssten sich wohl von Luol Deng verabschieden, dem sie gerade ein maßvolles Angebot für einen langfristigen Vertrag gemacht haben. Die Offerte sollte man auf keinen Falls als Trade-Hinweis deuten, sondern eher als Teil einer konsequenten jahrelangen Gehaltspolitik, bei der man sich an der Salary Cap orientiert und nicht an dem Wettrennen von solchen Verschwendern wie den New York Knicks oder den Dallas Mavericks.

Dallas und Kobe Bryant bleibt ein Thema, das vor allem von den texanischen Zeitungen hochgepeitscht wird. Der Bewegungsspielraum für Dallas ist minmal. Es sei denn, sie geben Josh Howard und Devin Harris ab. Dagegen spricht - siehe Boston - erst mal gar nichts. Außer dass die Mannschaft bei einem solchen Trade dringend das Loch in der Mitte stopfen müßte. Erick Dampier und die anderen Center haben nicht das Format, um einer Mannschaft mit Bryant und Nowitzki als Dreh- und Angelpunkt die Arbeit zu erleichtern.

18. Oktober 2007

Wir denken das Undenkbare: Nowitzki im Tausch gegen Bryant

Es ist allmählich an der Zeit, das Undenkbare zu denken: Kobe Bryant zu den Dallas Mavericks und Dirk Nowitzki zu den Los Angeles Lakers. Alles Gerede, was man bisher vernommen hat, ging immer nur in eine Richtung: Cuban hält an Nowitzki fest, alle anderen Spieler hingegen stehen für einen Tausch zur Disposition. Warum das so sein soll, sagt kein Mensch. Dirk ist keine Statue mit Betonsockel und einem riesigen Stahlstift, den man nicht an einen anderen Ort verpflanzen könnte. Und er hat mit diesem Umfeld und dieser Mannschaft gar keine Chance auf einen Titel in Dallas. Das hatte er nicht, als Steve Nash noch da war. Und auch nicht im Finale gegen die Heat (in das sie nur mit ein bisschen Schiedsrichterhilfe kamen, sonst hätten sie nicht die Siebener-Serie gegen San Antonio gewonnen). Was im letzten Frühjahr in der ersten Playoff-Runde abgegangen ist, haben wir noch frisch in Erinnerung: Mavericks-Coach Avery Johnson wird von seinem Ziehvater nach Strich und Faden vorgeführt.

Für Nowitzki wäre jeder Wechsel von Nutzen. Vor allem, wenn er bei einem Club landet, der seine Spieler nach Kriterien zusammensucht, die nowitzki-kompatibel sind. Wenn er auf einen Trainer trifft wie Phil Jackson, der ihm mehr beibringen kann als die üblichen Hinweise darauf, er möge doch bitte mehr den Korb attackieren und die Sprungwürfe vernachlässigen. Nowitzki hat in Dallas bereits alles geleistet, was man leisten kann, und dazu beigetragen, dass aus der schlechtesten Mannschaft der NBA eine Art von Titelaspirant wurde. Er sollte begreifen, dass es an der Zeit ist, so eigensinnig wie Wilt Chamberlain zu denken und sich selbst für einen Trade ins Gespräch bringen. Wie man das am Geschicktesten macht, können ihm seine Berater bei der Firma Nike bestimmt verraten. Normalerweise fängt man erst mal mit einem Dementi an. Und dann schaut man weiter.

17. Oktober 2007

Kobe und das Kaugummi

Man wünscht sich an solchen Tagen den Zauber eines Prinzen in einem Märchen der Gebrüder Grimm, der mit einem Streich, mit einem Kuss, mit einem Ritt über den Regenbogen ganze Königreiche umwandelt. Er möge kommen, von irgendwo her und endlich dieses alte durchgekaute Kaugummi durchschneiden, auf dem sie in Los Angeles herumkauen. Und poof: Kobe Bryant wäre bei seinem neuen Club. Und wir könnten uns auf die Frage konzentrieren: Wie wirkt sich das alles auf die kommende Saison aus?

Aber vielleicht gibt es diese Prinzen gar nicht. Wenn man liest, auf welche Weise die um das Trainingslager herumlungerende Meute in Los Angeles diesen Schnitt herbeischreibt, hat man eher das Gefühl, das noch ganze Bulldozer und Megamaschinen gebraucht werden, um den absurden Tanz zu beenden. Beim Training mit der Mannschaft tritt Kobe Bryant nicht auf. Er arbeitet mit Maschinen und Gewichten - allein. Ein Zeichen? Seinen Schrank in der Umkleidekabine hat er nur AUFgeräumt und nicht AUSgeräumt, aber alles war bereits in heller Aufregung. Ein Zeichen? Die Autoren, die die Tauschmöglichkeiten analysieren und sagen, dass die Chicago Bulls das beste Gegenangebot machen können - ein Zeichen?

Sagen wir mal so: Die Lakers tun sich schwer. So schwer wie selten zuvor, als sie irgendwie immer einen Weg gefunden haben, bei anderen Teams die Top-Leute zu kapern (Wilt Chamberlain und Kareem Abdul-Jabbar und später Shaquille O'Neal) oder hübsch an sich zu binden (Trainer Phil Jackson). Da war das Management immer der Aggressor und Jäger. Nun sitzen sie ohne Handlungsspielraum da und müssen sich an den Gedanken gewöhnen, dass man selbst als Manager der Lakers von einem überragenden Einzelspieler der Liga in die Ecke getrieben werden kann. Nach meiner Vermutung geht es im Moment nur noch um die Feinheiten eines mehrstufigen Tausches. Die Lakers wollen herausfinden, wie man den Tradeertrag aus Chicago (oder Phoenix) in einer zweiten Transaktion mit einem Club in sinnvolle Verstärkungen umwandeln kann. Denn egal was man aus Chicago (oder Phoenix) auch bekommt - nichts passt wirklich zusammen.

Die andere Seite der Medaille: Ich vermute übrigens, dass Andrej Kirilenko noch immer auf dem Markt ist und damit ein paar theoretisch eher geradlinige Gespräche verkompliziert wurden. Denn auch der passt wie Bryant mit seinem teuren Vertrag wirklich nicht überall hin.

Während wir auf den Schnitt waren, hier ein Moment mit dem Schweizer Nationalspieler, der mit Sicherheit von den Bulls abgegeben würde, wenn sie sich auf einen Trade einlassen: Thabo Sefolosha. Er hat einen hübschen Spielzug gelernt: den Dunk, den man sich selbst vorlegt.

21. September 2007

Kirilenko legt nach: Notfalls verzichtet er aufs Geld

Wenn man weiß, wie verächtlich Sportler aus Europa in den traditionellen Mannschaftssportarten Nordamerikas eingestuft wurden (und teilweise immer noch werden), dann entwickelt man unwillkürlich eine ungeheure Sympathie für die Vorgehensweise von Andrej Kirilenko. Der russische Nationalspieler, der bei der Europameisterschaft all das gezeigt hat, was er kann, der aber bei den Utah Jazz in der NBA so gut wie keinen Entfaltungsspielraum erhält, hat offensichtlich nicht nur einen Trade verlangt. Er ist sogar bereit, auf das viele Geld zu verzichten, dass ihm aufgrund seines Vertrages bis 2010 noch zusteht, wenn ihn der Club NICHT ziehen lässt. Damit hat das Tauziehen um den MVP von Spanien innerhalb kürzester Zeit einen Unterhaltungswert erreicht, der den Clubmanagern in Salt Lake City nicht recht sein kann. Denn falls Kirilenko ernst macht und nicht am 1. Oktober zum Trainingslager anreist, sondern konsequent weiterpokert, steht das Team ziemlich dumm da. Bei einem Tausch mit einem anderen Club hingegen könnte Utah - zumindest auf dem Papier - einiges an Gegenwert - bekommen. Die 13,7 Millionen Dollar Salär im kommenden Jahr (und der Rest) müssen schließlich bei einem Trade nach den NBA-Regeln gleichwertig aufgewogen werden. Das Kluge an Kirilenkos Schachzug ist, dass er nicht unmittelbar nach einer statistisch gesehen ziemlich schwachen, aber sportlich für das Team eher starken Saison den Mund aufmachte, sondern nach einem glanzvollen Auftritt in Europa, der bewies, dass Coach Jerry Sloan ein sturköpfiger Schematiker ist, der nicht mal Potenzial erkennt, wenn es auf langen dünnen Beinen und mit verhungert wirkendem Gesicht vor ihm steht.

Ach, ja, sagen dann in solchen Momenten die Verteidiger des sturköpfigen Schematikers: Hat man Kirilenko nicht auch deshalb in Utah einen so guten Vertrag gegeben, weil man ihn damals für potentiell ziemlich wertvoll eingestuft hat? Aber dabei handelt es sich um eines dieser Scheinargumente aus der Logik-Abteilung des Sports, bei dem man die Schuld für das Leistungsprofil eines Athleten immer zuerst beim Athleten vermutet. Alles nach dem Motto: Wenn ein Spieler nicht wie der Roboter funktioniert, den sich die Teamverantwortlichen ausgemalt haben, dann muss das an dem Spieler liegen. Am Trainer ganz bestimmt nicht. Der ist der Erwachsene in diesem Ringelreihen. Der Spieler ist das unangepasste Kind.

In einem anderen Club würde solch ein Psychodrama auch schon mal dem Trainer zur Last gelegt (und dann wird der an die Luft gesetzt). Aber Jerry Sloan wird man bei den Jazz vermutlich erst dann beerdigen, wenn er wirklich tot ist. Der Mann hat eine Lebensstellung und unumstrittene Autorität. Zumal Salt Lake City kein Medienstandort ist, an dem die Öffentlichkeit via Zeitungen, Radio oder Fernsehen an ihren Denkmälern rüttelt. Die Hauptstadt der Mormonenbewegung wird von mehr Gutmenschen pro Quatdratmeter bevölkert als jede andere Metropole in den USA. Die lieben Ordnung, Hierarchie und...Menschen mit weißer Hautfarbe.

Was sie nicht lieben, sind widerspenstige, unangepasste Figuren, die das patriarchalische Gefüge in Frage stellen. Wenn Kirilenko konsequent bleibt, hat er damit die weiche Stelle getroffen und in ein paar Wochen einen neuen Arbeitsplatz. Wenn er den eingeschlagenen Kurs nicht durchzieht, hat er keine Sympathie verdient.

31. August 2007

Dumm gelaufen: Dallas wollte Garnett, aber bot zu wenig

Mark Cuban wollte Kevin Garnett nach Dallas holen und hat bis zum Drafttag auf eine Lösung gehofft. Aber die Timberwolves riefen nicht an. Und damit war das Thema erledigt. Wochen später landete der produktivste Einzelspieler der NBA bei den Boston Celtics. Dass die Mavericks und ihr Eigentümer dem Liga-MVP Dirk Nowitzki ernsthaft einen potenten Nebenmann an die Seite stellen wollten, hat Cuban jetzt erstmals gegenüber dem Dallas Blog durchblicken lassen. Die Offerte war wohl nicht attraktiv für Minnesota: "Unser Ziel war eine Vereinbarung, die nicht unseren Spielerkader ramponiert. Du willst nicht mit Dirk und KG und drei Typen namens Moe antreten."

Dass da zu jener Zeit etwas in der Luft lag, wurde hier und hier bereits angedeutet.

30. Juli 2007

Also doch: Garnett zu den Celtics

Kein Gerücht mehr, sondern von AP bestätigt: Garnett nach Boston. Falls sich jemand dafür interessiert, wie schwierig es ist, einen Mann mit einem Vertrag wie seinem abzugeben und weshalb manche Clubs aus kuriosen finanziellen Erwägungen nicht in Frage kommen, der sollte mal diesen Text von Marc Stein durcharbeiten. Aber Warnung: Nicht für NBA-Neulinge und Menschen geeignet, denen die komplizierte Arithmetik von Salary Cap und aktuellem Tarifvertrag nicht einleuchtet. Als Sahneschnitte obendrauf: Der Adidas-Werbespot, der zeigt, wie sich KG bei den Timberwolves gefühlt haben muss. Ab jetzt sollte alles leichter werden.

Blick zurück: Als alles noch ein Gerücht war