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7. Januar 2008

Der heiße Stuhl bei CBS: Ganz kalt

Kaum war das zähe Hin und Her im Regen von San Diego zu Ende, wo sich mit den Chargers und den Tennessee Titans zwei Müselige*) und Beladene aneinander abrackerten, da warteten wir auf Roger Clemens. Und warteten und warteten. Die Sendung 60 Minutes hatte zuerst den Schlaumeier vor der Kamera, der Pakistan regiert. Das Interview war so zäh wie das Footballspiel. Sieger: Musharraf, weil er trotz aller Zangenbewegungen der Reporterin Lara Logan nie zugeben musste, dass er der Hauptverantwortliche für den Terrorismus auf der Welt ist (Förderer der Taliban in Afghanistan, als die noch regierten. Enabler der Zellen in Karatschi und im Grenzland, in dem sich Bin-Laden aufhält. Wächter über die Madrassas, die nicht lange fackeln und ihre Kinder zum Zündeln animieren.)

Dann hatten wir den ehemaligen Running Back der Bostoner Winter Hill Gang, der in seinem Leben wohl etwa 20 Menschen umgebracht hat, aber mit relativ wenig Gefängnis bestraft wurde, weil er sich als Zeuge der Anklage einspannen ließ. Reporter Steve Kroft war durchaus Willens, das Gute in diesem Menschen zu finden, und erst recht das Schlechte. Aber alles glitschte durch die Hände, weil John Martorano kein Dummkopf ist. So saß er da - ein Killer, wie er im Buche steht. Und irgendwie war das alles nur - zäh. Und breiig.

Dann kam endlich Roger Clemens und ließ sich von dem 89jährigen Reporter Mike Wallace befragen, weil der den Ruf des unbestechlichen, unerbittlichen Fragestellers hat. Wallace ist seit einer Weile quasi im Ruhestand und kennt Clemens von einem früheren Interview. Er war jedoch kein Gegner für einen Baseball-Spieler, der seit Jahren an seinem Image feilt und alles an sich abtropfen lässt, was man in seine Richtung schmettert. Das war - wie soll man sagen? - zäh. Dieser Versuch, jemanden mit den Zitaten aus dem Mitchell Report zu konfrontieren, die ihn belasten und ihn dann mit seinen Dementis davon kommen zu lassen. Die Redaktion hatte nichts an eigener Recherchenarbeit auf die Beine gestellt, um die Frage der Glaubwürdigkeit des Pitchers und des ihn belastenden Fitnesstrainers gründlich zu analysieren. Ein kleiner Hinweis auf die Anwürfe in Andy Pettites Richtung (die der bestätigt hatte) und die zeigen, dass Brian McNamee ganz bestimmt kein durchtriebener Lügner sein kann. Das war's. Wallace brachte dann noch solche Sachen auf wie Lügendetektortest (ohne zu erwähnen, dass die Doping-Lügnerin Marion Jones den ihren bestanden hatte). Und er bat Clemens zu schwören, dass er die Wahrheit sagt. Er sagte: "Ich schwöre." Das machen Kinder auf dem Schulhof. Das soll die investigative Macht des Fernsehens sein?

Was bleibt: Die Erkenntnis, dass die Leute, die bei 60 Minutes vorab die Themen lancieren, besser sind als die Produzenten und Reporter der Sendung. Die streuen jede Woche mit Erfolg eine Erwartungshaltung, die darin gipfelt, dass sich Millionen von Zuschauern das Programm anschauen. Kompliment. Das ist auch eine Kunst, wenn das Produkt nicht hält, was sich unsereins davon verspricht.

*) Wortschöpfung

Nachtrag: Roger Clemens hat am Sonntag Klage wegen übler Nachrede gegen seinen ehemaligen Fitnesstrainer eingereicht. Ob er zum Hearing im Kongress antritt, wo er unter Eid aussagen müsste, steht noch nicht fest. Eingeladen wurde er. Termin ist der 16. Januar. Der Kongress hat theoretisch die Macht, jemandem eine verbindliche Vorladung zu schicken, wenn er sich weigert. Aber so weit sind wir noch nicht.

16. Dezember 2007

Der Klingelbeutel: Eine Null weniger

PSSST....DIE MIAMI DOLPHINS haben nach 13 Niederlagen ihr erstes Spiel in dieser Saison gewonnen. Damit haben sie ganz knapp die Chance verpasst, sich zum zweiten Mal mit einer Null in die Rekordlisten der NFL einzutragen. In seinem bisher besten Jahr - 1972 - blieb der Club die ganze Saison über ungeschlagen und gewann den Super Bowl. Die New England Patriots hielten sich die Tür offen, in dieser Saison das gleiche hinzubekommen. Sie schlugen die New York Jets.

DER KOMMENDE Baseball-Home-Run-König Alex Rodriguez hat bei CBS in der Sendung 60 Minutes nicht nur erzählt, weshalb er darauf verzichtete, sich bei der Vertragsverlängerungsverhandlung mit den New York Yankees selbst zu vertreten und seinen Agenten zu Hause zu lassen. Er hat auch bestritten, jemals leistungsfördernde Mittel genommen zu haben. Er sagte sinngemäß, er sei immer gut genug gewesen und musste sich keine Gedanken über etwas Nachhilfe machen. Was man womöglich glauben kann. Aus seiner Sicht besteht Baseball zu 90 Prozent aus mentaler Leistung.

RUNNING BACK Warrick Dunn von den Atlanta Falcons (rechts) hat neulich etwas extrem Ungewöhnliches getan. Er ging ins Gefängnis, um den zum Tode verurteilten Mörder seiner Mutter zu treffen. Die Tat im Jahre 1993 zwang den Teenager, sich um seine Geschwister zu kümmern. Trotz der Last und Verantwortung gelang ihm eine beachtliche Karriere als Footballspieler.

MAN KANN DIE FRAGE ja mal stellen: Sollte es Männern, die das seltsame Bedürfnis haben, in ihrer Freizeit Trikots von Clubs zu tragen, gestattet sein, sich in Hemden der Frauen-Basketball-Liga WNBA zu zeigen?(via Deadspin). Unsere Antwort ist schnell gegeben: Keine Trikots. Niemals. Egal wo und unter welchen Umständen. Es gibt nichts Dümmeres als diese durchkommerzialisierte Fankultur.

2. November 2007

NFL: Colts gegen Patriots - ein Ausblick


Es gibt in der NFL beim besten Willen nicht viele Must-see-TV-Termine, die ein ganzes Volk von Football-Anhängern in die Sessel zwingt, wo sie dann gebannt der Dinge harren, die da kommen. Bis zu den Playoffs herrscht meistens eine gewisse Larifari-Stimmung, ausgenommen natürlich unter den Fans einzelner Clubs, die zumindest die klassischen Derbys mit Spannung verfolgen. Sonntagnachmittag wird alles ganz anders sein. Da treffen zwei bislang ungeschlagene Mannschaften aufeinander (das passiert zu einem so späten Zeitpunkt mitten in der Saison selten genug). Sie sind die Hauptrivalen für die Playoffs in der American Conference um die Teilnahme am Super Bowl im Januar, wo sie sich voraussichtlich erneut über den Weg laufen werden: Die Indianapolis Colts und die New England Patriots, die beiden Mannschaften, die auf eine perfekte Weise demonstrieren, mit welcher Art von Football man in der lange Zeit so pomadigen AFC inzwischen das Kraftprogramm der NFC um Meilen hinter sich gelassen hat.

Das Match ist eine Revanche für die AFC Championship vom Anfang des Jahres, als die Colts den Part der klügeren Mannschaft gaben und gewannen und die Patriots mit einer Spur zuviel Überheblichkeit den Sieg mit dummen Fehlern verschenkten. Bill Belichick, der seine Truppe wegen der Salary Cap seit Jahren ständig umbauen muss und trotzdem konkurrenzfähig hält und dabei einen glatt gewienerten, attraktiven Stiefel pflegt, ist auch in diesem Jahr der Preis für die kälteste Hundenase der Branche gewiss. Kaum jemand hatte noch viel auf Randy Moss gegeben, der mal in Minnesota als gefährlicher, aber ausrechenbarer Wide Receiver in einem Team ohne Durchschlagskraft seine NFL-Karriere begann und danach als verwöhnte Primadonna in Oakland eingestuft wurde, wo derzeit wirklich alles zu spät ist. Belichick griff zu und verwandelte den wie befreit über den Platz fegenden Sprinter in einen Ballfangautomaten. Obwohl, der Coach sieht das mit dem Verwandeln anders. Eigentlich hat er nur den begabtesten Wide Receiver in der NFL genommen und ihn auf die bestmögliche Weise in die Spielzug-Entwürfe integriert. Denn, sagt Belichick, er hat etwas an Moss gesehen, was die anderen Trainer ignoriert haben:
"Du kannst ihn überall einsetzen, wo du möchtest. Er kann X spielen. Er kann Y spielen. Er kann F spielen. Ganz egal, was du möchtest. Du kannst ihn dir eigentlich überall vorstellen. Das ist ziemlich ungewöhnlich. Wir hatten ein paar Jungs, die das mental konnten, aber nicht notwendigerweise körperlich. Wir hatten ein paar Jungs, die dazu körperlich in der Lage waren, aber es vielleicht mental nicht fertig brachten. Randy ist wirklich intelligent, was das Passspiel angeht."
Und das Resultat? Der Mann hat in den bislang acht Spielen der Patriots elf Touchdown-Pässe eingesammelt. Das Team kommt auf eine Offensivausbeute von 41,4 Punkten pro Match und zieht Gegnern dabei geradezu die Haut ab. Was musste New England für die Fangmaschine bezahlen? Einen Viertrunden-Draftplatz und 3 Millionen Dollar in bar. Kaum zu fassen ,aber wahr. Man musste allerdings noch mit Quarterback Tom Brady verhandeln und dessen Vertrag zeitlich strecken, um die Gage für Moss (3 Millionen Dollar Garantie mit Bonusgeldern, die das Ganze auf 5 Millionen Dollar bringen), unter dem Lohndeckel unterzubringen.

Weshalb bringen andere Clubs so etwas nicht fertig? Weil sie so viele andere Probleme haben, dass sie auf die Nuancen gar keine Zeit mehr verschwenden können. Das Spiel, von CBS übertragen, wird in mehr als 93 Prozent aller Haushalte zu empfangen sein (Märkte wie Cleveland werden nicht bedient, weil die eigene Mannschaft zur gleichen Zeit spielt und das Match auf Fox übertragen wird). Die CBS-Leute sind euphorisch. Sie rechnen mit einem neuen Quotenrekord für Spiele der regulären Saison.

11. September 2007

Super-Bowl-Nachspiel: Janets Brust vor Gericht

Der 1. Februar 2004 war ein besonderer Tag in der Geschichte des Super Bowl. Damals riss Sänger Justin Timberlake seiner Duettpartnerin Janet Jackson einen Teil ihrer Oberbekleidung ab und heraus kam eine entblößte Brust, die im Rahmen der Live-Übertragung von CBS zwei Sekunden lang in Millionen von Wohnstuben übertragen wurde (in einer Einstellung, in der man so gut wie nichts erkennen konnte, schon gar nicht den Nippelschmuck, den die Fotos zeigen). Die Aufregung darüber war trotzdem größer als das meiste, was die Leute in den USA in Rage bringt. Man darf spekulieren, dass Frau Jackson das damals bewusst riskiert hat, um soviel Aufsehen zu erregen, dass Musikkonsumenten ihre neue CD kaufen. Bestraft wurde damals der übertragende Sender mit einer Geldbuße von 550.000 Dollar - von einer Aufsichtsbehörde namens Federal Communications Commission (FCC), die im prüden Amerika kurioserweise nur über die terrestrischen Sender wacht. Kabelkanäle unterliegen nicht dem gleichen Zensurausmaß und sind deshalb auch in der Lage, solche Sendungen wie Sex in the City oder die Sopranos zu produzieren.

CBS zog gegen die Klatsche vor Gericht, wo das Verfahren inzwischen die zweite Instanz erreicht hat. In den juristisch relevanten Details des Streitfalls geht es um die Frage, ob etwas, das so flüchtig von einer Kamera eingefangen wird und im Kontext der Übertragung jeden überrascht, inklusive den Regisseur, überhaupt ein Verstoß gegen die guten Sitten sein kann, wie sie vom Gesetz definiert werden.

3. April 2007

Vor dem Masters: Fernsehmann wegen Bankraub in Haft

Das technische Personal, das amerikanische Fernsehstationen für die Übertragung von Großveranstaltungen anheuert, ist wohl auch nicht mehr das, was es mal war. AP meldet aus Augusta - zwei Tage vor dem Beginn des Masters-Turniers: Diesmal war sogar ein Bankräuber dabei. Der Mann flog auf, weil die Bankangestellten den Geldstapeln eine Patrone mit roter Farbe beimengten, die im Auto auf dem Parkplatz vor der Bank explodierte. Und weil die Polizei einen anonymen Tipp erhielt, der sie ins Holiday Inn führte, in dem der Verdächtige auf Kosten des Networksenders CBS logiert. Besser wäre: logierte. Denn der mutmaßliche Bankräuber und zwei mutmaßliche Komplizen mussten inzwischen umziehen: Sie sitzen im Untersuchungsgefängnis.