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11. Oktober 2009

Bewaffnete Soccer Mom ist tot: Vom Ehemann erschossen

Vor einem Jahr wurde Meleanie Hain zu einem Symbol für den Waffenwahnsinn in den Vereinigten Staaten. Die Frau trug eine geladene Pistole der Marke Glock im Holster, während sie am Spielfeldrand stand und ein Fußballspiel ihrer fünfjährigen Tochter verfolgte. Die Szene, die sich aufgrund besorgter anderer Eltern in den Medien niederschlug, spielte sich auf dem platten Land in Pennsylvania ab – zig Kilometer von der nicht ganz ungefährlichen Millionenmetrople Philadelphia entfernt – in der Nähe des Landstrichs, in dem die Amish leben, die friedfertigen Nachfahren einer strenggläubigen Einwanderergruppe aus Deutschland, die Strom, Autos und andere Errungenschaften der Moderne ablehnen.

Es gibt in den USA viele kuriose Argumente, mit denen die Waffenlobby den Besitz von Handfeuerwaffen aller Art rechtfertigt. Zu ihnen gehört, dass Menschen, die geladene Pistolen tragen, sich auf diese Weise jeder Zeit gegen gefährliche Übergriffe verteidigen können. Die Tatsache selbst soll eine abschreckende Wirkung auf potenzielle Gewalttäter haben. So gibt es Leute in diesem Land, die in Diskussionen zum Thema ernsthaft behaupten, dass die Schweiz im Zweiten Weltkrieg nur deshalb nicht von Hitlers Armeen überfallen wurde, weil jeder Eidgenosse in seiner Rolle als wehrpflichtiger Milizionär ein Gewehr im Schrank hat. Das Risiko, von diesen Soldaten zurückgeschlagen zu werden, war den Nazis angeblich zu groß. Dieselbe Wehrmacht, die in die Sowjetunion einmarschierte, Polen und Frankreich trotz beachtlichen Widerstands im Eiltempo besetzte, in Norwegen und Nordafrika landete und tausende von Fallschirmjägern über Kreta aus dem Flugzeugen kippte, besaß demnach vor niemandem Respekt außer vor den Schweizern und ihren Karabinern.

Natürlich brauchen Amerikaner im Grunde überhaupt keine Rechtfertigung für ihre Ballermänner, denn die Verfassung garantiert den Bürgern dieses Privileg im Second Amendment. Das wurde zwar damals kryptisch formuliert, aber neulich vom Obersten Gerichtshof im Kern noch einmal so ausgelegt: Eine Stadt wie Washington, D. C. kann selbst, wenn die Gewalt- und Waffenkriminalität ins Unkontrollierbare steigt, nicht per Beschluss der politischen Organe den Besitz von Pistolen und Gewehren pauschal verbieten.

Und so könnte nach dem Willen des Supreme Court keine Stadt und kein Bundesstaat verhindern, was Meleanie Hain vorgestern zugestoßen ist. Sie wurde in ihrem eigenen Haus von ihrem eigenen Ehemann erschossen. Der brachte sich anschließend mit einer Schrotflinte um. Die drei Kinder waren aus dem Haus geflüchtet. Meleanies Glock hing im Holster an der Tür.

8. Juli 2009

Der Klingelbeutel: Wie steigert man bizarr?

Die Mordsache Steve McNair bleibt bizarr. Nachdem bekannt wurde, dass die tote Freundin neben ihm wenige Tage vorher eine Waffe gekauft hatte, wurden Rap-Songs ihres Ex-Freundes aufgestöbert. In einem der Musikstücke spricht er eine ähnliche Situation mit kaputtgegangenen Beziehungen und Rachgelüsten an. Jetzt ließ seine Schwester ausrichten, dass der Text nichts mit dem akuten Fall zu tun hat, sondern mit einer Geschichte, die ihren eigenen Ex betrifft. Wer blickt noch durch?

Nachtrag sieben Stunden später: Die Polizei geht nun mehr ganz offiziell davon aus, dass die Freundin erst McNair erschossen hat und dann sich selbst.

• Coach K bleibt wohl der Trainer der US-Basketballnationalmannschaft. Das spricht dafür, dass es aus dem Lakers-Gig nichts wird.

• Die NBA inszeniert die Deflation jenes Schwellenwerts, den sie einst selbst erfunden hatte, um den Anstieg der Spielgehälter zu bremsen. Anstieg? Nichts mehr mit Anstieg. Die Salary Cap sinkt. Demnächst vermutlich sogar dramatisch. Wir werden uns sich demnächst mal etwas ausführlicher mit der Geschichte beschäftigen müssen. Denn sie wird sich ganz direkt auf den nächsten Nowitzki-Vertrag auswirken. Bis dahin sollte mal ein kurzer Blick zurück genügen. In diesem Post steht ziemlich klar, dass die NBA unter einer extremen Verzerrung des Gehaltssystem leidet. Nicht die Besten und Erfolgreichsten verdienen querbeet am besten. Wenn das so wäre, wäre der Druck auf die Gehaltsstruktur nicht halb so stark.

5. Juli 2009

McNair-Mord weiter ungeklärt

Die Polizei hat den Tod von Steve McNair als Gewaltverbrechen eingestuft. Mit anderen Worten: Er wurde von jemandem erschossen. Von wem bleibt unklar. Denn zumindest theoretisch kommt auch die tote Frau an seiner Seite für die Tat in Frage. Dann hätte sie die Schüsse mit der Handfeuerwaffe abgegeben, die die Ermittlungsbehörden neben ihrer Leiche gefunden hat und anschließend sich selbst. Solche Dinge kommen vor. Erst recht in den USA, wo viele Leute ganz legal Waffen haben und – ob geplant oder im Affekt – auch oft genug davon Gebrauch machen. Für eine solche Tat bräuchte es aber ein Motiv. Und darauf gibt es vorläufig keine Hinweise. Statt dessen gibt es kryptische Fingerzeige auf einen jungen Herrn aus Tennessee, der per MySpace eine Andeutung gemacht hat, die zumindest eine denkbare Motivversion ins Spiel bringt: Die von jenem Mann, der von seiner Freundin verlassen wurde, weil sie sich für den berühmten Exsportler interessierte.

Es gibt erste kolportierte Darstellungen, in denen der Ex mit dem Namen Keith Norfleet zitiert wird: Er glaube, seine ehemalige Freundin, mit der er mehrere Jahre zusammengelebt hatte, sei von dem verheirateten McNair an der Nase herumgeführt worden.

4. Juli 2009

Ex-NFL-Profi McNair erschossen

Der ehemalige Quarterback der Tennessee Titans und Baltimore Ravens wurde zusammen mit einer Frau am Samstag erschossen in einer Wohnung in Nashville aufgefunden. Wer der oder die Täter ist/sind, ist ungeklärt. Steve McNair (Spitzname: "Air McNair")war einer ersten schwarzen Spielgestalter in der NFL, der sich mit einem Hybrid-Stil aus starkem Arm und Laufenergie durchsetzen konnte und die Titans bis in den Super Bowl brachte. In späteren Jahren, auch aufgrund von Verletzungen, die ihm ein langsameres Spiel aufnötigten, spielte er eher klassisch aus der Pocket heraus. Vor einem Jahr hatte er seine Profilaufbahn beendet, nachdem er noch zwei Jahre für die Baltimore Ravens gespielt hatte. Er wurde ganze 36 Jahre alt und hinterlässt eine Frau, die der Polizei berichtete, sie habe McNair schon zwei Tage nicht mehr gesehen, und vier Kinder. Der Ex-Profi hatte erst im Juni in Nashville ein Restaurant eröffnet.

18. Oktober 2008

Der Klingelbeutel: Womit man immer rechnen muss

• Tampa Bay macht es wirklich spannend in diesem Jahr. Oder sind die Boston Red Sox dafür verantwortlich? Nach der 2:4-Niederlage im sechsten Match der Serie gibt es Spiel sieben am Sonntag. Komisch. Kaum jemand glaubt, dass die Rays noch nachlegen können. Und alles nur wegen dieser seltsamen Klatsche am Donnerstag. Am Samstag klappte auch beim übertragenden Sender TBS nicht alles. Es gab am Anfang einen längeren Bild- und Tonausfall.

• Wie bringt man amerikanischen Kindern Mathematik bei? In dem man sie im Unterricht Fantasy Football spielen lässt.

• Der größte Spieler im amerikanischen College-Basketball musste seine Karriere aufgeben. Der Grund: eine Teilamputation am rechten Fuß, die Ärzte vornahmen, weil sie kein anderes Mittel fanden, um eine antibiotikaresistente Infektion zu bekämpfen. Kenny George wäre sicher allein wegen seiner körperlichen Voraussetzungen als Rollenspieler in der NBA zum Einsatz gekommen: 2,31 Meter vom Scheitel bis zur Sohle, Spannbreite 2,60 Meter. (via The Big Lead).

• Camilo Villegas, einer der erfolgreichen neuen Spitzengolfer auf der amerikanischen PGA-Tour, bekam am Samstag schlechte Nachrichten aus seiner kolumbianischen Heimat. Sein Patenonkel wurde in Bogota bei einem Raubüberfall erschossen.

16. Dezember 2007

Der Klingelbeutel: Eine Null weniger

PSSST....DIE MIAMI DOLPHINS haben nach 13 Niederlagen ihr erstes Spiel in dieser Saison gewonnen. Damit haben sie ganz knapp die Chance verpasst, sich zum zweiten Mal mit einer Null in die Rekordlisten der NFL einzutragen. In seinem bisher besten Jahr - 1972 - blieb der Club die ganze Saison über ungeschlagen und gewann den Super Bowl. Die New England Patriots hielten sich die Tür offen, in dieser Saison das gleiche hinzubekommen. Sie schlugen die New York Jets.

DER KOMMENDE Baseball-Home-Run-König Alex Rodriguez hat bei CBS in der Sendung 60 Minutes nicht nur erzählt, weshalb er darauf verzichtete, sich bei der Vertragsverlängerungsverhandlung mit den New York Yankees selbst zu vertreten und seinen Agenten zu Hause zu lassen. Er hat auch bestritten, jemals leistungsfördernde Mittel genommen zu haben. Er sagte sinngemäß, er sei immer gut genug gewesen und musste sich keine Gedanken über etwas Nachhilfe machen. Was man womöglich glauben kann. Aus seiner Sicht besteht Baseball zu 90 Prozent aus mentaler Leistung.

RUNNING BACK Warrick Dunn von den Atlanta Falcons (rechts) hat neulich etwas extrem Ungewöhnliches getan. Er ging ins Gefängnis, um den zum Tode verurteilten Mörder seiner Mutter zu treffen. Die Tat im Jahre 1993 zwang den Teenager, sich um seine Geschwister zu kümmern. Trotz der Last und Verantwortung gelang ihm eine beachtliche Karriere als Footballspieler.

MAN KANN DIE FRAGE ja mal stellen: Sollte es Männern, die das seltsame Bedürfnis haben, in ihrer Freizeit Trikots von Clubs zu tragen, gestattet sein, sich in Hemden der Frauen-Basketball-Liga WNBA zu zeigen?(via Deadspin). Unsere Antwort ist schnell gegeben: Keine Trikots. Niemals. Egal wo und unter welchen Umständen. Es gibt nichts Dümmeres als diese durchkommerzialisierte Fankultur.

5. Dezember 2007

Eine Kette von verhängnisvollen Ereignissen

Die Halbschwester des Opfers hatte ein Verhältnis mit einem Verwandten eines der mutmaßlichen Täter. Auf diese Weise kam der Täter vor einer Weile zum ersten Mal in das Haus von Sean Taylor in Miami. Der Anlass: eine Party. Als er vor drei Wochen zusammen mit drei anderen wiederkam, war nur ein Einbruch geplant. Denn die vier Typen wussten nicht, dass der Footballprofi der Washington Redskins aufgrund einer Verletzung zuhause war. Als Taylor die Eindringlinge mit einer Machete vertreiben wollte, feuerte der jüngste der Gang, ein 17jähriger, zweimal aus seiner Waffe und traf eine der Oberschenkelarterien von Taylor. Der starb Stunden später an den Folgen des enormen Blutverlusts.

So weit die Skizze, die die Polizei zusammengestellt hat, nachdem sie die vier Verdächtigen fest- und vernehmen konnte. Die Rechtslage in Florida ist ziemlich schlicht. Was in anderen Ländern als schwere Körperverletzung mit Todesfolge eingestuft würde, gilt hier als Mord. Und nicht nur das: Jeder, dem in diesem Bundesstaat eine auch nur mittelbare Tatbeteiligung nachgewiesen werden kann, gilt als Mörder. Das bedeutet: Wenn keine anderen Umstände den Fall beeinflussen, droht allen die Todesstrafe. Allen - mit Ausnahme des mutmaßlichen Schützen, der wegen seines Alters mit einer langen Haftstrafe belegt würde.
Blick zurück: MySpace hat Bilder von einem der mutmaßlichen Täter

3. Dezember 2007

Der Fall Sean Taylor: Einblick in das Milieu

Vermutlich wollte schon so mancher mal wissen, wie die MySpace-Seite von jemandem aussieht, der in einen Mordfall verwickelt ist, der überall in den USA für Aufsehen sorgt. Das funktioniert natürlich nur, wenn man selbst Mitglied ist, aber ist keine hohe Hürde. Dann findet man hier die Profil-Seite und hier die Bilder, die den Lebensstil dokumentieren. Keine Garantie, dass die Seiten nicht manipuliert sind. Aber da die Einträge schon eine Weile zurückgehen, ist das eher unwahrscheinlich. Besonders kurios: die Kommentare und Texte zu den Bildern. So reden/schreiben amerikanische Jugendliche mit High-School-Abschluss. Vertreter der nächsten Generation, die unsere Renten verdienen sollen. Ach, ich vergaß: einige werden gar nichts verdienen, außer einer langen Haftstrafe und eventuell den von einem Gericht verordneten Tod per Injektion.

Über das Opfer - der Footballprofi Sean Taylor von den Washington Redskins, der an den Folgen einer Schusswunde verblutete - wurde hier bereits berichtet. Inklusive Polizeifoto von den vier Verdächtigen. Hat Tip an The Big Lead.

28. November 2007

Der Klingelbeutel: Hundefutter im Stadion

Ruud Gullit ist seit ein paar Tagen bei den Los Angeles Galaxy im Einsatz. Der neue Trainer von David Beckhams Team kommt auf diese Weise in den Genuss einer kleinen Weltreise. Die Mannschaft ist auf einer bestens bezahlten Tournee und produzierte soeben in Sydney eine mittelschwere Sensation. Nicht auf dem Rasen des Olympiastadions, wo man gegen den Sydney FC mit 3:5 verlor. Aber auf den Rängen. Mehr als 80.000 Zuschauer waren gekommen um, sich das Gastspiel anzuschauen.

Dass Footballspieler gefährlich leben, muss man keinem sagen. In Miami wurde gerade mit Sean Taylor ein Profi der Washington Redskins unter noch immer nicht geklärten Umständen angeschossen - in seinem eigenen Haus - und starb später an den Folgen. In derselben Stadt, in der vor einem Jahr ein prominenter Collegespieler ermordet wurde. Aber bislang konnte davon davon ausgehen, dass die Gefahr nur außerhalb des Stadions lauerte. Seit der Geschichte mit Michael Vick scheint das nicht mehr der Fall zu sein. Jetzt attackieren sogar die Polizeihunde (via Deadspin):

Die vertraglich vereinbarte Zusammenarbeit zwischen der Bundesliga und Major League Soccer hat bislang so gut wie keine Resultate gezeigt. Das soll sich jetzt ändern. Ein bis zwei Mannschaften aus Deutschland sollen in Zukunft Trainingslager in den USA beziehen. Und im All-Star-Spiel soll nach Gastauftritten von Celtic Glasgow und Chelsea ein noch nicht benannter Vertreter der Bundesliga antreten.

3. November 2007

Wenn einem ein Mord richtig nahe geht, weiß man nicht gleich, was man sagen soll

Freitagmorgen. Konversation in der Straße in Manhattan mit einem Nachbarn.
Ich: "Heute fahren aber viele Autos bei uns durch."
Er: "Vielleicht wegen der Beerdigung."
Ich: "In der Riverside Memorial Chapel um die Ecke?"
Er: "Ja. Ich habe jede Menge Paparazzi gesehen."
Ich: "Das wird doch wohl nicht die Beerdigung von Linda Stein sein?"
Er: "Keine Ahnung."
Ich: "Hast du die Geschichte im Metro-Teil in der New York Times gesehen?"
Er: "Ja. Ach, so."
Ich: "Ich habe sie gekannt. Ich habe sie mal interviewt. Damals wohnte sie nur anderthalb Blocks von hier an Central Park West....Sie ist der erste Mensch, dem ich irgendwann in meinem Leben begegnet bin und der ermordet wurde."

Am Samstag stand dieser Artikel in der New York Times. Einen Tag nach der Nachricht vom Mord. Linda Stein war irgendwann in die Fifth Avenue umgezogen, wo man sie am Dienstag erschlagen aufgefunden hatte. Von dem oder den Tätern gibt es bisher keine Spur. Es gibt vieles, was einem nahe geht. Aber nicht jeden Tag ist es so nah wie am Freitag.

14. August 2007

Sterben wie die Fliegen: Wrestler leben gefährlich

Wie so viele Seuchen verbreitete sich auch diese eher still und heimlich. Mittlerweile stehen die Signale auf Alarm: Besonders nachdem soeben in Tampa der nächste Muskelmann, der als sogenannter Wrestler sein Geld verdient hat, aus bislang noch nicht geklärten Gründen einfach gestorben ist. Brian Adams, genannt Crush, wurde mal gerade 44. Er hatte vor vier Jahren die Arbeit im Ring aufgeben müssen, nachdem er sich eine Wirbelsäulenverletzung zugezogen hatte. Adams gehört zu insgesamt fast 100 Toten aus der Wrestling-Szene seit 1985, die nicht das Rentenalter erreicht haben. Solch dramatischen Zahlen gibt es in keinem anderen Zweig der Unterhaltungsindustrie. Ein paar Fälle hat USA Today mal vor ein paar Jahren zusammengestellt, die einen klaren Trend zeigen: Missbrauch von Anabolika, Schmerztabletten und anderen Drogen holen die Kraftmenschen irgendwann ein. Das spektakulärste Ereignis war unlängst der Doppelmord des Kanadiers Chris Benoit, der im Juni in seinem Haus in Georgia zuerst seine Frau und seinen siebenjährigen Sohn umbrachte und anschließend sich selbst. Die jüngste Nachricht zu diesem Thema: Die Polizei ermittelt bei Benoits Arzt, der offensichtlich Rezepte en masse verschrieben hat.

Inzwischen scheint sich wenigstens der amerikanische Kongress für das Thema zu interessieren, nachdem sich die Betreiber der Veranstaltungsserien nicht um solche Dinge kümmern und schlechte Schlagzeilen nur als geschäftsschädigend abtun. Der wichtigste Kasper im Hintergrund ist Vince McMahon, über den man hier eine lange und kritische Abhandlung finden kann. Er wurde leider vor ein paar Jahren trotz eigenen Anabolika-Missbrauchs frei gesprochen. Wenn die Geschworenen damals etwas härter zugepackt hätten, wäre der Spuk vermutlich schon lange vorbei. Das Schicksal droht der Show-Disziplin ohnehin. Auf dem Vormarsch in den USA: Mixed Martial Arts (mehr darüber bei einer anderen Gelegenheit).

24. März 2007

Mord im Auftrag eines Wettsyndikats?

Ein ehemaliger Captain der pakistanischen Cricket-Nationalmannschaft hat den Verdacht geäußert, dass ein internatonales Wettsyndikat hinter dem Mord an Trainer Bob Woolmer steht. Der Engländer, der die Pakistanis betreute, war am Sonntag in seinem Hotelzimmer in Kingston bewusstlos aufgefunden worden und wenig später im Krankenhaus gestorben. Todesursache: Erwürgen. Der Exspieler Rashid Latif hatte vor zwölf Jahren einen Bestechungsskandal aufgedeckt, der zu einer lebenslänglichen Sperre des wichtigsten Beteiligten und Geldstrafen für andere Mannnschaftsmitglieder führte. "Ich habe immer gesagt, dass Cricket nie wirklich von Korruption befreit wurde, trotz der Maßnahmen des International Cricket Council," wurde er von Reuters zitiert. Woolmers Team war überraschend in der Vorrunde des alle vier Jahre ausgetragenen World Cup durch eine Niederlage gegen das schwächer eingeschätze Team aus Irland ausgeschieden. Das Turnier ist das bedeutendste in der Sportart und findet zur Zeit in einer der abseits gelegenen Hochburgen des Spiels statt - in der Karibik, wo sich mehrere Inseln die Ausrichterrolle teilen. Titelverteidiger ist Australien, das den Cup 2003 in Südafrika und 1999 in Großbritannien gewann. Die meisten Cricketspieler leben auf dem indischen Subkontinent. "80 Prozent aller Einnahmen des Spiels weltweit werden in Indien erzielt", schrieb der scheidende UN-Untergeneralsekretär Shashi Tharoor am Freitag in der New York Times in einem Beitrag, in dem er sich darüber mokierte, dass die Amerikaner sich wohl deshalb nicht für Cricket interessieren, weil sie komplizierte Spiele einfach nicht begreifen und mit Baseball bereits eine verwässerte Version praktizieren.

Der Mordfall so nah vor der eigenen Haustür hat jedoch einige in den USA wachgemacht. Darunter auch die die Times, die heute einen erhellenden Bericht eines Reporters aus Kingston über die Verhältnisse im Cricket publizierte.

23. März 2007

Cricket-Coach erwürgt

Nur wenige Stunden später, nachdem wir unseren ersten Beitrag aus der Cricket-Szene gepostet haben, bekam das Thema einen ganz anderen Zuschnitt: Die Polizei in Kingston geht davon aus, dass der pakistanische Coach Bob Woolmer erwürgt worden ist. Und zwar soll mehr als ein Täter involviert gewesen sein. Woolmers Mannschaft hatte kurz zuvor gegen Außenseiter Irland verloren. Jetzt fehlt nur noch, dass der tote Ire ebenfalls von jemanden ums Leben gebracht wurde (via Can't Stop the Bleeding).