• Isiah Thomas, einer der Hauptverantwortlichen für die katastrophale Bilanz der New York Knicks in den letzten Jahren (und die damit verbundene aufgeblähte Gehaltsliste) wurde schon vor einer Weile Zug um Zug aus dem Madison Square Garden hinausgefegt. Finanziell hatte er das Arbeiten nicht nötig. Aber Menschen wie ihm wird irgendwann langweilig. Und so hat er einen neuen Job angenommen. Er wird Trainer der Basketballmannschaft von Florida International University, vermutlich im Bereich Sport die ambitionierteste Universität, die wir in den USA zur Zeit haben.
• Sie war als Sicherheitsberater des amerikanischen Präsidenten eine Fehlbesetzung. Als Außenministerin brachte sie nichts zustande. Nun zeigt sie in einem neuen Fach das Niveau ihrer Begabungen: Sie schreibt über Golf in Augusta und Tiger Woods. Condoleezza Rice heißt dieses Multitalent, dem nachgesagt wird, es habe Interesse daran, irgendwann NFL Commissioner zu werden. Übrigens: die Entscheidung am Sonntag beim Masters war wirklich sehenswert. Nicht nur weil Tiger Woods und Phil Mickelson die Nachbrenner anhatten und mit ganz erstaunlichen Leistungen den Männern an der Spitze ihren heißen Atem in die Kragen bliesen, sondern weil sie dann doch nicht zum Erfolg kamen und die drei Burschen vorne – Kenny Perry, Angel Cabrera und Chad Campbell – noch ein Stechen brauchten. Dabei entfalteten sie zwar nicht die hohe Kunst des Golfspiels. aber produzierten Spannung pur. Sieger Cabrera hatte mehr Glück als Verstand. Und die alten Herren vom Club zeigten, dass sie auf alles vorbereitet sind. Auch darauf, jemandem in ein grünes Sakko zu stecken, der – ohne Jacke – wie ein Preisboxer aussieht.
• Manchmal dauert es ein paar Jahre, bis sich die Kontrahenten darüber verständigt haben, wie sie ein Spiel beenden wollen, das dereinst mit einem Remis endete. Die Football-Mannschaften der beiden Lokalrivalen Easton (Pennsylvania) und Philipsburg (New Jersey) haben jetzt eine Lösung gefunden. Nach 16 Lenzen. Sie stellen auf beiden Seiten die gleichen, inzwischen etwas beleibteren Spieler auf und hoffen, dass es diesmal einen Sieger gibt.
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14. April 2009
11. April 2009
Der Klingelbeutel: Auf dem Weg zur Zirkus-Show
• Man hatte eigentlich das Gefühl, dass die Konvergenz-Tendenz der Freizeitindustrie ihren Höhepunkt erreicht hatte, als Brauereien und Medienunternehmen Sportclubs in Nordamerika übernahmen. Das hochheilige Dreieck des Unterhaltungsprogramms in den Haushalten von Millionen ist damit abgedeckt: Sie sehen stundenlang Sport im Fernsehen, mit genug Bier in Reichweite. Umso verwirrender ist diese Nachricht: Die kanadische Popsängerin Celine Dion will zusammen mit mehreren Partnern den Mehrheitsanteil an den Montreal Canadiens erwerben, der seit kurzem zum Verkauf steht. Dion ist in diesen Breitengraden extrem berühmt, weil sie es geschafft hat, sich über die Hintertreppen der Musikindustrie an jene Songs heranzurobben, die in teuren und erfolgreichen Filmproduktionen ihr Publikum fanden (Stichworte: Titanic, Up Close and Personal, Sleepless in Seattle, Beauty and the Beast) und sich auf diesem Weg durch Duette mit berühmteren Leuten wie Barbra Streisand und Luciano Pavarotti nach oben zu hangeln. Eine außerordentlich ehrgeizige, blutleere Person, die sich mit sehr viel Fleiß, Geschick und einer bemerkenswerten Stimme als jüngste von 14 Geschwistern nach oben gearbeitet hat. Wer sich für die Frau interessiert, sollte sich mal die französischsprachigen Alben aus den neunziger Jahren gönnen (zum Beispiel diese Darbietung, im Kontrast aber dann auch noch ihr Siegeslied vom Eurovisions-Wettbewerb 1988 damals für die Schweiz). 2007 wurde ihr Privatvermögen von Forbes auf 250 Millionen Dollar geschätzt. Auch nicht schlecht: Die Celine Dion-Parodien, die mit wenigen Mitteln die aufgesetzte Gefühls-Masche der Frankokanadiern, ihren Sprechstil und ihren Akzent als einstudierten act entlarven.
Hier noch eine Variante nicht aus der NHL.
• Man kann in der NBA selbst dann gut verdienen, wenn man nicht spielt oder so gut wie nicht spielt. Eine kleine Übersicht.
• Martin Kaymers Bilanz beim Masters in diesem Jahr: zwei Schläge über der Cutlinie nach zwei Runden und erneut das Aus. Das Problem war die zweite Runde am Karfreitag. Die erste am Donnerstag hatte er Par gespielt.
• Eishockey auf dem Weg zur Zirkus-Show. Die vielen Penalty-Shootout-Entscheidungen in der NHL, bei denen die Torleute deutlich im Vorteil sind, machen einen neuen Typ von Vollstrecker erforderlich: einen Trickser, der den Goalie nach Strich und Faden ausfuchst. Von solchen Einlagen werden wir in Zukunft sicher noch mehr sehen.
Hier noch eine Variante nicht aus der NHL.
• Man kann in der NBA selbst dann gut verdienen, wenn man nicht spielt oder so gut wie nicht spielt. Eine kleine Übersicht.
• ...und dann war da noch die Nachricht, dass jetzt Cheerleader an der University of Oregon Stipendien wie bekommen können. So wie die Sportler, denen sie von der Seitenlinie aus zuwinken. Was soll man da sagen? Frohe Ostern?
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9. April 2009
Vijays Wassershow
Tiger Woods ist wieder gesund und brandgefährlich. Greg Norman hat sich durch seine Platzierung bei den British Open im letzten Jahr ins Teilnehmerfeld gespielt und wird auf Schritt und Tritt von Journalisten an seine größte Fehlleistung erinnnert. Martin Kaymer ist zum zweiten Mal da und sollte diesmal den Cut schaffen. Und was macht Vijay Singh? Er zeigt auf der Trainingsrunde am 16. Loch, wie man den Ball mit einem Schlag ins Loch befördert: in dem man ihn im langen Teich vor dem Grün einmal auftitschen lässt. Ein Zuschauer hat die Szene festgehalten. Video ab:
Ja, wir reden vom Masters, dem ersten Major des Jahres. Es hat heute morgen in Augusta offziell begonnen. Dass Singh das dann noch mal probiert, darf man nicht erwarten.
Ja, wir reden vom Masters, dem ersten Major des Jahres. Es hat heute morgen in Augusta offziell begonnen. Dass Singh das dann noch mal probiert, darf man nicht erwarten.
22. März 2009
Der Klingelbeutel: Väter und Söhne
• Entweder hat die Firma kein Vertrauen in ihren Werbepartner oder sie hat zuviel Geld: Golfausrüster TaylorMade will allen Amateuren, die in den nächsten Tagen in den USA einen neuen Driver ihrer Marke kaufen, den Kaufpreis erstatten, falls Sergio Garcia das Masters in Augusta gewinnt. Die Maßnahme sorgt immerhin für ein Aufsehen. Also hat sie wenigstens einen Zweck erfüllt.
• Wenn Pelé etwas sagt, hören immer noch viele Leute zu. Auch wenn es nicht um Fußball geht, sondern um Drogen wie Kokain. Er hat die Namen Ronaldo und Robinho ins Gespräch gebracht. Sei eigener Sohn besitzt ähnliche Probleme (via The Big Lead).
• Der zweite Jordan-Sohn spielt auch Basketball. Und Vater Michael schaut lieber ihm zu, anstatt sich um dein Team in der NBA zu kümmern. Tränen lügen eben nicht.
• Mixed Martial Arts (oft auch Ultimate Fighting genannt) weiß, was die Leute sehen wollen: Blut und Blumenkohlohren und Männer mit ganz kurzen Extremitäten.
• Wenn Pelé etwas sagt, hören immer noch viele Leute zu. Auch wenn es nicht um Fußball geht, sondern um Drogen wie Kokain. Er hat die Namen Ronaldo und Robinho ins Gespräch gebracht. Sei eigener Sohn besitzt ähnliche Probleme (via The Big Lead).
• Der zweite Jordan-Sohn spielt auch Basketball. Und Vater Michael schaut lieber ihm zu, anstatt sich um dein Team in der NBA zu kümmern. Tränen lügen eben nicht.
• Mixed Martial Arts (oft auch Ultimate Fighting genannt) weiß, was die Leute sehen wollen: Blut und Blumenkohlohren und Männer mit ganz kurzen Extremitäten.
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14. April 2008
Immelman, geh du voran
Wir schulden von dieser Stelle aus noch eine Nachbetrachtung zum Masters in Augusta, das am frühen Sonntagabend mal wieder in einem Sonnenbad erster Güte zu Ende ging und einen Sieger hervorbrachte, den keiner auf dem Zettel hatte. Obwohl: Dieser Trevor Immelman war schon immer überdurchschnittlich gut. Scratch-Golfer mit 12. Mit 15 Junioren-Weltmeister. Und nun im reifen Alter von 28 Mitglied eines exklusiven Zirkels. ESPN hatte hinterher das aktuelle Interview mit ihm. Der Golf Channel legte eine Reportage neu auf, die man vor ein oder zwei Jahren in Südafrika gedreht hatte. Mit anderen Worten: das amerikanische Golfpublikum wurde rasch mit Eindrücken über Mister Unbekannt versorgt, dabei allerdings ein wenig zu sehr mit den Einschätzungen von Gary Player gefüttert.
Player, einer der ganz ganz Großen, der in dieser Woche sein 51. Masters bestritt und ein eindringlicher Botschafter des Spiels ist, verglich den Schwung von Immelman mit dem von Ben Hogan. Größeres Lob gibt es nicht. Die Reminiszenzen an Hogan (war leider wegen eines schweren Unfalls und seiner unfreundlichen Haltung gegenüber Medien und Sponsoren nie ganz der Übertyp, der Nicklaus später werden sollte) sollten jeden neugierig machen. Zum Beispiel auf dieses quintessentielle Ratgeber-Buch, das bei jedem Golfer im Schrank stehen sollte: Five Lessons.
Die wirklich bemerkenswerte Statistik rund um den Immelman-Erfolg ist: Südafrika hat seit Player sehr viele hervorragende Spieler herausgebracht. Doch alle schienen in Augusta auf den zweiten Platz abonniert. Ernie Els und Retief Goosen gelang das sogar zweimal. Tim Clark und Rory Sabbatini einmal. Immelman beendete die Serie. Mit enormer Konzentration und erstaunlicher Konsistenz. Wäre ihm nicht der Ball am Sonntag am 16. Loch ins Wasser geplumpst, hätte er Woods und den Rest um fünf Schläge abgehängt. So waren es nur drei.
Was war mit Tiger Woods los? Einen Teil kann man im Video sehen. Er war die ganze Woche unzufrieden und fand neue Wege, sich über sich selbst zu ärgern.
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13. April 2008
Wer baut eigentlich bei Nike die Schläger und Bälle?
Es gehört zu meinen liebsten Nebenbeschäftigungen, wenigstens mit einem Auge die scheinbar abseitigen Entwicklungslinien beim Sport zu verfolgen. Warum? Ganz einfach. Wer möchte schon aufgrund eines irgendwo im Hirn verankerten Autopiloten, der einen ständig auf den Konsum von Live-Ereignissen, Resultatsinformationen, Aufsteigerkarrieren und Promi-Geschichten zusteuert, die Hintergründe aus dem Blick verlieren?
Bei manchen Sportarten ist das schwieriger, weil ihre innere Dynamik und Betriebsamkeit auf derartigen Touren dreht, dass man einmal Luft holt und hat schon den entscheidenden Moment verpasst. Das ist zum Beispiel ein zentraler Aspekt der Leichtathletik, der auch auf Dauer ihren medialen Untergang besorgen wird. 100 Meter in Neunkommairgendwas. Wusch und das war's. Wer soll sich dafür begeistern, außer es fallen Weltrekorde am laufenden Band? Vermutlich wurde gerade deshalb das Doping-Thema in der Leichtathletik zu einem Dauerton im Medientheater (ehe der Radsport in Europa aus eine Reihe von Gründen diese Rolle übernahm). Da war einfach zu wenig Eigentliches, während die Muskulatur der Top-Athleten immer massiver und die Zeiten immer besser wurden. Morgen dazu in der FAZ ein neuer Name. Und danach sicher noch mehr.
Im Vergleich zu den Rasanz-Sportarten befindet man sich bei Golf eher im entgegengesetzten Extrembereich. Man könnte einschlafen. So langsam geht da die Post ab. Obwohl für den Zuschauer bei einem Turnier, der fleißig mit einem Spieler mitwandert, kommt am Ende eine hübsche Bilanz heraus. Man läuft da gut und gerne seine fünf bis sechs Kilometer und hat das Gefühl, etwas für seine Gesundheit getan zu haben.
Golf ist ein Strategiespiel. Dies und das Tempo verleitet die Berichterstatter dazu, sich auf den Aspekt zu konzentrieren, wieso ein Spieler an einer bestimmten Stelle einen bestimmten Schlag versucht hat und wieso der gelungen (oder nicht gelungen) ist. Das führt auf eine paar Umwegen zu der Ikonografie eines Tiger Woods, dem offensichtlich häufiger als der Konkurrenz bei fast jedem Schlag das gelingt, was er sich vorgenommen hat. Der Mann zeigt in solchen Momenten Kompetenz. Und Nerven. Und Kampfgeist. Und darüber will man alles wissen.
Was aber ist mit der Fabrik, die die Schläger herstellt? Und die Bälle? Spielt die keine Rolle? Offensichtlich nicht. Das interessiert die wenigsten. Selbst an einem Tag, an dem beim Masters in Augusta vor der entscheidenden Runde ein Nike-Spieler auf Platz eins liegt (Trevor Immelman, Südafrika), ein Nike-Spieler auf Platz vier (Paul Casey, England), ein Nike-Spieler auf Platz fünf (Tiger Woods, USA), ein Nike-Spieler auf Platz sechs (Stewart Cink, USA). Nike gehört zu den relativen Newcomern im Equipment-Segment und hat nur mit sehr wenigen Spielern Verträge. Haben die nicht nur den besten Golfer der Welt, sondern auch den besten Ingenieur? Wer erklärt mir so etwas? (Einschub: Ein kompletter Schlägersatz wie ihn die Profis spielen, kostet wohl 3600 Dollar, weit mehr als die Ausstattung, wie sie im Laden den Amateuren angeboten wird.)
Dabei sind es doch gerade solche Geschichten, die einem die Bedingungen des professionellen Sports von heute so viel näher bringen. Genauso wie jener Artikel über die relativ schlechten Resultate von professionellen Golfern, wenn Tiger Woods im Teilnehmerfeld ist. Der Beitrag für die FAZ war vor ein paar Tagen bereits in der gedruckten Ausgabe erschienen. Man kann ihn jetzt online nachlesen.
Bei manchen Sportarten ist das schwieriger, weil ihre innere Dynamik und Betriebsamkeit auf derartigen Touren dreht, dass man einmal Luft holt und hat schon den entscheidenden Moment verpasst. Das ist zum Beispiel ein zentraler Aspekt der Leichtathletik, der auch auf Dauer ihren medialen Untergang besorgen wird. 100 Meter in Neunkommairgendwas. Wusch und das war's. Wer soll sich dafür begeistern, außer es fallen Weltrekorde am laufenden Band? Vermutlich wurde gerade deshalb das Doping-Thema in der Leichtathletik zu einem Dauerton im Medientheater (ehe der Radsport in Europa aus eine Reihe von Gründen diese Rolle übernahm). Da war einfach zu wenig Eigentliches, während die Muskulatur der Top-Athleten immer massiver und die Zeiten immer besser wurden. Morgen dazu in der FAZ ein neuer Name. Und danach sicher noch mehr.

Im Vergleich zu den Rasanz-Sportarten befindet man sich bei Golf eher im entgegengesetzten Extrembereich. Man könnte einschlafen. So langsam geht da die Post ab. Obwohl für den Zuschauer bei einem Turnier, der fleißig mit einem Spieler mitwandert, kommt am Ende eine hübsche Bilanz heraus. Man läuft da gut und gerne seine fünf bis sechs Kilometer und hat das Gefühl, etwas für seine Gesundheit getan zu haben.
Golf ist ein Strategiespiel. Dies und das Tempo verleitet die Berichterstatter dazu, sich auf den Aspekt zu konzentrieren, wieso ein Spieler an einer bestimmten Stelle einen bestimmten Schlag versucht hat und wieso der gelungen (oder nicht gelungen) ist. Das führt auf eine paar Umwegen zu der Ikonografie eines Tiger Woods, dem offensichtlich häufiger als der Konkurrenz bei fast jedem Schlag das gelingt, was er sich vorgenommen hat. Der Mann zeigt in solchen Momenten Kompetenz. Und Nerven. Und Kampfgeist. Und darüber will man alles wissen.
Was aber ist mit der Fabrik, die die Schläger herstellt? Und die Bälle? Spielt die keine Rolle? Offensichtlich nicht. Das interessiert die wenigsten. Selbst an einem Tag, an dem beim Masters in Augusta vor der entscheidenden Runde ein Nike-Spieler auf Platz eins liegt (Trevor Immelman, Südafrika), ein Nike-Spieler auf Platz vier (Paul Casey, England), ein Nike-Spieler auf Platz fünf (Tiger Woods, USA), ein Nike-Spieler auf Platz sechs (Stewart Cink, USA). Nike gehört zu den relativen Newcomern im Equipment-Segment und hat nur mit sehr wenigen Spielern Verträge. Haben die nicht nur den besten Golfer der Welt, sondern auch den besten Ingenieur? Wer erklärt mir so etwas? (Einschub: Ein kompletter Schlägersatz wie ihn die Profis spielen, kostet wohl 3600 Dollar, weit mehr als die Ausstattung, wie sie im Laden den Amateuren angeboten wird.)
Dabei sind es doch gerade solche Geschichten, die einem die Bedingungen des professionellen Sports von heute so viel näher bringen. Genauso wie jener Artikel über die relativ schlechten Resultate von professionellen Golfern, wenn Tiger Woods im Teilnehmerfeld ist. Der Beitrag für die FAZ war vor ein paar Tagen bereits in der gedruckten Ausgabe erschienen. Man kann ihn jetzt online nachlesen.
11. April 2008
Kaymer: Zu nass - zu forsch
Der Ausflug nach Augusta ging für Martin Kaymer unter bedauerlichen Umständen vorzeitig zu Ende. Bei einem langen Chip aus den Bäumen zurück aufs 15. Grün rollte der Ball zu weit und kullerte in den kleinen Teich, der das Loch um einen ganzen Zacken schwerer macht, als es aussieht. Mit einem Par hätte sich der Masters-Neuling mit einem Turnierstand von Plus 3 über der Cut-Linie gehalten - eine beachtliche Leistung. Aber das vertrackte Loch brachte dem 23jährigen einen Doppel-Bogey ein, also eine 7. Und dadurch rutschte er zu weit ab. Auch der ganz formidable Birdie auf der 18 konnte die Sache nicht mehr richten.
Die Runde mit 72 Schlägen besiegelte Platz 46 im Gesamtklassement. Er hätte heute eine 71 spielen müssen, um weiterzukommen (und hatte es auch drauf). Der folgenschwere Chip brachte Kaymer seinen ersten Auftritt im amerikanischen Fernsehen ein (im Rahmen einer kurzen Rückblende). Denn mit seiner 7 bewegte er die Cut-Linie nach oben, die sinngemäß jeden Freitag beim Golf so interessant ist wie der Kampf gegen den Abstieg in der Bundesliga gegen Ende der Saison.
Wer durfte noch am Freitagabend die Abreise buchen? Sergio Garcia, Ernie Els, Steve Stricker, Luke Donald und Bernhard Langer. Tiger Woods liegt mit sieben Schlägen Rückstand auf den führenden Südafrikaner Trevor Immelmann (-8) auf einem für den Sieg theoretisch aussichtslosen Platz. Bei seinem größten Comeback in Augusta im Jahr 2005 lag der Weltranglistenerste am Freitag sechs Schläge zurück. Den größten Pannentag hatte Justin Rose, der gestern mit vier unter Par die Tageswertung gewonnen hatte. Er fiel auf zwei über zurück und zeigte damit zum dritten Mal, dass er nicht das Durchhaltevermögen hat, um bei einem so schweren Turnier cool durchzuspielen.
Die Runde mit 72 Schlägen besiegelte Platz 46 im Gesamtklassement. Er hätte heute eine 71 spielen müssen, um weiterzukommen (und hatte es auch drauf). Der folgenschwere Chip brachte Kaymer seinen ersten Auftritt im amerikanischen Fernsehen ein (im Rahmen einer kurzen Rückblende). Denn mit seiner 7 bewegte er die Cut-Linie nach oben, die sinngemäß jeden Freitag beim Golf so interessant ist wie der Kampf gegen den Abstieg in der Bundesliga gegen Ende der Saison.
Wer durfte noch am Freitagabend die Abreise buchen? Sergio Garcia, Ernie Els, Steve Stricker, Luke Donald und Bernhard Langer. Tiger Woods liegt mit sieben Schlägen Rückstand auf den führenden Südafrikaner Trevor Immelmann (-8) auf einem für den Sieg theoretisch aussichtslosen Platz. Bei seinem größten Comeback in Augusta im Jahr 2005 lag der Weltranglistenerste am Freitag sechs Schläge zurück. Den größten Pannentag hatte Justin Rose, der gestern mit vier unter Par die Tageswertung gewonnen hatte. Er fiel auf zwei über zurück und zeigte damit zum dritten Mal, dass er nicht das Durchhaltevermögen hat, um bei einem so schweren Turnier cool durchzuspielen.
Kaymer dreht an der Schwungschraube
Eigentlich war es nicht anders zu erwarten: Dass Martin Kaymer auf seiner ersten Runde beim Major und dann noch auf dem schwersten Platz von allen, die die Profis spielen, ein paar folgenschwere Böcke schießt. Wie den auf dem kurzen Par-3-Loch an jener Ecke vom Augusta National, die mal jemand als Amen Corner bezeichnet hat. Der Abschlag landete im Teich. Auf der Scorekarte stand hinterher eine 5. Solche Schnitzer sind beim Masters kaum noch wett zu machen. Denn wer hier auf einem Loch Par erzielt, kann bereits froh sein. Tatsächlich muss sich der 23jährige mit seiner 76 nicht grämen. Er hat - zumindest theoretisch - heute durchaus noch eine Chance auf eine Platzierung im Gesamtfeld, die ihm ein Weiterkommen gestatten würde. Andere Leute begehen schließlich auch Fehler. Hier steht übrigens zum ersten Mal, dass er an seinem Schwung bastelt. Was auch erklärt, weshalb es in der letzten Zeit bei ihm nicht so doll gelaufen ist.
Ich habe mich übrigens in dieser Golf-Woche aus der Ferne mit einem Thema beschäftigt, das schon etwas länger auf dem Schreibtisch lag, aber nicht minder interessant ist: Mit dem Phänomen, dass der Rest der Golfwelt im Schnitt geschlagene 0,8 Schläge schlechter spielt, wenn Tiger Woods bei einem Turnier antritt. Leider ist der Artikel nur in der Print-Ausgabe der FAZ erschienen (am Donnerstag). Er beschreibt die Arbeit der Betriebswirtschaftlerin Jennifer Brown von der Universität Berkeley in Kalifornien, die diese statistische Auffälligkeit nicht nur ausführlich betrachtet hat und Turnier-Resultate aus sieben Jahren in ihrem Computer verglichen hat. Brown hat übrigens auch auch eine Erklärung für die Disparität: der Preisgeld-Modus im Profi-Golf demotiviert die meisten Spieler, sich anzustrengen. Zuviel von der Knete geht an die Top-Spieler in einem Turnier. Die Hinterbänkler verdienen jedoch genug, um sich ein hübsches Leben zu machen.
Ich habe mich übrigens in dieser Golf-Woche aus der Ferne mit einem Thema beschäftigt, das schon etwas länger auf dem Schreibtisch lag, aber nicht minder interessant ist: Mit dem Phänomen, dass der Rest der Golfwelt im Schnitt geschlagene 0,8 Schläge schlechter spielt, wenn Tiger Woods bei einem Turnier antritt. Leider ist der Artikel nur in der Print-Ausgabe der FAZ erschienen (am Donnerstag). Er beschreibt die Arbeit der Betriebswirtschaftlerin Jennifer Brown von der Universität Berkeley in Kalifornien, die diese statistische Auffälligkeit nicht nur ausführlich betrachtet hat und Turnier-Resultate aus sieben Jahren in ihrem Computer verglichen hat. Brown hat übrigens auch auch eine Erklärung für die Disparität: der Preisgeld-Modus im Profi-Golf demotiviert die meisten Spieler, sich anzustrengen. Zuviel von der Knete geht an die Top-Spieler in einem Turnier. Die Hinterbänkler verdienen jedoch genug, um sich ein hübsches Leben zu machen.
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9. April 2008
Im Sommer was Kleines
Man stelle sich vor, man sitzt zum ersten Mal mit Martin Kaymer zu einem Interview zusammen. Was will man dann wohl wissen? Ich nehme mal an, vor allem dieses: "Glauben Sie, dass der 1. FC Köln den Aufstieg in die Bundesliga schafft?" Denn solche Überlegungen könnten womöglich die Fans zu Hause beruhigen, die sich Sorgen machen, dass die Mannschaft den Emporkömmlingen aus Hoffenheim den Vortritt lassen muss. Man möchte natürlich auch diese Frage von Martin Kaymer erörtert haben, denn es gibt zwar einen Bundestrainer. Aber was weiß der schon über Fußball? "Wie sieht es denn mit der Nationalmannschaft aus? Immerhin steht da ja im Sommer was Kleines an... ?" Ja, Kaymer, unser neuer Mann im Glamour-Scheinwerfer, hat tatsächlich eine Antwort parat. Auch wenn dabei das mit dem "Kleinen" nicht ganz erklärt wird.Manche Fragesteller können aber einer ganz bestimmten Versuchung nicht widerstehen. Sie wollen Fachwissen schöpfen. Sie hoffen, dass ihnen Martin Kaymer in einem Satz einen kostbaren Ratschlag für das Spiel der Amateure gibt. Also so etwas wie: "Boris Becker (Michael Schumacher, Magdalena Neuner, Michael Ballack): Wenn Sie Tennis- (Formel-1-, Biathlon-, Fußball-) Anfängern einen Tipp geben müssten, welcher wäre das?" Golfprofis scheinen schon damit zu rechnen, dass ihnen jemand eine solche Frage stellt. Denn Martin Kaymer fällt zu der Frage durchaus etwas ein. Der Augsburger Allgemeinen sagte er: "Egal was beim Golfspiel passiert - locker bleiben!" Dem zdf.de gab er diese Antwort: "Nicht so draufhauen. Ruhig schwingen."
Morgen Donnerstag steht der 23jährige zum ersten Mal bei einem wirklich bedeutenden Turnier am Abschlag - beim Masters in Augusta. Man darf gespannt sein, was für Fragen man ihm hinterher stellen wird. Und auf die Antworten erst recht. Leseempfehlungen für die Zeit bis dahin:
"Kaymer in Contention for Augusta Shock"
"Langer und Kaymer - Fahrensmann und Musterschüler"
6. April 2008
Karriereloch bei Kaymer?
Nachdem Martin Kaymer vor wenigen Monaten halb Deutschland wachgemacht hat und auf einmal überall und jeder um seine sportliche Laufbahn besorgt ist, ist er in ein kleines Karriereloch hineingegelitten. Ich mag nach meinen Gespräch neulich in Arizona mit ihm nicht behaupten, dass ich wirklich weiß, wie er tickt. Aber ich würde mich wundern, wenn selbst jemand mit seinem Talent ständig immer nur Weltspitzenleistungen produzieren würde. Der Aufstieg verläuft meistens nicht geradlinig, sondern eher in Spurts. Er hat bisher nicht verlauten lassen, ob er mit neuen Schlägern herumexperimentiert, was angesichts des Vertrags mit Titleist nahe liegt. Oder ob er eventuell Schwierigkeiten verspürt, sich auf die neuen Belastungen - mehr Interviews, Pressekonferenzen, mehr Reisen, andere Plätze - einzustellen.
Zumindest eine Anekdote aus Augusta gibt zu denken: Danach sieht er sich noch sehr oft mit Konstellationen konfrontiert, die eine rührende Naivität andeuten. Auf der anderen Seite: Jede Lernerfahrung - seien es die welligen und extrem schnellen Grüns im Augusta National, auf denen er ab Donnerstag antreten wird, oder das Bermuda-Gras, das man im Süden der USA aus klimatischen Gründen bevorzugt - dürfte bei ihm durchaus Erfahrungswerte produzieren, die er noch einmal nutzen wird. Das Problem: Um dies dann auch tatsächlich anzuwenden und zum Beispiel in der Zukunft in Augusta zu spielen, darf ein Spieler in der Weltrangliste nicht sehr viel weiter abrutschen.
Zumindest eine Anekdote aus Augusta gibt zu denken: Danach sieht er sich noch sehr oft mit Konstellationen konfrontiert, die eine rührende Naivität andeuten. Auf der anderen Seite: Jede Lernerfahrung - seien es die welligen und extrem schnellen Grüns im Augusta National, auf denen er ab Donnerstag antreten wird, oder das Bermuda-Gras, das man im Süden der USA aus klimatischen Gründen bevorzugt - dürfte bei ihm durchaus Erfahrungswerte produzieren, die er noch einmal nutzen wird. Das Problem: Um dies dann auch tatsächlich anzuwenden und zum Beispiel in der Zukunft in Augusta zu spielen, darf ein Spieler in der Weltrangliste nicht sehr viel weiter abrutschen.
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8. April 2007
Masters: Sakko für Zach
Das dunkelste aller dark horses auf dem schwersten Platz mit dem höchsten Score in der Geschichte des Turniers. Damit hatte wirklich niemand gerechnet. Zumal Tiger Woods sein Bestes versuchte, der Südafrikaner Retief Goosen aus der Tiefe des Teilnehmerfeldes auftauchte und auch noch sein Landsmann Rory Sabbatini. Also müssen wir uns an den Namen Zach Johnson gewöhnen. Und an die Biographie eines Golfers aus kleinen Verhältnissen, der sich zielstrebig hocharbeitete, um am Osterwochenende beim Masters all sein Können und seinen Ehrgeiz zusammenzulegen und mit einem Schlag über Par und zwei Schlägen Vorsprung auf Woods, Goosen und Sabbatini das erste Major des Jahres 2007 zu gewinnen. Ein Amerikaner, der im letzten Jahr schon gut genug war für das warmduschende Ryder-Cup-Team der USA und der im Laufe der vier Runden von Augusta den einen oder anderen Patzer begangen hatte, ohne die er noch viel klarer gewonnen hätte.Gepatzt haben alle. Die einen mehr, die anderen weniger. Der Platz verzieh diesmal fast überhaupt keine Abweichungen von den idealen Anspielpunkten, egal ob in der Bahn oder auf dem Grün. Bei den meisten anderen Turnieren können die Cracks gewöhnlich getrost auf die Fahne zielen, und es wird zum entscheidenden Faktor, wo der Ball landet, Denn auf den meist teppichweicheren Grüns kann man ihn entweder exakt dort zum Stoppen bringen oder soviel Effet mit auf den Weg geben, dass er wie eine Billardkugel kontrolliert zurückfitscht. Das kann man in Augusta vergessen. Der Ball springt ab und rollt weiter, bis er irgendwo auf dem welligen Grün zur Ruhe kommt. Meistens muss man von dort aus längere Distanzen als die gewohnten drei Meter (oder weniger) putten. Und das auf nur schwer zu kalkulierenden Puttlinien.
Warum war Johnson unter den kühlen und oft windigen und damit extrem schwierigen Bedingungen besser? Er dankte Jesus, was sicher keine hinreichende Erklärung für das Resultat war. Die Antwort hatte vermutlich mehr damit zu tun, dass er - ohne die körperliche Kapazität der Longhitter - weit mehr zum Nachdenken gezwungen war und meistens die richtigen Entscheidungen traf. Das konnte man an seinen Resultaten auf den vier Par-Fünf-Löchern ablesen, auf denen er in vier Runden auf elf Birdies kam. Und so gut wie immer war er gezwungen gewesen, den Ball mit dem zweiten Schlag irgendwo vor dem Grün planvoll abzulegen. Das war kein spektakuläres Golf, aber es war wirkungsvoll. Es reichte nciht nur für ein nagelneues grünes Sakko, sondern für einen Siegerscheck über 1,305 Millionen Dollar.
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Zach Johnson
7. April 2007
Masters: Ist das noch Golf oder schon Selbstkasteiung?
Sie haben in Augusta Schilder mit roten Ziffern. Aber in diesem Jahr werden sie sie vermutlich nicht mehr brauchen. Am Samstag rutschte ein Golfer nach dem anderen aus der Zone unter Par, die auf den Anzeigetafeln der Turniere traditionell nicht mit einem Minuszeichen angezeigt wird, sondern mit einer Zahl in rot. So wie die besten Spieler der Welt über den Platz des Masters schlittern, wird man sich mit dem Gedanken abfinden müssen, dass der Sieger am Sonntag mit einer Gesamtzahl von Schlägen von Par oder drüber ins Clubhaus kommt. Und dass die anderen mit einem ziemlich angeschlagenen Ego nach Hause fahren. Augusta National, das in den letzten Jahren auf einigen Löchern mehrfach entscheidend modifiziert und verlängert wurde, kommt unter solchen Umständen - kalt, windig, extrem schnelle Grüns - einer Selbstflagellation gleich.
Für den golfspielenden Zuschauer haben die Resultate etwas Befriedigendes. Zeigen sie doch, dass die Profis mitunter ähnliche Probleme haben wie die Amateure, die jedoch lange nicht so gut vorbereitet und austrainiert in ihre Turniere gehen wie die Vorzeigespieler. Die Pein auf den Gesichtern, die kaum zurückgehaltene Wut eines Tiger Woods beim Fernsehinterview nach einer Runde mit kleinen, aber teuren Patzern - all das gibt es sonst nur selten. Meistens cruisen die Spieler auf den typischen Plätzen wie mit dem Tempomat über die Autobahn und harken Birdies zu Hauf zusammen. Hier haut das nicht hin, weil der Platz jeden kleinen Fehler bestraft. Manchmal sogar nur mit einem Doppel-Bogey, manchmal aber auch mit einem Triple-Bogey (Stuart Appleby am 17. Loch), manchmal auch mit einem Quadruple-Bogey (Geoff Ogilvey an der 15, weil er zweimal den Ball in dem aufgestauten Bach vor dem Grün deponiert). Man muss genau wissen, wann man den Fuß vom Gas nimmt und wann nicht. Deshalb ist Tiger Woods trotz allen Frusts morgen der große Favorit. Denn in der vierten Runde spielt man nicht mehr nur gegen den Platz, sondern auch gegen die Konkurrenten, die sich bei dem Versuch einen abbrechen werden, dem Weltranglistenersten das Green Jacket wegzuschnappen. Appleby hat einen Schlag Vorsprung, wenn die beiden morgen zusammen auf die entscheidende Runde gehen. Aber er kennt seinen Gegner von zahlreichen gemeinsamen Trainingsrunden ziemlich gut und gab auf die Frage, wie es denn wohl sein werde, neben dem Supergolfer um einen derart renommierten Titel zu spielen: "Er wird nicht mal wissen, dass ich da bin."
Die Prognose von gestern kann ich knicken. Ich hatte in den Kommentaren noch die Namen Appleby und Rose erwähnt. Aber der Rest (außer Tiger Woods) war schlechter als gedacht. Dafür ein Lob an kurtspaeter und seinen Hinweis auf Padraig Harrington. Der Ire ist noch im Rennen.
Blick zurück: Die Masters-Prognose vom Freitag
Für den golfspielenden Zuschauer haben die Resultate etwas Befriedigendes. Zeigen sie doch, dass die Profis mitunter ähnliche Probleme haben wie die Amateure, die jedoch lange nicht so gut vorbereitet und austrainiert in ihre Turniere gehen wie die Vorzeigespieler. Die Pein auf den Gesichtern, die kaum zurückgehaltene Wut eines Tiger Woods beim Fernsehinterview nach einer Runde mit kleinen, aber teuren Patzern - all das gibt es sonst nur selten. Meistens cruisen die Spieler auf den typischen Plätzen wie mit dem Tempomat über die Autobahn und harken Birdies zu Hauf zusammen. Hier haut das nicht hin, weil der Platz jeden kleinen Fehler bestraft. Manchmal sogar nur mit einem Doppel-Bogey, manchmal aber auch mit einem Triple-Bogey (Stuart Appleby am 17. Loch), manchmal auch mit einem Quadruple-Bogey (Geoff Ogilvey an der 15, weil er zweimal den Ball in dem aufgestauten Bach vor dem Grün deponiert). Man muss genau wissen, wann man den Fuß vom Gas nimmt und wann nicht. Deshalb ist Tiger Woods trotz allen Frusts morgen der große Favorit. Denn in der vierten Runde spielt man nicht mehr nur gegen den Platz, sondern auch gegen die Konkurrenten, die sich bei dem Versuch einen abbrechen werden, dem Weltranglistenersten das Green Jacket wegzuschnappen. Appleby hat einen Schlag Vorsprung, wenn die beiden morgen zusammen auf die entscheidende Runde gehen. Aber er kennt seinen Gegner von zahlreichen gemeinsamen Trainingsrunden ziemlich gut und gab auf die Frage, wie es denn wohl sein werde, neben dem Supergolfer um einen derart renommierten Titel zu spielen: "Er wird nicht mal wissen, dass ich da bin."
Die Prognose von gestern kann ich knicken. Ich hatte in den Kommentaren noch die Namen Appleby und Rose erwähnt. Aber der Rest (außer Tiger Woods) war schlechter als gedacht. Dafür ein Lob an kurtspaeter und seinen Hinweis auf Padraig Harrington. Der Ire ist noch im Rennen.
Blick zurück: Die Masters-Prognose vom Freitag
6. April 2007
Masters: Die sechs, die haben, was man braucht, um zu gewinnen
Der Freitag beim Masters hat die Spieler, denen man einen Sieg zutrauen kann, weiter reduziert. Der Zwischenstand allein verrät noch nicht die ganze Geschichte. Die Art und Weise, wie sich Leute wie Geoff Ogilvy, Paul Casey, Tiger Woods und Phil Mickelson abgemüht haben und trotzdem nicht Kiel über gegangen sind, schon eher. Woods: So viele Fehler, der Ball zweimal im Wasser - und trotzdem kein Doppel-Bogey. "Ich habe eine 90 in eine 74 verwandelt", sagte er hinterher. Mickelson: zwischen den Bäumen an der 11. Bahn, schießt sich mit dem zweiten Schlag noch tiefer ins Dickicht - und produziert trotzdem nur einen Bogey. Ogilvey und Casey auf der anderen Seite zeigten, dass man auf dem schweren Platz Runden unter Par schaffen kann und sich auf diese Weise von den schlechteren Plätzen des Leaderboards nach vorne hangelt. Und dann ist da noch Vijay Singh, der Stetigste von allen. Einer von diesen fünfen sollte das Turnier gewinnen. Mit dem Südafrikaner Tim Clark als Außenseiter, der einen Vorsprung mitbringt und im Interview zu erkennen gab, dass er sich sklavisch an den einzigen Plan halten will, mit dem man hier Erfolg haben kann: keine Experimente, keine hero shots, sondern golferisches Graubrot. Clark war vor einem Jahr Zweiter und hatte damals durchaus Chancen auf den Sieg.
Die Positionen der Arena-Favoriten nach zwei Runden und die Zahl ihrer Schläge:
1. Tim Clark 71 71 -2 142
Audio
4. Vijay Singh 73 71 E 144
8. Geoff Ogilvy 75 70 +1 145
15. Paul Casey 79 68 +3 147
15. Tiger Woods 73 74 +3 147
27. Phil Mickelson 76 73 +5 149
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Die Positionen der Arena-Favoriten nach zwei Runden und die Zahl ihrer Schläge:
1. Tim Clark 71 71 -2 142
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4. Vijay Singh 73 71 E 144
8. Geoff Ogilvy 75 70 +1 145
15. Paul Casey 79 68 +3 147
15. Tiger Woods 73 74 +3 147
27. Phil Mickelson 76 73 +5 149
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5. April 2007
Masters: Warten auf einen europäischen Sieg
Es ist allerhöchste Zeit, dass mal wieder ein Europäer das Masters gewinnt. Das Turnier war jahrelang eine Domäne einer ganzen Spielergeneration angefangen von Bernhard Langer über Nick Faldo bis José Maria Olàzabal. Dann kam Tiger Woods, und die glorreiche europäische Delegation wurde älter. Und schon drohte die Veranstaltung genauso einseitig auszufallen wie die drei anderen Majors, bei denen die Golfer aus der alten Welt kurioserweise immer wieder den Kürzeren ziehen (besonders extrem die Bilanz bei der PGA Championship, aber auch die US Open ist kein Ruhmesblatt).
In diesem Jahr stellen die Auswärtigen (inklusive den Australiern und Südafrikanern und einigen Asiaten) erstmals die Mehrheit in der Geschichte des Turniers. Ein Zeichen dafür, dass sich die oberen Plätze der Weltrangliste dieser Tage anders verteilen als früher. Der Unterbau der amerikanischen Golferelite ist schwächer geworden. Die Golfer von anderen Kontinenten haben aufgeholt. Ob es reicht, um an diesem Wochenende den besten US-Golfern wie Woods das grüne Veston streitig zu machen, lässt sich nach dem ersten Tag nicht sagen. Prognose, gewagt, aber angesichts ihrer verblüffend ratlosen Spielweise durchaus berechtigt: Titelverteidiger Phil Mickelson (vier über Par), Ernie Els (sechs über Par), Retief Goosen (vier über Par) können es knicken. Wer nicht so spielt wie US-Open-Sieger Geoff Ogilvey, der einen Triple-Bogey am zweiten Loch produzierte und trotzdem noch mit einer drei über Par ins Clubhaus kam, hat nicht die Abwehrkräfte für den nächsten Gang am Freitag, wenn weiter gesiebt wird. Der Engländer Justin Rose liegt vorne (drei unter Par). Was einen daran erinnert, dass er diese Position vor drei Jahren schon einmal inne hatte und sogar nach der zweiten Runde noch an der Spitze lag. Dann aber ging ihm die Puste aus. Ist Rose jetzt stärker?
Kleine Kuriosität am Rande: Zum Masters werden auch die Amateurmeister der USA und aus Großbritannien eingeladen. Das sind diesmal ein Schotte (gewann den Titel in den Vereinigten Staaten) und ein Franzose (gewann auf der Insel). Der junge Schotte - Richard Ramsay - hält bisher fabelhaft mit (vier über Par) und hat Chancen, den Cut zu schaffen. Der Franzose - Julien Guerrier - liegt mit elf über Par schon abgeschlagen weit hinten.
In diesem Jahr stellen die Auswärtigen (inklusive den Australiern und Südafrikanern und einigen Asiaten) erstmals die Mehrheit in der Geschichte des Turniers. Ein Zeichen dafür, dass sich die oberen Plätze der Weltrangliste dieser Tage anders verteilen als früher. Der Unterbau der amerikanischen Golferelite ist schwächer geworden. Die Golfer von anderen Kontinenten haben aufgeholt. Ob es reicht, um an diesem Wochenende den besten US-Golfern wie Woods das grüne Veston streitig zu machen, lässt sich nach dem ersten Tag nicht sagen. Prognose, gewagt, aber angesichts ihrer verblüffend ratlosen Spielweise durchaus berechtigt: Titelverteidiger Phil Mickelson (vier über Par), Ernie Els (sechs über Par), Retief Goosen (vier über Par) können es knicken. Wer nicht so spielt wie US-Open-Sieger Geoff Ogilvey, der einen Triple-Bogey am zweiten Loch produzierte und trotzdem noch mit einer drei über Par ins Clubhaus kam, hat nicht die Abwehrkräfte für den nächsten Gang am Freitag, wenn weiter gesiebt wird. Der Engländer Justin Rose liegt vorne (drei unter Par). Was einen daran erinnert, dass er diese Position vor drei Jahren schon einmal inne hatte und sogar nach der zweiten Runde noch an der Spitze lag. Dann aber ging ihm die Puste aus. Ist Rose jetzt stärker?
Kleine Kuriosität am Rande: Zum Masters werden auch die Amateurmeister der USA und aus Großbritannien eingeladen. Das sind diesmal ein Schotte (gewann den Titel in den Vereinigten Staaten) und ein Franzose (gewann auf der Insel). Der junge Schotte - Richard Ramsay - hält bisher fabelhaft mit (vier über Par) und hat Chancen, den Cut zu schaffen. Der Franzose - Julien Guerrier - liegt mit elf über Par schon abgeschlagen weit hinten.
Live vom Masters im Internet - ein erster Eindruck
Nach einer kurzen Testsitzung vor dem kleinen Bildschirm auf der Seite masters.org, dem offiziellen Mitteilungsorgan, des Turniers in Augusta, hier eine kleine Warnung: "Live from Amen Corner" ist wirklich das - man konzentriert sich auf die Löcher 11, 12, und 13. Der Ton kommt immer durch. Die bewegten Bilder bisweilen nicht. Den Golfball kann man nicht erkennen (außer bei Nahaufnahmen vom Putten), weil die Monitorfläche so klein ist. Gut: Man schneidet rasch von Schauplatz zu Schauplatz und gibt der Internetkundschaft einen akzeptablen Eindruck vom Geschehen. Im Grunde hat es den erwünschten Effekt: Es macht neugierig auf die Fernsehübertragung.
4. April 2007
Pilgerstätten für eine banale Sehnsucht: Einmal dabei sein
Ich habe nicht die Absicht, das Geld für das neue Buch von Jim Gorant auszugeben, das bereits in seinem Titel verrät, um was es geht: Fanatic: Ten Things All Sports Fans Should Do Before They Die. Erstens, weil ich gar nicht in die Verlegenheit kommen möchte, seine Liste von Veranstaltungen, die man allesamt einmal im Leben besucht haben sollte, mit meinen eigenen Eindrücken abzugleichen. Zweitens, weil ich etwas gegen das Konzept habe, alles und jedes auf eine übersichtliche Zehn-Punkte-Liste zu reduzieren. Drittens weil die amerikanische Sicht der Welt einfach sehr beschränkt ist und nur bedingt als Vorlage für Handlunganweisungen jedweder Art taugt. So hat Gorant als einzigen Ort außerhalb der USA, der vor ihm bestehen kann, die Anlage der All-England-Championships in Wimbledon für sein Kompendium berücksichtigt. Und viertens weil der Erlebniswert des Besuchs einer Prestige-Sportveranstaltung zum Besuch eines Rummelplatzes ausgeartet ist. Überall wird gehökert - T-Shirts. Kappen. Hot Dogs. Bier. Man kann sonntags mit ebenso viel Vergnügen seine Hartplatzhelden genießen und erlebt dort viel unmittelbarer, was Sportbegeisterung ist.Gorants Buch-Idee entspringt einer typisch amerikanischen Vorliebe für die Überhöhung des Banalen, verbunden mit einer heimlichen Sehnsucht nach Pilgerstätten, wie sie etwa im Islam verankert ist. Das kommt davon, wenn man Profiligen organisiert, in denen Mannschaften achtzigmal pro Saison spielen (Basketball und Eishockey) oder 160mal (Baseball). Und wenn man dauernd Hallen und Stadien abreißt und neue luxuriöse Entertainment-Schuppen baut, die wieder gesprengt werden, ehe sie auch nur Patina ansetzen können.
Ganz abgesehen davon: Zu einer Veranstaltung wie dem Masters in Augusta haben Normalsterbliche (pardon the pun) gar keinen Zugang (Es sei denn sie bezahlen auf dem Schwarzen Markt ein horrendes Geld, was die Erwartungen auf das Erlebnis zwar steigert, aber nicht vor der einsetzenden Enttäuschung angesichts der Realität schützen kann.) Das Masters besuchen tausende von Dauerkartenbesitzer, die sich wie eine besondere privilegierte Kaste fühlen. Leider wird das in dem Ausschnitt aus seinem Buch, das golf.com publiziert hat, nicht mal erwähnt (danke an foremenblog für den Hinweis auf die Fundstelle)
Übrigens: Das Turnier beginnt morgen. Tiger Woods ist Favorit. Phil Mickelson hat wieder zwei Driver im Bag. Und der neue Mann an der Spitze des ausrichtenden Clubs, der berühmt dafür ist, keine Frauen als Mitglieder aufzunehmen, ist ein bekanntes Gesicht. Billy Payne hat übernommen. Das ist der Mann, der die Olympischen Spiele 1996 nach Atlanta geholt und geleitet hatte. Eine Jubiläumsveranstaltung, gewiss. Aber wenn man heute nach Atlanta kommt, findet man in den Straßen der Stadt nicht mal Spuren von ihr (abgesehen von einer Freifläche mit einem Springbrunnen).
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3. April 2007
Vor dem Masters: Fernsehmann wegen Bankraub in Haft
Das technische Personal, das amerikanische Fernsehstationen für die Übertragung von Großveranstaltungen anheuert, ist wohl auch nicht mehr das, was es mal war. AP meldet aus Augusta - zwei Tage vor dem Beginn des Masters-Turniers: Diesmal war sogar ein Bankräuber dabei. Der Mann flog auf, weil die Bankangestellten den Geldstapeln eine Patrone mit roter Farbe beimengten, die im Auto auf dem Parkplatz vor der Bank explodierte. Und weil die Polizei einen anonymen Tipp erhielt, der sie ins Holiday Inn führte, in dem der Verdächtige auf Kosten des Networksenders CBS logiert. Besser wäre: logierte. Denn der mutmaßliche Bankräuber und zwei mutmaßliche Komplizen mussten inzwischen umziehen: Sie sitzen im Untersuchungsgefängnis.
5. März 2007
Live-TV vom Masters im Internet
Das Masters in Augusta wird in diesem Jahr eine Novität bieten, von der auch Golfzuschauer außerhalb der USA etwas haben. Eine Stunde vor der Übertragung der ersten beiden Runden im amerikanischen Fernsehen wird man im Internet TV-Bilder ausstrahlen.
Das Turnier findet vom 5. bis 8. April statt und wird zu den vier Majors gerechnet. Veranstalter ist der exklusive Augusta National Golf Club, der nur männliche Mitglieder hat und so viel Geld, dass er mit Erfolg einen Damm gegen allzuviele Werbespots errichten konnte. Ganze vier Firmen können Commercials einsprengseln. Pro Stunde Fernsehen gehen nur vier Minuten für Reklame drauf. Vor einem Jahr hatte die Webseite des Turniers 3,7 Millionen Besucher. 3 Millionen Online-Videostreams wurden abgefragt. Neuer erster Mann im Club ist übrigens Billy Payne, der Mann, der die Olympischen Spiele 1996 nach Atlanta geholt hatte. Er dürfte weit öffentlichkeitsbewusster sein, als seine Vorgänger. Bild rechts: Das Grün von Loch 12, dem Anfang von Amen Corner.
Das Turnier findet vom 5. bis 8. April statt und wird zu den vier Majors gerechnet. Veranstalter ist der exklusive Augusta National Golf Club, der nur männliche Mitglieder hat und so viel Geld, dass er mit Erfolg einen Damm gegen allzuviele Werbespots errichten konnte. Ganze vier Firmen können Commercials einsprengseln. Pro Stunde Fernsehen gehen nur vier Minuten für Reklame drauf. Vor einem Jahr hatte die Webseite des Turniers 3,7 Millionen Besucher. 3 Millionen Online-Videostreams wurden abgefragt. Neuer erster Mann im Club ist übrigens Billy Payne, der Mann, der die Olympischen Spiele 1996 nach Atlanta geholt hatte. Er dürfte weit öffentlichkeitsbewusster sein, als seine Vorgänger. Bild rechts: Das Grün von Loch 12, dem Anfang von Amen Corner.
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