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12. Januar 2010

Patriots im Tief – aber vermutlich nicht lange

Baltimore Ravens v New England Patriots - Wild Card Round
Wenn eine Mannschaft wie die New England Patriots von dem strikten Regime der Salary Cap in der NFL in die Mangel genommen wird, dann kommt irgendwann der Tag, an dem man die Auswirkungen mit Händen greifen kann: Raus in der ersten Playoff-Runde, ohne die Spur einer Chance. Ein Team von dieser Güteklasse mit drei Super-Bowl-Erfolgen und einer weiteren Super-Bowl-Teilnahme kann man nämlich nicht ewig zusammenhalten. Genauso wie man nicht den alten Trainerstab bezahlen kann, wenn von anderen Clubs lukrative Angebote an die Assistenten eintreffen. Angebote mit dem hochdekorierten und bestens bezahlten Posten des Head Coach.

Trotz des ständigen Talentabflusses hat der ewige Griesgram Bill Belichick seinen Laden auf erstaunliche Weise jahrelang in Schuss gehalten. In manchen Phasen generierte er die Überlegenheit aus klugem und genau getaktetem Tun, vor allem in der Defensive. Dann griff er nach Spielern, die woanders als untrainierbare Diven in die Ecke gestellt worden waren und nicht halb so viel kosteten, wie sie in seinem gut geölten Spielschema wert waren (man denke an Randy Moss 2007 für einen Viert-Runden-Draftplatz oder an Corey Dillon für einen Zweit-Runden-Pick 2004 oder auch an Wes Welker, der 2007 aus Miami kam und sich seitdem auf Platz eins der Wide Receiver in der Liga in der Kategorie Receptions vorgearbeitet hat).

Und dann waren da noch jene couragierten und konsequenten Entscheidungen gegen den Strich eines konventionellen Football-Wissens. Man kann mit dem Namen Tom Brady das eine Ende der Zeitachse markieren. Und mit dem Namen von Sebastian Vollmer das andere Ende. Niemand gab nur einen Rattenschiss auf Vollmer, als vor ein paar Monaten die Draft anstand. Und niemand, der das Team und den Trainer einigermaßen zu kennen glaubte, konnte sich ausmalen, was Belichick an dem relativ unbeschriebenen deutschen Blatt gesehen hatte. Die Saison der Patriots ging am Sonntag in der kalten Brise des Gillette Stadium zu Ende. Vollmer war die Offenbarung schlechthin. Er spielte absolut fehlerfrei, ließ keinen Ravens-Spieler an sich vorbei und zeigte nach einem von Baltimore abgefangenen Brady-Wurf, dass er im Falle einer Interception nicht den Stecker aus dem mentalen Stromnetz zieht. Er war einer der beiden Tackler, der sich lang machte und sich dem Gegner entgegenwarf, um das Schlimmste zu verhindern.

Ein Vollmer ist natürlich nicht genug. Schon gar nicht an einem Tag, an dem man mindestens zwei gebraucht hätte. Und obendrein einen motivierten Randy Moss, einen gesunden Wes Welker und einen Tight End, der besser blockt. Aber warum sollte Belichick nicht im Frühjahr den einen oder anderen Nachwuchsspieler von Format aus dem Topf ziehen? Wieder mal scheinen die Patriots vorbereitet – auch auf dieses zwangsläufige Formtief einer unabwendbaren zyklischen Entwicklung – mit dem die Buffalo Bills, die Detroit Lions, die Kansas City Chiefs und andere nicht umgehen können. Sie haben für die beiden kommenden Jahre eine ganze Reihe von guten Draftplätzen gehortet. 2010 sind dies zwei zusätzliche Picks in der zweiten Runde. 2011 ist es ein zusätzlicher Pick in der ersten Runde und zwar der von den Oakland Raiders, die noch immer schlecht genug sind, um daraus einen Spitzenplatz werden zu lassen.

Ehemalige Belichick-Assistenten, die sich woanders den Chefposten sichern konnten und die beim letzten Super-Bowl-Erfolg der Patriots 2004 noch zu Belichicks Stab gehörten, wirken nachträglich weniger als Aderlass, wie man das annehmen durfte. Unterm Strich: Alle vier haben ohne Belichick nichts für ihren Ruf tun können. Nur ihr Bankkonto sieht inzwischen sehr viel besser aus.

• Romeo Crennel, vier Jahre bei Cleveland Browns – kein einziges Mal in den Playoffs. Im letzten Jahr entlassen und ersetzt durch

• Eric Mangini, der vorher die New York Jets trainiert hatte, die ohne ihn endlich wieder in Fahrt gekommen sind und am Wochenende gegen die San Diego Chargers spielen.

• Charlie Weis wurde soeben nach vier Jahren in Notre Dame entlassen, nachdem er kein besonders gutes Bild abgegeben hatte. Was nicht an seiner Leibesfülle lag.

• Josh McDaniels, der zu Beginn der laufenden Saison die Denver Broncos übernahm und nach einem Blitzstart aus dem Ruder laufen ließ.

Noch ein paar Namen aus der Zeit, als Belichick in Cleveland amtierte: Dort hatte er Rex Ryan als Linebacker-Coach, jetzt hauptverantwortlich für das Defensivmonster in Grün besser bekannt als New York Jets. Dazu: Jim Schwartz (Detroit Lions) und die College-Cheftrainer Nick Saban (Alabama), Kirk Ferentz (Iowa), Pat Hill (Fresno State) and Al Groh (Virginia).

28. November 2009

Vollmers Kopfverletzung: Belichick schweigt

Sebastian Vollmer hat sich am Sonntag im Spiel der Patriots gegen die Jets verletzt. Er kehrte zwar nach einer Pause auf den Platz zurück. Aber seit Montag hat man ihn nicht mehr beim Training gesehen. Der offizielle Report des Clubs spricht von einer Kopfverletzung. Trainer Bill Belichick ließ sich am Samstag bei der Pressekonferenz nach dem letzten Training vor der Abreise nach New Orleans (am Montagabend findet dort die Begegnung gegen die noch ungeschlagenen Saints statt) nicht abringen, was den deutschen Footballprofi plagt. "Es ist das, was in dem Verletzungsbericht steht", sagte er und lächelte dabei. "Ist das eine Hilfe?"

Natürlich ist es keine. Aber so sind die Verhältnisse in der NFL (und auch in anderen Ligen wie der NHL). Die Mannschaften müssen keine genauen Angaben machen, nur sagen, ob der Einsatz eines verletzten Spielers wahrscheinlich oder fraglich ist. Das sind keine Informationen für den Gegner oder die Fans, sondern für die Buchmacher. Denn das gehört zu den Grundsätzen in der National Football League, dass man den Zockern gerne so weit entgegen kommt wie möglich.

Zurück zu Vollmer, der bereits in seiner ersten Profi-Saison in der Abwesenheit des verletzten Matt Light durch pure Leistung seinen Anspruch auf einen Stammplatz auf der Left-Tackle-Position unterstrichen hatte. Es spricht vieles dafür, dass er eine Gehirnerschütterung erlitten hat und dass man ihn wegen der neuen Aufmerksamkeit für solche medizinischen Probleme und der Gefahr für Dauer- und Spätschäden lieber schont. Light trainierte in dieser Woche zum ersten Mal.

16. November 2009

Das Fourth-Down-Syndrom: Schelte für Belichick

New England Patriots v Indianapolis ColtsMan kann solange über diese Entscheidung diskutieren, bis einem die Puste ausgeht. Sollte man wenige Minuten vor dem Ende eines Football-Spiels beim vierten Down, wenn einem zwei Yards fehlen, den Punter auf den Platz schicken? Oder sollte man seinen Quarterback draußen lassen und die Angriffsformation die Aufgabe lösen? Wir kennen die Alternativen: Es sind zwei.

1. Lösung Punter: Fast hunderprozentige Wahrscheinlichkeit, dass der Gegner den Ball bekommt, wenn auch nahe an dessen Tor.

2. Zwei-Yard-Raumgewinn mit einem Quarterback wie Tom Brady herausarbeiten: Etwa fünfzigprozentige Wahrscheinlichkeit (dieser Mann sagt sogar: 60prozentige), dass man den ersten Down schafft. Problem: Gelingt einem das nicht, geht das Angriffsrecht an diesem Ort an den Gegner über. Und der steht dann nicht tief hinten auf seiner eigenen Seite, sondern in diesem Fall 30 Yards vor der eigenen Touchdown-Linie.

Bill Belichick hat sich am Sonntagabend beim Stand von 34:28 für die New England Patriots für Möglichkeit zwei entschieden. Er hatte seine Gründe. Denn mit einem First Down hat die Mannschaft den Sieg in der Tasche. Weil seiner Mannschaft am Ende bei dem Spielzug aber ein paar Zentimeter fehlten und sie den Ball abgeben musste, kippen jetzt die Neunmalklugen von der Seitenauslinie den Spott über dem besten Coach der National Football League aus. Denn die Patriots kassierten anschließend den einen entscheidenden Touchdown und verloren die Begegnung gegen die Indianapolis Colts mit 34:35. Ja, ja: Genie sieht anders aus.

Ehe wir uns weiter mit der Belichick-Schelte beschäftigen hier nur am Rande: Das Spiel war hochklassig und zeigte erneut eines: Sebastian Vollmer hat das Zeug zu einem erstklassigen Offensive Lineman, denn er reduzierte auf seiner Seite der Angriffslinie den hoch eingeschätzten Dwight Freeney zu einem Statisten.

Nun zurück zu den Vorwürfen an den Patriots-Trainer, der Tom Brady in dieser Situation einen Spielzug ausriefen ließ, an dem außer einer Kleinigkeit nichts falsch war. Der Pass erreichte Kevin Faulk an einer Stelle, an der man ihm normalerweise den ersten Down geben würde. Da er allerdings beim Fangen vom Verteidiger zurückgedrängt wurde und er den Ball nicht gleich komplett unter Kontrolle bekam, ging der Plan nicht auf. Nun könnte man argumentieren: Warum packen die Patriots nicht ein Running Play aus oder ein Passspiel, bei dem man ein paar Yards Pufferzone einbaut. Aber das wäre auch schon alles. Der Rest an der Kritik ist aufgeblasen. Zumal die Colts danach erst noch die Verteidigung der Patriots bezwingen mussten, um einen Touchdown zu erzielen. Und dass Peyton Manning das gelingt – dafür gab es keine Garantie.

Der Ausgang des Spiels stärkt natürlich wieder all jenen das Kreuz, die im Football immer auf Nummer sicher gehen wollen, obwohl solches Verhalten weder statistisch begründbare Vorteile hat noch den Zuschauern etwas bietet. Die Angst der NFL-Trainer vor risikovollen Entscheidungen ist übrigens legendär und wurde bereits hier ausführlich abgehandelt. Ihre Triebfeder: Furcht vor dem Jobverlust. Zum Glück braucht sich jemand wie Bill Belichick über so etwas keine Gedanken zu machen.

1. Februar 2008

Senator will Antworten von der NFL

Nachdem gerade Major League Baseball mal wieder mitbekommen hat, wie ärgerlich und prestigeschädigend die Politiker in Washington sein können, wenn sie sich die schmutzige Wäsche einer Liga aus dem Korb angeln und daran herumschnüffeln, ist jetzt die NFL an der Reihe. Der Republikaner Arlen Specter, ein Senator aus dem Justizausschuss, will Aufklärung über die Werkspionage der Patriots und weshalb die NFL die fraglichen Videobänder vernichtet hat. Die Aktion wirkt ziemlich pedantisch, macht aber deutlich, dass die Liga eine enorme wirtschaftliche Macht besitzt. Der Kongress hat ihr eine Ausnahmestellung im Kartellrecht eingeräumt, die es für andere Unternehmen nicht gibt. Natürlich könnten die Abgeordneten dieses Privileg jeder Zeit wieder abschaffen. Specter drohte nicht damit, aber machte Andeutungen. Er sitzt ohnehin in der Minderheit und hat keine Handlungsvollmacht. Im US-Kongress sind die Ausschussvorsitzenden die Alleinherrscher in allen Belangen der Tagesordnung.

P.S.: In der Samstagausgabe der FAZ gibt es eine Betrachtung über Bill Belichick und die Patriots verbunden mit einem Hinweis zu einem Buch (Education of a Coach) von David Halberstam. Nachtrag: Inzwischen kann man die Geschichte auch online lesen.

2. November 2007

NFL: Colts gegen Patriots - ein Ausblick


Es gibt in der NFL beim besten Willen nicht viele Must-see-TV-Termine, die ein ganzes Volk von Football-Anhängern in die Sessel zwingt, wo sie dann gebannt der Dinge harren, die da kommen. Bis zu den Playoffs herrscht meistens eine gewisse Larifari-Stimmung, ausgenommen natürlich unter den Fans einzelner Clubs, die zumindest die klassischen Derbys mit Spannung verfolgen. Sonntagnachmittag wird alles ganz anders sein. Da treffen zwei bislang ungeschlagene Mannschaften aufeinander (das passiert zu einem so späten Zeitpunkt mitten in der Saison selten genug). Sie sind die Hauptrivalen für die Playoffs in der American Conference um die Teilnahme am Super Bowl im Januar, wo sie sich voraussichtlich erneut über den Weg laufen werden: Die Indianapolis Colts und die New England Patriots, die beiden Mannschaften, die auf eine perfekte Weise demonstrieren, mit welcher Art von Football man in der lange Zeit so pomadigen AFC inzwischen das Kraftprogramm der NFC um Meilen hinter sich gelassen hat.

Das Match ist eine Revanche für die AFC Championship vom Anfang des Jahres, als die Colts den Part der klügeren Mannschaft gaben und gewannen und die Patriots mit einer Spur zuviel Überheblichkeit den Sieg mit dummen Fehlern verschenkten. Bill Belichick, der seine Truppe wegen der Salary Cap seit Jahren ständig umbauen muss und trotzdem konkurrenzfähig hält und dabei einen glatt gewienerten, attraktiven Stiefel pflegt, ist auch in diesem Jahr der Preis für die kälteste Hundenase der Branche gewiss. Kaum jemand hatte noch viel auf Randy Moss gegeben, der mal in Minnesota als gefährlicher, aber ausrechenbarer Wide Receiver in einem Team ohne Durchschlagskraft seine NFL-Karriere begann und danach als verwöhnte Primadonna in Oakland eingestuft wurde, wo derzeit wirklich alles zu spät ist. Belichick griff zu und verwandelte den wie befreit über den Platz fegenden Sprinter in einen Ballfangautomaten. Obwohl, der Coach sieht das mit dem Verwandeln anders. Eigentlich hat er nur den begabtesten Wide Receiver in der NFL genommen und ihn auf die bestmögliche Weise in die Spielzug-Entwürfe integriert. Denn, sagt Belichick, er hat etwas an Moss gesehen, was die anderen Trainer ignoriert haben:
"Du kannst ihn überall einsetzen, wo du möchtest. Er kann X spielen. Er kann Y spielen. Er kann F spielen. Ganz egal, was du möchtest. Du kannst ihn dir eigentlich überall vorstellen. Das ist ziemlich ungewöhnlich. Wir hatten ein paar Jungs, die das mental konnten, aber nicht notwendigerweise körperlich. Wir hatten ein paar Jungs, die dazu körperlich in der Lage waren, aber es vielleicht mental nicht fertig brachten. Randy ist wirklich intelligent, was das Passspiel angeht."
Und das Resultat? Der Mann hat in den bislang acht Spielen der Patriots elf Touchdown-Pässe eingesammelt. Das Team kommt auf eine Offensivausbeute von 41,4 Punkten pro Match und zieht Gegnern dabei geradezu die Haut ab. Was musste New England für die Fangmaschine bezahlen? Einen Viertrunden-Draftplatz und 3 Millionen Dollar in bar. Kaum zu fassen ,aber wahr. Man musste allerdings noch mit Quarterback Tom Brady verhandeln und dessen Vertrag zeitlich strecken, um die Gage für Moss (3 Millionen Dollar Garantie mit Bonusgeldern, die das Ganze auf 5 Millionen Dollar bringen), unter dem Lohndeckel unterzubringen.

Weshalb bringen andere Clubs so etwas nicht fertig? Weil sie so viele andere Probleme haben, dass sie auf die Nuancen gar keine Zeit mehr verschwenden können. Das Spiel, von CBS übertragen, wird in mehr als 93 Prozent aller Haushalte zu empfangen sein (Märkte wie Cleveland werden nicht bedient, weil die eigene Mannschaft zur gleichen Zeit spielt und das Match auf Fox übertragen wird). Die CBS-Leute sind euphorisch. Sie rechnen mit einem neuen Quotenrekord für Spiele der regulären Saison.

31. Oktober 2007

Der Klingelbeutel: Zu Gast bei Frondeuren

Kaum schreibt man mal was über eine neue Unsitte in der Fußball-Bundesliga und wird auch noch prominent vom Indirekten Freistoss zitiert, dem einflussreichsten und besten Fußball-Blog im Lande, schon kippt die Fronde. Wenn das jetzt öfter vorkommt, werde ich in unserem Haushalt die Auswahl der Lottozahlen übernehmen.

Bill Belichick wurde neulich als Werkspion erwischt und bestraft. Dass das alles nur daran liegen soll, dass der Trainer der New England Patriots ungeschickt oder übermütig (oder beides) geworden ist, kann man sich beim Die Hard Steel-Blog überhaupt nicht vorstellen. Der Mann mit der Kapuze, dem man den Spitznamen Evil Genius anzuhängen versucht, muss das alles mit voller Absicht gemacht haben. Warum? Um seine Mannschaft die Psychoformel einzuhämmern: Alle sind gegen uns. Wir kämpfen gegen den Rest der Welt. Aber gemeinsam sind wir stark.

Wenn Tony Romo von den Dallas Cowboys wirklich 11,5 Millionen Dollar pro Jahr wert ist und einen Weg gefunden hat, sich fast die Hälfte des Geldes garantieren zu lassen (was in der NFL normalerweise nicht der Fall ist), dann heißt das, dass die Gehaltsspirale wieder mächtig in Bewegung gekommen ist. Das ist weniger das Problem der Clubs, die mit einer ultraharten Salary Cap leben müssen (und nicht solche Pufferzonen für ultrareiche Teams haben wie die NBA mit ihrer Luxussteuer), sondern der vielen namenlosen Spieler im Kader, die mit Mini-Gehältern abgespeist werden. Und das sind die Leute, deren Zahlungen nicht garantiert sind und die oft verletzungsbedingt früh die Karriere aufgeben müssen (Durchschnittsverweildauer in der NFL: dreieinhalb Jahre).

Das Lesestück der Woche zum NBA-Saisonbeginn: Chuck Klosterman über das ewige Palawer, wonach die NBA permanent von schweren Krisen bedroht ist (Imagekrisen und wirtschaftlichen Krisen). Er gibt nicht mal den Medien die Schuld, obwohl dort ständig jenes Drahtseil gespannt wird, auf dem die Basketballprofis angeblich im Kampf um den Zuschauer wandern. Er sieht nicht zuletzt den unheiligen Einfluss vom Ligamanagement, das
"jedes Imageproblem zu manipulieren versucht, von dem die Association in jedem Augenblick erfasst wird" (via Fanhouse).

14. September 2007

Werkspionage: Liga geht Belichick heftig ans Portemonnaie

Bill Belichick ist der beste Coach in der National Football League. Ab jetzt wird diese Aussage mit einem Sternchen versehen werden müssen. Die Liga hat ihm gestern eine Geldstrafe von 500.000 Dollar verpasst, weil man ihn für die Videoaktion verantwortlich macht, die am Sonntag während der Begegnung der New England Patriots und New York Jets aufgeflogen war. Die Patriots dürfen noch 250.ooo Dollar oben drauf legen und müssen auf den Erst-Runden-Draft-Platz im nächsten Jahr verzichten, falls sie die Playoffs erreichen (falls nicht wird ihnen statt dessen auf den Zweit-Runden- und den Dritt-Runden-Pick abgeknöpft). Das Vergehen: Belichick hatte einen Assistenten beauftragt, die verschlüsselten Signale zu filmen, mit denen die Defensive Coaches der Jets an die Spieler auf dem Platz kommunizieren. Wer solche Informationen sammelt, hat unter Umständen einen taktischen Vorteil. Weshalb die Liga solche Art der Werkspionage verboten hat. Die Strafe ist die höchste, die die Liga je gegen einen Trainer verhängt hat.
Blick zurück: Die erste Meldung über den Fall

12. September 2007

Buffalo und Bill: Extreme in der NFL

Das erste Wochenende der NFL-Saison produzierte zwei extreme Fälle: die Verletzung eines Spielers der Buffallo Bills, dessen erste Prognose der schiere Horror war. Ärzte befürchteten, dass er für den Rest seines Lebens von der Schulter abwärts gelähmt bleiben würde. Seit gestern abend klingen die Aussichten sehr viel besser. Auch weil die Unfallmedizin immer besser wird. So wurde Tight End Kevin Everett innerhalb kurzer Zeit eine gut gekühlte Salzlösung gespritzt, die dafür sorgte, seine Körpertemperatur abzusenken. Der Prozess verhinderte Schwellungen in den kritischen Zonen des Rückenmarks.

Wie man allerdings den für seine cholerischen Anfälle bekannten Trainer der New England Patriots runterkühlen wird, ist noch nicht klar. Denn Bill Belichik und sein Stab wurden erneut dabei erwischt, Handzeichen einer gegnerischen Mannschaft mit Hilfe einer Videokamera aufzuzeichnen. So etwas ist sicher nicht halb so schlimm wie das Ausrichten von Hundekämpfen, zeigt aber wie weit der als großer Taktiker verehrte Coach geht, um sich so viele Vorteil wie möglich zu verschaffen. Was ist das Problem? Die NFL hat Regeln, wonach solches Verhalten schlichtweg verboten ist. Was ist das größere Problem? Belichick kann nicht so tun, als habe da ein kleiner Angestellter in seinem Laden aus freien Stücken ein bisschen Werkspionage betrieben, die ihm persönlich gar keinen Nutzen bringt. Die Sache war einem Offiziellen der New York Jets aufgefallen und wurde an die Liga weiter gemeldet. Die konfiszierte die Kamera und fand eindeutige Belege für das Fehlverhalten. Von den Patriots gab es noch keine Stellungnahme. Aber man kann sich vorstellen, warum: Erst mal wurde der arme Kameramann in Grund und Boden gestampft, weil er er so blöd war, sich erwischen zu lassen. Und als nächstes wird an einer Formulierung gebastelt, die den Eindruck erwecken soll, als habe die Führung keine Ahnung von dem gesetzlosen Treiben ihrer Mitarbeiter.

Sobald sich der von den Patriots geworfene Nebel verzogen hat, wird der Commissioner die Strafe verhängen. Die könnte happig ausfallen. Insider munkeln, dass die Liga für solches Treiben den Verlust von Draftplätzen verhängt.
Blick zurück: Die Rolle von Belichick in einem schmuddeligen Scheidungsprozess

7. Februar 2007

Belichick als Sugar Daddy: Schmutzige Wäsche unterm Schlabberzwirn

In Sachen Vorbereitung, Geheimnisteuerei und Granteln gibt es in der NFL vermutlich keinen Besseren als Bill Belichick. Über den genialen Meister der Defensive, der auch offensiv besser tickt als die meisten anderen in seinem Fach, gibt es nur wenig Greifbares. Außer dass er immer in diesen schlabbrigen Sportklamotten am Spielfeldrand steht, mit denen man keinen Staat machen kann, und dass er der Sohn eines Football-Coaches ist, der seine Söhne auch manchmal beim Spiel dabei hat, ist nicht viel bekannt. Er "zeigt so viele Emotionen wie ein Roboter", schrieb die die New Yorker Daily News vor dem Championship Match gegen die Indianpolis Colts.

Umso saftiger sind die Details, die in diesen Tagen bei einem Scheidungsprozess in New Jersey herauskommen, in dem Belichick als Mann beschrieben wird, der unter dem Trainingsanzug so einiges an schmutziger Unterwäsche verbirgt. Er selbst ist gar nicht anwesend, weil es sich um das Leben seiner Freundin handelt, das da vorgeführt wird: einer ehemaligen Telefonistin der New York Giants, die jahrelang eine außereheliche Beziehung zu dem Alpha-Mann der New England Patriots unterhielt. Insgesamt 80 000 Dollar hat er der Dame für ihre Mühe im Laufe der Zeit in bar und Form von Geschenken überwiesen und irgendwann dann auch noch ein Haus im New Yorker Stadtteil Brooklyn gekauft, damit sich die beiden nicht mehr in Hotels treffen müssen. Die Zahl der Telefonanrufe in der Zeit: Fast 2000.

Die Angebetete hat diese Grosszügigkeit und dieses Werben des verliebten Trainers allerdings in Schwierigkeiten gebracht. Denn in ersten rechtlich verbindlichen Erklärungen hatte sie die teuren Geschenke des Sugar Daddy zunuächst rundheraus abgestritten. Vermutlich, um die Unterhaltskonditionen aufzubessern, die der gehörnte Ehemann finanzieren soll. So was ist strafbar ("uneidliche Falschaussage") und wird natürlich von dem Verlassenen und seinen Anwälten weidlich ausgeschlachtet. Vor allem könnte dies ein Vorgeplänkel zu einer noch viel größeren Show werden: einem Auftritt von Bill Belichick als Zeuge im Gerichtssaal. Ob er dann endlich den Mund aufmacht? (via TheBigLead)