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11. Februar 2010

Die Luft entweicht dem Soufflé à la Forbes

Die einzige Institution, die versucht, der interessierten amerikanischen Öffentlichkeit Einblick in die wirtschaftlichen Verhältnisse von Ligen und Clubs zu geben, ist die Redaktion des Magazins Forbes. Das Blatt ist hinreichend bekannt als Festung neoliberaler Weltsicht. Man könnte sie auch Hurra-Kapitalisten nennen. Denn alles andere als pure Gier als Steuermechanismus der Marktwirtschaft ist ihnen suspekt. Forbes hat einen guten Ruf, weil man ihnen zutraut, dass ihre Listen und Zahlen, wenn sie schon nicht auf Einsicht in die Bücher beruhen, so doch auf vertrauenswürdiger Einschätzung einer Reihe von Datenmaterial. Was solche Kalkulationen wirklich wert sein können, stellt sich dieser Tage heraus. Bei den St. Louis Rams, wo 60 Prozent der Anteile den Besitzer wechseln werden. Und wo man als Bewertungsmaßstab für die 100 Prozent auf eine Ziffer zwischen 725 und 750 Millionen Dollar kam. Erst wenige Monate vorher hatte Forbes den Gesamtwert der Rams auf 913 Millionen Dollar geschätzt.

Die Fehlkalkulation ist nicht exorbitant, aber sicher symptomatisch. Denn man darf angesichts solcher Abweichungen davon ausgehen, dass auch die anderen Clubs in der NFL von der Zeitschrift nicht marktgerecht eingestuft worden sind, sondern zu hoch. Das wiederum ist kein wirkliches Problem, allenfalls für die Spielergewerkschaft, die in der Auseinandersetzung um einen neuen Tarifvertrag solche Nachrichten natürlich überhaupt nicht gerne hört. Der Marktwert der Clubs ist nur eine indirekte Größe, um den wirtschaftlichen Gesundheitszustand der Liga zu ermitteln. Aber in der NFL, in der man geradezu sozialistische Verhältnisse pflegt und alle Fernseheinnahmen und den Merchandising-Topf brüderlich teilt, wäre ein fallender Trend bei den Marktwerten zumindest ein Zeichen: für sinkende Gewinne. Laut Forbes machten im letzten Herbst angeblich nur zwei Clubs Minus: Die Seattle Seahawks und die Oakland Raiders. Die Rams-Eigentümer verdienten hingegen angeblich ganz ordentlich Geld. Was auch an den Mietkonditionen für die Arena liegen kann, die die Rams für so gut wie gar keine Miete nutzen können.

Sportlich hat der Club nicht viel zu bieten. Im Rückblick wirken die Jahre um die Jahrtausendwende mit einem Super-Bowl-Erfolg und einer Finalteilnahme wie ein kurzes Feuerwerk in einer langen Tages Reise in die Nacht. In der letzten Saison produzierte man das Super-Resultat von einem Sieg und 15 Niederlagen. Bis 2014 muss das Team auf jeden Fall noch in St. Louis bleiben. Wenn dann die Stadt die Halle nicht ordentlich aufpeppelt, darf man woandershin umziehen. Die Rams waren einst in Cleveland, wurden dann nach Los Angeles umgetopft und erlebten einen der kurioseren Besitzerwechsel im amerikanischen Sport. Sie wurden von ihrem damaligen Eigentümer Robert Irsay gegen die Baltimore Colts eingetauscht, die einem gewissen Carroll Rosenbloom gehörten. Rosenblooms Witwe Georgia Frontiere übernahm nach dessen Tod den Laden und sorgte für den Ortswechsel in ihre Heimatstadt. Ihren Stiefsohn hatte sie schon vorher aus der Machthierarchie der Mannschaft ausgehebelt. Das Umzugsmodell hatte sie bei Irsay abgeschaut, der die Colts Mitte der achtziger Jahre in einer berüchtigten Nacht- und Nebelaktion nach Indianapolis verfrachtete.

Sohn Rosenbloom macht immerhin jetzt Kasse. Nur nicht ganz soviel wie man bei Forbes angenommen hatte.

5. Februar 2010

Zeit für ein paar Häppchen zum Super Bowl

Hier eine Salatplatte zum Super Bowl zwischen den Indianapolis Colts und den New Orleans Saints (Sonntag in Miami, live ab 23.35 Uhr in der ARD, Kommentatoren Andres Witte, Dirk Forberg, Moderation Rolf Scholt):

Tony Dungy prophezeit überlegenen Sieg seines Ex-Clubs.

• Die beiden Videospiele EA Team und Madden sehen es anders: Beide tippen auf einen knappen Erfolg für die Saints. Die Madden-Vorhersagen sind besonders aufschlussreich. Ihre Super-Bowl-Simulationen liegen in fünf von sechs Fällen richtig.

• Wir dürfen aus gegebenem Anlass auf einen Beitrag von Ende Dezember verweisen. Eine Anlayse der Treffgenauigkeit von Quarterback Drew Brees (mit Video). Mal abgesehen von dem schrägen Vergleich mit den Bogenschützen. Unterm Strich bleibt zumindest eines: Der Mann ist extrem präzise.

• Da Super-Bowl-Ringe so prestigeträchtig sind, lotet diese Geschichte von Mike Wise in der Washington Post eine gewisse emotionale Tiefe aus. Die Hauptperson: ein ehemaliger Redskins-Spieler, der auf die schiefe Bahn kam. Die Nebenperson, der Mann, der dafür sorgte, dass der Ring dabei nicht in den Gully kullerte und weggespült wurde.

• Übrigens: Samstag in der gedruckten Ausgabe der FAZ: ein Porträt der New Orleans Saints, die fast 40 Jahre lang in der NFL nichts zu bestellen hatten, aber sich trotzdem nicht unterkriegen ließen. Big Easy nahm es locker. Jetzt allerdings wird's ernst.

• Jason Whitlock denkt schon eine Ecke weiter: an den anstehenden Tarifstreit zwischen der Liga und der Spielergewerkschaft und dass es vermutlich keine Aussperrung geben wird. Warum auch? Die NFL-Profis sind die härtesten Typen, wenn es darum geht, auf dem Spielfeld ihre Knochen hinzuhalten. Aber die schwächsten, wenn es um Arbeitskämpfe geht. Die werden schon keinen Streik ausrufen – aus lauter Angst, dass er in sich zusammenbricht. Da können die Liga-Fürsten auf die sanfte Tour arbeiten. Was besser fürs Bild in der Öffentlichkeit ist. Allerdings hat der neue Gewerkschaftschef schon mal die Trommel in die Hand genommen und artikuliert lauthals seine Befürchtungen in Sachen Aussperrung. Interessantes Detail in diesem Beitrag: Die NFL hat Fernsehverträge, die ihr die üblichen Einnahmen garantieren, selbst wenn die Spiele einem Arbeitskampf zum Opfer fallen. Dieses Faktum zeigt, welche Macht die Liga gegenüber den TV-Sendern entwickelt hat. Keine andere Sportinstitution, abgesehen vielleicht vom IOC, könnte solche Vereinbarungen durchsetzen. Die Leute von den Sendern würden wohl eher nur leicht lachen, wenn sie mit derartigen Forderungen konfrontiert würden.

16. November 2009

Das Fourth-Down-Syndrom: Schelte für Belichick

New England Patriots v Indianapolis ColtsMan kann solange über diese Entscheidung diskutieren, bis einem die Puste ausgeht. Sollte man wenige Minuten vor dem Ende eines Football-Spiels beim vierten Down, wenn einem zwei Yards fehlen, den Punter auf den Platz schicken? Oder sollte man seinen Quarterback draußen lassen und die Angriffsformation die Aufgabe lösen? Wir kennen die Alternativen: Es sind zwei.

1. Lösung Punter: Fast hunderprozentige Wahrscheinlichkeit, dass der Gegner den Ball bekommt, wenn auch nahe an dessen Tor.

2. Zwei-Yard-Raumgewinn mit einem Quarterback wie Tom Brady herausarbeiten: Etwa fünfzigprozentige Wahrscheinlichkeit (dieser Mann sagt sogar: 60prozentige), dass man den ersten Down schafft. Problem: Gelingt einem das nicht, geht das Angriffsrecht an diesem Ort an den Gegner über. Und der steht dann nicht tief hinten auf seiner eigenen Seite, sondern in diesem Fall 30 Yards vor der eigenen Touchdown-Linie.

Bill Belichick hat sich am Sonntagabend beim Stand von 34:28 für die New England Patriots für Möglichkeit zwei entschieden. Er hatte seine Gründe. Denn mit einem First Down hat die Mannschaft den Sieg in der Tasche. Weil seiner Mannschaft am Ende bei dem Spielzug aber ein paar Zentimeter fehlten und sie den Ball abgeben musste, kippen jetzt die Neunmalklugen von der Seitenauslinie den Spott über dem besten Coach der National Football League aus. Denn die Patriots kassierten anschließend den einen entscheidenden Touchdown und verloren die Begegnung gegen die Indianapolis Colts mit 34:35. Ja, ja: Genie sieht anders aus.

Ehe wir uns weiter mit der Belichick-Schelte beschäftigen hier nur am Rande: Das Spiel war hochklassig und zeigte erneut eines: Sebastian Vollmer hat das Zeug zu einem erstklassigen Offensive Lineman, denn er reduzierte auf seiner Seite der Angriffslinie den hoch eingeschätzten Dwight Freeney zu einem Statisten.

Nun zurück zu den Vorwürfen an den Patriots-Trainer, der Tom Brady in dieser Situation einen Spielzug ausriefen ließ, an dem außer einer Kleinigkeit nichts falsch war. Der Pass erreichte Kevin Faulk an einer Stelle, an der man ihm normalerweise den ersten Down geben würde. Da er allerdings beim Fangen vom Verteidiger zurückgedrängt wurde und er den Ball nicht gleich komplett unter Kontrolle bekam, ging der Plan nicht auf. Nun könnte man argumentieren: Warum packen die Patriots nicht ein Running Play aus oder ein Passspiel, bei dem man ein paar Yards Pufferzone einbaut. Aber das wäre auch schon alles. Der Rest an der Kritik ist aufgeblasen. Zumal die Colts danach erst noch die Verteidigung der Patriots bezwingen mussten, um einen Touchdown zu erzielen. Und dass Peyton Manning das gelingt – dafür gab es keine Garantie.

Der Ausgang des Spiels stärkt natürlich wieder all jenen das Kreuz, die im Football immer auf Nummer sicher gehen wollen, obwohl solches Verhalten weder statistisch begründbare Vorteile hat noch den Zuschauern etwas bietet. Die Angst der NFL-Trainer vor risikovollen Entscheidungen ist übrigens legendär und wurde bereits hier ausführlich abgehandelt. Ihre Triebfeder: Furcht vor dem Jobverlust. Zum Glück braucht sich jemand wie Bill Belichick über so etwas keine Gedanken zu machen.

10. November 2009

Vollmer im Mittelpunkt

Sebastian Vollmer hat erst drei komplette Spiele in der NFL abgewickelt. Aber wie er das gemacht hat, überrascht so einige, die die New England Patriots von Berufs wegen ganz genau beäugen. Schließlich ist dies sein erstes Jahr in der Liga. Eigentlich hätte man erwarten dürfen, dass er meistens draußen am Spielfeldrand steht und von seiner Chance träumt. Ich habe ihn vor zwei Wochen im Stadion in Foxborough getroffen und mich länger mit ihm unterhalten. Daraus ist ein Text für die FAZ geworden, der in der letzten Woche zuerst gedruckt wurde und dann auch online lief. Dass man in in seiner Heimat an dem Werdegang des 25-jährigen aus Kaarst Interesse hat, liegt auf der Hand. Es gibt außer ihm keinen NFL-Profi aus dem Football-Entwicklungsland Deutschland. Obendrein war er der erste Bundesbürger, der gedraftet wurde und einen Mehr-Jahres-Vertrag bekam (3,105 Millionen Dollar Volumen, davon 1,76 Millionen garantiert). Dass jetzt auch die Amerikaner immer wieder Vollmer-Geschichten produzieren, ist schon sehr viel bemerkenswerter. Das jüngste Beispiel heute im Blick auf das bevorstehende Match gegen die Indianapolis Colts kommt von der Online-Redaktion des lokalen Bostoner Sportkanals NESN.

Der Artikel geht auf eine Besonderheit ein, mit der Vollmer am Sonntag in Stadion der Colts zum ersten Mal konfrontiert werden wird. Die enorme Lautstärke der Zuschauer, die versuchen, den Snap Count der gegnerischen Angriffsreihe zu ersticken. Für eine eingespielte Angriffsreihe ist eine solche Ausgangslage schon schwierig genug. Einen Neuling muss es geradezu nervös machen. Das Problem: Wer zu schnell loslegt, verursacht womöglich eine Strafe, bei der die Mannschaft an Yards verliert. Wer von den Offensive Linemen zu langsam reagiert, so Coach Bill Belichick, kommt einen halben Schritt zu spät: "Das bedeutet nicht nur Tackles und Sacks, sondern gewöhnlich Ballverlust."

Das Match findet am Sonntagabend Ortszeit statt und wird von NBC übertragen. Indianapolis ist noch ungeschlagen. Die Patriots haben von ihren acht Partien zwei verloren.

Bild: New England Patriots

6. Oktober 2008

Texaner gut im Verplempern

Ladies and Gentlemen: Wir präsentieren die Houston Texans, eine Football-Mannschaft, die in der Lage ist, mit noch vier Minuten auf der Uhr einen Vorsprung von 27:10 zu verplempern. Dazu muss der Gegner nach Adam Riese mindestens drei Touchdowns erzielen. Und das hat er am Sonntag denn auch getan. Die Sieger des Matches: die Indianapolis Colts (Endresultat 31:27), die solche Geschenke beim besten Willen nicht verdient haben. In Houston wurden bestimmt Erinnerungen wach. Und zwar an die Houston Oilers (die heute als Tennessee Titans ihrem Geschäft nachgehen). Die haben im Januar 1993 in den Playoffs auf legendäre Weise eine 35:3-Führung vergeigt. Der damalige Erfolg der Buffalo Bills und die selbstsame Selbstaufgabe der Oilers gelten als das größte Comeback aller Zeiten in der NFL. Wenn die Texans noch ein bisschen üben, werden sie das bestimmt eines Tages noch überbieten.

14. März 2008

Der Klingelbeutel: Gebrauchte Urinale teuer abzugeben

MITTEN IN INDIANA, also mitten in den USA, haben die Menschen das ziemlich auspeprägte Gefühl, den wahren Geist des Landes zu repräsentieren. Wir in New York nennen das auch gerne Fly-Over Country, weil wir auf solche Dinge wie dies nur von oben herabschauen: Die Indianapolis Colts versteigern die Urinale aus der Umkleidekabine der Spieler im RCA Dome.
Die Porzellangefäße sind überflüssig geworden, weil die Mannschaft ein nagelneues Stadion bezieht und die alten Dinger nicht mitnehmen will.

NEULICH HABEN wir Martin Kaymer von dieser Stelle aus den Tipp gegeben, eine Scorekarte gut aufzuheben - als Souvenir und zur Erinnerung an eine formidable Runde. Diese hier sollte er allerdings gleich in Orlando lassen oder verbrennen. Hatte der 23-jährige nach der ersten Runde durchaus noch eine realistische Chance, den Cut zu schaffen, kegelte er sich heute in der zweiten Runde mit zwei frühen Doppel-Bogeys aus dem Feld der Geldverdiener heraus. Alex Cejka ist mit einem 17. Platz in der Zwischenwertung auf einem guten Weg. Kaymer hat nächste Woche in Miami eine neue Chance. Es ist, weil unter dem Banner der World Golf Championship ein auserlesenes Teilnehmerfeld. Der Platz - Doral - sollte ihm jedoch liegen.

IN DER HEIMAT von Kige Ramsey hat man die Nase voll von anonymen Bloggern und Kommentaristas. Und so hat jemand einen Gesetzesentwurf eingebracht, um dem Internet endlich Manieren beizubringen. Nicht anzunehmen, dass es durchkommt. Und wenn, betrifft es nur die Hinterwäldler in diesem Landstrich. Kige ist nicht betroffen. Er nennt ja jedes Mal brav seinen Namen, wenn er sich von seinen Videozuschauern verabschiedet. Der Blogger, bei dem der Hinweis auf dieses Thema heute auftauchte, hat übrigens nach mehreren Jahren seine Anonymität frewillig aufgegeben. Das könnte ein Trend werden, denn im Februar hatte bereits Fire Joe Morgan die Maske fallen lassen. Eine der Mitstreiter schreibt übrigens für die Sitccom The Office.

NIEMAND WEISS WIRKLICH, wieviel die amerikanische Wirtschaft an Sozialprodukt einbüßt, wenn Millionen die Live-Übertragungen vom College-Basketball anschauen und wegen March Madness ihre Arbeit ignorieren. Aber die Zahlen sind wilde Schätzungen und provozieren zurecht jemanden wie King Kaufman bei salon.com zu einem Beschwerde-Post.

14. Januar 2008

Es liegt am Kollen

Manchmal möchte man einfach ein neues Wort erfinden, weil man mit den existierenden Begriffen nicht ausdrücken kann, was man sagen will. Der Playoff-Sonntag gestern in der NFL zum Beispiel - der schreit danach. Wie soll man schließlich erklären, dass mit den Indianapolis Colts und den Dallas Cowboys gleich zwei Favoriten vor eigenem Publikum ausgeschieden sind? Und wie, dass sie das beide auf ähnliche Weise hinbekommen haben - durch das Versieben von zahlreichen Chancen im letzten Spielabschnitt? Denn sie waren beide wirklich nicht die schlechteren Mannschaften.

Ich sage: es liegt am Kollen. Komisches Wort, sicher. Aber man wird sich daran gewöhnen. Kollen ist so etwas wie die Schnittmenge aus Wollen und Können. Ist die Essenz aus der antrainierten athletischen Fähigkeit und der mentalen Kraft, im entscheidenden Moment das richtige zu tun. Dass die Colts nicht immer kollen, war ja eigentlich bekannt. Man hatte es nur nach dem Super-Bowl-Erfolg im letzten Jahr schlichtweg vergessen. Aber jetzt fällt einem das wieder ein: dass Tony Dungy immer so an der Seitenlinie steht, als wisse er nicht weiter, und dass Peyton Manning die Bälle streut, als spiele er in einer Fata Morgana - das gab's früher dauernd. Und nun war es wieder da. Gegen die San Diego Chargers, deren bester Mann, Running Back LaDainian Tomlinson, über weite Strecken genauso ausfiel wie Stamm-Quarterback Philip Rivers. Und gegen einen Coach wie Norv Turner, der noch nie gekollt hat und dies auch nächste Woche gegen die New England Patriots dokumentieren wird.

Zu Dallas fällt einem auch eine Menge ein, sobald man mal das richtige Wort gefunden hat. Kollen hieße, die Finger von einer Trutsche wie Jessica Simpson zu lassen und sich damit den ganzen Gossip-Trubel zu ersparen. Kollen hieße eine Angriffsgestaltung zu betreiben, bei der man nicht ausgerechnet dann mit dem Ball Richtung eigene Endzone rennt, wenn man plant, den Ball festzuhalten (Sack mit Verlust von ganz vielen Yards), ihn aber dann ins Aus zu werfen, wenn man sich noch in der Pocket befindet (Intentional Grounding, also Strafe). Wade Phillips, der Trainer hat das Kollen auch nicht gelernt, sonst würde er im entscheidenden Moment andere Spielzüge bestellen (siehe auch Kommentar von freddy7 bei allesaussersport, wo dogfood beide Spiele mitgebloggt hat).

Nun fliegen also die Chargers nach Boston und die Giants nach Green Bay und ermitteln in den Conference Finals die zwei Teilnehmer für den Super Bowl. Alles andere als Pats gegen Packers wäre eine Sensation. Denn die zwei Mannschaften sind jene, die die ganze Saison über gezeigt haben, dass sie kollen.

P.S.: Terrell Owens, der einst mit Tatütata ins Krankenhaus gebracht wurde, weil seine Assistentin glaubte, er wolle sich mit einer Überdosis Tabletten das Leben nehmen, hat die Niederlage und den Simpson-Faktor sehr persönlich genommen. Ihm sind nach dem Spiel die Tränen gekommen. Extrem sehenswert.

7. November 2007

Nachhall aus Indianapolis: Das Getöse um den Krach in der Colt-Arena ebbt nicht ab

Das Match hielt wie so oft, wenn Dinge lange genug hochgehypt werden, nicht ganz die anspruchsvollen Erwartungen an zwei so gute Mannschaften wie die Indianapolis Colts und New England Patriots. Aber auch mehrere Tage nach dem Spiel vom Sonntag, das die Patriots mit 24:20 gewannen, hallt eine Sache immer noch nach. Oder ist es mehr so etwas wie ein Echo? Egal. Es ist auf jeden Fall ein Akustik-Phänomen und dreht sich um die Frage, ob die Betreiber des RCA Dome in Indianapolis die Geräuschkulisse künstlich hochkurbeln, wenn die Gegner den Ball haben und sich im Huddle über den nächsten Spielzug verständigen wollen. Auslöser war ein Zwischenfall, der es bis in die Liveübertragung schaffte und der so klang, als ob eine CD hängenbleibt. Das wurde von der NFL untersucht und vom übertragenden Sender erklärt. Angeblich eine technische Panne im Ü-Wagen. Oder so. Das Ganze wurde noch garniert von einem Dementi des Clubs, an dem offensichtlich vorher die Anwälte herumgedoktert hatten: Darin bestritten die Colts nicht etwa den Tatbestand selbst, sondern erklärten: "Wir gehen davon aus, dass dies die lächerlichen und unbegründeten Anschuldigungen beendet, die Colts würden künstlich auf irgendeine Weise den Lärm der Zuschauer verstärken."

Keines Weges, liebe Fohlen. Nicht nur tauchte jetzt bei SportsbyBrooks die Geschichte einer Beschwerde der Pittsburgh Steelers aus dem Jahr 2005 auf. Es fand sich ein Wachmann der Arena, der einem Fotografen aus Boston folgendes erklärte: "Ich weiß nicht, ob Sie das wissen, aber sie pumpen den Lärm durch die Lautsprecheranlage."

Den kleinen Zwischenfall, der das Problem auf den Tisch brachte, hat jemand als Video bei YouTube abgeliefert. Ein Tondokument für NFL-Afficionados.

2. November 2007

NFL: Colts gegen Patriots - ein Ausblick


Es gibt in der NFL beim besten Willen nicht viele Must-see-TV-Termine, die ein ganzes Volk von Football-Anhängern in die Sessel zwingt, wo sie dann gebannt der Dinge harren, die da kommen. Bis zu den Playoffs herrscht meistens eine gewisse Larifari-Stimmung, ausgenommen natürlich unter den Fans einzelner Clubs, die zumindest die klassischen Derbys mit Spannung verfolgen. Sonntagnachmittag wird alles ganz anders sein. Da treffen zwei bislang ungeschlagene Mannschaften aufeinander (das passiert zu einem so späten Zeitpunkt mitten in der Saison selten genug). Sie sind die Hauptrivalen für die Playoffs in der American Conference um die Teilnahme am Super Bowl im Januar, wo sie sich voraussichtlich erneut über den Weg laufen werden: Die Indianapolis Colts und die New England Patriots, die beiden Mannschaften, die auf eine perfekte Weise demonstrieren, mit welcher Art von Football man in der lange Zeit so pomadigen AFC inzwischen das Kraftprogramm der NFC um Meilen hinter sich gelassen hat.

Das Match ist eine Revanche für die AFC Championship vom Anfang des Jahres, als die Colts den Part der klügeren Mannschaft gaben und gewannen und die Patriots mit einer Spur zuviel Überheblichkeit den Sieg mit dummen Fehlern verschenkten. Bill Belichick, der seine Truppe wegen der Salary Cap seit Jahren ständig umbauen muss und trotzdem konkurrenzfähig hält und dabei einen glatt gewienerten, attraktiven Stiefel pflegt, ist auch in diesem Jahr der Preis für die kälteste Hundenase der Branche gewiss. Kaum jemand hatte noch viel auf Randy Moss gegeben, der mal in Minnesota als gefährlicher, aber ausrechenbarer Wide Receiver in einem Team ohne Durchschlagskraft seine NFL-Karriere begann und danach als verwöhnte Primadonna in Oakland eingestuft wurde, wo derzeit wirklich alles zu spät ist. Belichick griff zu und verwandelte den wie befreit über den Platz fegenden Sprinter in einen Ballfangautomaten. Obwohl, der Coach sieht das mit dem Verwandeln anders. Eigentlich hat er nur den begabtesten Wide Receiver in der NFL genommen und ihn auf die bestmögliche Weise in die Spielzug-Entwürfe integriert. Denn, sagt Belichick, er hat etwas an Moss gesehen, was die anderen Trainer ignoriert haben:
"Du kannst ihn überall einsetzen, wo du möchtest. Er kann X spielen. Er kann Y spielen. Er kann F spielen. Ganz egal, was du möchtest. Du kannst ihn dir eigentlich überall vorstellen. Das ist ziemlich ungewöhnlich. Wir hatten ein paar Jungs, die das mental konnten, aber nicht notwendigerweise körperlich. Wir hatten ein paar Jungs, die dazu körperlich in der Lage waren, aber es vielleicht mental nicht fertig brachten. Randy ist wirklich intelligent, was das Passspiel angeht."
Und das Resultat? Der Mann hat in den bislang acht Spielen der Patriots elf Touchdown-Pässe eingesammelt. Das Team kommt auf eine Offensivausbeute von 41,4 Punkten pro Match und zieht Gegnern dabei geradezu die Haut ab. Was musste New England für die Fangmaschine bezahlen? Einen Viertrunden-Draftplatz und 3 Millionen Dollar in bar. Kaum zu fassen ,aber wahr. Man musste allerdings noch mit Quarterback Tom Brady verhandeln und dessen Vertrag zeitlich strecken, um die Gage für Moss (3 Millionen Dollar Garantie mit Bonusgeldern, die das Ganze auf 5 Millionen Dollar bringen), unter dem Lohndeckel unterzubringen.

Weshalb bringen andere Clubs so etwas nicht fertig? Weil sie so viele andere Probleme haben, dass sie auf die Nuancen gar keine Zeit mehr verschwenden können. Das Spiel, von CBS übertragen, wird in mehr als 93 Prozent aller Haushalte zu empfangen sein (Märkte wie Cleveland werden nicht bedient, weil die eigene Mannschaft zur gleichen Zeit spielt und das Match auf Fox übertragen wird). Die CBS-Leute sind euphorisch. Sie rechnen mit einem neuen Quotenrekord für Spiele der regulären Saison.

4. Februar 2007

Super Bowl: Chicago wird alle ü-bear-rushen

Der Kollege dogfood von allesaussersport (auch diesmal wieder die erste Adresse online für alle, die sich in den Stunden vor dem Super Bowl und während der Übertragung in der ARD eine große Tüte Infos und Sportsgeist besorgen wollen) hat als erster gezuckt. Er drückte vor kurzem nach längerem In-sich-Gehen ("Unveränderter Gefühlszustand: ich werde mit dem Superbowl heute nicht warm.") und einem Besuch auf der Bandwagon-Seite der NFL in abwägender Weise den Colts den Favoritenstempel auf die weiße Trikotage. Ich komme gerade von einem Besuch derselben Seite zurück und erhielt die Auskunft: Mein Team seien die Bears.

Das hatte ich schon befürchtet. Nicht, weil man bei der NFL womöglich diesen Blog auswertet und auf heimliche und unheimliche Botschaften hin abklopft. Sondern weil mir hier seit Tagen nur Dinge eingefallen sind, die für Chicagos Chancen sprechen. Damit befindet man sich im Kontrast zu einer riesigen Menge sogenannter Experten. Von denen hat unter anderem kaum jemand Devin Hester auf dem Zettel, den besten Kick-off-Returnspezialisten, den die Liga je gesehen hat. Fünf Touchdowns hat er in diesem Jahr hingelegt (zwei nach Kick-offs, drei nach Punts). Also in jedem dritten Spiel einer. In den zwei Playoff-Spielen fand er nicht die Gasse. Aber wir sagten ja: Er bringt's in jedem dritten Spiel (und die Special-Teams-Formation der Colts - Unterabteilung "Return Coverage" - gehört zum schlechtesten, was die Liga zu bieten hat). Was heißt: Hester wird in jedem Fall Feldvorteile produzieren. Je mehr Field Goals die Colts schießen, desto häufiger. Dann haben wir Cornerback Nathan Vasher. Sammelt Interceptions mit Vorliebe von Quarterbacks ein, bei denen im letzten Moment vor dem Wurf auf der Netzhaut ein freier Mann aufschimmert. Oder wird Manning diesmal den Ball woanders hinwerfen? Zum Beispiel dorthin, wo der Manning (Vorname: Danieal) der Bears herumturnt? Das könnte spannend werden.

Vielleicht sollten wir der Ordnung halber noch Brian Urlacher erwähnen. Wer in der Colts-Offense soll den bremsen oder gar festnageln? Der Tight End? Der Full Back? Mannschaften, die Peyton Manning mit Macht unter Druck setzen, haben ihn immer wieder in Verlegenheit gebracht. Zum guten Schluss: Die Bears werden sich darüber freuen, dass man sie zum Außenseiter erklärt hat. Das war alles, was sie brauchten, um sich bei Laune zu halten. Die Bears packen es - mit einem Tatz-down Vorsprung.

1. Februar 2007

Bears vs. Colts: Eine Super-Bowl-Vorschau in Bildern


Wir beginnen unsere aktuelle Super-Bowl-Vorberichterstattung mit einer kleinen Auswahl an Videos, die auf jene Qualitäten der beiden Mannschaften aufmerksam machen sollen, die das Spiel entscheiden können. Der erste Spieler ist Devin Hester, Spitzname Windy City Flyer. Ein Kick-off- und Punt-Return-Spezialist, der in der vergangenen Saison mit seinen sechs Touchdowns sehr viel Aufsehen erregt hat. SECHS Touchdowns in einer Saison. Das hat es noch nie gegeben. DAs Video oben bringt die entscheidenden Läufe aus den letzten Monaten.

Nike strengt sich sehr an, aus dem Vertrag mit Brian Urlacher möglichst viel herauszuholen. Dieses Video zeigt den Linebacker und Chef der Bears-Abwehr dabei, wie er auf bestimmte Formationen reagiert und seine Verteidigerkollegen vorwarnt. Die Erläuterungen sind nicht ganz leicht für Football-Anfänger nachzuvollziehen. Sie zeigen allerdings, dass das Spiel extrem durchdacht ist und von planvollem Handeln lebt. Urlacher ist einer der schnellsten, reflexstärksten und körperlich wuchtigsten Defensivspieler in der Liga. In den schlechten Jahren zehrten die Bears fast von ihm alleine, weil er eine Deckung kommandiert, die in der Lage ist, den Gegner komplett alle Wege zu verriegeln und Interceptions einzusammeln. Dass die Mannschaft den Super Bowl erreichen konnten, verdanken sie zwar auch Urlacher. Aber inzwischen hat er tatkräftige Hilfe. Vor allem im Angriff. Wir wollen nicht vergessen zu erwähnen, dass Urlacher im Jahre 2003 ein kurzes Techtelmechtel mit Paris Hilton gehabt haben soll. Wir wollen hier schließlich die Clickrate hochbringen.

Die Automarke Cadillac hat zum ersten Mal ein Interview-Programm vor dem Super Bowl gesponsert, das über YouTube publiziert wird, aber dort nur sehr wenig Leute erreicht. Warum? Das Konzept ignoriert, dass amerikanische Football-Zuschauer all das bereits wissen, was die Experten am Mikrofon abhandeln. Interessenten aus Deutschland, die sich auf das Match einstellen wollen, bietet das Ganze durchaus ein paar gute Aspekte. Einziges Problem: Die Burschen reden ziemlich schnell. Man kann leicht den Faden verlieren. Hier ist Teil 2 mit Bilder von einem fürchterlich dicken Typen, der beim Media Day Spieler zu einem Spiel herausforderte.

Die folgenden zwei Videos sind Teil 1 und 2 einer sehr gut montierten Zusammenfassung des American Conference Championship-Matches der Colts gegen die New England Patriots. Ein Spiel mit zwei völlig unterschiedlichen Hälften. Die Aufnahmen zeigen, dass die Colts nicht nur einen guten Quarterback haben - Peyton Manning - sondern auch eine unerhört vielseitige Angriffsformation, der es nicht schwer fällt, unter Zeitdruck zu punkten.

Das Spiel war eine der attraktivsten Begegnungen der letzten 20 Jahre. Bislang hatte noch keine Mannschaft in der Conference-Championship-Spiel einen Rückstand von 18 Punkten aufgeholt. Allerdings bleibt die Aufholjagd der Buffalo Bills in den Playoffs des Jahres 1993 gegen die Houston Oilers auch weiterhin das dramatischste Comeback aller Zeiten. Damals machten die Bills 32 Punkte wett und gewann in der Verlängerung. Doch zurück zu den Colts und dem Spiel, mit dem sie zum ersten Mals im entscheidenden Moment den alten Rivalen aus New England bezwingen konnten. Dies ist Teil 2:

21. Januar 2007

Die SportsCenter-Werbspot-Serie: Folge 4


Ach, diese Mannings. Der eine Filius flog in der ersten Runde mit den New York Giants aus den Playoffs. Der andere fliegt nach Miami. Super Bowl XLI mit den Mannings und den Indianapolis Colts gegen die Chicago Bears. Das war ein beeindruckendes Comeback, nachdem die New England Patriots im ersten Viertel schlichtweg brilliant spielten. Resultat: 38:34. Wenn man es auseinanderfieselt, waren die Colts die klügere Mannschaft, die Patriots die überheblichere. Das Team handelte sich zahlreiche Strafen ein, die kritische Feldnachteile produzierten. Am dümmsten die fünf Yards beim vorletzten Drive, weil sich 12 statt 11 Spieler im Huddle aufhielten. Das waren die fünf Yards, die zum First Down fehlten und den Patriots, die zu dem Zeitpunkt mit drei Punkten führten, zu einem Punt zwangen. Im Gegenzug wurden Bill Belichicks Buben platt gewalzt, kassierten dabei aber wieder eine dusselige Strafe, die den Colts Vorteile brachten. Premiere: Nicht nur ein schwarzer Head Coach im Super Bowl, sondern mit Tony Dungy von den Colts gleich zwei (mehr zu diesem Thema hier).

Zu Ehren der Manning-Quarterback-Familie, berühmt, aber (noch) nicht wirklich erfolgreich, hier der SportsCenter-Werbespot, in dem sich die zwei Söhne verhalten wie zwei...Söhne.

20. Januar 2007

Eine Sportstadt ohne Fortüne

Die ARD kann nichts dafür, dass sie das erste der beiden Conference-Championship-Spiele (Chicago Bears gegen New Orleans Saints), das auf dem Papier das attraktivere ist, nicht übertragen kann. Die Entscheidung darüber, wer zuerst ran muss und wer danach, trifft die National Football League. Meistens ist die Ausgangssituation offensichtlicher. Da die Festlands-USA vier Zeitzonen haben, werden Begegnungen im Osten früher angesetzt und die im Westen später. Das Sportpublikum im Westen (und erst recht in Hawaii) ist sowieso gekniffen. Die NFL pfeift jeden Sonntag um 13 Uhr Eastern Standard Time eine ganze Latte an Matches an. In Kalifornien ist es dann erst 10 Uhr. Kalifornien ist zwar der Bundesstaat mit den meisten Bewohnern (rund 30 Millionen, plus/minus ein paar Millionen Illegale, die keiner zählt). Aber die überwiegende Zahl der mittlerweile 300 Millionen Amerikaner lebt in der östlichen Hälfte. Dort, wo der Profisport seine Wurzeln hat und wo ganze Generationen von Baseball- und Footballspielern über weite Strecken mit dem Zug unterwegs waren. In den Anfangsjahren waren Chicago und St. Louis "der Westen". Selbst in den fünfziger Jahren war Kalifornien reine Brache für die großen Ligen. Die Logistik war einfach nicht zu bewältigenden. Dazu gehörten auch Fernsehübertragungen live über Satellit. Die kamen erst Mitte der sechziger Jahre ins Bild und hatten am Anfang eine Reihe von Macken.

Aber auch in der Mitte des Landes hätte man in the good old days keine Mannschaft in Indianapolis haben wollen. Die Stadt liegt zwar zentral, hatte aber ein zu kleines Einzugsgebiet. Automobilrennen auf dem Motor Speedway wie die Indy 500 am Memorial Day Wochenende, das war etwas anderes. Dafür war die geographische Konstellation gerade richtig. Chicago liegt nur ein paar hundert Kilometer weit weg. Städte wie Columbus/Ohio und Louisville/Kentucky sind noch näher. In Indianapolis hat man irgendwann jedoch erkannt, dass man mit Sport die Wirtschaft einer langsam dahinsiechenden Stadt auf Trab bringen kann und sich angestrengt. Auf dem Vier-Kilometer-Oval an der 16th Street gibt es inzwischen die Brickyard 400 und den Grand Prix der Vereinigten Staaten der Formel-1-Fahrer. Seit 1980 hat die Stadt gleich viermal die Final Four im College Basketball ausgerichtet sowie mehr als ein Dutzend Olympia-Ausscheidungen und einmal die Panamerikanischen Spiele. Im Jahr 2002 fanden in Indianapolis die Basketball-Weltmeisterschaften statt, gefolgt von der Turn-WM im Jahr 2003 und der Schwimm-WM im Jahr 2004. Dazu gibt es die Heimspiele der Colts in der NFL und die der Indiana Pacers in der NBA.

Die Anhäufung von Sportereignissen geht auf einen Plan zurück, den Lokalpolitiker und Unternehmer in den siebziger Jahren entwarfen. Sie bauten erstklassige Sportanlagen und lockten Großveranstaltungen in die Stadt, um eine ökonomische Alternative für die marode örtliche Wirtschaft zu entwickeln. "Wir waren die ersten, die auf Sport gesetzt haben", sagte ein Sprecher der Indianapolis Convention and Visitors Association vor ein paar Jahren. Nicht schlecht für eine Möchtegern-Metropole, die zu ihren berühmtesten Söhnen den ehemaligen US-Präsidenten Benjamin Harrison und den Bankräuber John Dillinger zählt, dessen Grab auf dem riesigen Gelände des Crown-Hill-Friedhofs eine Besucherattraktion ist.

Die Sportanlagen sind das Entscheidende:
Es gibt nicht nur die 60 000 Zuschauer fassende Halle der Colts, sondern eine formidable Schwimmhalle, ein Velodrom sowie ein Tennis-Center und eine attraktive Basketballhalle. Indianapolis wurde Sitz der US-Sportverbände der Leichtathleten, Turner und Ruderer.

Die Anstrengungen haben zumindest vom äußerlichen Eindruck her die Innenstadt mit ihren etwas zu breiten und schnurgeraden Einbahnstraßen weitgehend wiederbelebt. Obdachlose sieht man nicht. Doch gleich hinter dem Speedway, der in der Sprache der Einheimischen "Brickyard" genannt wird, versickert jede Hoffnung auf eine umfassende Sanierung. Dort lebt ein Teil der schwarzen Bevölkerung von Indianapolis. In Reihenhäusern, die in vielen Fällen so verwahrlost aussehen, dass Passanten rasch den Satz von Bischof Garrott Benjamin begreifen, Indianapolis sei "eine der rassistischen Städte im Norden" der Vereinigten Staaten.

Und eine Stadt, die keine Meisterpokale produziert. Die Pacers kamen zwar einmal in NBA-Finale. Die Colts jedoch haben es (anders als zu jener Zeit als die Mannschaft noch in Baltimore zu Hause war) noch nie bis zum Super Bowl geschafft. Und das, obwohl die Mannschaft bestens besetzt ist. Quarterback Peyton Manning ist nicht der einzige herausragende Spieler. Der Trainerstab um Tony Dungy gilt ebenfalls als überaus fähig. Bessere Karten als in diesem Jahr wird das Team vermutlich nicht mehr bekommen. Man kann den Gegner in der AFC-Championship-Partie - die New England Patriots - in der eigenen Halle empfangen und muss nicht in das kalte Foxboro. Das heißt: Vor allem die Angriffspläne sollten auf dem Kunstrasenbelag bestens funktionieren. Sollten. Wer allerdings glaubt, die Patriots und ihr Gehirn, Trainer Bill Belichick, hätten nichts dagegen zu setzen, wird sich wundern. Das wird eine rasante Nacht.

13. Januar 2007

Abo vom Kicker: Vinatieri nagelt fünf zwischen die Stangen

Ein Footballspiel ohne Touchdowns kann spannend und unterhaltsam sein. Das Ding heute - Divisional Playoffs in der American Football Conference zwischen den Baltimore Ravens und den Indianapolis Colts - war es nicht. So gut wie nie blitzte auch nur der Hauch origineller Angriffskonzepte durch, um die Verteidigungsreihen in Verlegenheit zu bringen, die wie Schraubzwingen zupackten. Der Sieg der Colts mit 15:6 war trotzdem gerechtfertigt, denn die Ravens-Offensive war schlichtweg impotent. Auf der anderen Seite: In dem Hickhack von mehreren Interceptions auf beiden Seiten versiebte die hervorragende Ravens-Abwehr zwei Gelegenheiten zu weiteren Interceptions, weil Ray Lewis jedes Mal den Ball abfälschte, ohne zu sehen, dass hinter ihm ein Mitspieler bestens postiert war, um das Ei zu fangen. Der Mann des Spiels: Adam Vinatieri, den die New England Patriots vor dieser Saison hatten ziehen lassen, obwohl er in den zehn Jahren mit dem Team als einer der wichtigsten Faktoren für die drei Super-Bowl-Erfolge war. Der Kontrakt in Indianapolis war attraktiv. Er bekam fünf Jahre fix und einen Bonus vorab von 3,5 Millionen Dollar. Nachdem er das Angebot auf dem Tisch hatte, rief er Patriots-Trainer Bill Belichick an und hinterließ eine Nachricht auf seinem Anrufbeantworter. Belichick hat sich bis heute nicht gemeldet.
Blick zurück: Die Wandergeschichte - wie die Colts von Baltimore nach Indianapolis kamen und die Ravens aus Cleveland nach Baltirmore
Blick zurück: Cheerleader von der älteren Sorte

8. Januar 2007

Colts gegen Ravens: Eine Playoff-Premiere

Darf' s heute mal ein bisschen NFL-Geschichte sein? Wir müssen gar nicht so weit zurückblättern: nur ins Jahr 1984. Damals packten die Baltimore Colts ihre Sachen und zogen nach Indianapolis um und verloren endgültig jenen guten Ruf, den sie sich in den fünfziger Jahren aufgebaut und mit einem Super-Bowl-Erfolg 1970 untermauert hatten. Folgende Spielernamen sind mit Baltimore verbunden: Quarterback Johnny Unitas (sein Bild - rechts - findet man auf der Webseite johnnyunitas.com) und Offensive Tackle Art Donovan bei den Spielern, Weeb Ewbank und Don Shula bei den Trainern. Jahrelang mussten Footballanhänger zwischen Washington und Philadelphia am Daumen lutschen, ehe ihnen eine neuen Mannschaft in Gestalt der Cleveland Browns im Jahre 1996 vor die Tür gekippt wurden. Cleveland Browns? Ja. So hieß die Mannschaft, ehe Eigentümer Art Modell den Ortswechsel einfädelte. Der Protest der Fans in Cleveland konnte die Entwicklung nicht stoppen. Was er aber interessanterweise erzwang, war ein Präzedenzfall: Modell musste Auf Anordnung der Liga in Baltimore einen neuen Namen für seinen Club finden. Der Name Browns, aufgrund der Gründungsgeschichte sehr eng mit der abblätternden Industriestadt am Eriesee verbunden, blieb zurück und wurde anno 1999 einer völlig neuen Firma in Cleveland überlassen.

Am kommenden Samstag treffen die Colts und die Ravens zum ersten Mal in den Playoffs aufeinander. Den Geschichtsunterricht werden die meisten Beoachter wohl auf zwei Fakten beschränken: Die Ravens kamen als Profiteure der von der Salary Cap geschaffenen Parität ziemlich schnell zu ihrem ersten großen Erfolg: dem Super-Bowl-Gewinn im Januar 2001 in Tampa gegen die New York Giants. Die Colts scheinen in den Playoffs selbst dann nicht durchhalten zu können, wenn sie in ihrer geheizten Arena in Downtown Indianapolis spielen dürfen. Manche Leute haben aber das Gefühl, dass Colts-Trainer Tony Dungy das Problem ist. Der blieb schon bei den Tampa Bay Buccaneers mit einer guten Mannschaft in den Playoffs stecken. Sein Nachfolger Jon Gruden holte den Titel. Die Colts sind Außenseiter.

6. November 2006

NFL: Die Colts haben die perfekte Saison im Visier

Manche Geschichten haben Hand und Fuß. Andere gehören in die Kategorie urban legends. Sie sind Mythen in Tüten, die alle Jahre wieder aufgeblasen und zum Platzen gebracht werden. So weit es um die Angehörigen der Miami Dolphins des Jahres 1972 geht, ist das schwer zu beurteilen. Es heißt, sie entkorken jede Saison immer dann eine Flasche Champagner, wenn sich das letzte NFL-Team seine erste Niederlage eingehandelt hat. Falls ja, gibt es dafür zumindest eine Erklärung. Jene Dolphins sind die einzige Mannschaft in der Geschichte der NFL, die alle Spiele - reguläre Saison, Playoffs und Super Bowl - gewinnen konnten. Eine makellose Statistik. Den Chicago Bears mochte man einen solchen Lauf in diesem Jahr auch zutrauen. Aber der ging am Sonntag ausgerechnet gegen die Dolphins und vor eigenem Publikum nach sieben Siegen in Folge mit 13:31 zu Ende.

Nun kann nur noch eine Mannschaft von der sogenannten "perfekten Saison" träumen: die Indianapolis Colts, die nach dem 27:20 über die New England Patriots über eine Bilanz von 8:0 verfügen. Das muss nicht viel heißen. Das Team war schon in den letzten Jahren ziemlich gut, aber fing sich jedes Mal kurz vor Schluss eine hässliche Schlappe ein.