10. Juni 2009
An Mayo verschluckt: Trainer geht
16. Mai 2008
O. J. Mayo: Jetzt kommt das große Kleckern
Der finanzielle Ertrag für einen Stipendiaten an der University of California liegt in einem hohen fünfstelligen Bereich: 35.810 Dollar kostet die Studiengebühr pro Jahr und für ein Zimmer plus Essen in der Mensa muss man 10.858 Dollar draufschlagen. Das ist für einen jungen Menschen, der sich ernsthaft um einen Studienabschluss bemüht, eine exorbitante Summe Geld. Erst recht, wenn man es mit vier multipliziert. Vier Jahre - solange studiert man in den USA bis zum Basisabschluss, dem sogenannten bachelor degree.Aus der Sicht von einem jungen Menschen wie O. J. Mayo bedeutet die Ersparnis gar nichts. Der würde als begabter Basketballspieler lieber gleich nach dem Abschluss der High School seinen Namen in den Draft-Hut werfen und darauf hoffen, dass es ihm so ergeht wie den NBA-Profis Kobe Bryant, Kevin Garnett, LeBron James und so manchem anderen. Das sind Spieler, die ohne den Umweg über das College direkt in die beste Basketball-Liga der Welt eingestiegen sind. Dass die drei Genannten derzeit die Aushängeschilder der NBA sind, macht die Sache noch dubioser. Die Sache? Die Entscheidung von Commissioner David Stern, dass man im Alter von 18 Jahren noch nicht alt genug ist, um von einem seiner 30 Teams angeheuert werden zu können.
Ob die Restriktion sportlich begründet ist oder nicht oder ob sie nicht sogar rechtswidrig ist, soll an dieser Stelle nicht das Thema sein. Sondern vielmehr, welche Auswirkungen sie auf den Collegesport hat, der auf den einen Seite einem puristischen Amateurgedanken von anno dunnemals nachhängt und auf der anderen Seite ein riesiger Entertainmentbetrieb geworden ist - mit enormen Fernsehlizenzen und Zuschauerzahlen. Studentensport, ja. Aber in seinem angeblichen Edelmut und seiner angeblichen Reinheit so sehr verklärt, dass sich das Volk locker darüber hinwegsetzt, dass das Leistungsniveau dessen, was sie da sehen, deutlich unter dem der Profis liegt.
Die erste Auswirkung der NBA-Politik geht so: Spieler wie O. J. Mayo oder Greg Oden sind gezwungen, wenigstens ein Jahr an einem College zu verbringen und sich in das Leben dort einzufügen, obwohl sie nichts anderes im Sinn haben, als endlich mit den big guns um die Wette zu ballen. Abgesehen von dem Stipendium dürfen sie keine Geld- oder Sachgeschenke annehmen, die irgendetwas mit Sport zu tun haben. Keine Agenten treffen. Mit keinem Club über irgendeine Vorabsprache verhandeln. Sie sind die modernen Galeerensklaven eines Systems, das ihnen nur eine Chance ließe: ein Jahr aussetzen oder nach Europa gehen und dort spielen. Das jedoch kommt aus Vermarktungsgründen nur für die wenigstens in Frage. Sie wollen sich schließlich exponieren. Wie gesagt: Collegesport genießt eine enorme Beachtung.
Natürlich kann man den meisten selbstbewussten 18jährigen nicht einfach sagen, wo's lang geht. Regeln hin oder her. Und so wagten wir schon vor einem Jahr, als jene Geschichte über Mayo bekannt wurde, eine Prognose: "O. J. Mayo, das vielgepriesene Basketballtalent, das soeben seine High-School-Karriere beendete, und sein guter Freund, der den Kontakt zu Tim Floyd und USC in Los Angeles strickte, könnten gemeinsam noch in einen tiefen Topf Tinte geraten.") Heute stehen wir am Rand des Tintentopfes und weisen auf den neuesten Stand hin (besonders in den Kommentaren wird eine ganze Menge Müll hochgespielt, von dem niemand weiß, ob er stimmt),
Für Mayo bleibt die Sachlage ziemlich schlicht. Ihn kann die Aufsicht von der NCAA nicht belangen, auch wenn er gegen die Regeln verstoßen haben sollte. Denn er wird sicher in der ersten Draft-Runde von einem notleidenden NBA-Club verpflichtet. Ganz anders sieht es mit der Universität aus. Und wo wir schon dabei sind: Das ganze System gehört in Frage gestellt. David Stern, der als einer der Hauptschuldigen zu betrachten ist, sieht sich allerdings nicht in der Verantwortung. Er hat bereits eine neue Idee: Das Mindestalter auf 20 hochzuschrauben.
11. Oktober 2007
Die Bush-Trommeln sagen: USC bekommt noch viele Probleme
Das Problem trifft die Universität. Und zwar knüppeldick und hart. Collegesport in den USA findet unter dem Dach der NCAA statt. Und die haben bestimmte Regeln aufgestellt, an die sich die beteiligten Bildungseinrichtungen zu halten haben. Geld- und Sachzuwendungen an Studenten mit Stipendium sind nicht gestattet. Die Sportabteilungen der Universitäten haben selbst darauf zu achten, dass keiner der Studenten solche Bestimmungen missachtet. Und wenn nicht, kann alles möglich den Bach runter gehen: die errungenen Meisterschaften und die Beteiligung an zukünftigen Wettbewerben. Im Prinzip passiert so etwas jeder besseren Universität im wieder. Aber es ist besonders peinlich bei einer Mannschaft wie USC, die jahrelang unschlagbar schien (inzwischen verliert man schon mal gegen solche niederklassigen Teams wie Stanford - eine Sensation) .
22. März 2007
Bei Mayo droht Ketchup von oben
Mayo kann das egal sein, denn der will - aus Altersgründen - nur ein Jahr lang irgendwo günstig unterkommen, an seinem technischen Können arbeiten und sich dann bei der NBA zum Dienst melden. Seinem Kumpel, dessen schattiges Treiben schon bei zwei anderen jungen Basketballern zu Sperren führte, könnte das allerdings das Geschäft verderben. Sein Ziel ist schließlich, junge Basketballer einem Agenten seiner Wahl zuzutreiben. Doch bei dem kann der gute O. J. erst unterschreiben, wenn er sich offiziell zum Profi erklärt (womit dann die Collegelaufbahn zu Ende wäre).
Je mehr man hier und hier über die Angelegenheit liest, desto mehr beschleicht einen das Gefühl, dass USC-Trainer Tim Floyd vielleicht aus taktischen Gründen der New York Times erzählt hat, auf welche Weise ihm Mayo zugelaufen ist. Dann kommen hinterher keine Verdächtigungen auf. Vielleicht will er sich auf diese Weise auch von einer moralischen Last befreien. Denn sein Kollege von der USC-Football-Abteilung hat gerade genau solche Sorgen wegen eines ehemaligen Studenten, der sich parallel zum Stipendium noch an andere Futtertrögen bediente und die Einnahmen über seine Eltern laufen ließ. Sollte die NCAA diese Verstöße als erwiesen ansehen, muss USC mit dem Verlust des Meistertitels von 2004 rechnen. Der Spieler, um den es geht, spielt längst in der NFL und muss sich keine Sorgen machen (was wird es ihn schon kümmern, dass ihm nachträglich die Heisman Trophy aberkannt würde). Er heißt Reggie Bush und hat in dieser Saison gezeigt, das er sein Geld wert ist.
20. März 2007
March Madness: Der Mann, der USC zu einem Favoritenschreck gemacht hat
Unter den vielen gesichtslosen narzistischen Männern, die allesamt glauben, sie hätten das Zeug als Trainer einer Basketballmannschaft zu bestehen, ist Tim Floyd einer der angenehmsten. Das liegt nicht nur daran, dass er in der Zeit nach Michael Jordan, nach Scottie Pippen und nach Phil Jackson bei den Chicago Bulls gearbeitet hat und dort die Hucke voll gekriegt hat, was bescheiden macht. Es liegt an seiner Art der Selbstdarstellung. Er spielt nicht den lauten Clown, nicht den Zampano, nicht den Chefideologen und nicht den Schönredner. Er spielt sich sich selbst: den Typ aus Mississippi, der in seinen ersten zehn Jahren als Assistenztrainer bei einem genialen Lehrmeister namens Don Haskins in El Paso in die Schule ging, einem Mann, der in die Basketball Hall of Fame berufen wurde.Normalerweise wäre der weitere Karriereverlauf kein gutes Omen, noch irgendwo eine verantwortliche Stellung zu erhalten. Die Episode in Chicago, in die er von seinem Mentor Jerry Krause förmlich hineingelotst wurde, und danach eine etwas kürzere mit den New Orleans Hornets waren unterm Strich. Aber bei den mehr als hundert Universitäten, die im Collegsport in der oberen Etage spielen, der sogenannten Division I, ist ständig Reise nach Jerusalem. Weshalb man mit etwas Glück auf einen Stuhl rutschen kann, der mehr bietet als einen Platz im Warmen und ein Dach überm Kopf. Floyd ist das in Los Angeles zugestoßen, wo er den Job als Basketballtrainer der University of South California bekam, die unter dem Logo USC antritt und in der Sportart der zu groß geratenen Männer, anders als im Football, noch nie etwas gerissen hat.
Irgendetwas muss er richtig machen, sonst hätte sein Team nicht am Wochenende die höher eingestuften Longhorns der Universität Texas aus dem Turnier geworfen und würden nicht auf einmal im Achtelfinale stehen, wo sie am Freitag gegen den haushohen Favoriten North Carolina vor einer scheinbar unlösbaren Aufgabe stehen. Floyd wird sich nicht grämen. Denn den eigentlichen Scoop hat er bereits gelandet. Er überzeugte den mutmaßlich besten High-School-Basketballer des Landes namens O. J. Mayo dazu, sich im kommenden Spätsommer bei USC zu immatrikulieren. Da das Team im wesentlichen zusammen bleiben wird, ist damit das Ziel bereits gesteckt: Im nächsten Frühjahr spielt Floyds Truppe um den Titel. Und um die innerstädtische Vormachtstellung, die bislang unbestritten von UCLA eingenommen wurde, wo man seit Jahren so spielt, als habe man Basketball, wenn schon nicht erfunden, dann zumindest geistig aufs Strahlendste veredelt.
Ein paar Kilometer weiter bei de Los Angeles Lakers arbeitet übrigens ein gewisser Phil Jackson. Es ist die zweite Schicht. Und niemand weiß genau, wie lang er noch Lust auf diesen Job hat. Auch das ein reizvoller Kontrast für Leute, die die Sportart mit Hingabe verfolgen. Denn Jackson ist zwar eine Überfigur. Aber er hat in Jahren gezeigt, in denen er ohne solche Kaliber wie Michael Jordan und Shaquille O'Neal auskommen musste, dass er bei aller Grütze und all dem Motivationstalk wirklich nur mit Wasser kocht. Neulich wurde Floyd von einem Kolumnisten der Los Angeles Times mit der Frage behelligt, ob er dann nicht irgendwann der Nachfolger von Jackson bei den Lakers werden könne. Die Antwort blieb er schuldig. Wer will schon einen Stuhl, auf dem man sportlich nichts erben kann?
Nachtrag einen Tag später: Heute reicht die New York Times die nahezu unglaubliche Geschichte nach, wie Mayo zu USC und Floyd kam. Der Trainer musste gar nichts machen, sondern einfach nur zustimmen. Wenn man das liest, bekommt man das Gefühl, dass ohne einen so starken Mann wie David Stern auch die NBA irgendwann zu einem Laden wird, bei dem die jungen Spieler über die Institution bestimmen und nicht umgekehrt. Aber abgesehen davon: Der Artikel von Lee Jenkins ist Erster-Klasse-Journalismus und hervoragend getimed.
16. September 2006
Lug und Betrug dein Name sei Bush
Es war nur eine Frage der Zeit, bis das Treiben hinter den Kulissen von erfolgreichen College-Footballmannschaften an die Öffentlichkeit gerät und die Beteiligten in die Enge treibt. Niemand anderer als Running Back Reggie Bush, der nach seiner Zeit an der University of Southern California (USC) von den New Orleans Saints gedraftet wurde und vorher noch die Heisman Trophy erhielt, steht im Verdacht, die Amateurregeln des Collegesports verletzt zu haben. Verletzt ist gar nicht der richtige Ausdruck. Der Vorwurf lautet, dass seine Familie während seiner Zeit an der Uni Sachgeschenke und Bargeld im Wert von 100 000 Dollar von potenziellen Agenten erhalten haben soll, die offensichtlich schon früh gute Beziehungen pflegen wollten, um später lukrative Werbeverträge mit Bush abschließen zu können. Keine der Gaben hätte die Familie annehmen dürfen, um nicht die Spielberechtigung des Spielers und die der Mannschaft zu gefährden.
Den bisher größten Anteil der Aufklärungsarbeit hat Yahoo Sports, wo man acht Monate lang recherchierte und herausfand, welche Gratifikationen an den Stiefvater, die Mutter und den Bruder von Bush gingen: kostenslose Hotelzimmer, Flugtickets, Kleidung sowie Geld für ein Auto und erlassene Miete. Der Footballprofi bestreitet. "Jeder wird sehen, dass wir nichts falsch gemacht haben. Ich kenne die Wahrheit. USC kennt sie auch."
Wir sind gespannt, wie die aussieht.
Blick zurück: Die Mafia und Maurice Clarett und die Schwierigkeiten amerikanischer Sportler mit dem Gesetz