13. Oktober 2009

Die nackte Wahrheit: Zuschauerschwund bei viel zu vielen NHL-Clubs

Die Krankenakte der National Hockey League ist eine Statistik, die man bei espn.com schön übersichtlich zusammengetragen hat. Das Material besteht aus zwei Werten: den reinen Zuschauerzahlen pro Club und der Kapazitätsauslastung der Arenen. Stand: letzte Saison. Die Situation scheint sich für die am stärksten betroffenen Clubs nicht zu verbessern. Die Nashville Predators waren vor ein paar Tagen nicht mal in der Lage, das Eröffnungsspiel der neuen Spielzeit auszuverkaufen. Was an dem Datenpaket auffällt: Abgesehen von den New York Islanders handelt es sich bei den am schlimmsten betroffenen Teams allesamt um Neuschöpfungen aus der Expansionsphase der Liga. Am schlimmsten dran sind die Atlanta Thrashers, die bei ihren Heimspielen auf eine Auslastung von 78,9 Prozent kamen. Die anderen Patienten vegitieren in Nashville, Phoenix (mit den im klassischen Sinn als Umzugsclub aus Winnipeg schon etwas länger existierenden Coyotes), Columbus, Miami (Florida Panthers). Eine Überraschung ist das erlahmende Interesse an den Colorado Avalanche, die noch vor ein paar Jahren als Musterbeispiel herhalten konnten. Wer will, kann aus den Zahlen nur noch einen Schluss ziehen (denn mit einem Umzug in andere, nicht größere Städte kann der Mangel an Interesse nur kaschiert werden): Die Liga muss schrumpfen und einen Weg finden, die am schlimmsten leidenden Clubs aus dem Verkehr zu ziehen. Was früher immer als Gegenargument herhielt – die Ambotionen auf einen lohnenden US-Fernsehvertrag, haben sich ohnehin längst als Fata Morgana erwiesen. Obendrein zeigen die Ansetzungen auf NBC, welche Clubs überhaupt für Quoten sorgen. Die kranken Clubs tun es nicht, sondern die in New York, Philadelphia, Chicago, Boston und Detroit.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

hallo,

wie kommt eigentlich eine auslastung von über 100 prozent zustande??? (sry falls das hier schon mal gefragt wurde).

Jürgen Kalwa hat gesagt…

Ich habe die gleiche Frage an die NHL weitergereicht.

Jürgen Kalwa hat gesagt…

Die schnelle Antwort von der NHL-Pressestelle:
"In buildings that show over capacity from previous seasons, the following could be true:

- more seats were added to venue
- standing room added to published numbers"

Anonym hat gesagt…

vielen dank!

aber punkt zwei leuchtet mir nicht ein? was meinen die mit standing room? die stehplätze? und wieso werden die dann nachträglich dazu addiert??? komisch, das.

Jürgen Kalwa hat gesagt…

Da muss ich leider auch passen. Die kurioseste Zahl hat Detroit in der laufenden Saison: über 120 Prozent Auslastung. Das übersteigt mein Vorstellungsvermögen.

Jochen hat gesagt…

Chicago verdankt seine 111% in der letzten Saison dem Winter Classic Spiel im Chicagoer Wrigley Field.

Die anderen Zahlen halte ich auch für keineswegs seltsam. In den Multifunktionshallen gibt es ständig Möglichkeiten und auch Bedarf die Sitzkapazität anzupassen. Da fällt da mal eine Sitzreihe wegen irgendwelcher Aufbauten oder Mehrbedarf an Presseleuten weg, bei anderen Spielen werden die Karten wieder verkauft. In Deutschland hatte z.B. der Handball-Bundesligist Füchse Berlin mehrmals den Sitzplan der O2-World verändert, so dass jedesmal mehr Sitze verkauft werden könnte. Es schlummern also einige Reserven in den Multifunktionshallen.

Zum Thema Zuschauerrückgang:
Wenn es um deutsche Zuschauerzahlen ginge, würde ich ja zustimmen, dass die Liga verkleinert werden müsste. Aber in den USA? Zum einen nehmen sich die Clubs nur in den wenigen Fällen der geographischen Nähe gegenseitig Kunden, Sponsoren und TV-Verträge weg. Gerade in der wichtigen Einnahmekategorie TV spielt die NHL ja national keine so große Rolle, das Gros der Spiele kommt bei lokalen Kabelsendern. Wenn also Clubs wegfallen würden, sehe ich keine Verbesserung der Wirtschaftlichkeit der restlichen Clubs.

Im Falle Colorado halte ich den Zuschauerrückgang übrigens für ein Ergebnis der schlechten Ergebnisse seit über 3 Jahren. Das kleine Aufbäumen vorletzte Saison war wohl auch mit recht viel Glück verbunden. Sportlich hat sich aber im Team seit Jahren nicht viel getan, mit der Ausnahme, dass langsam ein junges und neues Team aufgebaut wird, dass diese Saison eventuell auch schon erste Früchte tragen wird.

Jürgen Kalwa hat gesagt…

Was brächte die Verkleinerung der Liga wirtschaftlich?
Zuerst einmal würde sie die Leute entlasten, die jetzt schlichtweg Geld verlieren.
Zweitens würde das schlechte Bild im Fernsehen bei lokalen Übertragungen verändern. Ein Club mit 80 Prozent Schnitt hat viele Spiele, bei denen nur 50 Prozent der Sitze belegt sind.
Drittens sind die Reisekosten angesichts der Ausdehnung über Kanada und die USA durchaus bemerkenswert.
Viertens und wichtigster Punkt: Eine Reduzierung des Spielerpools erzeugt einen Druck auf die Gehälter (Angebot = Spieler, Nachfrage = Clubs). Gleichzeitig steigt tendenziell das Niveau.
Fünftens: Wenn man den sinnvollen Rückbau der Liga nicht selber managt, meldet sich irgendwann der Markt und erledigt es von alleine. Clubs wie Phoenix, Nashville und Atlanta sind nicht zu halten. Die Teams in Florida halte ich auch für verzichtbar.

Jürn hat gesagt…

Auch wenns nur bedingt bis gar nciht zum Thema passt, mal was Positives aus der NHL (wenn auch von nem kleinen Jungen):

http://www.nhl.com/ice/news.htm?id=502423