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2. März 2008

Dem Bode Miller sein Humor


Bode Miller hat beste Aussichten den Gesamt-Welt-Cup gewinnen. Denn nach diesem Wochenende in Norwegen liegt er mit deutlichem Vorsprung an der Spitze der Wertung. Genauso wie in der inoffiziellen Wertung im Videowettbewerb der internationalen Sportgrößen um Selbstdarstellung und Eigenwerbung. So selbstironisch wie der amerikanische Skifahrer, der in diesem Winter erstmals abseits vom verhassten Verband unterwegs ist, ist noch niemand mit seinem eigenen Ruhm umgegangen.
Blick zurück: Die Solo-Tour beginnt
Blick zurück: Mord und Totschlag in der Familie

26. Oktober 2007

Der Klingelbeutel: Bode Miller fährt mit Amerika Schlitten

Auf eine solche Weise gelingt es dem leidlich renitenten Skifahrer Bode Miller, mal wieder mit den USA Schlitten zu fahren. Nachdem er sich vor ein paar Monaten offiziell aus der Mannschaft des amerikanischen Skiverbandes absetzte, ließ er jetzt durchblicken, wie sein Ein-Mann-Laden heißen wird: Team America. Miller kann beim World Cup als Solist starten, nicht jedoch bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen.

Das kommt davon, wenn man ohnehin schon unter Verdacht steht, Spiele wegzuschenken, die bei den Sportwettbüros mit dubiosen Quoten gehandelt werden: Nikolai Dawidenko wurde von der ATP mit einer Busse von 2000 Dollar belegt, nachdem er in einem Match bei den St. Petersburg Open eine etwas andere Methode praktizierte, das Ding noch zu verlieren. Er hatte den ersten Satz mit 6:1 in 27 Minuten gewonnen, aber sich danach aufs Produzieren von Doppelfehlern verlegt. Vier Doppelfehler im zweiten Satz, folgten sechs im dritten. Davidenkos Gegner Marian Cilic nahm das gelassen. Der Stuhlschiedsrichter jedoch nicht. Er ermahnte den an Nummer eins gesetzten Russen wegen seiner unsportlichen Haltung. Die ATP sah es nicht anders.

Die Miami Dolphins und New York Giants spielen am Sonntag in London, was ein Vorgeschmack auf kommende Saison werden könnte: Dass die NFL dann zwei Begegnungen in Europa auf die Beine stellen wird. Eine erneut in London, die andere in Deutschland. Die Dallas Cowboys werden nicht zu den Teams gehören, die den Flug nach Europa antreten. Eigentümer Jerry Jones ist das zu mühsam. Also wird man sie und ihre Trikots auch weiterhin aus der Ferne studieren müssen.

Der gute Jason Whitlock hat sich das Video-Wunderwerk der E:60-Redaktionskonferenz angeschaut und war begeistert: Die Sendung habe das Zeug "zur ehrlichsten, unabsichtlich lustigen Show im Kabelfernsehen" - vorausgesetzt sie zeige einfach nur die Themenkonferenzen und verzichtet auf den Rest. Auf diese Weise erhalte man "einen echten Einblick darin, wie die Medien arbeiten und warum so viele Märchen senden und publizieren". Whitlock kann das nur ironisch meinen. Denn tatsächlich muss man in den USA mindenstens derart gekonnt an die Sache herangehen wie die Daily Show auf Comedy Central, wenn man den Medien-Märchenwald täglich aufmischen will. Wir hatten das Gusterl-Stückerl schon gestern im Visier.

14. Mai 2007

Der Glaube an die Kraft der Gene, Folge XY: Diesmal Bode Miller

Der weit verbreitete journalistische Kotau vor den Söhnen und Töchtern berühmter Sportler ist hier bei anderer Gelegenheit schon mal aufgegriffen worden. Einen ähnlichen Fall hatten wir vor ein paar Tagen: Da ging es um Dale Earnhardt jr. und sein geschäftlichen Ambitionen. Die vielen Moritaten über das Famlienleben von Proto-Sportlern und dieser fast schon nazimäßige Glaube an die Kraft der Gene, die uns zwei Jahrtausende Aristokratie beschert haben und nur mit viel Feuer und Flamme seitens unserer bürgerlichen und proletarischen Vorfahren in ihre Latifundien exiliert wurden, kann man noch übertreffen. Heute in der New York Times: Die Geschichte über einen Vetter von Bode Miller, der am Wochenende einen Polizisten erschossen hat und anschließend von einem Passanten mit der Waffe des Polizisten erschossen wurde. Der Tatort: Easton in New Hampshire, wo Miller und sein Cousin namens Liko Kenney aufgewachsen sind. Die verwandtschaftliche Beziehung: über die Mutter, deren Clan vor zwei Generationen in diesen abgelegenen herben Teil Amerikas gezogen ist und deren Angehörige offensichtlich eine antiautoritäre Einstellung gemein haben. Hat nicht auch Bode Miller so etwas Aufsässiges? Hat er sich nicht gerade offiziell aus dem US-Skiverband verabschiedet, weil er deren Auflagen nicht akzeptieren kann? Kommt man da nicht ins Grübeln?

Gewiss, aber erstens vor allem über die Menge an Platz, die die Zeitung diesem für amerikanische Fälle ziemlich alltäglichen Kriminalfall widmet. Und zweitens wegen der Chuzpe, die Familiengeschichte in einen Topf zu werfen: Auf Englisch heißt das dann: "the family’s outlaw mystique". Übrigens in der ganzen Geschichte kein Wort darüber, ob die beiden Burschen überhaupt ein näheres Verhältnis zueinander hatten (so etwas steht zumindest bei AP, wo man herausgefunden hat, dass Bode schon mal eine Kaution für Vetter Liko hinterlegt hat). Nur dieses Zitat von einem Onkel der beiden: "Bode hat seine Wut sehr nett ins Skifahren kanalisiert. Liko hat das nicht gehabt. Er konnte mit seiner Wut nicht umgehen." Und dann noch dieses Nugget: "Nicht weit von der tötlichen Szenerie befindet sich das Haus, in dem Miller im Schatten des Cannon Mountain aufwuchs." Grandiose Recherchenleistung: Wir stellen per Zitat eine beliebig erklärbare und interpretierbare inhaltliche Beziehung her und legen noch eine geographische Achse nach. Wenn so was in der BILD-Zeitung stehen würde, wäre das einen Eintrag im BILdblog wert. Es steht aber in der New York Times. The paper of record. Dort geht man eben auch gerne hochhackig übern Boulevard und wackelt mit dem Arsch.

Die beiden Fotos von Liko Kenney und dem erschossenen Polizisten stammen von der Webseite der örtlichen Fernsehstation WHDH.

P.S. Dieser Beitrag enthält acht Links. Ein absoluter American-Arena-Rekord.

12. Mai 2007

Bode Miller steigt aus US-Verband aus

Bode Miller zieht einen Strich unter seine Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Skiverband und geht seiner eigenen Wege. Er hatte genug von der ständigen Gängelei. Für Weltmeisterschaften und Olympische Spiele der Zukunft bedeutet das: Entweder schließt er sich einem dieser Auffangverbände wie Luxemburg oder Niederlande ein, wo frustrierte Skiläufer schon des öfteren ein Exil gefunden haben. Oder er geht nicht mehr an den Start. Die Agenturmeldung zu der Karriereentscheidung ist noch etwas undurchsichtig. Miller hat bislang noch keine klare öffentliche Stellungnahme abgegeben.

4. Dezember 2006

Der Miller und sein Wohnmobil

Na, ist denn jetzt schon Winter? Wohl doch. Zumindest in den Rocky Mountains. Deshalb mehr zu Bode Miller: faz.net hat heute meine Geschichte online gestellt, die gleichzeitig in der Printausgabe erschien.

24. November 2006

Genug von Millers Soli: US-Skiverband will Fahrer gängeln

Den ersten ganz leichten Schnee der Saison gab es am Montagmittag in Buffalo zu erleben. Der flatterte in hauchzarten Flocken nach der Landung auf dem Flughafen herum, als sei dies in der Stadt an der kanadischen Grenze einfach das Begrüßungszeremoniell in dieser Jahreszeit (der Blogger auf den Spuren des Eishockey-Profis Thomas Vanek. Mehr darüber bei einer anderen Gelegenheit.) Dann reibt man sich auch nicht gleich die Augen, wenn man ein paar Tage später die New York Times kauft - in Buffalo nur sehr schwer zu erstehen und mit einem Preisaufschlag versehen - und Bode Miller sieht. Zeit für Ski alpin. Und Zeit für eine neue strenge Politik seitens des Verbandes, der in Turin so schlecht wie selten bei großen Ereignissen abschnitt. Die Mannschaftsführung würde sehr gerne das Gefühl haben, dass sie den Laden managt. Und dass ihnen die Fahrer nicht auf der Nase herumtanzen. So wurden im Mai sogenannte Rahmenrichtlinien verordnet, die unter anderem besagen: die Athleten können nicht einfach in einem mitgebrachten Campingbus wohnen, sondern haben gefälligst im Mannschaftshotel zu übernachten. Alkohol darf zwar getrunken werden, nicht jedoch bei Anlässen, bei denen Trainer und Betreuer mit den Fahrern zusammen sind. Das wirft ein schlechtes Licht auf die...Betreuer.

Den ganzen Sommer zierten sich die Skifahrer, das Dokument ihrer eigenen Entmündigung zu unterzeichnen. Die Haltung sorgte dafür, dass der Kader lange Zeit überhaupt nicht benannt werden konnte. Dass sich Bode Miller beim World Cup wirklich einbinden und anbinden lässt, der an diesem Wochenende in Lake Louise in der kanadischen Provinz Alberta mit einem Super-G und einer Abfahrt beginnt, glaubt so gut wie niemand, auch wenn er das Papier unterschrieben hat. Die angereisten Print-Kollegen am Fuße des Berges (mit Verlaub: ein hervorragendes Skigebiet - selbst getestet) konnten bislang noch nicht nachfragen. Bode glitt beim Training einfach an der Mixed Zone vorbei.