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20. August 2009

T Times


Seit ein paar Tagen läuft dieses Video in der Blog-Sektion der New York Times. Es zeigt im Zeitraffer die Installation einer Bambus-Skulptur des amerikanischen Zwillingskünstler-Teams Doug and Mike Starn für die Titelseite der Jubiläumsausgabe des Times-Sonntagsmagazins namens T. Das Heft ist am letzten Wochenende erschienen. In eigener Sache ein Hinweis (auch weil's eine Premiere ist): Der Film besteht zur Hälfte aus Material, das ich vor ein paar Wochen beim Besuch der beiden in einer riesigen Fabrik in Beacon eine Stunde außerhalb von New York gedreht habe. Wenn die Redaktion jetzt auch noch den Namen richtig geschrieben hätte.... Aber sie machen halt Fehler (siehe hier).

Mehr zum Thema und zur Entstehungsgeschichte des Projekts.

29. März 2008

Die neue Frau an seiner Seite

Wir wissen, welche Art von Domestiken Lance Armstrong gut fand. Wir wissen, welche Frauen ihn interessieren. Und welche Ausdauersportarten ihm eine Herausforderung bieten. Und nun wissen wir auch, in welche Art von Kunst er investiert. 20.000 Dollar war ihm diese Skulptur der amerikanischen Künstlerin Morgan Herrin wert. Der Galerist war froh, dass jemand von dem Kauf Notiz nahm.

8. März 2008

Apotheose einer kranken Sportart

Ein Maler, der sich für den Radsport interessiert und deshalb die Helden der Landstraße auf die Leinwand bannt, muss nicht unbedingt ein Auge für die Legitimität ihres Schaffens haben. Allerdings taucht die Frage womöglich dann später trotzdem auf. Sagen wir mal dann, wenn es ums Verkaufen der Bilder geht. Oder anders formuliert: Wer bezahlt wirklich 1600 Dollar für ein Gemälde wie dieses, das einen als Dopingsünder überführten und gesperrten Radprofi zeigt? Ein Maler namens Steve Dennis aus Brooklyn, der seine Bemühungen auf der Webseite www.velopaint.com präsentiert, scheint das zumindest zu hoffen. Erst recht, nachdem die Blogger-Firma Gawkermedia ihn im Rahmen einer Goodwill-Aktion als Hätschelfall eingestuft hat und nun dafür sorgt, dass einem 'Kessler' (die Anführungsstriche sind vom Künstler persönlich) im alten Magenta-Trikot immer wieder von den Seiten der Firma entgegenbrüllt. Lang soll er leben, der 'Kessler', genagelt an irgendeine Wand, hoffentlich unverkäuflich, die eingefrorene, kunstgewordene Apotheose einer kranken Sportart, in der offensichtlich alles ging, solange niemand genau hingeschaut hat. Steve Dennis betrachtet seine Arbeit als Versuch, "den Geist, die Emotion und die Essenz des Radsports einzufangen". Wir sehen das ziemlich anders. Solange jemand nicht auch die Werkzeuge und die Helfershelfer der Doper widerspiegelt, hat er die Essenz des Radsports nicht verstanden. Und die von 'Kessler' auch nicht.

20. Dezember 2007

Dickes Ding

Wenn man Arbeiten der französischen Bildhauerin Niki de Saint Phalle sieht, denkt man nicht als erstes an Sport. Ihre Figurinen sind unförmig und feist und schwer. Wie Christo oder Salvadore Dali, Andy Warhol und Friedrich Hundertwasser und so manche andere des Kunstbetriebs nach dem Zweiten Weltkrieg war sie ein one-trick pony. Wiederkennungswert war solchen Leuten wichtig. Und das Echo von Kunstsammlern, die keine Risiken wollen, sondern auf Nummer sicher investieren. Mit den Folgen müssen dann die nächsten Generation klar kommen. Leute in Hannover etwa, die die Dame zur Ehrenbürgerin ernannt haben. Oder das Publikum des Balboa Park in San Diego, wo der große Bildhauer im Himmel der Mme. de Saint Phalle vor fünf Jahren den kreativen Griffel und den Gipseimer aus der Hand nahm. Als Souvenir blieb den San Diegonen (Diogesen? Dieger?) eine Michael-Jordan-Statue, an der alles falsch ist, was an einer Sportskulptur falsch sein kann. Vor allem der Impetus, dass man einen der elegantesten Athleten aller Zeiten als dicken, knallbunten Sack verewigt. Der Mann sah damals bei seine Sprüngen so aus, als könne er die Schwerkraft überwinden. (via si.com)

Nachtrag: Und wie so vieles im Leben kann man das natürlich noch steigern. With Leather hat heute die Sportkkulptur schlechtin gefunden (vermutlich Plastik und mit Luft aufgepumpt).
Blick zurück: Jedem Star sein Denkmal

2. Dezember 2007

Scherenschnitt: Der Eishockeyprofi als Akt

Für den Boston Globe ist es keine Kunst, sich mit einem Thema zu beschäftigen, in dem es um Nacktheit geht, und dann die Abbildung, die das Thema illustriert, auf dramatische Weise zu zensieren (siehe Bild links, die Version der Zeitung). Aber so etwas ist in den USA einfach Standard. Man will sich sehr wohl mit Erotik - und mittlerweile auch Homoerotik - fraglos sehr gerne beschäftigen. Denn das kitzelt bekanntlich. Aber die ganze nackte Wahrheit, na, meine Güte, die darf der Leser nicht sehen. Um die zu sehen, bekommt er nicht mal ein Link auf der Webseite, auf der die Printgeschichte steht. Merke: Nacktheit könnte im prüden Amerika die Leute auf komische Gedanken bringen.

Bevor wir uns zu aufwändig mit der Doppelmoral der Medien in diesem Land beschäftigen (siehe Janet Jackson beim Super Bowl), soll erst einmal davon die Rede sein, um was geht: Um die Gemälde von ehemaligen Eishockeyprofis, die der Maler Kurt Kauper ganz ohne Kleidung posieren lässt, obwohl sie nie für ihn Modell gestanden haben. Man könnte das eine kleine Provokation nennen. Die natürlich nur dann funktioniert, wenn es jemanden gibt, der sich davon provozieren lässt. Kaupers Bilder des nackten Cary Grant hätten das vielleicht bewirken können. Hier handelte es sich schließlich um eine wirklich berühmte Hollywood-Figur. Aber Bobby Orr und Derek Sanderson, die einst für die Boston Bruins spielten?

Die Ausstellung der Gemälde läuft zur Zeit in der Deitch Gallery in New York. Die meisten Werke sind bereits verkauft. Für Preise zwischen 50.000 und 135.000 Dollar (so der Globe).

Nun zur Doppelmoral in Sachen Erotik und Sexualität: Rückständig und repressiv sind die Vokabeln, die einem als erstes einfallen, wenn man sich ein wenig in den Stoff einliest, zum Beispiel hier und hier. Dabei gibt es eine zwei- wenn nicht dreigeteilte geographische Ausgangssituation in diesem Land. Am schlimmsten geht es im Bible Belt zu, wo man so tut, als ständen die verbindlichen Angaben und Anweisungen zum menschlichen Körper und dem Verhältnis der Geschlechter zueinander in einem alten dicken Buch, dessen Autor(en) niemand je getroffen hat. Typischerweise sind das die Bundesstaaten mit der größten Kriminalität, dem schlechtesten Bildungsstand und der größten Zahl an armen Menschen. Dann gibt es die - meistens etwas größeren - Staaten, in denen die religiös geimpfte Bevölkerung an jeder Ecke den Kulturkampf probt - sei es bei Themen wie Evolutionstheorie, Gebete in der Schule, Abtreibung, Homosexualität. Und dann die wenigen aufgeklärten Metropolen und Kulturzentren, in denen die ewig Gestrigen kein Bein an die Erde bekommen. Boston gehört eigentlich in die Abteilung aufgeklärt. So kann man sich täuschen.

27. März 2007

Richterlich bestätigt: Dirk ist ein Künstler

Es gab mal eine Zeit, da konnte man sich von der Künstlersozialkasse befreien lassen. Für manche machte das eine Menge Sinn, besonders für jene, die damals bereits eine Menge für die eigene Altervorsorge getan haben. Und natürlich für Millionäre. Dirk Nowitzki hat das offensichtlich versäumt. Sonst hätte es jetzt nicht diesen Rechtsstreit um seinen Auftritt in einem Werbespot für die Frankfurter Bank ING-DiBa gegeben. Die Richter des hessischen Landessozialgerichts folgten erstens nämlich nicht nur der Auffassung der Sozialversicherung, wonach das Finanzinstitut für die fraglichen Werbespots mit Nowitzki einen fünfstelligen Betrag an die Künstlersozialkasse abführen muss. Es entschied zweitens, dass der Mann von den Mavericks nicht befreit ist, woraus sich drittens ergibt, dass er seinen Teil spätestens mit der nächsten Steuererklärung noch nachschieben muss. Und viertens ist damit (vorläufig, weil niederinstanzlich entschieden) klar, dass der manchmal etwas staksig wirkende Basketballprofi ein Künstler ist - wenn er vor der Kamera steht. Das Ganze reimt sich nicht wirklich zusammen, außer für die Künstlersozialkasse, die nun auch noch einen üppigen Betrag von Nowitzki erwartet. Daraus lässt sich übrigens hochrechnen, wieviel Honorar bei diesem Deal zwischen Trikotsponsor ING und dem wackeren Franken über den Tisch gegangen sein müssen: Minimum eine Million Euro. In der Meldung, die den Sachverhalt in knappen Worten wiedergibt, steht nicht, was den Ausschlag für die Entscheidung des Gerichts gegeben hat. Hoffentlich nicht das Video von der Gitarreneinlage mit Steve Nash:

Das haben übrigens laut YouTube erst 31 American-Arena-Leser angeschaut. Wird Zeit, dass sich das ändert. (Stand Januar 2008: Es hat sich geändert. Jetzt waren es schon 159. Wir zählen weiter mit...)

19. November 2006

Rocky vorm Museum. Stallone-Skulptur erhält Kunststatus

Es handelt sich nicht um großartige Kunst. Aber das ist ein Anspruch, den man im Philadelphia Museum of Art ohnehin nur schwer einlösen kann. Dafür ist die Konkurrenz zu anderen Museen in den USA und im Rest der Welt zu groß. Und Philadelphia hat längst jenen Bürgersinn und jene Wirtschaftskraft verloren, die seinen Einwohnern einst das Gefühl gaben, sie könnten so nah an New York mit dem Moloch im Norden irgendwie mithalten. Also nimmt man, was man bekommen kann. Und sei es eine Statue, die nichts anderes zeigt, als einen Schauspieler, der eine frei erfundene Boxerfigur spielt. Um nichts anderes handelt es sich bei Rocky, jenem hartgesottenen fiktiven Charakter aus Philadelphia, der die Karriere des ziemlich zweitklassigen Schauspielers Sylvester Stallone in Schwung brachte (und eine ganze Latte sogenannter Sequels, die noch schlechter waren als der Prototyp.

Besuchern, die das Denkmal sehen wollen, sind solche Petitessen schnurz. Manche gehen sogar anschließend ins Museum, wie die New York Times am Sonntag in einer Geschichte über das knapp 2,50 Meter große Werk berichtete, das ziemlich genau dort steht, wo der Film-Rocky im Triumphspurt die Treppen begleitet von dem Song Gonna Fly Now hochlief. Das war 1976.

Um nicht unfair zu sein: Das Museum hat auch Arbeiten von Van Gogh, Picasso und Tizian. Aber nun eben auch jenen Rocky III, den Stallone 1982 beim Bildhauer A. Thomas Schomberg in Colorado in Auftrag gab, um ihn in dem gleichnamigen Film vom fiktiven Bürgermeister der Stadt enthüllen zu lassen. Stallone selbst hat als wohlhabender Kunstsammler eher einen schlechten Ruf. So ließ er sich wenige Jahre später von einer eigens angeheuerten Privatkuratorin alten Schrott andrehen und verklagte sie 1989 auf 5 Millionen Dollar Schadensersatz.

Ein Nachtrag: Schomberg verhökert inzwischen Miniaturversionen seiner Skulptur und betreibt eine Webseite zu dem Thema. Eine andere Künstlerin mit dem prätentiösen Namen De L' Esprie hat Stallone ebenfalls halbnackt in Bronze verewigt. Auf ihrer Seite gibt es mehr Informationen zur Vorgeschichte des Films