23. April 2007

Das Gehirn von Bush und das Volk, das es bezahlt - eine Begegnung

Der arroganteste Typ im Weißen Haus ist vermutlich nicht Präsident George W. Bush, obwohl er die Angehörigen des Washingtoner Press Corps immer so behandelt. Die Auszeichnung geht an seinen Chefberater Karl Rove ("Bush's brain"), eine menschliche Schleimspur der schlimmsten Art. Auf der rein politischen Ebene ist der Mann nicht zu fassen. Er muss nicht mal im Senat bei Anhörungen antreten, weil seine Arbeit zwar zu Lasten des amerikanischen Steuerzahlers geht, aber er kein Amt im klassischen Sinne inne hat. Wie man ihm trotzdem auf die Schuhe steigen kann, haben am Samstag beim alljährlichen White House Correspondents Dinner, bei dem sich hunderte von Journalisten in Smoking und Ballkleid und ihre Entourage höchst förmlich einen herablassenden Imperator reinziehen, den sie nie richtig laut zu kritisieren noch bloß zu stellen trauen, zwei relativ kleine Frauen gezeigt: die Sängerin Sheryl Crow und die Umweltschützerin Laurie David. Die fragten den korpulenten, pausbäckigen Wahlkampfstrategen einfach mal ganz direkt, weshalb er sich nicht dafür einsetzt, die Politik in Sachen Global Warming zu überdenken. Es gäbe da so Fachleute aus der Wissenschaft, die dazu eine ziemlich handfeste Auffassung hätten. Und die USA sei nun mal der größte Umweltverschmutzer von allen. Die Unterhaltung spitzte sich schnell zu und produzierte folgenden Dialog, nachdem sich Rove abwendete und Sheryl Crow ihn am Arm festhielt:
Rove: "Fassen Sie mich nicht an."
Crow: "So können Sie nicht mit uns reden. Sie arbeiten für uns."
Rove: "Ich arbeite nicht für Sie, ich arbeite für das amerikanische Volk."
Crow: "Wir sind das amerikanische Volk."

Für diesen Auftritt verdient die peppige Sängerin, die nicht nur durch viele Gefechte mit männlichen Musikern gegangen ist, sondern auch durch eine Beziehung mit dem sicher nicht einfachen siebenfachen Tour-de-France-Sieger Lance Armstrong, den American-Arena-Orden. Da es den noch nicht gibt, begnügen wir uns mit der Schaltung eines Videos mit einem ihrer Songs (mit einem Mitsänger, der es nicht wagen würde, der Dame zu widersprechen).

1 Kommentar:

Johannes Hansknecht hat gesagt…

Hallo Herr Kalwa,
von der Begegnung Gehirn-Volk (vulgo Crow-Rove) wurde in den deutschen Medien wohl nicht berichtet. Mich wundert, daß Jon Stewart in der Daily Show die Sache nicht aufgespießt hat. Zumindest nicht in den Videos, die online auf comedycental.com abrufbar sind. Ist doch wie gemalt für die Late-Night-Comedy-Shows.