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15. Juli 2010

Armstrongs Geschichten haben kurze Beine

AVORIAZ, FRANCE - JULY 11: American Lance Armstrong with team RadioShack speaks to the media following the end of stage eight of the Tour de France July 11, 2010 in Avoriaz , France. Armstrong crashed twice and lost 11 minutes to the leading group. The 189 km route through the Alps features two first category climbs from Station Des Rousses to the small alpine town of Morzine Avoriaz. Andy Schleck of Luxembourg from team Saxo Bank won the stage while Australia's Cadel Evans took over the race leader's yellow jersey. The iconic bicycle race will include a total of 20 stages and will cover 3,642km before concluding in Paris on July 25. (Photo by Spencer Platt/Getty Images)
Wenn Leute anfangen müssen, die entscheidenden Kleinigkeiten in ihrem Leben zu vernebeln und wegzudiskutieren, tun sie das oft, weil sie sich in der Vorstufe zu einer schwierigen Lage wähnen. So produziert der Mensch beim Versuch, Dinge zu erklären, die man gar nicht erklären kann, weil sie ganz anders abgelaufen sein müssen, eine fatale Tendenz zum Umgang mit der Wahrheit oder sagen wir besser mit der Wahrhaftigkeit. So wie heute der Anwalt von Lance Armstrong, der in Vertretung seines Mandanten die Glaubwürdigkeitskrise meistern soll, in die der Radfahrer geraten ist.

Armstrong war am Mittwochmorgen vor der zehnten Etappe der Tour de France nach seinen Anteilen an der Radsport-Managementfirma Tailwind gefragt worden, die das US Postal Team aufgezogen hatte, in dem er einst mit Floyd Landis an den Start ging. Und was sagte er in vielen, vielen Worten, die aus seinem Mund immer so farbig und gleichzeitig so eindeutig klingen und so, als ob der Rest der Welt zu doof ist, die Handlungsweise des siebenfachen Tour-Siegers zu verstehen: "Die krasseste Sache ist das Missverständnis, dass ich der Besitzer des Teams war. Das ist komplett falsch. Kein Besitzer, ganz und gar nicht. Es war nicht meine Firma. Ich kann es euch gegenüber nicht klar genug sagen. Ich hatte keine Stelle inne. Ich hatte keinen Anteil. Ich bekam keine Gewinnausschüttung. Ich saß nicht im Vorstand. Ich war ein Fahrer im Team. Klarer kann ich es nicht sagen."

Vielleicht sagt er solche Sachen, weil er denkt, dass der Rest der Welt zu doof ist, seine Einlassungen zu überprüfen. Oder weil er über die Jahre viele Leute in seinem Umfeld eingeschüchtert hat, die Angst bekamen vor dem langen mächtigen Arm seines Einflusses in der Branche. Auch die amerikanischen Medien haben sich lange Zeit als Cheerleader von Armstrong verstanden, weil sie einfach glauben wollten, dass er stets sauber war. Dass die Franzosen einfach nur gehässig waren und ihn zu Fall bringen wollten, weil er Amerikaner ist. Und dass die wenigen Menschen, die den Mut hatten, auszuplaudern, was sie wussten, irgendein niederes Motiv verfolgen. Obwohl sie mit ihren gegen Armstrong gerichteten Aussagen ihre beruflichen Aussichten gefährdeten.

Tempi passati. Es dauerte gestern nicht sehr lange, da hatten die ersten fleißigen Blogger und Reporter die entsprechenden Stellen im Protokoll der Vernehmung von Lance Armstrong in einem Schiedsgerichtsverfahren von 2005 gefunden. In der hatte er unter Eid etwas ganz anderes gesagt. So war also in ein paar Stunden war er und dieser ganze pseudo-puritanische Ernst desavouiert. Und das steht so in vielen Zeitungen. Auf die Frage des gegnerischen Rechtsanwalts, ob er einen Anteil an Tailwind halte, antwortete er damals: "Einen kleinen." Auf die Bitte hin, das zu präzisieren, sagte er: "Vielleicht zehn Prozent." Genaues über den Zeitpunkt seines Geschäftseintritts konnte er nicht mitteilen. Er wirkte so, als ob ihm die Details einer solcher geschäftlichen Beziehung eher wenig interessierten. So hackte der Anwalt nicht weiter darauf herum:
"Wer würde die Antwort wissen, wann Sie einen Anteil an Tailwind erworben haben?", wollte er wissen
Armstrong verwies auf seinen Manager und nannte dessen Namen: "Bill Stapleton."
"Ist das schriftlich dokumentiert? Gibt es einen Anteilsschein oder andere Papiere, die Ihren Anteil an Tailwind bestätigen?"
Armstrong: "Ich bin sicher, dass es das gibt."

Heute nachmittag versuchte Armstrong Anwalt Tim Herman den offensichtlichen und markanten Widerspruch zwischen den beiden Aussagen wegzuerklären. Der Radfahrer habe zwar laut Vorstandsbeschluss aus dem Jahr 2004 einen Anteil erhalten sollen, der wurde aber erst im Dezember 2007 vergeben. Interessant, denn das widerspricht Minimum der Aussage des erwähnten Bob Stapleton aus dem September 2005, der damals in der gleichen Sache vernommen wurde und folgendes erklärte: Armstrong sei einer von zehn oder 15 Tailwind-Partnern. Sein Anteil: 11,5 Prozent. Darauf dass auch diese Aussage unter Eid von damals nicht zur der heutigen Einlassung passt, ging Herman nicht ein. Gleich zwei Leute haben sich damals geirrt? Und war dann auch die Aussage von Stapleton falsch, wonach Tailwind vom Winter/Frühjahr 2003/2004 an von Stapletons Firma Capital Sports & Entertainment gemanaged wurde, an der Armstrong einen beachtlichen Anteil hatte? Auch das wissen wir aus den Protokollen der Vernehmung von 2005. Für die Managementrolle erhielt CSE einen Anteil an Tailwind von 11,5 Prozent.

Ehe wir uns in den Details verlieren, hier noch mal das Ganze vereinfacht: Armstrong bestreitet heute, was er und sein Manager 2005 unter Eid ausgesagt haben. Warum? Weil er gehört hat, dass ihm die ermittelnden Behörden, die die Landis-Vorwürfe ernst nehmen, als Teilhaber einen Anklage wegen Betrug und Verschwörung an die Kappe heften wollen. Also wird bestritten, dass er Teilhaber war. Interessant ist aber auch, mit welcher Nebelkerze sein Anwalt heute gearbeitet hat. Danach soll Armstrong Ende 2007 Anteilseigner von Tailwind geworden sein, obwohl die Firma just zu diesem Zeitpunkt ihre einzige relevante Einnahmequelle einbüßte - das Sponsorengeld des Discovery Channel? Das Discovery Team war schon vorher aufgelöst worden.

Erneut dauerte es nicht lange, bis heute ein amerikanisches Medien-Outlet – NBC Sports – diesen Sachverhalt aufdeckte und damit aufzeigte, dass sich Lance Armstrong beim Bau seiner Kartenhäuser einen schlechten Architekten ausgesucht hat: sich selbst. Der Druck der staatsanwaltlichen Ermittlungen und der ziemlich präzisen Beschuldigungen von Floyd Landis werden nicht weniger, sondern mehr. Eine Firma namens Tailwind Sports Corporation, die in Kalifornien registriert worden war, führte übrigens seit 2002 als Adresse die gleiche Anschrift wie Capital Sports & Entertainment und ein von Armstrong aufgemachter Fahrradladen.

Zur Einordnung: meine Geschichte für die Freitagausgabe der FAZ. Dazu der Hinweis auf ein informatives Interview von Sebastian Moll mit einem amerikanischen Spezialanwalt für dopingbeschuldigte Sportler in der Financial Times.

4. September 2009

Armstrong: Verdacht auf Blutdoping

Wir hatten schon fast aufgegeben zu hoffen, dass mal irgendjemand kommt und Lance Armstrong über eine Auswertung seiner Laborwerte etwas ans Zeug flickt. Aber nun hat es doch jemand geschafft: Der dänische Blutforscher Jakob Mørkeberg. Die einfache Interpretation seiner Erkenntnisse liest sich nach Angaben der Webseite der dänischen Sportethik-Organisation Play The Game so: Während des diesjährigen Giro zeigten die Daten das normale Profil eines Menschen, der jeden Tag Schwerstarbeit verrichtet. Bei der Tour de France, bei der Armstrong Dritter wurde, seien die Werte so gut wie unverändert geblieben. Ein Anzeichen für Blutdoping. Der Astana-Teamarzt hat die Mutmaßungen inzwischen als Spekulation abgetan. Armstrong selbst hat sich noch nicht geäußert. Woraus man nichts schlussfolgern sollte. Sobald die großen amerikanischen Medien einsteigen, wird er sich schon lauthals beschweren. Das einzige, was er diesmal nicht sagen kann, ist, dass ihm die Franzosen schlecht gesonnen sind, weil er deren Schleife beherrscht hat. Erstens hat er nicht gewonnen. Und zweitens kommt der Befund aus Dänemark.

23. Juli 2009

...und rollt und rollt und rollt

Lance Armstrongs Firma Capital Sports & Entertainment hat am Montag die Domain teamradioshack.com angemeldet und wurde am Donnerstag von einer Nachricht auf espn.com aufgescheucht, die eine rasche offizielle Reaktion erzwang. Dazu gehörte die Stellungnahme des Pedaleurs und das Aufschalten der neuen Website. Der neue Hauptsponsor des dritten amerikanischen Profi-Radteams ist eine Ladenkette, die sich auf den Verkauf von Elektronik, Telefonen und anderen Gadgets spezialisiert hat und der Filialen über ganz Amerika verstreut anzufinden sind. Für die neue Mannschaft will Armstrong nach Angaben der Los Angeles Times auch als Langstreckenläufer und Triathlet antreten.

Sein Wert für einen amerikanischen Sponsor ist weiterhin sehr hoch. So meldete der Fort Worth Star-Telegram, dass seine Teilnahme an der Tour de France die Einschaltquoten des Spartensenders Versus, der die Übertragungsrechte an dem Rennen für die USA besitzt, vom letzten Jahr zu diesem um 88 Prozent gestiegen sind. RadioShack (das ist die offizielle Schreibweise ohne Leerraum zwischen den beiden Wörtern) steckt bereits einen Teil seiner Werbeausgaben ins NASCAR-Geschäft.

9. Juli 2009

Neues vom Velo-Jesus

Es ist sicher unfair darauf hinzuweisen, dass Lance Armstrong einst auch Metastasen im Hirn hatte, die im Rahmen seiner Krebsbehandlung herausoperiert wurden. Denn der Typ war schon vorher ziemlich unerträglich. Außer vielleicht, um darauf hinzuweisen, dass die Ärzte damals eine Form der Metastisierung nicht in den Griff bekommen haben: die langsame, aber unaufhaltsame Transformation zum Velo-Jesus, der alles und jeden instrumentalisiert, um sich zu mehr als nur zu einem Helden der Landstraße aufzubrezeln. Natürlich hat so ein Jesus auch seine Apostel. Die mit dem lautesten Megaphon sind die von Nike. Die verstehen viel vom Zuschnitt von Marketing-Botschaften und der Außendarstellung von Kotzbrocken jeder Preisklasse. Das war einst Teil des gesamten Markenauftritts.

Mit Armstrong kann man allerdings noch einen Schritt weiter gehen. Der Mann hat schließlich einen Verfolgungskomplex allererster Güte und sieht hinter jedem Baum einen Gegner, den es aus dem Weg zu rempeln gilt. Und so kommen Werbespots zustande, die den Eindruck erzeugen, als sei er der einzige Mensch auf der Welt, der wirklich etwas für die Krebsbekämpfung und gegen eine Krankheit tut, deren Ursachen, Auslöser und Mechanismen das wissenschaftliche Establishment auch nach hundert Jahren Forschung nicht versteht. Der einzige, dessen Methoden man nicht kritisch hinterfragen darf. Denn, merke, wer Lance Armstrong angreift, bedroht das Wohlergehen von Millionen....

Dies ist der neueste Werbespot:


Und dies sind Stimmen aus den USA von Leuten, die sich mit den Augen reiben, wenn sie so etwas sehen – hier und hier. Deadspin sieht in dem Werbespot die Arbeitsweise aus der amerikanischen Politik, wo Republikaner seit Jahren einen trickreiche Methode kultivieren und sich als Opfer der Medien, der gesellschaftlichen Elite und anderer Bösewichter darstellen und sich auf Schritt ins Sternenbanner hüllen, um im gleichen Atemzug die wildesten Politikprojekte durchzusetzen oder den Fortschritt zu torpedieren. Das nennt man auf gut Englisch resentment politics. Der Hinweis auf Sarah Palin wirkt allerdings eher daneben. Armstrong wäre auch ohne Dope ein ziemlich guter Radrennfahrer. Sarah Palin ist wirklich nur ein Schwätzer.

23. Juni 2009

Gutes Rad ist teuer

Es ist wirklich nicht so klug, sich mit Lance Armstrong anzulegen oder sich seinen Privatbesitz anzueignen. Der Heilige der Velo-Welt hat überall seine Freunde. Auch in Kreisen der Justiz. sonst wäre sicher nicht dieses Urteil zustande gekommen: Drei Jahre Gefängnis für den Mann, der vor ein paar Monaten in Kalifornien aus dem Astana-Lager Armstrongs Rad gestohlen hatte. Kein Schreibfehler: DREI Jahre Gefängnis.

Der Mann aus Texas hat trotz seines Comebacks viel Zeit. Neulich legte er sich per Leserbrief mit dem Wall Street Journal an und bestritt Aussagen, die ein Reporter über seine Rolle im Hintergrund eines Rechtsstreits zwischen Greg LeMond und dem Radhersteller Trek getroffen hatte. Wie immer, wenn er sich beschwert oder sich verteidigt, argumentierte Armstrong nicht besonders genau und faktenorientiert, sondern wie ein getroffener Hund mit Hirn, der hofft, dass die anderen Mitleid mit ihm haben, weil er bellt. Aber so kennen wir ihn – als großen Nebelwerfer vor dem Herrn. Beispiel aus dem Schrieb, den er auf seinem eigenen Blog komplett publizierte, nachdem sich die Zeitung weigerte, den ganzen Sermon ("generell gesprochen lag der Artikel auf vielen Ebenen unter einem Minimum an journalistischen Standards") zu publizieren.

Ein Beispiel für Armstrong und seine Verdrehungsmethode: "Wäre ich für Treks Verhalten verantwortlich, wäre ich in diesem Fall ein Beklagter; hätte ich mit böser Absicht seine Geschäftsaktivitäten behindert, wäre ich in diesem Fall ein Beklagter. Ich bin es nicht."

Das hatte die Zeitung aufgrund ihrer Recherchen geschrieben: "Die Zivilklage behauptet ebenfalls, dass Herr Armstrong mit böser Absicht andere Geschäftsaktivitäten von LeMond behindert hat."

Ehe wir das hier zu einem Seminar über die Kunst des Schreibens ausarten lassen: Das Blatt zitiert ein Rechercheergebnis. Armstrong zieht daraus seine eigene Schlussfolgerung, baut darauf eine Absurdität ("wäre ich in diesem Fall ein Beklagter") und bemüht sich auf diese Weise den Originaltext zu desavouieren. Armstrong ist nur deshalb kein Beklagter, weil LeMond ihn nicht vor den Kadi gezerrt hat. Das ist keine Frage der Rechtslogik, sondern eine der angewandten Rechtsmechanik. LeMond hat sich einfach ein anderes Ziel ausgesucht als den Mann, den er vor Monaten bei einer Pressekonferenz mit kritischen Fragen auf den Keks gegangen war.

Die Taktik von LeMonds Anwälten ist nicht schlecht. So versuchen sie, Armstrongs Ex-Frau Kristin im Rahmen des Vorverfahrens als Zeugin zu vernehmen. Sie soll beschwören, dass Lance einst bei einem Abendessen gesagt haben soll, er würde dafür sorgen, dass Trek LeMond in die Mangel nimmt. Die Radfirma stellte lange Jahre die Räder des dreifachen Tour-de-France-Siegers und ersten amerikanischen Radheroen her. Im letzten Jahr beendete sie die Geschäftsbeziehung vorfristig, offensichtlich weil LeMond erneut die alten Dopingvorwürfe an die Adresse von Armstrong aufgegriffen hatte. Trek ist auch Geschäftspartner von Armstrong, der wichtigsten Werbefigur des Unternehmens, und hatte einst LeMond abgenötigt, den Mund zu halten.

25. März 2009

Der Klingelbeutel: Schluck aus der Pulle

• Der Schlüsselbeinbruch von Lance Armstrong, den er sich am Montag bei einem Sturz in Spanien zugezogen hatte, ist etwas komplizierter als zunächst diagnostiziert und muss operiert werden. Trotzdem will der Amerikaner den Giro fahren.

• Kai Pahl von allesaussersport twittert schon wieder mit einer Energiestufe, als wäre ihm im Krankenhaus in Hamburg ziemlich langweilig. Der Mann, der unter dem Aliasnamen dogfood bloggt, hat zwar bisher nur angedeutet, wie massiv der Eingriff war, dem er sich unterziehen musste. Aber aus den Andeutungen lässt sich schlussfolgern, dass es keine simple laparoskopische Operation gewesen ist, wie sie bei schlichteren Gallenproblemen vorgenommen wird. Der Mann, dessen Blog-Motto lautet "Gepinkelt wird nur in der Halbzeit", hat im Hospital eine neue Erfahrung gesammelt. Gepinkelt wird da nach Operationen vor allem im Bett – in eine sogenannte Urin-Ente. Und zwar auch dann, wenn plötzlich Besucher ins Zimmer kommen. Abgesehen von solchen Situationen: Weiterhin gute Besserung von dieser Stelle aus.

• Die Parallele, die Klaus Höltzenbein in der Süddeutschen Zeitung zwischen den Problemen im Profisport und denen in der Finanzindustrie skizziert hat ("...beide Geschäftsmodelle wucherten über viele Jahre hinweg nahezu unkontrolliert: das Modell der Banker, das niemand mehr verstand, und das der Sportfürsten, die das obskure Privileg genossen, sich untereinander kontrollieren zu dürfen - ohne Furcht vor Prüfung von außen"), hat mehr Aufmerksamkeit verdient. Vielleicht nicht sofort, denn Wall Street und seine Satelliten weltweit absorbieren momentan ein erhebliches Maß an Energie und Aufmerksamkeit (und Geld). Aber möglichst bald. Vermutlich befindet sich der Sport in einem weit schlimmeren Zustand als AIG und Konsorten, deren Fehlleistungen allmählich immer klarer werden (ich habe just zu dem Thema einen Beitrag für das Magazin FELDHommes geschrieben, das in ein paar Tagen an die Kioske kommen wird). Denn es mangelt an einem Minimum an Aufsicht. Pleitegeier sind bereits im Anflug. Hübsch die Nachricht aus Arizona von den Phoenix Coyotes, die (noch) in der NHL spielen. Da gibt man inzwischen auf die kurioseste Art und Weise Eintrittskarten ab. Zum Beispiel an Leute, die eine Flasche Wodka kaufen.

• Japan hat das Länderturnier namens World Baseball Classic gewonnen, das ein paar Trends andeutete: Kuba hat nachgelassen. Und die Niederlande sind in der Lage, eine Mannschaft wie die aus der Baseball-Hochburg Dominikanische Republik zu schlagen. Sogar zweimal. Über die amerikanische Mannschaft muss man nicht viele Worte verlieren. So kurz vor Beginn der Saison in der MLB nimmt kaum jemand den Wettbewerb ernst. Nicht die guten Spieler. Und auch nicht das Publikum. Ja, wenn A-Roid gespielt hätte....

• Witali Klitschko hat sich mit seinem Sieg vom Wochenende wieder in den USA ins Gespräch gebracht. Das müde Box-Business braucht dringend Buzz. Aber eine solche Diskussion wird solche Geräusche wohl nicht provozieren.

5. Januar 2009

Lance: Weg aus Austin?

Der gebürtige Texaner Lance Armstrong, der im kommenden Jahr wieder viel Zeit auf dem Rad und auf der Straße verbringen will, möchte sich von seinem riesigen Anwesen außerhalb von Austin trennen. Die Preisvorstellung beträgt 12 Millionen Dollar. Die reizvolle Hintergrundgeschichte dazu findet man in diesem Blog, der als einer der ersten die Nachricht von den Verkaufsabsichten publiziert hat. Armstrong hat Streit mit den Nachbarn, bei dem es um einen großen natürlichen und tiefen Teich geht (Deadman's Hole), zu dem nur eine Handvoll von Anrainern Zugang hat. Sein Landschaftsgärtner hat vor ein paar Jahren mit einem Damm den Zulauf auf Armstrongs Riesengrundstück dramatischer verschlechtert. Dies wieder gerade zu rücken, kostete sehr viel Geld. Der Teich war angeblich in der Zeit der Krebstherapie der große Ruhe-Pool für den Rekonvaleszenten, der zwischendurch verlauten ließ, dass er wieder Vater wird. Der Besitz war übrigens zwischendurch Austins größter Wasserverschwender.

P. S.: Shaquille O'Neal, der schon seit geraumer Zeit seine Villa in Miami los werden will – erst recht nachdem er in der letzten Saison nach Phoenix abgegeben wurde – zeigt sich preislich flexibel. Nun will er nur noch 25 Millionen Dollar haben. Die Zahl wirkt allerdings immer noch vermessen. Erst neulich ist ihm ein ernsthafter Interessent davongelaufen, der nicht mal 19 Millionen Dollar bezahlen wollte. Miami gehört neben Las Vegas, Phoenix und dem Süden von Kalifornien zu den am härtesten betroffenen Gebieten des angeschlagenen amerikanischen Immobilienmarktes und dürfte noch nicht das Ende des allgemeinen Preisverfalls gesehen haben. Weder in der Oberliga der Super-Mansions noch in der Kategorie der ganz normalen Wohnhäuser.

28. September 2008

Die Aura des Befreiten


Man kann nicht überall sein. Leider. Aber es sieht so aus, als ob unsereins die interessantere Pressekonferenz mit Lance Armstrong diese Woche verpasst hat. Die gehübschte Veranstaltung in New York aus Anlass der Clinton Global Initiative war allerdings sehr viel einfacher zu erreichen. Das bedeutete eine Fahrt, drei Stationen, mit der U-Bahn. Und danach ein Spaziergang durch den Central Park, um das Gehörte zu verdauen und um wenig später über den Auftritt zu berichten. Als Armstrong einen Tag später in Las Vegas saß (siehe Video), war denn auch im Prinzip das meiste schon gesagt und geschrieben. Aber halt: In Nevada bei der Interbike Messe saß niemand anderer als Greg LeMond in der ersten Reihe und stellte gleich die erste Frage.

Es ist ein interessantes Duell, das die beiden da öffentlich ausfechten. Denn LeMond, der einst den amerikanischen Straßenradsport aus dem Dornröschenschlaf geholt und dreimal die Tour de France gewonnen hatte, ist nicht irgendein Dopinggegner. Er ist der Mann, dessen langjähriger Vertrag über die Herstellung von teuren LeMond-Rädern von Radhersteller Trek gekündigt wurde, weil man seine Äußerungen zu Armstrong nicht länger hinnnehmen will. Schon gar nicht, nachdem man ihn schon einmal – 2001 – massiv an die Kandarre genommen und zu einer Entschuldigung genötigt hatte. Die beiden Parteien streiten sich vor Gericht.

LeMond läuft seit seinem Auftritt im Landis-Doping-Verfahren eine Aura des Befreiten herum. Die Taktik der Landis-Leute, die ihn mit Enthüllungen über seine Erfahrungen als sexuell missbrauchtes Kind unter Druck setzen wollten, scheint eher das Gegenteil produziert haben: ihn an sein kämpferisches Ich zu erinnern. Es gibt keine Berichte darüber, weshalb er sein Haus verkauft, in dem er noch vor einem Jahr der Londoner Times das Interview gab. Aber er braucht sicher auch Geld, um diesen Rechtsstreit in Montana zu finanzieren, wo sich in um den Yellowstone Club herum eine hässliche Gemengelage ergeben hat (Bei dem Club handelt es sich um einen Privatberg mit einem Gipfel in 3000 Metern Höhe im Bundesstaat Montana mit allem, was ein typisches amerikanisches Ski-Resort hat: viele Lifte, Pulver ohne Ende, aber alles exklusiv. Greg LeMond hatte sich hier 12 Hektar gekauft und einen Wohnkomplex aus sechs opulenten Holzfäller-Hütten errichten lassen).

Dass Armstrong übrigens so mir nichts dir nichts in Australien im Januar an einem Etappenrennen teilnehmen wird, glauben längst nicht alle. Diese AFP-Meldung streut Zweifel.

25. September 2008

Der Klingelbeutel: Weihnachtsmänner im September

• Gestern hat Lance Armstrong in New York an der Seite von Bill Clinton und anschließend bei einer Pressekonferenz seine Absichten erläutert, noch einmal in den Sattel zu steigen. Man hätte eigentlich über Bono schreiben sollen, der bei der Gelegenheit mal wieder ein richtiges Fass aufgemacht hat, um das Land anzurempeln, in dem man locker mal 700 Milliarden Dollar auftreibt (10.000 Dollar pro Privathaushalt), um die Weihnachtsmänner von Wall Street zu beschenken, aber fast nichts für die Armen im Rest der Welt. Aber die Aufgabenstellung war eine andere: Es ging darum, über den Auftritt des Sportlers zu berichten.

• Die Entwicklung Richtung Internet im amerikanischen Livesport schreitet voran. USA Today beschäftigt sich mit der Entwicklung in Sachen Streams in der National Football League und der National Hockey League.

• Stephon Marbury tut so, als könne er nicht nur den Knicks noch viel Gutes tun, sondern dem ganzen Planeten. Von den 22 Millionen Dollar, die ihm für die kommende Saison laut Vertrag zustehen, wird er natürlich auch nichts abgeben. Selbst wenn er auf den Bank versauert. Er sollte mal mit Allen Iverson reden, den in der klaren, kühlen Höhenluft am Fuß der Rocky Mountains eine Vision erreicht hat, die nichts anderes sagt als: Basketballer sind ersetzlich. Selbst solche, die ohne jeden Selbstzweifel durchs Leben gehen.

9. September 2008

Auch Enten werfen Schatten

Manchmal sieht man erst nur einen langen Schatten und erst danach kommt die ganze Person in den Blick. So wie gestern im Fall von Lance Armstrong. Sein Schatten ist riesig und verfügt über die magische Kraft, ganze Heerscharen von Reportern an die Computer zu treiben. Aber von ihm selbst haben wir noch immer nichts gesehen oder auch nur gehört. Also warten wir auf eine Antwort auf die Frage, die auf das von VeloNews in die Welt gesetzte Gerücht zurückgeht: Kehrt er im kommenden Jahr mit 37 tatsächlich zurück ins Renngeschäft? Oder handelt es sich hier um eine Ente (auch Enten werfen Schatten)? Den Zwischenstand beschreibt dieser Bericht für die FAZ. Es folgt mehr, sobald es – wirklich – Neues gibt.

Nachtrag: Es gibt Neues. Das Comeback ist beschlossene Sache.

5. September 2008

Armstrongs Wanne macht sie alle nass

Unter den Tauben muss der Eineiige wohl König sein. Oder wie sagte Lance Armstrong neulich einer Reporterin des Magazins Men's Journal, als das Thema auf sein Sexualleben kam? Damals als er nach seiner Operation und der Chemotherapie professionell mit dem Rad unterwegs war, da kämpfte er zwar mit Müdigkeit, wenig Testosteron und einer abgeschwächten Libido. "Aber wissen Sie, ich habe nie Beschwerden bekommen." Seltsamerweise wird das Thema in dem vorab bei der Huffington Post aufgegriffenen Auszug überhaupt nicht im Kontext seiner Hodenkrebs-Vorgeschichte betrachtet. Der Mann wurde 1996 operiert und machte damals keinen Versuch, irgendein Detail zu verschweigen.

Hingegen, wenn heute das Gespräch auf seine berühmten (Ex-)Freundinnen kommt, hält er sich lieber zurück. Dabei wollen die Medien doch eigentlich gar nichts anderes wissen, als: Wie war es mit Tory Burch, wie mit Sheryl Crow, wie mit Kate Hudson? Und gab es wirklich keine Beschwerden? Alles, was wir erfahren, ist ein Spruch über seine Badewanne: "Mädchen mögen die Wanne." Vielleicht ist das sein Geheimnis? Oder nur die Erklärung für diese Geschichte über den enormen Wasserverbrauch in seiner Villa in Austin/Texas?

Manche Sportler arbeiten übrigens weit weniger subtil am Objekt: Michael Phelps zum Beispiel scheint das Grapschen zu mögen.

15. August 2008

Lance läßt's richtig laufen

Man darf davon ausgehen, dass Lance Armstrong schon immer sehr viel Wasser verbraucht hat. Das gilt als eine Methode, um bei den Uringaben fürs Dopinglabor die Werte zu verdünnen.
Aber diese Geschichte geht dann doch zu weit: In Armstrongs Zuhause in Austin/Texas sind im Juni rund 15 Liter Wasser pro Minute durch die Leitung gelaufen. Am Ende waren das für den Monat umgerechnet etwa 800.000 Liter oder 800 Kubikmeter. Oder anders gesagt: Das ist die Menge, die 26 normale Haushalte in Austin zusammen verbrauchen. Keiner in der texanischen Hauptstadt zapft mehr aus der Leitung. Armstrong tat gegenüber der Ortszeitung so, als habe er keine Ahnung, was da auf seinem Grund und Boden passiert. Aber erklärte, dass er sich darum kümmern wolle. Niemand möchte sich gerne öffentlich in seiner Heimatstadt als Verschwender brandmarken lassen. Immerhin verzichtete er auf seine klassische Argumentation, mit der er jeden noch so konkreten Dolpingverdacht stets von sich wies: Dass irgendein Labor/Journalist/ganzes Land ihm an die Karre fahren wolle (via Gawker)

21. Mai 2008

Ave Lance

Wann der Konvent stattgefunden hat und wie die Abstimmung vonstatten ging, wurde bislang nicht bekannt. Aber es muss irgendeine Veranstaltung gegeben haben, bei der Lance Armstrong zum Sprecher "aller Krebs-Überlebenden" ausgerufen wurde. Und in dieser Rolle wird er nun den Rest seines hoffentlich noch langen Lebens Propaganda betreiben. Oder hat er sich diese Rolle einfach angemaßt? So wie er im Rahmen seiner Selbstdarstellungsbemühungen auf dem Rad auch nur nach einer Pfeife getanzt hat - der eigenen.

Aber reden wir nicht schon wieder über Doping. Vor einer Woche gab es übrigens einige ermutigende Nachrichten aus der US-Pharmaindustrie. Es gibt neue Wirkstoffe und Kombinationsanwendungen mit älteren, die bei einigen Krebsarten die Chancen der Patienten erheblich verbessern. Die Anstrengungen scheinen aber auf Kosten der Basisforschung in den Laboren zu gehen. Was einigen Fachleuten Sorgen bereitet. Die Nachricht von der Tumorerkrankung von Senator Edward Kennedy hat dem Thema neuen Wind gegeben. Für Fälle wie ihn gibt es nämlich offensichtlich keine Hilfe von der Pharma-Industrie.

29. März 2008

Die neue Frau an seiner Seite

Wir wissen, welche Art von Domestiken Lance Armstrong gut fand. Wir wissen, welche Frauen ihn interessieren. Und welche Ausdauersportarten ihm eine Herausforderung bieten. Und nun wissen wir auch, in welche Art von Kunst er investiert. 20.000 Dollar war ihm diese Skulptur der amerikanischen Künstlerin Morgan Herrin wert. Der Galerist war froh, dass jemand von dem Kauf Notiz nahm.

21. Februar 2008

Wenn der Pendler mit dem Velociped...

Das Leben geht weiter - auch ohne Lance Armstrong. Aber immer mal wieder taucht sein Name auf. Zum Beispiel bei der Konferenz von Sportnetzwerk und dem Institut für Journalistik der TU Dortmund, wo David Walsh erzählte, wie schwierig es ist, einem Mann etwas nachzuweisen, der zu den besten Vertuschern der Welt gehört. Die Nachricht heute ist harmloser. Armstrong will im Mai in Austin/Texas einen Fahrradladen aufmachen, weil er eine Marktlücke im Zentrum seiner Heimatstadt gesehen hat: die Pendler auf dem Velociped, die verschwitzt und verdreckt im Büro ankommen. Die dürfen dann bei ihm - Mellow Johnny's - absteigen und duschen. Dopen dürfen sie wohl nicht (via Deadspin). Kuriose Duplizität: Wer auf der Seite von Macrochip landet, wo die Geschichte steht, bekommt auch noch eine Banneranzeige mit Sheryl Crow serviert (oder steckt da eine Absicht dahinter, damit die Ex-Verlobte ihre neue CD bei der richtigen Zielgruppe los wird?)

3. Oktober 2007

Der geistige Erbruch vom Herrn Armstrong

Irgendwo genau zwischen den Augen unter hinter der Stirn muss eine Stelle in meinem Gehirn sitzen, an der die ganze Arschigkeit von Lance Armstrong noch jedes Mal einen Impuls auslöst, sobald der Mann nur den Mund aufmacht und die Nachricht über den geistigen Erbruch über den Bildschirm kommt. Es ist wahrscheinlich pathologisch. Denn eigentlich könnte einem ein Radrennfahrer aus Texas so was von egal sein. Genauso wie in jener Zeit, als er noch keinen Krebs hatte und noch nichts bei der Tour de France gewonnen hatte und noch nicht dieses Prinzip an den Tag legte, wonach seine Logik die verbindliche sei. Und ich meine Logik mit Anführungszeichen. Denn mit den Grundsätzen abendländischer Denkkultur hat das nur die Sprache und Grammatik gemein, nicht jedoch die Reflektion über Konstellationen wie Ursache und Wirkung, Wissenschaft und Forschung, und unser Rechtsverständnis, das sehr viel feinsinniger daher kommt, als sich das in dem Grundsatz manifestiert: im Zweifel für den Angeklagten.

Aber Armstrongs Logik hat Durchschlagskraft. Am Anfang konnte er behaupten, die negativen Tests seien Beweis dafür, dass er nicht dedopt war. Als Tests von altem eingefrorenen Urin belegten, dass er gedopt war, attackierte er den Modus des Verfahrens. Als ihm eine Versicherung mehrere Millionen Dollar schuldete, attackierte er im Zivilprozess die Glaubwürdigkeit der Zeugen, die hinreichend Indizien für seine Vorgehensweise vorgebracht hatten, und einigte sich gütlich. Die Nebelkerzen seiner angeblichen Verleumdungsprozesse gegen Buchautoren in Europa sind alle abgebrannt. Der von ihm zum Extrem-Buhmann hochstilisierte Dick Pound von der Wada tritt ab. Was bleibt noch? Wie wär's mit einem ganz frischen Statement darüber, dass ein normales amerikanisches Zivilgericht mit Geschworenen, also etwa das, was gestern Knicks-Coach Isiah Thomas in New York verurteilt hat, dem Sportbetrüger Floyd Landis einen Freispruch besorgt hätte. Die damit verbundene Unterstellung: Ein Schiedsgerichtsverfahren wie das gegen Landis sei nicht fair: "Wenn du gegen jemandem ein Todesurteil verhängst, was sie hier im Grunde getan haben, dann kannst du keine schlampige Arbeit akzeptieren, was sie eindeutig getan haben."

Der Skandal besteht eigentlich darin, dass solch ein Unsinn auch noch von Associated Press verbreitet und nicht relativiert wird. Nichts an dem Schiedsgerichtsverfahren war fehlerhaft. Es basiert auf amerikanischen Rechtsnormen. Es wird in anderen Bereichen von Wirtschaft und Gesellschaft tagtäglich angewandt, solange sich die beiden streitenden Parteien auf diesen Regelungsmechanismus einigen können. Landis hat 2 Millionen Dollar für seine Verteidigung ausgegeben. Das einzige, was an dem Resultat nicht gepasst hat, war das....Resultat.

Armstrongs Absicht geht vermutlich in zwei Richtungen: Er will das existierende Antidoping-System desavouieren, weil es ihn ins Zwielicht gerückt hat. Und er will seinen Ex-Domestiken Landis öffentlich unterstützen, damit der nicht eines Tages doch noch auspackt und erzählt, wie es damals im Team von United Postal Service war. Denn Landis würde das helfen, weil er sich damit eine kürzere Sperre einhandeln könnte. Aber Armstrong wäre der Gelackmeierte. Aber sicher auch dann noch hätte Lance irgendetwas aufzubieten, um eine solche Enthüllung als Erfindung zu brandmarken. Hat man dem Mann damals bei der Tumoroperation frankensteinmäßig am Hirn herumgefummelt?

24. Februar 2007

Basso-Premiere bei Discovery Channel im Schatten von Leipheimer

Foto: flickr/creativecommons/Jeff Archer

Die Tour of California geht am Sonntag zu Ende. Und zwar programm- und standesgemäß. Der Amerikaner Levi Leipheimer, der im letzten Jahr für Gerolsteiner fuhr und nun bei Discovery Channel unter Vertrag steht, liegt vorne und sollte das einwöchige Etappenrennen gewinnen. Die New York Times meldet, das der Wettbewerb, der mit einem Zeitfahren in San Francisco begann und nach Long Beach außerhalb von Los Angeles führt, mehr als eine Million Zuschauer angelockt hat. Offensichtlich hat sich in Kalifornien der Rennrad-Virus enorm verbreitet, eine Folge der Erfolge von Lance Armstrong in Frankreich. Armstrong ist am Discovery-Channel- Verwicklungen in den noch immer ungeklärten spanischen Dopingskandal umstritten. Obwohl er von den Aufsichtsgremien in Italien einen Persilschein erhielt. Er gilt seit Jahren als guter Freund von Armstrong.Team beteiligt und muss demnächst wieder nach einem neuen Sponsor suchen. Der Fernsehsender hat seinen Abschied vom Radsport bereits angekündigt. Vorher will das Team mit dem Italiener Ivan Basso bei der Tour de France und dem Giro d'Italia möglichst viel Eindruck schinden und Geld einspielen.

Das Rennen wurde von einem Mini-Skandal eingeläutet: Hauptsponsor Amgen, der Hersteller des Dopingmittels EPO fand heraus, dass das während der Erstauflage des Rennens vor einem Jahr nicht auf EPO getestet wurde. Man setzte die Veranstalter unter Druck: "Wir haben klar gemacht, dass Amgen nur dann weiter mitmacht, wenn das Rennen sauber ist und auf EPO getestet wird", sagte eine Firmensprecherin. "Wenn jemand bei dieser Veranstaltung EPO nimmt, wollen wir es wissen."

Das ist wohl das Mindeste. Der zusätzliche Test sorgt zwar für eine Verdopplung des Postens "Laborkosten" - von rund 10 000 auf 20 000 Dollar. Aber er ist immer noch minimal im Vergleich zu dem, was an Preisgeldern an die Fahrer ausgeschüttet wird: mehr als 150 000 Dollar.
Blick zurück: Mehr zur Basso-Verpflichtung

12. Februar 2007

"Armstrong hat einen Regenwald auf dem Gewissen"

Hinter der Kulisse von Sport üben sich eine unglaubliche Menge an gesichtslosen Funktionären in Trainingseinheiten aus dem Repertoire von Pfarrer Kneipp - vor allem Wassertreten ist sehr populär. Man kann nicht untergehen dabei. Es macht plitsch-platsch. Aber kaum hat man das Becken verlassen, in dem man soeben noch scheinbar kräftig Wellen warf, gibt es keine Spur mehr von der Aktivität. Da loben wir uns doch Richard Pound, den Anwalt aus Montreal, der als Chef der Welt-Doping-Agentur WADA gerne ganz andere Sportarten praktiziert. Kampfsportarten zum Beispiel. Hier der jüngste Hieb, aufgezeichnet von und publiziert in der New York Times:
"Lance Armstrong hat wahrscheinlich einen brasilianischen Regenwald auf dem Gewissen angesichts all des Papiers, das er verbraucht hat, um Beschwerden gegen mich einzureichen. Er ist durchgedreht. Er hält die ganze Sache am Leben, die er lieber ruhen lasen sollte, dass nämlich ein französisches, offiziell anerkanntes Laboratorium herausgefunden hat, dass er 1999 sechs Proben abgeliefert hat, die EPO-positiv sind. Vielleicht denkt er, dass das alles verschwindet, wenn er sich aufbläst und schnauft. Aber das wird es nicht."
Pound musste was sagen angesichts des Schreibens, das er von der IOC-Ethikkommission erhalten hatte, die den Kanadier ermahnte, mit seinen Äußerungen doch etwas vorsichtiger zu sein. Armstrong lief daraufhin herum und feierte die interne Kritik als riesigen Erfolg. Dabei hatte er gefordert, dass Pound seinen Stuhl bei der WADA räumt. Armstrong betrachtet sich - in bester Athleten-Tradition - als verfolgte Unschuld und konnte dies auch bisher mit viel Erfolg in den USA ausspielen.

11. Februar 2007

Die SportsCenter-Werbespot-Serie: Folge 5

Es war an der Zeit, mal wieder einen dieser kuriosen ESPN-SportsCenter-Werbespots aufzulegen. Es brauchte allerdings einen Anlass. Der wurde heute gefunden: Die Sendung strahlt soeben ihre 30.000. Folge aus - in einem aufgespeckten Jubiläumsformat. Wer ist treibende Kraft hinter alle dem: Der Athlet.

6. November 2006

Marathon zum Zweiten: Armstrongs Schaulaufen

Der Bericht über Lance Armstrongs Auftritt beim New York Marathon erscheint in der Dienstagsausgabe der FAZ. Das liegt an den Druckterminen der Zeitung, die jeweils am späten Nachmittag Redaktionsschluss hat und so bei Ereignissen aus Amerika oft erst einen Tag später nachziehen kann. Der Bericht wurde im Laufe des Montags von der Online-Redaktion hochgeladen. Auf der Titelseite als Aufmacher der drei Sportmeldungen (da wird er sicher bald wieder verschwinden) und auf Platz eins der Sportseite (auch diese location ist nie von Dauer). Deshalb hier das Link, mit dem man auf geradem Weg beim Artikel ankommt. Und hier das Link zum Vorbericht, der in der Samstagsausgabe veröffentlicht wurde.