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5. Januar 2010

Nowitzki Statitzki

Mavericks vs. Blazers
Wenn man denn schon unbedingt muss und nicht anders kann und die Bedeutung eines Basketballspielers von den Leistungswerten aus der Statistik ableiten will, dann ist diese Betrachtung der NBA-Karriere von Dirk Nowitzki auf BallinEurope.com gar nicht so schlecht. Sie bemüht sich um Ausgewogenheit und zeigt, dass mit Pau Gasol bereits ein aussichtsreicher Kandidat für den Titel "bester Europäer aller Zeiten in der NBA" bereit steht. Noch allerdings geht dieses Premium-Siegel an den Deutschen.

Die vielen Referenzwerte, die da übrigens zu Rate gezogen werden - darunter der überbewertete Index von Herrn Hollinger, genannt Player Efficiency Rating (PER) – zeigen im Grunde nur eines: Genauso wie bei der klassischen Bewertung eines Spielers aus dem Bauch heraus sehr viele Kriterien zusammenkommen, die zusammen ein Bild ergeben, kann man auch mit Statistiken jeden Vorbehalt und jede Sympathie abstützen. Es kommt immer darauf an, was man wichtig findet. Interessanteste Beobachtung vom Geschehen in dieser Saison: Wenn Nowitzki für die Dallas Mavericks auf dem Platz steht, sorgt das Team für Vorsprung und Punktepuffer. Wenn er auf der Bank sitzt, laufen die Ersatzspieler dem Gegner jedes Mal nur hinterher. Die Mavericks brauchen offensichtlich stärkere Reserven, sonst fehlt ihnen in den Playoffs das gewisse Etwas.

31. Mai 2009

Wenn die andern um den Titel spielen

Dies ist der Basketballspieler, für den Mark Cuban nichts übrig hatte (oder zumindest nicht genug). Und so bemühte er sich nicht um ihn (oder zumindest nicht genug) und überließ ihn den Los Angeles Lakers, wo er zum entscheidenden Puzzle-Stück in einer Mannschaft wurde, die ohne ihn keine Chance auf die NBA-Meisterschaft gehabt hätte.

Dies ist die Würdigung für diesen Basketballspieler aus der Feder von Peter Vecsey von der New York Post, der normalerweise alles und jeden niedermacht.

Dies ist der Spieler, den Mark Cuban dann statt dessen für eine enorme Summe und im Rahmen eines Megatrades nach Dallas holte, weil er sich keinen anderen Rat wusste.

Dies ist die Villa außerhalb von Seattle von einem Free Agent, der sicher gerne nach Dallas gekommen wäre, wenn die Kohle gestimmt hätte. Und dies ist die Mannschaft gegen die der Basketballspieler, von Memphis zu den Lakers ging, in seiner zweiten Finalserie in Folge antreten wird.

Und dies ist die Lage von Mark Cuban: Er denkt darüber nach, ob er seinem teuersten Spieler, der inzwischen stolze 36 Jahre alt ist, einen lukrativen Vertrag anbieten soll. Warum eigentlich nicht? Wer so gerne im Trüben fischt, sollte nicht nur deshalb von seiner Politik abweichen, nur weil die anderen den größeren Fang an Land ziehen.

5. Februar 2008

Pau-Wow in La-La-Land

Der zweite massive Trade der Saison in der NBA zeigt ganz direkt und deutlich Wirkung. Pau Gasol war in seinem ersten Spiel nach dem Wechsel von den Memphis Grizzlies zu den Los Angeles Lakers ein wichtiger Faktor. 105:90 gegen die New Jersey Nets. Produktionsanteil: 24 Punkte.

Gasol sieht zwar in diesem Halbgalopp immer so aus, als ob er kurz davor ist, über sein eigenen Beine zu stolpern oder als ob er den eckigen Gehstil von seinem neuen, hüftlahmen Trainer Phil Jackson imitiert. Aber der Eindruck täuscht. Der Mann hat ein Auge für seine Nebenleute und einen guten Zug zum Korb. Man nennt so etwas einen hohen Basketball-IQ. Und der Spanier passt in die Mischung. Die Western Conference hat damit einen klaren neuen Favoriten erhalten. Die Lakers sind in dieser Kombi in den Best-of-Seven-Playoff-Serien nicht zu schlagen. Fernsehmann Marv Albert, der das Spiel gegen die New Jersey Nets übertrug, berichtete hinterher, dass Kobe happy ist. "Es gibt einen Gott", soll er gesagt haben. Das muss dann der gleiche Gott sein, der Shaq nach Miami transferierte und jetzt die Ungerechtigkeit seines Tuns einsieht. Oder gibt es am Ende doch mehrere?

Gasol ist 2,13 Meter groß und erst ganze 27 Jahre alt. In Memphis wäre er versauert. Jetzt kann er wirklich zeigen, was er kann.

21. Februar 2007

Tauschbörse NBA: Wer will noch mal, wer hat noch nicht?

Foto: flickr/creativecommons/Zac-Attack

Donnerstag, 22. Februar, 15 Uhr Eastern Standard Time, ertönt der Gong. Dann sind entweder alle kleinen und großen Tauschspielchen der Manager in der NBA unter Dach und Fach. Oder sie finden nicht statt. Wer bis dahin keine Vereinbarung hinbekommen hat, muss bis zum Ende der Saison warten, ehe er wieder im großen Stil an seinem Kader herumbasteln kann. Ein paar bekannte Namen werden zur Zeit immer wieder gehandelt: Jason Kidd und Vince Carter von den New Jersey Nets und Pau Gasol von den Memphis Grizzlies. Für die Spekulationen gibt es viele Gründe. Auf sie im einzelnen einzugehen, ist ziemlich müßig. Denn man müsste zuerst in jedem Einzelfall erklären, weshalb sich ein Team von einem Leistungsträger und Publikumsfavoriten trennen sollte (und das, obwohl nicht mal klar ist, ob das überhaupt die Intention des Clubs ist.)

Interessant allerdings ein Artikel von Statistik-Guru John Hollinger in der New York Sun von heute, der sich mit der Frage beschäftigt, weshalb die Manager für die Trades immer bis auf den letzten Drücker warten: die kurze Antwort: Weil die Teams, die sich einen Star angeln wollen, nicht schon früh ihre Karten auf den Tisch legen wollen. Denn der Club, der einen großen Namen zu bieten hat, kann natürlich pokern und einzelne Interessenten gegeneinander ausspielen - immer auf der Suche nach dem attraktivsten Gegenwert. Wenn die Uhr laut und vernehmlich tickt, werden die Gespräche kürzer. Die Vorschläge, die hin und her kommuniziert werden, werden konkreter. Hollinger nennt ein paar Namen von Spielern für denjenigen, der sich etwas mehr mit der Materie beschäftigen will.

Die meisten Spekulationen drehen sich um simple Tauschkonstellationen zwischen zwei Teams. In der NBA gibt es allerdings immer wieder regelrechte Monster-Trades, bei denen drei oder mehr Teams eine gemeinsame Vereinbarung treffen. Die Liga hat eine Webseite mit den umfassendsten Trades aller Zeiten. Der Rekord steht bei 13 Spielern und fünf Clubs bei einem Deal im Jahr 2005. Niemand, der damals herumspekulierte, sah eine solche Kettenreaktion voraus.

20. Februar 2007

Der Fall Sam Smith: Auf dem hohen Ross mit dem Kopf im Sand

Der alte Mann mit dem Schnäuzer hat schon seit ein paar Jahren den Absprung verpasst. Damals, Anfang der neunziger Jahre, als Michael Jordan und die Chicago Bulls einen Titel nach dem anderen gewannen und er zwei Bücher auf den Markt warf - das erste (Titel The Jordan Rules) war richtig gut, das zweite gut genug, um ignoriert zu werden - wirkte er wie einer der Kardinäle der Zunft. Ein Basketballjournalist, den Kollegen leise um Interviews baten, weil sie von seiner Weisheit naschen wollten. In den 15 Jahren danach hat sich die Erde tausendfach gedreht. Die Bulls mussten auf Jordan verzichten, bekamen ihn zwischendurch wieder. Die Fans in Chicago sahen ihn erneut in den Ruhestand gehen, um sich dann ausgerechnet in Washington noch einmal zu quälen. Mussten erleben, wie Trainer Phil Jackson frustriert davonzieht und in Los Angeles drei NBA-Titel einsackt. Durften verfolgen, wie der klitzkleine Manager Jerry Krause, genannt Krümel, alles auseinanderhaute, was mal eine Ära war. Und sie bekamen mit, wie ihre Zeitung, Sam Smith's Arbeitgeber - die Chicago Tribune - in einem merkwürdigen Wahn aus Sparen und der Ambition, zu einem dicken fetten Medienkonzern zu werden, an Spannung verlor. Leblos wurde. Die Second City, die sich gerne als Arbeiterstadt mit den breiten Schultern gibt, hatte mit ihrem charismatischen Basketball-Team auch den Blick aufs Ganze verloren.

Das hat Sam Smith noch nie davon abgehalten, über das große Ganze so zu schreiben, als ob es noch irgendjemand interessiert, 15 Jahre später, was er sieht, wenn er auf der Suche nach dem nächsten großen Thema seine alten, gut gepflegten Kontakte nutzt. Wenn man liest, dass er sich am Rande des All-Star-Wochenendes in Las Vegas einen Teil seiner Pau-Gasol-Informationen von aus dem fernen Spanien angereisten Journalisten besorgte, muss man sich allerdings wundern. Am Donnerstag ist Trade-Deadline für diese Saison. Den Chicago Bulls und den Memphis Grizzlies wird nachgesagt, dass sie ideale Partner sind, um das Talent Gasol aus dem sportlichen Sumpf am Ufer des Mississippi herauszuziehen. Aber alles, was Smith am Montag zu berichten wusste, war, dass das Management der Bulls ziemlich entspannt aussieht. Vielleicht gibt es keine ernsthaften Gespräche? Wer weiß?

Normalerweise wäre ein Wechsel von Gasol nach Chicago mehr als business as usual. Es wäre nach dem Abschied von Iverson in Philadelphia (jetzt spielt er bei den Denver Nuggets) der am meisten beachtete Transfer. Er würde die noch sehr unerfahrenen und launischen Bulls in vielen Belangen besser machen. Und er wäre ein Anzeichen dafür, dass das Schwergewicht der Kräfte, das zur Zeit massiv die Western Conference bevorteilt, sich wieder in eine andere Richtung einpendelt. "Es ist nichts im Schwange", schrieb Smith. "Aber du kannst dir vorstellen, dass es einen letzten Versuch am späten Mittwochabend oder am Donnerstagmorgen geben wird." Was für ein Scoop.....

Was einen an Smith inzwischen noch mehr stört als seine bräsige Schläfrigkeit, ist sein jüngster Erguss zur Sport-Blogosphäre in den USA. Nachdem er am Samstag standfest behauptete, "Ich lese keine Blogs" und die ganze Zunft so charakterisierte, als bestände sie aus irgendwelchen Typen, die nicht recherchieren, sondern "in ihrem Keller in ihrer Unterwäsche sitzen und etwas schreiben", wurde er vom sehr hoch eingeschätzten Dan Steinberg vom D.C. Sports Bog der Washington Post hops genommen. Der wies Smith auf wenigen Zeilen nach, dass er sehr wohl Blogs liest: Denn er kupfert nachweislich von ihnen ab und zwar ohne die Quellen ordnungsmäßig zu nennen.

Diese Übung - gleichzeitig auf dem hohen Ross sitzen und den Kopf in den Sand stecken - verlangt mehr Gelenkigkeit und Gedankefrische, rhetorische Kühnheit und schlichtweg Chuzpe als der alte Mann mit dem Schnäuzer noch zusammenbringt. Er ist eines der ersten sich klar abzeichnenden Beispiele dafür, wie die klassischen Beat-Reporter mit dem großem Anspruch, einmal am Tag etwas Lesenswertes abzusondern, in den großen Städten Amerikas den Weg alles Irdischen gehen werden. "Eine dahinsiechende und sterbende Gattung, die bald unter dem Hügel aus [Adjektiv unverständlich, weil es einen Tippfehler enthält] Anspielungen begraben sein wird, die sie nicht versteht" (Steinberg). Smith ist 59 Jahre alt.

Nachtrag und Korrektur: Steinbergs Originalzitat enthielt keinen Tippfehler. Es handelte sich um das Slangwort "pwned", was aus der Sprache der Videospieler kommt und dort so viel bedeutet wie jemanden deutlich besiegen oder auch die eigene Überlegenheit dem Gegner unter die Haut reiben. Dieses Wort in diesem Zusammenhang akkurat zu übersetzen, ist allerdings eine Kunst. Der Hinweis kam von Dan Steinberg selbst. Gut, wenn man mit dem Autor kommuniziert (siehe auch diesen Post).