
Vielleicht wäre ein Ende mit Gejammer für die deutschen Footballfans besser als ein Gejammer ohne Ende. Denn die National Football League ist wirklich kein guter Partner in Sachen Loyalität. Das abrupte Ende des Unternehmens "NFL Europa" hat gezeigt, wie man in New York das Interesse von tausenden in der einzigen wirklichen Hochburg der Sportart außerhalb der USA bewertet: als unbedeutend. Und wie man den deutschen Steuerzahler einstuft, der die großen Stadien finanziert und mit dem Kauf von Eintrittskarten am Laufen hält, wissen wir jetzt auch: Das ist der nützliche Idiot, der der Liga das Stadion gefälligst kostenlos zu überlassen hat. Immer nach dem Motto: Wir sind der mächtigste und umsatzträchtigste Sportbetrieb der Welt. Wenn wir kommen, wollen wir nicht nur den roten Teppich, sondern auch alle Einnahmen. Und obendrein bitte auch die Reise- und Unterbringungkosten für die anreisenden NFL-Teams und die Repräsentanten der Liga. Das ist uns der deutsche Steuerzahler schuldig, weil wir ihm die Gnade unseres hohen Besuch erweisen.
Nichts anderes als diese imperiale Haltung muss man aus dem Bericht in der
Frankfurter Neuen Presse herauslesen (via
allesaussersport), der beschreibt, wie man in Frankfurt auf das Aus der Galaxy und die Hoffnungen auf ein NFL-Match in der Stadt reagiert hat. Es kann schon sein, dass man - im Unterschied zu Mainhattan - in anderen deutschen Städten mit Football-Tradition derart unanständige Anträge der NFL nicht gleich und geradewegs zurückweist. Es wird immer wieder Lokalpolitiker mit Profilneurose geben, die das finanzielle Raison d'être eines Stadions (die Refinanzierung durch den Bau entstandener enormer öffentlicher Ausgaben) selbst in Zeiten hoher Staatsverschuldung ignorieren. Aber so viele Städte kommen für ein NFL-Match auf deutschem Boden aufgrund logistischer Fragen gar nicht in Frage. Die Flugverkehrsanbindung von Städten wie Hamburg oder Berlin an die USA ist undiskutabel.
Frankfurt hingegen bleibt deshalb der einzige sinnvolle Austragungsort. Gut, dass man sich dort nicht in die Tasche fassen lässt. Die NFL wird erst dann bereit sein, sich von ihrem hohen Ross abzuseilen, wenn sie erkennt, dass niemand ihre Forderungen akzeptiert. Und wenn nicht, soll sie doch nach China gehen oder nach Japan, in das Land des amtierenden Football-Weltmeisters und Ausrichters der am Samstag begonnenen WM. Dort ist man vielleicht so subaltern drauf und gibt der Liga, was sie will.
A propos: Die Japaner haben im Auftaktspiel der WM die Franzosen mit 48:0 abgeledert. Die Deutschen legten in der anderen Vorrundengruppe ebenfalls vor: mit einem 35:2 über Südkorea. Die USA tritt am Dienstag zu ihrem ersten WM-Spiel überhaupt an und spielt am Donnerstag gegen Deutschland. In der Montagausgabe der
FAZ (Print) wird eine Betrachtung von dieser Warte aus zum Thema "Amerikaner erstmals bei der Football-WM" erscheinen. Sollte sie online gehen, wird sie verlinkt.