Tief in seiner neuen Kolumne bei si.com hat Grant Wahl eine überraschende Petitesse versteckt:
"...imagine my surprise last week when I received offers for two all-expenses-paid trips (flights, hotels, meals) to South Africa: one in March by the South African World Cup organizing committee, and the other in April by official sponsor airline Emirates. (That one included business-class seats and a posh stop-over in Dubai.) Just so you know, SI has an ethics policy that forbids accepting such freebies, but the perks on offer are mind-blowing...."
Mal abgesehen, dass es Journalisten durchaus immer wieder solche Einladungen erhalten und auch annehmen, weil sie im Unterschied zu dem strengen Reglement im Verlag Time-Warner (zu dem Sports Illustrated gehört) nicht an solche Vorschriften gebunden sind: Wie nötig haben die Leute vom WM-Organisationskomitee und die Leute von der Sponsor-Luftverkehrsgesellschaft solche Public-Relations-Initiativen? Geht schon jetzt die Furcht bei den Verantwortlichen umher, dass die WM in Südafrika ein Schlag ins Prestige-Kontor wird, so dass man vorsorglich schon mal gutes Wetter machen will? Im selben Artikel kündigt Wahl übrigens an, dass sein Magazin vier Reporter zur WM schicken wird, so viele wie noch nie. Was sicher gerechtfertig ist, angesichts der Informationspipeline si.com und deren Konkurrenzsituation im Kampf gegen ESPN, Yahoo und FoxSports.
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22. Februar 2010
30. November 2009
Wie man sich lächerlich macht
Die einstmals ziemlich angesehene Sportzeitschrift Sports Illustrated arbeitet seit Jahren an einem Sinkflug, der nur zum Teil auf die Anziehungskraft des Internets zurückzuführen ist. Und auch nur zum Teil auf die Anstrengungen von ESPN, wo man mit einem zweiwöchentlich erscheinenden Magazin der wöchentlich publizierenden Konkurrenz auf den Fersen ist. So wie der Spiegel nie von Focus ernsthaft in Sachen journalistisches Angebot in die Enge getrieben wurde, sondern zu seinem eigenen größten Feind wurde, so hält man es auch bei SI: Was man selbst erledigen kann, das tut man. Und sei es die eigene Entleibung. Seppuku auf Raten, ganz stilvoll und ganz langsam. Wenn auch allerdings ohne den Charme der japanischen Samurai-Tradition, wo man mit dem Selbstmord im gesellschaftlichen Kontext seine Ehre wiederherstellen konnte.
Solche Selbstvernichtungsmechanismen ziehen in Redaktionen ein, sobald sie die wichtigste Währung ihres eigentlich überflüssigen Produkt ignorieren: ihre Relevanz. Im Fall von Sports Illustrated lässt sich das an einem simplen Beispiel zeigen. Da bemüht man sich seit ein paar Jahren, dem quer durch alle Sportarten betrachtet erfolgreichsten Athleten unserer Zeit den Titel "Sportler des Jahres" NICHT zu geben. So wurde in jenem Jahr, als die Miami Heat die Dallas Mavericks die NBA-Meisterschaft aus den Händen rissen, ein gewisser Dwayne Wade mit dieser Auszeichnung bedacht. Dann musste es unbedingt Brett Favre sein. Zwischendurch sah man sich genötigt, Schwimmer Michael Phelps zum Top-Mann des Jahres auszurufen. Und in diesem Jahr hat man auch wieder einen Pappkameraden gefunden: Derek Jeter von New York Yankees. Derek f...ing Jeter???
Irgendwo in der Internet-Walachei von si.com hat Redaktionsmitglied S. L. Price sanften Widerspruch deponieren dürfen. Es ist die simple Begründung dafür, weshalb man irrelevant wird, wenn man einen der besten Sportler aller Zeiten nicht würdigt. Schon gar nicht in dem Jahr, in dem er durch weitere Grand-Slam-Erfolge seinen Status zementiert hat.
Solche Selbstvernichtungsmechanismen ziehen in Redaktionen ein, sobald sie die wichtigste Währung ihres eigentlich überflüssigen Produkt ignorieren: ihre Relevanz. Im Fall von Sports Illustrated lässt sich das an einem simplen Beispiel zeigen. Da bemüht man sich seit ein paar Jahren, dem quer durch alle Sportarten betrachtet erfolgreichsten Athleten unserer Zeit den Titel "Sportler des Jahres" NICHT zu geben. So wurde in jenem Jahr, als die Miami Heat die Dallas Mavericks die NBA-Meisterschaft aus den Händen rissen, ein gewisser Dwayne Wade mit dieser Auszeichnung bedacht. Dann musste es unbedingt Brett Favre sein. Zwischendurch sah man sich genötigt, Schwimmer Michael Phelps zum Top-Mann des Jahres auszurufen. Und in diesem Jahr hat man auch wieder einen Pappkameraden gefunden: Derek Jeter von New York Yankees. Derek f...ing Jeter???
Irgendwo in der Internet-Walachei von si.com hat Redaktionsmitglied S. L. Price sanften Widerspruch deponieren dürfen. Es ist die simple Begründung dafür, weshalb man irrelevant wird, wenn man einen der besten Sportler aller Zeiten nicht würdigt. Schon gar nicht in dem Jahr, in dem er durch weitere Grand-Slam-Erfolge seinen Status zementiert hat.
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30. Oktober 2009
Wenn Dummheit bestraft wird
Es ist nicht ganz leicht nachzuvollziehen, worüber sich Kerry J. Byrne eigentlich beschwert. Da listet er zuerst in einem ellenlangen Artikel eine Reihe von statistischen Auffälligkeiten auf, die allesamt einen eindeutigen Trend bestätigen: Dass die 32 Clubs der National Football League in eine Zwei-Klassen-Gesellschaft zerfallen und dass die oft geäußerte Behauptung der Liga-Führung, man habe Ausgewogenheit ("parity") und Chancengleichheit in der NFL pure Propaganda ist. Und dann beschließt er diesen Beitrag mit der Feststellung, dass das gegenwärtige Regularium mit seinen strengen Salary-Cap-Regeln, den nicht garantierten Verträgen und einer ernormen Mobilität unter den Trainern und Spielern diesen Effekt hat: "Die NFL hat ein System geschaffen, das gut gemanagte Teams belohnt und schlecht gemanagte Teams bestraft. Die Colts, Patriots und Steelers verfeinern weiterhin jahrein, jahraus und eine erfolgreiche Saison nach der anderen dieses System. Die Browns, Lions und Teams (wie zuletzt) die Redskins machen Fehler bei ihren verzweifelten Entscheidungen abseits vom Spiefeld, die dafür sorgen, dass sie auf dem Platz nicht mithalten können."
Was genau ist daran so verwerflich, dass Dummheit für Misserfolg sorgt und Intelligenz für Super-Bowl-Siege? Nun Mr. Byrne sagt es uns: Früher hätten auch die schlecht geführten Clubs zwischendurch eine Chance gehabt, wenn sie kurzfristig viel Geld in die Mannschaft pumpten. Geld sei "der große Gleichmacher".
Wenn man so etwas unter der Rubrikenüberschrift Cold Hard Football Facts auf der Seite von Sports Illustrated liest, runzelt man erst mal die Stirn. Das Blatt, in dem einst Dr. Z. für die Auswertung der harten Fakten zuständig war und Peter King jeden Stein (und seinen schwergewichtigen Korpus) in Bewegung setzt, um den Lesern erhellende Informationen zu liefern, ist jetzt auch eine Anlaufstelle für Dummschwätzer?
Zunächst ist die Beobachtung, dass Denver, New England, Indianapolis und Pittsburgh in den letzten Jahren die NFL dominiert haben, nicht von der Hand zu weisen. Wobei wir aus New England wissen, dass man das geschafft hat, obwohl man ständig gute Spieler und Trainer ziehen lassen musste. Es ist auch richtig, dass Mannschaften wie Denver, Indianapolis und New Orleans in diesem Jahr ein Kunststück fertig gebracht haben, das es noch nicht gab. Drei Mannschaften, die nach sieben Spieltagen ungeschlagen sind.
Wer New Orleans sagt, sollte allerdings vielleicht auch erwähnen, dass diese Mannschaft einst weder mit viel Geld noch mit guten Worten irgendetwas Bemerkenswertes auf die Beine stellen konnte. Sie war das, was die Lions heute sind: abgrundtief schlecht. In sofern kam hier parity zum Tragen. Auch die Arizona Cardinals, die im Februar zum ersten Mal den Super Bowl erreichen konnten, waren früher einfach nur eine Fußmatte für die anderen Clubs. Zur Zeit muss man mit ihnen rechnen.
Erstes Fazit: Wer parity nur an einer Handvoll von Teams misst, die Super Bowls gewinnen, hat keinen Blick fürs große Ganze.
Zweitens: Wer die Tatsache ignoriert, dass die NFL mit 32 Mannschaften, aber nur 16 Spieltagen einen hochgradig manipulierten Spielplan hat, der versteht nicht das kleine Einmaleins der Tabelle. Gute Mannschaften haben nicht nur Erfolg, weil sie gut gemanagt werden, sondern, weil sie im Schnitt leichtere Gegner haben. Pittsburgh trägt vier Spiele pro Saison gegen die Cleveland Browns und die Cinicinnati Bengals aus. Das waren zuletzt Spaziergänge. New England hat im Osten der AFC mit Buffalo und Miami und den Jets zu tun. Auch das waren Aufbauprogramme und keine Leistungstests.
Drittens: Eine Liga mit 32 Teams und mithin 1600 Footballprofis kann nicht auf ewige Zeiten davon ausgehen, dass sie genug gute Spieler anlocken kann. Die Expansion der Liga hat zwangsläufig für eine Ausdünnung der Leistungsdecke gesorgt. Die NHL konnte das gleiche Problem mit dem Import von hochtalentierten Eishockeyspielern aus Europa kompensieren. Auch die NBA vertritt eine Politik der offenen Tür. Major League Baseball holt sich mittlerweile einen erheblichen Teil des Nachwuchs aus der Karibik und lockte gute Japaner an. Welches Reservoir hat die NFL? Den Collegesport in den USA. Trainer und Scouts, die in einer solchen Landschaft die Spieler mit Potenzial und Lernbereitschaft erspähen, erarbeiten sich selbstverständlich auf diese Weise sehr viel leichter ein Fundament für Erfolg. Die Leute mit Tomaten auf den Augen werden als das entlarvt, was sie sind: blind.
Was sollte daran falsch sein?
Was genau ist daran so verwerflich, dass Dummheit für Misserfolg sorgt und Intelligenz für Super-Bowl-Siege? Nun Mr. Byrne sagt es uns: Früher hätten auch die schlecht geführten Clubs zwischendurch eine Chance gehabt, wenn sie kurzfristig viel Geld in die Mannschaft pumpten. Geld sei "der große Gleichmacher".
Wenn man so etwas unter der Rubrikenüberschrift Cold Hard Football Facts auf der Seite von Sports Illustrated liest, runzelt man erst mal die Stirn. Das Blatt, in dem einst Dr. Z. für die Auswertung der harten Fakten zuständig war und Peter King jeden Stein (und seinen schwergewichtigen Korpus) in Bewegung setzt, um den Lesern erhellende Informationen zu liefern, ist jetzt auch eine Anlaufstelle für Dummschwätzer?
Zunächst ist die Beobachtung, dass Denver, New England, Indianapolis und Pittsburgh in den letzten Jahren die NFL dominiert haben, nicht von der Hand zu weisen. Wobei wir aus New England wissen, dass man das geschafft hat, obwohl man ständig gute Spieler und Trainer ziehen lassen musste. Es ist auch richtig, dass Mannschaften wie Denver, Indianapolis und New Orleans in diesem Jahr ein Kunststück fertig gebracht haben, das es noch nicht gab. Drei Mannschaften, die nach sieben Spieltagen ungeschlagen sind.
Wer New Orleans sagt, sollte allerdings vielleicht auch erwähnen, dass diese Mannschaft einst weder mit viel Geld noch mit guten Worten irgendetwas Bemerkenswertes auf die Beine stellen konnte. Sie war das, was die Lions heute sind: abgrundtief schlecht. In sofern kam hier parity zum Tragen. Auch die Arizona Cardinals, die im Februar zum ersten Mal den Super Bowl erreichen konnten, waren früher einfach nur eine Fußmatte für die anderen Clubs. Zur Zeit muss man mit ihnen rechnen.
Erstes Fazit: Wer parity nur an einer Handvoll von Teams misst, die Super Bowls gewinnen, hat keinen Blick fürs große Ganze.
Zweitens: Wer die Tatsache ignoriert, dass die NFL mit 32 Mannschaften, aber nur 16 Spieltagen einen hochgradig manipulierten Spielplan hat, der versteht nicht das kleine Einmaleins der Tabelle. Gute Mannschaften haben nicht nur Erfolg, weil sie gut gemanagt werden, sondern, weil sie im Schnitt leichtere Gegner haben. Pittsburgh trägt vier Spiele pro Saison gegen die Cleveland Browns und die Cinicinnati Bengals aus. Das waren zuletzt Spaziergänge. New England hat im Osten der AFC mit Buffalo und Miami und den Jets zu tun. Auch das waren Aufbauprogramme und keine Leistungstests.
Drittens: Eine Liga mit 32 Teams und mithin 1600 Footballprofis kann nicht auf ewige Zeiten davon ausgehen, dass sie genug gute Spieler anlocken kann. Die Expansion der Liga hat zwangsläufig für eine Ausdünnung der Leistungsdecke gesorgt. Die NHL konnte das gleiche Problem mit dem Import von hochtalentierten Eishockeyspielern aus Europa kompensieren. Auch die NBA vertritt eine Politik der offenen Tür. Major League Baseball holt sich mittlerweile einen erheblichen Teil des Nachwuchs aus der Karibik und lockte gute Japaner an. Welches Reservoir hat die NFL? Den Collegesport in den USA. Trainer und Scouts, die in einer solchen Landschaft die Spieler mit Potenzial und Lernbereitschaft erspähen, erarbeiten sich selbstverständlich auf diese Weise sehr viel leichter ein Fundament für Erfolg. Die Leute mit Tomaten auf den Augen werden als das entlarvt, was sie sind: blind.
Was sollte daran falsch sein?
3. Dezember 2008
Phelps: Pur und als Simpel
Die Mutter ist Rektorin an einer Mittelschule, aber hat inzwischen ihren eigenen Werbevertrag. So weit reicht die Magie des Namens Phelps. Der Erfolg der Marke wird in diesen Wochen durch die Entscheidung von Sports Illustrated noch aufgewertet, ihn zum Sportler des Jahres auszurufen. Das Geschäft brummt. Auch wenn sein Einsatz für das Proteinprodukt PureSports bei manchen Kopfschütteln ausgelöst hat. Die Geschichte heute im Wall Street Journal hat man hier aufgegriffen. Mehr über seine Verhältnis zum Glückspiel und zu einem bestimmten Typ von Frau liest man hier. Die neueste Flamme arbeitet als Barkellnerin in einem Casino und trägt sehr viele Tätowierungen spazieren.
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13. Februar 2008
Tiger als Jesus beim Abendmahl
Leonardo da Vincis berühmtes Abendmahl-Bild als Vorlage einer Illustration zu nehmen, ist ein ziemlich alter Hut. Aber das hat offensichtlich die Redaktion der Zeitschrift Sports Illustrated nicht davon abgehalten, es auch mal zu überlegen. Diesmal wollte man Golfer auf diese Weise präsentieren. Mit Tiger Woods als Jesus (doppelt schlecht, weil kein Christ und sicher prinzipiell mit einer baldigen Kreuzigung nicht einverstanden). Und mit Fuzzy Zoeller als Judas (auch das verrückt, denn der hatte ihn damals mit seinem Kommentar zum Masters nicht verraten, sondern allenfalls eines schlechten Witz auf Kosten von Woods gerissen und wurde dafür öffentlich derart abgestraft, dass er lange keine namhaften Sponsoren mehr fand.). Die Idee bestand daraus, Doppelgänger der Golfer zu finden und in Da Vincis Stil in einer Gruppe zu fotografieren. Bis alles herauskam und zurückgepfiffen und bestritten wurde. Die bizarre Geschichte findet man hier.
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26. Dezember 2007
Wie eine Liga ohne Salary Cap
Dies sind goldene Zeiten für amerikanische Sportjournalisten. Vor allem für die mit einem gewissen Namen und einer Reputation für Qualität. Nachdem ESPN damit begann, immer mehr von ihnen mit sehr viel Geld anzuheuern, zieht Yahoo Sports nach. Und weil das für Offerten an die Adresse der Top-Leute bei Sports Illustrated geht, muss man auch dort mehr ausgeben, um das Personal nicht zu verlieren. Das führt zu einem noch nie dagewesenen Phänomen: Die besten Tageszeitungen - die New York Times, die Washington Post, die Los Angeles Times und USA Today - verlieren mehr und mehr Schreiber von Format und müssen nun bei den Regionalzeitungen auf Kaperfahrt gehen. Die Situation erinnert so manche an eine Liga ohne Salary Cap, wo die reichen Clubs den schwächelnden die Talente wegkaufen und auf diese Weise ihre Position im Wettbewerb stärken.
Den ausführlichen Bericht dazu gab es am Heiligabend in der New York Times. Ein rasches Fazit, das von der Zeitung nicht angeboten wird: Hauptursache für die mit Millionen von Dollar vorangetriebene Rotation ist der wachsende Erfolg des Internets als Marktplatz für Informationen und Meinungen. Zwar hat ESPN einen enormen Vorteil: Es kann den Ausbau seiner Plattform vor allem mit Geld aus dem Fernsehsektor finanzieren und hat ein Printmagazin am Start, das ebenfalls Plus macht. Aber das würde niemand irgendwo anders investieren, wenn die Weichen nicht ganz oben in eine Richtunhg gestellt wären: Online ist der Spielplatz der Zukunft. Dafür braucht man Profis und keine Dilettanten. Und die kosten Geld.
Blick zurück: Der Wechsel eines Aushängeschildes
Den ausführlichen Bericht dazu gab es am Heiligabend in der New York Times. Ein rasches Fazit, das von der Zeitung nicht angeboten wird: Hauptursache für die mit Millionen von Dollar vorangetriebene Rotation ist der wachsende Erfolg des Internets als Marktplatz für Informationen und Meinungen. Zwar hat ESPN einen enormen Vorteil: Es kann den Ausbau seiner Plattform vor allem mit Geld aus dem Fernsehsektor finanzieren und hat ein Printmagazin am Start, das ebenfalls Plus macht. Aber das würde niemand irgendwo anders investieren, wenn die Weichen nicht ganz oben in eine Richtunhg gestellt wären: Online ist der Spielplatz der Zukunft. Dafür braucht man Profis und keine Dilettanten. Und die kosten Geld.
Blick zurück: Der Wechsel eines Aushängeschildes
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24. Oktober 2007
Wildern und Kapern: Das Karussell bei den US-Sportmedien kommt in Schwung
Mag sein, dass der Sportreporter von Richard Ford in die letzte Kurve seines Lebens einbiegt und im dritten Band der Serie müde über seinen dahin mäandernden Alltag nachdenkt. Der Mann ist krank und älter geworden. Und Die Lage des Landes (so der Titel des soeben in der deutschen Übersetzung erschienenen Buches) macht beim besten Willen keinen Mut. Fords Kunst-Figur Richard Bascombe, der mit sehr viel Erfolg als profilierter Journalist für ein Sportmagazin arbeitete, gab irgendwann das Schreiben auf und wurde Immobilienmakler. Wer wissen will, warum, sollte das zweite Buch lesen. Es heißt Unabhängigkeitstag und ist das literarisch stärkste der Reihe, deren epischen Teilwerke der Schriftsteller im Zehn-Jahres-Takt herausgebracht hat.
Für Bascombes Realwelt-Kollegen allerdings dürfte das Leben noch nie so gut ausgesehen haben wie heute. Zumindest für die Burschen (und neuerdings auch Frauen) mit Namen und Reputation, was sich amerikaweit auf eine Liste mit rund 50 Schreibern reduziert. Die spielen neuerdings in einer Liga, in der es keine Salary Cap zu geben scheint. Das stärkste Indiz: Die 2 Millionen Dollar Jahresgehalt, für die Rick Reilly, der langjährige Kolumnist von Sports Illustrated, dem Vernehmen nach zu ESPN wechselt. Sports Illustrated war jahrzehntelang der Olymp des amerikanischen Sportjournalismus, nach einer Gründungsphase in den fünfziger Jahren, als das Magazin aus dem Hause Time (heute heißt der Verlag Time Warner) mehrfach auf der Kippe stand. Das Wochenblatt produzierte nicht nur Qualität und lange Lesestücke auf einem Sprachniveau, das der Typ von der Tailgate-Party vor dem NFL-Stadion gar nicht mehr begreift. Es produzierte Auflage. In seinen besten Jahren waren es weit mehr als 2 Millionen verkaufte Exemplare. Fast alle gehen über Jahresabos an die Kundschaft. Der Risikofaktor Kioskverkauf ist ausgemerzt.
Als ESPN
vor ein paar Jahren ein zweiwöchentliches Magazin auf die Beine stellte, um sein bis dahin auf Fernsehen (und ein bisschen Radio) beschränktes Angebot zu erweitern, sah noch niemand die Zeichen an der Wand. Der neue Konkurrent wirkte bisweilen fast wie eine Parodie auf das Genre und nicht wie ein verlässlicher Wegbegleiter und Informant, von dem man sich regelmäßig mit Einschätzungen und Werturteilen versorgen lässt. Weshalb die Redaktion auch nie eine Anziehungskraft für Journalisten mit Ambitionen besaß. Immerhin: Das Hochglanzprodukt auf stumpfem Papier brachte es auf mehr als 500.000 Bezieher und verdiente Geld.
ESPN baute während dessen jedoch nicht nur die Fernsehpalette aus (vier englischsprachige Kanäle in den USA). Die Tochter des Unterhaltungskonzerns Disney investierte irgendwann so geschickt und zielstrebig in eine Internet-Plattform, dass man auch dort um die Position des Marktführers kämpft. Kein Anbieter offeriert eine derartige Vernetzung zwischen den einzelnen Abspielkategorien - TV, Radio, Print, Online. Schon gar nicht Sports Illustrated beziehungsweise Time Warner, wo man zwar vor einiger Zeit den Fernsehsender CNN erworben hatte und in eine Fusion mit der Internetfirma AOL einging (und kurzfristig den Firmennamen AOL Time Warner trug) aber nie einen Weg fand, die vielen losen Enden produktiv ineinander zu integrieren.
So steht man nicht nur ziemlich hilflos den Abwerbemethoden der Konkurrenz gegenüber, sondern erlebt den Super-GAU im eigenen Schaffen. Sports Illustrated wirkt schon lange wie ein Heft aus einer anderen alten Zeit, geschrieben für eine andere, ältere Generation. Die Online-Bemühungen sind kläglich. Nicht nur wenn man es mit solchen Informationsangeboten wie Page 2 vergleicht. Und zum Thema Fernsehen gibt es bestenfalls Reminszenzen an den gescheiterten Versuch, ein Publikum für den Sportnachrichtenkanal CNN/Sports Illustrated zu finden.
Dass man sich bei Sports Illustrated inzwischen ernsthafte Gedanken über die Zukunft macht, überrascht denn auch nicht. Zur Zeit sieht es so aus, als ob das Management zumindest eine Defensiv-Strategie verfolgt: Statt hervorragend bezahlte Autoren mit höheren Gagen zu halten, schaut man sich lieber nach neuen Leuten um. Talente gibt es genug. Die reichen von den üblichen Verdächtigen, die man von den Kolumnisten-Diskussionsrunden auf ESPN und der Nonsense-Sendung Around the Horn kennt, bis zu den in der Branche als Geistesgrößen eingestuften Journalisten wie Selena Roberts (New York Times), in deren Kielwasser sich eine ganze Reihe
von bemerkenswerten weiblichen Talenten (Liz Robbins, Lynn Zinser) bei Amerikas bedeutendster Tageszeitung nach oben gearbeitet hat.
Dass sich die Unruhe und Bewegung in den Glamourzonen des Sportmediengeschäfts bei einigen extrem gut auf die Einkommenssituation auswirkt, heißt jedoch nicht, dass auch der gesichtslose Sportjournalist an seinem Computer davon profitiert. Im Onlinegeschäft wird nachwievor schlechter bezahlt als in den Bastionen des Metiers, wo alles nach Stellenabbau riecht. Obendrein drängen Blogger nach, die mittlerweile mitunter intern schon hübsche kleine Scharmützel ausfechten (so bei der Washington Post, wo sich Top-Blogger Dan Steinberg, der mit einer unglaublichen Energie und Schreiblust einen konsequenten und innovativen Weg geht und neulich von einem einem Football-Beat-Reporter der Zeitung mit Profilierungsproblemen angepupt wurde.
Die Aufwallungen werden nicht nur von den Eitelkeiten der beteiligten Personen vorangetrieben. Sie spiegeln einfach nur ein ähnliche Entwicklung im Kommerzsport wider, wo Primadonnen und Wasserträger das Entertainmentbedürfnis von Millionen befriedigen. Und sie symbolisieren die Verunsicherung, von der die Entscheidungsträger im Medienbusiness gepackt worden sind. Niemand - außer ESPN - scheint zu wissen, wo die Reise hingeht.
Für Bascombes Realwelt-Kollegen allerdings dürfte das Leben noch nie so gut ausgesehen haben wie heute. Zumindest für die Burschen (und neuerdings auch Frauen) mit Namen und Reputation, was sich amerikaweit auf eine Liste mit rund 50 Schreibern reduziert. Die spielen neuerdings in einer Liga, in der es keine Salary Cap zu geben scheint. Das stärkste Indiz: Die 2 Millionen Dollar Jahresgehalt, für die Rick Reilly, der langjährige Kolumnist von Sports Illustrated, dem Vernehmen nach zu ESPN wechselt. Sports Illustrated war jahrzehntelang der Olymp des amerikanischen Sportjournalismus, nach einer Gründungsphase in den fünfziger Jahren, als das Magazin aus dem Hause Time (heute heißt der Verlag Time Warner) mehrfach auf der Kippe stand. Das Wochenblatt produzierte nicht nur Qualität und lange Lesestücke auf einem Sprachniveau, das der Typ von der Tailgate-Party vor dem NFL-Stadion gar nicht mehr begreift. Es produzierte Auflage. In seinen besten Jahren waren es weit mehr als 2 Millionen verkaufte Exemplare. Fast alle gehen über Jahresabos an die Kundschaft. Der Risikofaktor Kioskverkauf ist ausgemerzt.
Als ESPN
ESPN baute während dessen jedoch nicht nur die Fernsehpalette aus (vier englischsprachige Kanäle in den USA). Die Tochter des Unterhaltungskonzerns Disney investierte irgendwann so geschickt und zielstrebig in eine Internet-Plattform, dass man auch dort um die Position des Marktführers kämpft. Kein Anbieter offeriert eine derartige Vernetzung zwischen den einzelnen Abspielkategorien - TV, Radio, Print, Online. Schon gar nicht Sports Illustrated beziehungsweise Time Warner, wo man zwar vor einiger Zeit den Fernsehsender CNN erworben hatte und in eine Fusion mit der Internetfirma AOL einging (und kurzfristig den Firmennamen AOL Time Warner trug) aber nie einen Weg fand, die vielen losen Enden produktiv ineinander zu integrieren.
So steht man nicht nur ziemlich hilflos den Abwerbemethoden der Konkurrenz gegenüber, sondern erlebt den Super-GAU im eigenen Schaffen. Sports Illustrated wirkt schon lange wie ein Heft aus einer anderen alten Zeit, geschrieben für eine andere, ältere Generation. Die Online-Bemühungen sind kläglich. Nicht nur wenn man es mit solchen Informationsangeboten wie Page 2 vergleicht. Und zum Thema Fernsehen gibt es bestenfalls Reminszenzen an den gescheiterten Versuch, ein Publikum für den Sportnachrichtenkanal CNN/Sports Illustrated zu finden.
Dass man sich bei Sports Illustrated inzwischen ernsthafte Gedanken über die Zukunft macht, überrascht denn auch nicht. Zur Zeit sieht es so aus, als ob das Management zumindest eine Defensiv-Strategie verfolgt: Statt hervorragend bezahlte Autoren mit höheren Gagen zu halten, schaut man sich lieber nach neuen Leuten um. Talente gibt es genug. Die reichen von den üblichen Verdächtigen, die man von den Kolumnisten-Diskussionsrunden auf ESPN und der Nonsense-Sendung Around the Horn kennt, bis zu den in der Branche als Geistesgrößen eingestuften Journalisten wie Selena Roberts (New York Times), in deren Kielwasser sich eine ganze Reihe
von bemerkenswerten weiblichen Talenten (Liz Robbins, Lynn Zinser) bei Amerikas bedeutendster Tageszeitung nach oben gearbeitet hat.Dass sich die Unruhe und Bewegung in den Glamourzonen des Sportmediengeschäfts bei einigen extrem gut auf die Einkommenssituation auswirkt, heißt jedoch nicht, dass auch der gesichtslose Sportjournalist an seinem Computer davon profitiert. Im Onlinegeschäft wird nachwievor schlechter bezahlt als in den Bastionen des Metiers, wo alles nach Stellenabbau riecht. Obendrein drängen Blogger nach, die mittlerweile mitunter intern schon hübsche kleine Scharmützel ausfechten (so bei der Washington Post, wo sich Top-Blogger Dan Steinberg, der mit einer unglaublichen Energie und Schreiblust einen konsequenten und innovativen Weg geht und neulich von einem einem Football-Beat-Reporter der Zeitung mit Profilierungsproblemen angepupt wurde.
Die Aufwallungen werden nicht nur von den Eitelkeiten der beteiligten Personen vorangetrieben. Sie spiegeln einfach nur ein ähnliche Entwicklung im Kommerzsport wider, wo Primadonnen und Wasserträger das Entertainmentbedürfnis von Millionen befriedigen. Und sie symbolisieren die Verunsicherung, von der die Entscheidungsträger im Medienbusiness gepackt worden sind. Niemand - außer ESPN - scheint zu wissen, wo die Reise hingeht.
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19. Juni 2007
US-Sport-Blogger auf dem Radarschirm der Großen
Erste Anzeichen dafür, dass es amerikanische Sportblogger auf den Radarschirm der etablierten Medien geschafft haben: Das Fachmagazin Media Week berichtet über die Aktivitäten von ESPN und Sports Illustrated in Sachen Ankauf von Talenten und Ideen aus der Blogger-Szene. Man kann davon ausgehen, dass dies erst der Anfang einer Entwicklung ist, durch die neuer digitaler Content abseits der typischen Berichterstattung immer mehr auf leistungsstärkere Plattformen hochgezogen wird. Wir warten allerdings noch immer auf Informationen darüber, welchen finanziellen Zuschnitt solche Kooperationen haben (via The Big Lead)
Blick zurück: TrueHoop steigt auf
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5. Juni 2007
Amanda entblättert
"Und ich sach noch: Nimm das Buch nich mit ins Becken. Es wird nass. Aber da war es schon zu spät." Von dort über die Swimsuit-Ausgabe von Sports Illustrated in den Playboy ist zwar ein langer, aber irgendwie auch logischer Weg. Die amerikanische Schwimmerin Amanda Beard hat schon vor langer Zeit begriffen, dass sie einfach zu gut aussieht, um diesen Umstand nicht zu Geld zu machen. "Wasch mir den Pelz, aber mach mich nass", geht nicht. Man muss hin und wieder blank ziehen. Was den Playboy betrifft, gibt es erst mal nur ein Titelbild - bei Sports Illustrated - und ein paar erste nervöse Reaktionen in der amerikanischen Blogosphäre. Niemand scheint dabei bisher aufgefallen zu sein, dass auch die Autorennfahrerin Danica Patrick im gleichen Heft auftaucht. In der Interview-Rubrik 20 Fragen an... Vielleicht weil sich keiner für die Antworten interessiert und nur dafür, was die Frau unter der Asbest-Unterwäsche zu bieten hat.Nachtrag: Die Schwimm-Karriere von Amanda kann bei Wikipedia nacharbeiten. Zu ihrem Hang zu Automobilfahrern gibt es dort ebenfalls Hinweise. Wer ihre Webseite sucht, landet unweigerlich auf einer Promoseite von Getränkehersteller Red Bull.
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7. Dezember 2006
Erste Kritik an Magazin-Entscheidung gegen Federer
Die ersten kritischen Stimmen über die katastrophale Entscheidung von Sports Illustrated, nicht Roger Federer zum Sportsman of the Year zu küren, sondern Dwyane Wade von den Miami Heat (siehe hier), werden selbst in den USA laut. Das zwang Chefredakteur Terry McDonnell heute dazu, sich in der populären New Yorker Radio-Talk-Show Mike and the Mad Dog zu rechtfertigen. Zuhörer wie der Blogger von The Big Lead waren ohne Schwierigkeiten in der Lage, durch die lahme Rechtfertigungsrede ("Aber hat er den Grand Slam gewonnen?") zu schauen. Federer wurde aus folgenden Gründen nicht genommen: Mit ihm auf der Titelseite gibt es keinen Blumentopf an den Kiosken in den Vereinigten Staaten zu gewinnen, weil Tennis inzwischen eine Randsportart ist. Er kann aus Termingründen auch offensichtlich nicht zur Party des Magazins im Dezember antreten. Also suchte man nach jemand anderem.
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Miami im Dezember: Regennass und sportlich trüb
Eine andere amerikanische Stadt. Eine andere Perspektive? Ja und nein. Es ist schwül warm in Miami heute abend. Und ab und an fallen ein paar Regentropfen, was sich ganz angenehm auf der Haut anfühlt. DAS ist der Hauptunterschied zu Buffalo, wo ich vor knapp zwei Wochen auf den Spuren des neuen österreichischen Eishockey-Stars Thomas Vanek war (das Resultat der Reise erscheint demnächst ausführlichst im Sport-Magazin in Wien, wo man sich sehr viel Mühe gegeben hat, das Riesentalent zum ersten Mal im großen Stil seinen Lesern vorzustellen).Das heißt: Es gibt noch einen anderen Unterschied zwischen Miami und Vaneks Team - die Buffalo Sabres, bei denen auch der Deutsche Jochen Hecht spielt - gewinnen. Miamis Mannschaften hingegen verlieren meistens: Ob im Eishockey (Panthers), Football (Dolphins) oder selbst bei den Titelverteidigern im Basketball (Heat), überall sieht man nur, dass es klemmt. So musste der Miami Herald, die große Tageszeitung, heute seinen Sportteil mit lauter negativ angehauchten Geschichte füllen. Niemand ist happy, außer Dwayne Wade, der von Sports Illustrated zum Sportler des Jahres ausgerufen wurde, was in der Ausgabe dieser Woche groß zelebriert wird.
Das einflussreiche Magazin gibt sich immer relativ viel Mühe, eine Figur mit Strahlkraft auszusuchen und anschließend in einer Auflage von mehr als 2 Millionen Exemplaren die Ehrung unters Volk zu bringen. Angesichts der jüngsten Entscheidung GEGEN einen wirklich überragenden Sportler wie den Tennisspieler Roger Federer und FÜR einen leichtfüßigen Zirkusartisten, darf man getrost anzweifeln, ob die Leute bei SI eine Ahnung von Sport haben. Ist der Verkauf von Heften das einzige Kritierium? Selbst Tiger Woods wäre eine triftigere Wahl gewesen. Man muss sich nur mal vorstellen: Gewinnt Dallas Spiel drei der letzten NBA-Finalserie, kann Miami einpacken. Und Wade gleich mit.
Kein Wunder, dass der Miami Herald die Nachricht nicht als Aufmacher gebracht hat, sondern relativ klein unten rechts auf der ersten Sportseite. Wahrscheinlich schämen sie sich hier in Süd-Florida angesichts solcher Entscheidungen. Oder sie finden sie nicht weiter bemerkenswert - angesichts soviel sportlichem Elend.
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