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2. August 2009

Baseball-Gewerkschaft: Veröffentlichung der Doper-Namen "ein Verbrechen"

Der Manager der Chicago White Sox hatte neulich eine gute Idee: Veröffentlicht doch endlich alle Namen auf der "dummen Liste" der im Jahr 2003 positiv getesteten Baseball-Profis. "Das ist lächerlich", sagte Ozzie Guillen, nachdem die Namen David Ortiz und Manny Ramirez bekannt geworden war. "Das ist beschämend, das ist ein Witz. Wer drauf steht, steht drauf. Mach die Namen bekannt und Schluss damit."

Ein guter Gedanke. Aber so schnell wird das wohl nicht passieren. Die Spielergewerkschaft, die die Akten mit den Namen verwaltet hatte, die von der Staatsanwaltschaft im Barry-Bonds-Meineidprozess beschlagnahmt wurde, hat eine andere Idee: Warum nicht Reporter Michael S. Schmidt und die New York Times verklagen? Das sei kriminell, was die Zeitung da mache. Einfach Informationen zu veröffentlichen, die sie sich besorgt habe, damit muss jetzt Schluss sein.

"Das Heraussickern von Informationen, die ein Gericht zur Verschlusssache erklärt hat, ist ein Verbrechen", erklärte die Arbeitnehmer-Organisation, deren Mitglieder im Schnitt 3,2 Millionen Dollar brutto im Jahr verdienen, in einer Stellungnahme. "Das aktive Bestreben, Informationen zu erhalten, die auf legale Weise nicht veröffentlicht werden dürfen, weil sie von einem Gericht zur Verschlusssache erklärt wurden, ist ein Verbrechen. Dass die Informanten nach Angaben der Times Rechtsanwälte sind, ist zugleich schockierend und traurig."

Vermutlich wäre nach dieser Rechtsauffassung auch das Schreiben über die Beschwerde der Gewerkschaft
ein Verbrechen, denn es zwingt einen dazu, die Recherchen der New York Times zu zitieren. Aber diesen Vorwurf hat man am Freitag nicht erhoben, als man die entsprechende Presseerklärung herausgab. Sonst hätte ja niemand darüber berichtet. Und das wollte Donald Fehr sicher überhaupt nicht.

Eine solche massive Drohung an die Adresse von Journalisten ist übrigens nicht neu. Rund um den BALCO-Skandal wurde zwei Journalisten des San Francisco Chronicle zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt, weil sie die Quellen für die Informationen in ihrem Buch – unter Verschluss gehaltene Protokolle von staatanwaltschaftlichen Vernehmungen – nicht preis geben wollten. Die Angelegenheit wurde schließlich niedergeschlagen, nachdem sich ein Anwalt als Informant geoutet hatte und bestraft wurde.

17. November 2008

Urteil: NFL-Spielergewerkschaft muss Millionen zahlen

Ein Gericht in San Francisco hat einen Meilenstein im Umgang mit pensionierten Fußballprofis gesetzt. Es entschied, dass die Spielergewerkschaft den Ehemaligen insgesamt 28 Millionen Dollar schuldet. Warum? Die Arbeitnehmerorganisation, der alle NFL-Spieler angehören und die die Rahmentarifvertäge mit der Liga aushandelt, hat ganz offensichtlich versucht, die alten Herren um ihren Anteil an der Ausschüttung von Lizenzen für das populäre Madden-Computerspiel zu bringen. Auf allein 7,1 Millionen Dollar wurde der entgangene Betrag beziffert. Der Rest ist ein zusätzlicher Strafbetrag, der eine Spezialität des amerikanischen Schadensersatzrechts ist.

In Madden, das Jahr für Jahr in einer aktualisierten Auflage auf den Markt kommt, werden nicht nur zeitgenössische Teams und Spieler abgebildet, sondern auch berühmte Figuren von einst und zwar in Form von insgesamt 142 legendären Mannschaften wie etwa den Green Bay Packers von 1996 oder den Dallas Cowboys von 1971. Namensgeber John Madden war einst Trainer der Oakland Raiders und arbeitet seit vielen Jahren als hochbezahlter Fernsehkommentator, zur Zeit für NBC, das jeden Sonntagabend ein Spiel live überträgt. Sein Stil ist volkstümlich und simpel, er wirkt wie der Typ von nebenan, der zufälligerweise ganz viel über Football weiß.

Er selbst spielte allem Anschein keine Rolle bei dem Versuch der Gewerkschaft, die oft verarmten und kranken Ehemaligen um ihr Geld zu bringen, darunter auch Raiders-Spieler, die unter ihm ihre Knochen hingehalten hatten. Dafür wundert es umso mehr, dass die Organisation selbst, die sich mehr schlecht als recht um die gesundheitlichen Probleme der Ex-Profis kümmert, aktiv involviert war. So soll ein Vertreter der Gewerkschaft dem Spielehersteller den Tip gegeben haben, die Gesichter der alten Spieler technisch so zu verfremden, dass man sie nicht wiederkennen kann. Ein Versuch, der zeigte, dass die entscheidenden Leute durchaus wussten, dass es in den USA ein Recht am eigenen Bild gibt, das man nicht einfach übergehen kann.

Die umstrittene Führungsfigur der Gewerkschaft, Gene Upshaw, ist übrigens vor wenigen Monaten überraschend gestorben. Sein Tod gibt vielen die Hoffnung, dass der Laden alsbald mit neuen und integeren Leuten besetzt wird.

Hier ein Trailer des Spiels:

31. Januar 2008

Super Bowl: Zahme Werbung, grimmige Gewerkschaft

Hier handelt es sich um einen extrem kurzen Vorgeschmack auf einen Werbespot, der während des Super Bowls Premiere haben wird. Er wird wohl wie die New York Times ermittelt hat, neben anderen allzu zahmen Ideen laufen. Die NFL hat es geschafft und die Gemeinde der Kreativen gebändigt.


Und Kreativität wie diese abgewürgt: ein Werbespot, der im Jahr eins nach dem Zwischenfall mit Janet Jackson als kleine Parodie laufen sollte, aber kurz vorher gestrichen wurde. Merke: Die NFL ist nicht nur moralisch und mächtig, sondern auch humorlos.

Aber das heißt nicht, dass es keine kribbelnde Nachrichten über die Liga zu vermelden gäbe. Der Chef der Spielergewerkschaft hat gestern vorsichtshalber schon mal mit Streik gedroht, wenn die Club-Besitzer glauben, sie könnten an den Grundfesten des laufenden Tarifvertrags rütteln. Der basiert auf zwei Prinzipien: Salary Cap und einem Anteil von 60 Prozent an den Einnahmen für die Spieler.

7. Januar 2008

Spielergewerkschaft pervers: Der krasse Fall der Players Inc.

Die Pittsburgh Tribune-Review hat heute ein erstaunliches Stück Recherchenarbeit ins Netz gestellt: Einen Artikel über die Zahlungen, die pensionierte NFL-Profis jedes Jahr aus der Kasse der von der Spielergewerkschaft aufgebauten Vermarktungsgesellschaft Players Inc. erhalten. Das Dokument, verbunden mit einem Such-Tool, mit dem man die Beträge für einzelne Clubs und Spieler aufrufen kann, ist in mehrfacher Hinsicht verblüffend und beschämend. Es zeigt, wie leicht ein paar der Kerngedanken gewerkschaftlicher Zusammenschlüsse pervertiert werden können. Solidarität? Gleichheit? Brüderlichkeit? Nicht in diesem Laden. Man schüttet streng nach Popularitätsgesichtspunkten aus und gibt jenen Ex-Spielern am meisten, die schon in ihren aktiven Jahren mehr im Rampenlicht standen: den Quarterbacks und Running Backs und Wideouts, denen andere, meist anonyme Malocher, die Wege freigesperrt haben.

Das Datenmaterial wirkt besonders krass angesichts der Kontroverse um die gesundheitliche Versorgung und Rentenzahlungen, die schon vor einer Weile auftauchten und hier und hier behandelt wurden. Players Inc. ist ein florierendes Lizenzunternehmen, das jedes Jahr mehr als 100 Millionen Dollar verteilen kann. Das Videospielunternehmen Electronic Arts (EA) zahlte zuletzt pro Jahr für Madden NFL Football 28 Millionen Dollar.

Wer sackte in den beiden letzten Jahren zusammengerechnet am meisten ein?
Emmitt Smith 757.000 Dollar
Norman "Boomer" Esiason 637.000 Dollar
John Elway 616.000 Dollar
Joe Montana 556.000 Dollar

Rund 65 Prozent der betroffenen rund 1200 Spieler, so ermittelte die Zeitung, bekamen 5.000 Dollar. Die Angehörigen des toten, aber immer noch sehr populären Running Backs Walter Payton konnten 267.000 Dollar verbuchen (via SportsbyBrooks).

2. Dezember 2006

NBA: Spielergewerkschaft klagt gegen Stern-Entscheidungen

NBA-Spieler haben eine Gewerkschaft. Sie haben Agenten. Sie haben die Medien meistens auf ihrer Seite. Und sie haben einen völlig verkorksten Sinn für das, womit sie ihr vieles Geld verdienen. Sie nennen es Arbeit. Und in Sachen Arbeit gibt es in den ansonsten nicht besonders arbeiterfreundlichen USA zumindest ein paar Einrichtungen, die man anrufen kann, wenn man sich schlecht behandelt fühlt.

Eine heißt National Labor Relations Board. Dorthin hat sich die Gewerkschaft jetzt gewendet, um sich zu beschweren und die einsamen Entscheidungen von Liga-Commissioner David Stern über den Haufen zu werfen. Vermutlich gibt es sehr viel eklatantäre Fälle von Ausbeutung und Missachtung von Arbeitnehmerrechten in diesem Land, in dem 20 Millionen illegal leben und sich verdingen, 50 Millionen keine Krankenversicherung haben, sechs Millionen Menschen offiziell nicht mehr verdienen als den gesetzlichen Mindestlohn von 5,15 Dollar pro Stunde und von Firmen wie Wal-Mart (der größte Arbeitgeber des Landes) rausgeworfen werden, wenn sie versuchen, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Aber was ist das schon gegen die Probleme von Leuten wie Britney Spears, die sich, nachdem sie die Scheidung eingereicht hat, keine Schlüpfer mehr leisten kann. Oder eben der besagten NBA-Profis: Der neue Ball (siehe hier) und das Verbot, sich über Entscheidungen der Schiedsrichter zu beschweren, wiegen schwer (siehe hier). So erhalten Spieler, die sich beklagen technische Fouls zuerkannt und müssen Geldbußen bezahlen. Mit anderen Worten: Das Fundament einer freien Gesellschaft ist bedroht. Wenn irgendwann das Grundrecht aufs Meckern zur Disposition steht, ist es nur noch ein kleiner Schritt und dürfen Spieler keine Waffen mehr tragen, keine Frauen mehr misshandeln, nicht mehr nachts in Stripclubs gehen. Das wäre das Ende....

Zum Bild: Es gibt eine hübsche Webseite - snapgang.com - die amerikanischen Sport und alles drumherum parodiert und das auf T-Shirts druckt. Die Firma wollen wir an dieser Stelle gerne weiterempfehlen. Die Jungs dort haben die richtige Einstellung.