Vorsorgliche Warnung an alle Amerika-Besucher, die auf ihrer Reise die eine oder andere Sportveranstaltung besuchen wollen. Man kann aus Stadien und Hallen geworfen werden, wenn man während des Abspielens der Nationalhymne (am Anfang) oder der patriotischen Weise God Bless America (meistens irgendwann zwischendurch) aus welchen Gründen auch immer nicht aufsteht. Aufstehen und sicherheitshalber die Baseballkappe abnehmen, gelten als Respektbezeugungen, die man in den USA sehr wichtig nimmt. Natürlich stellt sich bei so etwas immer die Frage: Haben Veranstalter überhaupt das Recht, einem Ticketzahler solches Verhalten aufzunötigen? Vermutlich nicht. Weshalb auch zur Zeit drei Jugendliche einen Minor-League-Baseball-Club in Newark/New Jersey verklagen, dessen Chef sie exakt solches vorwerfen. Das Problem: Der bestreitet die Vorwürfe. Also müssen die Teenager erst einmal nachweisen, dass die Geschichte so abgelaufen ist, wie sie behaupten. Persönliche Anmerkung: Wundern würde es mich nicht, wenn die Version der jungen Herren den Fakten entspricht. Siehe oben: Aufstehen und sicherheitshalber die Baseballkappe abnehmen, gelten als Respektbezeugungen, die man in den USA sehr wichtig nimmt. Da nützt es nichts, dass der sehr geschätzte Woody Guthrie God Bless America kritisierte und als Reaktion darauf This Land Is Your Land schrieb (und es zunächst God Blessed America For Me nannte).
Falls jemand wissen möchte, wie das Lied von Irving Berlin aus dem Jahre 1938 klingt, wenn es eine Kanadierin mit öligem blechernem Timbre singt:
Posts mit dem Label Nationalhymnen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Nationalhymnen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
16. September 2009
2. Juli 2009
ESPN tanzt mit (2)
...und da dachten wir noch, die Burschen in Bristol haben alles im Griff inklusive Fußball. Und dann passiert so etwas. In einem ausführlichen Video-Essay des teuer bezahlten Rick Reilly über England und seine Sportkultur, in dem die alten Klischees über eine Monarchie aus dem Schrank gezogen werden, legt einer die falsche Platte auf. Statt God Save the Queen erklingt die Musik von Haydn, die den Rest der Welt bisweilen an die umstrittenen ersten Zeilen der ersten Strophe des dazugehörigen Textes von Fallersleben erinnert (und fast nie an die Orginalzeilen: "Gott erhalte Franz den Kaiser" aus dem habsurgischen Österreich). Kurios genug: die britische Nationalhymne war vor langer, langer Zeit auch mal in Deutschland im Einsatz sowie in der Schweiz und Russland.
Und nun schalten wir um nach Bristol. Reilly, take it away...
Und nun schalten wir um nach Bristol. Reilly, take it away...
Labels:
England,
ESPN,
Nationalhymnen,
Rick Reilly
19. September 2008
Howard und die Hymne
Als das Video vor ein paar Tagen in der Blogosphäre die Runde machte, hielten sich die meisten mit ihren Beschwerden zurück. Josh Howard von den Dallas Mavericks hatte vor einem Fun-Event im Juni, das Allen Iverson ausrichtet, während des Abspielens der amerikanischen Nationalhymne schließlich nichts anderes gesagt als: 'The Star-Spangled Banner' is going on. I don't celebrate this shit. I'm black." Aber als sich die Sache herumsprach, krochen die Rassisten aus ihren Löchern. Howard, der sich bereits als Marihuana-Konsument geoutet hatte, ist eine ideale Zielscheibe. Er beißt sich nie auf die Zunge, ehe er etwas sagt. Die Resonanz hat dann aber irgendwann Mark Cuban entsetzt, weil der eine Menge des schlimmsten Materials in seiner Inbox fand. Seine Reaktion: Er publizierte in seinem Blog die krassesten Beispiele inklusive E-Mail-Adressen der Autoren.
So schnell kann es gehen. Im Amerika, "dem Land der Freien und der Heimat der Mutigen" (Zitat Nationalhymne). Frei und mutig dürfen nur die sein, die die patriotischen Parolen nachbeten und den Nationalstolz auf der Zunge tragen. Die anderen sollen gefälligst ihre Ansichten für sich behalten. Dass Profis, die im Jahr 80mal oder mehr stramm stehen müssen, um sich das Musikstück anzuhören, irgendwann allergisch werden, kann man verstehen. Die Tradition geht übrigens noch nicht so lange zurück und ist längst in eine inhaltsleere Routine abgedriftet, die von zweitklassigen Sängern bestritten wird. Aber wer stellt sich hin und sagt: Was soll der Scheiß? Niemand. Es gab immer wieder Fälle, in denen das Thema hochkocht. Zum Beispiel bei dem muslimischen NBA-Profi Mahmoud Abdul-Rauf von den Denver Nuggets, der sich demonstrativ umdrehte, wenn das einstmalige englische Trinklied mit dem Flaggen-Text vorgetragen wurde. Selbst wer etwas gegen das Abspielen der neuen Quasi-Hymne God Bless America hat, muss mit Ärger rechnen. Man denke an Carlos Delgado, der gegen den Krieg im Irak ist.
Wie geht es weiter? Wie geht Mark Cuban mit einem Spieler um, den er eigentlich schon vor Monaten hätte abgeben sollen? Wir bleiben am Ball.
So schnell kann es gehen. Im Amerika, "dem Land der Freien und der Heimat der Mutigen" (Zitat Nationalhymne). Frei und mutig dürfen nur die sein, die die patriotischen Parolen nachbeten und den Nationalstolz auf der Zunge tragen. Die anderen sollen gefälligst ihre Ansichten für sich behalten. Dass Profis, die im Jahr 80mal oder mehr stramm stehen müssen, um sich das Musikstück anzuhören, irgendwann allergisch werden, kann man verstehen. Die Tradition geht übrigens noch nicht so lange zurück und ist längst in eine inhaltsleere Routine abgedriftet, die von zweitklassigen Sängern bestritten wird. Aber wer stellt sich hin und sagt: Was soll der Scheiß? Niemand. Es gab immer wieder Fälle, in denen das Thema hochkocht. Zum Beispiel bei dem muslimischen NBA-Profi Mahmoud Abdul-Rauf von den Denver Nuggets, der sich demonstrativ umdrehte, wenn das einstmalige englische Trinklied mit dem Flaggen-Text vorgetragen wurde. Selbst wer etwas gegen das Abspielen der neuen Quasi-Hymne God Bless America hat, muss mit Ärger rechnen. Man denke an Carlos Delgado, der gegen den Krieg im Irak ist.
Wie geht es weiter? Wie geht Mark Cuban mit einem Spieler um, den er eigentlich schon vor Monaten hätte abgeben sollen? Wir bleiben am Ball.
Labels:
Basketball,
Josh Howard,
Mark Cuban,
Nationalhymnen,
NBA,
Rassismus
10. September 2008
"...und es sind keine leeren Träume"
Das könnte zu einem running gag bei American Arena werden. Die Luxemburger gewinnen ein Spiel, und wir spielen ihre Hymne, die umso reizvoller klingt, je öfter man sie sich anhört (und aus der wir uns eine Zeile der deutschen Version für die Überschrift herausgezutzelt haben). Aber wenig später denkt man unweigerlich an die Verlierer, die sich mal wieder in extrem-calvinistischer Manier mental selbst kasteien (weil sie schon immer geahnt haben, dass ihre hohen Erwartungen von den eigenen Fußballern nicht eingelöst werden, und weil sie nicht wissen, wie sie den neuen Trainer beschimpfen sollen, der angeblich aus Knete Gold macht). Es muss die Schweizer einfach kränken, dass ihr Team gegen einen Gegner verloren hat, der nach Ansicht von Wikipedia folgende Wertschätzung genießt: "international ist die Luxemburgische Fußballnationalmannschaft vollkommen unbedeutend". Das wäre den Deutschen sicher auch so ähnlich gegangen, wenn das Ding in Finnland in die Hose gegangen wäre.
Bloß gut, dass Roger Federer am Montag die US Open gewonnen hat. Das hat die Amerikaner nicht genug beeindruckt, um die Schweizer Nationalhymne ("Schweizerpsalm") zu spielen. Das mag nun, wer will, an dieser Stelle nachholen. Balsam für die Ohren.
Bloß gut, dass Roger Federer am Montag die US Open gewonnen hat. Das hat die Amerikaner nicht genug beeindruckt, um die Schweizer Nationalhymne ("Schweizerpsalm") zu spielen. Das mag nun, wer will, an dieser Stelle nachholen. Balsam für die Ohren.
Labels:
Fußball,
Luxemburg,
Nationalhymnen,
Schweiz
23. August 2008
Selbstbedienung nach Art des Hauses
Immer mal wieder landen wir an dieser eigenartigen Kreuzung aus Musik und Sport und reiben uns die Augen und natürlich auch die Ohren. Wenn die alten Rocker beim Super Bowl auf die Bühne steigen. Oder wenn es Pannen gibt beim Abspielen von Nationalhymnen. Nicht zu reden von den zahlreichen Besuchen von amerikanischen Sportveranstaltungen, an deren Anfang immer Star Spangled Banner gesungen wird (plus beim Eishockey das Opus der Kanadier, O, Canada). Nicht zu vergessen die Abstecher zum Baseball mit dieser Leierkasten-Weise Take Me Out To The Ball Game während des Seventh Inning Stretch.
Aber so kurios die Beziehung der beiden Kulturbereiche auch wirken mag, sie findet in diesem Teil der Welt nach bestimmten Regeln statt. Dazu gehört, dass man nicht einfach in einer Halle oder einem Stadion, ohne die sogenannten Leistungsrechte zu erwerben und für die zu bezahlen, ein paar alte Aufnahmen abspielt. Im Land der Copyright-Piraten kennt man solche Umschweife natürlich nicht. Man greift einfach hinein ins Archiv und – bingo – spart ein paar Taler, die andernfalls ein paar Musiker verdienen würden.
Peter Breiner, der über 200 Nationalhymnen für die Spiele von Athen arrangiert und orchestriert hat, ist sich jedenfalls "100 Prozent sicher", dass die Chinesen in den letzten beiden Wochen nichts anderes getan haben und seine Arbeit ausgeschlachtet. Ein Kulturkritiker der Washington Post machte den Hörtest und bestätigte den Sachverhalt. Die Noten der Hymnen selbst sind zwar rechtefrei, aber nicht die Bearbeitungen. Natürlich lautet der erste Kommentar von offizieller chinesischer Seite nicht: "Das überprüfen wir, wäre schade, wenn uns da ein Fehler passiert sein sollte. Und wenn ja, bringen wir das in Ordnung." Nein. Man streitet mit Pauken und Trompeten einfach ab. Das hätten alles Chinesen orchestriert, lautet die Stellungnahme. Zum Glück sind die Medaillenüberreichungen und die Eröffnungszeremonie im Rahmen der Fernsehübertragungen aufgezeichnet worden. Jetzt braucht Breiner nur noch einen guten Anwalt.
Aber so kurios die Beziehung der beiden Kulturbereiche auch wirken mag, sie findet in diesem Teil der Welt nach bestimmten Regeln statt. Dazu gehört, dass man nicht einfach in einer Halle oder einem Stadion, ohne die sogenannten Leistungsrechte zu erwerben und für die zu bezahlen, ein paar alte Aufnahmen abspielt. Im Land der Copyright-Piraten kennt man solche Umschweife natürlich nicht. Man greift einfach hinein ins Archiv und – bingo – spart ein paar Taler, die andernfalls ein paar Musiker verdienen würden.
Peter Breiner, der über 200 Nationalhymnen für die Spiele von Athen arrangiert und orchestriert hat, ist sich jedenfalls "100 Prozent sicher", dass die Chinesen in den letzten beiden Wochen nichts anderes getan haben und seine Arbeit ausgeschlachtet. Ein Kulturkritiker der Washington Post machte den Hörtest und bestätigte den Sachverhalt. Die Noten der Hymnen selbst sind zwar rechtefrei, aber nicht die Bearbeitungen. Natürlich lautet der erste Kommentar von offizieller chinesischer Seite nicht: "Das überprüfen wir, wäre schade, wenn uns da ein Fehler passiert sein sollte. Und wenn ja, bringen wir das in Ordnung." Nein. Man streitet mit Pauken und Trompeten einfach ab. Das hätten alles Chinesen orchestriert, lautet die Stellungnahme. Zum Glück sind die Medaillenüberreichungen und die Eröffnungszeremonie im Rahmen der Fernsehübertragungen aufgezeichnet worden. Jetzt braucht Breiner nur noch einen guten Anwalt.
Labels:
China,
Musik,
Nationalhymnen,
Olympische Spiele,
Urheberrecht
10. August 2008
Hymne aus dem Schrank
Nicht genug, dass der Präsident überall in Peking herumeiert und die amerikanische Fahne schwenkt. Jetzt hat auch noch Nike ausgepackt, um das Nationalbewusstsein zu kitzeln. Marvin Gaye singt die Nationalhymne (Aufnahme aus dem Archiv vom NBA-All-Star-Spiel anno 1983), um die US-Basketballer ins patriotische Licht zu setzen. Wenn sie wenigstens ein bisschen mehr von dem Geld für den Entwurf der Trikots verwendet hätten. Irgendjemand muss da wie einst Jackson Pollock Farbe ausgekippt und gedacht haben: Das isses. Nein, Nike, das isses nicht.
Marvin Gaye, der 1984 von seinem Vater erschossen wurde, hat übrigens bessere Aufnahmen hinterlassen. Verwaltet wird sein künstlerisches Erbe von der Pullman Group, die im Auftrag der Erben arbeiten und Künstlern und Angehörigen Millionen zuschaufeln. Marvin Gaye war ein Musiker mit einem politischen Kopf, der mit einer unglaublichen Stimme und einem Gefühl für gedämpften Soul zum Motown-Musiker mit der größten Nachhaltigkeit wurde. Sein Vater starb 1998.
Labels:
Marvin Gaye,
Motown,
Musik,
Nationalhymnen,
nike,
Video,
Werbespots
18. Oktober 2007
Hymne an die Chuzpe
Heute abend haben die Boston Red Sox eine schwere Aufgabe vor sich. Und wenn sie die schaffen, haben sie die nochmal vor sich und nochmal. Die Aufgabe lautet: einen Weg finden, die entscheidenden kleinen Fehler zu vermeiden, die sich bei einem Baseballspiel rasch zu katastrophalen Niederlagen ausweiten. Die Fehler bestehen nicht immer aus dem schlechten Pitch, den ein Batter dann lässig zu einem Drei-Run-Home-Run über den Zaun drischt. Die Fehler von Belang finden meistens vorher statt, wenn man verhindert, dass der Gegner überhaupt auf die Bases kommt oder Bases stiehlt und und und. In diesen kleinen Verfaltungen und verstiegenen Verwinnkelungen des Spiels liegt die Crux. Nicht überraschend:
Hochbezahlte Topmannschaften tun sich oft schwerer, solche Schnitzer zu vermeiden, weil sie nicht mehr so minuziös denken und weil der Manager Angst davor hat, den teuren Super-Pitcher früh genug vom Platz zu holen.Und dann kommt so eine Mannschaft wie die Cleveland Indians daher und spielt hochmotiviert und hochkonzentriert, obwohl die Gehälter der Spieler weit unter dem liegen, was die BoSox-Profis bekommen und bringen genau jene Anspannung mit, die man vier Stunden lang aufbringen muss, wenn man die kleinen Sachen nicht verbocken will. Die Indians werden vielleicht nicht heute abend gewinnen. Schon gar nicht nach dieser Provokation an die Adresse von Red-Sox-Pitcher Josh Beckett. Das macht die trägen Bostoner sicher endlich wach. Aber man möchte die Chuzpe trotzdem bewundern: Welches Team bringt schon vor dem Match die Ex-Freundin (Danielle Peck, siehe Bild) der zentralen Figur des Gegners auf den Platz und lässt sie die Nationalhymne singen?
Blick zurück: Nationalhymnen von Zwergstaaten
14. Oktober 2007
"Wo...der Himmel Wein uns macht"
Heute mal ein kurzes Grußwort an die Leser aus dem Großherzogtum Luxemburg, wo man vermutlich an diesem Sonntag in beachtlicher Feierlaune sein dürfte. Die Fußballer haben soeben das 18. Länderspiel in der Geschichte des Fußballverbandes gewonnen, die im Jahr 1918 begann. 18 von knapp 300. Eine Bilanz, über die man keine Witze machen möchte. Schon gar nicht aus deutscher Sicht. Denn einer der Siege gelang 1935 gegen die großen Nachbarn im Osten. Als jemand mit einem unerklärlichen Faible für Nationalhymnen (Pathos meets Romantik meets komplexe Melodieführung und Harmoniegestaltung) habe ich dann mal die luxemburgische herausgekramt und muss sagen: Chapeau, Monsieur Zinnen, gut gesetzt, das Tonwerk. Kommt in meine persönliche Top Ten (zu Sowjetunion, Slowakei, USA, Polen, DDR, Schweden). Wer sich mal ein paar andere Kleinstaaten- (sprich Fußballzwerg-)Hymnen anhören möchte: Andorra (klingt, als ob jemand unbedingt die Marseillaise vom Nachbarstaat verarbeiten musste), Monaco (starke Erinnerungen an das Neujahrskonzert aus Wien), Malta (wirkt erstaunlich originär und unbeeinflusst, allerdings - für das Genre - eher Standardware).
Abonnieren
Posts (Atom)