11. April 2009

Der Klingelbeutel: Auf dem Weg zur Zirkus-Show

• Man hatte eigentlich das Gefühl, dass die Konvergenz-Tendenz der Freizeitindustrie ihren Höhepunkt erreicht hatte, als Brauereien und Medienunternehmen Sportclubs in Nordamerika übernahmen. Das hochheilige Dreieck des Unterhaltungsprogramms in den Haushalten von Millionen ist damit abgedeckt: Sie sehen stundenlang Sport im Fernsehen, mit genug Bier in Reichweite. Umso verwirrender ist diese Nachricht: Die kanadische Popsängerin Celine Dion will zusammen mit mehreren Partnern den Mehrheitsanteil an den Montreal Canadiens erwerben, der seit kurzem zum Verkauf steht. Dion ist in diesen Breitengraden extrem berühmt, weil sie es geschafft hat, sich über die Hintertreppen der Musikindustrie an jene Songs heranzurobben, die in teuren und erfolgreichen Filmproduktionen ihr Publikum fanden (Stichworte: Titanic, Up Close and Personal, Sleepless in Seattle, Beauty and the Beast) und sich auf diesem Weg durch Duette mit berühmteren Leuten wie Barbra Streisand und Luciano Pavarotti nach oben zu hangeln. Eine außerordentlich ehrgeizige, blutleere Person, die sich mit sehr viel Fleiß, Geschick und einer bemerkenswerten Stimme als jüngste von 14 Geschwistern nach oben gearbeitet hat. Wer sich für die Frau interessiert, sollte sich mal die französischsprachigen Alben aus den neunziger Jahren gönnen (zum Beispiel diese Darbietung, im Kontrast aber dann auch noch ihr Siegeslied vom Eurovisions-Wettbewerb 1988 damals für die Schweiz). 2007 wurde ihr Privatvermögen von Forbes auf 250 Millionen Dollar geschätzt. Auch nicht schlecht: Die Celine Dion-Parodien, die mit wenigen Mitteln die aufgesetzte Gefühls-Masche der Frankokanadiern, ihren Sprechstil und ihren Akzent als einstudierten act entlarven.

• Martin Kaymers Bilanz beim Masters in diesem Jahr: zwei Schläge über der Cutlinie nach zwei Runden und erneut das Aus. Das Problem war die zweite Runde am Karfreitag. Die erste am Donnerstag hatte er Par gespielt.

• Eishockey auf dem Weg zur Zirkus-Show. Die vielen Penalty-Shootout-Entscheidungen in der NHL, bei denen die Torleute deutlich im Vorteil sind, machen einen neuen Typ von Vollstrecker erforderlich: einen Trickser, der den Goalie nach Strich und Faden ausfuchst. Von solchen Einlagen werden wir in Zukunft sicher noch mehr sehen. 


Hier noch eine Variante nicht aus der NHL.
 
• Man kann in der NBA selbst dann gut verdienen, wenn man nicht spielt oder so gut wie nicht spielt. Eine kleine Übersicht

• ...und dann war da noch die Nachricht, dass jetzt Cheerleader an der University of Oregon Stipendien wie bekommen können. So wie die Sportler, denen sie von der Seitenlinie aus zuwinken. Was soll man da sagen? Frohe Ostern?

Kommentare:

meximum hat gesagt…

http://www.youtube.com/watch?v=b_X5FdpsWpg

Auch ein schönes Penalty-Tor. Aber im Ernst: ich finde es ungerecht, den shoot-out als Zirkus zu diskreditieren. Da gibt es Schlimmeres. Und es scheint ja zu wirken, wie die steigenden Zuschauerzahlen nahelegen: http://www.sportsbusinessjournal.com/index.cfm?fuseaction=article.printArticle&articleId=61172

Jürgen Kalwa hat gesagt…

Ich bin nicht gegen den Shoot-Out. Irgendwie muss man ja Spiele entscheiden. Aber ich bin gegen eine Entwicklung, bei der das Foppen der Torleute zur Hauptattraktion wird. Nicht weil ich die Torleute bedaure, die dabei immer ganz schlecht aussehen, sondern weil man angesichts einer solchen Situation ernsthaft über die Regeln nachdenken sollte. Vielleicht sind die Tore zu klein, vielleicht haben die Goalies immer noch zuviel Schutzkleidung an. Es kann doch nicht sein, dass bei einer solchen Entscheidung der Torwart statistisch gesehen eine 2:3-Chance hat, den Schuss abzuwehren (und das gilt auch für den Penalty in einem Spiel, der ja als Kompensation für ein Foul gedacht ist).