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13. September 2009
Serena Williams rastet aus
Es lohnt sich, diese sechs Minuten Zeit aufzubringen, um die Entwicklung und den Ausgang des bizarren Geschehens bei den US Open in Flushing Meadows am Samstagabend nachzuvollziehen. Das simple Faktum: Serena Williams verliert das Match gegen Kim Clijsters, als der Schiedsrichter der Belgierin den Matchball zuspricht, weil die Amerikanerin eine Linienrichterin beschimpft hat. An dieses Match werden sich vermutlich noch lange viele Leute erinnern. Nicht nur die Zuschauer im Arthur-Ashe-Stadion, die zunächst gar nicht nachvollziehen konnten, welches Drama sich auf dem Platz abspielt. Die Erinnerung wird mit dem Namen Serena Williams gekoppelt sein und kaum mit dem von Clijsters, die an diesem Abend auf jeden Fall die bessere Spielerin war. Das Verhalten von Williams war deshalb so teuer, weil sie bereits im Verlaufe der Begegnung eine Verwarnung erhalten hatte. Die nächste Eskalationsstufe der Disziplinarstrafen im Tennis ist der Punktverlust. Wobei Verlust in dem Fall nicht wörtlich zu nehmen ist. Denn dem zu bestrafenden Spieler wird nichts abgezogen, sondern dem Gegner wird der Punkt gut geschrieben.
Auslöser der Konfrontation war ein Fußfehler von Serena Williams beim zweiten Aufschlag zum Punkt davor. Diese Entscheidung provozierte die 27-jährige dazu, auf die Linienrichterin zuzugehen und in einer drohenden Haltung zu beschimpfen. Was sie rief, wollte sie in der Pressekonferenz nicht wiederholen. Zunächst tat sie so, als habe sie die Worte vergessen. Später weigerte sie sich, den wartenden Journalisten die Details zu zu schildern. Die Begründung: Sie habe das bereits hinter sich gelassen.
Tennis.com vermochte zumindest, den Kernsatz der Tirade von Williams aufzuschnappen und nahm in der Berichterstattung hinterher nach amerikanischer Manier die Schimpfwörter heraus (vermutlich benutzte sie zweimal das Wort "fucking"): "I swear to God, I'll [expletive] take this ball and shove it down your [expletive] throat, do you hear me?"
Der ganze Beitrag jedoch bestand aus einer umfangreichen Rechtfertigung ihres Verhaltens. Williams habe jedes Recht gehabt, wütend auf die Fußfehler-Entscheidung zu reagieren. "Das war eine schreckliche, dumme, grauenhafte, alberne Entscheidung." Eine solche Solidaritätserklärung wirkte so, als habe das Fachorgan ein Interesse daran, sich mit der Williams-Familie gut zu stellen. Das Argument, dass ein Linienrichter in einer solchen Situation nicht die Regeln konsequent anwenden soll, ist aburd und entspringt einer in den USA oft gepflegten Betrachtungsweise des Ablaufs von sportlichen Wettbewerben. Danach gelten die letzten Punkte oder Treffer gegen Ende eines Spielabschnitts oder gegen Ende einer Begegnung als bedeutungsvoller als all die anderen. Diese Einschätzung ignoriert die Prinzipien der Arithmetik. Denn tatsächlich zählt jeder Punkt und jedes Tor exakt genausoviel – auch in einer Sportart mit einer altertümlichen Art des Zählens (15:0, 30:0, 40:0). Ihr Ursprung dürfte der in Amerika gepflegte und vom Fernsehen gespeiste Highlight-Kult sein, der ausschließlich von ausgewählten Momenten lebt und sich keinen Deut um Abläufe, Entwicklungen, Strategie und Taktik schert.
Kein Wunder, dass anlässlich eines solchen Moments die Argumentation gegen das Regelelement "Fußfehler" im Tennis hervorgekramt wird. Die Beschwerde geht so: Der Profi habe keinen wirklichen Vorteil, wenn er von einem Punkt ein paar Zentimeter näher am Netz zum Aufschlag abspringt. Das wirkt logisch, macht aber keinen Sinn. Denn die Linie ist die Linie ist die Linie. Sie ist Teil des Spiels und wird auch in anderen Situationen immer wieder Meinungsverschiedenheiten produzieren. Die eigentliche Frage in diesem Zusammenhang wäre eher: Warum setzt man nicht hier, wie auch bei anderen Konstellationen im Tennis die Technik ein. Denn niemand weiß bis heute ganz genau, ob es überhaupt ein Fußfehler war.
Blick zurück: Lieber essen und meckern
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3. September 2008
Football für Kreative: Die A-11-Formation
Wenn man sich anschaut, wohin sich in den letzten Jahren Football entwickelt hat, kommt nicht viel Begeisterung auf. Die Spieler sind einfach nur immer größer und schwerer geworden. Nicht nur die Linemen und Tackles, sondern vor allem auch Linebacker, Tight Ends und auch Quarterbacks. Weil Mutter Natur nicht von alleine solche Körper produziert, wurde nachgeholfen. Die NFL wird sicher behaupten, dass das alles mit legalen Mitteln zugeht. Sie macht schließlich Dopingtests, um die Burschen herauszufischen, die mit Anabolika und anderen Stoffen nachhelfen. Aber das darf man solange als Propaganda einstufen, wie die Spieler nicht wieder auf menschlichere Dimension schrumpfen.
Auch Trainerstäbe wurden immer größer, vor allem in der NFL, wo die Salary Cap den reichen Clubs verunmöglicht, in viele teure Spieler zu investieren. Die Reaktion: Man investiert in jene Brain Power, die von der Liga finanziell nicht beschnitten wird.
Einer der Gründe für diese Trends ist die Phantasielosigkeit, die in das Grundkonzept des Spiels mit seinen unglaublichen vielen Regeln eingebaut worden ist. So haben Trainer im Laufe der Jahrzehnte einen Spielstil kultiviert, der einem Schachcomputer ähnelt. Man spielt in erster Linie eingeübte Programme ab. Selten mal kommt jemand auf neue Ideen wie Bill Walsh, der bei den San Francisco 49ers die etwas mobilere und kreativere West Coast Offense installierte. Und genauso selten werden Regeln geändert wie jene, die das Checken der Wide Receiver betrifft. Ein Resultat: die eigenartige Überhöhung der Figur des Quarterbacks, der zwar in der arbeitsteiligen Struktur des Angriffs eine zentrale Rolle spielt. Aber das auch nur deshalb, weil man den Leuten an seiner Seite nicht das Werkzeug in die Hand gibt (sprich: Spielzüge), die völlig neue Formationen und Optionen ermöglichen würden.
Wohl auch deshalb reiben sich in diesen Tagen viele Leute die Augen, wenn sie über die A-11-Formation einer Mannschaft an einer kalifornischen High School lesen, in der es zwei Quarterbacks gibt und theoretisch alle Angriffsspieler auf dem Platz als eligible receiver in Frage kommen. Ganz praktisch gesehen, sind es dann trotzdem nur fünf. Aber das an dieser Stelle dem Football-Laien zu erklären, führt ein wenig zu weit. Das Resultat ist eine Formation, die den Gegner total im Unklaren darüber lässt, wer sich durch die Vorwärtsbewegung als eligible receiver herausschält und wer nicht. Und wo im Feld sich die dann wohl aufhalten, um einen Pass zu fangen, müssen die Verteidiger ebenfalls raten.
Hier zum besseren Verständnis die Beschreibung des Trainers Kurt Bynum, der die Idee hatte:
Auch Trainerstäbe wurden immer größer, vor allem in der NFL, wo die Salary Cap den reichen Clubs verunmöglicht, in viele teure Spieler zu investieren. Die Reaktion: Man investiert in jene Brain Power, die von der Liga finanziell nicht beschnitten wird.
Einer der Gründe für diese Trends ist die Phantasielosigkeit, die in das Grundkonzept des Spiels mit seinen unglaublichen vielen Regeln eingebaut worden ist. So haben Trainer im Laufe der Jahrzehnte einen Spielstil kultiviert, der einem Schachcomputer ähnelt. Man spielt in erster Linie eingeübte Programme ab. Selten mal kommt jemand auf neue Ideen wie Bill Walsh, der bei den San Francisco 49ers die etwas mobilere und kreativere West Coast Offense installierte. Und genauso selten werden Regeln geändert wie jene, die das Checken der Wide Receiver betrifft. Ein Resultat: die eigenartige Überhöhung der Figur des Quarterbacks, der zwar in der arbeitsteiligen Struktur des Angriffs eine zentrale Rolle spielt. Aber das auch nur deshalb, weil man den Leuten an seiner Seite nicht das Werkzeug in die Hand gibt (sprich: Spielzüge), die völlig neue Formationen und Optionen ermöglichen würden.
Wohl auch deshalb reiben sich in diesen Tagen viele Leute die Augen, wenn sie über die A-11-Formation einer Mannschaft an einer kalifornischen High School lesen, in der es zwei Quarterbacks gibt und theoretisch alle Angriffsspieler auf dem Platz als eligible receiver in Frage kommen. Ganz praktisch gesehen, sind es dann trotzdem nur fünf. Aber das an dieser Stelle dem Football-Laien zu erklären, führt ein wenig zu weit. Das Resultat ist eine Formation, die den Gegner total im Unklaren darüber lässt, wer sich durch die Vorwärtsbewegung als eligible receiver herausschält und wer nicht. Und wo im Feld sich die dann wohl aufhalten, um einen Pass zu fangen, müssen die Verteidiger ebenfalls raten.
Hier zum besseren Verständnis die Beschreibung des Trainers Kurt Bynum, der die Idee hatte:
“The A-11 features up to all eleven players wearing an eligible receiver jersey number, either 1–49 or 80–99, with two quarterbacks in the shotgun formation, and with nobody under center—thereby meeting the criteria for a scrimmage kick formation. In their base sets, Piedmont has a center, and a tight end on each side, and three wide receivers to the right, and left respectively. By spreading the potentially eligible receivers across the entire field, it forces the defense to account for every possible receiver on each play. Of course, on any given play, only 5 of those players can go downfield to catch a pass, and the rest remain ineligible to catch a downfield pass on that particular play."Tatsächlich handelt es sich bei dieser Idee nicht um eine prinzipielle Neuentwicklung, sondern um das Ausschöpfen einer Besonderheit aus dem restriktiven Regelwerk, das nur für eine Field Goal Kick-Situation andere Konstellationen erlaubt (aber nicht definiert, wann und wo und bei welchem Down sich eine angreifende Mannschaft zum Field Goal Kick aufbauen darf, theoretisch kann sie das tief in der eigenen Hälfte). Amerikanische Regelkenner schreiben, dass die existierenden Vorschriften diese taktische Feinheit allenfalls im High-School- und womöglich auch im College-Bereich zulassen. In der NFL ginge das nicht. Wie wäre es dann, wenn man die Regeln in der NFL mal so reformiert, dass ein kreatives Spiel möglich wird?
11. März 2008
Medienarbeit in Dallas: Ein Blogger sperrt die Blogger aus
Mark Cuban hat ein Mantra, das er vermutlich ernst meint, wenn es aus ihm heraus oooooohhhmt. "Regel Nummer eins für mich beim Bloggen ist, ehrlich zu sein." Klingt gut. Aber immer mehr Leute bezweifeln, dass Dirk Nowitzkis Arbeitgeber wirklich weiß, was das ist: ehrlich. Cuban hat vor wenigen Tagen einen Blogger der Dallas Morning News per Dekret aus der Umkleidekabine der Mavericks geworfen. Das ist deshalb bemerkenswert, weil akkreditierte Journalisten in der NBA und in anderen Ligen Zugang zur Umkleidekabine haben, um dort mit den Spielern sprechen zu können - vor einem Match und hinterher. Und der Blogger ist nicht anderes als ein Journalist, der auf der Website seiner Zeitung einen anderen Berichterstattungsstil pflegt. Cuban behauptet, er müsse einen Strich ziehen und Bloggern diese Arbeitsmöglichkeit nehmen, die er ihnen bislang eingeräumt hatte, weil es an Platz fehlt. Alles nach dem Motto: Die vielen Blogger treten den normalen Journalisten auf die Füße und stören bei der Arbeit.
Das wäre vielleicht noch zu verstehen, wenn die Umkleidekabine wirklich eng wäre. Sie ähnelt aber mehr einer kleinen Halle. Es wäre vielleicht auch noch zu verstehen, wenn sich Journalisten über die Blogger beklagt hätten. Aber davon redet Cuban gar nicht. Er redet auch nicht davon, dass er neulich eine eigenartige Beschwerde gegenüber Deadspin-Blogger Will Leitch los lies, weil der nach der Veröffentlichung des Interviews mit Cuban für das Magazin GQ noch ein paar Sätze in einem Schwester-Blog absonderte. Er redet von einem Prinzip. Es geht ihm um Gleichbehandlung und Fairness und all der hochgestochene Unsinn, der einem Mann über die Zunge rollt, wenn er die Macht hat, die Regeln festzulegen und dem Publikum die Regeln nach Gusto zu erklären.
Cuban ist ein seltsamer Mann. Und diese Aktion bestätigt es nur aufs Neue. Bezeichnend dass die Maßnahme in eine Zeit fällt, in der die Fans anspruchsvoller werden und zum ersten Mal mit sehr klugen Argumenten die Qualitäten des Trainers Avery Johnson in Zweifel ziehen. Extreme Eitelkeit schimmerte durch, als Johnson vor ein par Tagen aus Anlass des neuen von Dirk Nowitzki aufgestellten Clubrekords folgendes erklärte: "Er hat mir gestattet, das Beste aus ihm herauszuholen. Er hatte einen Triple Double in diesem Jahr. Er ist MVP gewesen...." Der Hinweis auf seine eigene angebliche Rolle in der Entwicklung des Würzburgers nervt Anhänger. Denn sie haben nicht vergessen, dass es Holger Geschwindner war, der ihn entdeckte und förderte. Und dass es Don Nelson war, der ihn draftete und das erste schwierige Jahr durchhielt und ihm zur Entfaltung seiner Sprungwurf-Fähigkeiten verhalf. Sie wissen auch, dass Nowitzki niemand braucht, der ihn motiviert. Kaum jemand in der NBA trainiert mehr und härter. Und das seit Jahren.
Obendrein spricht sich allmählich herum, dass Johnson ein lausiger Playoff-Coach ist und weit mehr Verantwortung für die beiden Pleiten der letzten Jahre hat als sein bester Spieler, der auf dem Platz nicht genug Hilfe bekommt. Johnson hat bisher kurioserweise stets einen Freifahrtschein erhalten - von den Medien und auch von den Fans. Nach dem Jason-Kidd-Trade will ihm niemand mehr irgendwelche Fehlleistungen nachsehen. Der Lack ist ab. Jetzt muss er beweisen, dass er etwas hinbekommt. Dass Johnson der falsche Trainer für den Deutschen ist, sollte man spätestens seit dieser Nachricht wissen.
Etwas weniger deutlich habe ich das bereits vor dem Anfang der Saison in der FAZ geschrieben, als ich meine Verwunderung darüber formulierte, dass Nowitzki sich nicht endlich gegen die Bevormundung von Johnson zur Wehr setzt. Die Zeichen standen schon damals an der Wand. Nur wollte sie kaum jemand lesen.
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12. Dezember 2007
Nur noch mit Anwalt
Man sollte davon ausgehen, dass nicht jeder Trainer heimlich davon träumt, sich von der Seitenauslinie aus so wirksam ins Spiel einzuschalten, wie das bei diesem Team der Fall war. Nicht jeder Trainer besitzt dieses gewisse rücksichtslose Etwas. Die meisten wollen mit offenem Visier gewinnen.
Aber das gilt ganz bestimmt nicht für den Football in den USA, der aus einem Konvolut an Regeln besteht (mehr als 200 Seiten), das, anders als der Fußball, wo man mit ein paar läppischen Seiten und einer Handvoll von Bestimmungen auskommt, dem Hirn von Juristen entsprungen scheint. Wie soll da ein normaler Spieler noch durchblicken, wenn er auf dem Platz auf eine Situation reagieren soll wie diese: "Coach, wrong ball", ruft da jemand von der Angreifermannschaft und signalisiert etwas, was er gar nicht in die Tat umsetzen will. Den Rest erklärt das Video:
Aber das gilt ganz bestimmt nicht für den Football in den USA, der aus einem Konvolut an Regeln besteht (mehr als 200 Seiten), das, anders als der Fußball, wo man mit ein paar läppischen Seiten und einer Handvoll von Bestimmungen auskommt, dem Hirn von Juristen entsprungen scheint. Wie soll da ein normaler Spieler noch durchblicken, wenn er auf dem Platz auf eine Situation reagieren soll wie diese: "Coach, wrong ball", ruft da jemand von der Angreifermannschaft und signalisiert etwas, was er gar nicht in die Tat umsetzen will. Den Rest erklärt das Video:
12. September 2007
Buffalo und Bill: Extreme in der NFL
Das erste Wochenende der NFL-Saison produzierte zwei extreme Fälle: die Verletzung eines Spielers der Buffallo Bills, dessen erste Prognose der schiere Horror war. Ärzte befürchteten, dass er für den Rest seines Lebens von der Schulter abwärts gelähmt bleiben würde. Seit gestern abend klingen die Aussichten sehr viel besser. Auch weil die Unfallmedizin immer besser wird. So wurde Tight End Kevin Everett innerhalb kurzer Zeit eine gut gekühlte Salzlösung gespritzt, die dafür sorgte, seine Körpertemperatur abzusenken. Der Prozess verhinderte Schwellungen in den kritischen Zonen des Rückenmarks.
Wie man allerdings den für seine cholerischen Anfälle bekannten Trainer der New England Patriots runterkühlen wird, ist noch nicht klar. Denn Bill Belichik und sein Stab wurden erneut dabei erwischt, Handzeichen einer gegnerischen Mannschaft mit Hilfe einer Videokamera aufzuzeichnen. So etwas ist sicher nicht halb so schlimm wie das Ausrichten von Hundekämpfen, zeigt aber wie weit der als großer Taktiker verehrte Coach geht, um sich so viele Vorteil wie möglich zu verschaffen. Was ist das Problem? Die NFL hat Regeln, wonach solches Verhalten schlichtweg verboten ist. Was ist das größere Problem? Belichick kann nicht so tun, als habe da ein kleiner Angestellter in seinem Laden aus freien Stücken ein bisschen Werkspionage betrieben, die ihm persönlich gar keinen Nutzen bringt. Die Sache war einem Offiziellen der New York Jets aufgefallen und wurde an die Liga weiter gemeldet. Die konfiszierte die Kamera und fand eindeutige Belege für das Fehlverhalten. Von den Patriots gab es noch keine Stellungnahme. Aber man kann sich vorstellen, warum: Erst mal wurde der arme Kameramann in Grund und Boden gestampft, weil er er so blöd war, sich erwischen zu lassen. Und als nächstes wird an einer Formulierung gebastelt, die den Eindruck erwecken soll, als habe die Führung keine Ahnung von dem gesetzlosen Treiben ihrer Mitarbeiter.
Sobald sich der von den Patriots geworfene Nebel verzogen hat, wird der Commissioner die Strafe verhängen. Die könnte happig ausfallen. Insider munkeln, dass die Liga für solches Treiben den Verlust von Draftplätzen verhängt.
Blick zurück: Die Rolle von Belichick in einem schmuddeligen Scheidungsprozess
Wie man allerdings den für seine cholerischen Anfälle bekannten Trainer der New England Patriots runterkühlen wird, ist noch nicht klar. Denn Bill Belichik und sein Stab wurden erneut dabei erwischt, Handzeichen einer gegnerischen Mannschaft mit Hilfe einer Videokamera aufzuzeichnen. So etwas ist sicher nicht halb so schlimm wie das Ausrichten von Hundekämpfen, zeigt aber wie weit der als großer Taktiker verehrte Coach geht, um sich so viele Vorteil wie möglich zu verschaffen. Was ist das Problem? Die NFL hat Regeln, wonach solches Verhalten schlichtweg verboten ist. Was ist das größere Problem? Belichick kann nicht so tun, als habe da ein kleiner Angestellter in seinem Laden aus freien Stücken ein bisschen Werkspionage betrieben, die ihm persönlich gar keinen Nutzen bringt. Die Sache war einem Offiziellen der New York Jets aufgefallen und wurde an die Liga weiter gemeldet. Die konfiszierte die Kamera und fand eindeutige Belege für das Fehlverhalten. Von den Patriots gab es noch keine Stellungnahme. Aber man kann sich vorstellen, warum: Erst mal wurde der arme Kameramann in Grund und Boden gestampft, weil er er so blöd war, sich erwischen zu lassen. Und als nächstes wird an einer Formulierung gebastelt, die den Eindruck erwecken soll, als habe die Führung keine Ahnung von dem gesetzlosen Treiben ihrer Mitarbeiter.
Sobald sich der von den Patriots geworfene Nebel verzogen hat, wird der Commissioner die Strafe verhängen. Die könnte happig ausfallen. Insider munkeln, dass die Liga für solches Treiben den Verlust von Draftplätzen verhängt.
Blick zurück: Die Rolle von Belichick in einem schmuddeligen Scheidungsprozess
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18. März 2007
Jemand anderem die Stange halten? Nur mit Erlaubnis
Als erstes sah ich, wie der FOREMENblog.de ein Thema anriss, das in Golferkreisen ganz schön Aufsehen erregt hat: "Der Hillbilly kassierte zwei Strafschläge für zuviel Freundlichkeit." "Hillbilly" war wohl ironisch gemeint. Denn der betroffene Amerikaner Boo Weekley kommt aus der Nähe von Pensacola in Florida, wo es keine Hügel gibt. "Zuviel Freundlichkeit" wohl nicht. Denn so - oder so ähnlich - legten fast alle Kommentatoren den Zwischenfall aus, der sich am Samstag in der dritten Runde beim Bay Hill Invitational in Orlando ereignete. Fast jeder empfand Sympathien für einen Mann, der selbst bestraft worden war, weil er verhindern wollte, dass sein Gegenspieler eine Strafe erhält.
Die Sympathieerklärungen waren mehr als irreführend. Es hat nichts mit Freundlichkeit zu tun, wenn ein Golf-Professional die Regeln nicht kennt, sondern mit Unwissen. Man könnte auch sagen: mit Dummheit. Regel 17-2, eine Weiterführung von 17-1, ist ziemlich unmissverständlich: Du ziehst den Flaggenstock mit der Fahne nicht ohne Einwilligung des betreffenden Spielers aus dem Loch, wenn der puttet (oder auf dem Grün chippt, wie hier geschehen). Dass der Gegenspieler zwei Strafschläge kassieren würde, falls sein Ball die Stange touchiert, ist dessen Problem.
Dabei war die Affäre noch harmlos im Vergleich zu der Geschichte von vor zwei Wochen, als ein Spieler bestraft wurde, weil sein Caddie gegen eine Regel verstoßen hatte (siehe hier). Damals ging die Sache noch mal gut aus. Der Spieler gewann trotzdem das Turnier.
Die Sympathieerklärungen waren mehr als irreführend. Es hat nichts mit Freundlichkeit zu tun, wenn ein Golf-Professional die Regeln nicht kennt, sondern mit Unwissen. Man könnte auch sagen: mit Dummheit. Regel 17-2, eine Weiterführung von 17-1, ist ziemlich unmissverständlich: Du ziehst den Flaggenstock mit der Fahne nicht ohne Einwilligung des betreffenden Spielers aus dem Loch, wenn der puttet (oder auf dem Grün chippt, wie hier geschehen). Dass der Gegenspieler zwei Strafschläge kassieren würde, falls sein Ball die Stange touchiert, ist dessen Problem.
"Bedienen ohne ErmächtigungSicher, die Angelegenheit war kurios: Weekleys Gegenspieler kam durch dessen Hilfs-Aktion um die zwei obligatorischen Strafschläge herum. Er selbst jedoch musste sich am Ende einer ziemlich gute Runde zwei Strafschläge aufschreiben. Aber jetzt kommt der Kicker: "Ich wusste nicht, dass man dafür eine Strafe erhält", sagte Weekley. "Ich denke, man lernt jeden Tag etwas Neues." Der begünstigste Gegenspieler Tom Johnson regte sich noch mehr auf: Er habe in 27 Jahren Golf noch nie von so etwas gehört. Da kann man mal sehen: Da waren also zwei Dösköppe unterwegs, die am liebsten noch den Aufstand der Entrechteten starten und die uralten Regeln des Spiels über den Haufen werfen würden.
Wenn ein Gegner oder dessen Caddie im Lochspiel oder ein Mitbewerber oder dessen Caddie im Zählspiel den Flaggenstock ohne Ermächtigung oder ohne vorherige Kenntnis des Spielers während des Schlages oder solange, wie der Ball in Bewegung ist, bedienen, entfernen oder hochhalten, so zieht sich der Gegner oder Mitbewerber die anwendbare Strafe zu, falls diese Handlung die Bewegung des Balls beeinflussen könnte."
Dabei war die Affäre noch harmlos im Vergleich zu der Geschichte von vor zwei Wochen, als ein Spieler bestraft wurde, weil sein Caddie gegen eine Regel verstoßen hatte (siehe hier). Damals ging die Sache noch mal gut aus. Der Spieler gewann trotzdem das Turnier.
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